4.
Oder:
6.
5.
ter eine Verlobung chlägt"!
en hatte. Ich wies ihm it das Fäßchen Kaviar in
mus, wenn ich bei der Hize Sonne berbrennen lasse!" anständiges Mädchen sagt iß lieber sein, wenn ich mich auf den Bärenteint lege!"
bie Rebaltion ber Rewen Berlins
nzenbutter Braten und Backen
eke
Giessen.
in
kus- Waren.
n allen Preislagen.
Billige Preise.
eigener Werkstatt.
theke
.
Giessen
Häusburg 10
artikel, Kurzwaren
le, darunter
wahl.
on& Co.
Nr. 291.
Baiertionspzetes Die einfaltige Betitzelle für ganz Oberben, bie Kretse Wezlar und Marburg 10 Bfg. fonft 15 Bfg. Reklamen die Petitzelle 30 refp. 40 Bfg.
Rebattion u. Haupterpedition: Gießen, Seltersweg 83. Fernsprechanschink Mr. 862.
Montag, den 11. Dezember 1905
Gießener
14. Jahrgang
Abonnementspreis: abgeholt monatlich 50 Pfa., tn's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel jährl. Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberbeffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an alien Werktagen nachmittage.
Neueste Nachrichten
( Gießener Tageblaff)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeitung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Beglar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
Die Lage in Rußland.
Aus Petersburg wird der ,, Deutschen Reform- Korresponbenz" unterm 8. Dezember geschrieben:
richtigen Stelle. In Deutschland, der Heimat der musterhaften und unantastbaren militärischen Disziplin, ist man geneigt, in Gehorsamsverweigerungen von Soldaten gegenüber ihren Vorgesetzter, in politischen Unzufriedenheitsfundgebungen von aktiven Offizieren etwas ganz unerhörtes zu erblicken, das erst bei völliger Auflösung des Staates möglich sei. Das trifft aber für Rußland nicht zu. Gewisse Ausschreitungen, die freilich nicht die Regel bilden dürfen, fommen hier auch in ruhigen Zeiten tagaus tagein vor, ohne daß man davon viel Aufhebens macht. Das liegt im Naturell und Temperament und in der gesellschaftlichen Gewöhnung der Offiziere und Mannschaften. In Deutschland würde ja auch glauben, daß ein trunfener Offizier, der Zustand von seinen Leuten gesehen worden, dic Qualifikation verloren habe. In Rußland sind die Soldaten gewohnt, ihren trunkenen Offizieren alle Liebesdienste zu erweisen oder zu verweigern. Daß gegenwärtig noch mehr Disziplinwidrigkeiten und noch gröbere als sonst vorkommen, ist nicht zu verwundern. Aber beängstigend ist es nicht. Dergleichen geht meist sehr schnell vorüber, schnell wie ein Rausch. Besorgniserregend ist einzig die Bauernschaft. In ihr liegt die konservative Kraft Rußlands. Kommt sie in Bewegung, so ist kein Halten mehr."
Verwirrung über Verwirrung!
Niemand weiß eigentlich mehr, was in Rußland im Werke ist. Das ganze öffentliche Leben steht im Zeichen der vollendetesten Unsicherheit. Die wildesten Gerüchte durchschwirren die Luft, und nichts ist so sensationell, als daß es nicht geglaubt werden sollte. Da die einzelnen Gegenden des Barenreiches durch die Verkehrssiodung von einander so gut wie abgeschnitten sind, so wächst das Mißtrauen, und die Zustände nehmen einen schier unerträglichen Charakter an.
Beide Parteien bereiten sich mit allem Ernst zum entscheidenden Kampfe vor.
Witte und Durnowo.
Um die beiden Widersacher gruppieren sich die widerstrebenden Gewalten. Witte will Durnowo stürzen, aber dieser sitzt anscheinend fest im Sattel und trotzt den Gerüchten, daß auch er amtsmüde sei. Die Großfürstenpartei drängt mit Macht auf eine Militärdiftatur.
Die Revolutionäre legen aber auch die Hände nicht in den Schoß; es sollen von ihr Mengen von Revolvern im ganzen russischen Reich verteilt sein, um den Entscheidungskampf gegen den Absolutismus vorzubereiten.
