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Nr. 4.
Jesertionspreis: Die einspaltige Petitzelle für ganz OberSeffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Bfg. Reklamen bie Petitzeile 30 resp. 40 fg.
Redaktion u. Haupterpedition: Gießen, Seltersweg 83. Fernsprechanschluk Nr. 362.
Donnerstag, den 5. Januar 1905.
Gießener
14. Jahrgang.
Abonnementspreis: abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährl. Wt. 1.50. Gratisbeilagen: Oberhefftfche Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.
Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
( Sießencz Beifung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
Das Borgfyftem.
Von einem Handwerksmeister wird uns geschrieben: Dant der besseren kaufmännischen Erziehung des Meisternachwuchses ist es auch im Handwerk zur schönen Sitte geworden, mit Beginn eines jeden neuen Jahres einen Blick rückwärts anf die Geschäftsentwickelung zu werfen und sich darüber Rechenschaft abzulegen, ob das Vermögen gewachsen oder zurückgegangen ist. Nur durch eine pflichthafte Gewissenserforschung über den Vermögensstand ist es möglich, die Zügel des Geschäftes fest in der Hand zu behalten und etwaige Schäden zu beseitigen oder die kaufmännische Seite des Betriebes zu vervollkommnen. Die Jahresbilanz ist aber auch deshalb notwendig, weil sie ein sehr wertvolles Gegengewicht gegen das Borgsystem iſt.
Gerade für den Handwerker wird die Kreditgewährung mit jedem Jahre eine größere wirtschaftliche Gefahr, weil er in seinem Geschäftsverkehr mit den Lieferanten mehr und mehr von den kaufmännischen Gebräuchen abhängig wird und sonach keinen höheren Kredit als auf die Dauer eines Vierteljahres, der in den meisten Fällen auch noch durch Wechselakzepte sicher gestellt sein muß, rechnen darf. Mit diesen kaufmännischen Gebräuchen sollte auch die Kreditgewährung an die Kundschaft möglichst im Einklang gebracht werden, weil sich nur hierdurch vor Begründung eines Geschäftes das Betriebskapital kalkulieren läßt und weil nur durch einen regelmäßigen Geldumschlag eine Ausdehnung des Geschäftes möglich ist. Wenn aber ein Unternehmer sein Vermögen zu sehr, wie der Fachausdruck heißt, in Büchern festnagelt, dann bleibt er ewig in engen Verhältnissen haften, wenn er nicht gar seinem geschäftlichen Ruin entgegengeht. Es ist das Verderben vieler durchaus achtungswerter strebsamer Unternehmer, daß sie die Leistungsfähigfeit und den Umfang ihres Betriebskapitals überschäzen und sich durch eine unvernünftige Kreditgewährung geradezu den Sarg ins Haus stellen.
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Freilich darf nicht verkannt werden, daß auch im Publifum das Verständnis für die Gefahren eines allzuweit ausgedehnten Kreditwesens verbreitet sein sollte. Leider wird vielfach auch von solchen Kreisen dem unseligen Borgwesen gefröhnt, die durch eine vernünftige Einteilung ihrer Mittel wirklich nicht notwendig hätten, einem Handwerksmeister oder einem sonstigen Unternehmer das Leben sauer zu machen. Leider liegt es im Geiste unserer Zeit, mehr auf den Schein als auf das Sein zu geben und die vermeintlichen Repräsentationspflichten durch Inanspruchnahme des Kredits zu bestreiten, was, bei Licht besehen, nichts anderes heißt, als auf Kosten anderer Leute. An diesen Zuständen wird sich von selbst nichts ändern, wenn nicht die Unternehmerschaft dafür sorgt, wie es die Kaufmannschaft bei ihren Warenlieferungen schon durchgeführt hat. Daß in dem Kreditwesen ebenfalls gesunde Verhältnisse eintreten, ist nur möglich durch eine auf die Einsicht von der Notwendigkeit
Ignaz von Tzargos, der Schäfer.
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Von Gustav Rohleder, Grünberg i. H. Alle Rechte vorbehalten.
Nachdruck verboten.
