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Hof und Gesellschaft.

** Die Beisetung Adolf v. Menzels fand ir Berlin unter Teilnahme des Kaiserpaares mit großer Feier lichkeit statt. In der Rotunde des Alten Museums hatte sich eine erlesene Trauerversammlung zusammengefunden. Minister, Generäle, Diplomaten, Deputationen aus dem In- und Auslande. Die Freitreppe war von Abordnungen der Studentenschaft und der Schloßkompagnie in friede­ricianischer Tracht besetzt. Die Trauerrede hielt Hofprediger Dryander. Nach dem Trauerakt begab sich die Kaiserin zu Wagen zum Schlosse zurück, während der Kaiser mit Gefolge zu Fuß im Zuge mitschritt. Am Schloß angekommen, ließ er den Sarg des Mannes, der seinen Anherrn im Bild verherr­licht hat, an sich vorbeipassieren und sah ihm lange schweigend nach. Der Zug bewegte sich dann nach dem alten Dreifaltig­feitskirchhof in der Bergmnnstraße zum Erbbegräbnis der Menzelschen Familie, wo der Sarg in die Gruft gesenkt wurde.

Deuticher Reichstag.

( 140. Sigung.)

CB Berlin, 13. Februar. Heute hatte der Reichstag augenscheinlich stark unter der Konkurrenz des Bundes der Landwirte zu leiden; der Be­such war wesentlich schwächer als bisher während der Be­ratung der Handelsverträge, er war anfangs so­gar sehr schwach, und erst in den späteren Nachmittags­stunden traf Zuzug ein. Die Verhandlungen wurden heute mit einer Rede des preußischen Finanzministers Freiherrn b. Rheinbaben eröffnet, der die Einwände der Redner bon der Linken gegen die Verträge bekämpfte. Er stellte sich zur Aufgabe die Beantwortung der drei Fragen: Kommt der Schutz der Landwirtschaft dem Grundbesitz, ins­besondere auch dem kleinen Grundbesitz zugute? Ist er not­wendig? Ist er mit den Interessen der übrigen Bevölke­rung verträglich? An der Hand statistischer Daten kam er zu einer durchaus bejahenden Antwort und schloß unter dem lebhaften Beifall der Rechten mit der Bemerkung, daß die Sozialdemokratie die landwirtschaftlichen Zölle in erster Reihe deshalb so leidenschaftlich bekämpfe, weil sie in dem Bauern das stärkste Bollwerk gegen die Hochflut der Sozial­demokratie erblicke. Der konservative Abg. Ni ßler aus Bayern ging auf Einzelheiten ein, bei denen die süddeutsche bäuerliche Bevölkerung eine andere Regelung gewünscht hätte, der nationalliberale Abg. Dr. Beumer führte die Punkte an, durch die sich die Industrie besonders beschwert fühlt. Der pfälzische Abg. Sartorius von der freisinni­gen Volkspartei führte als Landwirt aus, daß die bisherigen Zölle für die Landwirtschaft notwendig, aber auch aus­reichend gewesen seien. Der greise freikonservative Abg. v. Kardorff poletnisiente in der gewohnten lebhaften Weise zunächst ein wenig gegen die Linke, dann gab er seiner Zufriedenheit über den Abschluß der neuen Verträge Aus­druck. Er erinnerte daran, wie er in der Blütezeit des Frei­handels bereits, zuerst allein mit dem verstorbenen Frei­herrn v. Stumm für den Schutz der nationalen Arbeit ein­getreten sei, wie die Bewegung dann gewachsen sei, bis sich ihr schließlich, nachdem sich auch Fürst Bismarck bekehrt hatte, die überwiegende Mehrheit des Hauses angeschlossen hätte. Der erhöhte Schutz der Landwirtschaft sei allerdings in erster Reihe der von der Leitung des Bundes der Land­wirte entfalteten Energie zu danken, aber, was jetzt erreicht sei, solle der Bund nicht vergessen. Danach griff wieder ein Vertreter der Regierung in die Debatte ein; Geheimrat Schönebec aus dem Reichsamt des Innern erwiderte auf die Rede des Abg. Beumer.

Preufsifcher Landtag

Haus der Abgeordneten.

