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Tratsche Interpellation über den Bergarbeiterausstand im Ruhrrevier auf der Tagesordnung stand, so hatte man sich auf einen sogenannten großen Tag gefaßt gemacht. Aber diefer blieb aus. Zu den dem Publikum zugänglichen Tri­bünen herrschte ein sehr starker Andrang. Aber während oben große Fülle herrschte, klafften unten im Saale große Rücken. Nicht einmal die Sozialdemokraten waren voll zählig zur Stelle. Hatte etwa der Streik der Bergleute und seine Besprechung bei den Abgeordneten das Interesse ver­loren? Schwerlich. Die Abgeordneten blieben der Sitzung jern, weil sie wußten oder ahnten, daß die Interpellation nicht zur Verhandlung kommen werde; und selbst die mit den parlamentarischen Verhältnissen näher Vertrauten hegten starken Zweifel, wie der Hase laufen werde". Präsident Graf Ballestrem studierte eifrig die Geschäftsordnung; also war anzunehmen, daß die Sache nicht ganz glatt abgehen werde. Dann erschien der Staatssekretär des Innern Graf Posadowsky am Bundesratstische, und damit stieg die Aus. ficht, daß die Regierung doch antworten wolle. Die Antwort erfolgte, um ein Wort des Fürsten Bismarck anzuwenden, in dilatorischer Weise. Graf Posadowsky erklärte, der Reichs. fanzler Graf Bülow sei bereit die Interpellation zu beant porten, soweit sie mit der Ausführung von Reichsgesehen sich befasse. Da aber der preußische Handelsminister Möller, Surch dessen Mund die Antwort erfolgen werde, durch die Etatsverhandlungen an das Abgeordnetenhaus gefesselt sei, so möge sich der Reichstag ein paar Tage gedulden. Damit erklärte sich das Haus stillschweigend einverstanden. Die Besprechung der Interpellation wurde von der Tagesordnung abgesezt und es wurde die zweite Beratung des Justizetats fortgesetzt.

Heer und flotte.

Schneeschuhe in der deutschen Armee. Schneeschuhe finden, wie nur wenig bekannt sein dürfte, auch im deuf­schen Heere vielfache Anwendung. Bei zahlreichen Truppen­teilen, so sämtlichen Jägerbataillonen, verschiedenen Eisen­bahn- und auch mehreren Infanterieregimentern, sind sie seit langem eingeführt und haben sich dort vorzüglich be. währt. Es wird infolgedessen eine weitere Ausdehnung des Schneeschuhlaufens im Heere angestrebt, zumal bekannt ge­worden ist, daß die Schneeschuhe gegenwärtig im russisch­japanischen Kriege von zahlreichen russischen Regimentern mit bestem Erfolge für Vorposten- und Aufklärungszwecke zur Anwendung gebracht werden. Die Durchschnittsleistung der Schneeschuhläufer betrug bei mehr als ein Meter hohem Schnee täglich 50-60 Kilometer, tüchtige Läufer legen jedoch auch 100 Kilometer und mehr zurück.

Dekorierung deutscher Offiziere durch fremde Herrscher. Anläßlich der Verleihung des Ordens pour le mérite seitens des deutschen Kaisers an die Generäle Stössel und Nogi sei erwähnt, daß auch die Kriegstaten deutscher Offi­ziere vielfach von russischen Herrschern in ehrendster Weise be. lohnt worden sind. So wurden im deutsch- französischen Kriege der Kronprinz und Prinz Friedrich Karl zu russischen Marschällen ernannt, ebenso wurden russische Orden und Ehrenzeichen zahlreich an Offiziere wie auch Mannschaften berliehen. Namentlich waren die höheren Klassen des Ge­orgenordens eine oft verliehene Auszeichnung für höhere Offiziere. Auch Mannschaften erhielten den Georgenorden 5. Klasse.

Preufsifcher Landtag.

Haus der Abgeordneten.

( 117. Sizung.) RK Berlin, 14. Januar. Der erste Tag der Etatberatung erhielt seine Weihe durch die Anwesenheit sämtlicher Minister( mit Ausnahme des er­iranften Herrn v. Budde), seine Bedeutung durch

gewerbegerichts in Dortmund gewiesen habe. Die Regierung werde die äußerste Unparteilichkeit bewahren. Darauf ver­tagte das Haus die weitere Beratung auf Montag.

Nab und fern.

