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Nr. 8.
Jnsertionspreis: Die einspaltige Betitzelle für ganz OberBeffen, die Kreise Weßlar web Marburg 10 Bfg. sonst 15 Bfg. Reklamen ble Betitzeile 30 refp. 40 Pfg.
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Dienstag, den 10. Januar 1905.
Gießener
14. Jahrgang.
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Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeitung)
für Oberhessen und die Kreise Marburg und Wetlar; Zofalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
Ein neuer Kitt für das Reich. Zur geplanten Eisenbahn- Betriebsmitreigemeinschaft. Bekanntlich war von Württemberg und später auch von Baden und Bayern bei Preußen die Vereinbarung einer Betriebsmittelgemeinschaft beantragt, und es hatten grundfigliche Erörterungen der Ressortminister im Herbst v. J. in Heidelberg stattgefunden. Demnächst wurde auch von Sachsen, Oldenburg und Mecklenburg der gleiche Antrag gestellt. Kommissare der sämtlichen beteiligten Regierungen find nunmehr in Berlin zusammengetreten, um über die Einzelheiten der beantragten Gemeinschaft zu beraten. Es ist ein neues Band für die Reichseinheit, das da geschmiedet werden soll. Die verwaltungstechnische Zusammenschließung der einzelnen deutschen Eisenbahnverwaltungen soll erreicht werden durch eine Eisenbahn- Betriebsmittelgemeinschaft, durch einen einheitlichen Personentarif und mit Hilfe von durchgreifenden Verkehrsumleitungen. Am schwierigsten wird allerdings das System der Betriebsmittelgemeinschaft durchauführen sein und zwar deshalb, weil die Organisation des Bersonenverkehrs in Nord- und Süddeutschland vollständig verschieden ist. Die norddeutschen Bahnen führen im Nahverkehr IV. Klasse und gewähren Freigepäck, was in Süddeutschland vollständig fortfällt. Außerdem ist der prozentuale Aufschlag für den Wagenkilometer nach den höheren Klassen in Süddeutschland größer als in Norddeutschland. Die Vorbedingung der Betriebsmittelgemeinschaft besteht also in einer durchgreifenden und in allen deutschen Bundesstaaten nach einem einheitlichen System gestalteten Eisenbahntarifreform.
Preußen als mächtigster Staat und Besizer des größten Schienennetes hat naturgemäß in diesem Kollegium der deutschen Verkehrsminister das Hauptgewicht, das noch durch die preußische Eisenbahnstrategie verstärkt ist. Durch die preußisch hessische Eisenbahnbetriebsgemeinschaft hat es Frankfurt förmlich zur Güterumschlagsstelle für den Verkehr zwischen der See und der Schweiz und Italien gemacht, indem es durch eine Vereinbarung mit den im Privatbesiz be= findlichen Pfalzbahnen unter Zuhilfenahme von Differenzialtarifen einen direkten Anschluß zwischen dem preußischen Staatsbahnnetz und den ebenfalls unter preußischem Einfluß stehenden Reichseisenbahnen in Elsaß- Lothringen herstellte. Preußen war dadurch in der Lage, Baden und Württemberg sowie auch zum Teil Bayern den Güterverkehr abzuschnüren und so die süddeutschen Staaten zu einer Kapitulation zu zwingen. In der Stille ist zwischen den Eisenbahnverwaltungen ein erbitterter Kampf um den Verkehr geführt worden, wenn auch die Außenwelt davon sehr wenig berspürt hat. Die jetzige Bereitwilligkeit der süddeutschen Staaten zu einer engeren Gemeinschaft allerdings in be scheidenen Grenzen ist die Konsequenz dieses verschwicgenen Kampfes.
Ignaz von Tzargos, der Schäfer.
25)
Von Gustav Rohleder, Grünberg i. H. Alle Rechte vorbehalen.
Nachdruckverboten.
Tzargos, erzählte nun auch, daß er von seinem Pflegebater Nikolay eine Rolle Gold bekommen habe. Jept tomme ihm dieselbe wie ein rechtes Geschenk vor, einst habe er fie wegwerfen wollen.
lich einzurichten sei.
