Ausgabe 
14.11.1905 Zweites Blatt
 
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gebühren eine unvernünftig hohe Quote des Arbeitsverdienstes ausmachen. Welche Verhältnisse in den Theater-, Konzert-, Artisten- Agenturen zuweilen obwalten, das hat man mit un­willigem Erstaunen erfahren, als die Gesetzgebung und die Polizei Anlaß nahmen, hineinzuleuchten und zu bessern.

Es ist daher begreiflich, daß in der vierten Jahresver­sammlung des Verbandes deutscher Arbeitsnachweise aus den Debatten sich als allgemein geteilte Auffassung der Wunsch Herausstellte, die Ersetzung der gewerbsmäßigen Stellen­bermittelung durch den gemeinnügigen Arbeitsnaachweis liege im Interesse der Arbeiter wie der Arbeitgeber; das Arbeiter­interesse überwiege dabei im Gast- und Schankwirtschafts­gewerbe, das Arbeitgeberinteresse in der Landwirtschaft und beim Hausgesinde. Ein reichsgesetzliches Verbot der ge= werbsmäßigen Stellenvermittelung oder wenigstens eine ge­sezliche Bestimmung sei dahin anzustreben, daß die Kon­zeffionierung von Gesindevermittlern und Stellenvermittlern von dem Nachweis eines vorhandenen Bedürfnisses abhängig gemacht und das Bedürfnis da überall verneint werden, wo bereits gewerbsmäßige Arbeitsnachweise bestehen. Erwünscht sei ferner behördliche Aufsicht über Vereins- und Jnnungs­Arbeitsnachweise, die nicht in Gast- und Schankwirtschaften oder in Häusern mit solchen Wirtschaften eingerichtet werden dürften.

Daß die Jahresversammlung keine Abstimmung vornahm, berdunkelt in feiner Weise ihre Ansichten und Absichten, die aus der Debatte klar genug hervorgingen.

Vermischtes.

Frau Lehrerin". Die Lehrerinnen an Sen Bolts Schulen in Desterreich wollen nicht mehr Fräulein tituliert fein, sondern erheben Anspruch auf den Titel Frau. Der niederösterreichische Landesschulrat hat dieses Verlangen als berechtigt anerkannt und angeordnet, daß den in nieder­österreichischen Volks- und Bürgerschulen angestellten Leh­rerinnen ausnahmslos der Titel" Frau" zukomme, ob sie nun verheiratet oder ledig sind.

Der schlaue Kaffer. In eine Cantine in Sefofuni. Rand kommt ein Raffer, setzt eine arüne Weinflasche auf den Ladentisch und läßt diese bis zum Rand mit Schnaps füllen. Als Bezahlung legt er mit dummdreister Miene einen Sixpence hin und will sich mit der Flasche entfernen. Der Verkäufer stürzt auf ihn zu und entreißt ihm den Schnaps. Der Raffer hat nicht genug Geld bei sich; er fordert seine Flasche und verspricht wiederzukommen. Die Flasche wird entleert, und seelenvergnügt zicht der Nasser mit ihr fort, denn an ihrem Grunde ist ein Schwainin ver borgen, der von dem edlen Saft einen gehörigen Teil in sich aufgesogen hat.

= Ein kinderreicher Vater. In Bertwick in Pennsyl banien lebt ein Kaufmann Burton, der vor kurzem zum achtundzwanzigsten Male Vater geworden ist. Er ist 65

Sahre alt und zum dritten Male verheiratet. Von seinen achtundzwanzig Kindern sind bereits fünfundzwanzig ge. storben. Eine DiphtherieEpidemie, die an seinem Wohn orte herrschte, entriß ihm an einem Tage Gattin und fünf zehn Kinder. Die sechzehn Gräber liegen in einer langen Neihe auf dem Kirchhofe von Summer Hill.

