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Nr. 67.

Baſertionspreis: Die einspaltige Betitzeile für ganz Ober­beffen, die Kreise Wehlar unb Marburg 10 Bfg. sonst 15 Pfg. Reklamen bie Petitzeile 30 refp. 40 Bfg.

Redaktion u. Haupterpedition: teßen, Selters weg 83. Fernsprechanschluk Nr. 862.

Montag, den 20. März 1905.

Gießener

14. Jahrgang

Abonnementspreis: abgeholt monatlich 50- Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährl. Mr. 1.50. Grattebeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Neueste Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Deutfch- Südweftafrika.

Im deutschen Reichstag wird über unsere Kolonien ver­handelt. Vor allem ist es natürlich Südwestafrika, das das Interesse in Anspruch nimmt. Die Größe der Entfernung und die Mangelhaftigkeit der Verbindungen, von der der berwöhnte Mitteleuropäer sich nur mit Mühe eine rechte Borstellung machen kann, bringen es mit sich, daß wir bloß in weiten Intervallen und gewissermaßen ruckweise knappe Nachrichten aus Deutsch- Südwestafrika erhalten. Namen flingen dabei an unser Ohr, die uns nichts sagen, über die wir manchmal selbst in guten Kartenwerfen vergeblich Aus­funft suchen. Die Ortschaften, von denen die Rede ist, mögen jünger sein, als der jüngste Atlas, oder zu unbedeutend auch für eine genaue geographische Zeichnung, zu vorübergehen­der Wichtigkeit einzig dadurch gelangt, daß sie Zielpunkt eines Marsches oder Schauplatz eines Scharmügels gewesen. Mit vorbildlicher Aufrichtigkeit, die jede Beschönigung ver­schmäht, berichtet die Truppenleitung über die Peripetien des Kampfes mit den Aufständischen. Doch ein klares Bild bermag nur die kleine Schar der Eingeweihten zu gewinnen.

ion der Neuen Berliner

Bremsen

Es ist selbstverständlich, daß deutsche Truppen mit Tapfer­feit ihre Pflicht tun, daß sie ungewöhnliche Strapazen mit Ausdauer überwinden, daß sie den an Zabi meit überlegenen Gegner besiegen, obwohl dessen Mindemegteit durch seine genaue Terrainkenntnis nahezu ausgegligen ist. Aber erst auf dem Wege der Reflexion gelangen wir zu der Erkenntnis, nicht daß Tapferkeit nicht vor Verlusten schützt- denn das ist selbstverständlich sondern daß Bodenschwierigkeiten, Wassermangel und Verpflegungsrücksichten eine schnelle Ver­folgung hemmen, daß Buschwert und Wüstentrockenheit dem Fliehenden einen Vorsprung sichern, daß das Kampfgebiet eine größere Ausdehnung hat als das Keich, und daß die Auflösung des Feindes in kleine Gruppen und Trupps zu einer Vereinzelung auch in der Verfolgung zwingt.

für den südafrikanischen Krieg 150 Millionen Pfund, d. 1. über drei Milliarden Mark, aufgewendet; wir werden viel. leicht mit dem dreißigsten, im schlimmen Fall mit dem zwanzigsten Teil der Kosten fortkommen.

Man muß an den dreijährigen Burenkrieg denken, um eine Analogie zu finden. Es liegt uns weltenfern, das tapfere Kulturvolk der Buren mit den Herero oder anderen afrikanischen Eingeborenenstämmen in Parallele zu stellen. Wissen wir doch, daß die Buren die eingeborenen Afrikaner in musterhafter Weise niederzuhalten verstanden, daß drei Buren ausreichten, hundert Schwarze zu scheuem Gehorsam zu bringen. Wir wissen aber auch, daß England 150 000 Soldaten nach Transvaal schicken mußte, um des kleinen Burenboltes Herr zu werden. Wir haben etwa den fünf­zehnten Teil nach Deutsch- Südwestafrika gebracht und können nicht daran denken, Nachschübe in englischem Maßstab vor zunehmen. Gerade deshalb aber müssen wir darauf gefaßt sein, die Operationen nicht im europäischen, sondern in dem langsamen afrikanischen Tempo sich vollziehen zu sehen. Wir dürfen hoffen, nicht drei Jahre bis zum Abschluß zu ge= branchen; wir müssen aber darauf vorbereitet sein, daß zwei Jahre bis dahin vergeben werden. Die Engländer haben

