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Sen war, folgte ihr die Großfürstin nach der Kapelle der Iberischen Mutter Gottes, wo der Großfürst noch am Mor­gen eine Andacht verrichtet hatte. Ins Palais zurückgekehrt, hielt die heroische Standhaftigkeit der Großfürstin nicht mehr an. Der so lange gewaltsam zurückgedrängte Schmerz machte gebieterisch sein Recht geltend: Die Großfürstin fiel in eine tiefe, lange Ohnmacht.

Der Mörder

war inzwischen durch den am Nikolaustor postierten Schutz­mann Leontiew verhaftet worden. Leontiew sah ihn fliehen und verlegte ihm den Weg. Der Mörder zog, als er sich entdeckt sah, einen Revolver. Doch ehe er noch schießen konnte, hatte Leontien seinen rechten Arm gepackt und hielt ihn mit eiserner Kraft fest. Inzwischen war auch schon ein zweiter Polizist zu Leontiews Beistand herangekommen, und den vereinten Anstrengungen beider gelang es, den sich heftig sträubenden Attentäter zu überwältigen. Als ihm Hand­schellen angelegt wurden, lachte er bitter auf und rief: Ich gratuliere auch zum Avancement, den aber macht ihr nicht wieder lebendig! Meine Arbeit habe ich redlich getan." Seinen Namen und Stand anzugeben, weigerte er sich, eben­sowenig konnte man aus ihm herausbekommen, ob er Kom­plizen habe. Wie es heißt, kennt die Petersburger Polizei jetzt seinen Namen. Man glaubt, daß die Bombe über Finn­land ihren Weg nach dem Tatort gefunden habe.

Gine Proffriptionsliste.

In Paris will man wissen, daß der Polizei eine Pro­striptionsliste in die Hände gefallen ist, auf der nicht weniger als 14 Opfer figurieren. Als erster Name ist der des jetzt getöteten Großfürsten Sergius aufgeführt. Dann folgt die Kaiserin- Mutter. Man versichert, daß der Mörder der Bo­lievana- Organisation angehörte, welche seit Plehwes Tode den Plan verfolgte, in den Kreml einzudringen und dort die Kommune zu proklamieren. In den letzten Tagen hatten mehrere Verhaftungen in der Nähe des Kreml stattgefunden, weil verschiedene Personen an die Häusermauern rote Kreuze malten mit der Unterschrift Sühnendes Blut des Tyrannen Sergius",

Die Leichenfeier

für den ermordeten Großfürsten findet in der Kirche der Peter Pauls- Festung, der Begräbnisstätte der Zarenfamilie aus dem Hause Romanow, statt. Der Tag für die Feier ist bisher nicht festgesetzt, ebenso ist noch nicht bekannt gegeben, wann die Ueberführung der sterblichen Reste nach Petersburg stattfinden wird. In der Petersburger saafskathedrale hat ebenso wie in allen russischen Kirchen des In- und Aus­landes eine feierliche Seelenmesse bereits stattgefunden.

Die Politik.

Die Einbringung des Gesezentwurfs über den Ver­sicherungsvertrag, durch den die Rechte der Versicherungs­nehmer und die der Versicherungsgesellschaften reichsgesetz­lich geregelt werden sollten, ist wieder ins Ungewisse gerückt. Der Reichstag ist überlastet, so daß neue Vorlagen werig Aussicht auf Durchberatung haben.

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Hof und Gefellschaft.

Gleich nach Empfang der Nachricht von der Ermor­dung des Großfürsten Sergius von Rußland begab sich der Kaiser Wilhelm in die russische Botschaft zu Berlin und verweilte fast eine Stunde lang bei dem russischen Bot­schafter Grafen Osten- Sacken.

*** Der deutsche Kronprinz hat seine Reise nach Italien beendet und kehrt von Florenz nach Potsdam zurük. Seine Braut, die Herzogin Cäcilie, reiste nach Cannes ab, wo ihre Mutter, die Großherzogin Anastasia, erkrankt ist.

Deutfcher Reichstag.

( 142. Sigung.)

