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jertionspreis: Die einfaltige Betitzeile für ganz Ober­en, bie Kreise Behtar und Marburg 10 fg. sonft 15 Pfg. Reklamen bie Weltzeile 30 refp. 40 Bfg.

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Fafion u. Hansteypedition: Gießen, Seltersweg 89. Bernsprechanichluk Nr. 362.

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Freitag, den 19. Mai 1905.

Gießener

14. Jahrgang

Abonnementspreis: abgeholt monatlich 50 Pia., in's Haus gebrach: 0 Pfc., durch die Post bezogen viertel jährl. f. 1.50. Grattabellagen: Oberdoffiche emilienzeitung( täglich) und die tooner& clientlaicu( wöchentlich). Das Blatt end eint an allen Werttagen nachmittags.

Nenelle Nachrichten

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( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. δι Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Bildung und Gelebrfamkeit.

Sechstausend Abiturienten verlassen alljährlich nach be­andenor Reifeprüfung unsere Gymnasien und Realschulen. Richt rtel unter sechstausend junge Leute suchen alljährlich eu die Universitäten und andere gelehrte Hochschulen auf, um sich dem Studium zu widmen. Demgemäß wachsen all­jährlich auch etwa sechstausend Bewerber der Zahl der be­reits vorhandenen Beamten, Juristen, Aerzte, Lehrer zu. Da der Abgang durch Tod naturgemäß nicht entfernt so groß st so steigert sich die Zahl der Angehörigen der gelehrten Berufe ganz außerordentlich.

Das ist eine erfreuliche Erscheinung insofern, als sie von inem ungewöhnlichen Bildungsstreben und einer das Mit­maß weit übersteigenden Bildungsfreudigkeit in unserem olfe Zeugnis ablegt. Höhere Bildung ist für ein Volk imer ein Gewinn. Das gilt nicht ohne jede Ginschrän ng auch von der einseitig gelehrten Bildung, die nur eine ittelbare praktische Verwertung im Interesse des einzelnen e im Dienste der Allgemeinheit zuläßt. Aber solche Ein­tigkeit mag man sich schon gefallen lassen, da sie idealen inn bekundet, der veredelnd wirkt und den sittlichen Stand & ganzen Volkes hebt.

Leider ist es eine Notwendigkeit, bei allem idealen Sinn ch auf den Bedarf des täglichen Lebens Rücksicht zu neh­m. Gelehrtem Beruf kann sich ohne Sorge widmen, wer f Erwerb nicht angewiesen ist oder in sich die Kraft ver­ürt, aus Liebe zur Wissenschaft auf alles äußere Behagen verzichten, sich jeden Genuß zu versagen, dessen Quelle cht in der Wissenschaft selbst liegt. Das Studium hat ngst aufgehört, ein" Brotstudium" zu sein, wie man es iher mit unverdienter Geringschätzung nannte. Die Zahl

Bewerber ist ins Ungeheuerliche gestiegen, und die Por­Vrotes, die auf den einzelnen kommt, ist kläglich klein unzulänglich geworden.

Es soll hier gar nicht untersucht werden, wie diese Ver­ltnisse entstanden sind und wem etwa die Schuld bei­messen werden könnte. Die Schuld mag bei lebendigen enschen oder bei Umständen liegen, über die niemand Herr

für uns kommt nur die Tatsache in Betracht. Unter r Tatsache der übergroßen Konkurrenz leiden die Beteilig 1. ganz abgesehen von den Personen, die die Konkurrenz Iden.

Ueber 2000 Assessoren warten in Preußen allein auf eine te Anstellung, sind also unbesoldet, obwohl ihr Abi­teneramen mindestens sieben, in manchen Fällen rhn Jahre hinter ihnen liegt. Im Jahre 1902 gab es nfin unter 1800 Aerzten nicht weniger als 1067, deren teches Jahreseinkommen hinter 600 Mark zurückblieb. Siristennot die sich übrigens feineswegs auf Preu­beschränkt, sondern in Sachsen ebenso groß ist hört m Assessortum feineswegs auf. Die Rechtsanwälte ihrer Mehrzahl durchaus nicht auf Rosen gebettet,

