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Ersparnis

Butter!

Nr. 106.

Jnsertionspreis:: Die einspaltige Petitzeile für ganz Ober­Beffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg. Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Redaktion u. Haupterpedition: Gießen, Seltersweg 83. Fernsprechanschluk Nr. 362.

Samstag, den 6. Mai 1905.

Gießener

14. Jahrgang

Abonnementspreis: abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel jährl. Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberbeffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt ersc eint an allen Werktagen nachmittags.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Beifung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Bekanntmachung.

Die hiesige Volksschule veranstaltet Sonntag, den 7. Mai, nachmittags 4 Uhr

in der Turnhalle des Turnvereins an der Nord­anlage eine

Schillerfeier.

Wegen Raummangel fönnen zu dieser Feier nur solche Personen zugelassen werden, welche eine besondere Einladungskarte erhalten haben.

Gießen, den 5. Mai 1905.

Der Schulvorstand:

Mecum,

Oberbürgermeister.

Hahn, Rektor.

Der Krieg in Oftalien.

Die Frage, ob Roschdjestwenskys Flotte sich noch in französischen Territorialgewässern befindet, ist immer noch nicht geklärt. In Japan wächst infolge der ausweichenden Antworten, die der Pariser japanischen Gesandtschaft auf ihre diesbezüglichen Anfragen zuteil geworden sind, die Er­regung immer mehr.

In Paris verlautet, daß ein neuer japanischer Protest gegen

Frankreichs Neutralitätsverlegung unmittelbar bevorstände. Veranlaßt sei er durch die Mel­dung, daß die Flotte Roschdjestvenskys am 30. April im Hafen Port Dayot in der Penghoibucht Anker geworfen habe. Der japanische Gesandte Motono habe bereits die Aufmerksamkeit Delcassés auf diese Angelegenheit gelenkt. Es heißt, die französische Regierung habe am Dienstag eine Abteilung des französischen ostasiatischen Geschwaders unter dem Befehle des Admirals Jonquières nach der Penghoi­bucht entsandt, um über genaue Beachtung der französischen Neutralität zu machen.

In Japan bezeichnet man diese französischen Maßregeln zur Aufrechterhaltung der Neutralität als eitel Spiegel­fechterei. Man behauptet in Tokio allen Ernstes, daß zur­zeit die ganze annamitische Küste von den Russen als Stüß­punkt benutzt wird. Man wird sich auch dadurch nicht be­ruhigen lassen, daß das offiziöse französische Depeschen­bureau mitteilt, daß das russische Geschwader, das bei der Hon- Kohe- Bucht nördlich der Kamranh- Bucht am 2. d. M. bor Anker lag, beabsichtige, am Morgen des 3. Mai den Ankerplatz zu verlassen. Der russische Admiral hätte die französischen Behörden davon in Kenntnis gesetzt. Die japa­nische öffentliche Meinung verlangt die strifte Erklärung, daß sich kein russisches Kriegsschiff mehr in französischen Ge­wässern befindet.

Die Schiller- Feier in Gießen.

Der erste Fest att.

Die Aufführungen der Studenten.

So feiert ihn! Denn was dem Mann das Leben Nur halb erteilt, soll ganz die Nachwelt geben. So sette Goethe vor fast 100 Jahren bei der Schiller- Gedächtnisfeier in Weimar am 9. Mai 1810 dem großen Heimgegangenen ein lebendes Lorbeerreis. Wie tief Goethe auch immer geforscht und mit wie großem Rüstzeug ein gütiges Geschick ihn auch dazu versehen, so hatte sein Adlerblick doch klar wie fein anderer erkannt, daß eine Generation die gewaltigen Ströme des Schillerschen Genius, die für die ganze Menschheit rauschen, auszuschöpfen nicht imftande ift. So wandte er sich an die kommenden Geschlechter. Und sein Ruf ist nicht ungehört verhallt, sein Wort hat gezündet! In allen Kreisen hat man sich auf­gemacht, Schiller dem Volke zu geben und heute, nachdem ein Jahrhundert über seinen Hügel hinweggegangen ist, gehört er dem Volke. Wie schnell auch in dieser Zeit die Epochen übereinander stürzten und Weit und Geschicke mit bunten Refl yen überzogen, immer deutlicher schritt der Dichter des Menschentums dem Volke entgegen. Er donnerte furchtlos mit flammenden Worten dem Despotismus sein Menetekel zu und verklärte die Hütte des Armen mit dem goldenen, wärmenden Strahl der Schönheit, an seinem hohen Menschen­tum zerbrachen der Dolch des Möros und die Menschen verachtung des Tyrannen. Alles ist frei an ihm, er ist der Künder der Freiheit im höchsten, edeisten Sinne und weil

Das dritte russische Geschwader

ist nunmehr auch in die Gewässer des Chinesischen Meeres eingelaufen. Nachdem es bereits hieß, daß es Malakka pas­siert habe, ist es jetzt bei Singapore gesichtet worden. Das Geschwader des Admirals Nebogatom besteht aus zehn Schiffen, sechs Kriegs- und vier Transportschiffen.

