Ausgabe 
14.11.1905 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

0.

sweg 2

1

anwaren

1. Blumen

Seifen

ümerien

ilder

piegel rengürtel

mengürtel

enträger

ierstöcke

bwaren

derwaren

stenwaren

rracotten

st- Figuren

ateriewaren

htische

Nr. 268.

Zweites Blatt.

Jusertionspreis: Die einspaltige Betitzelle für ganz Ober­effen, bie Streife Weglar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Bfg. Reklamen bie Petitzelle 30 refp. 40 Pfg.

Redaktion u. Haupterpedition: Gießen, Seltersweg 88. Fernsprechanichiah Nr. 362.

Dienstag, den 14. November 1905

Gießener

14. Jahrgang

Abonnementspreis: abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährl. Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Neueste Nachrichten

End bung

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeifung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weglar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberheffen.

fi od 50

Verlorene Brüder.

die

Die starke Vermehrung der Bevölkerung in Deutschland hat in früheren Jahrzehnten eine lebhafte Auswanderungs­bewegung hervorgerufen. Was die Leute in großer Zahl von dannen jagte, war die allgenteine wirtschaftliche Lage im Lande, das seine Kinder nicht mehr ernähren konnte. Die Industrie war zu schwach entwickelt, um einer großen Zahl von Arbeitern Beschäftigung und Brot zu geben. So zogen Die Leute davon, sich anderwärts Erwerbsgelegenheit zu suchen. Und war es ihnen geglückt, so riefen sie Verwandte and Freunde nach. Die Vermehrung der Bevölkerung hat nicht nachgelassen, die Einwohnerzahl hat sich bei uns seit fünfzig Jahren verdoppelt, die Militärlast, von der man früher so viel gesprochen, ist ganz gewiß nicht geringer geworden and wird gleichwohl nicht als Last empfunden, und Auswanderung hat ungefähr aufgehört. Während Deutsch­land sonst das stärkste Auswandererkontingent ſtellte, ist jetzt Die deutsche Auswanderung faum nennenswert. Die all­gemeine wirtschaftliche Lage hat sich eben geändert. Die Beutsche Industrie hat solchen Aufschwung genommen, daß sie Heute mit Leichtigkeit die doppelte Zahl von Personen er nährt, besser ernährt als früher die einfache Zahl. Wäre diese Aenderung nicht eingetreten, so hätte trotz der Schaffung des Reichs der Ueberschuß der Bevölkerung durch Aus. wanderung an das Ausland abgegeben werden müssen. Denn ber wirtschaftliche Zwang ist unwiderstehlich; keine Begeisterung und feine moralische Erwägung kann ihn ablenken. Reichs­Fanzler Graf Caprivi hat vollständig Recht gehabt, als er jagte: Wir haben nur die Wahl, ob wir Menschen oder ob

ir Waren ausführen wollen. Mit anderen Worten heißt das eben: Ist die deutsche Industrie nicht stark gena, unserer Bevölkerung Beschäftigung gegen ausreichenden Lohn zu geben 1 und diese Stärfe fann sie einzig dadurch gewinnen und behalten, daß sie lebhaftes, umfassendes Ausfuhrgeschäft treibt, so wandert der Teil der Bevölkerung, der hier feinen Unterhalt findet, unweigerlich aus.

-

Hält die Zunahme der Bevölkerung bei uns in dem bis herigen Maße an, so wird noch vor Mitte dieses Jahrhun derts die Einwohnerzahl des Reichs auf dem jezigen Gebiet hundert Millionen erreicht haben. Es ist theoretisch durchaus nicht unmöglich, eine so dichte Bevölkerung zu ernähren. Man darf zu der deutschen Industrie das Zutrauen haben, daß sie sich dieser Aufgabe gewachsen zeigen wird. Aber das größte Zutrauen schafft noch keine Gewißheit. Auch dar man nicht außer Augen laßen, daß kein Aufschwung ewig enhält, daß es auch Rückschläge giebt. Mitten in der Auf wärtsbewegung kann eine Ruhepause eintreten, ein leises Ab­flauen. Es wäre leichtsinnig, an solche Möglichkeit nicht zu denfen. Darum giebt es auch kein anderes Hilfsmittel und fein anderes Ventil, als das alte: die Auswanderung.

