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= Eine reisende Schule. Eine ganz neue Lehrmethode hat ein Amerikaner, Mr. Sargent, zur Anwendung gebracht. Mit einer größeren Anzahl Knaben hat er eine Schulreise um die Welt angetreten. Die Reise geht über die HawaiInseln, Japan, China, Ceylon, Indien, Arabien, Aegypten, Griechenland, Italien, Sizilien, die Riviera, Spanien und Maroffo. Während der Fahrt werden regelmäßige Schulstunden abgehalten, jeder Schüler muß besondere Sorgfalt auf die Führung eines Tagebuches verwenden, und bei den Aufenthalten auf dem Lande erhalten die Knaben Stunden bei eingeborenen Lehrern des jeweiligen Landes. Durch den Aufenthalt in der guten Luft, eine sorgfältig ausgewählte und gesunde Ernährung und durch gymnastische Uebungen will man gegen die allzu große geistige Anstrengung und Belastung des Gehirns mit neuen Eindrücken ein Gegengewicht schaffen. Die Kosten sind allerdings sehr hohe. Jeder Schüler hat 8800 Mart zu zahlen und daneben noch für Wäsche und Bedienung selber zu sorgen.
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Weibliche Aerzte in Holland. Als das bevorzugteste Band für weibliche Aerzte ist Holland zu betrachten. Dort wirken sehr viele Aerztinnen nicht nur privat, sondern auch In öffentlichen Stellen. Sie werden gut bezahlt und erreichen in der Privatpraxis ein Einkommen von 12000 bis 15 000 Gulden( 20 000 bis 30 000 Mark). Es gibt Bahnärztinnen, die 25 000 bis 30 000 Gulden Jahreseinkommen besitzen. Sie haben nicht nur Frauenpraris, sondern arbeiten, wie ihre männlichen Kollegen, für die ganze leibende Menschheit.
† Gefaßter Räuber. In Berlin war vor einigen Tagen eine Verkäuferin, die eine Summe Geldes auf die Bank tragen sollte, von einem Manne unter dem Vorgehen, ihr erfrankter Vater wolle sie sprechen, in ein Haus gelockt, un dort war ein Raubanfall auf sie gemacht worden, den sie glücklich abwehrte. Der Räuber ist jetzt in der Person des Reisenden Artur Kordes verhaftet worden, der den Ueberfall aus Liebe zu einem Mädchen verübte, mit dem er auswandern wollte.
† Der ungetreue Bürgermeister. Die Veruntreuungen des Bürgermeisters Haas in seiner Eigenschaft als Kassierer des Vorschußvereins in Rappelrodeck belaufen sich nach seiner eigenen Angabe auf eine halbe Million Mark. Außerdem bezichtigt er sich der Wechselfälschung über 60 000 Mark. Haas' Vermögen, soweit es zur Deckung mitverwendet werden kann, soll etwa 180 000 Mark betragen.
† Tod durch Wurstvergiftung. Auf dem Gute Sängerau erkrankte ein Arbeiter und dessen Frau schwer nach dem Genusse von Blutwurst. Beide starben unter Vergiftungscrscheinungen.
† Steuerfreiheit der Veteranen. Der Gemeinderat in Bockwa bei Zwickau beschloß, daß die Kriegsteilnehmer, die nicht über 1100 Mark Einkommen haben, von der Gemeindesteuer befreit sein sollen.
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Eine Frau, die sich nicht länger begraben lassen will. Bei der Londoner Polizei erschien eine Frau Barnier und erklärte, daß sie bereits zweimal beerdigt worden sei, c3wohl sie doch lebe und sich bei bester Gesundheit befinde. Frau Barnier lebt nämlich von ihrem Manne getrennt, der an ihrer Stelle eine Geliebte in das Haus nahm. Diese starb, und Herr Barnier ließ die Tote auf den Namen seiner Frau beerdigen. Auch die zweite Geliebte des Mannes starb unlängst, und Barnier ließ zum zweitenmal die Verstorbene auf den Namen seiner Frau bestatten. Als die wirkliche Frau von diesen eigentümlichen Geschichten erfuhr, erstattete sie Anzeige. Sie wollte sich nicht länger unrecht. mäßig begraben lassen.