Die Art des Krieges oder vielmehr der schließlichen Bazi­fizierung in Deutsch- Südwestafrika wird sich von der nicht wesentlich unterscheiden können, die Lord Kitchener in Trans­baal anwendete: Anlegung von Stationen, einer Kette be­festigter Blockhäuser mit Wasser-, Munitions- und Leben? mittel- Vorräten. Der Heliograph oder die Funkentelegraphie können für die Verständigung der Blockhaus- Stationen mit. einander ausreichend sorgen. Dadurch wird es ermöglich, den Feind aufzurollen, ihn nicht zur Ruhe kommer zu lassen. ihn zusammenzudrängen und schließlich unschädlich zu machen oder zu vernichten. Das ist keine Arbeit, die merklich för­dert. Sie geht nur langsam von statten. Sie kostet Zeit und Geld.

Der Eselsmüller und die Falschmünzer.

12)

Von Gustav Rohleder, Grünberg i. H. Alle Rechte vorbehalten.

Bleibt die Frage, ob die Anstrengungen sich endlich auch lohnen werden. Die Frage ist insofern müßig, als wir zu den Anstrengungen und Aufwendungen unter allen Um­ständen gezwungen wären. Die nationale Ehre erfordert das, und da gibt es kein Mäkeln und kein Zeilschen. In einem anderen Sinne aber ist die Frage noch nicht spruchreif. Man hat in Deutsch- Südwestafrika blaue Erde von der Art gefunden, die Diamanten zu bergen pflegt. Trifft die Regel auch hier zu, so ist kein Geld verloren, das diese Kolonie ge­Fostet hat. Auch Kupfer verspricht man sich, und das wäre gleichfalls im Fall der Bewahrheitung die Rechtferti­gung und Sicherung sehr großer Aufwendungen. Das sind freilich nur Hoffnungen, mit denen sich sichere Rechnungen nicht machen lassen. Immerhin zeigen sie unsere Kolonial. politik selbst unter den gegenwärtigen kritischen Umständen in freundlicherem Licht. Wir tun unsere Schuldigkeit, wie bie Rücksicht auf die nationale Ehre es gebietet; werden mi: außerdem noch durch Funde von materiellem Wert belohnt um so besser.

( Nachdruck verboten.) ,, Sorgen soll er für dich, sein Töchterlein möge dir eine liebe Schwester sein. Du aber folge ihm als ein treuer Sohn, dann mein Junge, geht es dir gut." Der Bursche,( Mäzel hieß er), nach seiner Mutter, bensprach alles zu tun, um den Meister zufrieden zu stellen. Er sehnte sich nach Arbeit und Nuhe, suchte aunch- Liebe. So ein Findelfind fühlt mehr als amdere Kinder, Heimweh nach dem Vaterherzen, welches ihm nicht gegeben wurde.

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-

Der Krieg in Oftalien.

Während Kuropatkin auf dem Schienenwege von Charbin aus der Heimat zueilt, um sich vor dem Zaren wegen seiner Kriegführung und seiner Niederlagen zu verantworten, fluten die zersprengten Reste der russischen Armee weiter dem rettenden Norden zu, immer noch hart bedrängt von den Japanern, die entschlossen sind, dem Feind nicht Rast noch Ruh zu gönnen. Nach Meldungen aus Tokio artet der russische Rückzug immer mehr in regellose Flucht aus, doch wird andererseits behauptet, daß General Kaulbars sich energisch den Japanern entgegengestellt und sie mit Erfolg aufgehalten hat.

Schwere Rückzugsgefechte,

die für die Russen naturgemäß sehr verlustreich sind, fin­den täglich statt. Marschall Oyama meldet über ein solches vom 16. März:

du dann übrig haft, kann dir Meister Schlierbach Du den. Grennt die Brabanter". Nun, mein Junge, wechseln. Er

Unsere Truppen zerstreuten heute rechts von Liaoho acht russische, mit Artillerie versehene Eskadrons, worauf sie eine nördlich von Ticlin und auf der rechten Seite des, Liavho gelegene Anhöhe besetzten und den im Rückzug be­griffenen Feind, der aus einer Infanterie- Division und mehreren Eskadrons bestand, beschossen.

