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Preussifcher Landtag.

Herrenhaus.

RK Berlin, 1. Juli. ( 47. Sigung.) Das Haus ist nur schwach besucht. Von Zizewijagenow berliest zwei Berichte über Rechnungssachen und Staats. einnahmen. Die Berichte werden debattelos durch Erheben bon den Sitzen genehmigt. Präsident Fürst Knyphausen berliest den Tätigkeitsbericht des Herrenhauses für die ab­gelaufene Session. Reichsbankpräsident Koch spricht dem Fürsten zu un- u. Knyphausen den Dank des Hauses aus für die Geschäftsführung. Darauf schließt der Präsident mit Dankeswerien und dreimaligem Hoch auf den König die Sizung.

Haus der Abgeordneten.

RK Berlin, 1. Juli. ( 195. Sigung.) Die Abgeordneten sind in sehr großer Zahl erschienen. Das Ereignis des Tages sind die Eröffnungen des Ministers von Budde über die Reform der Personentarife. Der Mi­nister führt aus, von einer Verteuerung könne keine Rede sein. 15,5 Millionen Ausfall sei der Effekt dieser Reform, und diese würden langsam hercingebracht werden, nicht von der dritten und vierten, sondern von der ersten Klasse. Dem­gemäß soll auch ein Zuschlag nur für die internationalen Schnellzüge erheben werden, nicht für diejenigen, die nur lokalem Verkehr dienen. Als das Beste der Reform betont Herr von Budde die soziale Seite": Keine schlechten Zug­verbindungen, feine schlechten Fahrpläne und feine schlechte Ausstattung der verschiedenen Klassen werden sich zeigen. Die Rückfahrkarten sind aufgehoben worden, weil sie die Quelle und Veranlassung zu Betrügereien bildeten. In Süd­deutschland hat die Reform Opfer gefordert, größer als für Preußen, und da mußte man dem Süden entgegenkommen. Die Debatte ergibt die Zustimmung aller Parteien mit Aus­nahme des Freisinns. Mit dem Dank an das Präsidium und dem dreimaligen Hoch auf den Monarchen wird die letzte Sigung geschlossen.

Schluß der Session.

Um 5 Uhr versammeln sich die Landtagsabgeordneten und die Herrenhausmitglieder noch einmal zu einer gemein­samen furzen Sitzung im Herrenhause. Ministerpräsident Fürst Bülow verliest eine fönigliche Botschaft, durch welche die Session für geschlossen erklärt wird. Mit dreimaligem Hoch auf den Landesherrn gehen die Abgeordneten ausein­ander.

Nab und Fern.

Verkehrsstörungen infolge von Hite. Eine Gluthize brütete dieser Tage über Berlin, und in den großen Städten werden 43 Grad Celsius, die das Barometer stellenweise aufwies, ganz anders verspürt, wie anderswo. Vielfach wurde das Asphalt- Pflaster so weich, daß schwere Gefährte stecken blieben. Die Wagen der Straßenbahn mußten am Opernplatz von Pferden über die Linden gezogen werden, da die dort zur Benutzung gelangenden unterirdischen Stromabnehmer, die sogenannten Pflüge, wegen der unter der hohen Temperatur eingetretenen Dehnung der Schie­nen nicht mehr in den Kanal der Unterleitung hinunter­gelassen werden konnten. Ein ganz eigenartiges Bild bie ten die Hunde, die auf der Straße zum Schutze der Augen gegen das grelle Sonnenlicht blaue Brillen tragen.

Einjährig- Freiwilliger auf Grund von Erfindungen. Dem Sohn eines Bäckers in dem holsteinischen Badeorte Borby ist das Recht zum Dienst als Einjährig- Freiwilliger auf Grund von zwei Erfindungen zuerteilt, die in Deutsch­land, England, Dänemark, Frankreich und Rußland pa­tentiert sind. Sie betreffen einen selbsttätigen Paketschrank und einen Federhalter mit einer eingeschlossenen Reini­gungsvorrichtung für die Schreibfeder. Der junge Erfinder ist als Buchhalter in einem Geschäft angestellt.

