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geln drangen in das Innere der Kirche und verletzten sieber Männer tödlich, eine Kugel traf den Hochaltar. Es ent stand eine schreckliche Panik, bei der zahlreiche Personen schwer beschädigt wurden. Drei der durch die Schüsse der Rosaten Getroffenen sind bereits gestorben. Die erregter Kirchenbesucher ergriffen einen Polizeidetektiv und mißhan delten ihn so, daß er sterbend ins Spital gebracht wurde. In Libau erschossen mehrere junge Leute einen Gendar merieoffizier, als er versuchte, einen politischen Agitator 31 berhaften.

Türkei.

Der hohen Pforte macht die makedonische Bewegung gegenwärtig viel Sorae. Ibrahim Pascha, der Großzere monienmeister des Sultans, hatte eine Unterredung mit dem österreichischen und dem russischen Botschafter über die makedonische Frage. Die Regierung entsendet Offiziere als Instrukteure in die Gendarmerieschulen der Provinzen Kleinafiens, die nach Art der makedonischen Gendarmerie: schulen ausgestaltet werden sollen. Alle diplomatischen Mis­sionen haben eine Note vereinbart, die die Abstellung zahl­reicher Mikstände auf den Zollämtern und verschiedene da rauf bezügliche Reformen fordert. Die Note wird in den nächsten Tagen der Pforte überreicht werden

Frankreich.

Donnerstag vormittag ist König Eduard von England bon Paris abgereist. Am Vortage hatte er während eines Frühstücks nochmals eine Unterredung mit dem Minister des Aeußern, Delcassé. Man bringt damit neue Gerüchte bon einer Criedensvermittelung im ostasiatischen Kriege in Zusammenho g,

Amerika.

A In Washington ist der internationale Eisenbahnkongreß eröffnet worden. Fünfhundert Teilnehmer aus allen Län­dern trafen dazu ein. Der Präsident der amerikanischen Abteilung wies beim Empfang darauf hin, daß zum ersten­mal auch Deutschland vertreten sci. Am 13. Mai wird Präsident Roosevelt die Kongreßteilnehmer empfangen. Mit dem Kongres ist eine Ausstellung von Eisent hnmaterialien verbunden.

Der Kutscherstreik in Chicago hat zu weiteren bedauer­lichen Ereignissen geführt. In mehreren Fällen kamen Kämpfe zwischen den Unionisten und den Streifbrechern vor und verursachten Paniken. Die schwarzen Kutscher schossen in einigen Fällen auf die Volksmengen, die ihre Wagenzüge in den Straßen angriffen. Die großen Bureau­gebäude haben Mangel an Kohle und anderer Zufuhr; tau­sende von Tonnen von Nahrungsmitteln verderben auf den Bahnhöfen. Die Polizei gibt an, bisher seien drei Leute getötet und über hundert verwundet worden. Von anderer Seite wird gemeldet, daß die Anzahl der Getöteten und Ver­wundeten bedeutend größer sei. 1100 Polizisten und 900 besonders einberufene Reserven erwiesen sich als umzu­reichend, die Ordnung aufrecht zu erhalten.

Hof und Gesellschaft.

*** Die Mittelmeerfahrt des Kaisers ist nunmehr be­endet. Der Kaiser hat in Begleitung der Kaiserin und der Prinzen über Mailand, Chiasso und Basel die Rückreise in die Heimat angetreten, die ihn zunächst nach Karlsruhe führt. Von dort gedenkt der Kaiser sich nach Straßburg i. E. zu begeben, während die Kaiserin nach Gera und sodann nach Potsdam reist.

Zur Vermählung des deutschen Kronprinzen wird sich Prinz Rupprecht von Bayern als Vertreter des baye­rischen Hofes nach Berlin begeben.

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Der Reichskanzler Graf Bülow erhielt anläßlich seines Geburtstages vom Kaiser eine Standuhr aus Gold­bronze, die mit dem Reliefporträt des Kaisers verziert ist. Bei seinem Aufenthalte in Wien wohnte der König von Sachsen in Begleitung des Kaisers Franz Josef der Frühjahrsparade über die Wiener Garnison bei. Auch der Kaisergruft, in welcher die Kaiserin Elisabeth und der Kron­prinz Rudolf bestattet liegen, stattete der König einen Be­such ab