(:) Typhusepidemie in Landauer Kasernen. Wie aus München gemeldet wird, ist unter dem 1. Bataill. des bayer­ischen 18. Infanterieregiments in Landau eine gefährliche Typhusepidemie ausgebrochen. 27 Fälle sind bisher kon­statiert, 29 weitere Fälle sind verdächtig. Alle Maßregeln, die Weiterverbreitung der Krankheit zu verhüten, sind sofort getroffen worden. Die beiden Kasernen, in denen das Ba­taillon liegt, sind ganz neu und an die städtische Wasserlei. tung und Kanalisation angeschlossen, so daß die Ursache der Epidemie weder in den Unterkunfts- noch in den Wasserver­hältnissen zu suchen ist. Man geht ihrem Ursprung zurzeit energisch nach.

Freiwillig gestellt hat sich der Vizefeldwebel Bernhard, der, wie erinnerlich, in Köln seine frühere Geliebte, Frau Böttcher, durch einen Revolverschuß getötet hatte. Nach der Tat war er ins Ausland geflüchtet, während ihn die Polizei in Potsdam suchte, wo die Familienangehörigen Bernhards wohnen.

)!( Während des Gottesdienstes wahnsinnig geworden. Eine erschütternde Szene trug sich in der Wittener Pfarr­kirche während eines Trauergottesdienstes zu. Auf einen am Gottesdienst teilnehmenden Herrn kam plötzlich eine Dame, eine verwitwete Kondukteursfrau, zu, umarmte und kiißte ihn und begrüßte ihn als ihren verstorbenen, ihr je­doch durch Gottes Gnade wiedergegebenen Gatten. Dem überraschten Herrn blieb nichts anderes übrig, als zunächst auf die Illusion der plötzlich irrsinnig Gewordenen einzu­gehen. Unter einem Vorwande begab er sich dann mit ihr nach einer Frrenanstalt, wo die Aermste in Behandlung ge­nonimen wurde.

eine hochpolitische Rede des Ministerpräsidenten. Die willkommene Gelegenheit dazu boten ihm die beiden ersten Redner des Hauses, der greise konservative Führer Graf Limburg- Stirum, dessen leise, ganz hohe Stimme sich nur bei dem Vorwurf, daß die Regierung die Handelsver­träge noch nicht gefündigt habe, zu stärkerer Wirkung erhob, und der Zentrumsabgeordnete Herold, der neben vielem an­deren die Polenpolitik und den Bergarbeiterstreik streifte. Die während der letzten Rede stark verflatterte Aufmerksam­feit fonzentrierte sich sofort wieder, als Graf Bülow sich erhob. Mit ausdrucksvollem Ernst betonte er die unge­heueren Schwierigteilen, die das Zustandebringen der Han­delsverträge diesmal bereitet hätten, wo der früher unge­nügende Schutz der Landwirtschaft habe verstärkt wer­den müssen. Daß aber die sechs fertigen Verträge dem Reichs­tage noch nicht vorgelegt seien, läge an dem Stand der Ver­handlungen mit Desterreich, die nun in den allernächsten Tagen zu einem Abschluß so oder so kommen müßten. Nach dieser Angelegenheit, die ja eigentlich in den Reichstag gehört hätte, besprach Graf Bülow die beiden preußischen Fragen, die im allgemeinen und im jetzigen Augenblick die wichtigsten sind. In ihrer Polenpolitik werde die Regierung unbeirrt weiter fortfahren und nicht die Naivität der 1848er erneuern. Den Bergarbeiterstreik aber bezeichnete der Mi­nisterpräsident als eine große Gefahr, die zu beseitigen die Behörden das Ihrige tun würden; er müsse von Arbeit­nehmern und-gebern Besonnenheit und Entgegenkommen erwarten. Lebhafter Beifall und anhaltende Bewegung folgten der Rede, so daß es dem nationalliberalen Abae­ordneten Dr. Friedberg zunächst schwer wurde, sich Ge­hör zu verschaffen. Er ging mit Sachkenntnis den Etat durch und hatte, wie auch die Vorredner aus dem Hause, nur einzelne Ausstellungen. Auf diese antworteten hinterein­ander die Minister der Finanz und der Justiz. Jener verteidigte seinen Plan, die Gesellschaften m. b. H. zu besteuern, betonte aber, daß er Härten vermeiden wolle. Die Aufbesserungen für die Unterbeamten würde er gern schon in den Etat eingestellt haben, wenn nicht das Reich in diesem Jahre noch zu arm wäre. Dieser aber stimmte dem Abgeordneten durchaus bei in der Verurteilung der kritischen Ansprachen von Schwurgerichtspräsidenten an die Geschwo­renen. Nachdem nun der freifonservative Herr v. 3 edlit wie immer ohne jedes Konzept- seine eingehende Etats­rede gehalten hatte, ergriffen noch einmal zwei Minister das Wort: der Kultusminister Dr. Studt, der das be­gehrte Volksschulunterhaltungsgesetz für den Spätherbst an­kündigte, da die laufende Session schon zu überlastet sei, der auch versprach, dem Lehrermangel nach Kräften abzuhelfen, und der Handelsminister Möller. Dieser gab eine Uebersicht über den Stand des Streifs im Ruhrrevier und teilte mit, daß er die Parteien an das Plenum dea Bera.