Wo sind nun die deutschen Auswanderer des vorigen Jahrhunderts geblieben? Nach den Vereinigten Staaten von Amerika allein sind über 5 Millionen gegangen, mehr als aus irgend einem anderen Lande! Die Engländer müssen die Fren zu Hilfe nehmen, um die Zahl der deutschen Ein. wanderer nach Amerifa um 1% Millionen zu übertreffen. Jem Jahre 1900 stand in den Vereinigten Staaten die Zahl der direkten Abkömmlinge von englischen und irischen Eltern mit 7 047 318 schon hinter der Zahl von Einwohnern zurück, deren Eltern in Deutschland gel oren waren, und die sich auf 7832 681 belief. Die geringere Vermehrung der Engländer und Fren hatte diesen Umschwung herbeigeführt. Wo find die deutschen Auswanderer in den Vereinigten Staaten ge blieben? oder vielmehr wo ist ihr Deutschtum geblieben? Die Vereinigten Staaten von Amerifa haben ganz und gar angelsächsischen Charakter, von dem deutschen Einfluß ist nichts zu bemerken. Untergetaucht ist die ungeheure Zahl der deuts schen Einwanderer, national aufgesogen und eingeschluckt!

In früheren Zeiten, ehe das Reich bestand, hatte man eine Erklärung zur Hand: Die Kleinstaaterei, die politische Machtlosigkeit war an allem Schuld. Man hatte vor dem deutschen Namen im Ausland keine Achtung, und deshalb gab der Deutsche im Ausland seinen deutschen Namen schnell if und versteckte ihn. Sehr stolz ist diese Erklärung nicht und von großem Nationalstolz zeugt sie auch nicht. Der Stolz, der nicht aus der tiesinneren Liebe zur eigenen Rationalität erwächst, der erst durch die geschmeichelte Eitelkeit wachgefißelt werden muß, ist nicht allzuviel wert. Doch da hilft fein Klagen. Wir müssen uns mit dem, was gewesen ift, wohl oder übel abfinden und dafür sorgen, daß es in Zu hunft besser werde und die schlimme Erfahrung der Ver­gangenheit fich nicht erneuere. Zeiten stärkerer Auswanderung werden wiederkehren. Das ist einmal nicht zu vermeiden. Wir sollten aber die Auswanderer nicht ohne weiteres auf geben, fie als dem Deutschtnm verloren betrachten und be­handeln. Der Deutsche, der in der Heimat bleibt, dessen Deutschium tann schon einen Puff vertragen. Gerade der Auswanderer sollte in dieser Hinsicht sanft angefaßt werden. Man darf ihm, der in der Fremde weilt, nicht Lasten auf erlegen, nicht unbequemlichkeiten zumuten, und wären es nur die die in der Erfüllung gewisser Formalitäten zur Erhaltung en Reichsangehörigkeit bestehen. Ebensowenig darf man hm Schwierigkeiten bereiten, wenn er zur Reichsangehörigkeit zuricfehren will. Eigentlich sollte der Grundsatz gelten: der eborene Deutsche wird als Deutscher angesehen und behandelt,

#spital

bis er ausdrücklich erklärt, daß er es nicht mehr will; und ei wird wieder als Deutscher angesehen, sobald er erklärt, daß er es wieder will. Freilich ist ein Mißbrauch denkbar, wird Mißbrauch auch vorkommen. Doch dieser Schaden ist lange nicht so groß wie der andere, der viele Millionen dem Deutsch, tum hat verloren gehen lassen.

-

Im Kaiferfchloffe.