( 139. Sizung.) RK Berlin, 13. Februar. Die heutige allgemeine Beratung über den Etat des Ministeriums des Innern übte auf die Abgeord­neten nur eine sehr geringe Anziehungskraft aus. Und allzuviel versäumte die fehlende Mehrheit allerdings auch nicht. Vielerlei einzelne Wünsche, Beschwerden und An­regungen wurden vorgebracht, und Herr v. Hammer. stein hatte für die meisten ein freundliches Wort. Beson­ders häufig kehrten die Klagen über das Automobilunwesen wieder, dessen Beseitigung durch gesetzgeberische Maßnahmen dringend verlangt wurde. Ein Vertreter der Regierung gab die Erklärung ab, daß die Verhandlungen mit dem Reich über diesen Gegenstand noch nicht abgeschlossen seien, daß aber wahrscheinlich eine Ausdehnung des Haftpflichtgesetzes auf die Automobile erfolgen werde. Die polnischen Klagen des Abg. v. Jazdzewski und die in der Form noch schärferen dänischen des Abg. Hanssen fanden im Hause gar keinen Boden, wurden vielmehr vom Minister wie von einigen Abgeordneten fräftig zurückgewiesen. Von besonderem In­teresse waren die Angaben des Ministers v. Hammerstein über die Parität bei der Besetzung der wichtigsten Ver­waltungsstellen. Während etwa 20 v. H. der höheren Be­amten katholisch seien, hätten wir in Preußen über 14 v. H. Ratholiken unter den Landräten und sogar über 25 v. H. unter den Regierungspräsidenten. Besondere Beachtung fanden noch die Ausführungen des freifonservativen Abg. b. Zedlitz und des nationalliberalen Dr. Friedberg über die notwendige Reform des Wahlgesetzes, die sich auf gerechtere Einteilung der Wahlkreise beschränken soll, ohne an dem System etwas zu ändern. Die Verhandlung wird am Mitt­moch fortgesetzt.

Nah und fern.

Ein deutscher Bundesfürst beim Studentenulk. In seiner früheren Universitätsstadt Bonn traf der junge Her­zog von Koburg zu mehrtägigem Aufenthalt ein. Daß der junge Fürst den Sinn für einen Studentenulf nicht verloren hat, bewies seine Teilnahme an einem lustigen Aufzug des Korps Borussia, der sich nachmittag durch die Straßen der Stadt bewegte. In einem Wagen, hinter dem ein hölzerner Schimmel( wahrscheinlich eine Verspottung des berühmten ,, Amtsschimmels", in Norddeutschland Bureaukratismus genannt) in Lebensgröße auf niedrigen Rädern bald rollte, bald geschleift wurde, saß der junge Herzog mit sechs Bo­russen, den Stürmer auf dem Kopfe. Nachher ließ sich die Janze Gesellschaft in jenem Aufzuge vor dem Amtsgebäude ber gestrengen Bolizei photographieren.

Die Wiener Mörderin Franziska Klein hat im Ge­fingnis drei folglose Selbstmordversuche unternommen. Buerit verzehrte sie ein Stück Waschseife, wovon sie aber

nur Uebelfeifen bikam; dann soll sie versucht haben, sich mit der Miederschnur aufzuhängen, woran sie rechtzeitig gehin­dert wurde, und endlich die Adern zu öffnen, was auch nicht gelang. Zur besseren Ueberwachung wurde Franziska Klein in das Inquisitenspital gebracht, wo die Untersuchung ihres Geisteszustandes vorgenommen wird. Das ärztliche Gut­achten dürfte in etwa vierzehn Tagen erstattet werden, worauf die Anklage erhoben werden wird. Die Verhand­lung gegen das Ehepaar Klein wegen Raubmordes an dem Hausbesitzer Sikora ist bereits für die zweite Hälfte des Monats März in Aussicht genommen.

+ Ein sechzehnjähriger Vatermörder wurde in Visinada bei Triest verhaftet. Dieser Tage wurde dort auf freiem Felde der Kopf eines Mannes gefunden. Die Nachforschun­gen ergaben, daß im November vorigen Jahres der Grund­besizer Oclen von seinem sechzehnjährigen Sohne im Schlaf ermordet worden ist. Der entmenschte Sohn hatte den Leichnam in Stücke geschnitten, gekocht und den Hun­den zum Futter vorgeworfen. Der Bursche gestand das gräßliche Verbrechen mit dem Hinzufügen ein, den Mord beschlossen zu haben, weil sein Vater zum zweitenmal hei­raten wollte.

