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berg kaum der Umzingelung entronnen. Als die vierte ja­panische Division unter Nodzu auf Liautung angelangt war, begannen die Japaner sofort den Vormarsch nach Norden und besetzten Kaitschau und den wichtigen Hafenplatz Inkau ( Neu- Niutschwang) am 14. Juli. Sie suchten zugleich Füh­Tung mit der Armee Kurokis, der von Nordosten her über die Pässe Dalin, Fönschuilin und Modulin nach der Ebene von Liaujang strebte.

Marschall Oyama leitete von Mitte Juli an den gemein­samen Vormarsch der Armeen gegen diesen Ort, der von Kuropatkin in ein mit technischen Verteidigungsmitteln und schwerem Geschütz reich ausgestattetes befestigtes Lager um­geschaffen war. Die Japaner mußten angesichts dieser Tat­fache und infolge der Regenperiode ihren Vormarsch ver­langsamen. Erst wollte Oyama möglichst viel schweres Ge­schütz und neue Truppen an sich heranziehen, ehe er den ent­scheidenden Angriff begann. Nach siegreichen Gefechten im Vorfelde begann dieser endlich am 30. August und endete, allerdings unter den schwersten Verlusten für die Japaner, mit Vertreibung der Russen qus Liaujang am 3. September.

Nach diesem großen Ringen, dessen eigentlicher Zweck, die Einschließung Kuropatkins, dem japanischen Feldherrn allerdings mißglückt war, trat infolge Erschöpfung der bei­den Gegner eine Pause ein, bis die Russen Anfang Oktober die Offensive wieder aufnahmen. Die Japaner hatten sich aber inzwischen in den eroberten Stellungen derart ver­schanzt, daß die Russen trotz der verzweifeltsten Anstren­gungen mit Blutigen Köpfen heimgeschickt wurden. Ihre Verluste waren dreimal so groß, wie die des Gegners. Sie mußten sich an den Schaho zurückziehen, hatten dort aber noch Kraft genug, die nachdrängenden Japaner in mehreren heftigen Kämpfen am 15. und 16. Oktober abzuweisen.

Nach Abberufung des Statthalters Alerejem übernahm Kuropatkin im Oktober das Oberkommando und bestrekte sich nun, die Lücken in seiner Armee und seinem Geschütz­park auszufüllen. Die feindlichen Heere bezogen hart an­einander Winterquartiere, die sie zu stark befestigten Stel­lungen ausbauten. Schon glaubte man, daß man vor Ein­tritt milderer Witterung der Winter war ungemein streng nichts mehr von kriegerischen Operationen auf die­fer Seite des Kriegsschauplazes hören würde, da machte plöglich in den Tagen vom 10. bis 13. Jamuar d. J. der Ko­satenführer Mischtschenko verwegene Vorstöße gegen Infau, die allerdings mißlangen, aber nur das Vorspiel zu einer größeren russischen Offensivbewegung bildeten. Um sie zu erklären, müssen wir uns nach der Liautunghalbinsel und Port Arthur umschauen.

Dort hatten die Japaner keine Zeit versäumt, schwere Geschütze heranzubringen, um den Angriff auf die Land­festungen mit Erfolg bestürmen zu können. Bereits am 4. Juli sekten sie sich, allerdings mit schweren Verlusten, vor einem Teil der Ostfront fest. Die Blockade vor der Seeseite wurde energisch aufrecht erhalten. Ein Durch­bruchsversuch der russischen Panzerfreuzer am 9. Juli wurde abgewiesen, und ebenso mißglückte ein Ausfall der ganzen noch kampffähigen Flotte, der Anfang August unternommen wurde und die Vereinigung mit dem Wladiwostokgeschwader zum Ziel hatte. Admiral Witthöft büßte im Kampfe das Leben ein. Nur einzelnen russischen Schiffen, dem Schlacht­schiff 3arewitsch", den Panzerkreuzern Askold" und ,, Diana" gelang es, nach neutralen Häfen zu entkommen, wo sie entwaffnet wurden. Der Nowit", der gleichfalls entfam er war das schnellste russische Schiff, wurde

bei Sachalin von japanischen Kreuzern auf Strand ge­trieben und vernichtet. Die Kreuzer des Wladiwostok­geschwaders, die zur gleichen Zeit ausgefahren waren, wur­den von Kamimura gestellt. Der Rurik" sank, die beiden anderen wurden schwer beschädigt.

