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Nr. 40.

Fasertionspreis: Die einspaltige Betttzelle für ganz Ober­Beffen, die Kreise Weglar unb Marburg 10.8fg. sonst 15 Pfg. Reklamen ble Betitzeile 30 refp. 40 fg.

Redaktion u. Haubtexpedition: Gießen, Seltersweg 88. Fernsprechanschluß Nr. 362.

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Donnerstag, den 16. Februar 1905.

Gießener

14. Jahrgang

bonnement& prete: abgeholt monatlich 50 Bfg., tn's Saus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertel jährl. Mr. 1.50. Gratt@ bellagen: Oberheffische Familieuzeitung() und die Gießener eifenblasex( wöchentlich). Das Blatt erscheint an alles Werktagen nachmittage.

Neueste Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberheffen.

Bekanntmachung.

Montag, den 27. Februar d. J., nachm. Uhr wird zu Gießen im Café Ebel eine Hauptversammlung

des landwirtschaftlichen Bezirks- Vereins zu Gießen stattfinden, zu der die Mitglieder und alle Freunde des Vereins eingeladen werden.

Gießen, den 14. Februar 1905.

Der Vorstand

des landw. Bezirksvereins Gießen. Dr. Breidert.

Tages- Ordnung:

1. Bezug von Saatfartoffeln und Saatgut.

2. Vortrag des Herrn Professor Reichelt- Friedberg über: Obstverwertung.

3. Verschiedenes.

Während der Versammlung findet eine Aus= #tellung von Saatgutproben statt.

Die Verfolgung der Herero.

Die verschiedenen Abteilungen der deutschen Truppen in Südwestafrifa sind den flüchtigen Herero dicht auf den Fersen. Fortwährend erleidet der Feind neue Einbußer. Indessen gelingt es immer noch einzelnen Haufen zu ent­kommen, sodaß die mühselige Verfolgung in die öden Gegenden fortgesetzt werden muß. Die neueste Meldung des Generals v. Trotha berichtet über die Vorgänge zu An­fang dieses Monats wie folgt:

Major v. Mühlenfels mit den vereinigten Abteilungen b. Estorff und v. d. Heyde erreichte am 2. Februar nach­mittags den Wasserplay, an dem die bei der letzten großen Streife entkommenen Führer Traugott und Wilhelm Maharero lagerten, 40 Kilometer südöstlich von Kalk­fontein. Auch diesmal gelang es den Herero, zu ent­fliehen, nur Zacharias Beraua von Otjusesu gab sich mit 17 Gewehren und 60 Stück Vieh. Die Entflohenen fielen der Abteilung des Leutnants Eymarl in die Hände; vom Feinde fielen 62 Mann. Traugott und Wilhelm Maharero find weiter geflohen; ob te die Grenze überschritten haben, soll festgestellt werden. Major v. d. Heyde geht gemein­sam mit Hauptmann v. Hornhardt auf Korikos vor, Estorff säubert die nördliche Grenzgegend.

Ein Gerücht will wissen, daß

die Rückkehr v. Trothas nach Deutschland beborstehe. Er wolle, so heißt es, die Vorbereitungen zum Ovambo- Feldzuge treffen. Die Meldung klingt indessen benig glaubwürdig. Von Kennern der Verhältnisse wird bestritten, daß eine allgemeine Erhebung der Ovambos und ein förmlicher Feldzug in ihre Lande bevorstehe. Daß man aber den Höchstkommandierenden nach Berlin berufen sollte, um mit ihm am grünen Tische die Operationen festzustellen, und daß gar die wilden Ovambos geduldig warten sollten, bis der General wieder von seiner Informationsreise an­gelangt sei, wird niemand im Ernst für richtig halten. Weit glaubwürdiger klingt die Nachricht, daß eine Verstärkung der Schuttruppe

in Aussicht stehe. Sie soll eine dritte Etappenkompagnie und Ersatztransporte umfassen, die in eine achte und neunte Transportkompagnie eingeteilt sind. Die Abfahrt der. Etappenfompagnie erfolgt am 28. März von Hamburg, die der beiden Transport- Kompagnien am 30. März

Eine Ehrenrettung der baltischen flotte. ( Von unserem ständigen militärischen Mitarbeiter.) Berlin, 15. Februar.

