Ausgabe 
15.4.1905 Zweites Blatt
 
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Nr. 90.

Zweites Blatt.

Insertionspreis: Die einspaltige Betttzelle für ganz Ober­Beffen, die Kreise Mezlar und Marburg 10 Bfg. sonst 15 Pfg. Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Bfg.

Redaktion u. Haupterpedition: Gießen, Seltersweg 83. Fernsprechanschluß Nr. 362.

Samstag, den 15. April 1905.

Gießener

14. Jahrgang

Abonnementspreis: abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen vierteljährl. Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Die Frühjahrsmode.

( Von unserer ständigen Korrespondentin.)

Es hält zu Beginn einer Saison stets schwer, aus der ver­wirrenden Fülle der Modeneuheiten die charakteristischen Züge herauszuschälen. Man kann schwerlich sagen, welche Neuheiten durchgreifen, welche abgelehnt werden. Für die Damen, die sich beim Wechsel der Jahreszeit nur wenige neue Toiletten anschaffen, ist es immer ratsam, mit dem Einkauf zu zögern. Denn sonst geschieht es, daß man sich ein Kleid, eine Jacke, einen Hut erwirbt, der in der Ferm und der Farbe leicht in billigem Material nachgeahmt wer­den kann und von aller Welt getragen wird. Und man will doch in seinem Anzug apart sein; man vermeidet es wenig­stens, sich so zu fleiden, daß man sich seine Toilette bei an­derem übersieht.

Zuerst kommt das Straßenkleid in Betracht. Jest steht, daß der Rock keine Schleppe haben darf, daß er auch nicht traus garniert sei. Am besten eignet sich ein Tuchrock, fiebenteilig oder neun-, vielleicht gar elfteilig geschnitten, der nur bis zu den Knöcheln reicht. Neben Tuch werden biele farierte Plaidstoffe verarbeitet, oder neuerdings ein­farbig guter Cheviot. Für die wärmere Witterung wird man wieder zu Voiles und Etamines greifen.

eine große Anhängerschaft. Die Röcke für Besuchs- und Ge­sellschaftskleider sind unmäßig weit und stark eingekraust. Die Taillen schließen fest an, sind auch sehr fraus gehalten mit Fichus Marie- Antoinette garniert. Die Aermel reichen zumeist bis zum Ellenbogen, und man sieht bereits die weißen Tüllärmel unserer Großmütter, die in die Blusenärmel ein­geknöpft werden, wieder auftauchen. So kommt selbstver­ständlich auch wieder der Halbhandschuh aus Spißen, aus Tüll zu Ansehen. Die herausgezogene bauschige Bluse ist im Absterben begriffen. Ein hoher Schnebbengürtel legt sich um die Taille, schnürt diese förmlich zur Westentaille ein und verkürzt nach oben die Bluse.

Die Modefarben sind braun und Automobilfarben, wo­runter man eine Farbe zwischen lila und rot versteht, die an das bekannte Prune erinnert. Von Paris kommt uns die Kunde, daß man dort wieder dem Grün zuneigt, und zwar zwei ganz bestimmten grünen Nuancen, dem schreien­den Papageiengrün und dem weicheren Eidechsengrün. Wir wollen hoffen, daß wir diesen Vorschlägen in Deutschland nicht folgen. Denn die Blaugrünmode, an der wir bis jetzt frankten, hat uns doch einen leichten Abscheu gegen das Grün eingeflößt. Es ist im Grunde nicht angebracht, Mode­farben bestimmen zu wollen, denn jeder Teint und jedes Haar verlangt besondere Töne, die zu ihm stehen. Frei­lich gibt es auch hierfür eigene Gefeße, mit denen wir unsere Referinnen gelegentlich genau bekannt machen wollen. Emma Reichen.