,, Seit acht Tagen sind wir vom telegraphischen Verkehr mit dem Inland und dem Ausland abgeschnitten. Wollen wir erfahren, was im Innern Rußlands sich ereignet, so find wir auf die deutschen Zeitungen angewiesen, die freilich herzlich schlecht unterrichtet find. Das ist ohne Vorwurf ge= sagt. Fehlen ihnen doch die Verbindungen genau so wie uns. Sie bemühen sich überdies in anerkennenswerter Weise, möglichst objektiv zu sein. Sie schicken Spezialberichterstatter her, die mit großer Zuverlässigkeit melden, was sie sehen, und mit großer Treue wiedergeben, was sie hören. Ob der, von dem fie etwas hören, vertrauenswürdig ist, das entzieht sich ihrer nachprüfenden Beurteilung. In der Regel schenken sie dem Glauben, an den sie zufällig empfohlen oder geraten sind, im besten Falle lassen sie sich genügen, eine gewisse allgemeine Uebereinstimmung der Parteirichtung festzustellen. Dabei bleibt unbeachtet, daß die politischen Schlagworte hier eine ganz andere Bedeutung haben, als im westlichen Europa, und daß selbst die Parteibezeich nungen zu beiden Seiten der russischen Grenze sich inhaltlich nicht decken. In Rußland lann man für liberal gelten und doch in aller Aufrichtigkeit und Offenheit die Aufhebung der Leibeigenschaft bedauern. In Rußland fann man ein ErzReaktionär und mit Nihilisten und Anarchisten, mit den radikalen Anhängern der Propaganda der Tat" eng liiert sein. Wer neu ins Land kommt ist daher Jrrungen leicht ausgesetzt. Für uns ist es ein melancholisches Vergnügen, in den deutschen Beitungen Prophezeiungen über die nächste Zufunft Rußlands zu lesen. Daß sie mit aller Sicherheit vorgetragen werden, fällt nicht weiter auf, denn das gehört zu dem Beruf. Daß fie einander widersprechen, merkt nur der, der verschiedene Beitungen liest, ist auch nicht weiter auffällig denn in der nachbiblischen Zeit gibt es eine besondere Prophetie für jede Richtung und für jede Gruppe. Daß sie aber in den Schlußfolgerungen über unzweifelhafte Tatsachen so völlig fehlgehen können, wie sie es tun, ist ein Beweis dafür, daß man jenseits der westlichen Grenze Rußland und die Russen trotz der Nachbarschaft und des langen intimen Verkehrs nicht fennt. Der Streit der Telegraphen- und Postbeamten ist im Ausland als ein Zeichen der Staatsauflösung, des Schwindens jeder Regierungsautorität und Regierungshaft aufgefaßt worden. Man sagte das baldige Scheitern der Witteschen Reformbemühungen voraus, meldete sogar, daß Graf Witte bereits seine Entlaffung nachgesucht und sie nur auf einige Zeit zurückgezogen habe, weil der Zar an seinen Patriotismus appellierte. Nichts fann falscher fein, als diese Auffassung. Der Verlauf des Streits der Post- und Telegraphenbeamten, die Haltung der Regierung und der Geschäftswelt ihm gegenüber kündet das nahe Ende der Revolution, fündet die baldige Wiederkehr geordneter Zustände! Es ist geradezu bewundernswert, mit welcher Sicherheit und Leichtigkeit die Geschäftswelt sich in die fundamentale Störung des Verkehrs gefunden, wie schnell fie Ersatz geschaffen hat, indem sie eine eigene Kourierpost nach den Grenzorten und den Hauptstädten im Innern organisierte! Die Banten, die Industriellen, die Kaufleute waren über Nacht einig geworden, den Staatsverkehr durch eine provisorische private Einrichtung zu ersetzen. Nicht einen Augenblick haben sie den Versuch gemacht oder auch nur daran gedacht, bei dem Verkehrsminister oder bei dem Grafen Witte vorstellig zu werden, daß den Forderungen der Post- und Telegraphenbeamten Zugeſtändniſſe und damit dem Streit ein Ende gemacht werde. Daraus geht hervor, daß die ihrer Natur nach friedliche und zu Kompromissen geneigte faufmännische Intelligenz gegen die Unruhestifter empört ist und lieber schwere Unbequemlichkeiten und Lasten auf sich nimmt, als daß sie die Friedensstörer unterstützt. Daraus geht ferner hervor, daß die kaufmännische Intelligenz in ihrem Vertrauen zu dem Grafen Witte in feiner Weise erschüttert ist. Dazu liegt auch keine Ver= anlassung vor. Graf Witte hat von seinem Selbstvertrauen nichts eingebüßt. Er steht den Brandungen der russischen Revolution gegenüber eben so fest, wie vor Monaten in Portsmouth den Forderungen der Japaner und den freundlichen Ratschlägen der Amerikaner gegenüber. Er hatte den Mut, der Deputation der streifenden Bost- und Telegraphenbeamten die nachgesuchte Audienz zu verweigern, zur Vorbedingung jeder Erwägung ihrer Wünsche die Rückkehr zum amtlichen Gehorsam und zur Pflichterfüllung zu machen. Dergleichen tut man nicht, wenn man sich schwach fühlt. Wer das wagt, der hält die Zügel noch in starken Händen. Als die abgewiesenen Beamten mit der Veröffentlichung einer ungebührlichen Erklärung antworteten, sprach Witte einfach die Entlassung der Streifenden aus, verfügte ihre Entfernung" aus den Amtswohnungen. Die Folge dieser selbstsicheren Haltung war, daß ein Teil der Beamten sich unterwarf und zur gewohnten Tätigkeit zurückkehrte. Wenn dieser Brief zum Drud gelangt, ist wahrscheinlich der Post- und Telegraphenberkehr wieder in der vorigen Ordnung, hat Witte seinen ersten Sieg über die anarchistische Revolution davongetragen. Die politische Lage ist deshalb noch feineswegs be= friedigend zu nennen, es bleiben für Witte Sorgen genug. Auch hier sieht man im Ausland die Gefahr an der un
Die Entscheidung bei der Armee.