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r auf ein farges Einkommen angewiesen. Wohl hört i dem und jenem Rechtsanwalt, daß seine Praxis ihm 100 000 Mark und darüber einbringe; wohl hört liches von dem und jenem Arzt. Aber abgesehen about, diese unkontrollierbaren Erzählungen meist auf eberieibung beruhen-- selbst wenn sie wahr wären, Den sie nur von Ausnahmen handeln, denen gegenüber Bedürftigkeit des Durchschnitts um so greller absticht. peiteren Kreisen vernimmt man nur ausnahmsweise von n betrüblichen Zuständen. Der Landwirt, der Hand­ener, der kleine Kaufmann, sie alle flagen, wenn es ihnen Mht geht, sie flagen laut und eindringlich und fordern Silfe von der Gesetzgebung. Die Mitglieder der gelehrten Berufe haben nicht die Gewohnheit, über materielle Dinge, e fie selbst angehen, laute lage zu erheben. Sie fühlen chgeniert, davon in der Deffentlichkeit zu sprechen. Aber e leiden deshalb nicht weniger unter der Not, die dadurch nicht geringer wird, daß sie still getragen wird.

Und die Not ist nicht von heute gestern. Sie muß lt sein, um die jeßige Höhe zu erreichen. Ein außerordent­eicher Professor an einer deutschen Universität ist ein Mann

hervorragender Stellung und hat unter allen Umständen ine gewisse wissenschaftliche Bedeutung. Wir haben deren 0175 in Deutschland, die ein Einkommen von 3600 Mart ährlich und noch weit darunter beziehen. Wir haben 991

- Nach besonder ribatdozenten, deren Einkommen aus Honorar für ihre Anweisung liegt borlesungen und literarischen Arbeiten hinter 1200 Mart

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hrlich zurückbleibt.

Inter solchen Umständen ist wirklich zu wünschen

Kletter- und Schlicht daß der Bildungsdrang in unserem Volke abnehme, Sortiment Samenaß das Drängen nach gelehrten Berufen nachlasse. Der fachann, der Handwerker, die ihren Beruf mit Redlichkeit

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Verstand versehen, stehen dem Angehörigen eines ge­n Berufes weder an Wert noch an Ansehen nach. Der Hrte selbst wird der erste sein, das freudig und aus gan­perzen anzuerkennen. Von der Bildung unseres Vol­Es ist

ankt as und blür die öchten wir nicht das kleinste Teilchen missen. elche Firma denGidurchaus nicht nötig, daß diese Bildung vorwiegend eine

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vor allem in keine

Pfg., 8 Exemplare

rte Bildung sei. Gebildete Kaufleute, gebildete Hand­r können wir gar nicht genug haben. Daß es ein Zu­In Gelehrten geben kann, zeigt ein Blick ins Leben

Ruffifche Zustände.

Der Bersegungsprozeß im heiligen Rußland schreitet un­aushaltsam vorwärts. Trotz aller Zarenerlasse ist es unver­kennbar, daß die reaktionären Gewalten die Uebermacht be­halten.

Der Erlaß über die Glaubensduldung wertlos.

Der Oster- Ufas des Zaren über die Glaubensduldung scheint ebenso wie andere Verfügungen auf dem Papier bleiben zu sollen. Günstige Wirkungen haben sich bisher nicht gezeigt. Das ist auch nicht weiter erstaunlich. Man erfährt jetzt, daß der Präsident des Ministerkomitees Witte, dem die Bestimmungen über die religiöse Duldung zu verdanken waren, neuerdings in seinen Machtbefugnissen beschränkt worden ist, da sich ein zu starker liberaler Geist im Ministerkomitee gezeigt haben soll.

Als weiteres Zeichen für die rückläufige Bewegung sieht man den Rücktritt des Ackerbauministers Jermolow

an.

Er gehört zu den Fürsprechern ernster und durchgrei­fender Reformen. Jermolow stand an der Spitze der Regie­rungspartei, die den Entwurf zu einer Volksvertretung dem Kaiser vorlegte. Seine Demission wurde damit in Zusam­menhang gebracht.

Die Hinrichtung Koljajews.