Die Japaner waren nun unbestrittene Herren des Meeres. Die baltische Flotte, auf deren Erscheinen die Verteidiger von Port Arthur gehofft hatten, war nicht segel­fertig und konnte erst am 15. Oftober die Heimat verlassen. Am 21. schon hatte sie das Unglück bei Hull, wo sie auf friedliche englische Fischerboote schoß und großes Unheil an­richtete. Seitdem ist sie langsam vorwärts gegangen und befindet sich jetzt erst in Madagaskar. Sie konnte also in die Ereignisse nicht mehr eingreifen, die sich bei Port Arthur abspielten. Dort kam es zu heroischen blutigen Kämpfen zwischen Belagerern und Belagerten, die trop aller schweren Verluste durch Granaten, Minen und Bajonett des ver­zweifelten Gegners eine Position nach der anderen nahmen. Die Leiden der Besagung und der Angreifer hier zu schil­dern, ist überflüssig. Sie sind jedem deutschen Zeitungs­leser unvergeßlich. Anfang November waren die Be. lagerer den permanenten Forts zu nahe gekommen, daß der Minenangriff beginnen konnte.

Am 30. November eroberte Nogi einen in der West­front liegenden 203 Meter hohen Hügel, den die Russen ver­gebens durch Stürme wieder zu nehmen versuchten. Von diesem Hügel konnten die Japaner das Innere des Hafens beschießen und alle größeren in diesem befindlichen Panzer­schiffe zerstören. Das Schlachtschiff Sebastopol" flüchtete auf die Reede und wurde dort von japanischen Torpedo. booten in den Grund gebohrt.

Zwischen dem 18. und 31. Dezember wurden endlich nach Minensprengungen sechs permanente Forts der Ost­und Nordfront erobert, was zur Kapitulation vom 1. Ja­nuar 1905 führte. Die eigentliche Belagerung hatte Ende Juni begonnen und somit sechs Monate gedauert. General Stössel motivierte die Uebergabe mit starken Verlusten an Offizieren und Mannschaft, dem ausgebrochenen Storbut und Mangel an Munition. Es wurden 800 Offiziere und 25 000 Mann friegsgefangen abgeführt, 15 000 bis 16 000 Vermundete und Kranke blieben in japanischer Pflege.

Durch den Fall Port Arthurs wurde die Belagerungs­armee Nogis in der Stärke von 76 000 Mann frei und rückte, so schnell es die ungünstige Witterung zuließ, nach Norden ab, um sich am Schaho mit den übrigen japanischen Truppen zu vereinigen. Sie daran zu verhindern, war der Zweck des Kosafenrittes Mischtschenfos und der daran an schließenden russischen Offensive, die ihren Gipfelpunkt in der blutigen Schlacht bei Sandepu fand, aber an den ener­gischen Gegenvorstößen der Japaner abglitt. Jetzt stehen fich die beiden Heere wieder längs des Hunbo und Schaho gegenüber und der Artilleriekampf dauert fort. Man glaubt, daß sich aus ihm die Entscheidungsschlacht entwickeln mird.

Die Politik.

Fürst Ferdinand von Bulgarien ist in Berlin bezw. in Potsdam der Gast unseres Kaisers. Der Besuch war schon im vorigen Monat geplant, mußte aber, ebenso wie der

des Prinzen von Asturien, wegen der Erkrankung des Prin­zen Eitel Friedrich abgesagt werden. Kaiser Wilhelm hat mit der bestrickenden Liebenswürdigkeit, die ihn auszeichnet, seinen Gast empfangen, der früher in seiner eigenen Haupt­stadt Sofia von dem Vertreter Deutschlands nicht gerade übertriebene Aufmerksamkeit erfahren hatte. Der Besuch ist auf persönliche Einladung des Kaisers erfolgt, der dem Fürsten Ferdinand in Weimar begegnet war und ihn dort schon auf das herzlichste begrüßt hatte.

Frankreich.

Der französische Senat hat mit 220 gegen 25 Stim­men die Einführung der zweijährigen Militärdienstzeit be­schlossen. Zu der ablehnenden fleinen Minderheit gehörte General Billot, dessen Einwendungen sich in der Hauptsache auf die augenblicklichen Zeitumstände stüßten. Die Bedroh­ung des Weltfriedens durch den Krieg in der Mandschurei lasse eine Umgestaltung der Organisation nicht ratsam er­scheinen. Die große Mehrheit des Senats hat, wie man fieht. diese Besorgnisse nicht geteilt.

