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Nr. 16.

dusertionspreis: Die einspaltige Betitzelle für ganz Ober­Geffen, die Kretse Weglar and Marburg 10 Bfg. sonft 15 Bfg. Reklamen bie Betitzeile 30 resp. 40 Bfg.

Redaktion u. Hauptexpedition: teßen, Seltersweg 88. Fernsprechanschluk Nr. 862.

Donnerstag, den 19. Januar 1905.

Gießener

14. Jahrgang

Abonnementspreis: abgeholt monatlich 30 Pfa., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertelfährt. Mr. 1.50. Ganttobellagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Gelfenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Der Strafvollzug.

3ur jüngsten Hüssener- Affäre. Von einem Juristen wird uns geschrieben: Die Photo­graphie, die den ehemaligen Marinefähnrich Hüssener im Festungsstubengefängnis zu Ehrenbreitenstein im Mittel­punkt eines fröhlichen Gelages von Mitgefangenen darstellt, ist durch eine amtliche Aufklärung als eine starke Myſti­fikation des Publikums erwiesen worden. So elegant, wie die dargestellten Räumlichkeiten, und so heiter und fröhlich, wie das Milieu, ist das Leben auf den Festungsanlagen denn doch nicht. Der Vordergrund und der Hintergrund sind, wie dies ja bei Photographien üblich ist, künstlich aufgesetzt, um die Stimmung zu schildern. Wenn auch das Selbstbestim­mungsrecht eines Festungshäftlings nicht so beschränkt ist, wie bei den übrigen Strafarten, so ist doch auch durch die Einschränkung der Bewegungsfreiheit der Charakter der Gefangenschaft bewahrt. Man unterscheidet überhaupt die Freiheitsentziehung in Gefangenschaft und Haft, und die Merkmale dieser beiden Straffategorien bestehen darin, daß der Gefangene vollständig in seiner Lebensweise und Be­schäftigung von den Leitern der Anstalten abhängig wird, während der Häftling in seiner Beschäftigung größere Frei­heiten genießt.

Die Gefangenen selbst zerfallen wieder in die beiden Kate­gorien der Zuchthaus- und der Gefängnissträflinge. Die erstere Strafe ist unter allen Umständen entehrend und wird auch als solche gekennzeichnet dadurch, daß der Sträfling an Haupt und Bart geschoren wird und während der Straf­geit sogar seinen bürgerlichen Namen verliert, um nur noch als Nummer zu gelten. In der Aberkennung des Mannes­schmudes zeigt sich noch ein letzter Rest altgermanischer Ge­bräuche, denn das lange Haupthaar und der Bart wain nur dem freien Mann zu eigen, während der Hörige geschoren wurde. Die Zuchthaussträflinge sind vollständig von der Hausordnung abhängig und haben keinerlei Anspruch auf Selbstbeschäftigung. Demgegenüber können die Gefängnis­sträflinge, wenn ihnen nicht die bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt sind, nicht nur eine ihrer sozialen Stellung und ihrer Tätigkeit entsprechende Beschäftigung verlangen, son­dern es kann ihnen sogar nach dem Ermessen des Staats­anwalts, der den Strafvollzug zu überwachen hat, Selbstbe­schäftigung zugestanden werden. Bei der in den Festungen zu vollstreckenden Haft aber ist die freie Wahl der Selbst­beschäftigung Grundsatz. Der Kommandeur der Festung, beziehungsweise der Garnisonälteste hat die Pflicht, die Festungsstubengefangenen, wie die offizielle Bezeichnung lautet, in der Selbstbeschäftigung zu fördern, aber es kann fein Zwang darauf ausgeübt werden. Die Haftstrafe wird nicht als Einzelhaft vollstreckt. Während der Haftzeit fönnen sich die Gefangenen im Bereich der Festung täglich 5 Stun­den lang frei bewegen und sogar die Festungsstadt besuchen.

Ignaz von Tzargos, der Schäfer.