Wie immer nach einer Niederlage, machen auch jetzt wie­der die Tschuntschusen, die roten Räuber der mandschurischen Steppen, den Russen empfindlich auf dem Rückzuge zu schaffen. Besonders die Bahnlinie wird von ihnen belästigt und gefährdet.

lebe wohl", so sprechend nahm er den Burschen in seine Arme und füßte ihn. Tränen traten in die Augen des rauhen und schlauen Eselsmüller. Ach, was ist doch ein Mensch?

Bald kam das föstliche nordische Essen, Suppe mit Fleisch, Schweinebraten mit Kartoffeln usw., einfach, aber in Menge. Dazu den köstlichen Wein. Der arme Junge wurde faft betäubt über all dem Guten. Sr etwas hatte er noch nie gegessen. Was mußte doch der Better Eselsmüller für ein reicher Mann sein. Nachdem beide sich am Essen und trinken gelabt hatten, trieb der Eselsmüller zum Aufbruch. Komm Funge", so sprach er, ich zeige dir den Weg, den gehst du ruhig fort. Hier die Adresse, vergiß nicht, was ich gesagt. Und hier, so sprach er weiter, indem er in seinen Wambs" griff, hast du Reisegeld". ,, Mein Gott," rief der Bursche, das ist zu viel", so viel hatte er noch nie zusammen gesehen. Es war eine ganze Rolle Brabanter"" Ich darf es nicht an­nehmen", so sprach der ehrliche Junge weiter. selsmüller habt schon so viel heute an mir, Euch ganz unbekannten Jungen getan".

Mägel dankte gerührt für solche Liebe, dann eilte er auf Brilon zu.

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Ueberfall auf einen russischen Eisenbahnzug.

Der Kriegsberichterstatter des Matin" telegraphiert aus Charbin, daß er sich am 8. März von Charbin aus nach Muf­den begeben wollte. In der Nähe der Station Sinpinghi sei der Zug von Tschuntschusen überfallen worden. In dem Zuge hätten sich zahlreiche Offiziere und Soldaten befunden; ein Offizier sei durch mehrere Schüsse getötet, zwei Soldaten seien verwundet worden. Der Zug sei übrigens nur bis Tielin gelangt und habe dann umkehren müssen.

Kuropatkin und der Zar.

In Petersburg vollzieht sich jezt, nachdem Kuropatkin endgültig vom Oberbefehl abberufen worden ist, ein Um­schwung in der Stimmung der öffentlichen Meinung gegen ihn. Man erzählt, daß der Zar in dem Kriegsrat, in dessen Verlauf Kuropatkins Enthebung vom Kommando beschlossen wurde, mit warmen Worten für diesen eingetreten sei. Er habe gesagt: Meine Herren! Kuropatkins Armee ist moralisch zerrüttet, aber augenblicklich gewinnt sein Ansehen doppelt, denn erst jetzt erkenne ich die großen Dienste, die er mir bis­her in diesem Stampfe geleistet hat. Er bietet mir seine Demission an. Vergessen Sie bei seinem Unglück nicht seine hohen Tugenden. Ich gestatte Ihnen, unverzüglich über die Belassung Kuropatkins in der Leitung der Armee die Be­ratung zu beginnen." Alle Generäle waren äußerst bewegt und vielen standen die Tränen in den Augen. General Dragomirow errgiff als erster das Wort und kritisierte die legten Operationen Kuropatkins. Er beantragte schließlich, ihn zurückzuberufen. Die Mehrzahl der Mitglieder des Kriegsrates schlossen sich diesem Antrage an, worauf die Rick= berufung mit allen gegen 3 Stimmen beschlossen wurde. Das Telegramm des Zaren an Kuropatkin lautete lakonisch: ,, Erwarten Sie meine weiteren Befehle in Irkutsk."

Der Eselsmüller ging in den Wald und sah dem Jungen nach. Er weinte. Er, der Eselsmüller, der nie Tränen gekannt, er weinte gewiß und wahrhaftig. Hier konnte er es, es sah ihn ja niemand. Ja, Mäzel­Bine hätte ich dir gefolgt, dann war ich glücklich. Dann, ja dann, war der, welchen er eben fortge­schickt hatte, sein Junge, sein Nachfolger in der Mühle und nicht Vaterlos. Nun dann denn wär er nicht der geworden, der er jetzt war. Wie hatte ihn vor kurzem der elende Pfarrer von R... hausen doch ge­nannt? Jett,- was tat er? er führte diesen un­schuldigen jungen Menschen, wegen dem er soeben ge­weint hatte, selbst in die Falschmünzerhöhle des mit ihm eng verbundenen Schlierbach. Also ins Zucht­Denn so würde doch noch alles enden. Dann lachte er selbst laut über seine düsteren Gedanken. Der Eselsmüller und ins Zuchthaus? Herrgott, wo bin ich hingeraten?" so rief er sich selbst zu. Auf' n alten Weibermarkt", so sprach in diesem Augenblicke Kernein, welcher ihm gefolgt war, um ihn vor den drei Grenzjägern zu warnen.