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Ihre eigene Tochter ermordet hot in Temesvar eine Fabritarbeiterswitwe. Das 14jährige Mädchen machte ihrer Mutter durch ihren unmoralischen Lebenswandel schon seit langem viel Kummer. Kürzlich kam es aus derselben Ür­sache zwischen Mutter und Tochter wiederum zu einem hef­tigen Wortwechsel, in dessen Verlauf die Frau in so heftige Aufregung geriet, daß sie eine Art ergriff und mit dieser die Tochter erschlug. Dann stieß sie sich selbst ein Küchenmesser ins Herz. Tödlich verwundet, aber noch lesend, wurde sie in ein Krankenhaus gebracht, wo sie angab, daß sie aus Ver­zweiflung über den unmoralischen Lebenswandel ihrer Toch­ter die unsclige Tat verübt habe.

Im Rampfe mit Wölfen. Meister segrimm ist in den Abruzzen kein seltener Gast, besonders aber in diesem Winter stellt er sich infolge der Kälte ungewöhnlich zahlreich ein. In ganzen Scharen durchstreifen die Wölfe nachts die Ortschaf­fen, fallen die Herden an und bringen ihnen erheblichen Schaden bei. Um sich der Naubtiere zu erwehren, veranstalten die Gemeinden daher Wolfsjagden; für jeden erlegten Wolf ist eine Prämie ausgesetzt. Der Mut der Wolfsjäger scheint jedoch nicht sehr weit her zu sein, wie folgende heitere Jagd­geschichte beweist. Zehn bis an die Zähne bewaffnete Jäger fanden auf einer Streife einen in einer Falle eingefangenen Wolf bor. Schon wollten sie todesmutig daran gehen, den Gefangenen init Knütteln und Aerten totzuschlagen, als am Waldesrand plötzlich ein Rudel von etwa 20 Wölfen erschien. Dem hielten die wackeren Nimrode nicht stand, sie warfen Werte und Gewehre fort und nahmen Reisaus. Als sie sich am nächsten Tage wieder der Falle näherten, fanden sie von der gefangenen Wölfin nur noch traurige Ueberreste. Die Wölfe hatten ihre gefangene Schwester bis auf die Borderpfoten aufgefressen, die den tapferen Jägern als Trophäen in die Hände fielen.

Tages- Chronik. An der Küste bei Danzig verursachte eit furchtbarer Nordoststurm mit Sturmflut schwere Beschädi gungen an den Dünen und Ueberschwemmungen.

Im Riesengebirge haben neue Schneestürme Verkehre störungen herbeigeführt.

In Asnières stießen bei dichtem Nebel zwei elek­trische Straßenwagen zusammen, wobei 10 Personen verletzt wurden.

In Privoza in Italien stürzte während des Gottes­dienstes der Kirchturm ein, tötete 3 Personen und verlegte viele Andächtige, darunter 4 tödlich.

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In Philadelphia wurde eine Person verhaftet, die der Teilnahme am Attentat auf das Friedrichsdenkmal in Wash­ington verdächtig ist.

Aus dem Gerichtsfaal.

Der Landwirt.

rm Moschusochsenzucht in Skandinavien. In Schweden und Norwegen werden Versuche gemacht, den Moschusochsen dort einzugewöhnen, um ihn seiner vorzüglichen Wolle wegen zu züchten. Das Tier ist genügsam und erträgt auch das rauhe nordische Klima. Dennoch sind die bisher angestellten Versuche nur wenig glücklich verlausen, da bei der Weiter­zucht verschiedene Fehler gemacht wurden und die Tiere in­folgedessen eingegangen sind.