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Die richtige Abkürzung für Mark. Die Kaufmanns schule eines faufmännischen Vereins zu Viersen wandte sich an das Reichsbankdirektorium zu Berlin mit der Frage, wie eigentlich ,, Mark" richtig abzukürzen sei. Hierouf ist die Antwort eingetroffen, daß, einem Beschluß des Bundesrats gemäß, im amtlichen Verkehr als Abkürzung ein großes lateinisches M ohne Punkt zu gebrauchen ist.
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- Telegraphisches Mißverständnis. Einen unfreiwilligen Wiz durch falsches Verstehen eines Telegramms hat sich ein Pariser Automobilisten- Blatt geleistet. Es veröffentlichte folgendes Telegramm aus Erfurt:„ Der Große Preis von Thüringen, der gestern hier zum Austrag kam, zeitigte folgende Ergebnisse: 1. Wegen; 2. Regenwetter; 3. Ganz; 4. Ausgefallen." Der Redakteur hielt die in dem Telegramm enthaltenen Worte für die Namen der vier Plazierten.
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† Vom Zuge überfahren. Der Berlin- Görlizer Schnellzug überfuhr bei Königswusterhausen das Fuhrwerk eines Gastwirts aus Neumühle. Der Kutscher wurde vom Wagen geschleudert und erlag seinen Verlegungen. Die Schuld trägt der Wärter, der die Schranke nicht rechtzeitig geschlossen hatte. Auch ein Gutsbesizer aus Rees in der Rheinprovinz, der eine befreundete Dame mit seinem Fuhrwerk von der Bahn geholt hatte, wurde vom Zuge samt seiner Begleiterin überfahren und getötet.
† Aus Gram in den Tod. Die Tochter eines Zimmermanns in Riydorf wurde in einem Eisenbahnzuge tot aufgefunden. Wie sich herausstellt, hatte das junge Mädchen, das in einer Wirtschaft in Berlin bedienstet war, sich den Tod ihres Vaters dermaßen zu Herzen genommen, daß sie sich mit Lysol ums Leben brachte.
† Schweres Unglück auf der Donau. Unterhalb der Kettenbrücke, die bei Budapest über die Donau führt, stieß mitten auf dem Strom ein Schleppdampfer mit einem Boot zusammen, in dem sich gegen zwanzig Personen, meistens Obsthändlerinnen, befanden. Elf Frauen sind ums Leben gekommen, die anderen wurden, meist schwer verwundet, gerettet. Der Kapitän des Dampfers und zwei Steuerleut wurden verhaftet.
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Binige verliner Wohnung. In der teuersten Gegend Berlins, an der fe der Wilhelm- und Leipziger Straße, steht ein zur großen Godefroyschen Hinterlassenschaft gehöriges Haus erbteilungshalber zum Verkauf. Dort hatte als einziger Mieter Graf Lüttichau noch sechs Jahre Kontrakt, der für die ganze Parterrewohnung des großen Hauses nur 3600 Mark jährlich an Miete zahlte. Für Lösung seines Mietsvertrages erhielt er die Summe von 20 000 Mark, doch konnte er sich des Gewinnes nicht lange Zeit erfreuen, da er am Morgen nach dem Tage starb, an dem er die Zahlung empfangen hatte.
= Das Kahen- Testament. In Nondorf in Desterreich starb ein als Sonderling bekannter Lumpenhändler, der in einer halbverfallenen Hütte wohnte. Man fand die Leiche umgeben von zwölf Kazen. Der Verstorbene hinterließ einen letzten Willen, in dem er sein 4000 kronen betragendes Vermögen dazu aussetzt, daß davon seine Lieblinge, seine zwölf Katzen, lebenslänglich zu verpflegen seien. In seiner Lade fand man tatsächlich die 4000 Kronen. Seine Verwandten gedenken, das Kaven- Testament" anzufechten.
