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Zum Schluß:
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Nr. 234.
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Donnerstag, den 5. Oftober 1905.
Gießener
14. Jahrgang
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Der Reichskanzler über Marokko.
Fürst Bülow hat in Baden- Baden einen Redakteur des Pariser Blattes Petit Parisien" empfangen. Der Reichsfanzler sprach sich gegen den Journalisten ausführlich über die Marokko- Affäre und die dadurch für eine Zeitlang ungünstig beeinflußten Beziehungen zwischen Frankreich und Dentschland aus. Die Einigung in der Frage bezeichnete der Kanzler als ein glückliches Ereignis für beide Völker, das zu den besten Erwartungen für die Zukunft berechtige.
Der Fürst führte im einzelnen aus, Frankreichs Politik sei zu gewissen Zeiten in einer Weise geleitet worden, daß man es für ihr Ziel halten mußte, Deutschland zu isolieren und feindselig entgegenzutreten. Er betonte weiter: Es kam der Tag, wo zweifellos zur Krönung ihres Werkes diese Ausschließungspolitik eine Tendenz verriet, Marokko in ein zweites Tunis umzugestalten. Deutschland, das an Marokkos Handel interessiert ist, und das ein Recht hatte, seine berechtigten Interessen zu verteidigen, sah sich genötigt, dies Recht geltend zu machen. Frankreich zeigte die Absicht, sich eine Sonderstellung in ganz Marokko zu schaffen. Dies war unvereinbar mit der Unabhängigkeit Marokkos, die durch internationale Verträge bekräftigt war, unvereinbar auch mit der wirtschaftlichen und handelspolitischen Freiheit, kurz eine ernste Lage war das Ergebnis und es schien schwer, aus dieser Lage herauszukommen, ohne daß die Würde eines der beiden Länder darunter litt. Wer hat dies verschuldet? Und wie kann man sagen, daß Deutschland durch seine Intervention irgend welche Voreingenommenheit oder Hintergedanken an den Tag legte, daß es Frankreich) feindselig war, während Deutschland doch nur für seine Staatsangehörigen und ihre Interessen sorgte, während es doch nur seine Pflicht als große Nation erfüllte wie Frankreich selbst es getan hätte! Um der= artiges zu behaupten, muß man absichtlich vergessen, daß die Politik Deutschlands seit langem den Wunsch hegt, die Beziehungen mit Frankreich zu verbessern. Zeigen die soeben stattgefundenen Unterhandlungen nicht, daß wir uns darauf beschränkt haben, in Marokko das Regime der offenen Tür zu sichern, daß wir keine Vorteile besonderer Natur territorialer oder sonstiger Art für uns verlangten? Da unsere wirtschaftlichen Interessen, die zu ihrem Schutze in Maroffo nur des freien Wettbewerbs bedürfen, nunmehr nichts zu befürchten haben, und unsere nationale Würde vor jeder Verlegung sicher ist, haben wir Frankreich die besondere Stellung zuerkannt, die es seiner Grenze verdankt. Bezüglich der marokkanischen Frage selbst haben wir es gleichfalls und mit Rücksicht auf alle irgendwie beteiligten Nationen der Konferenz überlassen, diese Frage zu studieren und Abhilfe zu finden. Die eben stattgehabten Verhandlungen, das jüngst abgeschlossene Abkommen, haben den Deutschen gezeigt, daß ihnen gegenüber in Frankreich sich etwas geändert hat, und daß man seit einiger Zeit ihnen gegenüber eine loyale Politik verfolgt. Das ist ein für beide Völker glückliches Ereignis; ich freue mich, das Verdienst daran zum großen Teil Herrn Rouvier beizumessen, der die Lage von einem höheren Gesichtspunkt aus beurteilt und aufrichtig an dem Aufhören der Spannung mitgearbeitet hat. Ich weiß wohl, es gibt unzufriedene. Der Presse der beiden Länder liegt es ob, zwischen unseren beiden Völkern ein Gefühl des Vertrauens zu schaffen, die beiden Regierungen wünschen dies aufrichtig. Mit Beruhigung und mit Freude würde man die tünftigen Zeiten erwarten können, wenn gewisse Franzosen und gewisse Deutsche sich nicht mehr als notgedrungen traditionelle Feinde betrachten würden, wenn sie einsehen würden, wie fruchtbar der aufrichtige völlige Friede zwischen zwei großen Völkern ist, wieviel Großes er verbürgt. Die bereits errungenen Verbesserungen der deutsch- französischen Be ziehungen werden nicht durch unsere Schuld verloren gehen, denn wir wollen in Algeciras dieselbe Aufrichtigkeit zeigen, wie in Paris.