Da nahm er, wenn diese Gedanken ihn marterten fein Instrument und vermischte gar oft seine Tränen mit diesen Tönen aus dem Holzinstrumente. Sie stiegen gen Himmel und flehten um Balsam für sein ties berwundet Herz.
So waren einige Jahre dahingegangen. Man hatte fich an diesen sonderbaren Schäfer und seine Eigenarteu gewöhnt. Auch seine Kollegen hatten Achtung vor ihm, denn er war ihnen ein tüchtiger Lehrmeister. Die Krankheiten des Viehes und die Hülfsmittel dagegen waren ihm bekannt. Dieses war die Ursache, daß sie ihm nie sein Fremdsein fühlen ließen.
Eines Tages hütete er seine Herde an einem von der Stadt ziemlich entfernt liegenden Waldessaume Fast hätte er einen Schrei ausgestoßen, als er aufblickte und ein etwa zwanzigjähriges Mädchen aus dem Walde kommen sah. War dieses Täuschung seiner Sinne, oder war es Maria seine Schwester, wie er noch immer sie nannte?
„ Nein, es war Maria nicht," sondern ein Sassenburger Mädchen, die Erdbeeren für ihre kranke Mutter im Walde gepflückt hatte. Das Mädchen eilte grüßend, an ihm und seiner Herde vorbet der Stadt zu. Er fah ihr nach so lange er nur ihre Gestalt ſehen
fonnte.
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Als er bet dem alten Clemens fam und ihm diese Begegnung erzählte, sagte ihm derselbe, es war die Ihre Mutter hieß nämlich Eleonore, abgekürzt dort Lore..., den Familiennamen kannte nur die Behörde. Es war auch, wie Tzargos, eine " Fremde".
begründete Solidarität aller Betriebsunternehmer. Der ungesunde Wettlauf um die Kundenziffern muß entschieden aufhören und es müssen Organisationen geschaffen werden, die einen jeden Unternehmer nicht bloß über die Zahlungsfähigkeit, sondern auch über die Zahlungswilligkeit des Schuldners unterrichten. Die Hauptarbeit bei der Erziehung des Publikums bleibt allerdings dem Unternehmer selbst überlassen, der jedem neuen Kunden, auch wenn er über dessen Zahlungsfähigkeit unterrichtet ist, feinen längeren Kredit als höchstens ein Vierteljahr bewilligen sollte. Verliert er ihn dadurch, so hat er seinem Geschäft nur genußt. Wenn allgemein, namentlich auch unter der Handwerkerschaft, wo wirklich die Kreditgewährung noch im Argen liegt, diese Praxis eintreten würde, dann würden auch bald die Klagen über die Einsichtslosigkeit des Publifums verstummen. Hier hilft nur der ernstliche Wille und eine zähe Energie.
Zur Gebergabe Port Arthurs.
General Stössel ist zu der Bitternis, die Son ihm bos teidigte Festung nach siebenmonatigem heldenmütigen Widerstand nun schließlich doch aufgeben zu müssen, noch von einem neuen Schlage betroffen worden. Er hatte gehofft, für seine gesamten Truppen freien Abzug mit allen kriegerischen Ehren zu erhalten. General Nogi hat dies nicht bewilligt. Wie die jetzt bekannt gegebenen Kapitulationsbedingungen ausweisen, sind nur die russischen Offiziere auf Ehrenwort freigelassen worden, die Mannschaft dagegen ist Kriegsgefangen.
Die Kapitulationsbedingungen. Rachstehend lassen wir einen Auszug der wichtigsten Stellen aus dem von beiden Parteien vindizierten und unterzeichneten Protokoll im jeweiligen Wortlaute folgen:
Alle russischen Soldaten, See leute und Freiwillige, ebenso die Regierungsbeamten, die zur Garnison und dem Hafen Port Arthur gehören, werden gefangen genommen.
Alle Forts, Batterien, Kriegsschiffe, andere Schiffe und Boote, Munition, Pferde, alles Material, alle Regierungsgebäude uni alle der Regierung gehörenden Gegenstände sollen der japanischen Armee in ihrem gegenwärtigen Zustande übergeben werden.
Die russischen Militär- und Marinebehörden sollen eine Tafel vorbereiten und der japanischen Aimee übergeben, die die Befestigungen Port Arthurs und ihre Lage wiedergiebt, ebenso Karten, die die Lage von Land- und Seeminen und alle gefährlichen Gegenstände anzeigen.