Afien.

Vom russisch- japanischen Kriegsschanplak liegen Nach­richten von irgendwelchem Belang nicht vor. Admiral Togo ist von Tokio zur Flotte abgereist und man rechnet darauf, bald von neuen Unternehmungen zu hören. Die Gerüchte von einer geplanten Abberufung Kuropatkins wollen nicht zur Ruhe kommen. Man spricht davon, daß Großfürst Niko­lai Nikolajewitsch zu seinem Nachfolger ausersehen ist. Ge­neral Gripenberg, der um seinen Abschied eingekommen ist, wurde zurückberufen und an seiner Stelle General Mylow ernannt.

Die

Hof und Gefellschaft.

Mittelmeer- Reise des Kaisers und der Kaiserin ist für den 28. März vorgesehen. Sie geht nach Genua mittelst Eisenbahn, von dort auf einem Dampfer der Hamburg- Amerika- Linie nach Malta, wo die Hohenzollern" bestiegen wird. Die Rückkehr erfolgt zur Hochzeit des Kronprinzen, die am 22. oder 24. Mai statt­finden soll. Prinz Eitel Friedrich, dessen Befinden soweit gebessert ist, daß feine Krankheitsberichte mehr ausgegeben werden, wird später im Süden eine Zeit lang Aufenthalt nehnien.

Deutfcher Reichstag.

( 135. Sizung.)

CB Berlin, 7. Februar. Bei ebenso schwachem Besuche wie gestern wurde auch Heute eine Interpellation besprochen, und zwar eine von eminenter allgemeiner, aber geringer aktueller Be­deutung. Das Zentrum fragte an, ob noch in dieser Session ein Gesetzentwurf betreffend die Einführung des allgemeinen zehn stündigen Marimalarbeitstages zu er­warten sei, und Abg. Trimborn begründete die Anfrage in ausführlicher Rede. Die Antwort, die der Staatssekretär des Innern, Graf Posadowsky, erteilte, könnte, wenn man nur den Wortlaut der Interpellation ins Auge faßt, in das eine Wörtchen" nein" zusammengefaßt werden. Für die laufende Session ist eine gesetzgeberische Aktion nicht zu erwarten, und auch später werden die Verbündeten Re­gierungen für den allgemeinen zehnstündigen Maximal­arbeitstag nicht zu haben sein. Dahingegen sind

fie

geneigt, ihn für die Frauen einzuführen, wenn es gelingt, das Bedenken zu beseitigen, daß dadurch unserer Industrie die Konkurrenz gegenüber dem Auslande zu sehr erschwert werde. Es ist daher an die Regierungen von Belgien, Italien, Desterreich- Ungarn und der Schweiz die Anfrage gerichtet worden, wie sie sich zu einer gleichzeitigen Verkürzung der Arbeitszeit für Frauen stellen würden. Der Staatssekretär teilte mit, daß von der Schweiz bereits eine wohlwollende Antwort eingegangen sei, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß auch die Verhand­lungen mit den anderen genannten Staaten zu einem günstigen Ergebnis führen möchten. Seine Bemerkung, daß sedenfalls eingehende Erhebungen notwendig seien, veranlaßte den sozialdemokratischen Abgeordneten Fischer- Berlin, den Vorwurf zu erheben, daß die Regierung, wo es sich um Arbeiterinteressen handele, immer erst Enqueten über Dinge veranstalte, die alle Welt weiß. Nachdem Graf Posadowsky diesen Angriff in humorvoller Weise zurückgewiesen hatte, bekämpfte der Nationalliberale Lehmann den Maximal­arbeitstag hauptsächlich im Interesse der Textilindustrie.

Nab und Fern.

Großfeuer im Altenburger Schloß. Wie aus Alten­burg gemeldet wird, entstand im dortigen herzoglichen Re­sidenzschlosse Großfeuer, das schweren Schaden anrichtete. Der Kirchensaal brannte vollständig aus. Der kostbare In­halt sowie viele Gemälde von bedeutendem Werte sind ver­nichtet. Militär unterstützte die Arbeiten der Feuerwehr.

