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sassi wurde nach Abzug der Missionare von Akida und Mur­sal mit Hilfe treuer Wayao gehalten, wobei 28 Rebellen getötet wurden. Die Aufständischen, die Vieh aus der Sta­tion Kilossa geraubt hatten, wurden vom Oberarzt Brunn mit zehn Soldaten geschlagen. Die Schar eroberte das Vieh zurück und tötete 50 Feinde. Bon Mpapwa ist Verstärkung in Kilossa eingetroffen. Die Städte Kilwa und Mohorro sind nicht mehr bedroht, aber im Hinterland beider Bezirke find Atidas des Gouvernements von Eingeborenen verjagt worden. Am Rufidji- Fluß aufwärts haben sich die Unruhen bis zwei Tagemärsche südlich von Kilossa ausgebreitet. Das Detachement Fond ist aus dem Bezirk Daressalam, wo alles ruhig ist, nach Morogoro dirigiert worden. Aus anderen Bezirken liegen beunruhigende Meldungen nicht vor. Be­zirksamtmann Ewerbeck und alle Europäer des Lindibe. bezirkes mit Ausnahme einer vermißten Missionsschwester befinden sich in Lindi. Beim Ueberfall der Missionsstationen Lukuledi, Massassi und Nyangoro sind Pater Lang und Bru der Cyprian verwundet worden. Bei der Ifakarafähre zwi­schen Kilossa und Mahenge sind verschiedene Inder- Nieder­Tassungen zerstört und mehrere Araber und Küstenleute er. mordet worden. Eine bei Kilossa plündernde starke Räuber. bande ist durch eine Abteilung der Schutztruppe unter Assi­stenzarzt Brünn zersprengt worden. Kilossa selbst ist jetzt durch ein Detachement der Schußtruppe unter Oberleutnant Schultz gesichert. In Kamerun sind bisher Weiße der Erregung nicht zum Opfer gefallen, dagegen sind zahlreiche Neger, die bei der Gesellschaft Südkamerun angestellt waren, getötet und gefressen worden; denn die Aufständischen haben den Angestellten der Gesellschaft verschiedentlich als Beweis die ausgekochten Köpfe und Füße gebracht. Die Gesellschaft Südkamerun ist der Ansicht, daß unter den herrschenden Verhältnissen eine Verstärkung der Polizei- Truppenmacht um wenigstens 500 Mann erforderlich sei; sie hat einen dahingehenden Antrag an das Auswärtige Amt gerichtet.

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In den Verhandlungen des Deutschen Genossenschafts­tages in Westerland auf Sylt bildete die Regelung des Scheckverkehrs den Hauptgegenstand. Ferner wurde über die Baugenossenschaften verhandelt. Als Ort der nächsten Ver­sammlung wurde Cassel gewählt.

* Die Freisinnige Volkspartei hält ihren Parteitag bom 22. bis 26. September in Wiesbaden ab. An drei Tagen finden die eigentlichen Verhandlungen statt. Am 26. Sep­tember unternehmen die Delegierten eine Rheinfahrt.

Ruisland,

** Die immer bedenklicher sich gestaltenden Zustände in Baku beginnen sich zu einer allgemeinen Kalamität auszu­wachsen. Durch die Brände sind bereits 40 Naphtafontänen der Firma Nobel vernichtet worden. Die in Petersburg an­wesenden Naphtaindustriellen haben beschlossen, den Kaiser zu bitten, energische Maßnahmen gegen die ganz Rußland bedrohende Krise infolge der Katastrophe in Baku anzuord­nen. Die Stadtduma in St. Petersburg hat Maßnahme getrofffen, in den Wasserwerken die Naphtaheizung durch Kohlenfeuerung zu erseyen. Amtlich wird die Lage in Baku sehr ernst dargestellt. Die Aufständischen beschossen sogar das Haus des Generalgouverneurs. In Balachany erwies sich die Truppenzahl als zu gering; die Artillerie mußte feuern. In der Stadt wütete bei heftigem Sturme eine furchtbare Feuersbrunst. Dem Generalgouverneur von Baku ist die Weisung erteilt, mit Hilfe eines aus Tiflis ent­sandten Schüßenbataillons in energischer Weise gegen die Aufständischen vorzugehen. Der Gouverneur von Elisabetpol berichtete, daß die Einwohner des Dorfes Minkend von her­umziehenden Tataren niedergemacht seien. Auch andere Dörfer wurden von ihnen belagert. Der Gouverneur erbat die Entsendung von Truppen, um die Ruhe wieder herzu­stellen. In Peterhof wurde ein feierlicher Danfgottes­dienst für den Friedensschluß abgehalten. Durch kaiserlichen Erlaß sind nunmehr Admiral Nebogatom und die Kapitäne der Panzerschiffe Imperator Nikolai I.", Admiral Ssen­jawin" und General- Admiral Aprarin" unter Verlust ihres Dienstgrades aus dem Dienste entfernt worden. Auf den Bericht über die Uebergabe der genannten drei Panzerschiffe und des Panzerschiffes Orel" schrieb der Kaiser den Be­fehl, alle anderen Offiziere dieser Schiffe bei ihrer Rück­fehr nach Rußland vor Gericht zu stellen. In Betreff des Kommandanten des Orel" soll die Ausführung dieses Be­fehls aufgeschoben werden, bis ein genauer Bericht ein­gegangen ist über die Umstände, unter denen der Kapitän den Befehl über den Orel" von dem schwerverwundeten Kapitän, der vorher dieses Schiff befehligt hatte, über­nommen hat.