In anbetracht des tapferen Widerstandes, den die russische Armee geleistet hat, wird die japanische Armee den Offizieren der russischen Armee und Flotte, ebenso den zu ihnen gehörenden Beamten gestatten, ihre Degen zu behalten und ihr privates Eigen tum, soweit es zum Lebensunterhalt direkt erforderlich ist, mit sich
Auf der Reise nach ihrer Heimat begriffen, die lag nach Posen zu, kam sie vor etwa 20 Jahren nach Sassenburg, wurde daselbst krant. Mitleidige Menschen uahmen sich ihrer an. Nach kurzer Zeit wurde ein Töchterlein geboren, Es war dies eben die Wilhelmine oder Mine genannt.
Der Pastor in Sassenburg tat fie später in das Hirtenhäuschen, welches nicht bewohnt war, darin war und ein armselig Stübchen. Der Fußboden bestand nur ein Vorplatz mit Leiterchen nach oben zu klettern, aus Lehm. Ein Bett, Tisch, Stuhl und die allernötigsten Sachen konnten noch angeschafft werden, dann waren ihre Ersparnisse am Ende. Ihr Kind gedieh besser als manches Kind der Wohlhabenden. Die Mutter ernährte sich und ihre Mine durch allerlei Handarbeiten, welche sie für die Saffenburger Frauen und Töchter verrichtete.
Daß die„ Lore" etwas" Feines" gewesen war, wurde allgemein geglaubt. Außer dem Pastor wußte es aber niemand. Der aber schwieg über seine Unterredung mit der Lore. Die Paftocin ließ auch zu allererst etwas bei ihr anfertigen, dadurch gab es mehr
zu tun.
Dieses war ungefähr die Antwort, welche der alte Clemens dem Ignaz gab.
zehrte an ihr. Keinem klagte sie ihr Leid, sie lebte nur Jetzt war die Lore frank, ein geheimer Kummer für ihr Töchterchen.
Mancher reiche Sassenburger Bursche hätte die Mine gerne zu seiner Frau gemacht, aber eine„ Unbefannte"," Bergelaufene",„ Namenlose". Nein das zog sie vor. ging nicht. Mine war allen freundlich, aber feinen
Sgnaz fonnte in seinen Gedanken das Mädchen nicht mehr los werden. Diese auffallende Aehnlichkeit mit seiner Maria, dann auch nur geduldet, also auch Heimatlos wie er. Dies zog ihn hin zu den Beiden. Auch hatte er Mitleid mit dec franken Mutter. Wie
zu nehmen. Die zuvor aufgeführten ffiziere, 2 e..mten und biet willige, die sich schriftlich auf ihr Ehrenwort verpflichten, bis zur Beendigung des Krieges nicht die Waffen zu ergreifen und keine gegen die japanischen Interessen verstoßende Handlung zu begehen werden die Erlaubnis erhalten, in ihre Heimat zurückzukehren.
Unteroffiziere und Gemeine des Heeres und der Flotte, ebenso Freiwillige dürfen ihre Uniformen tragen und sollen sich mit ihren tragbaren Zelten und persönlichem Eigentum an einem vom japas nischen Heere anzuweisenden Plazze versammeln. Japanische Kom: misfare werden die weiter erforderlichen Einzelheiten angeben.
Das Sanitätstorps und die Zahlmeister, die zur russischen Armee und Flotte gehören, werden von den Japanern zurückbehalten werden, solange ihre Dienste als notwendig angesehen werden zum Zwecke der Pflege van Kranken, Verwundeten und Gefangenen. Während dieser Zeit sollen die Korps unter Leitung von japanischen Sanitätstorps und Zahlmeistern Dienst tun.
Stössel hat in den fauren Apfel beißen müssen. Er hatte in seinem Briefe an General Nogi, den er ihm durch den Fähnrich Meltschenko am Sonntagnachmittag um 4 Uhr zuschickte, folgende Bedingungen vorgeschlagen:
Stöffels lehte Drohung.