Auf die Frage, was er über die russisch- deutsche Annäherung denke, antwortete der Reichskanzler: Alles mögliche gute, die russisch- deutsche Freundschaft besteht und ich glaube, daß es Frankreich nur angenehm sein kann, Rußland mit uns in guten Beziehungen zu sehen. Die Franzosen haben ein Interesse daran, daß ihr Verbündeter einen Freund mehr hat; wir beglückwünschen uns aus demselben Grunde zu der französisch- italienischen Freundschaft.
Die Aeußerungen des ersten Reichsbeamten decken sic) bollständig mit dem Erwartungen und Hoffnungen alle: besonnenen deutschen Politiker. Sicherlich werden sie in Frankreich ein wohlwollendes Echo finden, wenn auch hüben und drüben Chauvinisten und Renommisten, leichtfertige Schreier und blindwütige Heber noch einigen Spektakel vollführen. Deutschland und Frankreich, die beiden führenden Nationen des europäischen Kontinents, fönnen und werden nur dabei gewinnen, wenn fie mehr und mehr sich aneinander obliegenden friedlichen Kulturmission erinnern.
le Banansenschlacht anschließen, allen Zwist vergessen und sich beständig der ihne
Proteste von Leo Lens
Der Berliner Lobnkampf.
Die Anzahl der feiernden Arbeiter hat sich noch vermehrt. Die von der Aussperrung nicht betroffenen Elektro- Montcure der Siemens- Werke und der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft haben die Arbeit niedergelegt und wollen sie nicht eher aufnehmen, als bis die Ausgesperrten wieder eingestellt sind. Ferner sind sämtliche Arbeiter der Gesellschaft ,, Elektromotor" in Ausstand getreten, weil diese Gesellschaft eine Tochtergesellschaft der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft ist.
Aus den mit dieser Gesellschaft in Verbindung stehenden Werken zu Hannover, Lichterfelde, Breslau und anderen Orten wird berichtet, daß die Arbeiter in den Solidaritätsstreik treten wollen. Magistratsrat von Schulz erklärte, es sei nicht richtig, daß er von Einigungsverhandlungen absehe. Die Mitteilungen in dieser Beziehung seien unrichtig. Die Arbeiter seien zu weiteren Verhandlungen bereit. Falsch sei es auch, daß er gesagt haben solle, er habe den Eindruck gewonnen, daß diesmal die Arbeitgeber tatsächlich an die äußerste Grenze des Entgegenkommens gegangen seien. Wenn ferner berichtet werde, er hielte die Arbeiter in diesem Kampfe für die Schwächeren, so sei das ebenfalls nur ein grobes Mißverständnis. Schließlich habe er auch keine Aeußerung dahin getan, daß Berlin, was den Verkehr und die Beleuchtung anbelangt, unter keinen Umständen leiden werde, auch dann nicht, wenn der Streik fortdauere.
Die Aktiengesellschaft Siemens u. Halske hat angeordnet, daß am 7. d. M. auf den Bauten ihrer Werke am Nonnendamm die Arbeit eingestellt werden soll, falls bis dahin in den Fabriken der Elektrizitätsgesellschaften nicht der Betrieb wieder aufgenommen ist.
Mit Zustimmung der Generalfommission der Gewerkschaften Deutschlands hat der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommission beschlossen, sofort Sammlungen zu beranstalten, um den Ausgesperrten hilfreich zur Seite zu stehen.
Die elektrische Straßenbahn und die städtische Beleuchtung in Berlin funktionieren ohne Störung. Auf zwei Vorortlinien der Staatsbahn, die bisher elektrisch betrieben wurden, behilft man sich für alle Fälle mit Dampflokomotiven. Unruhen sind nirgends zu bemerken, die freiwillige Arbeiterpolizei der Feiernden unterstützt die Polizei in bester Weise.
Die Deutschenbetze in Mähren.