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Alien.

Meldungen aus Tokio berichten über weitgehende Verstimmung in Japan wegen des Friedensschlusses. Die Radikalen eröffnen einen Feldzug gegen die Regierung und verlangen eine Bestrafung der für das Abkommen in Portsmouth verantwortlichen Personen. Der künftige Land­tag wird voraussichtlich stürmisch sein; man sagt den Fall des Kabinetts Katsura voraus. Die Kurse an der Börse sinken. Die schlechte Ernte in Verbindung mit den großen finanziellen Verpflichtungen der Regierung verursacht Be­unruhigung in manchen Kreisen. Man fürchtet, daß eine Periode finanziellen Stillstandes und ungünstiger Entwicke­lung des Handels bevorsteht. Einige in Tokio ausgebro­chene lokale Unruhen werden als unbedeutend geschildert. Die Insel Sa chalin hat von der japanischen Regierung wieder den früheren Namen Karafto erhalten

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Sriechenland.

** In Athen ist ein neues armenisches Komplott entdeckt werden. Im Keller einer armenischen Kirche wurden zahl. reiche Bomben und Gewehre, sowie viele wichtige Schriftstücke entdeckt. Es handelt sich um eine große revolutionäre Ver­einigung von Armeniern, deren Ziel ist, ein Einschreiten der Mächte zugunsten der Armenier herbeizuführen. Man glaubt, daß noch andere solche Niederlagen bestehen. Eine Anzahl von Verhaftungen ist vorgenommen worden. Die Geduld der europäischen gesitteten Mächte wird in diesem Jahre wieder einmal ganz besonders durch die unsauberen Elemente auf dem Balkan in Anspruch genommen. Bald sind es Bulgaren, bald Mazedonier, Kreter oder Armenier, die sich bemühen, internationale Verwickelungen für ihre an­geblichen oder auch berechtigten, aber doch unwesentlichen Interessen wachzurufen. Es ist wirklich zu bedauern, daß politische Eifersüchteleien es verhindern, daß einmal gründ­lich mit dem Unwesen aufgeräumt wird.

Hof und Gesellschaft.

*** Der Kaiser und die Kaiserin sind in Homburg v. d. H. unter dem Geläute sämtlicher Glocken der Stadt eingetroffen. Auf dem Bahnhofe, wo eine Ehrenkompagnie vom Füsilier- Regiment v. Gersdorff Aufstellung genommen hatte, wurde das Kaiserpaar von dem Kronprinzen und der Kronprinzessin und den übrigen Fürstlichkeiten empfangen. Unter jubelnden Zurufen des überaus zahlreichen Publi­kums fuhr das Kaiserpaar durch die reich mit Flaggen und Guirlanden geschmückten Straßen und durch Ehrenpforten zum Schlosse, eskortiert von einer Schwadron des bayerischen 1. Ulanen- Regiments Kaiser Wilhelm II. Auf dem inneren Schloßhofe erwies eine Kompagnie des Infanterie- Regi­ments Kaiser Wilhelm( Nr. 116) die Honneurs. Im Schlosse folgte sodann der große Empfang für die Spitzen der Zivilbehörden der Provinz. Nachmittags fuhr der Kaiser im Automobil nach der Saalburg über die neue Altstadt­überbrückung, welche sodann dem öffentlifen Verkehr über­geben wurde. Die Kaiserin war mit dem Prinzen Eitel Friedrich in einer Equipage vorausgefahren. Dem Kaiser folgten in einer Reihe von Automobilen die anwesenden Fürstlichkeiten. Der Kaiser hat den Prinzen Harald von Dänemark à la suite des Ulanen- Regiments Nr. 6 gestellt, dessen Chef der König von Dänemark iſt.

