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Jnsertionspreis: Die einfaltige Betitzeile für ganz Ober­effen, bie Krte her und Marburg 10 fa. ionit 15 Pfg. Reklamen die Beetle BO refp. 40 Bfg.

Rebattion u. Hansteppedition: Gießen, Seltersweg 83. Fernsprechanfchink Nr. 362.

Donnerstag, den 18. Mai 1905.

Gießener

14. Jahrgang

Abonnementspreis: abgeholt monatlich 50 Pfc., in's Haus gebrach: 80 Big., durch die Post bezogen viertel jährl. f. 1.50. Grattebeilagen: Oberbeffiche Familienzeitung( täglich) und die uifenblasen( wöchentlich). Das Klatt etja eint an skin Werttagen nachmittags.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblaff)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Die Frau im Gewerbe.

Der internationale Arbeiterschußkongreß in Bern hat rei Gießen, en Beschluß gefaßt, der sich gegen die Verwendung der

augu nächtlicher gewerblicher Arbeit richtet. Damit ist internationaler Anerkennung gelangt, was in vielen Saten hinsichtlich zahlreicher gewerblicher Betriebe bereits Braua und Gesetz ist. Wird somit nicht unbedingt neues Recht durch Beschluß geschaffen, so wird ihm doch ein

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Die Frau gehört ins Haus, die Hauswirtschaft ist ihr Reich, die Kinder fürsorge und die Kindererziehung ist ihre Ausgabe. Das ist ein Sag, der schon tausendfach ausgespro ben worden ist. Die Frauenrechtler und Frauenrechtlerin­en selbst stimmen ihm in Wahrheit zu, bestreiten ihn nur einbar. Was sie dagegen anführen, ist in der Hauptsache er Hinweis auf die harte Notwendigkeit, die Frauen und yar Kinder zu erwerblicher Tätigkeit zwingt, damit der nentbehrliche Nahrungsbedarf angeschafft werden könne. lan ist einhellig in dem Wunsch, diese Notwendigkeit möchte ermieden und die Möglichkeit für die Frau geboten wer­en, sich der häuslichen und mütterlichen Tätigkeit aus­hließlich zuzuwenden. Man ist ferner einhellig in dem Sunsch, daß auch das Kind in seiner förperlichen Entwicke ing nicht durch Ueberanstrengung in vorzeitiger erwerb­her Arbeit aufgehalten und geschädigt werde. Nur über ic Art, wie s. Iches Ziel zu erreichen ist, gingen und gehen ie Ansichten auseinander.

Als die Sozialgesetzgebung im Deutschen Reiche noch ing war, hatte Fürst Bismarck selbst, der doch bei ihrer Ein­iding mit in vorderster Reihe gestanden, schwere Beden­11, die ihn manchymal zögern machten. Er scheute schon or dem Verbot der Sonntagsarbeit zurück. Nicht etwa, eil es ihm an religiöser Gesinnung gemangelt, oder ein ausgebildetes Mitgefühl für die handarbeitende Bevölke ung dieser den Ruhetag mißgönnt hätte. Er sagte sich nur, ß die Sonntagsarbeit, auch die freiwillige, für viele eine irtschaftliche Notwendigkeit sei, und daß man den unter der Notwendigkeit Stehenden die Sonntagsarbeit nicht bieten dürfe, ohne ihnen gleichzeitig Gewähr dafür zu ben, daß sie zufünftig in sechs Arbeitstagen so viel ver­men würden, wie vordem in sieben Arbeitstagen. Nur gernd gewann Fürst Bismarck das Vertrauen, daß das nere Ausgleichsgesetz jeder umfassenden wirtschaftlichen itigkeit auch hier die neue Vorschrift bald mit dem unab­eislichen herkömmlichen Bedarf in Einklang bringen wür­

Tatsächlich ist die gefeßliche Sonntagsruhe für das Ge­erbe eingeführt worden, ohne daß die von dem Fürsten ismard befürchteten üblen Folgen eintraten, und schon zu nen Lebzeiten und mit seiner Zustimmung ist die Gesetz­ung auf diesem Gebiete weitergegangen, ohne daß man 3 am Ziel angelangt wäre. Auch der gewerblichen geit der Frau hat man zum Schutz der Frau diGrenzen gezogen. Dabei war immer die Rücksicht auf ben selbst und auf sie als Mutter des künftigen Ge­a heinmaßgebend.

