Noch einige Brutalt
gefehlt hatte. diesmal noch zur Ausführung ihres schrecklichen Vorhabens aweiflung vielleicht wirklich eines Tages den Mut, der ihr taten von der Art der heutigen, und fie fand in ihrer Verclafamfeit au wandeln begann.
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Nr. 113.
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Montag, den 15. Mai 1905.
Gießener
14. Jahrgang
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für Oberhessen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
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Giftige Speifen.
Ein ärztliches Trostwort für Hausfrauen.
Es kann einem wahrhaftig der Appetit vergehen, wenn man von all den Vergiftungen liest, die unsere Zeitungen uns beim gemütlichen Frühstückstisch als Dessert reichen. Vor kurzer Zeit soll eine bekannte Berliner Professorsfrau an einer Zunge, die lieblich anzuschauen und wie Butter zerging, ihr junges Leben eingebüßt haben. Der Prozeß wegen der Vergiftung einer großen Zahl Pensionsmädchen in Darmstadt liegt uns noch allen in den Gliedern: das Gericht stellte ein Gift in den Erbsenkonserven fest. Und jetzt haben zwei leibhaftige Prinzessinnen beinah daran glauben müssen, nachdem sie sich ein paar ganz frische Austern zu Gemüte geführt hatten.
Austern, Muscheln, Gemüse, Käse, Wurst, Fleisch, Brot alles fann giftig sein. Du lieber Gott! Wenn jetzt einer auf den Gedanken fäme, aus Angst vor dem Vergiftungstod sich tot zu hungern, der Mann könnte dann noch Schule machen. Das Böse ist nämlich, daß wir den giftigen Speisen ihre meuchlerischen Eigenschaften nicht anmerken, weder ansehen, noch anriechen. Ueber den Geschmack läßt sich zwar nicht streiten. Aber Speisen, deren Fäulnis schon unsere Sinne belästigt, pflegen nicht gerade viel Liebhaber zu finden. Da sie also ihren Beruf nicht erfüllen, sind sie der Menschheit nicht sonderlich gefährlich.
Auch vor den Gerichten, die in verbrecherischer Absicht bergiftet sind, hat sich heutzutage die Furcht durchaus gelegt. Für unsere Restaurants würden sich Gewürze, wie Atropin, Strychnin, Morphium, nicht sonderlich empfehlen. Ein tüchtiger Arzt wird schnell erkennen, welches Gift einem Menschen einverleibt ist und die nötigen Gegenmaßregeln ergreifen, was so manchem Selbstmörder unangenehm ist.
Dagegen ist alle Kunst vergebens, die durch Selbstersegung entstehenden Schädlichkeiten festzustellen. Durch Farbe, Geschmack und Geruch geben sie sich nicht zu erkennen. Freilich kann die moderne Chemie diese Giftsubstanzen erkennen und isolieren. Aber wie wäre es um uns bestellt, wenn wir jeden Bissen vor dem Genuß chemisch untersuchen ließen. Nachher wenn jemand daran gestorben ist lässt sich's eher schon machen. Aber das ist für den Betroffenen im allgemeinen nur ein geringer Trost.
sonders gefürchtet sind die Austern und Mießmuscheln, die in Hafenplätzen gelandet werden, weil gerade die Häfer durch Abwässer vorzugsweise verseucht sind. In aller Ge dächtnis ist noch die Massenvergiftung in Wilhelmshaven, we nach dem Genuß von Mießmuscheln viele hundert Menscher schwere Erkrankungen, zum Teil mit tödlichem Ausgang, sick zugezogen haben.
Vorläufig steht die Wissenschaft diesen Gefahren noc machtlos gegenüber, und es ist doch recht zweifelhaft, ob sie Methoden wird angeben können, durch die jede Speise 501 jedem Genuß leicht auf ihre Unschädlichkeit wird geprüft werden können. Bis dahin kann noch viel Zeit verrinnen. Sollen wir solange hungern?! Nein, mit dem Essen ist's wie mit allen Gewissen hinieden:
,, Und setzet ihr nicht das Leben ein,
Nie wird euch das Leben gewonnen sein."
Wir leben zwar nicht, um zu essen. Aber wir essen, um 311 leben. Darum müssen wir den Kampf mit den geheimen Gewalten wagen, die in den Speisen liegen. Sie können auch einmal den Tod bringen. Aber in der Regel geben sie doch die Kraft zum Leben und zum Schaffen.
Lassen wir uns drum nicht Angst machen, essen wir in Fröhlichkeit und mit gutem Appetit, in Sauberkeit und mit Verstand! Dann wird's uns gut tun! Dr. Th. Z
Spartanertum im Heere.