Eine elfjährige Selbstmörderin. In Erfurt ging vor ein paar Tagen die elfjährige Tochter eines Witwers ins Wasser. Der Vater der Kleinen, ein Handelsmann, der sich viel auf Reisen befand, ließ seine Haushälterin an dem Kinde Mutterstelle vertreten. Das unmenschliche Weib miß­handelte das ihr onvertraute Wesen in so schrecklicher Weise, daß das Mädchen das Leben nicht mehr ertragen konnte.

Tod durch Eisenbahnunfail. Auf der Station Dirschau fuhr Ende voriger Woche ein Rangierzug im Nebel gegen den Prellbock. Die Maschine stürzte die hohe Böschung hinab und begrub unter sich den Lokomotivführer und Heizer. Der Heizer starb auf dem Wege nach dem Kranken­hause. Der Lokomotivführer, dem die Brust verbrüht und beide Beine gebrochen wurden, liegt hoffnungslos dar nieder.

Teilnehmer fiel, über und über zerstochen, in Ohnmacht, andere bekamen Brechanfälle. Einer der Geistlichen konnte sich nur dadurch vor den rasenden Insekten retten, daß er ins Wasser flüchtete. Endlich gelang es einem Imker, die Bienen zu beruhigen.

Der Blitz als Mörder. Bei Machtolsheim im Württem bergischen wurden zwei Frauen, die auf der Landstraße 200 Meter voneinander entfernt gingen, von einem und dem selben Blize getroffen und auf der Stelle getötet.- Bei einem Gewitter, das sich kürzlich über die pommersche Ort­schaft Polzin entlud, fuhr der Blitz in die Kirche. Der dori weilende Küster, sowie zwei Kinder wurden erschlagen, meh rere andere Personen wurden gefährlich verletzt.

Selbstmord wegen der Schwiegermutter. Ein Kauf­mann aus Wesel reiste dieser Tage nach Witten, um seine dort bei ihrer Schwiegermutter weilende Frau zur Rückkehr in sein Haus zu bewegen. Als die Frau sich weigerte, trank der erboste Mann Lysol und erlag bald darauf seinen Ver­Tegungen.

Bankraub in Wien. Internationale Gauner haben der Wiener Länderbank einen Besuch abgestattet und dabei 20 000 kronen erbeutet. Einer der Täter wurde verhaftet, er trug einen Baß bei sich auf den Namen James Patrid Howard, Privatier aus London. Er hatte nur eine geringe Barschaft bei sich. Sein Komplize ist mit dem Raub ent­kommen.

Das Unglücks- Fahrzeug. Auf einer Chaussee in der Nähe von Altwasser wurde vor einigen Tagen ein Schlosser. der von der Arbeit nach Hause ging, von einem Automobil überfahren. Der Mann war auf der Stelle tot.

Ein ganzes Dorf abgebrannt. Das Dorf Fang, an der ostpreußisch- russischen Grenze belegen, ist vor kurzem böllin eingeäschert. Es sind dort 348 Häuser niedergebrannt, und über 400 Familien sind obdachlos.

Eine verhängnisvolle Hochzeit. In Schadeck im rus­fischen Gouvernement Kalisch wurden bei einer daselbst dieser Tage gefeierten großen Bauernhochzeit 34 Personen durch denaturierten Alkohol vergiftet. Eine Anzahl sind alsbald gestorben, die übrigen liegen hoffnungslos darnieder.

Wütende Bienen. In Alt- Rognitz in der Nähe der böh mischen Stadt Trautenau wurde am Frohnleichnahmstage eine Prozession von Vienen überfallen. Die wütenden Tiere Sprengten den ganzen Zug auseinander, eine Anzahl der

Schluss des preufsifchen Parlaments. CB Berlin, 1. Juli.

( Eig. Bericht.)