CB. Berlin, 18. Februar. Die heutige Fortsetzung der ersten Beratung des To­Ieranzantrages brachte zunächst eine mehr als anderthalbstündige Rede des nationalliberalen Abg. Dr. Hieber, der sich auf einen strikt ablehnenden Stand­punkt stellte. Er erkannte an, daß in einzelnen Bundes­staaten die katholische Kirche von behördlicher Willkür ab­hängig sei, bestritt aber, daß der in dem Antrage vorge­schlagene Weg der rechte sei, um die Mißstände zu beseitigen. Unter lebhaftem Beifall seiner Parteifreunde und nicht minder lebhaftem Widerspruch des Zentrums schloß er mit der Bitte, den Antrag zu verwerfen im Interesse des kon­fessionellen Friedens. Der sächsische Bevollmächtigte Graf Hohenthal polemisierte gegen einige im Laufe der De­batte gemachte Bemerkungen über Vorkommnisse in Sachsen und fügte hinzu, daß der Bundesrat, wie früher, den Antrag als nicht zur Kompetenz des Reiches gehörig betrachte. Der Pole v. Jaz dzewski befürwortete den Antrag, der So­zialdemokrat Stolle fand, daß er nicht weit genug gehe, um wirklich Religions- und Glaubensfreiheit herbeizu­führen. An der weiteren Debatte beteiligten sich die Abge­ordneten Groeber, Hausmann und Bachem, der das Schluß­wort erhielt. Nach einer langen Geschäftsordnungs- Debatte fand eine namentliche Abstimmung über den Antrag auf Kommissionsberatung statt, die die Beschlußunfähigkeit des Hauses ergab. Es waren nur 161 Abgeordnete anwesend. Am Montag findet die zweite Beratung der Handelsverträge ſtatt.

Die auf den Dampfern Cap Blanco" und Cap Brtega" der Hamburg- Südamerika- Linie bereits im Vorjahr eingerichteten Stationen für Funkentelegraphie nach dem System Telefunken" sind von der Reichspost als offizieller Verkehrsfaktor anerkannt und unter entsprechende Kontrolle gestellt. Die für die Hamburg- Amerika- Linie inbetracht kommenden Küstenstationen sind für Deutschland: Bruns­büttelkoog, Curhaven, Feuerschiff Elbe 1, Helgoland; für Holland: Scheveningen, Amsterdam; für Frankreich: Fle d'Ouessant( Brest); für Brasilien: Ilha Grande, Santa Cruz, Ilha das Corbas; für Argentinien: Montevideo, Reclada Feuerschiff, Rio de Santiago, Buenos Ayres( Boca). Wei­tere Stationen sind vorgesehen. Die Gebühren für die Be­nuzung der Schiffsstationen betragen 50 Pfg. pro Wort, die vom Absender zu erlegen sind. Telegramme innerhalb Deutschlands werden unter Nachnahme befördert vom Em­pfänger werden 80 Pfg.( Gebühr der Küstenstation) pro Telegramm plus 5 Pfg. pro Wort( Gebühr der Landtare) erhoben.

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Die internationale Konferenz der an der Nordsee­und Ostseeschiffahrt beteiligten Reedereien, die sich haupt­sächlich mit der Regelung der Frachtsäße für nicht regel­mäßige Fahrten beschäftigen will, hat in Kopenhagen ge­tagt und ihre Teilnehmer verpflichtet, nicht unter die von ihr festgesetzten Frachten hinabzugehen. Auf der Konferenz waren etwa hundert Vertreter aus Tänemark, Schweden. Norwegen, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Hol­land und Rußland erschienen.

Oefterreich- Ungarn.

Da das neugewählte ungarische Abgeordnetenhaus zu­fammentreten mußte, ehe das neue Ministerium gebildet war, hat Kaiser Franz Josef auf persönliche Eröffnung des Reichstags verzichtet und durch königliches Handschreiben das bisherige Präsidium des Magnatenhauses wieder er­nannt.

Russland.

Preufsifcher Landtag.

( 142. Sizung.)

Haus der Abgeordneten.

RK. Berlin, 18. Februar.

gezogen. Sie erhob dagegen Klage gegen den Magistrat mit der Behauptung, daß sie eine Wissenschaft auf religiöser Grundlage ausübe, und erläuterte diese Darstellung dahin, daß die Patienten zunächst belehrt würden; erst wenn sie die neue Weltanschauung gewonnen hätten, beginne die da­rauf beruhende Heilung, die nicht ein Gesundbeten, son­dern ein Gesunddenken sei. Der Bezirksausschuß wies die Klägerin fostenpflichtig ab mit der Begründung, daß die Klägerin die Heilkunde gegen Entgelt betreibe, wobei es gleichgültig sei, auf welcher Grundlage das geschehe.