28)

Von Gustav Rohleder, Grünberg i. H. Ade Rechte vorbehalten. Nachdruck verboten. Clemens läßt ihn reden, unterbricht ihn nicht. Dann als er geendet, sagt er nur: Tzargos, der Herr hat alles wohlgemacht."

zargos geht heim. Dort liegt sein treu geliebtes Weib tot und falt vor ihm. Weib? Nein..., nein es wird mit ihr begrab n.

sofern diese von Wällen umschlossen ist. Während der freten Zeit dürfen sie auch Besuche empfangen, die nur dann über­wacht werden, wenn sich davon Unzuträglichkeiten erwarten lassen. Der Besuch öffentlicher Lokale während der Straf­zeit ist naturgemäß untersagt und wird, wenn er doch statt­findet, durch disziplinare Maßregeln geahndet.

Nach drei Tagen wird die Tzargos- Mine in ihr legtes Rubekämmerlein getragen. Mit gewaltigen Worten schilderte der Pastor am Grabe das Elend, welches die Sünde über die Menschen gebracht habe und noch bringe.

Eine längere Beurlaubung ist eine Unterbrechung der Strafhaft und muß nachverbüßt werden. Im Fall Hüssener hatte darüber der Staatsanwalt von Neuwied, an den die Ueberwachung des Vollzuges, da Hüssener aus dem Militär­berhältnis ausgeschieden ist, überging, zu entscheiden. Durch die Beurlaubung in Form einer Unterbrechung der Straf­haft gewinnt der Gefangene für die Zeit des begrenzten Urlaubs seine persönliche Freiheit zurück und wenn hier bielleicht Vorwürfe wegen des Verhaltens Hüsseners zu er heben sind, so treffen diese nicht das System und auch nicht die Strafvollzugsbehörden.

Der alte Clemens hatte ihm die ganze Beichte des Grafen auf Wunsch von Tzargos erzählt. Giner war dabei bei dem Trauergefolge, der blieb bis zuletzt. Dann trat er hervor, es war derselbe, der alte Fround Clemens. Er reichte seine rauhe Hand hin und fagt nur: Tzargos, ich komme neben die Mine. Ja er kam neben die Mine. Dem Tzargos war es, als ob ihm ein Vater abgestorben sei. Doch alles Leid und alle Schmerzen heilt die Zeit, so sagt man. Immer heilt die Zeit nicht. Tzargos ließ seinen Wildling, feinen einzig ihm gebliebenen, in die Schule gehen. Saffenburg hatte Handwerker als Schulmeister. sie waren aber tüchtig. Der Wildling lernte gut. Nach der Schule ging er in das Feld zu dem Vater bet den Schafen.

Der Krieg in Oftafien.

Während bisher die Berichterstatter aller Nationen des Lobes voll waren über die heroische Haltung Stössels, seiner Offiziere und Truppen, beginnt jetzt die englische Presse nicht nur bedeutend in dieser Richtung abzuflauen, sondern teilweise gegen die Verteidiger Port Arthurs die schwersten Anklagen zu erheben. Die

Mitleidige Nachbarn besorgten beiden das Mittags= essen, dieses nahm der Junge mit zu der Herde. Abends behielt der Tzargos seinen Jungen bet sich im Felde, er schlief bei ihm in der Schäferhütte. Da saß er dann manchmal bis Mitternacht und spielte. Seine Spiele wurden immer gewaltiger. Es waren Töne eines zerriffenen Herzens. Er wurde alt vor der Zeit. Seine große Gestalt ging borgebeugt im Felde den

