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ΛΑΓΓΕΣ Zusatz

16 mal prämiirt. feinstem Geschmack und schönster Farbe, daher sparsanster im Gebrauch.

Stadt- Cheate

Giessen. ir.: Hermann Steingo Dienstag, den 31. Otto

Cheater- Verein

Vorstellung.

Nr. 257

Insertionspreis: Die einspaltige Petitzelle für ganz Ober­Seffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg. Reklamen bie Petitzelle 30 refp. 40 Bfg.

Rebattion u. Haupterpedition: Gießen, Seltersweg 88. Fernsprechanschlak Nr. 362.

Mittwoch, den 1. November 1905.

Gießener

14. Jahrgang

Abonnementspreis: abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährl. Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblaff)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeifung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Deutsch- amerikanischer Handelsvertrag

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Ein Interview mit dem Fürsten Bülow.

Der Reichskanzler Fürst Bülow hat dem Berliner Ver­treter des amerikanischen Presse- Verbandes, Herrn Elmer Roberts, eine Unterredung gewährt, in der er den Stand­punkt des Deutschen Reiches zu dem Handelsvertrage mit den Vereinigten Staaten von Nordamerika darlegte.

Der Reichskanzler wies zunächst darauf hin, daß der alte Bolltarif von 1879 mit Rücksicht auf die deutsche Landwirt­schaft habe abgeändert werden müssen. Diese im Tarif von 1902 zum Ausdruck gebrachte Tendenz sei dem Abschlusse neuer Handelsverträge durchaus friedlich, wie sich aus dem Abschlusse einer Reihe neuer Handelsverträge ergebe. Das deutsche Handelsabkommen mit Amerika vom Jahre 1900 ist, wie der Reichskanzler weiter ausführte, ausdrücklich auf die alten Zollsäge gestellt. Daher verliert mit dem 1. Ja­nuar 1906, dem Tage des Inkrafttretens der neuen Zoll­sätze, das Abkommen seine Grundlage, und es muß gerün­digt werden. Selbstverständlich habe die deutsche Regierung den aufrichtigen Wunsch, mit der Wegierung der Vereinigten Staaten zu einer neuen Verständigung zu gelangen. Der Botschafter Speck von Sternburg, der in den nächsten Tagen auf seinen Posten in Washington zurückfehrt, wird, wie Fürst Bülow erklärte, der amerikanischen Regierung entsprechende Vorschläge vorlegen. Ueber die Tendenz dieser Vorschläge ließ sich der Reichskanzler wie folgt vernehmen:

Unsere Anträge werden sich in einem nach unserer An­sicht durchaus erfüllbaren Rahmen halten, und wir werden sicherlich mit keiner Forderung an die amerikanische Regie­rung herantreten, die ein Lebensinteresse des dortigen Wirt­schaftsorganismus verlegt. Mir scheint, daß die Inter­essenten auf beiden Seiten bald ihre Wünsche zu hoch spannen, bald in ihren Befür.htungen zu weit gehen. Die beiden Regierungen sind cher in der Lage, das Mög­liche und Erreichbare abzumessen. Wir glauben daher zu­bersichtlich, daß sich zwischen dem amerikanischen und dem deutschen Standpunkte durch Entgegenkommen von beiden Seiten ein gerechter und billiger Ausgleich finden lassen wird.

Für die zweckmäßigste Förderung des Werkes schlug Fürst Bülow einen offenen Meinungsaustausch zwischen sol­chen Männern beider Länder vor, die auf dem Gebiete der Zoll- und Tariffragen hervorragend erfahren sind. Eine freundliche Aussprache und ein Kennenlernen des Stand­punktes des anderen Teils wirkt, wie Fürst Bülow mit Recht bemerkte, immer versöhnlich und förderlich. Vielleicht würde man auf diese Weise am sichersten und schnellsten zu einer Verständigung gelangen.

Mit der nochmaligen Versicherung, daß er diese Verstän­digung aufrichtig wünsche, schloß der Reichskanzler seine Darlegungen.