§ Zum Ruhstrat- Prozeß. Der Redakteur Schweynert hatte den oldenburgischen Justizminister Ruhstrat des von diesem im Landtage über Schwehnert gebrauchten Ausdrucks ,, 24jähriger Bengel" verklagt. Das Amtsgericht zu Oldenburg hat die Eröffnung des Hauptverfahrens ab­gelehnt. Gegen diesen Beschluß hat der Verteidiger Schwey­nerts, Rechtsanwalt Dr. Herz- Altona, Beschwerde ein­gelegt.

In einer sehr schwach besuchten Sizung wurde heute der Etat des Ministeriums des Innern zu Ende beraten und bewilligt. Das Interesse aller Parteien nahm die Stellung des Gendarmen in Anspruch, so daß dem freifonservativen Abgeordneten Baensch- Schmidt­lein, der sich mit herzlicher Wärme für die Gehaltsauf­besserung der Gendarmen aussprach, noch acht Redner aus dem Hause anschlossen. Minister v. Hammerstein sprach seinen Dank für die allgemeine Anerkennung aus, die das Gendarmenforps hier gefunden hatte, und lobte beson­ders das Verhalten der Gendarmen und Polizei während des Streifs im Ruhrrevier. Die erhebliche Erhöhung der Wohnungsgeldzuschüsse, die den Unterbeamten im nächsten Etat zuerkannt werden soll, werde auch den Gendarmen wesentliche Vorteile bringen. Als nun dieser Gegenstand glücklich erledigt war, nahm die Leere im Saale erschreckend zu. Während Einzelheiten aus dem Fürsorgeerziehungs­wesen und der Verwaltung der Strafanstalten erörtert wur­den, saßen höchstens 25 bis 30 Herren verstreut in dem großen Raum. Der Rest des Etats wurde anstandslos ge­nehmigt und die nächste Sigung auf Montag angesetzt; der Etat der Finanzverwaltung wird nunmehr zur Beratung kommen.

Die Arbeitseinstellungen in Warschau, Lodz, To­maschow, Noworadomsk und Zaminica haben etwas abge­nommen, doch kommen noch fast täglich Zusammenstöße mit dem Militär vor. In Woronosch haben die Verwal­tungsbeamten der Südwestbahnen, die Bahnhofstelegra= phenbeamten und 3000 Werkstättenarbeiter die Arbeit ver. Tassen und fürzere Arbeitszeit bei erhöhtem Gehalt und Lohn verlangt. Die Telegraphisten der Bahnlinie Moskau­Rjäsom fordern bei achtstündigem Arbeitstag ein Mindest= gehalt von 40 Rubel monatlich. Aehnliches hat sich bei der Bahn Moskau- Rybinsk- Windau ereignet.

Alien.

A Vom russisch- japanischen Kriegsschauplatz wird gemel­det, daß man eine entscheidende Schlacht für bevorstehend hält. Die Nussen haben Teile von Oyamas Zentrum und die Stellungen auf seiner linken Flanke beschossen. Die russische Kavallerie hat sich nach dem letzten Angriff auf Oyamas linke Flanke zurückgezogen und bei Liuchiengfang Posto gefaßt. Die Linie der feindlichen Stellungen beträgt etwa 60 Kilometer. Besonders hält man in Tokio das russische Zentrum gefährdet, gegen das die schweren japa­nischen Belagerungsgeschüße wirken, die aus Port Arthur herbeigeschafft sind.

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§ Prozeß Borkemeyer. Von der Straffammer in Kiel wurde der frühere Vorsteher des Geheimbureaus, Borke­meher, wegen unlauteren Wettbewerbs und Diebstahls von Plänen zu einem Jahr Gefängnis und zwei Jahren Ehrver­lust verurteilt und wegen Fluchtverdachts sofort in Haft

Zur Frauenbewegung. In Freiburg i. B. hat die Stadtverwaltung beschlossen, in den Aufsichtsrat der höheren Mädchenschule eine für dieses Amt sich eignende Frau zu berufen.

genommen.