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[ Ein Meisterschütze.] Eine seltene Jagdleistung hat ein Teilnehmer an einer von dem Grafen Preysing veran­stalteten Jagd bei Plattling in Niederbayern vollbracht. Mit einem einzigen Schuß schoß der gewaltige Nimrod einen Hasen, einen Jagdhund, einen Treiber und einen anderen Jagdteilnehmer an. Den Hasen traf er in den Hinterlauf, den Hund in den Kopf, den Treiber ins Knie und den Schützen in die Brust. Dreien der Getroffenen hat der Schütze er­heblichen Schaden nicht zugefügt, nur der Treiber ist ziemlich bedenklich an der Kniescheibe verletzt. Es geht doch nichts über einen waidgerechten Jägersmann, vorausgesetzt, daß das Geschichtchen wahr und kein Jägerlatein ist.

§ Der Dessauer Aufruhrprozeß vor dem Oberkriegsgericht. Den wichtigsten Teil der Verhandlung vor dem Oberkriegs­gericht in Magdeburg bot die Vernehmung der Mitglieder des Dessauer Kriegsgerichts. Es handelt sich darum, Gewiß­heit darüber zu erlangen, ob die Behauptung der Angeklagten Voigt und Günther richtig ist, daß sie vor dem Kriegsgericht in Dessau befangen gewesen und daher sich selber dort zu schwer bezichtigt hätten. Die Angeklagten wollen jetzt dem nach eigenem Eingeständnis total betrunkenen Unteroffizier Heine nur das Seitengewehr entrissen haben, weil er mit der Waffe um sich schlug und das Mädchen Frida Regel traf. Auf Grund der Ergebnisse der neuen Verhandlung kam der Vertreter der Anklage, Kriegsgerichtsrat Richarz, zu dem Ergebnisse, daß der den Angeklagten in erster Instanz zur Last gelegte Aufruhr nicht nachzuweisen sei, sondern daß sie fich nur einer tätlichen Mißhandlung eines Vorgesetzten schul­dig gemacht hätten. Er beantragte gegen den Unteroffi­zier Heine 6 Monate Gefängnis, gegen den Musketier Gün­ther ein Jahr, gegen Musketier Voigt ein Jahr und 2 Mo­nate Gefängnis.

Das Urteil lautete für die Angeklagten Günther und Voigt auf je Jahr Gefängnis.( In der ersten Instan waren sie jeder mit 5 Jahren Zuchthaus bestraft worden.) Gegen den Unteroffizier Heine wurde zusätzlich auf Degra­dation erkannt.

Kunft und Wissenschaft.

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[ Ein Schmugglerfniff.] Einem originellen Schmug­glerstückchen sind russische Grenzsoldaten zum Opfer gefal­len. In einer Dezembernacht bemerkte einer der Soldaten, daß zwei Männer mit Säcken über den Rücken über die Grenze zu kommen suchten. Mit einem donnernden Halt, was da?" trat er ihnen entgegen. Die Kerle schienen dadurch jedoch nicht sonderlich irritiert, sondern erhoben drohend die Arme. Nun gab der Soldat Feuer, das von der anderen Seite erwidert wurde. Durch die Schüsse alarmiert, eilten bon allen Seiten benachbarte Grenzwächter hinzu. Mit ver­einten Kräften drang man nunmehr fühn auf die Gegner ein, die unter dem Gewehrfeuer der Soldaten zusammenstürzten. Als man die Gefallenen jedoch näher besichtigte, stellte es sich heraus, daß es Ein angekleidet Strohpuppen waren.

HK Der diesjährige Grillparzerpreis von 5000 Kronen ist an Gerhart Hauptmann für das Drama, Der arme Heinrich" berliehen worden. Die Verleihung geschah unter Einstimmig­feit sämtlicher Preisrichter.

an den Puppen befestigter Revolver, die an dem Abzug des­selben, sowie den Puppen selbst befestigten Bindfaden klärten die Soldaten darüber auf, daß sie in abgefeimter Weise genasführt worden waren. Der Kampf" mit den Stroh­männern war von den Schmugglern nur inszeniert worden, um die Soldaten nach dem Samplay" zu locken und dann die unbewachte Grenze schnell überschreiten zu können, ein Plan, der den Gaunern auch wirklich geglückt ist.