Der Zar giebt nach!

kland soll eine Verfassung nach westeuropäischem Muster erhalten. Das ist der kurze Sinn des Manifests, das Bar Nikolaus II. der drohenden Revolution als Be

Theater- Verein Gießen.

Der Graf von Charolais. Trauerspiel in 5 Aften von Richard Beer- Hofmann.

Schwer ist der Tritt des Grafen von Charolais und sein Weg bestimmt. Er weicht nicht ab und wenn er durch Dornenschläge und freudlose Lebenswüsten geht, er muß ihn geyen, er muß, er fann nicht anders, alle praktischen Be­ftimmungsgründe treten zurück, ihn bestimmt nur der fategorische Imperativ und das macht ihn groß und erhaben, erfüßt aber auch sein Leben mit tiefer Tragit.

sänftigungsmittel entgegenhält. Der explosive Ausbruch des Volksverlangens, der in den letzten Tagen das Zaren­reich in seinen Grundvesten erzittern ließ, hat den passiven und aktiven Widerstand gegen die Gewährung zeitgemäßer Reformen am Kaiserhofe hinweggefegt. Ob allerdings die entfesselte Leidenschaft der Massen und die Wünsche der extremen Intellektuellen sich ganz zufrieden geben werden mit diesem späten Einlenken, muß abgewartet werden. Die Meinungen und Auffassungen über die Wirkung des Mani festes sind geteilt, obwohl in den drei Leitsätzen, im Geren satz zu den bisherigen Maßnahmen, viel, recht vie! ver sprochen wird.

Das Manifest.

Es heißt nach der üblichen Einleitung, in der ein ic blick auf die Ereignisse geworfen und der Schmerz des Volkes als der Schmerz des Herrschers bezeichnet wird, in dem Manifest wörtlich:

Wir legen der Regierung die Pflicht auf, wie folgt unseren unbeugsamen Willen zu erfüllen: 1. der Bevölke­rung die unerschütterlichen Grundlagen der bürgerlichen Freiheit zu verleihen, die gegründet ist auf die Unver­lezlichkeit der Personen, die Freiheit des Gewissens, der Rede, der Versammlungen und Vereinigungen; 2. ohne die früher angeordneten Wahlen für die Reichsduma cuf zuschieben, zur Teilnahme an der Duma in dem Maze, als es die Kürze der bis zur Einberufung der Duma roch ablaufenden Zeit gestattet, die Klassen der Bevölkerung zu berufen, welche jetzt der Wahlrechte völlig entbehren, wobei sodann die weitere Entwickelung des Grundsaves des allgemeinen Wahlrechts der neuerdings begründeten gesetzgeberischen Ordnung der Dinge überlassen wird, d 3. als unerschütterliche Regel aufzustellen, daß kein set in Kraft treten fann ohne Genehmigung der Rei duma und daß den Erwählten des Volkes die Möglich it der wirklichen Teilnahme an der Ueberwachung der 2- seglichkeit der Handlungen der von uns ernannten: e- hörden gewährleistet wird.

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Wenn das alles erfüllt wird, dann würde bei auf:- tigem guten Willen der Regierenden sich allmählich vielleicht das öffentliche Vertrauen ihnen wieder zuwenden. er wird es so sein? Zu oft ist den schönen Worten die bittere Enttäuschung gefolgt, so daß nur ein glücklicher Optimis­mus sich unbeschränkt der Hoffnung auf eine bessere Zu­funft hingeben kann. Es lebt im russischen Volke troz alledem und alledem erfreulicherweise dieser Optimismus.

Eine hoffnungsvolle Stimme.