Nach 195 Sigungen des Abgeordnetenhauses, nach 47 Sizungen des Herrenhauses ist der preußische Landtag in ge­meinschaftlicher Sitzung beider Kammern geschlossen worden. Die Session ist, wie schon aus der angegebenen Zahl der Sigungen hervorgeht, von ungewöhnlicher Ausdehnung ge= wesen, und beide Häuser haben sich an den gesetzgeberischen Arbeiten mit großem Fleiß beteiligt. Ein wesentlicher Teil der parlamentarischen Aufgaben ist an den Reichstag über­gegangen, der deshalb für das öffentliche Interesse in der vordersten Reihe steht. Wenn es aber auch vorzugsweise der Reichstag ist, in dessen Hallen um der Menschheit große Gegenstände, um Herrschaft und um Freiheit gestritten wird," so sind die Einzellandtage doch weit von Bedeutungs­Tosigkeit entfernt: ja man fann wahrnehmen, daß ihr An­sehen und ihr Einfluß neuerdings wieder gestiegen ist. Die Politik des Reiches wird manchmal recht merklich von den Einzelstaaten und Einzellandtagen aus bestimmend beein­flußt. Während sonst wohl die Neigung bestand, den Kreis der Reichszuständigkeit zu erweitern, zum mindesten aufzu= füllen, ist gegenwärtig eine andere Strömung bemerklich und ein anderer Wille: der Wille nämlich, die Zuständigkeits­grenzen der einzelstaatlichen Gesetzgebung und Besteuerung eher auszudehnen, jedenfalls nicht ferner einschränken zu lassen. In zahlreichen Erörterungen zeigte sich das, die, namentlich im Herrenhaus, hinsichtlich der kommenden Reichsfinanzreform und der damit zusammenhängenden Steuerfragen gepflogen wurden. Gegen eine Reichs= erbschafts- und gegen eine Reich sein kommen- ste u er wurde fräftig Einspruch erhoben; und man wird mit der Annahme nicht fehlgehen, daß andere Landtage dem beipflichten werden. Die Feststellung der Uebereinstimmung zwischen Regierung und Landtag, die Berggesetzgebung unter Landestoheit zu halten, bildete den Schlußafford der ganzen zurückliegenden Session, das Siegel auf die nach manchen Disharmonien erneuerte Eintracht. An dieser Ein­tracht war bei Beginn der Session nicht wenig zu flicken. Die Kanalvorlage, zweimal verworfen, war zum drittenmal wiedergekehrt, iegt in so veränderter Gestalt, daß die Zustimmung erteilt werden konnte. Damit war ein ärgerlicher Konfliktsstoff in befriedigender Weise aus der Welt geschafft, und die versöhnten Barteien fanden den Boden zu gemeinfomer Weiterarbeit geebnet. Das ging ganz gut, bis die Bergwerfsfragen auftauchten, deren innerliche Verwickelung zur Stunde noch nicht ar durchschaut ist. Der gescheiterte Versuch, die Mehrzahl der Hibernia- Aktien von Staats wegen zu erwerben, der dann mit dem Ankauf eines fleineren Teils dieser Aktien endete, hatte eine Verstimmung der Bergwerksbesitzer gegen die Bergwerksverwaltung zurückgelassen. Diese Verstimmung machte sich bei dem Streik im Ruhrgebiet recht lästig bemerk­lich und trug dazu bei, die Bemühungen der Regierung zur Herbeiführung einer Verständigung zu vereiteln. Daraus wieder entsprang für die Regierung die Notwendigkeit, ein­seitig gesetzgeberisch vorzugehen. Die Bergarbeiterschutz­novelle war das Ergebnis. Daß diese zur Verabschiedung gebracht wurde. cchört zu den dauernden Verdiensten der abgelaufenen Session, die auch sonst auf sozialem Gebiet Her­vorragendes geleistet hat. Wir rechnen dazu die Bewilli­gung von 15 Millionen Mark zu Arbeiterwohnun= gen und die Annahme des von dem Grafen Douglas ge­stellten Antrags auf Einrichtung eines Volkswohl= fahrtsamts. Geregelt wurden die Lehrerbesoldungen, der Abschluß eines Gebietsaustausches mit Bremen, der der alten Hansastadt freundnachbarlich die Erweiterung ihrer Hafenanlagen ermöglicht. Ein freundlicher Ausklang war es, daß Eisenbahnminister von Budde in der letzten: Sitzung des bgeordnetenhauses die Befürchtungen zer­streuen konnte, die an einige Angaben über die geplante Personentarifreform geknüpft hatten.- Ende gut, alles gut.

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Hof und Gesellschaft.