Geborene.

fischer, Oberfellner dahier mit Marie Wiegand in Elm. Heinrich Rohrbach, Metallgießer dahier mit Maria Donau hierselbst. 9. Peter Sommer, Megger dahier mit Karoline Dittmar hierselbst. 10. Mar Nußbaum, Kaufmann dahier mit Hedwig Kuder hier selbst. Wilhelm Ranft, Kutscher da­hier mit Henriette Katharine Trost in Leun. Hugo Richard Bramm, Schneider dahier wit Bertha Sperling hierselbst. Karl Berg, Geschäftsführer dahier mit Marie Will hier. selbst. 14. Rudolf Winter, Fabrikant in Bruchsal mit Louise Noll hierselbst.

Eheschließungen.

April 8. Dr. Wilhelm Wehner, Gerichtsassessor in Darmstadt mit Luise Karoline Vittoria Jöckel in Gedern. Wilhelm Schönfeld, Taglöhner dahier mit Franziska Katharine Reinhardt hierselbst. Heinrich Nau, Dienstknecht dahier mit Friederike Meiswinkel hierselbst. 12. Gustav Stein, Werk. meisteranwärter in Limburg mit Katharine Wilhelmine Rörig dahier.

Gestorbene.

7. April. Karl Kann, 14 Jahre alt, ohne Beruf dahier. Andreas Kolb, 38 Jahre alt, Schirmmacher dahier. 8. Anna Rödiger, 9 Mte. alt, Tochter des Spenglermeisters Rudolf Rödiger dahier. 9. Heinrich Laval, 60 Jahre alt, Lokomotivheizer i. P. dahier. 10. Emilie Rentmeister,

Man hatte bisher geglaubt, daß die lange Frackjacke den Sieg über alle anderen wärmenden Hüllen davontragen würde. Dem scheint nicht so zu sein. Denn erstens bleibt die junge Welt bei ihrem geliebten Bolero, der nicht viel Veränderungen aufweist. Die wesentlichste wird sich erst Standesamt- Nachrichten der Stadt Gießen. 7 Stunden alt, Tochter des Hausdieners Franz Rentmeister geltend machen, wenn es wärmer wird. Es sind nämlich die halben Aermel in der Bolerojacke, die man als Neuheit proklamiert. Unter ihnen werden die bauschigen Aermel einer eleganten Bluse sichtbar. Den jugendlichen Erschei mungen steht rechte Auswahl in Jacken zur Verfügung. Da ist die kurze, bis zu den Hüften reichende, in Falten gelegte schwarze Tuchjacke mit breitem Sattel, der mit weißen eng lischen Stickereien belegt wird. Außerdem der lange oder Halblange lose Covercoatpaletot und endlich der stark in die Erscheinung tretende sogenannte Havelok, eine Art Kragen­rnantel, der verlängerte Brunnenmantel des vorigen Jah­

die Universi res. Für ältere Frauen ist wieder das Cape in Aufnahme. ießen.

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1905.

Aus feinem Rips, aus einer Seide, die leuchtet, aus Tuch mit und ohne Rüschen, mit und ohne Stickerei, wird es ge­fertigt. Manche der schwarzseidenen Capes mit großem Kra. gen und Fransenbesaß erinnern tatsächlich an die Mode von 1830.

Diefe Mode aus der Biedermeierzeit findet gegenwärtig Betreff: Betämpfung der Tollwut.

Warnung.

Um eine weitere Verbreitung der dahier unter den Hunden auftretenden Tollwut vorzubeugen, ergeht hier­durch nochmals die dringende Aufforderung, die Hunde festzulegen und beim Ausgang an der Leine zu führen und mit einem sicheren Maulkorb zu versehen. Sollte ein Hund der Tollwut verdächtig sein, so ist derselbe sofort in sichere Verwahrung zu bringen und hierher Mitteilung zu machen. Da die Tollwut auch durch Fagen übertragen werden kann, so ist auch diesen Tieren gegenüber höchste Vorsicht geboten. Frei umher­laufende Hunde und umherschweifende Kazen werden eingefangen und getötet.

erei Lindenstruth bandlung gegen die Bestimmungen der Hundesperre

PREIS

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Die Schußmannschaft ist angewiesen, jede Zuwider­unnachfichtlich zur Anzeige zu bringen. Gießen, den 14. April 1905.

Großh. Bolizeiamt Gießen.

Herberg.

Betanntmachung.

