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UNUBERTROFFEN Waschen und Putzen

WASCHET

NAUMANNA

SEIFE

NAUMANN

Stadt- Cheater

Giessen.

Dir.: Hermann gett Freitag, den 3. Novembe Anker Abonnement! Gastspiel

bon

Nr. 259

Jasertionspreis: Die einspaltige Betitzeile für ganz Ober­beffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. sonft 15 Pfg. Reklamen die Petitzelle 30 refp. 40 Bfg.

Redaktion u. Haupterpedition: Gießen, Seltersweg 83. Fernsprechanschluk Rr. 362.

191119

Freitag, den 3. November 1905.

Gießener

14. Jahrgang

Abonnementspreis: abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen vierteljährl. Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberheffen.

Grenzschutz.

3o es Grenzen gibt, da gibt es auch Grenzverletzungen. Noch keinem Staat, der sich nicht insularer Abgeschiedenheit erfreut, ist diese Erfahrung erspart geblieben. Aber so biele Grenzverlegungen, wie an der russischen Grenze, kommen in der ganzen übrigen Welt nicht vor. Das hängi zum guten Teil mit den hohen russischen Eingangszöllen zusammen und mit dem Schmuggel, zu dem sie die Ver. suchung bilden. Der Grenzsoldat ist zur Bekämpfung des Schmuggels da, und er bekämpft ihn nach Kräften. Auch der russische Grenzsoldat. Daß er ab und zu oder auch nicht eben selten mit dem Schmuggler sich verständigt, sich be stechen läßt, tut der Feindschaft keinen Eintrag.

Gerade

der russische Grenzwächter bleibt in seinem Herzen voll grimmigen Hasses gegen den Schwärzer, der so viel schlauer ist als er. Den Beweis dafür bildet die äußere Form des Abkommens zwischen dem russischen Grenzer und dem russi­schen Schmuggler. Der Grenzer, der für Geld sich ver­pflichtet hat, einem Schmuggler an einem bestimmten Tage durch die Finger zu sehen, überläßt dem Schmuggler für den Tag der Verabredung sein Gewehrschloß. Man erkenni daraus, daß Schmuggler und Grenzer in der Ueberzeugung einig sind, der Grenzer würde unbedingt trop Be­stechung auf den Schmuggler schießen, wenn er die Mög lichkeit dazu hätte. Einzig die physische Unmöglichkeit kann ihn davon zurückhalten. Die zeitweiligen Verleihungen von Gewehrschlössern kommen nicht selten vor. Die Vorgesezten wissen das und bemühen sich, die Folgen abzuwenden, indem sie tunlichst häufig außer der Reihe Ablösungen eintreten lassen. Der Ablösende ist nicht bestochen und hat sein Ge­wehrschloß. Er berfolgt den Schmuggler und schießt auf ihn, und in seinem Eifer achtet er nicht darauf, daß die preußische Grenze nahe, vielleicht schon überschritten ist.

Das ist der typische, ehrliche Fall, in dem die Grenz­berlegung ohne Absicht begangen ist, beinahe aus Pflicht­gefühl. Freilich muß die Verlegung gerügt werden. Von deutscher Seite aus wird Beschwerde erhoben, Untersuchung findet statt, und der Schuldige erhält eine demonstrative Rüge. Natürlich wird er gleichzeitig wegen seines bewie­senen Eifers belobt, unter Umständen sogar belohnt. Ebenso natürlich ist, daß er nur das versüßende Lob in der Erinne­rung behält und die Rüge vergißt, daß er es fernerhin mit Grenzberlegungen leichter und leichter nimmt. Er wird in dieser Hinsicht i..mer fahrlässiger, und schließlich sett er eine Art Stolz darein, die Rücksicht auf die Grenze absichtsvoll außer Augen zu lassen. Jeẞt ist der uniformierte Grenz­frakehler fertig, der zum Schrecken für einen ganzen Bezirk werden kann.