Der Kaiser besuchte von Travemünde aus den Rittergutsbesiker Hauswald auf Rosenhagen, der auch zur Frühstückstafel bei dem Kaiserpaar auf die Hohenzollern" geladen wurde. Dort ist auch der Prinz Karl Anton von Hohenzollern eingetroffen, der von seiner Reise auf den ost­asiatischen Kriegsschauplatz zurückgekehrt ist. Bei dem Ren­nen der Schooner- Kreuzer ist der Kaiserpokal zunächst nicht zur Vergebung gelangt, da die in Frage kommenden Fahr­zeuge teils Fehler gemacht, teils nicht die genügende Zeit herausgesegelt hatten. Der Kaiser hat das an ihn gelangte Telegramm, das ihm die englische Abordnung zum Studium städtischer Einrichtungen bei ihrer Abreise aus Deutschland zugehen ließ, auf das Freundlichste beantwortet.

Feer und flotte.

Hus den Parlamenten.

- Der Vorsitzende der konservativen Fraktion des preu­Bischen Abgeordnetenhauses Graf Limburg- Siirum bat sein Landtagsmandat niedergelegt. Sein Reichstagsmandat ge­denkt Graf Limburg- Stirum zu behalten. Als Nachfolger im Vorsitz der konservativen Landtagsfraktion wird Gras Wartensleben- Nogäsen genannt.

Kunft und Wiffenfchaft.

if Shakespeare- Aufführung im Freien. Eine nette Idee hat in London der Theaterunternehmer Patrick Kirwa ver­wirklicht, indem er den königlichen Botanischen Garten zur Szene einer idyllischen Theateraufführung verwandelte. Auf diesem weichen Rasenteppich, unter dem Dach dicht­belaubter Bäume wurde Shakespeares Sommernachts­traum" aufgeführt Die Wirkung war ganz vortrefflich.

Der Großadmiral in der deutschen Flotte. Durch die Ernennung des Chefs der aktiven Schlachtflotte und General­Inspekteurs der Marine Admirals von Köster zum Groß­admiral ist eine neue Charge in der Marine geschaffen wor­den.

Bisher hat die deutsche Marine einen Großadmiral nicht besessen. Der Großadmiral besitzt den Rang eines Generalfeldmarschalls. Die Dienstabzeichen sind zwei ge­freuzte Admiralstäbe auf den Achselstücken und eine schmale Goldtresse auf dem Aermelbesatz. Die Flagge des Groß­admirals zeigt die gekreuzten Admiralstäbe in der weißen Admiralsflagge mit dem aufrecht stehenden Eisernen Kreuz.

mh Neue Rockefeller- Stiftungen. John Rockefeller hat der Unterrichtsverwaltung der Vereinigten Staaten zehn Mil­lionen Dollar, zahlbar am 1. Oktober dieses Jahres, zur Förderung des höheren Unterrichts in den Vereinigten Staaten zur Verfügung gestellt.

Die Abschaffung der blanken Säbelscheiden im deutschen Heer. Eine kaiserliche Kabinettsorder bestimmt, daß in Zukunft alle Degen- und Säbelscheiden dunkel gefärbt werden. Es ist damit ein weiterer Schritt in der Nichtung getan, allmählich die weithin sichtbaren Farben und blitzen­den Metallteile der Uniform abzuschaffen.

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Vermischtes.

[ Der größte Bahnhof der Welt.] Der zurzeit im Bau befindliche Zentralbahnhof von Leipzig wird eine Front­länge von 300 Meter erhalten und damit alle bisherigen Bahnhöfe der Welt überholen. In der Eingangshalle sollen die Fahrkartenausgabe- und die Gepäckannahmestellen nach preußischen und sächsischen Linien getrennt eingerichtet wer­den. Die Straßenbahn wird dicht an die Bordkante geleitet. Für 222 Droschfen werden Haltestellen eingerichtet. Ein­zelne Straßen in der Nähe werden um mehrere Meter ver­breitert.

[ Kneipp- Kuren in alter Zeit.] In einer wissenschaft­lichen Gelegenheitsschrift hat Professor Ebstein- Göttingen jüngst eine Vorgängerin der Wasserkur à la Kneipp aus dem 12. Jahrhundert festgestellt. In einem aus jener Zeit stammenden französischen Gedicht, betitelt Das Cour machen der Liebenden", findet sich folgender Vers:

Ich erhob mich früh am Morgen,

Um in ganz nackten Füßen im Tau Mich zu ergößen, ging ich nach einer Wiese, Die Aerzte sagten, daß dies gesund ist.