§ 3um Tode verurteilt. Vor dem Schwurgericht in Hil­desheim stand der 26 Jahre alte Dienstknecht Schürrmann, genannt Feldmann aus Grabenstein bei Hofgeismar, unter der Anklage, die Dienstmagd Johanna Huhs auf dem Felde ermordet zu haben. Der Mörder war geständig und wurde zum Tode verurteilt.

Vom sächsischen Hofzuge überfahren. Der König von Sachsen weilte dieser Tage in Leipzig. Als er von dort nach Altenburg fuhr, warf sich ein in den mittleren Jahren stehender Mann unmittelbar vor dem Hofzuge auf die Schienen. Die Lokomotive schnitt den Körper glatt in zwei Teile. Der Tod trat auf der Stelle ein.

Aus dem Gerichtsfaal.

§ Das Nachspiel zum Kwilecki- Prozeß. Die Werchen­stellerehefrau Cäcilie Meyer in Freihermersdorf in Cester­reichisch- Schlesien hat jetzt den Grafen Zbigniew Wasterski­Kwilecki und dessen Ehefrau auf Herausgabe des Kindes und Anerkennung, daß es ihr Kind sei, verklagt. Der Pro­zeß gelangt am 8. März vor dem Landgericht in Bosen zur Verhandlung.

Zur Affäre Montignoso. Die Sendung des Justizrats Körner wird in Dresden als ergebnislos angesehen. Da­gegen verlautet, daß die Gräfin bereit sei, einem anderen Abgesandten des sächsischen Hofes die kleine Prinzessin Monica Pia zu übergeben, nachdem der Gräfin die Zusiche­rung gemacht sei, daß sie ihre Kinder zweimal im Jahre sehen solle. Es ist schon davon die Rede, daß im August dieses Jahres ein Zusammentreffen von Mutter und Kin­dern in Salzburg stattfinden werde. Der Graf Guicciardini beröffentlicht eine Erklärung, daß er die Gräfin Montignoso nur in Salons befreundeter Familien gesprochen und sie nie in ihrer Villa besucht habe, und daß niemand vom Dienst­personal, auch nicht Fräulein Muth, den nach Dresden be­richteten Klatsch aufrecht erhalten habe.

§ Ein Rekrut als Zielscheibe. Das Kriegsgericht der 27. Division verurteilte den Unteroffizier Mary von der 4. Es­kadron des Ulmer Ulanen- Regiments zu 45 Tagen Gefäng nis, weil er dem Rekruten Birnbaum befohlen hatte, auf den Ulanen Gabler der 1. Eskadron zu schießen. Birnbaum ge­horchte dem Befehl und verlegte seinen Kameraden schwer an der Schulter. Gegen Birnbaum, der ebenfalls unter An­flage gestellt war, hatte der Vertreter der Anklage zwei Mo nate Gefängnis beantragt; indessen sprach das Gericht den Birnbaum frei.

Vom französischen Kolonial- Skandal. Immer schreck­lichere Einzelheiten werden von den Grausamkeiten bekannt, die der verhaftete Kolonialbeamte Toquet mit seinen Ge­nossen an den unglücklichen Eingeborenen in Französisch Kongo begangen habe. Drei Eingeborene sind mittelst Dy­namit- Patronen in die Luft gesprengt. Ein Administrator Marsaut soll eine eingeborene Frau bei lebendigem Leibe berbrannt haben.

§ Lenbachs Kind. Im Streit um das Kind des Professors v. Lenbach hat das Landgericht I in München entschieden, daß die Witwe Lenbach dessen Töchterchen Marion an die frühere Gattin Lenbachs, die jetzige Frau Professor Schweniger, aus­zuliefern habe.

§ Der Kaiser der Sahara und sein Generalfeldmarschall. In London begann der Prozeß eines Obersten Graves gegen den ,, Kaiser der Sahara" Lebaudy auf Zahlung von 166 Pfund Sterling Gehalt für einen Monat. Graves war im Januar letzten Jahres in London von Lebaudy als Oberst­kommandierender der saharischen Truppen" mit 2000 Pfund Jahresgehalt engagiert worden. Lebaudys Anwalt machte geltend, das Gericht sei nicht zuständig, da Lebaudy regieren­der Fürst sei. Der Richter ließ sich hiervon nicht überzeugen, worauf der Anwalt den Einwand machte, es bestehe kein Kontrakt zwischen beiden. Der Anwalt des Klägers führte aus, Graves sei englischer Artillerist gewesen, habe dann bei den berittenen Schüßen der Kapkolonie gedient, zuletzt sei er Oberstkommandierender der Truppen der Königin von Ma­dagaskar geworden. Der Obersttitel sei madagassisch. Le­baudy habe ihn, als er im Londoner Savoy- Hotel als Kaiser der Sahara" residierte, sofort engagiert, nach einem Monate aber sich mit ihm und dem Generalgouverneur der Sa­hara" überworfen und beide entlassen.