Die Entwickelung ist damit noch nicht abgeschlossen. Der Grenzfrafehler wird von der vorgesezten Behörde nicht mehr belobt, sondern mit recht ernsthaften Verweisen be­dacht, in Strafe genommen und verwarnt. Nur die Kame= raden haben Anerkennung für ihn. Und nun wird er unter dem Einfluß kameradschaftlicher Hetzereien bösartig und gemeingefährlich. Er geht direkt auf Grenzberlegungen aus, überschreitet ohne Scheu die Grenze und nimmt dort Amtshandlungen vor, zu denen er nicht die geringste Be­fugnis besitzt und die offenbare Gewaltshandlungen sind. Er verhaftet auf fremdem Boden und führt die widerrecht­lich Gefangenen nach Rußland hinüber. Er weiß, daß Be­strafung seiner wartet, und dafür will er wenigstens etwas haben. Er fühlt sein Mütchen an den Wehrlosen und ver­übt Erpressungen. Es dauert lange, ehe die Untersuchung beendet ist, und bis dahin kann wer weiß was geschehen.

Die russischen Behörden verhalten sich bei Beschwerden durchaus nicht abweisend, gewähren gegebenen Falles auch Entschädigungen, die nicht allzu knapp bemessen sind. Aber ärgerlich bleiben die Geschehnisse immer, und manches Vor­fommnis findet überhaupt keine Sühne. Jezt sind wieder zwei junge Deutsche an der oberschlesisch- russischen Grenze auf das übelste behandelt worden. Sie wurden durch Drohungen gezwungen, die russische Grenze zu überschreiten, sich in die Gewalt der russischen Grenzer zu begeben. Sie wurden regelrecht ausgeplündert, ins Gefängnis zu Ver­brechern gesteckt und blieben tagelang der Freiheit beraubt. Dann ließ man sie laufen. Bei Myslowig hielt sich der Landrat in der Nähe der Grenze in amtlicher Tätigkeit auf und wurde von russischen Soldaten mit Gefangennahme be­broht. Fast bedauerte man, daß die Drohung nicht wahr­gemacht wurde, weil dann die diesseitigen Behörden mit größerer Entschiedenheit und mit Nachdruck eingeschritten Der Fehler liegt im System der russischen Grenzsperre. Es wäre wenig geholfen, wollte man bei uns die gleiche Sperre einführen. Das verbietet sich schon durch die großen Rosten, die weit hinausgehen über den Nuzen, der etwa aus dem verhinderten Schmuggel entstehen könnte. Wir fönnen Rußland auch nicht zwingen, von seinem Grenzbe­wachungssystem Abstand zu nehmen. Wohl aber wäre es benkbar, daß man Rußland veranlaßt, die Ueberwachung nicht so hart an der Grenze vorzunehmen. Die Schmuggler­verfolgung, die zu hindern wir gewiß feinen Anlaß haben, tönnte dagegen unter Ausnahmen gestellt werden. Es wäre

Fel. Elfe Jüngling wären.

Großh. Hoftheater i. Darmf Unter Mitwirkung der Kaville) hiefigen Infanterie- Regiment Zum 1. Male wiederholt

Mamzelle Nitouch

Banderville Operette von B

benkbar, daß man beispielsweise die Verfolgung des in flagranti ertappten Schmugglers über die Grenze gestattet. Dann wären wenigstens harmlose Personen gegen Belästi­Jungen gesichert und man sparte auf der anderen Seite die Beschwerden und Vergütigungen.

Der Sturm in Russland.

h immer ist alles im Schwanken begriffen. Ün icherheit herrscht auf allen Gebieten, und selbst die Opti misten sind der Meinung, daß noch Wochen vergehen mer den, bis Ruhe und Ordnung wieder eintritt.

Das Ende des Streiks.

Viel wäre ja gewonnen, wenn wenigstens die Beschäfti jung in größerem Maße wieder aufgenommen würde. Aus Petersburg wird gemeldet, daß das Streikkomitee be schlossen habe, heute mittag um 12 Uhr den Streik zu be enden. Findet dieser Beschluß Nachahmung, so würde barin der erste Schritt zur Festigung der Verhältnisse zu jinden sein. Besonders wäre es von allgemeinem Nuzen über Rußlands Grenzen hinaus, wenn der Eisenbahn- und Postverkehr wieder zur Regelmäßigkeit zurückgeführt ker­fen könnte.