Admiral Togo ist nach den neuesten Meldungen aus Tokio mit geheim gehaltenem Ziel unterwegs, wie man vermutet, den Schiffen Roschdjestwenstis entgegen. Man sieht mit Spannung neue friegerische Ereignisse zur See voraus, die bort entscheidender Wirkung für den Verlauf des ganzen

The bei Hof- Gill unfeldzuges werden müssen. Die baltische Flotte steht zwar holz Schönes Bertholgemein in dem Ruf der Untüchtigkeit und Lächerlichkeit,

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aber nach fachmännischen Urteilen, die von einer Seite kom­men, der man Nussenfreundlichkeit gewiß nicht vorwerfen lann, nämlich von einem englischen Schiffsingenieur, ver­dient sie diese Geringschäzung durchaus nicht, sondern ist ein recht ansehnlicher Jaktor in dem blutigen Rechenerempel, as im fernen Ostasien seiner Lösung entgegengeht. Der Vorfall auf der Doggerbank, der die Spottlust des Bublifums so eigentlich erst hervorgerufen hat, darf nicht skritischer Maßstab für den Gefechtswert der russischen Banik wirklich erwiesen wird. Wichtiger ist die Tatsache.

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daß die Schiffe, wo sie auch beobachtet worden sind, sich in einem ausgezeichneten Zustand befunden haben und daß sich die Mannschaft auch unzweifelhaft eine erhebliche Uebung in der Bedienung der Geschüße angeeignet hat. Die Mehr­zahl der Schiffe ist für eine Seeschlacht sicher tüchtig. Die pier Fahrzeuge der Borodino- Klasse stellen die Auswahl von fünf modernen erstklassigen Schlachtschiffen dar, indem die Mängel in der Ausrüstung von dem fünften Schiff dieser Klasse für die übrigen vier Fahrzeuge ausgeglichen wurden. Die Leute, die Lieferungen für die russische Flotte über­nommen haben, wissen, daß für die Erfordernisse des Schiffsbaues und der Ausrüstung sehr strenge Bedingungen gestellt werden und daß sogar belanglose oberflächliche Risse in den gelieferten Stahlplatten usw. zur Zurückweisung der Lieferungen Veranlassung gegeben haben. Rebenher laufen die Erzählungen von Veruntreuungen und Bestechungs­geldern, die aber nicht geprüft werden können. Schwer und Jut" ist das Ideal für die Panzerung und für die Maschi­nerie der russischen Schiffe, und man darf annehmen, daß diese Devise in beträchtlichem Grade auch auf die Aus­rüstung der Borodino- Klasse zutrifft.

Die Leistungsfähigkeit der russischen Marineingenieure ist eine Frage, von der alles abhängt, und darüber ist nur jehr wenig bekannt. Wenn man in Betracht zieht, wie die Rossija und der Gromoboi" nach einem harten Gefecht mit einer Geschwindigkeit von 18 Knoten sich dem Bereich des Feindes entzogen haben, so muß man zu der Meinung gelangen, daß doch wenigstens auf einigen russischen Schiffen gute Ingenieure vorhanden sein müssen. Der Fall des Kreuzers Bajan", der auf seiner Fahrt nach Port Arthur 250 Seemeilen in wenig mehr als 11 Stunden zurücklegte, also mit einer Geschwindigkeit, die den vertragsmäßigen Be­trag von 21 Knoten noch überschritt, weist ebenso darauf hin.