In der mährischen Hauptstadt Brünn hat ein icutscher Volkstag stattgefunden. Dabei sind keinerlei Provofationen vorgekommen, kein Wort ist gesprochen worden, das als Angriff auf eine andere Nationalität hätte enpfunden, als eine Beleidigung hätte aufgefaßt werden fönnen. Der deutsche Voltstag gab nur schlicht und würdig der Meinung Ausdruck, daß die deutsche Bevölkerung in Mähren ebenso gutes Recht habe, wie das Slawentum und das Tschechentum, und daß die von anderer Seite gestellic Forderung der Einrichtung einer tschechischen Universität in Brünn dem legitimen deutschen Interesse widerspreche, eine unberechtigte Bevorzugung der Tschechen darstelle.
Das genügte, um die Tschechen in eine ungerechtfertigte, deshalb aber vielleicht gerade um so wüster auftretende Erregung zu versezen. Den tätlichen Angriffen auf die Deutschen am Sonntag und Montag folgten Dienstag wieder schlimme Ausschreitungen. Tausende von Tschechen überfielen mit Stöcken und Steinwürfen die Deutschen. Polizei und Gendarmerie erwiesen sich als machtles, es mußte Militär herbeigeholt werden. Die Soldaten wurden mit Steinwürfen empfangen, zerstreuten aber durch einen Angriff mit dem Bajonett die Tschechen. Zahlreiche Läden wurden demoliert. Eine Gendarmeriepatrouille wurde mit Ziegelsteinen beworfen und gab Feuer, wobei ein Tscheche schwer verletzt wurde. Schließlich mußte die ganze Garnison aufgeboten werden. Zahlreiche Personen erhielten Bajonettstiche. Die Verhängung des Belagerungszustandes soll bevorstehen.
Es mag zugegeben werden, daß die Tschechen von ihrem Standpunkt aus in Mähren die Dinge anders ansehen und beurteilen dürfen, als die Deutschen. Denn sie sind von der österreichischen Regierung verwöhnt und zu Ansprüchen fünstlich aufgestachelt worden, die auch nur zu denken sie früher nie den Mut gefunden hätten. Unter der Ministerpräsidentschaft des unseligen Grafen Thun, der am meisten unter allen österreichischen Staatsmännern zur Verwüstung und Auflösung Desterreichs beigetragen hat, wurde Kaiser Franz Josef veranlaßt, in einer Thronrede das unglückliche Wort von der böhmischen Krone zu sprechen und eine Andeutung in der Richtung zu geben, als ob den böhmischen Landen innerhalb der habsburgischen Monarchie eine gleiche oder ähnliche Stellung eingeräumt werden solle, wie dem ungarischen Staat. Seitdem haben die Tschechen nicht aufgehört, das Deutschtum in Böhmen zu bedrängen, Mähren als böhmisches Land gleichsam mit Beschlag zu belegen und ungefähr jede Provinz Desterreichs, in der eine böhmische Köchin am Herd waltete, als zu Böhmen-
gehörig anzusprechen. Unter anderem genoẞ wien ore Ehre, von den Tschechen als tschechische Stadt ausgegeben zu werden. Die Regierung des Grafen Thun und seiner Nachfolger konnte freilich das ursprüngliche böhmische Programm nicht zur Ausführung bringen weil es einfach unmöglich war. So gut wie Böhmen dürfte Galizien auf Selbständigkeit Forderung erheben, die Slowenen und Italiener blieben mit ihren Separationsgelüften nicht still, und endlich konnte doch das Recht der deutschen Bevölkerung nicht völlig ignoriert werden. Aber was irgend in der Möglichkeit lag, das geschah, um die Deutschen in Böhmen und Mähren zu drangsalieren. Die deutsche Sprache wurde, wo es sich überhaupt machen ließ, wo auch nur Sprengsel tschechischer Nationalität vorhanden waren, durch die Verwaltung förmlich in Bann getan, vom Gericht und aus dem behördlichen Verkehr förmlich ausgeschlossen, zum mindesten in die zweite Stelle gerückt. Die höhere deutsche Kultur wurde von den Tschechen überschrieen und vergewaltigt, und die Regierung des Fürsten, dessen Vorfahren durch Jahrhunderte sich römische Kaiser deutscher Nation genannt hatten, förderten nach besten Kräften den Niedergang des Deutschtums gegenüber dem Tschechentum.