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[ Das Telephon als Feind der Weinpanscher.] Nach einer Erfindung des bekannten Chemikers Maneuvrier in Baris kann man mit Hilfe des Telephons einen mit Wasser bersetzten Wein rder seine Berfälschung durch andere Flüs­sigkeiten oder sogar durch feste Stoffe unfehlbar nachweisen. Es werden zwei Gläser genommen, von denen das eine den zu prüfenden Wein enthält, das andere eine gleiche Menge anderen Weins, der als rein bekannt ist. Die Gläser werden auf einen Apparat gesetzt, der einer Wage ähnlich sieht. Dann bringt man das Telephon in Verbindung mit beiden Flüssigkeiten. Wenn beide rein sind, so ist nichts zu hören, wenn aber eine Wasser enthält, so entsteht ein Geräusch im Telephon, bis ein Zeiger auf einen Punkt eines Zifferblatta gestellt wird, dessen Bewegung die Leistungsfähigkeit Flüssigkeiten in Uebereinstimmung bringt. Die Zahl des Zifferblatts, auf die der Zeiger dann zeigt, gibt genau an, mit welcher Menge Wasser der gepanschte Wein versetzt ist. [ Studentenult.] Die Marburger Studenten leisten sich jetzt allabendlich einen kavitalen Ulf. Veranlassung dazu gibt ihnen der historische Bärenbrunnen der Stadt, von dem der schadhaft gewordene steinerne Bär entfernt worden ist, um durch einen neuen ersetzt zu werden. So führten sie an einens Abend unter Musikbegleitung einen Sandsteinblock und einen ausgestopften Bären umber. Eine Inschrift auf einer borangetragenen Tafel, besagte, daß in dem Stein der aus­zuhauende" Bär schlummere, dessen Modell der Ausgestopfte sein solle. An einem anderen Abend geleiteten sie sogar wieder in großem Aufzug und unter Musilbegleitung einen leibhaftigen Bären, den sie von der Hagenbeckschen Menagerie erstanden hatten, durch die Straßen nach dem Bärenbrunnen. Hier wurde eine feierliche Ansprache halten und Magistrat und Stadtverordneten in einem eigens gedichteten Bären- Hymnus launig verspottet. Die halbe Stadt wohnte dem Ulf bei, der wohl noch öfter wiederholt werden wird.

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[ Alte Liebe rostet nicht.] Eine interessante Hochzeit wurde kürzlich in Budapest gefeiert. Der 75jährige Honved Szabo vermählte sich dort mit der 71jährigen Esther Nach. Schon vor einem halben Jahrhundert lernten die beiden sich kennen und lieben, doch ihrer Heirat stellten sich damals allerlei Schwierigkeiten entgegen, infolgedessen sich Esther Nagy mit einem anderen bermählte. Vor einigen Jahren wurde sie Witwe und fam als solche in eine Versorgungs­anstalt, wo sie den ehemaligen Jugendgeliebten wiederfand. Der Herzensbund der beiden wurde erneuert und führte diesmal zur Vermählung des greisen Paares. Die Hochzeit fand in der Versorgungsanstalt statt.

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[ Die Spitzenklöppelei im sächsischen Erzgebirge,] die schon durch die maschinenmäßige Herstellung der Spitzen in ihrer Eristenz schwer bedrängt ist, hat eine neue drohende Konkurrenz bekommen. Die österreichischen Behörden haben nämlich den Klöppel- Unterricht eingeführt und zeigen sich bestrebt, die Klöppelei in zahlreichen Gegenden zum Erwerb zu machen. Ob diese neue Konkurrenz für die sächsische Klöp­pelei nicht völligen Ruin mit sich bringen wird, ist sehr fraglich.

Die älteste Frau Sachsens. Im Alter von 103 Jah. ren ist in Frohburg in Sachsen die Mutter Weigand" ge. storben. Die Verstorbene war die älteste Frau Sachsens.

[ Die versteigerte Menschenhaut.] In London wurde jüngst ein Stück Menschenhaut öffentlich meistbietend ver­steigert, das eine interessante Geschichte hinter sich hat. Es stammt von einem dänischen Häuptling, der im elften Jahr­hundert in Sachsen eingebrochen war, jedoch gefangen genom­men und wegen Kirchenraubes hingerichtet wurde. Dem Gebrauch der Zeit gemäß, wurde dem Missetäter die Haut

über die Ohren gezogen, die Haut selbst wurde an die Tür der bon ihm beraubten Kirche genagelt zur Warnung aller Stir­chenschänder. Hier hing die Haut lange Zeit, bis sie vor einigen Jahrzehnten abfiel und von einem Raritätensammler aufgenommen wurde. Nach dem Tode des Sammlers fam die Haut, von der übrigens nur noch ein kleines Stück übrig war, unter den Hammer und erzielte 3 Guineen.

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