Die finanzreform in Marokko.

Die von Frankreich aufgestellten Reformvorschläge für die marokkanischen Finanzen sind nammehr in ihrem Wort­laut bekannt geworden. Ein Beamter in Tanger hat das Verdienst, die Oeffentlichkeit über die Pläne unterrichtet und sie in den Bereich der Diskussion gestellt zu haben.

Eine marokkanische Staatsbank soll gegründet werden, die alle Geldumlaufsfragen und den fremden Wechselkurs regeln soll. Die marokkanische Münze wird im Variwerte Alle Zah­der englischen und französischen gleichgestellt. lungen an Beamte und Heer leistet die Bank, nimmt Steuern und Zölle in Empfang und verwaltet den Regierungsbefig. Der Maghzen, d. h. der Staatsrat, soll Anleihen nur von dieser Bank nehmen, die gehalten ist, Ueberschüsse aus dem Besitz der Moscheen zur Gründung und Erhaltung Don Schulen zur Verbreitung der franzö sischen Sprache zu verwenden. Zur Erhöhung der Staatseinnahmen wird vorgeschlagen, von allen Personen, die Marokko betreten, eine Steuer zu erheben und den Paß­zwang einzuführen.

Diese Reformvorschläge sind in mehr wie einer Bezieh­ung geeignet, Widerspruch hervorzurufen. Der französische Einfluß auf die Geschäftsführung der Bank würde bei un­veränderter Annahme des Projektes schon deshalb zweifellos sein, weil für die Gründung zunächst ein Gutachten der Banque de Paris et des Pays- Bas eingeholt wer­den soll. Das soll wohl mit anderen Worten heißen, daß diese Bank und damit das französische Kapi­Der tal die Finanzierung in die Hand nimmt. marokkanischen Bank soll das Recht zustehen, dem Maghzen die Entnahme von Geldern zu verweigern. Wer das Geld hat, hat die Macht, das ist eine Binsenwahrheit. Sicherte sich Frankreich also auf diese Weise die Herrschaft über die Finanzen, so wäre seine Suprematie in allen übrigen Dingen selbstverständlich, und es würde sicherlich nicht lange zögern, diese Machtvollkommenheit in ausgiebiger Weise für den französischen Handel und die französische Politik auszu­nügen. Daß dabei Interessen anderer Länder und nament­lich diejenigen des beneideten und gefürchteten Deutschland in das Hintertreffen gedrängt würden, braucht nicht erst nochgewiesen zu werden. Die weitere Forderung, die Ueber­schüsse aus dem kirchlichen Vermögen, aus dem Besiz der Moscheen, für französische Schulen zu verwenden, zeigt den Pferdefuß ebenso deutlich. Warum nicht gleich für eine ansehnliche Invasionstrippe der niedlichen Piou- Pious oder einige Bataillone der Fremdenlegion? Und was soll die Einwanderungssteuer, und gegen wen wird sie an­gewandt?

er vor dem Sklaven, der die Fessel bricht, nicht erzittert", darum strebt die Menschheit seinem hohen Fluge nach, der zu den höchsten Höhen führt, darum sieht sie auf ihn als ein hohes Bild, das ihr errichtet worden und bringt ihm ihre Huldigungen dar. Einig eilt sie zu ihm hin und in seinem Bannkreis verftummt aller fleinlicher Parteihader.

In Gießen ist die offizielle Schillerfeier gestern Abend durch die Aufführung der Studenten bei ungemein gut be­seztem Hause des Stadttheaters in würdiger Weise eingeleitet worden. Festbereit harrte die Menge, als vom Drchefter, das die Kapelle unserer 116er eingenommen hatte, der Meyerbeersche Schillermarsch in gewaltigen Afforden durch den Saal brauste. Gleich darauf rollte der Vorhang auf und das Festspiel, das als Erinnerungsblatt an die erste Aufführung des Wilhelm Tell" am 17. März 1804 in Aufführung des Wilhelm Tell" am 17. März 1804 in Weimar von Alexander Otto gewidmet ist, ging in in Szene. Anlage und Durchführung dieser kleinen dramatischen Arbeit sind sehr zweckentsprechende, die Sprache ist feurig und von Schillerschem Schwunge. Der Dichter dient dadurch ebenso sehr der Objektivität wie dem Rahmen des Werkes. In dem Festspiel nahen sich Schiller schon die Todesahnungen, aber nicht bang und grauenerregend, sondern in überirdischer Erscheinung die Erkenntnis ihm bringend, daß er seine Lebensarbeit vollendet habe. Hingerissen von dem Gedanken an die Erscheinung teilt er sie der treuen Lebensgefährtin mit und wartet dann klopfenden Herzens ab, ob das Volk auch seinen Tell, der drüben im Theater zum ersten Mal zur Aufführung gelangt, verstehen wird. Da öffnet sich die Tür herein stürzt Heinrich Boß und wirft sich von dem Genius bezwungen, dem Meister vor die Füße.