Soziales Leben

Stadt einen höchst anmutigen Eindruck, während sie von der Land- und Hafenseite aus den Anblick einer überaus schmutzi. gen und verkommenen Chinesenstadt bietet. Diesen unan. genehmen Stadtteil muß man aber passieren, wenn man von der Landungsstelle der Dampfer nach dem Europäerviertel gelangen will. Die Scheide zwischen den beiden Stadtteilen bildet ein langgestreckter, bewaldeter Hügel Das Leben in den großen Hotels und Pensionen ist durchaus europäisch.

auf

[] Ein neuer Bergarbeiterstreif. Seit einiger Zeit machi sich eine Neigung zum Ausstande in der Bergarbeiterschaft der Niederlausit bemerkbar. Schon am 15. April trat die Belegschaft der den Anhaltischen Kohlenwerken zu Senftenberg gehörigen Grube Marie I. bei Reppist in der Niederlausitz in den Ausstand, weil die Forderung Wiedereinstellung eines entlassenen Kameraden nicht be­willigt wurde. Es herrscht die Befürchtung, daß der Aus. stand sich weiter ausdehnen wird. Wenn auch mit dem Lergarbeiterausstande im Ruhrkohlenrevier nicht vergleich bar, so wäre ein allgemeiner Streif in der Niederlausitz die Braunkohlenindustrie doch von weittragenden Folgen.

Das chinesische Montecarlo.

Eindrücke eines Ostasienfahrers.

London, 4. Mai.

Die Hauptanziehungskraft üben jedoch, wie bereits ge sagt, die vielen Spielhäuser aus offentliche wie auch ver botene, die aber trotzdem allgemein bekannt und äußerst start besucht sind. Erst am Abend um 9 Uhr öffnen diese Häuser ihre lockenden Pforten. Das Spiel, das in Macao gespielt wird, heißt Fautau". Von der Bank, die das Spiel unter: hält, sind an jedeni Tische stets drei Männer stationiert, die das Spiel leiten und für Ordnung sorgen. In der Mitte einer langen Tafel befindet sich eine viereckige Platte aus Stein oder Metall. Zahlen oder Schriftzeichen sind daraus nicht vermerkt. Einer der Beamten stets Chinesen- nimmt die Beträge, die gesetzt worden sind, entgegen. Die Scite der Tafel, vor der dieser Spielbeamte steht, stellt die Nummer 2( yee) dar; rechts davon befindet sich Nummer 3 ( sam), dann folgt Nummer 4( sze), also 2 gegenüber, und hierauf, zwischen 2 und 4, Nummer 1( yat). Ein zweiter Beamter der Bank, der Nummer 1 gegenübersteht, sich also auf Nummer 3 befindet, hat einen Haufen Münzen vor sich liegen, aus dem er vor Anfang des Spiels eine oder zwei Hände voll separat hinlegt und mit einer Messingschale be­deckt. Jetzt beginnt das Seßen der Spieler Wenn man nur eine einzelne Nummer setzt und diese herauskommt, so erhält man seinen Einsatz und den dreifachen Betrag, ab: züglich acht Prozent als Honorar für die Bank, ausbezahlt. Setzt man jedoch eine Ecke, vielleicht zwischen 1 und 2, und eine dieser Nummern schlägt, so erhält man das Doppelte seines Einsatzes ausbezahlt.

Geradezu staunenerregend ist sowohl das Gedächtnis der chinesischen Bankhalter als auch ihre Geschicklichkeit im Aus­zahlen. Der Chinese, der das Geld aus dem vor ihm liegen­den Haufen nimmt, weiß ganz genau, wieviel er heraus­nimmt, obwohl sein Griff fast blindlings geschicht und regelmäßig Münzen in einer Anzahl von 70 bis 80 Stüd erfaßt werden. Wenn man solchen gelben Kerl fragt, wie viele Münzen er gefaßt hat, so kann man sicher sein, daß cr die Zahl bestimmt und genau anzugeben vermag. Es ist borgekommen, daß ein Bankhalter, da er merkte, daß sich ein Engländer auf die Nummer 4 kapriziert hatte, diese Zahl 36mal nicht herauskommen ließ und sie sofort mehrere Male hintereinander schlagen ließ, als der hartnäckige Brite das Spiel aufaeacben hatte. Troßdem konnte ihm niemand eine Ungehörigkeit nachweisen. Sämtliche Spielbanken befinden sich in den Händen zweier Chinesen. die an die portugiesische Regierung eine Bauschalsumme von 1 200 000 Mark as jährliche Steuer zahlen.