Gold in deutschen Kolonien. In Hamburg hat sich eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung unter der Firma Zen­tral- Afrikanische Bergwerksgesellschaft" gebildet, um die als abbaufähig befundenen Goldfelder in Deutschostafrika zu be­arbeiten. Die Felder befinden sich bei koma und Ussongo südöstlich vom Viktoria- See. Das Kapital beträgt 500 000 Mark. Die Erze sollen an Ort und Stelle verpocht, und das gewonnene Gold soll mittelst der englischen Dampfer auf dem Viktoria- See nach der Uganda- Bahn geschafft werden.

§ Gesundbeten ist stenerpflichtig. Daß das Gesundbeter ein Gewerbe und als solches steuerpflichtig sei, hat der Be­zirksausschuß in Hannover entschieden. Die Frau Günther­Petersen war wegen Ausübung ihrer metaphysischen Heil­methode" mit 60 Mark zur Kommunal- Gewerbesteuer heran­

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dg. Die Bedeutung des Kartoffelbaus für die deutsche Landwirtschaft bildete das Thema eines interessanten Vor­trags, den auf der Hauptversammlung des deutschen Land­wirtschaftsrats zu Berlin der Rittergutsbesitzer Kammer­herr Gans Edler Herr zu Puttlig- Groß- Pankow hielt. Seine Ausführungen begannen mit einer Schilderung der Ausdehnung des deutschen Kartoffelbaus. Die Anbaufläche betrug im Jahre 1893 3 033 867 Hektar und erreichte 190! ihre größte Ausdehnung mit 3 318 832 Heftar. Im Vor­jahre wurden nur 3 387 752 Hektar mit Kartoffeln bestellt. Das Erträgnis war mit am allerschlechtesten im Vorjahre. Eine von dem Redner aufgestellte Berechnung über den Ver­bleib der deutschen Kartoffelernte ergab, daß 3 Prozent in den Stärke- u. s. w. Fabriken verarbeitet werden, ca. 10 Prozent verfaulen, 7 Prozent gelangen in den Brennereien zur Verwertung und 44 Prozent werden zur Fütterung be nutzt. Die letztere Zahl sollte man kaum für möglich halten. Von diesen 44 Prozent entfalle der Hauptteil auf die Schweinefütterung, somit bleiben nur 46 Prozent für die Bevölkerung übrig. Im letzten Jahre betrug die Produf­tion 36% Millionen Tonnen. Davon entfielen auf den Kopf der Bevölkerung ungefähr ein halbes Kilogramm täg­lich. Im Osten wurden die meisten Kartoffeln gegessen, im Westen am wenigsten, in den Städten weniger, auf dem Lande mehr, und in den Städten umsoweniger, je größer die Stadt war. Im allgemeinen lasse sich sagen, daß da, wo die Kartoffel nicht dominiere, die Lebenshaltung der ar­beitenden Bevölkerung eine bessere sei. Trotzdem werde die Kartoffel überall gegessen und sie nehme überall den ersten Rang ein und spiele bei uns eine größere Rolle, als in allen anderen Ländern, dagegen lasse sich im öffentlichen Leben eine Konsumverminderung an Kartoffeln feststellen. Der Kartoffelbau sei das Rückgrat des ganzen Ackerbaus.

Vermischtes.

[ Die astronomische Rathausuhr in Ulm,] die zu den kompliziertesten und schönsten Uhrwerken der Erde gehöri und im Jahre 1580 von dem berühmten Straßburger Meister Isaak Habrecht verfertigt worden war, ist wieder hergestellt worden. Die Restaurierung ist ein Werk des Ulmer Turmuhrfabrikanten Hörz, der die mächtige Uhr in ihrem äußerlichen Gange wieder erstehen ließ und zugleich das Gangwerk mit seinen staunenswert reichen astronomi­

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