Betr.. Feldbereinigung in der Gemarfung Gießen rechts der Lahn und den zugezogenen Teilen der Gemarkung Heuchelheim. Die nachstehende Bekanntmachung bringen wir hierdurch zur Gießen, 14. April 1905.

öffentlichen Kenntnis.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

Mecum.

Bekanntmachung.

Betr.: Wie oben.

Dienstag, den 18. April 1. J8. findet die Versteigerung der Massegrundstücke an Ort und Stelle statt.

Zusammenkunft vormittags 8% Uhr an der Ecke der Nod­heimer- und Schüßenstraße, woselbst auch die Versteigerungsbeding ungen bekannt gegeben werden.

Friedberg, den 11. April 1905.

Der Großherzogliche Feldbereinigungskommissär:

gez. Spamer, Kreisamtmann.

Am 2. April. Dem Zugführer Emil Kallenbach eine Tochter; 4. Buchhalter Adolf Hahn eine Tochter, Katharine Luise Henriette Johanna; Schlosser Karl Wilfe eine Tochter, Susanne Henriette Elisabeth; 5. Kutscher Hermann Schmidt ein Sohn, Hermann Karl Wilhelm; Kaufmann Louis Wetterhahn eine Tochter, Irma; Steinmeßtechniker Libor Mez eine Tochter; 7. Schlosser Hugo Nißsche ein Sohn; 8. Bizefeldwebel Georg Beschty ein Sohn; 9. Hausdiener Franz Rentmeister eine Tochter, Emilie; 10. Maschinen­puger Wilhelm Schmahl ein Sohn, Karl Wilhelm; 11. An­staltsgärtner Wilhelm Zierlein ein Sohn, Louis August.

Aufgebote.

Am 7. April. Johannes Paul Robert Roese, Technifer dabier mit Anna Gutwasser in Osendorf. 8. Friedrich Teich

Zur bevorstehenden Bauzeit halte mein

Dachdeckergeschäft

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STOLWERCK

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KAKAO

dahier. Ludwig Scherer, 55 Jahre alt, Taglöhuer dahier. 11. Karl Balßer, 23 Jahre alt, Feinmechaniker dahier. 11. Gertrude Josefa Witkowski, 1 Jahr alt, Tochter des Taglöhners Roman Wutowski dahier. 12. Jakob Vaupel, 77 Jahre alt, Gendarmi. P. dahier. Wilhelmine Winkler geb.Böll, 20 Jahre alt, Ehefrau des Mechanikers Adolf Winkler dahier. Margarete Elisabethe Barth, 23 Tage alt, Tochter des Fuhrknechts Johann Barth dahier. Katharine Vogt, geb. Bock, 66 Jahre alt, Pflegling dahier. 13. Elise Scherer, geb. Kräger, 53 Jahre alt, Witwe des Taglöhners Ludwig Scherer dohier. 14. Auguste Zeisse, geb. Klöffler, 73 Jahre alt, Rentnerin dahier.

Verantwortlich: für die Politik und den Inseratentell Ibin Klein, für den übrigen Inhalt: Georg Horn, beibe in Gießen.

Arbeitsvergebung.

Betr.: Die zur Erbauung einer höheren Mädchenschule von Keller­fußboden aufwärts erforderlichen

Erd- und Maurerarbeiten.

Der ursprünglich auf den 15. April d. J8., vorm. 10 Uhr, an­beraumt gewesene Termin zur Vergebung der Erd- und Maurer­arbeiten und der hierfür erforderlichen Materiallieferung wird hier­mit auf

Samstag, den 29. April d. Js. vorm. 10 Uhr verlegt. Die genannten Arbeiten werden eventl. auch einschließlich Materiallieferung vergeben und sind Angebote hierauf auf Vors druck, der bei uns erhältlich, bis zu dem genannten Zeitpunkt an uns einzureichen.

Zeichnungen, Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen bei uns während der Amtsstunden zur Einsicht offen. Zuschlagsfrist 3 Wochen.

Gießen, den 13. April 1905.

Städtisches Hochbauamt.

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Mar Arnold

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