Was für die Europäer die Hauptstadt des Fürstentums Monaco ist, das ist für die Ostasiaten, besonders für die mit genügenden Glücksgütern gesegneten Bewohner der chine­sischen Ostküste die portugiesische Besizung Macao- ein Spiel- Dorado ersten Ranges. Hier sammelt sich alles, was der Göttin Fortuna huldigt: Die reichen Chinesen, die Zer­streuung, Abwechselung und Sinnenreiz suchen, die euro­päischen Handelsherren des Ostens, die den Schwindel" fennen lernen wollen, und last not least! Aben­teurer und Gauner aller Nationen und Stämme, die ihre Glücksgüter verbessern wollen und das berühmte corriger la fortune" ganz offen betreiben. Werden sie dabei ertappt und entlarvt, was tut's? Ihre Ehre können sie nicht ver­lieren, denn sie haben keine; es wird auch keine bei ihnen vorausgesetzt. Sie verschwinden einfach vom Schauplaye ihrer genialen Wirksamkeit, aber nur für heute und morgen, höchstens auch noch für übermorgen; sie erscheinen gar bald wieder in Macao, möglicherweise unter anderem Namen und anderer Gestalt vielleicht aber auch nicht. Wo so biele Gauner und Falschspieler zusammenkommen, wird der einzelne leicht übersehen. Zur Pistole oder einem sonstigen Mordinstrument greift dort fast niemals ein entlarvter Be trüger oder ein durch das Spiel Ruinierter Macao liegt auf einer Halbinsel an einer der Mündungen des Kanton Flusses und ist von Hongkong nur durch die breite Mündung des genannten Flusses getrennt. Von der Seefeite macht die

Nah und ferm.

Zu schweren Straßenunruhen kam es in Hamburg. In­folge eines Streites zwischen Seeleuten schritt ein Schutz­mann ein, doch wurde er von den Erzedenten gepackt und halb tot geprügelt. Als auf sein Signal von allen Seiten Wachmannschaften anrückten, erhielten auch die Ruhestörer Zulauf und waren binnen furzem auf etwa 1000 Mann angewachsen, die gegen das Schußmannsaufgebot Front machten. Die Beamten mußten, da sie mit Steinen gewor fen wurden, blank ziehen. Erst nachdem eine ganze Reihe von Personen, teilweise auch bloß Neugierige, durch Hiebe verlegt worden waren, gelang es, die Rädelsführer zu ver­haften.

Ein ungeheurer Waldbrand entstand in der Nähe des schweizer Bergdorfs Albigny. Trotz der angestrengtesten Bemühungen der Einwohner und des herbeigeeilten Mili­tärs, das verheerende Element von den Häusern abzuwehren, stand bald auch ein großer Teil des Dorfes in Flammen. Drei Personen kamen dabei um.

Die Katze im Theater. Eine aufregende Szene spielte sich im Brüsseler Theatre de la Monnaie ab. Während der Aufführung von Gounods" Faust" fiel eine schwarze Katze von der Galerie mitten ins Parkett. Sie frallte sich am Kopfe eines Zuschauers fest, der an Ohr und Wange empfind­lich verlegt wurde. Mit gesträubten Haaren in wilden Säßen durch den Saal springend, verursachte der vierfüßige Eindringling unter den anwesenden Damen große Panik. Endlich gelang es einem Feuerwehrmann, das wie toll sich gebärdende Tier zu ergreifen und fortzuschaffen.

Einen tollkühnen Sprung aus einem Schnellzug wagte ein österreichischer Beamter, der versäumt hatte, in Schan­dau, dem Ziel seiner Reise, auszusteigen. Als er dies be. merkte, öffnete er kurz entschlossen die Tür seines Abteiles und sprang, obwohl der Zug sich wieder in Schnellzugsge schwindigkeit befand, zum Schrecken der Mitreisenden in die dunkle Nacht hinaus. Man sah noch, wie sich der Tollkühne auf dem Boden überschlug, dann war der sausende Zug be reits außer dem Bereich der Unfallstelle. Wie später fest gestellt wurde, ist der Tollkühne ohne Verlegungen davonge: kommen.

Eine Liebestragödie. In der Nähe von Laurahütte in der Hugo- Kolonie versuchte der 26jährige Kaufmann Stramarczyk, seine Geliebte zu erschießen. Er verletzte sie schwer und brachte sich dann selber einen tödlichen Schuß bei. Der Beweggrund für die Schreckenstat ist darin zu suchen, daß die Eltern des Mädchens die Erlaubnis zur Heirat des Paares verweigert halten.