Kaiser Wilhelm hat in Straßburg nach der Parade der dortigen Garnison in Anknüpfung an die Kritik eine längere und sehr bedeutsame Ansprache an die Offiziere gerichtet. In dieser Ansprache äußerte sich der Kaiser über die Erfahrun gen und Lehren des gegenwärtigen ostasiatischen Krieges und zog daraus Nubanwendungen,
Die rein militärischen Betrachtungen sind von hervor. ragendem Interesse. Der Laie selbst gewinnt daraus ein klares Bild. Wir erfahren, daß der ostasiatische Krieg die Wahrnehmungen des Burenkrieges bestätigt hat. Gegenüber der verwüstenden Wirkung der neueren Waffen ist es eine wesentliche Aufgabe, sich nicht dem Feind als Ziel zu bieten, sondern auf Deckung bedacht zu sein und nötigenfalls sich die Deckung selbst zu schaffen. Aber nicht auf den Pio nier und seine Arbeit kann man warten, sondern man muß den Spaten selbst zur Hand haben und ihn zu gebrauchen wissen. Was die Russen auf diesem Gebiet geleistet haben, dafür hat der Kaiser Worte hoher Anerkennung, wie denn überhaupt aus der kaiserlichen Rede die herzliche Freude an jedem Lob hervorleuchtet, das er den Russen zollen kann. Die Befestigungswerke, die die Russen im Kriege und unter den Augen des Feindes, beinahe während der Beschießung, aufgeworfen haben, hätten im Frieden kaum besser hergestellt werden können. Die ältesten und die neuesten Verteidigungs. mittel seien gleichmäßig zu wirksamster Verwendung gekommen: neben den Wolfsgruben" des siebenjährigen Krieges, die den stürmenden Feind vernichteten, während er eben noch glaubte, aus dem eroberten Wall die Siegesfahne aufpflanzen zu können, das moderne„ Drahthindernis", das die zäheste Tapferkeit ermüdet und die Japaner unendliche Opfer gekostet hat. Auch die Tugenden des russischen Soldaten rühmt der Kaiser mit ganzem Herzen, ebenso läßt cr der Tüchtigkeit des japanischen Soldaten volle Gerechtigkeit widerfahren. Mit strenger Gerechtigkeit aber geht der Kaiser mit den russischen Offizieren ins Gericht, von der obersten Leitung angefangen. Nachdem er den javanischen Offizieren hohes Lob gespendet, das aus diesem Munde besonderen Wert hat, erivähnt der Kaiser, daß es ein Grundfehler sei, wenn bei ausgedehntem Schlachtfeld der Oberst tommandierende in die Front gehe, wie es bei Mukden Kuropatkin getan, der infolgedessen auch die rechte Uebersicht, das rechte Urteil verlor. Der japanische Marschall Oyama blieb weit hinter der Front, erhielt von überallher telegraphische Meldungen und schickte überallhin telegraphische Befehle. Wie ein Schachspieler bestimmte er Zug um 3ug, was Kuropatkin nicht konnte, weil er keinen guten Standpunkt eingenommen hatte.
Die neuere Wissenschaft hat festgestellt, daß die Eiweißarten verschiedener Herkunft chemische Körper von komplizierter Zusammensetzung sind. Freilich ist man noch nicht instande, die Konstitution genau anzugeben. Würden diese mit großer Energie betriebenen Studien zu einer endgültigen Lösung kommen, so wäre auch die Möglichkeit näher gerückt, Eiweiß fünstlich herzustellen- und ein großer Teil der jozialen Frage wäre gelöst. Heut gilt die Arbeit der Gelehrten, die Abbaustoffe der Eiweiße zu studieren, und in diesen Forschungen ergab sich, daß gewisse Abbaustoffe hochgradig giftig sind. Der Zerfall vollzieht sich unter der Einwirkung von Bakterien, sog. Fäulnisbakterien. Diese Bakterien scheiden oft aus ihren eigenen Leibern giftige Substanzen ab- die man Torine nennt. Ungleich gefährlicher aber sind die durch Bakterien hervorgerufenen Spaltungsprodukte des Eiweiß, die Toralbumine. Das Verhängnisvolle ist nun, daß nicht gerade die letzten Auflösungsprodukte des Eiweiß giftig sind, sondern Zwischenstufen, die die Substanz Tum verändern. Es kann vorkommen, daß z. B. ein Stück ild, das wochenlang zum Fenster hinaushing und schon crfen haut goût hat, nicht die geringsten schädlichen Einpirkungen auf den Mensch, macht, obwohl haut goût ch nur durch die Zersetzung zustande kommt. Während Fleisch, das gerade erst sich zersetzt, giftig sein kann! Es würde also ungiftig werden können, wenn es noch länger dem Prozesse ausgesetzt ist. Diese Eiweißgifte können sich aber aud) erst im menschlichen Magendarmkanal bilden, denn die Eiweißverdauung ist auch nur eine Form der Eiweißauflösung. Hier kommen auch gährende Fruchtsäfte, gährende Kräuter, Erbsen, Bohnen, Mais in Frage, und es ist be fannt, welche furchtbaren Vergiftungsformen in den Län dern vorkommen, in denen vorzugsweise Mais genossen wird, Verdorbener Mais verursacht die gefürchtete Pellagra.