= Die Damenmode und der Schlaf. Für die nächste Zeit ist von den tonangebenden Verfertigern und Verfertigerinnen der Damen- Kleidung die Parole ausgegeben: Möglichst schlank! Um dahin zu gelangen, wird von den KleiderkinstIerinnen angeraten, nicht auf dem Rücken zu schlafen. Durch die entgegengesetzte Stellung beim Schlafen soll, wie versichert wird, die richtige Figur für die modernen langschößigen Tailormade- Kleider gewonnen werden.
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= Eine Deserteur- Jägerin. In Amerika hat man eine junge Dame mit dem Einfangen von Deserteuren der amerikanischen Bundes- Armee betraut. Die Dame, Miß King, macht ihre Sache so vortrefflich, daß sie bereits tausend Ausreißer dingfest gemacht hat. Miß King ist eine reizende Erscheinung. Sie versteht die Deserteure anzulocken, und die Eingefangenen lassen sich für gewöhnlich von der schönen Jägerin ruhig abführen.
Die Entwertung der Invaliden- Versicherungsmarken. Vom 1. Oktober d. I. ab tritt eine wichtige Aenderung in der Entwertung der Quittungsmarken in Kraft. Nach den bisher geltenden Vorschriften besteht eine Verpflichtung zur Entwertung der Marken auf den Quittungskarten nur, soweit die Marken für mehr als eine Woche gelten. Hin sichtlich der übrigen Marken sind die Arbeitgeber und Versicherten, welche Marken in die Karten einkleben, zur Entwertung der Marken befugt, aber nicht verpflichtet. Vom 1. Oktober ab sind dagegen alle Arbeitgeber und Versicherten, welche Marken einkleben, zur Entwertung der Marken berpflichtet. Die Entwertung darf wie bisher nur in der Weise geschehen, daß auf den einzelnen Marken handschriftlich oder durch Stempel der Entwertungstag in Ziffern deutlich angegeben wird. Zur Entwertung ist Tinte oder ein ähnlicher festhaltender Farbstoff zu verwenden. Andere Entwertungszeichen sind unzulässig. Bei der Entwertung dürfen die Marken nicht unkenntlich gemacht werden, insbesondere müssen der Geldwert, die Lohnklasse und der Name der Versicherungsanstalt ersichtlich bleiben. Die Entwertung muß alsbald nach der Einklebung der Marke geschehen. Wer diesen Anordnungen zuwiderhandelt, kann bestraft werden
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Reiterei auf Ochsen. An der Westküste von Madagas=" far, wo es keine Pferde gibt, hat die französische Militärbehörde eine Truppe eingeborener Krieger mit Ochsen béritten gemacht. Es sind mächtige und, wie versichert wird, sehr gelehrige Tiere, die ihre schwarzen Reiter mit großem Ungestüm gegen den Feind tragen und mit ihren gewaltigen Hörnern ebenfalls den Kampf aufnehmen.
