Ausgabe 
5.8.1905 Erstes Blatt
 
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Soziales Leben.

28 000 er ausgesperrt. Der sächsisch- Thüringische Webereiverband hat beschlossen, sämtliche Betriebe am 19. August zu schließen. Der Beschluß bedeutet die Ablohnung bon 28 000 Arbeitern.

Hof und Gesellschaft.

Die Gemahlin des Graj- Regenten Leopold von Lippe, die Gräfin Bertha zur Lippe- Biesterfeld, ist von einer Tochter glücklich entbunden worden.

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Nab und fern.

Graf Pückler verhaftet. Die Annahme, daß Graf Bück. Ter sich des von der Glogauer Straffammer gegen ihn wegen Nichterscheinen vor Gericht erlassenen Haftbefehls durch die Flucht ins Ausland entzogen habe, bestätigt sich nicht. Graf Bückler war in Schierke im Harz gewesen, dort aber schon wieder abgereist, als er verhaftet werden sollte. Gestern traf in Berlin von Kottbus die Nachricht ein, daß er sich in einem auf der Fahrt von Görlitz nach Berlin begriffenen Zuge befinde. Daraufhin wurde Graf Pückler bei seinem Eintreffen auf dem Görlitzer Bahnhofe in aller Stille ver­haftet und noch in der Nacht nach Blogau transvortiert.

+ Gestohlene Gemälde. In Düsseldorf wurden zwei Jta­Tiener verhaftet, als sie wertvolle alte Kirchengemälde für 80 000 Mark zum Kauf ausboten. Sie wollen die Bilder von einem Unbekannten in Pisa mit dem Ausirage, sie in Deutschland zu verkaufen, erhalten haben.

Wertvoller Münzenfund. In Dirmingen in der Rhein­gegend stieß ein Landmann beim Ausschachten einer Jauche­grube auf ein altes Gewölbe und fand dort ein eisernes Ge­fäß mit einer Anzahl Goldmünzen aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Es handelt sich meist um Prägungen der Erz­bischöfe von Köln, Trier und Mainz.

Ueber die Kraft. In Midlumn bei Hannover wollte ein junger Mann, um seine Kraft zu erweisen, einen schweren Ambos heben, obwohl der Schmied ihn vor dem Wagestick warnte. Der Amboß fiel dem jungen Mann auf den Leib, und in kurzer Zeit war der Unglückliche, der innerliche Ver­legungen crlitten hatte, verblutet.

Eine unglückliche Rattenjagd. In einer Lehrschmiede in Hannover wollte einer der Zöglinge eine Ratte, die durch den Arbeitsraum huschte, mit einer Eisenstange erschlagen. Statt des Tieres iraf er aber einen seiner Kollegen, der mit lautem Aufschrei zusammensant. Den Unglücklichen war ein Auge ausgeschlagen.

Selbstmord aus Schwermut. Die Frau eines Schlei­fers in Berlin war infolge des Todes ihres jüngsten Kindes in Schwermut verfallen. Beim Erwachen sah der Mann Blutspuren auf dem Fußboden. In der Küche fand er seine Frau in ihrem Blute liegen. Sie hatte sich die Pulsadern ausgeschnitten und außerdem Lysol genommen. Aerztliche Silfe war vergebens, die Frau starb an Blutverlust und den Wirkungen des Giftes.

Russische Droschken in London. Ein russischer Kavita. list, der sein Geld außerhalb seines Vaterlandes an.egen will, beabsichtigt, in London russische Trosfos mit Taya­metern einzuführen. Er ist der Meinung, daß diese die Han­soms und Omnibusse schnell überflügeln würden. Der Jahr­preis für die längste Strecke soll, statt wie bisher, einen Schilling, nur sechs Pence betragen.

Vernichtete Weinernte. Im Markgräfler Rand ist ein Sagelwetter niedergegangen, das in sieben Minuten die Ar­beit von ebensoviel Monaten vernichtete. An den Wein­bergen beträgt der Schaden über drei Viertelmillionen Mark. Müllheim ist mit 300 000 Mark betroffen, Nieder­weiler mit 125 000 Mart, das kleine Zunzingen mit etwa 180 Einwohnern hat 100 000 Mark Schaden, Hugelheim 80 000 Marf. Oberweiler 60 000 Mark, Bodenweiler 25 000 Mark. Schliengen und Auggen, zwei berühmte Weinorte, blieben verschont.