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Verschwindendes Dorf. Zur Erweiterung der Bergwerke bei Dur in Böhmen ist ein ganzes Dorf mit 70 Wohnhäusern angekauft worden. Die Ortschaft wird daher vollständig abgerissen werden, während die Bewohner fich in einem neuen Dorfe, etwa% Stunden davon entfernt, ansiedeln. Der ganze Drt steht auf folossalen, weit reichenden Kohlenlagern, deren Ausbeutung bisher nicht möglich war. Die Durer Braunkohlenwerke versorgen nicht nur Desterreich, sondern auch einen großen Teil Deutschlands mit ihren Produkten und bilden mit ihren Nebenzweigen der Ge winnung son Paraffin, Del usw. eine sehr ausgedehnte Industriz

Falsche Banknoten. Seit einiger Zeit sind wieder sehr viel falsche 100 und 20 Mark- Scheine im Verkehr, sodas das Publikum bei Empfang solcher Scheine zur Vorsicht ge mahnt werden muß. Die falschen Hundertmarkscheine tragen die Nummern 0788904 in verschiedenen Zusammenstellungen. Die Farbe ist sehr dick aufgetragen und glänzend, die Stempel stehen dichter aneinander und sind kleiner als bei den echten Noten. Die rauhe Rückseite läßt die Fälschung leicht erkennen. Die falschen 20 Mart- Scheine tragen die Jahreszahl 1882, den Buchstaben L und die Zahlen 117 205.

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Eine Hochzeitsgesellschaft durch die Decke ge= fallen. Während einer Hochzeitsfeier in dem badischen Orte Wallbach brach plötzlich der Fußboden des Gasthauses, in dem die Feier stattfand, ein und die ganze Gesellschaft, die Musikanten und das Tischgerät versanten in die Tiefe. Die herbeigerufene Feuerwehr rettete die Verunglückten, die ohne erheblichen Schaden mit dem bloßen Schrecken davongekommen find. Anscheinend hatte das Mauerwerk unter einem eisernen Tragpfeiler des Sales infolge zu starker Belastung nach­gegeben und den Einsturz verursacht. Damit bei dem Un­glück auch die komische Seite nicht fehle, ist das Klavier bei dem Einsturz einsam oben hängen geblieben und winkt nun als einziges Zeichen der gestörten Festfeier auf die Schutt­trümmer herunter.

Der entflohene Zug. Ein Personenzug, der auf der Station Dorum zu rangieren hatte, sollte auf das Signal des Zugführers ein Stüd vorfahren, um noch einen Wagen anzuhängen. Der Maschinist verstand aber das Signal falsch 1. d gab Volldampf, sodaß der Zug ohne den Zugführer da onsauste. Alles Winken und Rufen war vergebens. Sa ießlich gelang es einem Fahrgast, das Zugpersonal auf­mei sam zu machen und der Zug fuhr unter lebhafter Heiter­feit der Passagiere wieder zurück, um den stehengebliebenen Wagen mit dem Zugführer abzuholen.

Zur Landtags- Wahl!

Stadt- Cheater

Giessen.

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Ein prinzlicher Goldarbeiter. Prinz Bozida Karageorgewitsch, ein Vetter des Königs von Serbien, hat sich nach vielfachen abenteuerlichen Streichen auf das Hand­werk geworfen und in London eine Ausstellung von ihm entworfener goldener und silberner Schmucksachen veranstaltet. Der Prinz ist zum selbständigen Ergreifen eines Berufes genötigt, da er von seinem Vetter feine Interſtüßung erhält. Die königlich serbische Familie möchte mit diesem Kara georgewitsch, der in Paris seines leichtsinnigen Lebens wegen nur zu bekannt ist, feine Gemeinschaft haben und sucht ihn möglichst von den Rockschößen abzuschütteln. Auch eine An­stellung im Heere ist ihm abgeschlagen worden, so daß der arme Prinz ganz allein für sich und seine Freundinnen sorgen muß.

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Der streifende Elefant. In einem französischen Theater in Perigueur weigerte sich der Elefant, der in einem Ausstattungsstück mitzuwirken hatte, auf die Bühne zu gehen. Statt dessen stieg er die Treppe hinauf auf den Theaterplaz und ging dann in das Theaterkafé durch das Fenster, da er nicht durch die Tür konnte. Mit entsetztem Geschrei fuhren die zahlreichen Besucher in alle Ecken; eine unbeschreibliche Banit brach aus und eine Person wurde im Gedränge schwer verwundet. Der Elephant räumte alle Tische und Stühle an die Seite und ging dann ins Billardzimmer, wo er mit seinem Gebrüll die Spieler vertrieb. Dann führte der indische Wärter den Dickhäuter mit einem Stück Zucker ruhig auf die Bühne zurück.

