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Der Herr Schulinspektor ist noch verschlafen und daher etwas Begriffsstubig. a, auf der Stelle!" fommandiert der Land­hauptmann. Schicken Sie schnell nach der Lehrerin. Lassen Sie sie wecken, ich befehle es!" Der Priester weckt die Leh­Terin, der Dorfälteste und der Nachtwächter wecken die Kin­der und jagen sie in die Schule. Um 1 Uhr kann das Examen beginnen, und bei Morgengrauen ist es zu Ende. Die ver­schlafenen Kinder haben nicht allzuviel gewußt, aber das ist Nebensache. Die Hauptsache bleibt, daß der Landhauptmann borschriftsmäßig melden kann, die vorgeschriebene Prüfung sei vollzogen.

=

[ Heirat per Telephon.] Eine firchliche Trauung durch den Fernsprechapparat fand firzlich in Williamsport, Penn­sylvanien, statt. Der Geistliche, der einer Synode an einem anderen Orte beiwohnte, und von dort nicht rechtzeitig zu­nickehren konnte, traute John Carothers und Mary Ludicken telephonisch bei einer Entfernung von 80 Kilometern. Die Trauung fand nach dem Zeremoniell der lutherischen Kirche statt, die Fragen und Antworten wurden durch das Telephon gestellt und gegeben, wobei der Beamte auf dem Vermitte hungsamte als Zeuge diente.

[ Die Ehrengeschenke des Negus von Abessinien an Kaiser Wilhelm] sind zum größten Teil bereits durch den Führer der nach Berlin zurückgekehrten deutschen Gesandt­schaft, Dr. Rosen, übergeben worden. Sie bestehen im höch Sten Orden von Abessinien, dem Stern von Aethiopien, in Gold und Brillanten, und in zahlreichen Erzeugnissen des dortigen Kunstgewerbes. Die meisten von diesen sind, dem Charakter der Abessinier entsprechend, kriegerischer Natur. Da sieht man einen goldverzierten runden Schild, Speere, einen Sattel mit goldenem Zaumzeug. Weiter schenkt der Negus ein goldgesticktes Ehrenkleid, zwei antike äthiopische Kirchenkreuze aus dem fünften Jahrhundert und einen an­tifen bronzenen Kelch. Ein Schwert mit goldplattierter Scheide und vier mächtige Elefantenzähne sollen noch in Berlin eintreffen.

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[ Die Ehe auf Kündigung.] In Wien verheiratete sich, bor einigen Monaten eine junge hübsche Schauspielerin mit einem Kavalier aus gräflichem Geschlecht. Man munkelte gleich, es sei dem Grafen mehr um das 200 000 kronen be­tragende Vermögen der Schauspielerin, als um ihre Hand u tun gewesen. Die Mitgift soll nun von einem bekannten Finanzmann stammen. Wie jezt herausgekommen ist, ging Der alternde und kreditlose gräfliche Bräutigam die Be­dingung ein, 48 Stunden nach der Trauung Wien zu ver­lassen. Nun erklärte der Graf nach Ablauf der 48 Stunden, nachdem er die Mitgift sicher plaziert hatte, er denke gar nicht daran, auf seine Rechte als Ehemann Verzicht zu leisten.

Die Gräfin gewordene Schauspielerin und ihr finanzkräftiger Galan meinten anfangs, das ganze Manöver diene dem Zwecke, die Finanzen des Grafen noch ausgiebiger zu kräf­tigen. Es wurde ihm auch ein weiterer namhafter Betrag geboten, aber er tat entrüstet über solch ein Ansinnen und wies jeden Versuch, ihn von seinem: Standpunkte abzu­bringen, zurück. Die junge, schöne Gräfin versucht nun, den Grafen, den sie rief, aber nicht loswerden kann, im Schei­dungswege von ihrer Seite zu entfernen, und hat sich zur Durchführung des Prozesses an eine bekannte Wiener Advo­taturskanzlei gewendet. Viel Glück wird sie dabei wohl nicht haben; denn kein Gericht dürfte wohl die sonderbare Ver­einbarung anerkennen.

Kunft und Wissenschaft.

LM Ernst von Possart, der Intendant der Münchener Hof. theater, ist nach einer Meldung von dort von seinem Amte zurückgetreten.

Hessischer Landtag. Darmstadt, 14. Juni.