-

( Eig. Bericht.) Berlin, 3. November. Wenn die meisten Bewohner der Residenz noch im Schlummer liegen, dann beginnt ob in Potsdamı, ob in Berlin schon im faiserlichen Haushalt reges Leben. Die Kehr- und Küchenmädchen haben zuerst den Schlaf ab. geschüttelt und beginnen ihre Tätigkeit. Die Kaffeeföchin waltet ihres Amtes, um das erste Frühstück herzurichten. Die Küchenmädchen sind mit Vorbereitungen beschäftigt. Die Kehrmädchen treten im weißen Häubchen und weißen Schürzen ihre tägliche Arbeit an. Die Privatzimmer des Kaisers und der Kaiserin werden zuerst gereinigt. Es wird gefegt, gebohnt und Staub gewischt. Der Frühstückstisch wird in Berlin im Salon der Kaiserin gedeckt. In Berlin ist dies ein zweifenstriges Gemach mit einer resedagrünen Tapete. Die reichbergoldete Decke ist im Geiste Schlüterâ ausgeführt und zeigt in der Mitte den Einzug des Früh lings. Herrliche Gemälde zieren die Wände. Unter ihnen befinden sich drei Perlen der kaiserlichen Kunstschätze: Ge mälde von Watteau. In Potsdam wird im Sommer das erste Frühstück im offenen Teehäuschen, rechts vom Neuen Palais belegen, in den kühleren Herbsttagen im Edsalon links eingenommen. Um 7 Uhr, zuweilen auch früher, be treten der Kaiser und die Kaiserin den Salon. In der Regel steht das Herrscherpaar um 6 Uhr auf. Der Kaiser erscheint in kleiner Generalsuniform. Die Kaiserin in Haustoilette. Um 27 Uhr werden die zurzeit im Schloffe anwesenden jüngeren Prinzen, sowie die Prinzessin geweckt.

Auf dem Frühstückstische steht Tee, Kaffee, Eier und eine Fleischspeise. Da der Kaiser bei dieser Gelegenheit Fami lienangelegenheiten zu erörtern liebt, ist keine Dienerschaft anwesend. Im Vorzimmer warten die Lakaien auf ein et waiges Klingelzeichen.

Naht das Frühstück seinem Ende, so begrüßt das Prin zeßchen die Eltern, um sich dann zum Unterricht zu ihre Erzieherin zu begeben. Der Kaiser begiebt sich nun in dal Vortragszimmer, das an sein Arbeitszimmer grenzt. Au dem Arbeitstisch liegen Stöße von Briefen. Zuweilen geher an einem Tage über 350 Schriftstücke ein. Die Kaiserir macht in Potsdam einen Gang durch den Park, und dan eine Runde durch die Zimmer ihrer Kinder und Wirtschafts räume. In Berlin fällt der Spaziergang fort.

Allmählich ist es überall im Schlosse lebendig geworden. Besonders in der Küche geht es lebhaft zu. Der Speise. zettel wird der Kaiserin jedesmal zur Begutachtung vor. gelegt. Die diensttuende Hofdame begibt sich zur Kaiserin, falls eine Fahrt, ein Besuch in einem Krankenhaus oder dergleichen geplant ist.

Die diensttuenden Flügeladjutanten sind erschienen und warten im Adjutantenzimmer, bis der Kaiser sie rufen läßt, um das Tagesprogramm zu besprechen. In Berlin wird gewöhnlich um 19 Uhr eine Spazierfahrt von dem Kaiserpaar unternommen. In Potsdam geschieht dies selten Um 10 Uhr ist der Kaiser stets zurück. Er begiebt sich zum Hofmarschall in das Vortragszimmer, um Angelegenheiten des kaiserlichen Hofhaltes zu besprechen. Es werden Pro gramme für Reisen und Festlichkeiten unterbreitet, Bau­pläne usw. Dann kommen die Chefs des Zivil- und Mili tärkabinetts mit ihren Vorträgen, um schließlich von den Ministern, Staatssekretären usw. abgelöst zu werden. Dell Vorträgen folgen die Audienzen; es schließt sich um 1 1lbr das zweite Frühstück an, das in Potsdam im Apollosaale eingenommen wird.