Wegen Mordes an ihrem Gatten verhaftet wurde die Witwe eines vor kurzem beerdigten Postbeamten Zagoni Die Frau hatte beim Tode ihres Mannes der Polizei die Anzeige erstattet, jener habe Selbstmord verübt. Die be hördliche Kommission stellte denn auch tatsächlich Selbstmord fest. Durch eine anonyme Anzeige aufmerksam gemacht, hai jetzt die Staatsanwaltschaft eine Untersuchung eingeleitet, die den Verdacht des Gattenmordes gegen Frau Zagoni fast zur Gewißheit erhoben hat. Die Leiche des Ermor eten wurde erhumiert.

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§ Der Hochzeitskaffee. Eine fehlgeschlagene Spekulation jog dem Sergeanten Zosel vom Infanterie- tegiment Nr. 102 in Zittau eine empfindliche Strafe zu. Als Küchenunter­offizier sparte er an den Kaffeebohnen für seine Kompagnie und sammelte das unrechtmäßig erworbene Gut in einem Sack, den er im Keller verbarg. Er wollte auf seiner bevor­stehenden Hochzeit die Gäste mit einem extrastarken Militär­faffee bewirten. Das Hochzeitsprojekt zerschlug sich und dem Sergeanten begann das Gewissen zu schlagen. Er zog den Sad aus seinem Versteck und begann statt des bisherigen Bliemchenkaffees nun ertrastarfen durch allmählichen Zufay der veruntreuten Bohnen zu geben. Es sollte das eine Sühne sein. Die gute Absicht aber wurde dem Schuldigen zum Verderben. Er wurde von einem seiner Untergebenen be­lauscht. Dieser stahl den ganzen Sack, verfaufte ihn für 20 Marf, ließ sich aber er appen und kam vor das Kriegsgericht. Dabei wurden auch die Verfehlungen des Sergeanten auf­Jedeckt und dieser erhielt 6 Wochen Mittelarrest und wurde degradiert.

** Vermehrung der Zehnpfennigstücke. In kurzer Zeit soll eine umfassende Ausprägung von kleineren Scheide­münzen, namentlich von Zehnpfennigstücken, vorgenommen werden. In den letzten Monaten wurden fast gar keine Behnpfennigstücke hergestellt, so daß sich ein Mangel bemerk­bar macht. Für die nächste Zeit ist deshalb die Ausprägung von Zehnpfennigmünzen im Werte von fünf Millionen Mart in Aussicht genommen.

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Vorsicht bei Ausstellung von Attesten auf Ersuchen von Privatpersonen wird den Medizinalbeamten in einem Erlaß zur Pflicht gemacht. Es ist vorgekommen, daß Kreisärzte über den Befund von Räumen, die zu dauerndem Aufenthalt von Menschen benutzt werden, auf Ansuchen von Privaten Atteste ausgestellt haben, und daß diese Atteste dann von den betreffenden Hauseigentümern der Polizeibehörde gegenüber als Beweismittel für den angeblich einwandfreien Zustand der Räume verwertet worden sind. Durch ein der­artiges Verfahren könne die Stellung der Polizeibehörden und der höheren Instanzen erschwert werden.

§ Im Münchener Mordprozeß Huber erklärten die Sach­verständigen die angeklagte Frau Huber für geistig völlig zurechnungsfähig. Die Angeklagte sei von einem starken Egoismus beseelt und habe einen lügenhaften Charakter. Große Sorgen machte ihr lange vor der Verhandlung die Toilettenfrage. Und in der vorigen Woche mußte ein großer Apparat aufgeboten werden, um ihre Toilette zusammen­zustellen. Sie habe ja auch in den drei Tagen schon ber schiedentlich die Blusen gewechselt. Bezeichnend ist es, daß eine Mitgefangene den Ausspruch tat: Wenn Frau Huber nicht eine ordentliche Toilette bekommt, dann geht sie unter feinen Umständen zur Verhandlung. Ihre Che war eine unglückliche. Trotzdem liebt sie ihren Mann. Eine Zengin erkennt den Angeklagten Huber als einen Mann wieder, der mit der ermordeten Centa Falch eine Gartenwirtschaft be­sucht hat und mit ihr anscheinend auf sehr vertrautem Fuß: stand. Eine erschütternde Szene spielte sich ab, als der Reihe nach die Schwester, zwei Schwägerinnen und zwei Schwäger an den Zeugentisch gerufen wurden und alle unter Tränen die Erklärung abgaben, gegen die Angeklagte nichts aussagen zu wollen. Die Angeklagte Frau Huber schluchzte laut, als ihre Verwandten den Saal betraten, und preßte das Taschentuch vor die Augen. Huber, der die un­erschütterliche Ruhe beibehält, starrt, als er die Verwandten sieht, gleichgültig vor sich hin. Er hat bekanntlich auf seiner Flucht die Papiere seines Schwagers, des Maurers Will, als die seinigen ausgegeben, während Frau Huber unter den Papieren ihrer Schwester Marie Weichelsdörfer reiste.