Die vergehende Insel. In Helgoland ist wieder ein über drei Meter breites und zwanzig Meter langes Stück vom Felsen am Flagg- Slopp bei Maderk durch Unterspü­lung durch das Meer abgestürzt. Zum Schuß gegen die Ab­bröckelungen sind wieder vier Schutzmauern von 24 Meter Länge als Wellenbrecher errichtet. Ferner werden einige Felsen einer Art Reparatur unterzogen. Die bröckelige Felsmasse wird abgeschlagen, und die so ausgehöhlten Fel­sen werden mit festem Gestein ausgefüllt.

Untergegangenes Lootsenboot. Unweit Norderney wollte der Dampfer Möwe" der Bremer Gesellschaft Argo von einem Curhavener Lootsenschooner einen Rootsen über­nehmen. Dabei stieß der Dampfer auf das Lootsenboot und schnitt es mitten durch, so daß es in wenigen Minuten unter­sank. Die aus fünf Mann bestehende Besatzung und seche an Bord des Schooners befindliche Lootsen konnten sich in den Booten des Schooners retten.

Auf der Jagd verunglückt. In Eiterhagen im Land­freis Kassel schoß der Pächter der dortigen Jagd einen Reh­bock. Als er seine Beute besichtigte, entlud sich der zweite Lauf der Flinte, und die Kugel traf den Jäger in die Brust, so daß er bald darauf verstarb.

Neue Art der Einquartierung. Früher wurde der Ein­quartierungsplan stets längere Zeit vor den Manövern be­fannt gegeben. In diesem Herbst soll versuchsweise bei den Uebungen einer Garde- Infanterie- Division in der Provinz Brandenburg keinerlei Mitteilung gemacht, sondern die Ortsbehörde erst ganz kurz vorher von der Einquartierung benachrichtigt werden. Es geschieht deshalb, damit das Ge­samtbild des Manövers kriegsgemäß gestaltet werde.

Ein Bomben"-Erfolg. Während des Bombenanschlags auf den Sultan wurde auch eine junge Oesterreicherin, Fräulein Bonella, die sich unter den Zuschauern beim Se­Tamlik befand, leicht verletzt. Daraufhin hat ihr der Sul­tan die zweite Klasse des Schefakat- Frauenordens ver­liehen.

Ein Haus verschüttet. Im Dorfe Noyers in Piemont wurde ein ganzes Haus durch einen Felssturz begraben. Die zwölf Insassen des Hauses gelten als verloren.

=[ Ein tenres Heilmittel.] Seit der Erfindung des Radiums hat die Nachfrage besonders zu medizinischen Zweden stark zugenommen. Dagegen sind in der ganzen Zeit seit der Entdeckung des Nadiums faum 15 Gramm da­von erzeugt worden, und alle Bemühungen, die Erzeugung von Radium zu erhöhen, sind bislang vergeblich gewesen. Kein Wunder, daß der Preis ein sehr hoher ist. Für ein Tausendstel Gramm werden zurzeit 400 Mark gefordert.

Von der russischen Grenze. Die Grenzberlegung, deren sich ein russischer Grenzsoldat dadurch schuldig gemacht hat, daß er ein auf deutschem Gebiet beim Aehrenlesen beschäf= tigtes Mädchen erschoß, soll nicht ungefühnt bleiben. Zur Untersuchung des Falles erschien am Tatorte von deutscher Seite der Grenzkommissar, Oberzoll- Inspektor Elwert, von russischer Seite der Kreischef aus Salisch. Der schuldige Sol­dat wurde sofort abgelöst und verhaftet.

Der Landwirt.

§ Bestrafter Kurpfuscher. Einem achtjährigen über Leib­schmerzen klagenden Mädchen hatte der frühere Dekora tionsmaler und jetzige Praktikant der Hydrotherapin und Direktor des Heilinstituts Hygieia Ehring eine derartige Desis Quecksilber- Sublimatlösung beigebracht, daß das Kind unter fürchterlichen Schmerzen starb. Die Sektion der Leiche ergab Vergiftung der inneren Unterleibsorgane durch Sublimat, Nach dem Sachverständigen- Gutachten war die Lösung nicht, wie vorgeschrieben, mit 1 Teil, sondern mit 6 Teilen Sublimat auf 1000 Teile Wasser hergestellt wor den. Das Landgericht in Leipzig verurteilte den schon oft wegen Betrugs, Urkundenfälschung und Unterschlagung vorbestraften Kurpfuscher unter Einrechnung einer ihm vom Schwurgericht Gera zudiftierten Strafe zu vier Jahren drei Monaten Gefängnis.