§ Eine Kindesunterschiebung in der Mark? Eine Ge­schichte, die lebhaft an die bekannte Kwilecki- Affäre erinnert, tommt vor dem Landgericht in Potsdam zur Verhandlung. Eine im Dorfe Paaren im Osthavellande wohnende Frau behauptet, das Kind eines Herrn v. Knoblauch zu sein. Thre verstorbene Mutter habe vor ihrem Tode dem Ortsgeistlichen gestanden, daß sie vor 49 Jahren dem Herrn v. Knoblauch den von ihr geborenen Knaben überlassen und dafür die von der Frau v. Knoblauch geborene Tochter in Empfang ge­nommen habe. Herrn v. Knoblauch kam es darauf an, einen männlichen Erben zu haben, da andernfalls sein Gut, als Lehnsgut, an eine Seitenlinie gefallen wäre. Tatsäch­lich hatte Herr v. Knoblauch, der inzwischen auch schon ver­storben ist, die Summe von 800 Taler für die Arbeiterfrau grundbuchlich eintragen lassen. Die Frau aus Paaren macht jetzt ihre Ansprüche als Tochter des Herrn v. Knoblauch geltend.

Die Münchener Stiftsvorsteherin Elise v. Hensler, die wegen versuchten Giftmordes an ihrem Dienstmädchen Minna Wagner zurzeit eine längere Zuchthausstrafe verbüßt, ist höchstwahrscheinlich das Opfer eines beklagenswerten Justizirrtums geworden. Wie es scheint, ist Minna Wagner, die, wie erinnerlich, vor einigen Tagen starb, entweder eine raffinierte Simulantin gewesen oder hat im Banne einer busterischen Autosuggestion gestanden. Bei der Obduktion ihrer Leiche wurde von den Aerzten konstatiert, daß an Magen und Darm nicht die geringsten pathologischen Ver­änderungen wahrzunehmen waren, die bei der behaupteten Vergiftung durch Salzsäure sicher eingetreten wären. Das Wiederaufnahmeverfahren in der Henslerschen Strafsache scheint gesichert.

A Ein Eisenbahn- Attentat wurde auf der Strecke Alten­essen Katernberg verübt. Die Weichen waren mit Eisen­zeug und Steinen bepackt. Auf den Streckenwärter wurden mehrere Revolverschüsse abgegeben. Sie trafen nicht, ver­anlaßten jedoch den Wärter, das Haltesignal zu geben und damit Unheil zu verhüten. Die sofort angestellte Unter­suchung förderte den Anschlag zutage.

Mord und Selbstmord. An einem Strauch am Hafen in Neustrelitz hat sich der Knecht Marin erhängt, der dort zum Besuche seiner Mutter eingetroffen war. Der Selbst­mörder, der in Hasselförde diente, ist dringend verdächtig, dort an dem mit ihm dienenden Mädchen Luise Meyer einen Mord verübt zu haben. Marin verfolgte das Mädchen mit Liebesanträgen, die es jedoch zurückwies. Das Mädchen wurde an der Klinke der Stalltür erhängt aufgefunden. Marin soll das Mädchen erdrosselt und dann, um die Tat zu vertuschen, aufgehängt haben.

Ein schweres Eisenbahnunglück ereignete sich in der Nähe von Milwaukee im amerikanischen Staat Jowa. Acht Wagen eines Schnellzuges stürzten von einer Hängebrücke, als der Zug eine Geschwindigkeit von 70 Meilen in der Stunde hatte. Hierbei wurden 4 Personen getötet, 24 ver­wundet. Die Ursache des Unfalls ist Schienenbruch.

Die Zuckerfabrik in Czelleewiß in Mähren ist unter Berursachung eines Schadens von 1 Million Kronen nied gebrannt.

Von der Grásin Montignoso. Die Frage der Aus­lieferung der kleinen Prinzessin Anna Monika an den König von Sachsen wird jetzt von den Anwälten beider Parteien zur Entscheidung der italienischen Gerichte gebracht werden. Nach italienischem Recht muß der Aushändigungsbefehl einer auswärtigen Behörde durch ein Urteil des italienischen Ap­pellationsgerichts sanktioniert werden. Ueber die Haltung des toskanischen Hofes gehen die Meldungen auseinander. Es fehlt nicht an Berichten aus Salzburg, die zu melden wissen, daß man dort über das Auftreten des Justizrats Körner gegenüber der Gräfin Montignoso sehr erbittert sei. Es ist sogar die Rede davon, daß der Gräfin die Apanage erhöht und ein Besuch ihrer Kinder gestattet werden solle. Letztere Nachricht möchten wir doch bezweifeln. König Fried­rich August soll unter den Verhältnissen sehr leiden und in einer an ihm ganz ungewohnten düsteren, verschlossenen Stimmung sich befinden.