Gebetbuch aus Seide gewebt. Nach dreijähriger mühevolier Arbeit hat ein Lyoner Seidenweber das Meister­stück fertig gebracht, ein 180 Seiten starkes Gebetbuch aus Seide herzustellen. Die Gebete sind in diesem Buch nicht gedruckt, sondern in den Stoff mit eingewebt. Die Arbeit wird in ähnlicher Weise wie die gewebten Fahnen, bemusterte Kleiderstoffe u. a. hergestellt, doch erfordert j Zeile eine besondere Mustervorrichtung, auf die der Webstahl jedesmal eingestellt werden muß. Bei Stoffen, in denen sich das Muster regelmäßig wiederholt, ist diese Einrichtung natürlich weit einfacher. Ein derartiges Buch dürfte jedenfalls noch nicht existieren.

Automobilkostüme für Hunde. Die Pariser Damen haben eine neue Mode entdeckt, um ihre lieben kleinen Hündchen bei Automobilfahrten vor der Witterung zu schüßen und gleichzeitig die Aufmerksamkeit der Welt auf sich zu zieyen. Das Kostüm besteht aus einen warm gefütterten Rocke, Lederschuhen, einer Chauffeurmüße mit Staubbrille und einem Taschentuche, das in einer Außentasche des Rockes steckt. Leider erfährt man nicht, ob die Hündchen in Paris im Gebrauch dieses Kulturmittels schon weit genug vorgeschritten sind. Jedenfalls ist dafür gesorgt, daß die Verrücktheit in Paris nicht ausstirbz Jezi fehlen nur noch Theater und Restaurants für Hunde und ein Arzt für die Pariser Modedamen.

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Bekanntmachung.

Betr.: Straßenverkehr.

Nachstehende Bestimmungen der Polizeiverordnung bom 2. März 1901 bringen wir zur öffentlichen Kennt nis unter dem Hinweis darauf, daß die Schußmannschaft

Im Wahlkreis Gießen- Land scheint hier und da noch Unklarheit darüber zu bestehen, wie Bürgermeister Lenn Großen- Linden im Landtag sich zum allgemeinen direkten Wahlrecht gestellt habe. Es wird verschiedentlich behauptet, Dir.: Hermann Steingoetter. angewiesen ist, Zuwiderhandlungen unnachsichtlich zur Leun wäre gegen das direkte Wahlrecht. Wer das aussagt, der fennt unseren bis Dienstag, den 14. November Anzeige zu bringen. herigen Abgeordneten Leun noch gar nicht, der weiß nicht, wie liberal derselbe denkt über Vorlagen, die der Allgemeinheit Nugen bringen können. Laut dem amtlichen Protokoll der 70. Sigung vom 1. Juli 1904, in welcher über die Regierungsvorlage betreffend das allgemeine direkte Wahlrecht namentlich abgestimmt wurde, waren dafür: die Abgeordneten

Adelung, Bähr, Berthold, Brauer, v. Brentano, Butt, Cramer, Samm, David, Diehl, Erk, Frenay, Gutfleisch, Haud, Häusel, Hirschel, Horn, Jouz, Köhler, Korell, Lang, Lenn, Molthan, Müller, Noack, Orb, Pennrich, Pitthan, Reh, Ripper, Schill, Schlenger, Schönberger, Senßfelder, Stöpler, Ulmann, Weidner, Windecker, Wolf, Ülrich, Schmalbach, Reinhart, Schmitt und Haas.

Nur 4 Abgeordnete( Braun, Breimer, Heidenreich und Möllinger) stimmten mit Nein. Dies hier nochmals zu fonstatieren, halten wir für unsere Pflicht, damit dem bisherigen Abgeordneten Unrichtigkeiten nicht unterschoben werden.

Bürgermeister Leun hat eine schnelle Auffassungsgabe, einen Blick für praktische Einrichtungen und ist schon darum die Unterstellung bei all den Leuten, die mit ihm näher und mehr verkehren, sofort zurückgewiesen werden. Möge man im Wieder­holungsfalle allerwärts ebenso verfahren.

Mehrere Parteifreunde Leuns.

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Gießen, den 1. November 1905. Großh. Polizeiamt Sießen. Herberg.

§ 1. Die Bürgersteige sollen für den Fußgänger verkehr frei gehalten werden.

§ 2. Es ist deshalb verboten, auf den Bürgersteigen Wagen jeder Art, Karren, Schlitten und Fahrräder zu fahren. Ausgenommen von diesem Verbot ist das Fahren mit durch Menschen fortbewegten Kranken- oder Kinder wagen, sofern darin Kranke oder Kinder gefahren werden; solche Wagen dürfen jedoch nicht neben einander gefahren oder aufgestellt werden.