Die Eisenbahntarifreform wird im wesentlichen auf der Grundlage abgeschlossen werden, die schon der frühere preuBische Eisenbahnminister von Thielen im preußischen Landtage proklamierte und die sich kurz dahin kennzeichnen läßt, daß ein Einheitspreis eingeführt werden soll unter vollständiger Beseitigung aller Vorrechte für Rück- und Rundreisefarten. Die Hälfte der Rückfahrpreise soll in Zukunft der Grundpreis für den Personenverkehr sein. Die Frage ist nun, ob Preußen dem Verlangen der süddeutschen Staaten nachgeben und die IV. Klasse opfern wird, durch die ein Reisemittel noch unter den Tarifen der süddeutschen Bahnen verloren gehen würde. Die Aussichten dafür sind einstweilen noch außerordentlich gering. Ehe aber nicht die Frage entschieden ist, ob Preußen die IV. Klasse preisgibt oder ob Süddeutschland sie annimmt, kann auch die Frage der Betriebsmittelgemeinschaft nicht vollständig gelöst werden, es sei denn, daß der von Württemberg angeregte Gedanke einer Einnahmegemeinschaft zur Annahme gelangt.
Verhältnismäßig sehr leicht werden die Abmachungen über die Güterumleitung zustande kommen. Nach dem seitherigen System bleiben die Güterwagen im Besiz und zur Verfügung der einzelnen Verwaltungen, denen sie, wenn ein Transport verfahren ist, auch wieder zugeführt werden müssen. Infolge dessen gehen etwa 50 Prozent der Gütertragen leer über die Strecke und es zeigen sich namentlich in den Industriegebieten zur Zeit des Versands durch den Wagenmangel geradezu beängstigende Verkehrsstörungen. Dieser Uebelstand wird wohl durch die drei Eisenbahnkonfe. renzen, deren Erfolg zwar nicht leicht aber doch ziemlich ficher ist, beseitigt werden und damit ist für die Reichseinheit ein neues Band aeschaffen.
Der Krieg in Oftafien.
Der Held von Port Arthur", wie der siegreiche japanische General Nogi seinen tapferen Gegner Stössel ehrend nannte, hat den Schauplatz der großen Tragödie, deren Mittelpunkt er war, bereits verlassen und ist nach Petersburg zurückgekehrt, wo er vor dem Kriegsgericht seine Kapitulation verteidigen muß. Es ist anzunehmen, daß er das hochnotpeinliche Verhör glänzend besteht. Die Volksstimme flagt nicht ihn und seine Braven, sondern die kurzsichtigen Regierungsbevollmächtigten dafür an, die nichts für den Krieg vorbereitet hatten und vor allen Dingen über den Gegner und seine Bedeutung gänzlich im Unklaren waren. Die wahre Ursache des Krieges
ist nach Stössel selbst nichts anderes, als eben diese Unfenntnis. Das Reutersche Bureau meldet aus Port Arthur über Fusan:
Bei der Zusammenkunft der Generale Stössel und Nogi sagte Stössel, die wahre Ursache des Krieges sei die russische Unkenntnis der japanischen soldatischen Eigen
zu gewissenhaft. Jeden Abend Itef er aber heim, um nach seinem geliebten Weibe zu sehen.
Es schien, als ob er von Gott und der Welt verstoßen wäre. Ein Jammer über den anderen brach herein. Alle sechs ersten Kinder starben ihm innerhalb 5 Jahre. Nur der jüngste lebte. Er wurde ein wilder unbändiger Bursche, aber der Mutter Freude. Botengänge zwischen ihm im Feld und der daheim Der Vater freute sich, als der Junge so weit war, frank liegenden Mutter zu verrichten.
schaften. Er habe kapituliert, da er nur noch wenige Tage unter großen Opfern den Platz hätte halten können. Das Eintreffen der japanischen elfzölligen Geschüße sei der Wendepunkt der Belagerung gewesen. Stössel war erstaunt von Kuropatkins Niederlage zu hören; er sagte, es sei unnötig, daß die baltische Flotte noch herauskomme.