Gefährliche Komiteesitzungen. Die französische Schrift­stellerin de Beyrebrune befindet sich in Behandlung im Pasteurinstitut zu Paris, angeblich, weil sie von einer tollen Sabe gebissen worden ist. Eine Gefahr soll nicht mehr vor­handen sein, und man hätte keinen Grund, viel Aufsehens aus der Sache zu machen, wenn es sich nicht herausgestellt hätte, daß die angebliche State eine... Kollegin der Schriftstellerin gewesen ist, mit der sie in einer Komitee­sigung in Streit geraten war. Das sind vielversprechende Aussichten für die Frauenparlamente, von denen die Refor­merinnen träumen.

Ein Bauunglück wird aus Breslau gemeldet. Auf einem Neubau am Freiburger Bahnhof brach ein Stangenge rüst zusammen. 9 Arbeiter wurden unter den Trümmern be­graben. Alle wurden verlegt, ein Teil sehr schwer.

Ein Zug aus den Schienen geschleudert. Auf der Newyorker Zentralbahn ereignete sich ein merkwürdiges Un­glück. Als der Western- Expreßzug bei Nacht in voller Fahrt sich befand, explodierte der Kessel der Lokomotive. Dadurch wurde der Expreßzug aus den Schienen geschleudert. Zwei Bahnbeamte wurden getötet und 24 Passagiere trugen schwere Verletzungen davon.

Ermordet und beraubt. Als der Arbeiter Johann Michlowitz sich in der Nacht zum Sonntag von der Stadt Soldau in Ostpreußen nach seiner Heimat Pilgrimsdorf begab, wurde er unterwegs überfallen, erschlagen und seiner Barschaft beraukt. Der Verdacht lenkte sich auf zwei Men­schen, die schon am Abend vorher in der Gegend verschiedene Beute angefallen hatt. Sie wurden ergriffen und als ein Knecht Czeriviesti und ein Maurer Falieski, beide in Pil­grimsdorf wohnhaft, rekognosziert.

Hessischer Landtag.

mit folgender Ansprache:

Darmstadt, den 7. Februar.

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Präsident Ha a 8 eröffnet die Sigung 10 Uhr 30 Min. fommen, da Meine Herren! Bei unserem ersten Zusammentreten ftelle. Das im neuen Jahre nehmen die Mitglieder dieses Hauses gewiß ftimmig wu

gern Anlaß, der Freudentage zu gedenken, die in der ver­gangenen Woche unserem geliebten Großherzog, dem Groß­Herzoglichen Hause und mit ihnen dem Land zu begehen be­schieden waren.( Die Versammelten erheben sich von den Sißen.)

Unter dem Jubel der ganzen Bevölkerung, fährt der Redner nach der Darmst. 8tg." fort, führte Seine Königl. Hoheit Seine hohe Braut, ein Kind unseres Landes, in Seine Landeshauptstadt ein; unter der Teilnahme und den Segenswünschen des ganzen Volkes schlossen die hohen Verlobten den Ehebund für das ganze Leben. Der Hoch­zeitstag unseres Großherzogs und Seiner Braut war bei den innigen Beziehungen zwischen Fürst und Volk zugleich ein Landes- Fest- und Feiertag, dessen Bedeutung und Weihe sich fein treuer Hesse entziehen konnte und wollte. Von überall her, aus Balast, Bürgerhaus und Hütte und weit über die Grenzen Hessens hinaus von außerhalo wurden die wärmsten Wünsche dem hohen neuvermählten Paar entgegen gebracht; und so, meine Herren, vereinigen auch wir uns gewiß gern zu dem Ausdruck der herzlichsten Gratulation, die ich bereits Ihren Königlichen Hoheiten darzubringen die Ehre hatte, und die ich mit Ihrer Ermächtigung gern dem­nächst wiederholen werde. Möge nur ungetrübtes Glüd und heiterer Sonnenschein unseren Großherzog und unsere Großherzogin, die wir als unsere Landesfürstin willkommen heißen, auf einem langen Lebensweg begleiten, möge der geschlossene Chebund dem Herrscherpaare, das getragen ist von der Liebe, der Treue und der Anhänglichkeit Seines Voltes, sowie unserem ganzen Lande zum Glück und zum Glück und zum Segen gereichen. Das ist gewiß der auf richtige Wunsch der anwesenden Mitglieder dieses hohen Hauses.