Inzwischen freilich ist noch immer über

die Fortdauer der Unruhen

zu berichten, und es sind böse Komplikationen hinzu­getreten, die zur Verschlimmerung der ganzen Lage leicht beitragen können. In einer ganzen Reihe von Provinz­Städten herrscht völlige Anarchie, der Pöbel übt seine Herrschaft aus, und es fehlt auch nicht an Anzeichen, daß Polizeibeamte ihre Hand dabei im Spiele haben und die niedrigen Instinkte gewisser Elemente des Volkes zu ent­fesseln bemüht sind. Zwischen diesen einerseits und Stu­denten und Arbeitern andererseits ist es mehrfach zu Rämpfen gekommen, die dann wieder von der Polizei als Anlaß genommen wurden, gegen Bürger und Arbeiter oszubrechen. In manchen Städten haben die Bürger eine Miliz gebildet und sich bewaffnet, um ihr und der Ihrigen Leben und Habe vor der Plünderung des Pöbels zu ichüßen. Zu Straßenfämpfen und blutigen Vorkommnissen Jeben fortgesetzt die Versuche Veranlassung, die politischen Befangenen zu befreien. Auch das Verlangen nach einer allgemeinen Amnestie wird unter Hinweis auf die Ver­fassungs- Proklamation immer aufs neue laut. Daß das Verlangen nach Garantien zur Durchführung der verhei e- nen Reformen nicht unberechtigt ist, beweist auch das Ver­halten des Generalgouverneurs in Kiew, der einer um Einstellung der Gewalttaten des Militärs bittenden städti­schen Deputation erklärte, er habe das Manifest des Zaren nicht erhalten, und Kanonen auf die ihrer Freude Ausdruck Jebende Menge richten ließ.

Neue Juden- Verfolgungen.

Der entfesselte Mob hat wieder seine Wut vielfach gegen die Juden gekehrt. In vielen Provinzorten sind die Juden­Viertel von bewaffneten und betrunkenen Banden über fallen, verhichtet und ausgeraubt und die unglücklichen Bewohner ohne Unterschied des Alters und des Geschlechts getötet worden. Aus Rostow, Odessa, Kiew, Nowgorod, Chereson und anderen Städten werden derartige blutige Greuel gemeldet, denen das Militär untätig zusah. we..n es sich nicht gar an den Plünderungen beteiligte.

Der Abfall Finnlands.

Auch die lange vorbereitete Revolution in Finnland ge­langt zum Durchbruch. Sie beginnt ebenfalls mit einem' allgemeinen Streit. Schon ist die telegraphische und die Seeverbindung nach Finnland unterbrochen. Dringend ver­langt der Senat die Aufhebung der Diktatur und die Be­rufung des Landtags. Ueberall im Lande bilden sich Bürgergarden, die sich mit den der Gendarmerie abge­nommenen Waffen versehen. Die Entfernung der russi­schen Gendarmen bildet eine Hauptforderung der Finn­länder, und vielfach ist diesem Verlangen tatsächlich ent­sprochen worden. So wird aus Tornea gemeldet:

Bei dem Gendarmeriechef Grafen Ramenski fand sich eine aus 40 Personen bestehende Abordnung ein, die ihn zur Auslieferung der Waffen der Gendarmen aufforderte. Nach kurzer Verhandlung erklärte sich der Chef hiermit einverstanden, worauf alle Waffen der Gendarmen der Abordnung übergeben wurden. Die Gendarmen erhielten außerdem Befehl, auf drei Tage die Stadt zu verlass Auf dieselbe Weise wurde mit der Gendarmerie in Ste verfahren.

Soziales Leben.

Der drohende Generalstreik in Desterreich. Die Eisen bahn- Organisation in Wien beschloß, Delegierte nach dem böhmischen Streifgebiet zu entsenden, um darüber zu ent­scheiden, ob es behufs Durchführung der Forderungen der reifenden Eisenbahner notwendig sei, den passiven Wider­stand auf allen österreichischen Bahnen durchzu führen. Auch der sozialdemokratische Parteitag beschloß nach einem Referat Dr. Adlers, daß nötigenfalls zur Cr­reichung des allgemeinen Wahlrechts der Generalstreik durch. zuführen sei.

Hof und Gesellschaft.

Der König von Griechenland wurde bei seiner Ankunft in Berlin vom Kaiser mit großem Gefolge empfangen und in das Neue Palais bei Potsdam geleitet. Dort fand ein Galadiner statt. Der Kaiser trug griechische, der König deutsche Marine- Uniform. Im Verlauf des Mahls tranfen die Monarchen einander zu und stießen da­bei mit den Gläsern über die Tafel hinüber an.

Heer und flotte.

Ausbau der deutschen Marine. Nach einer halbamt­lichen Mitteilung wird das Deplacement der durch den Marineetat von 1906 anzufordernden Linienschiffe und Banzerfreuzer so groß und ihre Armierung so stark sein, daß diese Schiffe den neuesten Projekten anderer Staaten aleichkommer

Politifche Rundschau.

dal Deutsches Reich.