Zu unterscheiden hat man von diesen Eiweißgiften, die sich im Fleisch, Wurst, Käse und Hülsenfrüchten entwickeln, jene Gifte, welche ganz normalerweise in einzelnen Geweben von Tierkörpern gebildet werden, wie in Schlangen, den spanischen Fliegen, die durchaus nicht so harmlos sind, wie sie im Publikum gehalten werden. Für den menschlichen Genuß fommen aber hier vorzugsweise Weichtiere und Meeresfische in Betracht, von denen einige in ihrem Körper ein für sie ungefährliches, für den Menschen aber tödliches Gift bergen. Auch in dem Blute des so beliebten Aales hat man eine giftige Substanz absondern können, auf die die häufigen Vergiftungserscheinungen nach dem Genuß dieses Fisches zurückgeführt werden müssen. Und es ist nicht aminteressant, daß von vielen Hygienifern die im alten Testament gegebenen Speisevorschriften, die Aale und Weichtiere verbieten, auf die freilich nur erfahrungsmäßig festgestellten Schädlichkeiten zurückgeführt werden.
Bei den Weichtieren, Austern, Mießmuscheln, kommt es häufig vor, daß sich in ihrem Körper gefährliche Bakterien de Meerwassers häuslich einrichten, die dann im menschlichen Lranismus ihre verheerenden Wirkungen entfalten. Be
Daß das russische Offizierkorps vollständig veriagt habe, hebt der Kaiser mit Bedauern hervor, und das Offizierforps ist der Kern des Heeres. Der Kaiser hat auch nicht berschwiegen, worin er den Grund für das Versagen des russischen Offizierforps erflict: ihm ist erzählt worden, daß die russischer Offiziare in Kiautschou allen Seft aufgekauft haben!
Es ist bezeichnend für unseren Kaiser, daß er Unmäßigkeit und Schwelgerei als den Urgrund allen Verfalls, als die Ursache des Aufhörens aller friegerischen Tüchtigkeit ansieht. „ Der Feldsoldat muß sich an ein farges Leben gewöhnen und darf nicht an solche Dinge denken!"
Damit ist der Kaiser zu dem Kern seiner Ausführungen gekommen, zu der Moral, die daraus für die der schen Offiziere und ihren Nachwuchs 311 ziehen ist:„ Die jungen Leute müssen mehr herangefriegt werden, sie müssen tüchtig den Tag über arbeiten, so dak sie abends ordentlich ermüdet sind und bald das Lager aufsuchen, anstatt erschlaffenden Vergnügungen nachzugeben."
Das sind goldene Worte. Daß sie bei uns beherzigt werden, ist selbstverständlich. Alc auch anderwärts wird man auf sie achten, nicht am wenigsten in Rußland, wo man ganz genau weiß, daß der Saiser einen Tadel nur mit Be
dauern und nur zum Zweck der Lesserung ausspricht. In Rußland wird man unserem Kaiser jogar besonderen Dank wissen, weil er ohne Rücksicht auf Empfindlichkeiten, die sich gegen ihn wenden könnten, seine Autorität in die Wagschale geworfen hat, um seine Mahnung in das Herz derer dringen zu lassen, die es angeht.
Ob unsere Zeit mehr als eine frühere zu sorglosem und üppigem, verweichlichendem Lebensgenuß neigt, wird sich schmer feststellen lassen. Die Neigung selbst ist wohl auch sonst schon vorhanden gemesen, denn sie ist ein Erbteil menschlicher Schwäche. Aber sicher ist, daß es keinen Stand gibt, für den verweichlichender Qurus so schnell erschlaffend und darum für das Allgemeine so schwer verderblich wirken muß, wie den Stand des Berufsfoldaten, des Offiziers, der nach des Kaisers Worten der Kern des Seeres ist. Unsere Offiziere brauchen keine Duckmäufer und keine Puritaner zu sein aber etwas Spartanertum muß ihnen anhaften, muß ihnen in Fleisch und Blut il gegangen sein, wenn sie die Fähigkeit behalten sollen, den Ruhm der Väter zit be= wahren, ihre Tüchtigkeit zu erwerben und, wenn das Vaterland ruft, zu bewähren.