Durch die Luft von London nach Paris. Eine kühn Fahrt im Luftballon hat der Luftschiffer Jacques Faure unternommen. Er stieg abends mit seinem Ballon Spherique" in London auf. Nach glücklicher Fahrt landet er um 1 Uhr morgens vor den Toren von Paris in Saint Denis.

Die Genickstarre in Oberschlesien greift in erschrecken. der Weise um sich. Die furchtbare Krankheit wütet nunmehr in 16 Ortschaften. Der Prozentsat an Todesfällen mehri sich zusehends. Allein in Königshütte sind vom 20. No­vember bis heute 63 Personen gestorben.

Ein englischer Offizier ermordet. Der Befehlshaber der Miliz in Südwasiristan, der englische Oberstleutnant Sarman, wurde von einem Eingeborenen getötet. Das Motiv zur Tat entzieht sich noch der Kenntnis. Der Mör­der wurde festgenommen.

Reiche Bernsteinfunde sind an der Ostsee gemacht wor­den. An dem Strande von Vöglers, Neufrug und Narmeln soll Bernstein im Werte von 5000 bis 6000 Mark aufge­lesen worden sein, wodurch die Fischer für die verdienstlosen Sturmtage wenigstens etwas entschädigt werden.

* Grimmige Kälte herrscht in den westlichen und süd­westlichen Staaten Amerikas. In Nord- Teras und Neu­Merifo wüten gefährliche Schneeſtürme. Die Viehherden

haben sehr gelitten. Man hegt große Besorgnis wegen der Indianerstämme im Indianerterritorium, die den Unbilden der Witterung kaum widerstehen können. Auch in Deutsch­land hat sich der Winter mit allen seinen Schrecken wieder gemeldet. In Ostpreußen erscheinen die Wölfe stellenweise in Rudeln. Fünf dieser Raubtiere wurden in den Waldun­gen der Grafschaft Sorquitten in voriger Woche bemerkt. Bei der darauf veranstalteten Jagd wurden zwei Tiere er­legt, während die übrigen drei spurlos verschwanden.

Hus dem Gerichtsfaal.

§ Wegen Gefährdung eines Eisenbahntransportes hatte sich der russisch- polnische Arbeiter Stanislaus Schwimmbarski vor einem deutschen Gericht zu verantworten. Um zu sehen, wie der Zug in die Höhe springen würde, legte der Ange­klagte auf das Geleise der Eisenbahnstrecke zwischen Marien­au und Neuteich in Ostpreußen sechs faustgroße Steine. Als der Zug dieser Strecke nahe kam, bemerkte der Lokomotiv­führer die Gefahr, gab Gegendampf und bremste. Mit mäßiger Geschwindigkeit passierte der Zug diese Stelle und lam mit einigen Stößen davon. Der Angeklagte wurde zor­nig, als ein anderer Arbeiter die Steine forträumen wollte. Der Angeklagte wurde zu Jahren Zuchthaus verurteilt.

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§ Gesegnete Mahlzeit! Traurige Zustände müssen in den Lemberger Bäckereien herrschen. Dort wurde nämlich ein Bäckermeister zu drei Tagen Arrest verurteilt, weil in einer in seiner Bäckerei hergestellten Semmel eine ganze Maus gefunden wurde. Für eine solche nichtswürdige Wirtschaft ine viel zu gelinde Strafe.

§ Oberleutnant und Wechselfälscher. Der Ingenieur­Oberleutnant Wessel, dessen Verhaftung in Italien seiner­zeit Aufsehen erregte, kommt nun zur gerichtlichen Aburtei­lung. Die Anklage lautet auf Unterschlagung und Wechsel­fälschung. Wessel wird nicht vor das Kriegsgericht gestellt, sondern vor das Landgericht. Die Untersuchung wird vom Amtsgericht in Thorn geführt.

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Die Huldigung des Kriegervereinsbezirk Leistungen demjer

Alsfeld- Romrod.