So erhält die Deutsche Reform- Korrespondenz" v- n einem hervorragenden Mitgliede der in Berlin lebenden russischen Kolonie folgende Meinungsäußerung:

Die russische Revolution ist beendet- Zar Nikolaus II. hat sie durch weise Nachgiebigkeit besiegt. Es war hohe Zeit, daß es geschah. Der Zar, der sich dazu entschlossen, die Räte, die ihm den Entschluß eingegeben, haben sich um Rußland und um die Dynastie der Romanows im höchsten

über, der sie in den Bann des Verführers zwingt. Am Raminfeuer tommt es zu einer hochdramatischen und fein finnig gearbeiteten symbolischen Szene: der Chebrecher, der das Feuer schürt, verbrennt sich die Hand. Desiréz ver bindet sie ihm und folgt ihm dann in ein Kupplerhaus. Dort findet der Graf Charolais das Paar. Den Verführer erwürgt er sofort, während er Desirée vom eigenen Vater zum Tode verurteilen läßt. Mit eigener Hand vollzieht die Verurteilte das Verdikt und inachdem Graf Charolats den Sohn der Obhut des erprobten Freundes übergeben hat, ftürzt er hinaus in die Welt- ein haltloser Mann, ein Mann, dem der Glaube an Liebe und Treue zerstört wurde.

Maße verdient gemacht. Denn diese Dynastie war in äußerster Gefahr. Das russische Volk trennt sich nur schwer bon der seit Jahrhunderten überlieferten Loyalität gegen­über dem Herrscherhaus- doch die Zeit des Selbstherrscher­tums war um, war unwiderruflich dahin, und wer sie halten wollte, der wendete den Zorn des Volkes nicht von der alten, überholten Einrichtung ab, sondern gab in deren Träger dem Volkszorn ein neues Ziel.

Es ist nirgend gesagt, aber man fann vermuten, mer dem Zaren den guten, den allein möglichen Rat gegeben hat. Pobjedonoszew war es nicht. Der hat sich, wie immer, in Zeiten der Gefahr, feige versteckt und sich für todkra.ik ausgegeben, damit die Volkswut ihn vergesse oder scho:: e. Graf Witte hat den Mut gehabt, dem Zaren zu empfehlen, daß er die Revolution zerbreche, indem er sich an ihre Spitze stelle. Und Zar Nikolaus hat den Mut gehabt, diesem mutigen Rat zu folgen. Vor mehr als sieben Monaten hat Zar Nikolaus, den Einflüsterungen Pobjedonoszews ge­horchend, die Einrichtung einer Reichsduma verheißen, die dem Selbstherrschertum feinen Eintrag tun sollte. Die Reichsduma war die Karikatur eines Parlaments. Cie sollte öffentlich nur reden dürfen, wenn sie befragt wurde; sie sollte nichts beschließen, nur raten dürfen, und niemand war gehalten, auf ihren Rat zu hören. Eine Wahlordnung, von Pobjedonoszew und seinen Kreaturen entworfen, ließ nur wenige Wahlprivilegierte bestehen und stellte die Pri­vilegierten unter die Drohung administrativer willkür, wenn sie von ihrem Privileg mißfälligen Gebrauch machten. Zar Nikolaus erkannte, daß man ihn betrogen hatte, als man ihm das Festhalten am selbstherrscherlichen Regi­ment empfahl, als man ihn verleiten wollte, zu dulden, daß an seinem eigenen fürstlichen Wort gedreht und gedeutelt wurde, bis sein ganzer Zuhalt verschwunden war. Zar Nikolaus hörte endlich auf den Mann, der ihm lange Zeit ein unbequemer Mahner und ein verförperter Widerspruch geworden war. Er tat das Kliigste, was getan werden, das Einzige, was noch retten konnte: er sagte unumwunden dem Absolutismus ab und gab Rußland eine Repräsen­tativ- Verfassung, dem russischen Volk Grundrechte

Das ist ein ungeheurer Fortschritt. Unter den obwaltenden Umständen war es ein großes Wagnis, wenn auch ein notwendiges, und es ist vollkommen geglückt. Das russische Volk hat für das unwiderrufliche Verfassungsgeschenk, das ihm der Zar gemacht, und für den Wert dieses Geschenks volles Verständnis gehabt und sofort ein Gegengeschenk dargebracht, indem es zur Ruhe zurück­fehrte, die Ordnung herstellte, sein Vertrauen kundgab. Der Ausstand der Eisenbahner war sofort beendigt. Der Bahn­verkehr zwischen Moskau und Petersburg, Moskau und Archangelsk war plöglich wieder im Gange. In Warschaut, wo der Aufruhr in wildester Form geherrscht, war Verbrü­derung eingefehri.