Auch aus dem 13. Jahrhundert sind Verse nachge. wiesen, die beweisen, daß die nassen Promenaden damals schon als Medizin galten. Sie lauten in der Uebersetzung cus dem Französischen:

Sie ist von da in ihren Garten gegangen, Mit nackten Füßen geht sie durch den Tau; Mit einem Belze war sie bekleidet, Und einen großen Mantel hatte sie über. Und der Priester usw.

,, Dame," sagte er ,,, guten Tag!

Warum sind Sie denn so früh aufgestanden?" ,, Herr," sagte sie, der Tau

Sit gut und gesund in dieser Zeit, Und er ist eine sehr große Erleichterung, Das sagen die Aerzte."

Denkmalsfeier in Lich.

Lich, 2. Juli.

Die Enthüllungsfeier des Denkmals weilend Sr. Durch­laucht des Fürsten Ludwig zu Solms- Hohensolms- Lich fand heute Nachmittag 3 Uhr statt. Der Großherzog, welcher zur Feier erwartet wurde, hatte telegraphisch seine Verhinderung mitgeteilt. Die Großherzogin traf um 230 mit dem Personenzug über Gießen ein und wurde am Bahnhof vom Fürstlichen Paare empfangen und von einer großen Voltsmenge begrüßt. Um 3 Uhr wurde an der Turnhalle der Festzug aufgestellt, an dem sich die Ehren­jungfraueu, das Denkmalfomitee, der Stadtvorstand, die Geistlichen, Lehrer und Bürgermeister des Solms- Licher­Landes, die hiesigen Vereine, die Präparanden- Anstalt und die Schulklassen beteiligten. Dann erfolgte der Zug durch die Stadt. Unterdessen hatten sich die roßherzogin, die Fürstliche Familie, Prinz Ludwig, Brinz Reinhardt, Graf Lynar, Graf Dohna, Graf Karl von Solms- Laubach am Dentmal eingefunden und in dem vor dem Denkmal errichteten Baldachin Plaz genommen. Als Vertreter der Regierung wohnte auch Provinzialdirektor Geheimrat Dr. Breidert­Gießen der Feter bei. Um 32 Uhr traf der Festzug am Denkmal ein. Nach dem gemeinsamen Lied" Ene fefte Burg ist unser Gott" trug der Gesangverein Cäcilia" den 121. Psalm vor. Danach hielt Stiftdechant Klingelhöffer die Festrede, worin er das Leben, die Bedeutung und das Wirken des Fürsten Ludwig schildert. Er wurde am 24. Juni 1805 geboren und war von 1828-1880 Fürst. Bei dem Könige Friedrich Wilhelm IV. und späterem Kaiser Wilhelm I. stand er in hohen Ehren. Wegen seiner staats­männischen Klugheit wurde er oft zu Rate gezogen. 1838 wurde er Mitglied des preußischen Staatsrats, 1861 hielt er bei der Krönung Wilhelm I die Huldigungsrede des Adels. Theologische Herren wie Harnad, Stadt, Stöcker u. a. waren ost seine Gäfte. Er übte große Mildtätigkeit und rief u. a. das hiesige Hospital ins Leben. Redner schließt mit den Worten: Wer den besten seiner Zeit genug getan, der hat gelebt für alle Zeiten." Fürst Karl übernahm dann das Denkmal mit den Worten:" Ich übernehme dieses Denkmal, das für meinen Großoheim errichtet ist und gebe meiner Freude Ausdruck darüber, daß die Bevölkerung von Lich und dem Solmser Land einen so großen Teil zur Er­richtung des Denkmals beigetragen hat. Tas ist ein höchst erfreulich Zeichen dafür, daß das seit Jahrhunderten be stehende Band zwischen meiner Familie und der Bevölkerung der Standesherrschaft auch heute noch besteht und ferner be­stehen wird. Ich bitte, das Denkmal zu enthüllen." Die Kapelle der 116er spielte den Ernst Ludwig Marsch. Nach dem Gesang d. Wänner quartetts" und dem gemeinschaft­lichen Liede Deutschland über Alles" erfolgte der Abmarsch des Feftzugs nach dem Hardtberg, wo bei Konzert und Tanz Volksfest stattfand. Die Herrschaften begaben sich in das Schloß, wohin auch die Pfarrer, Lehrer, Bürgermeister des Solmser Landes, sowie das Festtomitee und der Stadt­

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