A Die anonymen Briefe in Lemgo kommen nicht zur Ruhe den letzten Tagen sind wieder mehrere Einwohner Lem gos mit derartigen Schriftstücken bedacht. Nach den Schrei­bern wird eifrig gefahndet. Da die zu Jahren Zucht­haus verurteilte Frau Kracht nun doch Revision einzulegen gedenkt, so tritt die Möglichkeit hervor, daß der ganze Prozeß noch einmal aufgerollt werden könnte.

Schutz für die Natur.

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Wenn im Frühling unter den Strahlen der wärmenden Sonne Bäume und Sträucher aus dem Winterschlaf er machen, wenn die Knospen schwellen und zur Entfaltung drängen, die ersten Blüten ihre zarten Kelche öffnen und mil ihrem Anblick die in der reinen Luft lustwandelnden Men­schen erfreuen, dann macht sich auch alsbald eine Erscheinung bemerkbar, die bei jedem wirklichen Naturfreund Bedauern und manchmal sogar Entrüstung hervorruft. Nicht allein im Freien, in Wald und Busch, nein auch in öffentlichen Parkanlagen und Gärten beginnt ein hartnäckiger Krieg gegen alles, was da grünt und blüht. Es ist nicht immer Bosheit oder Zerstörungslust, was die Veranlassung zu dem Abreißen von Zweigen und Blättern, dem zwecklosen Sam meln von oftmals mit den Wurzeln ausgezogenen blühen­den Pflanzen gibt. Gedankenlosigkeit und Leichtsinn spielen hier eine große Rolle. Die unbewußten Feinde des Ge. deihens und der Entwickelung in der Pflanzenwelt refru tieren sich auch nicht aus einer bestimmten Schicht der Be völkerung. Stand und äußerliche Bildung sind nicht ent scheidend für den Vandalismus, der in den Frühlings- und Sommertagen in gar so ausgedehntem Maßstabe getrieben wird. Sieht man doch oft sogar, wie Mütter mit liebreichen Augen ihren sonst so ängstlich wohlerzogenen Kindern folgen, die in ausgelassener Art durch die Wiesen und Felder sprin gen, büschelweise die Gaben des Lenzes einsammeln und da­bei noch mehr zerstören, als sie davontragen. Ist die Bürde nachher nach Hause gebracht, so ist natürlich alles verwelkt und verdorrt, gut genug für den Müllkasten. Wie wenige sonst für alles Gute und Schöne angeblich begeisterte Men­schenkinder bedenken bei solchen gedankenlosen Zerstörungs­feldzügen, wie bitter unrecht sie tun. Unrecht gegen sich selbst, denn sie nehmen ihren Spaziergängen den schönsten Schmuck, die Plünderung der Beete, das Niedertreten der Rasenflächen schafft Verödung und Unansehnlichkeit. Unrecht gegen den Nächsten ist nicht minder groß, denn auch er will sich laben und freuen an dem jungen, sprossenden Leben, an den bunten Farbentönen der Blumen und an dem prächtigen Kleide, das Mutter Natur alljährlich der harrenden Erde schenkt. Und ist es denn schließlich kein Un­recht, in von dem Gelde der Allgemeinheit unterhaltenen Anlagen zu schalten und walten nach eigenem Belieben, das allen gehörende Gut willkürlich zu vernichten und sich an­zueignen? Wer wirklich die Schönheiten der Frühlingszeit empfindet und in reiner Weise genießen kann, wird sich fern­halten von dem verderblichen Treiben. Schonen und pflegen, das muß die Parole sein für alle, denen die Pflanzenwelt mehr ist als ein totes Material, mit dem man tun und lassen kann, was man will. Nicht für einen allein öffnet die Anemone ihren Rosastern, hängt der Weiden­baum seine wolligen Blütenfätzchen heraus.

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