Nr. 209

§ 3. Das Ueberfahren der Bürgersteige zwecks Ein und Ausfahrt zu und von Hofraiten und Grundstücken ist gestattet, sofern dies im Schritt, auf dem kürzesten Wege und ohne Aufenthalt geschieht.

§ 4. Es ist verboten, den Verkehr durch ungerecht fertigtes Stehenbleiben, durch gewerbliche Verrichtungen durch Feilbieten von Gegenständen, durch das Tragen von Stöcken oder Schirmen in einer andere Personen gefährdenden Weise zu hindern.

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Von einem mit den ten Finanzpolitiker wird d gefchrieben: Rußland ist das we hat ihm schon immer un päisches Land betrachtet nach der europäischen Anzahl Aeußerlichkeiten gerichtet worden, aber blieben. Daß Afaten wurden, war natürlid ment. Erst mußte di auf Europa Gejdmad

dafür gewonnen habe Ural genaue Vorstell beinahe den Mittelpu bildet, che das Verl und lebendig werde um ein halbes Jah Aufhebung der Leib Jahre 1810, in Ru Folgeerscheinungen n Den Fortschritt zur 56 Jahre später al

nach werden Rußla bleiben, die Preußen Die russische r überdies manche Ko oder wenigstens nicht nicht zu berüdfichtigen gefchloffene Nationalit

haben aufsaugen laffen immer noch träumen. für diese Nationalitäter Finnen regter. fich fräft wieder her. Die Voler und den Arbeitern die gnügten fidh, um Selb drohend erhobenem Fing

Rußland ist ein Be

ein europäischer Staat. Russen nicht Europäer Sie haben ihr Europäer Die nicht daran glauben übel daran glauben mu der zweifelt nicht, daß fehr schnell zurecht finde die älteren Europäer. Man spricht im to

Deutschland viel von der

und zum Staatsbanferot Aufsehen erregen wollen, Stande sein würde, sein Binjen seiner Schulden fofern richtig, als schon hat, die Zahlungen teilw Schulden zu reduzieren. Aber daß es ihm begegn hauptung. Mit dem nungen nicht zu machen Fier spielen andere Fatt Mart und Pfennig einer Nation entziehen Nation baben noch fein Wahrheinlichfeit pric

§ 5. Es ist verboten, außerhalb der Frühstunden bon 5 bis 7 Uhr Gegenstände, die durch Form, Größe oder Beschaffenheit geeignet sind, die Vorübergehende zu beschädigen, zu belästigen oder zu beschmutzen( we Metzgerbollen, Bäcker- und Marktkörbe, Kaminfeger utensilien, landwirtschaftliche Geräte und dergleichen) auf den Bürgersteigen der von der Ost-, Süd-, Weft und Nordanlage eingeschlossenen inneren Stadt zu befördern

Bekanntmachung.

In der Zeit vom 4. bis 11. November wurden in hiesiger Stadt

die jest erit der Bevö ordentlichen Aufschwu und Industrie, beide Die Steuerfähigteit Teil ausgenugt. De Beamtenbejtechung, d macht für sich allein

gefunden: 1 Brille nebst Futteral und 1 Porte rei. Die Beamtentont

monnaie mit Inhalt;

verloren 1 Opernglas mit Futteral, 1 grünledern Portemonnaie mit 3 Mark Inhalt, 1 braun ledernes Portemonnaie mit dem Hamburge Wappen und 11 bis 12 Mt. Inhalt, 1 filb

verhindert die unendlic

ie ein Krebsschaden der fichen Finanzen waren.

Eine andere Frage

Ersparnisse in russischen

Beantwortung mit ja ob

Damen Cylinder- Uhr mit Goldrand, Rückdede Werte sind unter allen mit Monogramm K. R., 1 schwarzer stette griechischen, rumänischen Filzhut, Weite 54 cm, innen rotseidenes Futte immer noch nicht gut zu mit in Gold eingedrückter Eule, 1 goldene geben, die lieber Medaillon mit Teutonenwappen und 1 Herren. die einen höhere regenschirm mit filb. Griff und Monogramm geringeren Binsju

H. E.

Neueste Nachrichten, Gießen erbeten. ftände belteben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegen

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Gießen, den 11. November 1905.

Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg.

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zu diesen gehört, nirin mündelsicheren te Grund vor, die Leu

herauszugraulen, perreden. Das Schlin as tommt, tann nur Fine Binnengrenzen einr gman die gleichen fege Sinficht haben, wie die berein fie für diesen geha