Alles kommt jetzt darauf an, wie die Armee sich ſtellen wird, und gerade in dieser Beziehung lauten die Nachrichten starf beunruhigend. Mit Mühe werden die Truppen durch die Geistlichkeit bei der Fahne gehalten. Ueberall machen sich meuterische Regungen geltend. So weigerten sich ganze Flottenabteilungen, von Petersburg nach Kronstadt abzugehen, und man mußte den Matrosen schließlich den Willen tun. Sogar im Auslande haben russische Matrosen gemeutert. Die russische Armee in der Mandschurei ist der Meinung, daß in der Heimat die Revolutionäre bereits am Ruder sind.
Die Nera der Drohungen.
Mit großer Wucht übt das sozialrevolutionäre Zentralfomitee seinen Einfluß aus, und bei der straffen Organisation seiner Anhänger vermag es immer mehr seinen Willen durchzusetzen. In einem Telegramm an Witte hat der Verband der Verbände" ganz offen mit einem neuen Generalstreif gedroht für den Fall, daß die gefangenen Meuterer in Sebastopol erschossen würden.
In den Ostseeprovinzen haben unter den fortgesetzten Drohungen mit Brand und Plünderung einzelne Gutsbesiger ihre Güter aufgegeben und sich in Sicherheit gebracht. Viele Bauerngemeinden haben sich dort als Republik erklärt. So wächst allerorten die Verwirrung, und die Zersegung macht unaushaltsame Fortschritte.
Politifche Rundschau.
Deutsches Reich.
* Ueber die Errichtung eines Reichs- Kolonialamtes hat der Reichskanzler dem Reichstage eine Denkschrift zugehen lassen. Nach einer Darlegung der finanziellen und verwaltungstechnischen Entwicklung unserer Kolonialverwaltung fommt die Denkschrift zu dem Schluß, daß, nachdem einmal die Entwicklung der Verhältnisse eine Aenderung in der Organisation der folonialen Zentralverwaltung zu einer unum= gänglichen Notwendigkeit gemacht hat, der Kostenunterschied zu ungunsten des Reichs- Kolonialamtes als ein verhältnismäßig geringfügiger erscheint, so daß er nicht den Ausschlag geben kann.
* Die Reichstagserfaßwahl im Kreise Plön- Oldenburg verhalf dem konservativen Kandidaten Bockelmann zum Siege. Er erhielt 8998 Stimmen, während auf den liberalen Dr. Struve 4540 und auf dem Sozialdemokraten 4406 Stimmen entfielen.
* Im Kreshause zu Teltow tagte der deutsche Sparkassenverband. Nach Erledigung der geschäftlichen Ane gelegenheiten, wie der Erstattung des Geschäftsberichtes und der Feststellung des Haushaltungsplanes für 1906, wurde der alte Vorstand wiedergewählt. Der Geschäftsführer des Verbandes machte Mitteilungen über die Entwicklung des Scherlschen Sparsystems. Die Einberufung eines außerordentlichen Verbandstages ist deshalb unterlassen worden, weil die Unterverbände sich in überwiegender Zahl gegen das System aussprachen, auch Herr Scherl in einem Schreiben an den Verband erklärt hat, er ziehe sein System zurück. Der Vorstand hielt die Frage für erledigt.
Oefterreich- Ungarn.