*** Der Schah von Persien ist von Peterhof ab­gereist. Der Zar und die Großfürsten gaben ihm zum Bahn­hof das Geleite.

Heer und flotte.

Ausfall der Thorner Festungs- Kriegsübungen. Nac einer Mitteilung des Kriegsministeriums hat der Staifer:.un. mehr Befehl erteilt, daß die große Festungskriegsübung bei Thorn ausfallen solle. Man geht nicht fehl, wenn man diese Maßnahme auf die Choleragefahr zurückführt. Auch sons: sind für die Manöverzeit von militärischer Seite weitgehend Borsichtsmaßregeln für die Truppen getroffen morden. St darf den Mannschaften von den Quartiergebern nur, gb gekochtes Wasser gereicht werden.

Soziales Leben.

Weberaussperrung in Schlesien. Bei der Firma Ge brüder Cohn zu Reichenbach in Schlesien sind die Weber in den Ausstand getreten. Infolgedessen haben die dortigen vereinigten Webereibesizer beschlossen, sämtliche gewerkschaft. lich organisierten Arbeitern sofort zu kündigen. Die Kündi­gung erfolgte durch Anschlag in allen beteiligten Betrieben.

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Nab und fern.

Von der Cholera. Wie notwendig die größte Wachsam­feit gegenüber dem Vordringen der Cholera ist, beweist dritter Fall, der in Hamburg festgestellt wurde. Bei einer auf den Raboisen wohnhaften Frauensperson, die wegen Brechdurchfalles in das Eppendorfer Krankenhaus überführt worden war, hat die bakteriologische Untersuchung ergeben, daß es sich um Cholera handelt. Sämtliche Personen, mit denen die Erkrankte während der letzten Tage in Berührung gekommen war, sind unter ärztliche Kontrolle gestellt, die Wohnung ist desinfiziert und alle Vorsichtsmaßregeln sind getroffen worden. Ferner hat die Medizinalbehörde be­schlossen, auch noch an der Oberelbe vor dem Hafen eine Kontrollstation für ankommende Oberländer Fahrzeuge ein­zurichten. Aus dem infizierten Gebiet an der Ostgrenze werden täglich neue Fälle gemeldet; sie betreffen fast sämt­lich Flößer und Schiffspersonal. In Marienburg und Um­gegend find zwölf choleraverdächtige Erkrankungen mit sechs Todesfällen festgestellt worden; darunter befanden sich ein Arbeiter, der am Ufer der Weichsel tot aufgefunden wurde, ein anderer Arbeiter, der bewußtlos aufgefunden wurde und dann verstarb, und eine unbekannte Frau, die auf der Straße frank umfiel und bewußtlos ins Krankenhaus ge­schafft wurde. Eine Herberge, in der acht der Erkrankten Zwischen der berfehrt hatten, wurde polizeilich geschlossen. Polizeibehörde und den städtischen Behörden in Berlin ist ein förmlicher Operationsplan ausgearbeitet. Die Ber­liner Polizeireviere sind angewiesen worden, auf möglichste Reinlichkeit in den Grundstücken, bei Beseitigung des Mülls u. s. w. zu sehen. Als choleraverdächtig wurde die Leiche eines Solzschneidereibesizers aus der Friedenstraße in Ber­lin zur Obduktion eingeliefert. Zur Anordnung der für die Bekämpfung der Cholera erforderlichen Maßnahmen findet täglich mittags im preußischen Kultusministerium eine Konferenz statt. Das Reichsamt des Innern, sowie das Kai­serliche Gesundheitsamt werden über die in Preußen er­griffenen Maßregeln seitens der preußischen Medizinalver­waltung auf dem Laufenden erhalten.

Alte Frauen. Im Hospital zu Erdingen in Bayern feierte die Witwe Euphrosina Bentenrieder ihren 100. Ge­burtstag. Ihre Zimmergenossin ist eine Greisin von 94 Jahren; außer ihnen beherbergt das Spital noch sieben Frauen, von denen jede über 80 Jahre alt ist.