Ein fonderbarer Eheroman. ( Eig. Bericht.) Newyork, 1. Oktober. Die Weisheit des Wortes:" D'rum prüfe, wer sich ewig bindet," gilt nicht viel im freien Amerika. Eine Eheschließung ist hierzulande ein Kinderspiel im Vergleich mit den Schwierigkeiten, die in anderen Ländern den Liebebedürftigen bereitet werden. Zwischen Mittag- und Abendbrot schwimmt manches junge, sehr oft sogar äußerst jugendliche Paar in den Hafen der Ehe. Kaum dem Kindesalter entwachfene Gatten sind bei Scheidungs- und sonstigen Prozeffen keine Seltenheit in unseren Gerichtssälen. Denn die geringe Mühe, die zu einer Heirat notwendig ist, erniedrigt sich fast noch, wenn die für das ganze Leben Verbundenen" die Neigung zu verspüren, die so schnell auf sich genommenen Fesseln Eymens wieder von sich zu streifen. Heute verheiratet, morgen geschieden so etwas fällt kaum noch auf. Aber nicht immer gibt man sich die Mühe, ein regelrechtes Lichterliches Verfahren abzuwarten, sondern die beiden Gatten entfernen sich in verschiedenen Richtungen vom gemetnjamen häuslichen Herd, lassen vielleicht bei Gelegenheit einmal eine Scheidungsurkunde auswirken und betümmern sich sonst nicht viel um die hinter ihnen liegende schöne Zeif der ersten Liebe". Und weil es so ist, hat ein gewisser Jomes Hurlbutt einen der seltsamsten Eheromane erlebt, die man sich denken kann. Er heiratete nämlich seine eigene Frau zum zweitenmal, ohne daß er es selbst wußte. Die hübsche Ruth Emery war Waise und achtzehn Jahre alt, als sie James Hurlbutt in Quebec kennen lernte und ihn heiratete. Nachdem die Flitterwochen vorüber waren, wollte er sein Glück in den Weststaaten machen und ließ deshalb seine junge Frau vorläufig zurück. Bald gab es Mißverständnisse zwischen den beiden Eheleuten. Gereizte Briefe wurden von ihnen gewechselt. Als sie schließlich den Abbruch des Briefwechsels vorschlug, willigte er ein. Zwei Monate später bat sie ihn schriftlich, er möge ihr vergeben, sie holen oder nachkommen Lassen. sie unverzüglich Doch James erhielt diesen Brief nie, er war mittlerweile aus Chicago verschwunden und nach dem Westen abgereist. Seine Frau hörte jahrelang nichts mehr von ihm. Sie hielt sich für eine Witwe, ließ sich aber in den Vereinigten Staaten der Sicherheit halber eine Scheidungsbescheinigung ausstellen, weil ihr Mann sie böswillig verlassen hatte. Sie fand einen neuen Verehrer, der hoch in Jahren war, namens Rufus Beresford. Dieser heiratete Ruth Emery, starb aber nach zwei Jahren in Neu- Meriko und setzte Ruth zur Universalerbin seines beträchtlichen Vermögens ein. Da ein Teil des Besizes in Mineninteressen in Montana bestand, begab sie sich dorthin. In einem Hotel in Butte sah sie einen Mann mittleren Alters mit grauem Bart, dessen Gesicht ihr merkwürdig bekannt erschien. Ihre Neugier war rege geworden, sie sah in das Fremdenbuch und ihr erster Blick fiel auf den Namen James Hurlbutt. Täglich sahen sie sich im Hotel, aber er erkannte sie nicht wieder, und sie konnte sich nicht dazu bringen, sich ihm zu entdecken.
war.
Ruth Emery brauchte nun einen Sachverständigen in Minenangelegenheiten. Man wies sie an Hurlbutt. Sie wurde ihm vorgestellt und die geschäftliche Verbindung begann. Sie sagte ihm nur so viel, wie sie für gut befand. Jedenfalls ahnte er nicht, wer sie war. Als Mrs. Beresford dann nach Neu- Meriko zurückgekehrt war, korrespondierte sie mit ihm. Nach einem Jahr ging sie wieder nach Montana. Bald entdeckte sie, daß Hurlbutt in sie verliebt Er zögerte auch nicht länger und gestand ihr seine Liebe. Sie gingen in die Berge, wo ein Friedensrichter sie traute, und erst dann enthüllte sie ihm ihr Geheimnis., Der Bräutigam soll zuerst nicht wenig erstaunt gewesen sein, sich dann aber mit gutem Humor in die Situation gefunden haben. Seine neuerwachte Liebe erlitt nicht den geringsten Abbruch und augenblicklich verlebt er die glücklichsten Flitterochen mit der ihm zum zweitenmal angetrauten Frau. Ben Akiba ist wieder einmal geschlagen.
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Anno dazumal
Nr. 241.
Samstag den 14. Ottober
1905.
essische Familienzeitung
Tägliche Unterhaltungs- Beilage