Die öffentliche Diskussion drehte sich in den letzten Tagen lebhaft um den Revisionsprozeß des Attentäters Koljajem, der den Großfürsten Sergius tötete. Koljajem soll bereits gehängt worden sein. Vor dem Kassationshof wurde die Be­rufungsklage abgewiesen. Koljajem hielt zum Schluß der Verhandlung eine Rede, die großen Eindruck hervorrief. Er betonte seine Liebe zum Vaterlande und sagte, die Tat habe er begangen, um sein Leben für das gefnechtete Volk der Russen zu opfern. Seine Ehre und die Ueberzeugungstreue seiner Gesinnungsgenossen verlange es, daß er das Schaffot besteige. Man könne ihn nicht schlimmer entehren, als wenn man ihn begnadige. Trotzdem soll der Justizminister einen Versuch gemacht haben, die Begnadigung zu erlangen. Dieser habe keine Antwort gegeben.

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Zunehmende Zersehung.

Nach einem Utas des Zaren wird in den Landbezirken, in denen sich die Grundbesitzer durch die Bauern bedroht fühlen, die Bildung einer Nationalgarde gestattet. Die Kosten tragen die Grundbesizer. Eine solche Einrich­tung würde dem Bürgerkrieg verzweifelt ähnlich sehen. In Samara haben die Arbeiter den Generalstreik proklamiert. Zu heftigen Straßenszenen kam es in Jekaterinos­I a w. Der Edelmann Tachtschohlo ermordete am hellen Tage einen Polizeibeamten durch mehrere Revolverschüsse. Das Publikum fiel über den Mörder her und mißhandelte ihn, so daß er halbtot auf dem Plaze blieb.

Der Krieg in Oftafien.

Alle über die Bewegungen der russischen Flotte einge­gangenen Nachrichten lassen den Schluß zu, daß Roschdiest­wensky, wenn auch langsam, sein Ziel Wladivostok zu er­reichen strebt.

Roschdjestwensky auf der Fahrt nach Norden. Ein Telegramm der als zuverlässig bekannten Agentur Lloyds meldet aus Singapor vom 18. Mai:

Der Dampfer Segovia" berichtet, er sei in einer Ent­fernung von 40 Meilen von dem nördlich der Honkohe­bucht liegenden Kap Varela an einer russischen Flotte vorbeigekommen, die aus 42 Schiffen bestand und lang­sam nach Norden zu dampfte.

Die Vereinigung der beiden russischen Geschwader hat sich nach dem Bericht des Admirals Jonquières am 8. d. M. außerhalb der territorialen französischen Gewässer vollzogen. Am 14. d. M. hätten sich die Schiffe in östlicher Nichtung entfernt. Roschdjestwensky selber erklärt in einer Depesche an die russische Admiralität, er habe in Indochina gie Neu­tralität dritter Mächte nicht verletzt. Der Admiral erfreut sich, entgegen alarmierenden Gerüchten, die von Nervenzer­rüttung bei ihm wissen wollten, guter Gesundheit. Wahr­scheinlich sind diese Gerüchte auf den Umstand zurückzufüh­ren, daß Admiral Birilew, der Kommandeur des vierten baltischen Geschwaders, den Admiral Nebogatom ablösen wird, der nur die Aufgabe hatte, das dritte Geschwader nach Ostasien hinauszuführen. Man verwechselte Nebogatom mit Roschdjeftwvensky und gab Birilem für den künftigen Ober­tommandierenden aus.

Vom Landkriegsschauplak

wird aus dem Hauptquartier des Generals Ofu gemeldet: Die Eisenbahn ist fertiggestellt und kann bis Tieling benutzt werden. Anstelle der zerstörten Brücken sind provisorische gebaut worden. Der Bau der Bahn nördlich von Tieling wird mit aller Macht gefördert. Material für die perma­nenten Brücken kommt von Japan. Tausende von Dschun­ten bringen Vorräte auf dem Liau von Niutschwang nach Tidling.

Die Politik.

Vor einiger Zeit wurden angebliche Aeußerungen Kai­ser Wilhelms über die russische Armee verbreitet. Wie in Petersburg jezt verlautet, hat Kaiser Wilhelm an den zaren eine Depesche gerichtet, in der er die ihm zugeschriebenen Aeußerungen über die Ursachen der Niederlage der Russen bei Mukden als Erfindung bezeichnet. Der Kaiser soll sich dabei sehr anerkennend über die Tapferkeit den russischen Truppen aussprechen. Der deutsche Botschafter in Peters­burg hat ebenfalls dem Grafen Lambsdorff gegenüber er­flärt, der Kaiser habe sich in keiner Weise absprechend über die russische Armee geäußert.