Unfälle beim Manöver. Im Manövergelände bei Am­berg in Bayern stürzte ein Leutnant des 3. Feldartillerie­Regiments so unglücklich, daß er einen Bruch des Unter­schenfels erlitt. Auf dem Truppenübungsplatze Wildthurm stürzte bei einer Surde ein Geschüßwagen um und begrub drei Mann unter sich; einem wurde ein Arm gebrochen, einem anderen der Brustkorb eingedrückt, so daß er bald darauf verstarb.

Eine blutige Messerstecherei. In Hamburg war in seiner Wohnung ein Arbeiter mit seiner Frau in Streit geraten und mißhandelte diese in furchtbarer Weise. Als auf die Hilferufe ein Korbmacher herbeieilte, brachte ihm der Wü­terich mehrere Messerstiche bei und biß ihm den Daumen der linken Hand ab. Die Polizei befreite den Unglücklichen, der schwere Verletzungen erlitten hatte, aus den Händen des rasenden Menschen.

Entflohene Riesenschlange. Einem Karousselbesitzer war in Mähren eine Riesenschlange entwischt. Das gefährliche Tier trieb sich in den Wäldern von Großwasser umher, die kein Mensch aus der Umgegend mehr zu betreten wagte. Schließlich wurde die Schlange von zwei Forstadjunkten er­legt. Sie war, seit sie sich in Freiheit befand, bedeutend schwächer geworden.

Vom Vesuv. Seit einiger Zeit entwickelt der Vesuv wieder eine lebhaftere Tätigkeit. Die Lava, die schon da; kleine Tal Atrio del Cavallo anfüllt, floß dem unteren Bahnhof der Drahtseilbahn zu. Am Abend wandte sie sich gegen Süden und bedrohte die Vesuveisenbahn.

Vor der Verhaftung erschossen. In einem Gasthause in Kapfenberg in Steiermark erschoß ein Train- Wachtmeister eine in seiner Begleitung befindliche Kellnerin und darauf sich selber. Das Paar war flüchtig und wurde von der Polizei verfolgt. Als die beiden im Gastzimmer saßen, las einer der Anwesenden den gegen sie erlassenen Steckbrief aus der Zeitung vor. Der Wachtmeister riß die Stelle aus der Zeitung heraus. Das hatte der Wirt bemerkt, der dann die Gendarmerie benachrichtigte. Als sie kam, waren die Besuchten bereits tot.

Gefaßte Mädchen- Händlerin. Die Polizei in Lemberg hat eine Mädchen- Händlerin dingfest gemacht. Die Person ist die Witwe eines Polizei- Kommissars. Wie dem deutschen Nationalkomitee zur Bekämpfung des Mädchenhandels mit geteilt wird, handelt es sich um die Frau, die in der gali. zischen Hauptstadt wohnt und ihr unsauberes Gewerbe seit mehreren Jahren mit großem Erfolg betrieben hat.

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Der Papst und die Presse. Papst Pius X. hat die Ein­richtung eines Preßbureaus angeordnet. Von dieser Stelle aus sollen den Blättern direkte Nachrichten aus dem Vatikan zugehen, damit der Ausstreuung falscher und tendenziöser Nachrichten über die dortigen Verhältnisse der Boden abge­graben wird.

Zirkus- Aufführungen auf einem Ozeandampfer. Den. neuesten Clou" auf der Ueberfahrt über das Weltmeer ge­nossen die Passagiere des Dampfers Pennsylvania" von der Hamburg- Amerika- Linie. An Bord des Dampfers be. fand sich auf der Fahrt nach Newyork ein Besitzer von vier Elefanten. Er veranstaltete während der Fahrt mit seinen Tieren eine Vorstellung zum Besten der Mannschaft, die einen namhaften Ertrag brachte.

Im Luftschiff über Newyork. Mit seinem Luftballon führte jüngst der amerikanische Luftschiffer Roy Knabenshue über der Stadt Newyork allerhand Evolutionen aus, durch die er selbst das Interesse der geschäftseifrigen Einwohner der Riesenstadt eine Zeitlang zu erregen vermochte. Sein Rm hat einen anderen amerikanischen Luftschiffer, Leon Stevens, nicht schlafen lassen; dieser hat ihn zu einer Wett­fahrt über Newyork herausgefordert.

Gegen die Fleischteuerung.

( Cig. Vericht.)

Berlin, 7. September.