Präsident Haas eröffnet die Sigung um 10% Uhr. Einige zur vorläufigen Beratung im Blenum stehende Gegen­stände werden, nach der Darmst. 8tg.", teils den Aus­

schüssen überwiesen, teils sofort im Plenum zur Erledigung gelangen. Annahme finden nach den Ausschüssen die Re­gierungsvorlagen, betreffend Nachweisungen über die Ein­nahmen und Ausgaben an Domanial- und Staatsvermögen für die Finanzperiode 1900/01 und die aus den Rechnungen des Fonds zur Ergänzung des Familieneigentums des Großherzoglichen Hauses für 1900/01, betreffend die summarischen Uebersichten der Einnahmen und Ausgaben der Staatsschuldenverwaltung in den Jahren 1897/98, 1898/99, 1899/1900, 1900/01, betreffend Gesezentwurf über den Tert der Geseße, die Gehalte der Beltsschullehrer, bie Bensionierung der Volksschullehrer, die Witwen- und Waisen tasse der Volksschullehrer betreffend. Bei der Regierungs­vorlage, den Entwurf eines Gesezes, die Errichtung und Leitung von technischen Privatunterrichte anstalten betreffend, entsteht eine längere Debatte an der sich Abg. Köhler, Geheimrat Braun, die Abgg. Wolf, Damm, Dr. David, Pennrich, Müller, v. Brentano, Hirschel und Ulrich beteiligen. Die einzelnen Be­ftimmungen der Vorlage finden nach den Ausschußanträgen Annahme. Bei Artikel 7 findet ein Antrag Damm An. nahme, den auch der Ausschuß empfiehlt, wonach Fachlehrer an den technischen Privatanstalten volle Hochschulbildung haben müssen und die Klassen nur 45 Schüler haben dürfen. Hierauf tritt Bertagung anf Donnerstag Vormittag

9 Uhr ein.

Lokales.

15. Jnut 1905.

** Der Großherzog hat am 10. Juni den Ver­walter der neuen Kliniken an der Landesuniversität zu. Gießen Karl Keller auf sein Nachsuchen unter Aner­fennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste mit Wirkung vom 1. Juli 1905 in den Ruhestand versezt und ihm aus diesem Anlaß den Charakter als Ranzleirat" verliehen.

** Der Großherzog hat den Umtsrichter bei dem Amtsgericht Homberg Eugen Funk zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gießen, den Staatsanwalt am Land­gericht der Probing Startenburg Dr. Karl Wolff zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Buzba, den Amts­richter bei dem Amtsgericht Ulrichstein Dr. Moriz Hansult zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Dieburg und den Gerichtsassessor Ernst Hofmeyer aus Nidda zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Altenstadt ernannt.

*** Kaiserparade. Die Verkaufsstelle der Karten für die offizielle Tribüne teilt uns mit, daß die 3 Marf­Rarten bereits ausverkauft sind( vergl. heutigen Anzeigenteil).

** Gegen die Raupen auf den Apfelbäumen emp­fiehlt ein Gartenfreund im Praktischen Ratgeber das Ab­schütteln und Abschlagen, nachdem zuvor Decken unter die Bäume gelegt worden sind. Gleichzeitig sollen Baumringe angelegt werden, damit die Raupen nicht wieder am Stamm in die Höhe friechen, was überraschend schnell geschieht, wenn Die Nummer, welche man sie nicht sofort vernichtet. diese Mitteilung enthält, wird auf Verlangen fostenfrei an jeden Gartenfreund geschickt durch das Geschäftsamt des praktischen Ratgebers in Frankfurt a. Oder.

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+ Helpershain, 14. Juni. Am 18. und 19. wird. hier das Bezirkskriegerfest abgehalten.

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Lehnheim. Gewalttätigkeit. In der Nacht nach dem dritten Feiertag entstand in der Familie des Laudwirts H. Streit. Nach vorausgegangenem Wortwechsel schlug der ledige H. der im Hause wohnenden Schwieger­mutter seines verheirateten Bruders derart ins Gesicht, daß die Frau schwerverleßt darniederliegt.

§ Appenrod, 15. Juni. Heute ist mit der Anlegung des Grundbuchs für unsere Gemarkung begonnen worden. ? Rülfenrod. August Decher ist als Wiegemeister und Johs. Kurz, beide dahier, als dessen Stellvertreter eidlich verpflichtet worden.

?? Alsfeld, 15. Juni. Die Generalversammlung zur definitiven Gründung der ersten oberhessischen Pferde zuchtgenossenschaft findet fommenden Samstag in Als­feld im Deutschen Hause" statt.