" Still, nicht weiter", sprach der Eselsmüller. Du nimmst, was ich dir gebe. Es sind zwanzig neue Brabanter". In jedem Dorfe oder Stadt, wo du auf der Reise einfehrst, fannst du einen wechseln. Was *) Infolge eines technischen Fehlers in der Seßerei ift in der letzten Fortseßung eine arge Verstümmelung des Romans unterlaufen. Wir lassen sie deshalb zum be: fferen Verständnis noch einmal berichtigt folgen.

haus.

Kuropatkins Abschied von seinen Truppen

war von ergreifender Tragif. Der General, leichenblaß im Gesicht, stand auf der Plattform seines zur Abfahrt be­reiten Zuges und ließ die Abteilungen vorbeidefilieren, mit vor Aufregung zitternder Stimme ihnen Worte des Trostes

Stelle.

Ste waren dienstuntauglich. Neumeyer hatte

ganz besondere Gaben, wie er sagte. Er hatte besondere

-

- nur

Anlagen zum Geheimen", deshalb war er durch Fürsprache einer Nichte zum Grenzaufseher be­fördert, um die Falschmünzer zu fangen. Alle lachten, als die neue Stellung des Luisenmüllers", wie Neu­meyer im Regiment hieß, bekannt wurde. Der soll uns fangen?" sagte Nüsseler, er hatte mit ihm gedient, nun, da falschmünzern wir bis zum Weltuntergang". Neumeyer war einer der dümmsten Gänsejungen ge­wesen, die es gab. Barfaß hatte er bis zu Konfir­mation für die reichen Bauern an der Diemel die Gänse gehütet. Als er später Subjunge war, fühlte er sich schon erhaben. Zum Pferdefnecht hatte er es Er wurde mit zwanzig aber nicht bringen können. Jahren gemustert, kapitulierte und als sein Schnurr­bart anfing zu wachsen erhielt er die Tressen. Sein alter Sergeant, wie er gewöhnlich genannt war, blieb sein Vorgesezter. Von oben her" faßte ihn derselbe oft. Der Feldwebel ein Marquis von Toledo, nannte ihn nie anders als das gest tegelte Eichhörnchen. jegt hatte er als Invalide Stellung, wie er es nannte.

Jst nicht nötig," so sprach der Eselsmüller. Gr fand sogleich seine Festigkeit wieder. Eilig ging er zur Wirtschaft zurück und setzte sich ruhig an den Tisch der Herren Grenzjäger.

Heiner ist uns schon genügend bekannt, nicht so die anderen. Knackwurst hatte dreizehn Dienstjahre, zwölf im Glied", eins im Loch", so sagte er selbst. Also ziemlich viel Strafe. Von Natur mehr als gut­mütig. Der Neumeyer ein eitler Geck, zwölf Dienst­jahre, davon zwei im Pflasterkasten". Beide erhielten

-

Nun

Neumeyer saß bei seinen beiden älteren Kollegen und gab ihnen Unterricht über den Fang der Falsch­münzer. Er wollte Leib und Seele an den Teufel ausliefern, wenn er nicht die ganze Bande fangen und ins Zuchthaus bringen würde.

Hören Sie auf, junger Sollege", so unterbrach ihn Heiner, kennen Sie den Eselsmüller? Wenn dieser Satansterl Sie in seine Finger kriegt, dann gute Nacht,

Herr Kollege".

Die Bauern waren der Unterredung gefolgt, denn eine ganze Anzahl war im Wirtszimmer. Bei Heiners Worten brachen sie in ein faum endenwollendes Ge­lächter aus. Der ihnen allen nur zu gut bekannte Eselsmüller saß ja bei den dret Beamten, ohne daß er bemerkt worden war. Heiner fannte thn, wenn auch die beiden anderen noch nicht.