Die Kaiserin hat inzwischen den Oberhofmeister emp. fangen, der über die Anstalten, die unter ihrem Protektorate stehen, Bericht erstattet, Besuche empfangen usw. So ver. geht der Vormittag für das Kaiserpaar. Truppenbesichti gungen, Denkmalsenthüllungen, Empfänge fremder Fürst­lichkeiten lassen hier und dort eine Aenderung eintreten. Der feste Rahmen der Hausordnung bleibt im großen und ganzen aber stets der gleiche. Selbst an und nach den Tagen der großen Hoffeste wickeln sich die Dinge in der her­gebrachten Ordnung ab. A. M. W.

Kunft und Wissenschaft.

JT. Leuchtgas aus der Erde. Dänische Geologen haben festgestellt, daß sich in beträchtlicher Tiefe der Erde in Dänemark ein natürliches Gas vorfindet, das zur Beleuch tung und zu gewerblichen Zwecken ebenso geeignet ist, als das künstlich hergestellte Steinkohlengas. Die dänische Re­gierung unterstüßt die Arbeiten zur Erbohrung dieser natür­lichen Gasquellen, die bereits technische Anlagen in nord­dänischen Städten mit Leuchtgas versorgen.

Der Arbeitsnachweis.

Durch Gesetz vom 14. März 1904 ist in Frankreich die gewerbsmäßige Stellenvermittelung verboten worden. Die Inhaber von Stellenvermittelungsanstalten erhielten eine Entschädigung von 6 Millionen Francs. Man kann sich denken, daß die in Rede stehenden französischen Institute sich in außerordentlichem Maße lästig gemacht haben müssen, ehe man sich entschloß, sie um den genannter Preis zu unter­drücken. In der Tat waren sie ein Druck 15 eine Gefahr geworden. Sie drückten mit den Gebühren in ungebühr= licher Weise die Stellungsuchenden, die Arbeitnehmer, und ihre Organisation machte sie stark genug, daß kein Arbeit­nehmer sich dem Tribut entziehen konnie, den sie aufzuerlegen für gut fanden. Daß sie trotz der vom Staat gewährten Entschädigung von 6 Millionen sich gegen das Gesetz sträubten, das ihre Aufhebung verfügte, läßt erkennen, daß ihr Verdienst noch erheblich höher war als die Ent­schädigung.

Dic Verhältnisse in der deutschen gewerbsmäßigen Stellen­vermittelung mögen nicht ganz so schlimm sein, wie sie in der französischen gewesen sind, als erfreulich können sie jeden­falls nicht betrachtet werden. Was bei der vierten Jahres­versammlung des Verbandes deutscher Arbeitsnachweise, die jüngst in Wiesbaden stattgefunden hat, zur Sprache gekommen ist, legt den Wunsch nach einer durchgreifenden Reform nahe und macht erklärlich, daß dort eifrig empfohlen wurde, man solle auch in Deutschland die gewerbsmäßige Stellenver­mittelung unter Gewährung einer Entschädigung verbieten. Gewiß hatten die Fürsprecher des Bundes deutscher Stellen­vermittler das Recht, als sie in Wiesbaden darauf aufmerksam machten, man dürfe bedauerliche Einzelvorfälle nicht veral­gemeinern und zur Grundlage eines Gesamturteils machen, dürfte auch nicht aus dem Umstand, daß in den Beruf der Stellenbermittler sich unlautere und unsaubere Elemente ein­geschlichen haben, auf einen sittlichen Unwert des ganzen Standes schließen. Immerhin bleibt es ungemein bedenklich, wenn, wie ebenfalls in Wiesbaden ausgeführt wurde, von den 5216 deutschen Stellenvermittlern 632 oder 12,1 Proz., d. i. fast der achte Teil, vorbestraft, zumeist sogar mehrfach vorbestraft sind. Auch kann man aus der Zahl der gewerbs­mäßigen Stellenvermittler ersehen, daß ihre Tätigkeit dem Arbeitnehmer eine Steuer auferlegt, die auf viele Millionen Mark jährlich berechnet.