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Der Wiesbaden, 13. Juni. Rheinische Kurier" in Wiesbaden ist von einem Konsortium mit dem Reichstags und Landtagsabgeordneten Kommerzienrat Bartling an der Spize erworben worden.

A Mainz, 14. Juni. Die heutige Hauptversammlung des hessischen Landeslehrervereins gestaltete sich zu einer erhebenden Badesfeier" zu Ehren des langjährigen Obmanns des Vereins, Oberlehrer Backes- Darmstadt, der im Laufe dieses Monats sein 50jähriges Dienstjubiläum be­geht. Um dem beliebten Obmann für sein verdienstvolles Wirten Dant und Anerkennung darzubringen, waren die Lehrer aus ganz Hessen sehr zahlreich erschienen, man zählte ca. 750, sodaß der Festsaal Liedertafel dicht gefüllt war. Backer hat in seiner 50jährigen Tätigkeit als Lehrer in Rödgen und Annerod, dann 21 Jahre in Ober- Esch­bach bei Friedberg, Groß- Gerau und seit 1883 in Darm­Mit ein Verdienst des Obmanns ist auch ftadt gewirkt. die zeitgemäße Negulierung der Gehaltsfrage. Am 26. Juni wird Backes in Darmstadt sein 50jähriges Jubiläum feiern. Mit einem Drgel- Konzert nahm der Hessische Lehrertag heute sein Ende. Der Erfurt, 14. Juni. Brautmyrte. Kronprinz richtete an die Blumengärtnereien Beterseim ein Schreiben, in dem er seine Anerkennung und seinen Dank ausspricht über die gesandte Myrte.

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Nordhausen, 14. Juni. Winter im Sommer. Im Harz und auf den Thüringischen Höhen sant das Thermo­meter gestern und heute auf 4 Grad unter Null. Es herrscht stellenweise Schneetreiben und Sturm.

Marktberichte.

Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise am 14. Juni 1905.

Ochsen Kälber Schweine

Höchste Schlachtbichpreise

in Frank urt a. M.

Fleischpreise

18

in Gießen

50 kg Schlachtgewicht 71-73 m.

1/3 w

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87-90 Pf. 69-70

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/ kg 70-80 f. bo. 70-74 do. 66-76 Brotpreise in Gießen Weißbrot 2 kg 52 Pf. Schwarzbr. do. 48

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do. Getreidepreise in Mannheim Weizen 100 kg Roggen do.

18.70 M. 16.35 Frankfurt a. M., 14. Juni. Fruchtmarkt. Es notierten nach Qualität: An Weizen, hiesiger und Wetterauer mr. 18.65-18.85, furhessischer Mr. 18.65-18.85 Roggen, hiesiger mr. 15 90-16.15, russischer Mr. 15.90-16.00 Gerste, hiesige Mr. 17.80 bis 18 00, Pfälzer Mr. 18.25 bis 18.50, fränkischer Mt. 17 80-18.25, Riedgerste Mt. 18.25 bis 18.50 Hafer, hiesiger und Wetterauer Mr. 15.00-15.50, tuchessischer Mr. 00.00-00 00, bay­erischer Mr. 15.00-15.50, Mais, Mixed Mr. 11.90-12.25. Alles pro 100 kilo ab hier. Mehl wesentlich höher. Es notierten nach Qualität: Weizenmehl hies. O, mr. 26.75-27.75, feinere Marken Art. 29.00-29.25, hiesiges Nr. 1, Mr. 24.75 bis 25.25, feinere Marten Mr. 26.00-26.50, hiesiges Nr. 2, Mr. 23.75-24.25, feinere Marken Mr. 24.75-25.25, hiesiges Nr. 4, Mr. 19.00-19.50 feinere Marken 20.00-20.50, Roggenmehl, hiesiges, 0, Mr. 22.- 23.25 Weizenschalen 5.35 b. 1 20.25-20.75, do. 2 Mr. 16-17 00. bis 5 50, Weizenkleie 5.35-5.50, Roggenkleie mt. 5.80-6.00 Weizenfuttermehl 6.75-7.50.

K Frankfurt, a. M.( Heu- und Strohmarkt.) Man notierte: Heu 3.70-0.00 Mt.

Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Boraussichtliche Witterung in Hessen für Freitag, den 16. Juni. Beitweise etwas aufheiternd, ziemlich warm. ( Näheres durch die Gießener Wetterkarte.)

Verantwortlich: für die Politik und den Inseratenteil: Albin Klein, für den übrigen Inhalt: Georg Horn, beide in Gießen.

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