Stöffel wiederholt mit den letzten Worten nur eine in ganz Petersburg verbreitete Ansicht. Wenn Roschdjestwensky seine Fahrt fortsett, so wird auch seine Flotte von den Japanern vernichtet werden, trotzdem sie ihnen an Linienschiffen überlegen ist. Ihre Ausrüstung und Bemannung ist aber unvollkommen, während bei den Japanern danf einer sorgfältigen jahrelangen Vorbereitung eben„ alles klappt".
Stöffel wird auf der Reise in die Heimat von seinem Hauptmitkämpfer nicht begleitet. General Fock, der neben dem gefallenen Kondratenko Stössels treueste Stüße während der schrecklichen Belagerungszeit war, hat es zusammen mit den Generalen Smirnom und Gorbatomsky, sowie dem Admiral Millmann vorgezogen, nach Japan in die Gefangenschaft zu gehen. Wie es heißt, äußerte General Fock, er wolle seine Braven dort weiter ererzieren. Genug Material hat er zur Verfügung. Wie die genauen Listen ausweisen, sind einschließlich der Kranken und Verwundeten 24 369 Mann in die Kapitulation von Port Arthur einbegriffen. Darunter find 878 Offiziere, von denen 441 ihr Ehrenwort gegeben haben, nicht mehr gegen Japan zu kämpfen und in die Heimat zurückzukehren.
Ein Zwischenfall.
In Port Arthur brach am ersten Tage nach der Uebergabe an zwei Stellen Feuer aus. General Stössel bat deshalb im japanischen Hauptquartier um Entschuldigung und erklärte, daß die Freiwilligen, die nach dem Ausmarsch der Garnison in der Stadt zurückblieben, nicht ausreichen. um die Sicherheit aufrechtzuerhalten. Er bat, daß japanische Truppen sofort einrücken möchten.
Port Arthurs Zukunft.
Die Japaner beabsichtigen aus Port Arthur eine bedeutende Flottenstation zu machen; nach der Abfahrt der rusfischen Gefangenen soll nur eine Kleine Garnison in Port Arthur bleiben. Die Flotte ist eifrig mit Auffischen von Minen Beschäftigt, trotzdem wird die Schiffahrt noch lange unsicher sein, nur Regierungsschiffe haben Zufahrt. Dalny wird demnächst für den neutralen Handel geöffnet werden.
Admiral Kataoka berichtet, ein Kreuzer, sowie ein Zerstörer unr ein Torpedoboot seien den nach Tschifu, und ein anderer Kreuzer, ein Kanonenboot und eine Anzahl Zerstörer seien den nach Kiautschou geflüchteten russischen Schiffen gefolgt.
Wie er gerade dazu kam, er wußte es selbst nicht. Lange war es her, seitdem er es gespielt, Die langgezogenen herrlichen Töne rauschten durch das„ Düsterntal", welches nach der Orke von der Hexenbuche aus herabzieht. Auch der am Hohenlehn langsam aufsteigende Graf hörte die ihm nur zu bekannten Töne. Er fannte Lied und Instrument, ja auch jetzt den Spieler.