The Fleischermeister Deutschlands waren dem Rufe zu emmer allgemeinen Protestversammlung gegen die Fleisch­teuerung zahlreich gefolgt. Die Konkordiasäle waren bis auf den letzten Plaß gefüllt, unter den 3000 Versammelten sah man die Abgesandten des Fleischergewerbes aus allen großen Städten Deutschlands neben den Vertretern kleinerer Orte. Eine Anzahl von Zustimmungs- und Sympathie­1. legrammen von Innungen und Vereinen waren einge­Taufen.

Nach dem Kaiserhoch sprach der zweite Vorsitzende des Deutschen Fleischerbundes, Obermeister Wiegand aus Nord­hausen über die außerordentliche Verteuerung der Fleischpreise und die Ursachen zu dieser Erscheinung. Die Teuerung wirke auf die ärmeren Klassen nicht allein ungemein ver bitternd, sondern sie schädige auch die allgemeine Volksge sundheit eben so sehr wie die betroffenen Erwerbsklassen. Die Staatsregierung möge endlich ihr Ohr den berechtigten Klagen leihen und unter den nötigen Vorsichtsmaßregeln wegen der allerdings künstlich übertriebenen Seuchengefahr die Grenzen öffnen.

Der zweite Redner, Allert aus Berlin, hält es für ein Pflicht der Gewerke, die Bevölkerung darüber aufzuklären daß an der heutigen Situation nicht die Fleischer die Schuld tragen. Musas- Hamburg verweist auf das kleine Dänemark welches das große Deutsche Reich durch seine Leistungsfähig feit beschäme. Herr Ritter aus Rohrbeck betont, es sei det. Wille des Volks, daß die Grenzen geöffnet werden. Mar bitte nicht mehr darum, man fordere es. Die Mitglieder des Gewerkes sollten unter das Volk treten, Versammlunger einberufen und es aufklären, daß, wenn es arbeiten müsse wenn es die deutsche Industrie groß gemacht habe, es auch das Recht habe, zu essen.

Nachdem sich noch eine Reihe von Rednern in ähnlichen Sinne geäußert, nahm Landtagsabgeordneter Justizrat Cassel das Wort. Es sei ganz gleichgültig, ob nun Fleisch not oder nur Fleischteuerung vorliege, jedenfalls sei es klar daß meite Streise des Volkes sich des Fleischgenusses wegen der hohen Preise enthalten müssen. Darüber käme man mi allen Gegenreden nicht hinweg. Für die Aufrechterhaltung der Grenzsperre seien nicht Rücksichten auf die Gesundheit sondern auf die Breislage maßgebend. Pflicht der Regierung sei es jedenfalls, auf Abhilfe für die wachsende Teuerung zu sinnen.

Die Versammlung faßte schließlich ihre Forderungen in einem Beschlußantrag zusammen, der folgende Haupt gesichtspunkte aufstellte:

,, Nach ihrer genauen Kenntnis des Viehbestandes erklären die Fleischermeister, daß ein großer und zunehmender Man gel an Schlachtvieh im Deutschen Reich besteht. Die zu Markte gebrachten Schlachttiere sind größtenteils ihrer Qualität nach sehr geringwertig. Durch diesen Viehmangel und die dadurch hervorgerufene Fleischteuerung wird die Ernährung des deutschen Volkes mit Fleisch und damit seine Erwerbs- und Wehrfähigkeit schwer beeinträchtigt. Zahl reiche Fleischermeister sind in ihrer Eristenz bedroht. Die Versammlung hält es für eine nationale Pflicht, daß die Reichsregierung und die Bundesregierungen alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel aufwenden, um dem herrschen­den Notstand schleunigst abzuhelfen. Die Einfuhr von Schlachttieren aus dem Ausland muß erleichtert werden. Die Versammlung fordert, nachdem die Endfrist, die der Land­wirtschaftsminister v. Podbielski vor einigen Wochen für den Viehmangel bei seiner Ablehnung der Grenzöffnung voraus­gesetzt hat, abgelaufen ist, die Viehknappheit in der Zwischen­zeit aber nicht abgenommen, sondern noch erheblich zu­genommen hat, nunmehr auf das bestimmteste, daß diesent Verlangen weitester Voltskreise nach Deffnung der Grenzen von der Regierung endlich entsprochen wird. Es ist Pflicht der Regierung, in dieser Beziehung die Interessen des gesamten Volkes wahrzunehmen.

Justizrat Cassel fonstatierte zum Schluß der eindrucks. bollen Bersammlung, vor den großen Lebensfragen eines Bolles müßten alle Sonderinteressen zurücktreten

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Vermischtes.

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