Vorwürfe gegen Stöffel

gipfeln vor allem darin, daß, nachdem er früher immer von einer Handvoll Leute gesprochen hätte, die die Stadt hielten, es sich jetzt herausstellt, daß im ganzen 23 000 oder mit Zu­rechnung leicht Verwundeter oder Skorbutkranker 31 000 Mann abgezogen seien, die weder abgemagert noch erschöpft waren, sondern ganz flott 20 Kilometer marschieren konnten. Proviant sei noch für mehrere Monate vorhanden gemesen und Munition, abgesehen von den schwersten Geschützen, ebenfalls. Stössel und seine Generale hätten gegen den Willen der Frontoffiziere die Kapitulation beschlossen. Die Regimentsoffiziere kommen aber auch recht schlecht weg. Sie sollen sich, wenn sie irgend konnten, von gefährlichen Posten gedrückt haben und fast immer betrunken gewesen sein. Die Kriegszucht der Truppen sei seit längerer Zeit schon bedenk­lich gelockert gewesen. Nach der Kapitulation sei es zu den wüstesten Auftritten gekommen. Der Ruhmeskranz, der erst Stössel und seinen Braven" gewunden wurde, wird bis aufs letzte Blatt zerpflückt. Stössel, der mit seiner Frau und 565 Russen, darunter 245 Offizieren und Frauen, von Nagasaki aus an Bord des Dampfers Australien" nach Marseille unterwegs ist, sieht keinen frohen Stunden ent­gegen, wenn er auf europäischem Boden eintrifft.

Stöffel über seine Kapitulation.

General Stöffel hat vor seiner Abreise aus Nagasaki selbst Gelegenheit genommen, sich über die Gründe, die ihn

Schafen voran. Den Winter flocht er für die Schaf­herrn neue Körbe, oder flickte die alten, und machte Besen und sonstige Sachen für die Landleute. Alles tat er schweigsam. Sein Junge empfand das, deshalb ging er dahin, wo die wilden Rangen herumtummelten. So bergingen acht Jahre. Der wilde Junge kam im fünfzehnten Lebensjahre in die Lehre zu einem Megger nach Affenberg. Von da an wurde der Tzargos noch stiller. Man sah ihn den Winter, wo sein Junge fort war, oft Tagelang nicht.

Eines Tages erhält er die Nachricht, sein Sohn sei tot. Ein schwerer Fleischhafen sei aus ziemlicher Höhe auf seinen Kopf gefallen und habe ihn tötlich verletzt. Tzargos war bei dieser Nachricht auch stumm. Nicht ein Bant fam über seine Lippen.

zur Kapitulation bewogen, einem englischen Journalisten gegenüber eingehend auszusprechen.

Der Kriegsrat"- sagte er- ,,, den wir am Morgen des 1. Januar abhielten, war einstimmig für Uebergabe zu ehrenvollen Bedingungen. Es ist durchaus nicht wahr, daß ich dieser Entscheidung nicht zustimmte. Daß die Uebergabe der Festung auf den Neujahrstag fiel, war nur Zufall. Der Verlust des 203 Meter- Hügels und danach die Eroberung vom Erlungschan- Fort, verbunden mit der tödlichen Treff­sicherheit der furchtbaren elfzölligen Geschütze, die nieder­drückende Wirkung von Kondratenkos Tod und die furcht­bare Zunahme des Skorbuts septen in Wirklichkeit die Zeit der Uebergabe ohne jede Möglichkeit der Verlängerung fest. Bis Oktober hofften wir, daß die baltische Flotte eintreffen und uns befreien würde; doch danach wurde es klar, daß wir von ihrer Hilfe nichts zu erwarten hätten, und unsere endgültigen, dringenden Gesuche um Entsatz wurden nie­mals beantwortet."

Wieder vergingen Tage. Die Nachbarn werden ängstlia. Spiel hatte man längst fein's mehr gehört. Die Hunde heulten als ob ihnen etwas fehle. Man mußte, da durch Pochen fich fein Tzargos zeigte, die Türe des Hirtenhäuschens gewaltsam öffnen. Man geht in sein Stübchen. Da sitt Tzargos, sein Instrument in der Hand fest umklammert, das Lied: Nitra Nitra, hohes heiliges Nitra usw. vor sich liegen. Die Augen find offen. Der ganze Körper falt und steif. Tzargos tft tot. Ein Leichenstein ist ihm nicht gef gt. Er ist vergessen, wie so viele seiner Mitpilger. Ja vergessen und war doch ein Graf Ignaz von Tzargos- Viermund. ein Schäfer ohne Gleichen.