„ Hier stehe ich, von der Erbarmung meines Vetters auf ,, Herr mein Gott, Du bist gerecht", so sprach er. Reckenberg lebend, dort mein Sohn Ignaz als Schäfer Schäfer? Und von Saffenburg. Er ein Graf und
Nun wurde beraten, wie das Häuschen besser wohn Tzargos an der Grenze des Recken berger Forstes, doch ist es kein Gnadenbrot aus Erbarmung gegeben,
Sieben Jahre war der Junge alt, da hütete des Herrn Egmont v. Eppe. Seine Herde hatte er Plötzlich tritt ein Jäger aus dem Reckenberger Revier. unter die uns schon bekannte Herenbuche gelagert. zargos fieht ihn an, aber auch der Jägersmann blieb ſtehen und sah den Tzargos an, zeigte auch große
Spät abends eilte Tzargos noch zu seiner Herde. Freudeftrahlend erzählte er seinem alten Freunde sein Glück. Nun habe ich doch wieder eine Heimat", so und ist also wieder in der Nähe. thef er laut. Die Hochzeit wurde bald gefeiert. Die Schafherrn gaben Frucht uub etwas Gelb, statt der
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Die jungen Cheleute lebten wie in seliger Freude. Die Mutter schien auch wieder aufzuleben, besonders als Tzargos ihm bekannte Kräuter fand und ihr daraus Betränke bereitete. Doch es trat ein Rückschlag ein. Ein halbes Jahr danach hatte die Lore, die" Fremde", wie fie oft noch genannt wurde, ausgelitten. Die jungen Leute lebten nur für sich. Ihr Glück war groß, als das erste Knäblein geboren wurde. Es tamen noch mehr, zusammen sieben Männlein und Fräulein. Mit der Zeit war Schmalhans oft füchenmeifter. Tzargos wurde oft von den Bauern zu bülfeleistung bei frankem Vieh geholt. Vergütung nahm er nie, ach und es hätte ihm doch so nötig getan. Er darbte lieber, als daß er etwas annahm. Nach der Geburt seines letzten, dem siebenten Kinde, eines Jungen, wurde die Tzargos- Mine, wie sie zulegt immer genannt wurde, schwer frank.
Es waren bange Tage und noch mehr Nächte. zargos ließ seine Herde nicht allein. Dazu war er
Lust, in ein Gespräch sich mit ihm einzulassen. Doch schien er auch wieder sich zu besinnen. Beide sahen sich aber doch scharf in die Augen. Der Jäger fonnte ein hoher Siebenziger sein. ein hoher Siebenziger sein. Sein Aussehen war ein noch älteres.
Wo hatte Tzargos dieses Gesicht schon gesehen, dann hätte er gewußt, wen er vor sich hatte. Denn diese Augen? Hätte der Jäger einen Vollbart gehabt, einen solchen hatte er gekannt. Einen Grafen von Viermund, derselbe hatte nur Elend gestiftet, wo er hingekommen. Derselbe sollte sogar sein Vater sein. Der Jägersman hatte ähnliche Gedanken. Langsam, Laut hätte er aufschreien mögen als er daran gedachte. totmüde ging er dem Hohenlehn entlang nach Recken berg zu. Ja, Du elender Graf Du warst es wirklich, du wüstling, was hast du schon für Unheil angerichtet? Die strafende Hand der Gerechtigkeit wird auch Dich setzte sich bei seine Herde, nahm sein Instrument und noch treffen, wenn Deine Zeit gekommen ist. Tzargos fing an zu spielen: Nitra, hohes Nitra usw.
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er verdient es sich ehrlich." Seine Aufregnng war so groß, daß er nicht mehr dem Spieler lauschen konnte. Seine ganze Gestalt erbebte, sah er doch in diesem Augenblide ein Ziegeunergesicht hinter einem ſtarfen Baum hervorlugen. Also auch dieses noch? Die Bande
Die Ziegeuner waren bis nach Ungarn zurückgeden entflohenen Grafen zu finden. Ihn fanden sie nicht, dagegen Herrn Nikolay mit Frau und Tochter. Nikolay hatte Schritte getan, nachdem Frieden im Lande herrschte, sein Vaterserbe und Namen wieder zu erfuhren durch ihn, daß der Graf zurückgeblieben, erlangen. Beides erhielt er zurück. Die Ziegeuner ebenso sein Sohn Ignaz. Daß letterer jetzt unter dem Namen Tzargos Schäfer von Sassenburg set, wußten sie nicht. Der Ziegeunerfönig Urban, der Monika Sohn, Familie wieder zu. Es kostete zwar den Eltern viel führte freiwillig den einst vertauschten Ignaz der Geduld, diesen ihren an das Ziegeunerleben gewohnten Sohn, den" Saharaneger" zu einem Edelmann umzubilden. Doch ein Erbgut hatte er von seinem Vater Nikolay geerbt, ein ehrliches Wollen, und dieses tat viel zum endlichen Gelingen.
zogen, bor Nikolay her, immer den Gedanken verfolgend,
( Fortsetzung folgt.)