Der neue deutsche Gesandte für Marokko Dr. Rosen is mit seiner Familie von Genua auf dem Dampfer des Nord deutschen Lloyd Königin Luise" nach Tanger abgereist Der Tampfer, der von Genua über Neapel und Gibraltai nach Newyork fährt, wird auf dieser Reise Tanger an laufen.

* Die demnächst zu erwartende Novelle zum Strafgeset buch soll auch eine Erweiterung der Bestimmungen über den sog. Mundranb bringen. Unter den Begriff des Mund. raubes, der mit geringen Strafen bedroht ist, fällt bisher nur die Entwendung von Nahrungs- und Genußmitteln in geringer Menge oder von unbedeutendem Werte zum als baldigen Verbrauch. Es wird Ausdehnung auch auf di Wegnahme von Heizungsmitteln oder anderen Ge genständen des gewöhnlichen Gebrauchs beabsichtigt. Ver anlaßt wurde die Erweiterung durch manche Fälle, in dene die Aneignung geringer Mengen Holz, Kohlen u. dergl als schwere Diebstähle unverhältnismäßig hoch bestraft wur den. Vorerst veranstaltet die Reichsregierung noch eine Um frage bei den Bundesregierungen, ob die Interessen der In dustrie es zulassen, den Rechtsschutz für die Vorräte von zu gerichtetem Holz und von Kohlen und anderem Feuerungs material zu vermindern, ferner ob die Erweiterung nur au Heizungsmaterial oder auch auf andere Verbrauchsgegen stände, z. B. Beleuchtungsmittel, auszudehnen sei.

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In Gotha fand eine Konferenz von Vertretern del Staatsministeriums mit den Landräten und Bürgermeistern des Herzogtums statt, um über Abhilfe gegenüber der Fleischteuerung zu beraten. Das gothaische Ministerium hat im Inlande und in Dänemark Erkundigungen über die Bezugspreise angestellt und ist bereit, unter gewissen Be dingungen einen Teil der Unkosten auf die Staatskasse zu übernehmen. Die Gemeindebehörden hätten zu erwägen, ob sie durch Bezug von Schlachtvieh und Fleisch für Rech. nung der Gemeinde und durch zeitweisen Verzicht auf ge wisse Gebühren auf die Verbilligung hinwirken wollten. Die Gemeindevertreter waren der Ansicht, daß von der Uebernahme der Unkosten auf Staats- und Gemeindekasse mur dann die Rede sein könne, wenn die übernommenen Kosten den Konsumenten voll zu gute fämen. Sie ver. sprachen, zu untersuchen, ob Fleischer oder Kaufleute durch Vermittelung der Gemeindebehörden den Ankauf von Schlachtvieh und Fleisch übernehmen und zu entsprechend billigeren Säßen abgeben wollen. Für die in Thüringen Herrschende Teuerung ist der Umstand bezeichnend, daß in­folge der höheren Roggenpreise und des durch die Fleisch­not gesteigerten Brotkonsums sämtliche Bäcker in Erfurt eine allgemeine Erhöhung der Brotpreise beschlossen haben. Die Einberufung des deutschen Städtetages nach Berlin findet wahrscheinlich zum 27. November statt.

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Ein Aft deutscher Höflichkeit gegen England ist geeignet, die durch Delcassés Intriguen unzweifelhaft hervorgerufene Spannung zu vermindern. Die deutsche Regierung hat ihre zwischen Petersburg und Kiel verfehrende Torpedozer­störerflottille auch der britischen Regierung für etwaigen Depeschendienst zur Verfügung gestellt, und das Foreign Die Tor­Office hat das Anerbieten angenommen. pedoflottille S. 120 bis 124 erhielt in Memel den Befr Die Fahrt fortzusetzen und dampfte nach furzem Aufen nach Petersburg ab; der Turbinenkreuzer Lübeck" solgte. An Bord befindet sich der deutsche Militär- Attachee Hinze. Oefterreich- Ungarn

** Eine große Kundgebung zugunsten des allgemeinen Wahlrechts führte zu Unruhen in Prag. Die Demonstration war von sozialdemokratischer Scite veranlaßt. Mehr wic 2000 Personen zogen vor i deutsche Kasino, stießen dort Schmährufe gegen die denten Abgeordneten aus und warfen die Fenster ein. Die Polizei zerstreute die Teil­nehmer und nahm mehrere Verbaitunaen vor.