mh. Rückgang der Schafzucht in Deutschland. Während im Zeitraume von 1900 auf 1904 alle übrigen Vieharten Stüdvermehrungen aufzuweisen, Schweine sogar eine An­zahlerhöhung um 2,1 Millionen oder um nahe 12,5 Prozent erfahren haben, wies der Schafbestand 1904 gegen 1900 einen Stüdrückgang von 1,8 Millionen oder von 18,5 Pro­zent auf. Auch in keinem der Bundesstaaten, ja in keiner preußischen Provinz ist ein Stillstand oder gar eine Erhöh­ung des Schafbestandes zu bemerken gewesen, lediglich im Umfange des Rückganges unterscheiden sich diese Gebiets­teile ein wenig von einander. So hat Mecklenburg- Schwerin einen Rückgang von 19,5 Prozent, Schleswig- Holstein von 17 Prozent aufzuweisen.

Schwere Eisenbahnunfälle. Vor der Station Schischi­mom entgleiste ein von Oppeln kommender Güterzug. Der Lokomotivführer und der Heizer kamen ums Leben, der Zugführer und ein Viehtransporteur erlitten Verletzungen. In einem der entgleisten Waggons befinden sich zwölf Stück Rindvieh, die man wegen der schwierigen Lage des Waggons nicht retten kann. In Pennsylvanien in Amerika cnt­gleiste infolge eines Schienenbruches bei einer über einen Bach führenden Brücke ein Personenzug der Baltimore- und Ohiobahn. Der Kohlenwagen und ein Gepäckwagen stürzten in den Bach. Siebzehn Personen wurden verlegt, eine getötet.

Ein gefährlicher Konzertsaal. In San Antonio, der Hauptstadt von Texas, ist fürzlich eine prächtige, für klassi­sche Konzerte bestimmte Beethoven- Halle" eingeweiht. An dem Bodium, von dem die klassische Musik ertönt, befindet sich in großen Buchstaben weithin sichtbar die Aufschrift: Es wird ersucht, nicht auf den Pianisten zu schießen!"

Kunft und Wissenschaft.

Die Aussperrung der sächsisch- thüringischen Färberei arbeiter. Gestern sind in Glauchau, Reichenbach, Mylau, Gera, Greiz und Weida über 11 000 Färbereiarbeiter aus­gesperrt worden. Der sächsisch- thüringische Webereiverband hat seine Arbeiter nicht ausgesperrt, soll aber die Absicht haben, ihnen am nächsten Freitag zu fündigen,

SM Künstliches Radium? Mit Hilfe eines Hamburger chemisch- technischen Instituts soll es Dr. Aymann in Erfurt gelungen sein, eine Masse herzustellen, auf welche die Eigen­schaften des Radiums übertragen und in welcher sie dauernd und ausreichend stark festgehalten werden können. Diese Masse, Radiophor", genügt nach den Mitteilungen des Dr. Armann den Anforderungen der täglichen ärztlichen Praris vollkommen, und sie stellt sich so billig her, daß ihrer allge­meinen Verwendbarkeit kein ökonomisches Hindernis ent­gegensteht. Das Radiophor fann, unter die Haut gebracht, ebenso in Geschwulstbildungen wie in Körperhöhlen einge­führt werden. Das Präparat ist nach der Versicherung des Erfinders außerordentlich widerstandsfähig. Die Haltbar­feit der Strahlen ist von unbegrenzter" Dauer. Falls die Veröffentlichungen über die Erfindung sich bestätigen, ist sie sicherlich von bedeutender Tragweite.

Abgestürzter Straßenbahnwagen. Im englischen Sec­bade Ramsgate entgleiste ein Wagen der elektrischen Stra­Benbahn, die über eine hohe Klippe zum Hafen hinabführt. Der Wagen sprang aus dem durch Regen schlüpfrig gewor denen Geleise und stürzte die Klippe auf den Strand hinab. Der Wagenführer wurde zerschmettert, und die einzigen Bassagiere, eine junge Dame und zwei Knaben, erlitten ichwere Verlegungen.

KG Weibliche Dozenten an der Wiener Universität. Das Kollegium der Professoren an der Universität zu Wien be­schloß die Zulassung von Frauen zum akademischen Lehr­amt. Die erste Brovatdozentin, Frl. Dr. Elise Richter, kün­digt für das Wintersemester bereits ihre Vorlesungen an.