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Die Maroffaner selbst ziehen ähnliche Schlüsse aus den fränkischen Eireneaffängen. Der Maghzen, also die Ver­sammlung der vom Sultan berufenen Senatoren, hat er­flärt, er erfenne die Notwendigkeit der Reformen an, wolle aber zit ihrer Verwirklichung nur den gemeinsamen Beistand aller europäischen Mächte, nicht denjenigen Frankreichs allein, annehmen. Nach der un­zweideutigen Stellungnahme Deutschlands, mit dem Italien und Spanien auch ohne offizielle Verlautbarung Arm in Arm gehen, werden die Reformvorschläge" wohl noch einer gründlichen Umarbeitung bedürfen, ehe sie aus der schönen Welt des Scheins in die nüchterne Wirklichkeit treten fönnen.

Die Politik.

Der Kriegsminister bringt das Verbot des Vertriebs von Druckwerken beim Militär in Erinnerung. Unteroffi­zieren und Mannschaften ist dienstlich untersagt, auf Ver­anlassung von Zivilpersonen Drucksachen und Waren bei Truppenteilen oder Behörden zu verteilen.

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O Ein Abkommen des Deutschen Reichs mit Luxemburg über Unfallversicherung und den Bezug von Invaliden- und Unfallrenten wurde vom Bundesrat genehmigt. Es soll da­durch verhütet werden, daß Personen, die auf deutschem Boden arbeiten und in Luxemburg wohnen, die ihnen durch Tätigkeit und Einzahlung zustehenden Renten verlieren.

In der Frage der Personentarifreform soll die baye­rische Verwaltung auf dem Standpunkte der unbedingten Ablehnung der 4. Wagenklasse für das rechtsrheinische Bayern stehen. Dagegen ist man geneigt, den Tarif für die 3. Klasse von 3,4 auf 2 Pfennig pro Kilometer zu ermäßigen. Dafür sollen die Säße für die 1. und 2. Klasse etwas erhöht werden. Die Konferenz der deutschen Eisenbahnverwal­tungen in Berlin unter Vorsitz des preußischen Eisenbahn­ministers Budde hat begonnen.

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Im Lauf der kommenden Woche, am 10. Mai, wird der deutsche Reichstag seine Plenarsizungen wieder aufneh­Man nimmt an, daß das Reichsparlament am 30. Mai geschlossen oder vertagt wird. Mit besonderem Inter­esse sieht man allgemein der Beratung der Militär­pensionsgesete entgegen.

& Der preußische Landtag wird sich nach den Osterferien in erster Linie mit den Berggesetznovellen, der Nebenbahn­borlage, dem Geseßentwurf über die Verwaltung gemein­schaftlicher Jagdbezirke und demjenigen über den Vertrags­bruch landwirtschaftlicher Arbeiter zu befassen haben. Rufsland.

Obwohl der angekündigte Generalstreik in Russisch­Polen als mißlungen gilt, nimmt die Beunruhigung der Be­völkerung nicht ab. In Warschau wurden abermals eine Anzahl Personen durch das Militär verwundet. Die

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Und während er daliegt, tönen von draußen die Hochrufe der entflammten Menge herein. Das Stück machte, be­scnders da es recht flott gegeben wurde, einen recht wirkungs­vollen Eindruck und wir bedauern nur, daß uns zur ein­gehenden Würdigung der Einzeldarstellungen in diesem Spiel wie auch in der Rütli- Szene" und Wallensteins Lager" nicht der genügende Raum zur Verfügung steht. Dem Fest­spiel reihte sich die Festouverture von Klughardt an und dann hob sich der Vorhang zum zweiten Male und der Zu­schauer erblickte die Rütli- Szene mit der gewaltigen Massen­entwicklung, der die Regte des Herrn Direktor Stein­goetter und die gut durchdachte Auffassung der Darsteller ein prächtiges, lebendfrisches Kolorit verliehen. Dasselbe läßt sich auch von der Aufführung des Wallensteinschen Lagers, das den Abend wirkungsvoll abschloß, sagen. Das Haus hielt mit seinem Beifall nicht zurück.

G. H.

Der Dichter der Glocke. Bur Schillerfeier wird in der Köln. 8tg." angeregt, daß am 9. Mai die Glocken im ganzen deutschen Lande zur und zwar in der Todesstunde selben Stunde Schillers: 5 bis 6 Uhr nachmittags- geläutet werden. Der Gedanke ist ausgezeichnet; seine Verwirklichung ergäbe eine würdige Huldigung für den Dichter des Liedes von der Glocke: ein vieltausendstimmiger Preis aus chernem Munde ein Meer gewaltiger Klangwogen brauste über ganz Deutschland hin ihm zu Ehren. Mögen daher auch die Glocken Gießens dem gewaltigen deutschen Geistesheros ihren ehernen Gruß entbieten!