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estimmend war auch die Rücksicht auf die Erhaltung very widouswesens, dem die Hausfrau nicht über Gebühr ent aus werden sollte. Haus und Familie werden in der i vom Mann erhalten. Daß die Frau dabei Mithilfe t, ist nicht von der Hand zu weisen. Doch diese Mit­gie darf nicht soweit ausgedehnt werden, daß die Frau urch untauglich wird, ihre Hauptaufgabe zu erfüllen. Die a die Kinder hat, sollte eigentlich überhaupt daheim ibeönnen. Denn die Kinder bedürfen der Aufsicht, der erlichen Pflege, der Anleitung bei spielender Beschäfti­g, widrigenfalls ihnen Verwahrlosung droht. Nun hat soziale Sinn unserer Bevölkerung hierfür an vielen Dr. eine Art Ersatz geschaffen. Da sind die Krippenheime, Säuglinge tagsüber versorgen, die Kinderheime, die ößere Kinder tagsüber in Obdach, Nahrung und Hut neh­en. Dadurch ist der täglichen Entfernung der Mutter vom aus die schädlichste Folge genommen. Von der Frau ist ein

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jer der erwerblichen Arbeit widmen kann, ohne allzu em­indlichen Nachteil für die Kinder, unter Umständen sogar eren Nußen. Doch eine Entfremdung zwischen Mutter Rindern darf nicht eintreten. Und das wäre der Fall, die heimkehrende Mutter die Kinder nur zum Schlaf en könnte, wie sie sie des Morgens aus dem Schlaf in žeimstätten bringt. Die Gemeinschaft des Sonntags nicht aus, besonders im Hinblick auf die herkömmlichen öglichen Erholungsausflüge und Vergnügungen. Auch ochentag muß die Mutter das Bewußtsein haben, daß nder hat, die Kinder das Bewußtsein, daß sie ein elter­Heim haben, in dem man für sie arbeitet, sie liebt, sich e sorgt. Nur auf solche Weise kann die natürliche Bie­ach beiden Richtungen erhalten, gepflegt, gefördert wer­Darum gehört die Frau wenigstens am Abend ins Das ist zu erreichen, ohne daß deswegen grundstürzende derungen in unserem Wirtschaftsleben, in unseren ge­blichen Einrichtungen notwendig wären. Und der Vor­

würde sich nicht auf die unmittelbar Beteiligten be­

schränken, er käme dem ganzen Volte und namentlig dem kommenden Geschlecht in sittliches und körperlicher Hinsicht zugut.

Neue Kämpfe in Südweftafrika.

Lie deutschen Truppen im südafrikanischen Aufstands. eties find noch immer gezwungen, ohne Ruhe den Fährten der Hererobanden zu folgen. Daß es dabei nicht ohne nafergewöhnliche Strapazen abgeht, liegt in der Natur der Dinge und des Landes. Soeben eingetroffene amtliche Be richte berichten wieder von bedeutenden Verlusten unserei braven Soldaten. In einem Gefecht mit den Bethaniern find sechs Tapfere den Heldentsd gestorben und ebensoviel schwer verwundet worden, ebenso der kommandierend Hauptmann.

Am 8. Mai stieß die Etappenfompagnie unter Haupt mann von Rappard am oberen Ganachab auf den Bethanier häuptling Cornelius Frederik, der mit seinen 300 Mann den Deutschen weit überlegen war. Hauptmann von Rappart wurde schwer verwundet, sechs Reiter fielen, andere sechs wurden verwundet. Am anderen Tage fam Hauptmann Baumgärtel nach 46stündigem Geweltmarsch mit 90 Mann zu Hilfe, griff die Stellung des Feindes an und warf diesen nach kurzem Gefecht. Die Bethanier ließen vier Tote, einen Verwundeten und eine große Anzahl Vich zurück. Der in zwischen herbeigekommene Major Täubler nahm die Ver. folgung auf.