Durch eine Seemine zerstört. Während der Uebung einer russischen Marine- Kompagnie auf der Rhede von Sandhamn in der Nähe von Helsingfors stieß ein Boot auj eine Unterſeemine. Das Boot wurde zertrümmert. Sieben Bersonen wurden getötet, acht wurden verletzt.

Ein schwerer Schleppzug. In Mannheim ist kürzlichk der schwerste Schleppzug eingetroffen, den es bislang auj dem Rhein gegeben hat. Der Dampfer Ludwig 4" der Aktiengesellschaft G. A. Disch brachte in 8 Anhängeschiffen bon Ruhrert 170 000 Zentner oder 850 Eisenbahn- Doppel­waggons Kohlen nach dem größten deutschen Binnenhafen und Umschlagsplaẞ.

LM Professor Adolf Harnack Bibliothek- Direktor. In Stelle des bisherigen Generaldirektors der Königl. Biblio, thef in Berlin, Wirkl. Geh. Rats Dr. August Wilmanns, ist Professor Adolf Harnak zum Generaldirektor der Biblio. thek ernannt.

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§ Haftet der Mann für die Toilettenschulden seiner Fran? Mit dieser Frage hatte sich das Reichsgericht als letzte In­stanz zu beschäftigen. Eine Frau hatte weit über ihren Be­darf Toiletten- Anschaffungen gemacht, und da ihre Kasse nicht ausreichte, nahm sie die Gegenstände auf Kredit, nicht auf ihren Kredit, sondern auf den Kredit ihres Ehe­gatten. Dieser weigerte sich zu zahlen. Er führte u. a. aus: Seine Frau habe über ihre Bedürfnisse und seine Verhältnisse

Die Förderung des Appetits durch angemessene Klei. dung. Nach dem jeßigen Stande der medizinischen Wissen­schaft ist es durchaus falsch, den mangelnden Appetit durch Medikamente künstlich anzuregen. Vielmehr wird der Grund­satz aufgestellt, daß man um so mehr essen tönne, je weniger Kleidung man auf sich trage. Die allzu starke Kleidung ermüdet den Menschen, die Poren werden verstopft, die Ver­dauungsorgane funktionieren nicht mehr richtig. Statt nun die Verdauungsorgane durch Medikamente zu beunruhigen, sollte man einfach die überflüssige Kleidung von sich werfen. Weiß soll die beste Farbe sein, die man wählt, wenn man trop großer Hize den Appetit nicht verlieren will.

Ein Königs- Gefängnis zu verkaufen. Das Gefängnis, in welchem König Franz I. von Frankreich nach der Schlacht hei Pavia schmachten mußte, foll öffentlich an den Meist­bietenden verkauft werden. Es handelt sich um den Gefäng­nisturm Rocca di Pizzighettone; die Zimmer, die König Franz im zweiten Stock bewohnte, sind noch gut erhalten. Von hier aus schickte der König an Luise von Savoyen die berühmte Botschaft: Alles ist verloren, nur die Ehre nicht!", und hier schrieb er seine galantesten Verse zu Ehren der Dame seines Herzens.

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Wespen im Hause. In einem neuerbauten Hause in London wurden Wespen bemerkt, die cus dem Fußboden, den Türrahmen und den Dachbalfen hervorkamen. Genauere Beobachtungen ergaben, daß es sich um junge Holzwespen handelte, die ihre Eier in weiches Holz legen. Offenbar sind solche mit dem zum Hausbau verwendeten Holze in die Fuß­böden und Türen gekommen, haben sich dort entwickelt, und die Wespen bohrten sich durch das Holz, aber auch durch andere Hindernisse, wie Teppiche durch. Man kann sich den Schreck des Hausbesitzers denken, als er diese Kunde ver­nahm. Inzwischen jedoch sind die unbequemen Gäste ver­schwunden, und Hausbesitzer und Mieter hoffen, daß der nächste Sommer keine Nachzügler mehr bringen werde.

= Schatzgräber auf Mauritius. Auf der Insel Mauri­tius ist man zurzeit auf der Suche nach einem Schatz, der 400 bis 600 Millionen betragen soll. Eine Menge Arbeiter werden von einer Gesellschaft mit Ausgrabungen beschäftigt, die sich zwecks Aufdeckung des Schatzes gebildet hat. Man nimmt an, daß die Reichtümer zur Zeit der britischen Grobe­rung von den Piraten in die Erde versenkt seien. Schon früher hatte man an verschiedenen Stellen der Insel ver­grabene Schätze gefunden, die Seeräuber so in Sicherheit gebracht hatten.