Der Krieg in Oftalien.
Nach der Vereinigung der beiden russischen Geschwader zu einer neuen großen Formation sieht man jetzt mit be. greiflicher Aufregung dem Augenblick entgegen, wo Nosch. djestwensky mit Logo handgemein wird. Alle Voraussagen, wann das geschehen wird, sind gänzlich überflüssig. Man meiß seit dem 9. d. M. nichts Sicheres mehr über den Ver. bleib der Russen Mit größerer Wahrscheinlichkeit läßt sich dagegen
der Schauplatz der erwarteten Seeschlacht bestimmen. Alles spricht dafür, daß ein Zusammenstoß in den Gewässern bei Formosa erfolgen wird. Togo ist infolge seiner numerischen Unterlegenheit gezwungen, sich möglichst an seine stark befestigte Operationsbasis, zwischen Formosa und den Fischerinseln, zu halten. In Hongkong, dem näch sten neutralen Hafen, bereiten sich die englischen Marinebehörden allen Ernstes auf die kommenden friegerischen Ereignisse vor. Von dort wird gemeldet:
Siebzehn Kriegsschiffe sind am Mittwoch abend in einer Entfernung von 12 Meilen von Three Kings gesichtet worden. Transportschiffe erschienen im Kuabepaẞ, 70 Meilen nördlich von der Kamranhbucht. Man glaubt hier, daß eine große Seeschlacht in nicht weite Entfernung bevorsteht. Die notwendigen Vorbereitungen zur Aufrechterhaltung der Neutralität sind bereits getroffen, ebenso Anordnungen erlassen, die Verwundeten beider Parteien in die englischen Krankenhäuser aufzunehmen.
Japanische Kreuzer sind mehrfach in den in Rede stehenden Gewässern auf der Ausschau nach der herannahenden russischen Flotte gesichtet worden. Ob die feindlichen Geschwader bereits Fühlung mit einander haben, ist aber bisher nicht bekannt.
Auf Minen geraten.
Wie aus Tschifu gemeldet wird, stieß der japanische Transportdampfer Sheyntsu- Maru", der mit Kriegsvor räten beladen nach Niutschwang bestimmt war, am 4. Mai in der Nähe der Miautau- Inseln auf eine Mine. Dadurch ist ein Teil des Schiffes weggerissen worden und das Schiff, wie man glaubt, noch in derselben Nacht im Sturm gesunfen. Ein gleiches trauriges Schicksal ereilte den englischen Dampfer Sobralense" auf der Höhe von Port Arthur. Als das Schiff infolge der Explosion einer Mine sank, eilten Boote aus Port Arthur herbei und retteten alle Europäer, die an Bord waren; mehrere nichteuropäische Leute von der Mannschaft und den Passagieren sind, wie man glaubt, er: trunken. Man nimmt an, daß der Dampfer in die Zone ge raten war, die zu vermeiden die Schiffe gewarnt sind.
Sonst wäre noch zu melden, daß in San Francisko 2500 Risten mit Granaten, die ohne Zweifel für die Russen bestimmt und von Hamburg aus über Newyork spediert waren, auf einem englischen Dampfer beschlagnahmt wurden
Die Politik.
Der Bericht des Reichsversicherungsamtes über das legte Geschäftsjahr bringt eine Fülle interessanten Materials. Das Versicherungsamt hat eine weitere Anzahl von Heilanstalten ermittelt, die sich fast ausschließlich mit der Behandlung von Unfallverletten befassen. Die vorgenom menen Revisionen ergaben befriedigende Resultate und für die Anstalten nüßliche Aufklärungen. Die Arbeiterhilfsgesuche haben sich im Laufe des Jahres vermindert. Das Fehlen einer einheitlichen Oberinstanz in Krankenversicherungssachen machte sich wieder unangenehm bemerkbar. Auf dem Gebiete der Invalidenversicherung wirkte der Umstand besonders erfreulich, daß mehrere Versicherungsanstalten in der Lage waren, Mehrleistungen zu machen. Die Errichtung von Invalidenhäusern hat Fortschritte gemacht. Die regelmäßige Erledigung der Beitragspflicht läßt dagegen noch zu wiinschen übrig; namentlich die Versicherten können gegebenen Falles erheblichen Schaden davon tragen. Vermehrte Kontrolle ist daber am Blabe.