Die furchtbarsten Leiden werden den Truppen beständig durch den Wassermangel bereitet, und zahlreiche Abgänge und Erkrankungen sind nur dieser Kalamität zuzuschreiben. Daß strenge Manneszucht gehalten wird, ist bei deutschen Armeeangehörigen selbstverständlich. Eine Patrouille mar in ein verlassenes Hererodorf gekommen und hatte dert eine alte Frau aufgeknüpft, weil sie feine Auskunft über den Verbleib der übrigen Dorfbewohner geben wollte. Der Führer der Patrouille, ein Unteroffizier und die vier betei ligten gemeinen Soldaten wurden verhaftet und vor ein Kriegsgericht gestellt. Der Unteroffizier wurde freigesprochen, die vier Soldaten zum Tode verurteilt. in Gnadenwege erfolgte die Umwandlung des Urteils in Ruchthausstrafen von 15 und 12 Jahren. Die Zahl der gefangenen Herero beträgt jetzt 5804, darunter 1493 Männer. Die Söhne Samuel Mahareros, Friedrich und Wilhelm, sind über die englische Grenze gegangen, ebenso die Führer Justus Ra­biţeri und Traugott. Sie wurden von der englischen Grenzpolizei entwaffnet und sprachen den Wunsch aus, zu Samuel Maharero gebracht zu werden. Dieser sitzt zu­frieden bei Tsan südlich des Ngamisces auf dem ihm zu­gewiesenen Refervat.

Die Politik.

+ Bei der Zusammenkunft des Kaisers mit den kirchlichen Würdenträgern in Meß soll es sich nach den Angaben eines lothringischen Blattes um die Uebernahme des Protektorats über die katholischen Missionen in Asien durch Deutschland gehandelt haben.

Der Gesezentwurf zum Schutz von Forderungen der Bauhandwerker ist bei den ministerialen Instanzen fertig. gestellt. Zurzeit wird die Begründung ausgearbeitet. Dann geht das Material an den Bundesrat, so daß Aussicht zur Beratung im Reichstag für den nächsten Winter vorhan­den ist.

Der Ausschuß für die Betriebsmittelgemeinschaft wird am 23. Mai wieder in Berlin zu einer Tagung zusammen­treten. Hauptsächlich werden finanzielle und organisato­rische Fragen zur Behandlung kommen. Eine weitere Kon­ferenz ist auf den 14. Juni an einem Orte Thüringens in Aussicht genommen. Dort wird die Organisation des Ge­meinschaftsamts besprochen werden, das dem Vernehmen nach in Leipzig errichtet wird.

Die in Fez eingetroffene deutsche Spezialgesandtschaft nach Marokko ist vom Sultan empfangen worden. Graf Tattenbach überbrachte dem Sultan das Großkreuz des Roten Adler- Ordens und betonte in seiner Ansprache, der deutsche Kaiser erstrebe die Besiegelung der guten Be­ziehungen zwischen Deutschland und Marokko durch freund­schaftliche Verträge. Der Gesandte knüpfte daran Wünsche für eine lange und unabhängige Regierung des Sultans. Der Sultan dankte für die Entsendung der außerordent­lichen Mission und für den Orden und hieß die Gesandt­schaft willkommen.

Die in letzter Zeit überhandnehmenden Vergiftungen mit Lysol haben der Reichsregierung den Gedanken nahe­gelegt, dieses Modegift dem uneingeschränkten Verkaufe zu entziehen. Aus Apothekerkreisen in ganz Deutschland ist die Forderung auf Entziehung des Lysols aus dem freien Verkehr schon lange lautgeworden.

Frankreich.

Der Papst beabsichtigt, durch den Erzbischof Fuzet von Rouen noch einen Versuch zur Verhinderung der Tren­nung von Staat und Kirche zu unternehmen. Man nimmt aber an, daß dieser Versuch aussichtslos ist.

Rufsland.

Ein auf die Beseitigung der inneren Schwierigkeiten zielender Erlaß des Kaisers trifft neue Anordnungen für die neun westlichen Gouvernements. Es handelt sich um erleichternde Bestimmungen für die polnische Bevölkerung. Personen polnischer Abstammung erhalten dort größere Rechte zur Pachtung und zum Erwerb von Ländereien und Hypothekeneigentum. Die Beschränkungen für katholische Bauern werden abgeschafft und die Adelswahlen wieder eingeführt. Der Unterricht in polnischer und litauischer Sprache in den Elementar- und Mittelschulen wird gestattet.