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Das Brünnlein im Vogelsberg.

Im Vogelsberg ein Brünnlein quilt In einem Wiesengrund;

Sein Wasser schmeckt gar frisch und mild Und ist auch sehr gesund. Weist du, wo's quilt, dies Brünnelein? Ganz in der Nähe des Taufstein.

Stöffel betont, daß weder er noch ein anderer der auf Ehrenwort freigelassenen Offiziere bis zum Friedensschluß wieder in die Armee eintreten werde. Ob er in die Ge­fangenschaft gehen oder sein Ehrenwort abgeben wolle, sei jedem von ihnen überlassen geblieben. Viele Offiziere der Marine hätten sich durch die Furcht vor dem bevorstehenden Kriegsgericht beeinflussen lassen, in die Gefangenschaft zu gehen. Alle Gefangenen werden ihre Gagen weiter beziehen. Jeder Monat der Belagerung wird als ein Dienstjahr zählen und für die endgültige Pension berechnet werden. Ueber die Gerüchte von Reibereien zwischen den Generalen Smirnow und Fock zu sprechen, weigerte sich Stöffel. Ebenso ver= mied er es, auf Fragen über Kuropatkin einzugehen. Möglich ist, daß an dem russenfeindlichen Umschwung in den Berichten der englischen Korrespondenten die Furcht der Briten feinen fleinen Anteil hat, daß

friegerische Absichten der Russen in Zentralafien,

bon denen die Londoner Presse mehrfach munkelt, jetzt wirk­lich in die Praxis umgesetzt werden könnten. Man be­hauptet, daß Rußland die Absicht hat, die große Niederlage, die es soeben in Port Arthur erlitten hat, teilweise auszu­gleichen. Russische Truppen hätten die Stadt Kaschgar in Ost- Turkestan besetzt. Diese Bewegung wird als eine Be­drohung der Unabhängigkeit Afghanistans aufgefaßt, da jetzt russische Truppen im Osten, im Norden und Westen dieses Landes auf der Lauer sind.

Die Neutralität Chinas.

Die Besetzung von Kaschgar durch russische Truppen sei ebenfalls eine Verlegung der Integrität des chinesischen Reiches, da Ost- Turkestan ein Teil von China ist. Die chinesische Regierung hat sich bereits über die unzuläßliche Besetzung von Kaschgar beklagt, wie sie auch weiter darüber Beschwerde führt, daß die Russen das chinesische Gebiet Ili besetzt halten. Wie es scheint, wird sich aus der bekannten

Das Brünnlein ist gar hübsch umkränzt Von Blümlein bunt und fein; Geschmückt vom Tau, ein jedes glänzt Im Morgensonnenschein.

Das Brünnlein aber sprudelt hell Hervor aus seinem Silberquell.

Auch stehen Buchen schlank und schön Nah bet dem Brünnelein; Sie ragen hoch gen Himmelshöh'n Und stehn in Glied' und Reih'n Sie grünen in der Frühlingszett So jugendlich wie eine Maid.

Gar biele zog's zur Sommerszeit Hin nach des Taufsteins Höhn'n Und schauten in die Ferne weit Die schöne Welt zu seh'n, Ste tranfen aus dem Brünnelein Den flaren fühlen Gänsewein. Und auf dem Hoherodskopf dort Da ist es gar zu schön,

Und ein gar fühler trauter Ort, Weit in die Welt zu spähn. Doch wär's da noch so fühl und fein; Ohn's Brünnlein möcht ich nimmer sein. Auch auf dem Bill- und Geiselstein Und Herchenhainer Höh, Da möchte ich so gern auch sein, Doch fehlt's Brünnlein, o weh! Drum zieht's am meisten mich allein Zum Taufstein nach dem Brünnelein. Drum wer noch nicht gewandert ist Nach jenen Bergeshöh'n, Der ist fein Höhenklubtourist Und hat noch nichts geseh'n;

Der weiß auch nicht wie fühl und fein Das Wasser schmeckt vom Brünnelein.

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