Wir halten uns nicht für befugt, die Gründe zu beurteilen, die zu der jetzigen inneren Politik Desterreichs geführt haben. Wir bekennen ohne weiteres, daß wir dazu viel zu sehr Partei sind, daß wir Dinge, bei denen das Deutschtum interessiert ist, nicht ohne Parteilichkeit betrachten kön nen, es auch gar nicht wollen. Wir beschränken uns deshalb darauf, die Tatsache zu konstatieren, daß seit der Ministerpräsidentschaft des Grafen Thun, d. i. seit langen Jahren, das Tschechentum in Desterreich fünstlich gehegt und gezüchtet und in Gegenden verpflanzt worden ist, wo man es vorher kaum kannte, und alles das auf Kosten der deutschen Bevölkerung Desterreichs und des Deutschtums.
Selbstverständlich haben die Deutschen Desterreichs das nicht schweigend geduldet. Sie haben sich zur Wehr gesetzt und ihr deutsches Volfstum energischer als früher betont. Sie hatten allerdings viel nachzuholen. Denn ehe sie sich auf sich selbst besonnen hatten, waren sie bereits aus der führenden und herrschenden Stellung, die ihnen schon um ihrer Zahl und der Geschichte willen zufam, verdrängt und zur Defensive gezwungen. In der Verteidigungsstellung sind sie noch jetzt, und nach mehr als einer Front zugleich müssen sie fämpfen. Nicht zuletzt gegen die cisleithanische Regierung, die es als ihre Hauptaufgabe betrachtet, Schritt um Schritt dem Deutschtum den Boden abzugraben, es sei zugunsten der Tschechen, der Slowenen oder wessen immer. Höchstens die Italiener machen eine Ausnahme Das) hat seinen besonderen Grund: die Italiener Desterreichs greifen ohne Scheu nach einer Hand, die sich vom Ausland her ihnen entgegenstreckt. giant of Gu Den Deutschen Desterreichs, die immer gute Desterreicher gewesen sind, wird es herzlich schwer gemacht, gute Defterreicher zu bleiben. Sie können das kaum, ohne ihr Deutschtum zu verraten, und das wollen sie nicht. In der Zwangslage aber sind sie durch die seltsame Politik verseßt, die in Desterreich jede separatistische nationale Bestrebung belohnt, wofern sie sich nur gegen das Deutschtunt richtet. Es wäre für Desterreich sicher ein Gewinn, wenn es von dieser Politik Abstand nähme.
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Politifche Rundschau.
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* Der Aufstand in Deutsch- Ostafrika erstreckt seine Wir fungen bis in die unmittelbare Nähe von die
Die Aufständischen, wahrscheinlich Kijangirear- es- Salam,
Dörfer Kuranga, Sunguni und Wipfi, 15 bis 20 Kilometer von Dar- es- Salam, angezündet. Mehrere Truppenabteilun gen sind abgegangen, um die Vereinigung der nach Süden ausweichenden Aufständischen mit den Rebellen südlich des Rufidji zu verhindern. 19 Die Straße Bagamoyo- Mrogora ist sicher, der, Gesundheitszustand der weißen Truppen gut. Die Missionsstation von Berlin I Jacobi in der Nähe des Sultanssizes Utengule wurde von Aufständischen angegriffen. Die Missionare flüchteten. n9n9adsprio aid mondo! 1966 dun ug 19лdi tim dnes 19( bo:
* Ueber die Beziehungen zwischen China und Deutschland verbreiteten englische Blätter die Nachricht, China habe die deutschen Forderungen hinsichtlich weiterer Bergwerks- und Eisenbahnkonzessionen in der Provinz Schantung abgelehnt. Dafür habe Deutschland, um einen Druck auszuüben, die Handelsvertragsverhandlungen mit China abgebrochen. Die Folge davon sei, daß der englisch- chinesische Handelsvertrag, deffen Gültigkeit vom Abschlusse von Verträgen mit den übrigen Mächten abhänge, vorläufig nicht in Straft treten könne. Diese ganze Schauernachricht wird von deutscher amtlicher Steller als erfunden charakterisiert. Deutschland verhandelt zurzeit überhaupt nicht mit China wegen weiterer Bergwerks- und Eisenbahnfonzessionen in Schanting, und in den Handelsvertragsverhandlungen haben die KomissionssizunIgen mit den chinesischen Bevollmächtigten in diesen Tagen begonnen. 206. tiobiumigilo 1910 tim otlegnigmi 919 19189 190 1911 97mdongolbied- p 100 mm Reichstagsgebäude zu Berlin ist der von einer Taroßen Anzahl folonialfreundlicher Vereine meinberufene