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Der Ministerrat hat ferner beschlossen, für die ganze Monarchie den jüdischen Handwerkern die Erlaubnis zum Aufenthalt an allen Orten zu geben. Es heißt, der Zar sei noch immer unentschlossen, ob eine Volksvertretung ein­zuführen sei oder nicht, Pobjedonoszew leiste heftigen Wider­stand. In Riga hat abermals ein Attentat stattgefunden. Unbekannt gebliebene Personen warfen eine Bombe gegen einen Polizeifommissar und zwei Polizisten. Der Kom­missar und ein Polizist wurden schwer verletzt, der zweite Polizist durch Revolverschüsse bei der Verfolgung der Täter getötet. Auch der schwer verwundete andere Polizist ist gestorben. Einem zweiten Attentat in Ufa fiel ein höherer Beamter den Propagandisten der Tat zum Opfer. Der Gouverneur Generalmajor Sjokolowsky wurde wäh rend des Zwischenaktes einer Thea eraufführung im öffent. lichen Garten durch mehrere Revolverschiisse schwer verwun det. Der Täter entfam. Der Zustand des Gouverneurs ist sehr bedenklich

Türkei.

Die verhafteten Rumänen, derentwillen der rnmä­nisch- türkische Konflikt entstand, sollen der albanesische Thronprätendent Prinz Ghifa und sein Sekretär gewesen sein. Beide sind mittlerweile in Bari angekommen.

Alien.

A Vom russisch- japanischen Kriegsschauplatz liegen new Nachrichten von Belang nicht vor. Die Verlängerung des Aufenthalts Roschdjestwenskys in der Honkohebucht wird französischerseits durch den Mangel an Kohlen erklärt. Dan die Russen im nördlichen Korea lebhafte Tätigkeit entfalten, wird bestätigt. Die Vorhut von 400 Russen, die den Tumen überschritten haben, steht schon in Kilju. Die Wladiwostofer Torpedoboote werden gelegentlich an der Küste gesehen. Die Russen haben angesichts des Vormarsches der Japaner die Possiet- Bucht befestigt. Das vierte baltische Geschwader hal Segelorder zum 14. Juni erhalten.

Dof und Gesellschaft.

Der Kaiser gibt sich in Wiesbaden ganz den Satur schönheiten hin. Daneben werden die Regierungsgeschifte erledigt. Auch der Reichskanzler Graf Bülow wurde zum Vortrag empfangen. Die Kaiserin ist gestern abend jur Teilnahme an den Maifestspielen nach Wiesbaden abge­reist. Auch die Königin- Witwe Margherita, die mit­telst Automobil über den Brenner nach Frankfurt a. M. gefahren war, trifft zum Beginn der Festspiele in' es jaden ein

Deer und flotte.

Aenderungen in der deutschen Wehrordnung sind durch Die Vor: soeben ergangene Bestimmungen eingetreten. schriften über die Landwehrübungen haben andere Fassun gen erhalten. Mannschaften der Landwehrinfanterie fön­nen nunmehr während der Dienstzeit in der Landwehr ersten Aufgebots zweimal zu Uebungen in besonderen, mit Mann schaften des Burlaubtenstandes gebildeten Formationen auf 8 bis 14 Tage, vom Tage des Eintreffens beim Truppen teil an gerechnet, einberufen werden. Die Mannschaften der Landwehr ersten Aufgebots aller übrigen Waffengat tungen üben in demselben Umfange wie die der Infanterie in besonderen Formationen oder im Anschluß an die Linien truppenteile. Die Zeit für die Uebungen der Personen des Beurlaubtenstandes ist unter möglichster Berücksichtigung der Interessen der bürgerlichen Berufskreise, namentlich der Ernteverhältnisse festzustellen. Schließlich ist neu bestimmt, daß bei Anmusterung von Mannschaften des Beurlaubten­standes der Marine die in deren Befig hefindlichen Kriegs beorderungen und Paßnotizen einzuziehen und den trollierenden Bezirkskommandos zugleich mit der Mittel lung der erfolgten Anmusterung zu übersenden find

Die neue Minenkompagnie. ( Nachdr. verb.) Hamburg, 17. Mai. Am 1. Mai ist in Cuxhaven eine Minenkompagnie für die deutsche Flotte ins Leben gerufen worden. Die An­