Was das Geschützwesen betrifft, so liegt kein Grund zu der Annahme vor, daß die Russen nicht schießen können. Bei der Seeschlacht von Round Island lagen allerdings die glück­lichen Treffer mit einer Ausnahme auf japanischer Seite, deren Schießleistungen den russischen beträchtlich überlegen waren; auf 7 Kilometer Entfernung hatten die Russen scheinbar nur einen einzigen Treffer, während die Japaner hervorragende Erfolge erzielten, die in Hinsicht auf die große Entfernung besonders hoch zu veranschlagen sind. Auf ge­ringeren Abstand erhielt die Retwisan" 10 schwere Treffer allein auf ihre Türme. Was dies russische Schiff dagegen leistete, ist nicht bekannt. Der wesentliche Punkt aber ist, daß die Japaner eine teleskopische Zielvorrichtung benutzten und die Russen nicht. Demgemäß können hinsichtlich der Fähigkeit in der Bedienung der Geschüße keine Folgerungen aus diesen Tatsachen abgeleitet werden. Die Borodino­Klasse ist angeblich mit teleskopischer Zielvorrichtung ausge­rüftet; wenn dies der Fall ist, so würde eine Ueberlegenheit der japanischen Geschütze ohne Zweifel weniger hervortreten. Da nun die Baltische Flotte außerdem stärker ist, als die bernichtete Flotte von Port Arthur, so wäre es vorschnell, zu schließen, daß erstere unterliegen müßte. Die Baltische Flotte hat 5 moderne und 2 alte Schlachtschiffe gegen 3 moderne und 1 altes Schlachtschiff nebst 6 oder 7 Panzer­kreuzern des japanischen Generals Logo. Die Zahl der ja­panischen Kreuzer dürfte sogar noch geringer sein, weil Togo die in Wladiwostok befindlichen russischen Kriegsschiffe schwerlich ganz wird ignorieren können. In gewisser Hin­sicht ist übrigens das Vorhandensein von Kreuzern in der Gefechtslinie eine Gefahr für die eigene Seite, weil schwere Treffer auf sie ernst wirken und Verwirrung nach sich ziehen müssen, während andererseits ihre 83ölligen Geschütze gegen moderne Schlachtschiffe nicht sehr viel werden ausrichten können. Die 123ölligen Obukoff- Kanonen, die von den 4 Schiffen der Borodino- Klasse geführt werden, sind den 123ölligen Geschüßen der Japaner vollauf ebenbürtig und können höchst wahrscheinlich auf eine Entfernung von 4 Kilo­meter den japanischen Schiffen sehr gefährlich werden, na­mentlich den weniger starken Kreuzern. Die russischen Pan­zertürme bestehen meist aus Beardmore- Platten, die gleich­falls über jeden Vorwurf erhaben und nach modernerem Verfahren hergestellt sind, als die entsprechenden Panzer­platten der japanischen Flotte.

Somit hat Japan offenbar fein Uebergewicht in Bezug auf das Material, so weit die Hauptschiffe in Betracht kom­men. Die Fahrzeuge von mittlerer Stärke könnten die Wage zu gunsten von Japan zum Ausschlag bringen, aber darüber besteht keine Gewißheit, und ihr hauptsächliches Vertrauen müssen die Japaner auf ihre überlegene Mann­schaft setzen. Im modernen Seekrieg kommt es dabei we­fentlich auf die befehlshabenden Offiziere und das Kom­mando an den Geschützen an, also auf verhältnismäßig wenige Leute der Flotte. Somit ist wohl das Material von größerer Wichtigkeit, als irgend etwas anderes, ob­gleich nach den erwähnten Erfahrungen auch solche Dinge wie die Anwendung von teleskopischen Apparaten zur Nich­tung der Geschüße mit unter das Material gerechnet wer­den müssen. Wenn Roschdiestwenski die persönlichen Fähig keiten besitzt, die ihm von seinen Landsleuten zugetraut werden, so darf man bei der Begegnung der beiden feind­lichen Flotten wohl eine große und bedeutsame Seeschlacht erwarten.

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Die Politik.

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* Die deutschen Handelsverträge werden jetzt in Berlin felbst an verschiedenen Stellen gleichzeitig zum Gegenstand der Erörterung gemacht: in der dazu berufenen Reichstags­fommission, im deutschen Handelstag und in den agrarischen oder landwirtschaftlichen Versammlungen, die sich gegen­wärtig häufen. In der Reichstagskommission hat Staats­sekretär Graf Posadowsky die Erklärung abgegeben, daß, nachdem die Kündigung der bestehenden Verträge 15. Februar und somit das Inkrafttreten der neuen Verträge am 15. Februar 1906 unmöglich geworden, die Regierung sich bemühen wolle, durch Vereinbarung mit Desterreich­Ungarn den Termin auf den 1. März hinauszuschieben. Die Kommission selbst erging sich in ziemlich fruchtlosen Erörte­rungen darüber, was geschehen würde, wenn etwa das un­garische Parlament den Vertrag ablehnte. Die selbstverständ­liche Antwort war: Dann ist er eben gescheitert. Wir haben mit Desterreich- Ungarn zu tun, mit dem österreichischen Ge­samtstaat. Löst sich dieser in wirtschaftlich selbständige Einzelstaaten auf, so ist die Vertragsverabredung pro nihilo gewesen. Die Frage, ob die Regierung bei Ablehnung der Verträge die alten weiter gelten lassen oder den neuen Zoll­tarif einführen würde, bekam selbstverständlich den aus­weichenden Bescheid, daß die Regierung sich die Entschließung borbehalten müsse. Sagte sie etwas anderes, so hätte sie den Verträgen Gegner entweder auf der Rechten oder auf der Linken geschaffen, und das kann natürlich ihre Absicht nicht jein. In den landwirtschaftlichen Versammlungen beur­teilte man die Verträge mit schmunzelnder Zurückhaltung, mit vorsichtig gedämpfter Anerkennung. Im deutschen Handelstag endlich kamen die schweren Bedenken der In­dustrie zur Aussprache. Der Ausfuhr würden durch die Verträge große Lasten aufgebürdet. Gleichwohl will der Handelstag der Annahme der neuen Verträge nicht entgegen sein, weil es sonst noch schlimmer käme.