Unser)(- Korrespondent schreibt:

Romrod, 13. Februar 1905. Zu einer großartigen Rundgebung fast des ganzen nördlichen Vogelsbergs gestaltete sich am Sonntag Abend der Fackelzug mit Serenade, welchen die Kriegervereine des Bezirks Alsfeld Romrod dem Großherzoglichen Paare im Schloßhofe darbrachten. Schon am Nachmittag waren die Vereine mit Fahnen erschienen, eine große Bevölkerung aus den betreffenden Drten hatte sich angeschlossen und so zählte die Volksmenge nach Tausenden. Der ganze Vogelsberg schien zusammen geströmt zu sein, um dem geliebten Herrscherparre seine Huldigung darzubringen. Noch nie hat unser stilles Landstädtchen so viele Menschen in seine Mauern gefaßt. Erschienen waren die Kriegervereine aus Alsfeld, Altenburg, Romrod, Leusel, Storndorf, Bell, Seibelsdorf, Windhausen, Kirtorf, Groß- Felda, Grebenau, Ermencob, Eifa, Brauerschwend, Breidenbach, Ober- Gleen, Schwarz, Strebendorf, Wahlen, Kestrich, Hopfgarten, Elben­rod, Heidelbach, Angenrod u. a. Nachdem sich die Vereine zu einem Festzug geordnet hatten, marschierte der Zug Borantritt einer Musikkapelle nach dem Schlosse. Im Schießhofe nahm der Zug Aufstellung und der Vorsigende des Hassia- Bezirks Alsfeld Herr Lehrer Rudolf- Alsfeld hielt die Ansprache. Er sprach die Freude des Kriegerbe­zirkes Alsfeld über die Hochzeit aus und wünscht namens desselben dem Allerhöchsten Paare Glück und Segen. Be geistert durchbrauste aus mehr als tausend Kehlen das Hoch auf das Großherzogliche Paar die Luft, darauf wurde die Hessenhymne gesungen. Sichtlich erfreut ob dieser Huldigung seiner Landestinder sprach der Großherzog seinen und seiner Gemahlin Dank aus, worauf die Volksmenge in lebhaften Beifall ausbrach. Der Männergesangverein Lederkranz" Romrod trug mehrere schöne Chorgesänge vor, den lebhaftesten Beifall des Großherzogs fand der Chor: Ein deutscher Mann". Mit den Herren vom Vorstand des Bezirks und der einzlnen Vereine unterhielt sich das hohe Paar in freundlichster Wise. Nunmehr rüsteten sich die Vereine zum Abmarsch, der in gleicher Dcdnung erfolgte.

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Nachdem die Fackeln zusammen geworfen waren, ver­teilten sich die Vereine in die Wirtschaften, und da diese die Gäste nicht alle zu fassen vermochten, kam die Gastfreiheit der Romioder zu ihrem Recht. Die Kameraden blieben noch bis zum spätem Abend beisammen. Die ganze Ovation der Krieger des Bezirks Alsfeld machte einen herrlichen Eindruck. Erhöht wurde dieser Eindruck noch durch die schöne, mondhelle Winternacht. Feenhaft erglänzten die mächtigen von Epheu umsponnenen Mauern und die schnee­bedeckten Zinnen des alten massiven Schlosses, von dem herab die hessische und solmsische Flagge weht. Den Teil­nehmern wird diese Feier unvergeßlich bleiben.

Lokales.

14. Februar 1905. ** Der Großherzog und die Großherzogin, die sich heute nach Lich begeben, gedenten am Donnerstag nach Darmstadt zurückzukehren.

Der Großherzog hat dem Kreisstraßenwart Heinrich Geiß zu Rejistirchen, in Anerkennung der bon ihm am 25. August 1904 unter eigener Lebens­gefahr vollzogenen Rettung des vierjährigen Sohnes des Balthasar Müller daselbst vom Tode des Ectrinkens, eine Geldprämte verliehen.

** Parlamentarisches. Der Abg. Noack hat in der Zweiten Kammer einen Antrag betr. Gleichstellung der höheren Schulen in Hessen eingebracht. Der selbe fordert, die Kammer möge die Regierung ersuchen: 1. die Berechtigungen der Abiturienten von Realgymnasium und Oberealschulen dahin zu erweitern, daß denselben der Zugang zum Studium der Rechtswissenschaft und des höheren Lehr­sachs ohne Einschränkung gestattet, den Abiturienten der Dberealschulen außerdem der Zugang zum Forstfache frei gegeben werde; 2. die Nachprüfungen, welche die Abiturienten

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