Nach neueren Meldungen soll die französische Sonder. gesandtschaft zur Kronprinzenhochzeit nunmehr bestehen aus dem Gouverneur von Lyon, General de la Croir, als Bot­schafter in außerordentlicher Mission, dem Gesandten und Deputierten Arago, dem Konteradmiral de Marolles und dem Botschaftssekretär Guilemin.

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Im Vorstand des deutschen Flottenvereins stehen be­deutende Veränderungen bevor. Der geschäftsführende Vorsitzende Generalmajor z. D. Menger und der Beisitzer des Präsidiums Generalmajor a. D. Keim haben ihre Aemter niedergelegt. Die beiden Herren waren lange Jahre im Vorstande tätig.

Ueber die Beteiligung der Geistlichen an der Feuer­bestattung hat das evangelische Konsistorium Württembergs einen Erlaß veröffentlicht. Die Geistlichen werden ermäch tigt, im Verbrennnugsraume vor der Einäscherung der Leiche einen Trauergottesdienst mit Rede, Gebet und litur­gischem Akt zu halten. Das Kirchengeläute findet in der Weise statt, wie bei der Beerdigung. Bei der Bestattung der Aschenreste im Grabe oder im Kolumbarium dagegen hat die Mitwirkung des Geistlichen zu unterbleiben.

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Eine Kollektiveingabe an die Regierung beschloß der Bund der Industriellen. In der Eingabe soll die grund­sägliche Stellungnahme des Bundes gegen die gesegliche Fest­legung der Arbeitszeit für Männer, gegen die Verkürzung der Arbeitszeit für Frauen von elf auf zehn Stunden und für Erweiterung der Ausnahmebestimmungen für Saison­und Sonntagsarbeit zum Ausdruck gebracht werden.

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* In der zu erwartenden Gewerbeordnungsnovelle soll auch die Frage der Konzessionierung von Schankwirtschaften einer Neuregelung unterzogen werden. Wahrscheinlich wird dabei den Landesregierungen die Befugnis erteilt, die Ver­wendung weiblicher Arbeits- und Hilfskräfte im Wirtschafts­betriebe zu beschränken oder ganz auszuschließen.

Türkei.

In der Nähe von Saloniki ertränkte eine griechische Bande eine Anzahl Bulgaren, die von der Bande gefangen worden waren.

Cof und Gesellschaft.

Prinz Eitel Friedrich von Preußen ist zum Kommandeur der Leib- Kompagnie des 1. Garde- Regim.ats zu Fuß ernannt, in dem er als Hauptmann Dienst tut. Bei der Feier des Geburtstages des Königs Al. fons von Spanien fündigte dieser seine Verlobung als bevorstehend an. König Alfons begibt sich demnächst nach England. Er ist zum General des englischen Heeres er­nannt und hat seinerseits dem König Eduard von England die Würde eines Ehren- Admirals der spanischen Flotte ver. liehen.

Wiesbadener Kaifertage.

( Nachdr. verb.)

Wiesbaden, 18. Mai.

Die zu einer ständigen Einrichtung gewordenen Festspiele am hiesigen Hoftheater haben auch in diesen Maitagen unsern Kaiser hierhergeführt. Außer ihm diesmal aber auch die Kaiserin, die bisher nur selten ihren Gemahl in die Festspiel. stadt begleitet hat. Ihre jezige Anwesenheit hat einen gana besonderen Grund. Es gilt, der Königin- Witwe Marghe­rita von Italien die Honneurs zu machen, die einer Ein­ladung des Kaisers gefolgt ist. Sie traf heute früh um 11 Uhr im Automobil hier ein, in dem sie- eine eifrige Anhängerin des Kraftwagensports bereits die Fahrt durch die im Maiengrün prangenden Fluren über den Bren. ner nach Frankfurt a. M. zurückgelegt hat. In ihrer Be­gleitung befinden sich zwei Damen und zwei Kavaliere ihres Hofstaates. Die Königin fuhr direkt zum Schlosse, wo sie bom Kaiserpaar aufs herzlichste bewillkommnet wurde. Doch nimmt die Königin während ihres Aufenthalts hier nicht im Schloß, sondern in der vom Hofmarschallamt für sie gemie. teten Villa Acker Quartier, wohin sie vom Kaiserpaar ge­leitet wurde.

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Durch ein dichtes Spalier von Zuschauern führte der Weg vom Schloß bis zur Villa. Tausende von Schulkindern, die Mädchen in weißen Kleidern mit Blumen in den Hän­