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Ein Handelsvertrag zwischen Deutschland nnd Bulgarien soll abgeschlossen werden. Die Besprechungen sind bereits eingeleitet. Selbstverständlich wird diese Angelegenheit mit der Anwesenheit des Fürsten Ferdinand von Bulgarien in Berlin in Zusammenhang gebracht.

Reichskanzler Graf Bülow hat, seiner früheren Hal­tung entsprechend, der Siebener- Kommission der westfäli­schen Bergarbeiterschaft seine Befriedigung über deren er­folgreiche Bemühungen zur Beendigung des Streits aus­gesprochen. Auch hat er den Handelsminister Herrn Möller ersucht, nunmehr Verhandlungen zwischen den Bergwerks­besizern und den Belegschaften zur Beseitigung der Beschwer­den der Arbeiter einzuleiten und nach Kräften zu fördern.

Oefterreich- Ungarn.

In das ungarische Abgeordnetenhaus wird jezt der erste sozialistische Deputierte seinen Einzug halten. Er heißt Mezöfi und ist im Szegvarer Bezirk mit 26 Stimmen Mehrheit gewählt.

Frankreich.

Ein junger französischer Kolonialbeamter, der im Tropenfoller" mehrere Mordtaten begangen haben soll, ist in Paris in dem Augenblick verhaftet worden, als er im Begriff stand, sich nach dem französischen Kongo auf den Weg zit machen. Die Verhaftung ist von der Kolonialbehörde verfügt worden.

Rufsland.

Der russische Botschafter Graf Benckendorff, der seinen Londoner Posten unmittelbar nach der Hull- Affäre verlassen und gerade noch Gelegenheit hatte, von der erregten Stim­mung der englischen Bevölkerung gegen Rußland einen ebenso starken wie unangenehmen Eindruck zu empfangen, ist zu seiner Amtstätigkeit zurückgekehrt. Er überreichte dem König einen langen Brief des Zaren über die Vorgänge in Ostasien und über die Bemühungen der Zarin Alexandra, die sich als Enkelin der Königin Victoria und englische Prin­zessin fühlt, zur Verhütung eines englisch- russischen Krieges und zur Herbeiführung einer englisch- russischen Annäherung. In diesem Sinne soll natürlich auch der Botschafter tätig sein. Amerika.

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Den Amerikanern wird allmählich ihre gelbe Presse" so wird die Hekpresse dort genannt selbst zum Ekel, Im Kongreß zu Washington nahm sich Senator Sullivan aus Massachusetts ein Blatt dieser Art, das Newyork Journal", kräftig vor, nannte den Herausgeber W. R. Hearst einen Schuft, Feigling, Gauner, Räuber und Er­presser. Vielleicht hatte er noch einige Schmeichelnamen mehr für ihn. Hearst antwortete mit der Behauptung, daß sein Angreifer ein Mörder sei, der in einem Wirtshaus sich an der Tötung eines Mannes durch Fußtritte beteiligt habe. Natürlich entstand im Kongreß wegen dieses Austausches von Höflichkeiten ungeheurer Lärm, größer, als er je im Parlament zu Washington gehört worden.

In der südamerikanischen Republik Venezuela ist wieder einmal eine Revolution fällig, nachdem die Ruhe einige Jahre gedauert hat. Die Herren Revolutionäre haben das erforderliche Kriegsmaterial aus den Vereinigten Staaten