Alle Waffenfähigen sollen die Festung mit ihren Waffen berlassen dürfen unter der Verpflichtung, an dem gegenwärtigen Kriege nicht mehr teilzunehmen; die Verwundeten und Kranken werden nach ihrer Heilung nach Rußland befördert, die Waffen werden ihnen belassen; Privatpersonen, Frauen, Kinder und Ausländer werden der Fürsorge der Japaner überlassen. Ich habe 8000 Mann in den Forts" facte er zum Schluß-, von denen 6000 kämpfen können. Wenn Sie meinen Vorschlag nicht annehmen, werden diese Männer im Kampfe sterben; es wird Ihnen aber dreimal jobiel Leute kosten, sie zu töten."
Stossel hat diese Drohung nicht wahrgemacht, und niemand wird ihn deshalb tadeln. Es war wohl nur ein legter Versuch, den Feind zu einer nachgiebigeren Haltung bei den Berhandlungen zu bestimmen. Im Grunde wußte Stössel, daß er sich auch den härtesten Bedingungen fügen mußte. Für ihn war alle Hoffnung vorbei. Die Munition war so ziemlich verschossen, und es konnte höchstens noch zu einem legten gewaltigen Bajonettkampf in den Straßen der Stadt tommen. Die Japaner durch Geschüßfeuer vom Sturm auf die Bastionen abzudrängen, war unmöglich geworden. Die Reste der Garnison
bon Port Arthur waren nur noch kläglich im Verhältnis zu ihrem anfänglichen Bestande. Aus Tschifu wird darüber gemeldet:
Nach Aussagen der Mannschaften der aus Port Arthur hier eingetroffenen Torpedoboote zählte die Garnison der Festung bei Beginn der Belagerung 35 000 Mann. Davon wurden 11 000 getötet, 16 000 wurden verwundet oder erkrankten, 8000 maren ständig in den Forts, davon waren 2000 fampfunfähig. Während der Belagerung wurden 265 Prozent der Garnison Port Arthurs verwundet. Diese Rahl erklärt sich daraus, daß die Veraber konnte er den beiden Frauen sich nahen? Nun es sollte schneller geschehen, als er geahnt hatte.
Er hütete nicht lange nach der ersten Begegnung an einen anderen Bergkegel. Die Schafe labten sich an dem saftigen Grase. Er hatte sich niedergesetzt und seine Gedanken beschäftigten sich wieder mit dem Mädchen. Er hatte sein Instrument bei sich, er holte es hervor und fing zuerst ganz leise an zu blasen. Echo des Bergkegels hallte in den angrenzenden TalDann immer mächtiger schwollen die Töne an, das schluchten wieder. Er wußte nicht, daß während seines und vor Nührung Tränen vergossen hatte. ganzen Spieles ein Mägdlein dagestanden, gelauscht
Gedanken abschütteln. Doch was sah er? Vor ihm Als er geendet, sprang er auf, als wolle er die stand wie eine Bildsäule dieselbe, um deretwillen er gespielt hatte. Auf einmal kam Leben in die Gestalt. " Tzargos", verzeiht, da ich Euch belauscht habe. Ich mußte hier vorbei, hörte Guer Spiel und konnte nicht verzeihen, Jungfrau", erwiderte Ignaz, vielmehr zu weiter", so sprach errötend die Mina. Habe nichts zu danken, daß ihr mir Gure Aufmerksamkeit geschenkt und das Spiel Euch gefallen hat." Mina, noch mehr errötend wollte weiter. Als Tzargos sah, daß sie wieder das Erdbeerenkörbchen an der Hand trug, bat er, ihr einige Pläge mit reifen schönen Beeren zeigen zu dürfen.
Sein treuer Wächter" wurde als Hüter der Herde aufgestellt, damit fein Schaf in die Fruchtfelder gehe. Dann ging er etwa hundert Schritte mit ihr in den Wald hinein, und wirklich da waren reife saftige Beeren in Mange. Sehr bald war ihr Körbchen gefüllt. Aber Tzargos wußte Nat. Schnell suchte er fich einen Salweideustamm, löste von demselben kunstgerecht die Rinde ab und im Nu war daraus ein Gefäß gemacht. Auch dieses wurde noch schnell voll geflückt.
( Fortsetzung folgt.)