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Die verräterischen Hosen. In Paris waren in einem Kaffeehause vor einigen Wochen die wertvollen elfenbeiner­nen Marmorkugeln und dazu sogar das grüne Billardtuch gestohlen worden, und es gelang der Polizei nicht, die Diebe zu ermitteln. Vor kurzem bemerkte in einem öffentlichen Pariser Garten der bestohlene Cafétier drei kleine Knaben, die mit Billardkugeln spielten. Sein Verdacht, daß es die ihm gestohlenen Bälle seien, wurde zur Gewißheit, als er sah, daß die Kinder grüne Hosen aus Billardtuch anhatten. Nach­forschungen ergaben, daß der Vater der Knaben von einem seiner Freunde, der ihm Geld schuldig war, die Gegenstände an Zahlungsstatt angenommen habe. So gelang es, den Dieb doch noch abzufassen. Seine Billardkugeln bekam der Cafétier wieder. Die grünen Hosen ließ er den Knaben.

Fuchs und Rebhuhn. Ein Weidmann im Sächsischen berichtet über ein Beispiel von Mutterliebe aus der Tier­welt. Aus einem Kartoffelfelde kam ein Rebhuhn- Pärchen mit 16 Jungen. Ein Fuchs schlich aus dem Walde auf das Hühnervolk zu. Dieses bemerkte das Unheil und verschwand wieder in den Kartoffeln. Als der Fuchs sich ebenfalls hin­einwerfen wollte, kam die Henne aus der Deckung heraus und schlich mühsam, einen Flügel schleppen lassend, weiter. Sofort nahm der Fuchs die Verfolgung auf und ließ sich so immer weiter vom Kartoffelfelde ablocken. Als er sich auf das vermeintlich kranke Huhn stürzen wollte, flog dieses plötzlich munter auf, und Meister Reinicke hatte das Nach­schen. The er sich recht besinnen konnte, hatte ihn das Blei des Jägers ereilt.

= Die Lebensalter im chinesischen Sprachgebrauch. Die Chinesen haben für die verschiedenen menschlichen Lebens­alter poctische Bezeichnungen. Das Alter von zehn Jahren rennen sie den Anfang der Stufenleiter"; bei zwanzig Jahren sage sie die Jugend ist abgelaufen"; der Ausdruc für das dreißigste Lebensjahr lautet: Alter der Kraft und Ehe"; für vierzig Jahre hat man die Bezeichnung: Zum Dienst geeignet"; mit fünfzig Jahren weiß man seine Fehler"; bei sechzig Jahren neigt sich der Zyklus seinem Ende zu"; der siebzigjährige Greis ist ein seltener Vogel"; mit achtzig Jahren wird das Aussehen runzelig"; mit neun­zig ,, neigt sich die Sonne dem Untergang zu"; und mit hun­dert Jahren hat man den Gipfel des Alters" erreicht.

H Lurus in der Eisenbahn. Auf den merikanischen Eisen­bahnen herrscht stellenweise ein geradezu verschwenderischer Lurus. Oft sind die Schlafwagen ganz in Mahagoni ausge stattet, und die Züge rollen über Brücken aus schönstem wei Ben Marmor. Auf einzelnen Strecken im Westen geschieht die Beschotterung sogar mit Silbererz. Dieser Lurus hal seinen Grund darin, daß längs der Strecke sich Mahagoni, Marmor und Silbererz so reichlich vorfinden, daß dieses kostbare Material wohlfeiler zu stehen kommt, als anderes, das man von fernher beziehen müßte.

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Ohne Geld durch die Welt. Von dem schwedischer Oberstleutnant Rönenburg, der im dreißigjährigen Kriege den Soldatentot fand, erzählt man sich, daß er, wie fein an derer verstand, lustig zu leben, ohne daß er Geld dabei nötig hatte. Auf Befragen gab er ganz offen an, wie er e machte: Wenn er morgens aus dem Wirtshaus weg ritte so bete er immer ein Gebet, das ihm sein Wirt nachbeter müsse und das folgendermaßen laute:

Ich bin fromm und geduldig,

In allen Wirtshäusern bin ich schuldig. Läßt mir aber Gott das Leben,

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Ich will dem Wirt keinen Heller, feinen Pfennig geben; Und wo der Schelm mich wird mahnen,

So wünsche ich, daß er möge verblinden, verkrummen uni berlahmen.

Nach diesem Gebet verlange fein Wirt mehr Bezahlung und da er niemals um Geld angegangen werde, so ritte a in dem Bewußtsein fort, nichts mehr schuldig zu sein.

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