Meine Herren! In Bekräftigung dieses Wunsches bereinigen wir uns in dem Rufe: Seine Königliche Hoheit der Großherzog und Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin leben hoch! Nochmals Hoch! Und noch als hoch!

In das auf Allerhöchstdieselben ausgebrachte Hoch ftimmten die Abgeordneten, die sich erhoben hatten, be­geistert ein.

Präsident Haas erbittet und erhält ferner für das Bureau die Ermächtigung, eine Adresse an Seine Königliche Hoheit vorzubereiten; dieselbe soll morgen beraten werden. Hierauf gedenkt der Präsident des Ablebens des Abg. Weidner, zu dessen Andenten sich die Abgeordneten von den Sigen erhoben.

Der neu in das Haus eingetretene Abg. Dr. Weber legt hierauf den verfassungsmäßigen Eid ab.

Eine Anzahl der zur vorläufigen Beratung stehenden Gegenstände wird den zuständigen Ausschüssen überwiesen.

Die Anfrage des Abg. Reh, die Unfallfürsorge bei Beamten betr. wird von dem Staatsminister Rothe in wohlwollendem Sinne beantwortet.

Aldann wird in die Generaldebatte über den Staats­voranschlag eingetreten. Abg. Reinhart erklärte seine Bes friedigung mit der fortschreitenden Besserung der Staats­finanzen und geht auf einige Punkte näher ein, insbesondere auf die Frage der Eisenbahngemeinschaft, die infinanzieller und verkehrspolitischer Beziehung nur Vorteil gebracht habe. Abg. Dr. Smitt bespricht einige firchenpolitische Fragen und redet dem politischen Frieden das Wort. Er tadelt die kons fessionelle Stellungnahme der Zeitungen, namentlich der Kreis­blätter, und bittet, die Beschränkungen der Wirksamkeit der frankenpflegenden Schwestern zu beseitigen. Staatsminister Rothe versichert, daß die Regierung alles aufbieten werde zur Erhaltung des fonfessionellen Friedens. Abg. Molthan fragt, wie weit die Beratung der Wahlrechtsfrage in der Ersten Kammer gediehen sei. Staatsminister Rothe erklärt, daß der Gefeßgebungsausschuß der Ersten Rammer mit der Wahlrechtsvorlage befaßt sei und demnächst dieserhalb zusammentreten werde.

Hierauf tritt Vertagung auf Mittwoch Bormittag ein.

Lokales.

8. Februar 1905.

** Der Kriegerverein Gießen hielt gestern Diens tag Abend seine diesjährige Hauptversammlung ab. Kamerad Bommersheim eröffnete und leitete sehr taktvoll die Verhandlungen. Mit großer Freude fonnte er gleich zu Anfang fonstatieren, daß der Besuch dieses Mal ein unge­wöhnlich zahlreicher sei. Dann gab Kamerad Bommers­heim bekannt, daß seit November v. Is. der bisherige 1. Vorsitzende Wiener, nachdem derselbe zum Landgerichtsrat avanciert und Untersuchungsrichter für die Provinz Ober heffen geworden sei, das Amt niedergelegt habe, da ihm nicht mehr die gewünschte Zeit dafür zur Verfügung stehe. Sit dieser Zeit habe er, Bommersheim, die Vereinsgeschäfte ge­führt und, wie auch Kamerad Selzer im Verlauf der späteren Debatten speziell erwähnte, zur ganz besonderen Freude und Anerkennung. Aus dem Jahres- Bericht des Schriftführers Kamerad Möbus und dem Rechnungsabschluß des Kassierers Kamerad Dort hat die Versammlung entnehmen können, daß das Vereinsjahr 1904 immerhin ein gutes war; ein viel es wurde gegen Ende das Vereinsinteresse lebhafteres, die Einnahmen überstiegen die Ausgaben und der Mitgliederbestand blieb derselbe. Allen drei Beamten wurde für ihre sorgfältige Amtsverwaltung gedantt. Die dann vorgenommene Vorstandswahl wurde schneller erledigt, als vielleicht der eine oder andere geglaubt hatte. Vom Ehrenvorsigenden Meyer kam an Stelle des Landgerichtsrats Wiener, Fabrikant August Gabriel, Hauptmann der Landwehr, für das Amt des 1. Vorsitzenden in Vorschlag; der Vorstand habe um

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