** Das Ministerium hat eine Gehalts rhöhung der Eisenbahnangestellten bewilligt. Die Bediensteten erhielten eine Erhöhung des Tagelohnes, die Unterbeamten und Diener eine Vorrückung vom Anfang des neuen Jahres an. Auch die Privatbahnen sind zu gleichen Aufbesserungen bereit.
Belgien.
** Der 22. Januar 1906, der Jahrestag des blutigen Sonntags von St. Petersburg, soll für die internationale Sozialdemokratie zu einem Weltmanifestationstag werden. Auf Vorschlag der amerikanischen sozialistischen Gruppen sind Aufforderungen zu Versammlungen an die sozialdemokratischen Parteien aller Länder gerichtet worden. Eine Konferenz soll fich am 20., 21. und 22. Januar in Brüssel mit der Frage beschäftigen, ob es angängig sei, den Krieg durch Massenstreiks in den beteiligten Ländern unmöglich zu machen. Von Deutschland werden Bebel, Singer, Kautsky, Rosa Luxemburg erwartet. Von namhaften Parteiführern anderer Länder sind Jaurès und Hyndman angemeldet.
Frankreich.
** Der Präsident der französischen Republik Loubet hat fich auf die Seite des Ministeriums Rouvier gestellt. Loubet sagte im Ministerrat, er sei abgeneigt, im gegen wärtigen Zeitpunkte ein neues Ministerium zu berufen. Sollte Rouvier zur Demission genötigt sein, so würde Loubet gleichzeitig demissionieren. Eine Kabinettskrisis furz vor den be= vorstehenden Wahlen, vor der Marokko konferenz und inmitten der ernsten äußeren Lage sei sehr bedenklich.
Hof und beleufchaft.
Der Großherzog von Baden hat an den Reichskanzler Fürsten Bülow ein Danftelegramm für die vom Kanzler im Reichstage gehaltenen Reden gesandt.- Zu der goldenen Hochzeit des Großherzogs und der Großherzogin von Baden, die im Herbst nächsten Jahres stattfindet, sind von den verschiedensten Seiten besondere Ehrungen geplant. Dem hochbetagten Fürstenpaare, dem eifrigsten Förderer der deutschen Einheitsbestrebungen, und der Tochter des Kaisers Wilhelms I. wird die allseitige Verehrung zum Ausdruck gebracht werden.
Heer und flotte.
Personal Aenderungen im Sanitätsd'enst. Zum Generalstabsarzt der Armee ist an Stelle des kürzlich verstorbenen Prof. v. Leuthold der bisherige Abteilungschef bei der Medizinal- Abteilung des Kriegsministeriums Generalarzt Dr. Otto Schjerning ernannt worden. Der neue Chef des Sanitäts- Korps wurde am 4. Oftober 1853 zu Eberswalde geboren. Das von Professor v. Leuthold gleichzeitig bekleidete Vertrauensamt des ersten Kaiserlichen Leibarztes ist dem bisherigen zweiten Leibarzt Generaloberarzt Dr. Frizz Jlberg unter Belassung in seiner Stellung als Divisionsarzt der 1. Garde- Division übertragen worden. Dr. Jlberg, 1858 zu Krossen geboren, ist seit dem Jahre 1897 stellvertretender Leibarzt des Kaisers. In die Stelle des zweiten kaiserlichen Leibarztes ist Stabsarzt Dr. Otto Niedner von der Kaiser Wilhelms- Akademie aufgerückt.
Studium fremder Sprachen durch Offiziere. Auf besondere Anordnung des Kaisers sind im Laufe des vergangenen Sommers eine größere Anzahl Offiziere des Heeres und vornehmlich der Marine zu verschiedenen Zeiten ins Ausland kommandiert worden mit dem Sonderzweck, sich daselbst im Gebrauch der Landessprache zu vervollkommnen. So wurde derartiger Urlaub erteilt nach Frankreich, Spanien, Italien, England, der Schweiz, Rußland. Zu dem etwa achtwöchigen Urlaub wurde den Offizieren eine beträchtliche Zulage gewährt.
Neuer Generalfteef der sächsischen Armee. Der König hat den Oberst des Infanterie- Regiments Nr. 178, Wermuth zum Chef des Generalstab ernannt.
Hus den Parlamenten. Reichstagsabgeordneter Stöder als Siebzigjähriger. Adolf Stöcker, der frühere Hofprediger und Gründer der hristlich- sozialen Partei, fann heute auf ein Alter von 70 Jahren jurücksehen. Seine politischen Freunde beabsichtigen, ihn durch tine ,, Stöckerstiftung" zu ehren.