Von Seiten der Freunde einer gewerbsmäßigen Stellen­bermittelung wurde ferner geltend gemacht, daß die an­gestrebte Kostenlosigkeit der Vermittelung die ohnehin ver­mißte Seßhaftigkeit noch weiter verringern und die Versuchung zum Stellenwechsel erhöhen würde. Demgegenüber konnte mit Fug gesagt werden, daß der bezahlte Arbeitsnachweis den häufigen Stellenwechsel zu einem direkten Interesse des gewerbsmäßigen Stellenvermittlers mache. Damit schwände auch das einzige Moment, das zu seinen Gunsten sich etwa anführen ließe: daß die gewerbsmäßige Stellenvermittelung besser als der gemeinnüßige Arbeitsnachweis in der Lage sei, individuelle Wünsche und Ansprüche zu berücksichtigen. Es ist übrigens unzutreffend, daß der gemeinnützige Arbeits­nachweis hierzu weniger im Stande sei. Stehen an seiner Spize Personen von rechtem Verständnis und gutem Willen, so werden sie die sich anbietenden Arbeitskräfte auch an­gemessen zu verteilen und zu dirigieren wissen, mindestens so gut, wie der Stellenvermittler, der naturgemäß in allererster Reihe auf seine Sporteln bedacht ist und es gewiß nicht schmerzlich empfindet, wenn seine schlechte Bedienung ihm eine schnelle Wiederholung seines Sportelverdienstes einträgt. Die Konkurrenz der Vermittler untereinander eröffnet feine Aussicht auf Besserung, weil der beschleunigte Stellenwechsel das vornehmste Interesse aller Vermittler bildet. Der ge­meinnüßige Arbeitsnachweis dagegen gewinnt nicht blos innere Befriedigung aus der Befriedigung seiner Auftrag­geber, der Unternehmer wie der Arbeiter, sondern auch Arbeitsersparnis für sich selbst, denn die besetzte Stelle und der beschäftigte Arbeiter verursachen dem Nachweis keine Mühe. Man darf eben nicht glauben, daß die Dinge so einfach liegen, daß sie eine schematische Behandlung vertrügen. Arbeitsnachweis und Stellenvermittlung sind nach den ver­schiedenen Berufen sehr mannigfach geartet. Der Nachweis landwirtschaftlicher Arbeiter beispielsweise hat seine ganz be= sonderen Bedingungen. Es handelt sich dabei in der Regel um Besorgung zahlreicher Arbeiter, die an einem bestimmten Tage sämtlich zur Stelle sein müssen und oft aus weiter Ent­fernung, auch aus dem Ausland heranzuziehen sind. Hierbei wird man, einstweilen wenigstens, private Unternehmer faum umgehen können. Zwar haben die Landwirtschaftskammern selbst Nachweise eingerichtet, aber ihre Vermittlung umfaßt faum den zehnten Teil der 381 000 fremden Wanderarbeiter, die Jahr für Jahr nach Deutschland kommen, während 350 000 von Agenten vermittelt werden. In der Gesinde vermietung hat der gemeinnüßige Arbeitsnachweis doch schon die Vermittlung von 50 000 Stellen jährlich übernommen, aber noch immer gehört die doppelte Zahl. Ueber die Art der gewerbsmäßigen Stellenvermittlung im Gastwirts­gewerbe und im Seemannsberuf wird besonders geflagt. Die Vermittler haben ihr Interesse darin gefunden, daß sie sich in den Dienst des wirtschaftlich stärkeren Teiles, der Arbeit­geber stellen, und die Folge davon ist, daß die Vermittlungs­