Gewissensfreiheit, Fedefreiheit, Versammlungsfreiheit, Koalitionsjre it. Unante rfeit der Person hat der Zar den Russen geer, er hat den Russen damit zum Menschen gempor

er alles auf dem natürlichen Wege erreicht hätte. Der Dichter hat sich aber anders entschieden und auch so etn Wert geschaffen, daß Anerkennung verdient. Die Handlung geht ständig vorwärts und die einzelnen Szenen find start bewegt und zumeist meisterhafte Feinarbeit von poetischem Hauche umfächelt, ohne in die verflachende und ablenkende Meiningerei zu verfallen.

Mit feinem Tattgefühl hat die Regieführung des Direttor Steingoetter es verstanden, den stimmungs­vollen Rahmen zu geben. Den Preis des Abends trug Hermann Leffler vom Wiesbadener Hoftheater davon, der den Grafen von Charolais in echt fünstlerischer Weise in einem Guß vorführte. Trotzdem die Rolle mit ihrem schweren und heißen Blute die höchsten Anforderungen, namentlich in der Schattierung der Uebergänge, an den Darsteller stellt, fand er stets den richtigen Ton und Ausdruck. Würdig an seiner Seite ftand Lily Donecker, die in ihrer Desirée ein verständnisvolles, feinnuanziertes Spiel gepaart mit vor­nehmer Zurückhaltung entfaltete, sodaß das Publikum sie durch Blumen noch besonders ehrte. Den Hauptmann Rochefort zeichnete Otto Steinmann mit kräftigen ein­drucksvollen Strichen, nur gab er sich manchmal etwas zu

Herrn Hermann Leift, will den Gläubigern seine Freiheit zum Pfande geben technische des einfachen Dramas hinausfällt. Wenn während früh aus. Reinhold Lüttjohanns Philipp war mit

Gastspiel

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bom Hoftheater in Wiesbabe

Der Graf von

Charolais.

Trauerspiel in 5 Aften vor Beer Hofmann.

Sein Vater, der General von Charolais, ist gestorben, arm gestorben, ja mehr als das: er hat sich, während er dem Lande Provinzen und Frieden gewann, nicht einmal die paar Quadratfuß Erbe erworben, um darin den letzten Schaf zu schlafen, er ist verschuldet und harte Gläubiger schließen seine Leiche in den Schuldturm und verweigern das Be­gräbnis. Bergeblich bietet der Sohn, der mit reiner, heißer Kindesliebe am Vater hängt, alles auf, den Leichnam zur Bestattung herauszubekommen, die Gläubiger bleiben un­gerührt. Vor dem Parlamentsgerichtshofe macht der Graf bon Charolais den letzten Vorschlag: er, der jung und start und für die Verpflichtungen des Vaters im Schuldturm bürgen. Dieser Opfermut schlägt auf den Präsidenten, er sagt gut für die Forderungen und nimmt den jungen Grafen bon Charolais als Sohn in sein Haus. Drei Jahre ver­fließen. Als wir den Grafen von Charolais wiedertreffen, hat er die Tochter des Präsidenten, die liebretzende Desirée, als Gattin heimgeführt und ist Vater eines Kindes. Die The ist eine sehr glückliche. Da tritt ein früherer Liebhaber, Philipp Rochfort, ihres Vaters Neffe und Mündel wieder Defiées Leben. Obwohl sie ihn niemals begünstigt hat, ein starter magnetischer Strom von ihm auf sie

Mit furchtbarer dramatischer Wucht saust der eherne Schicksalshammer auf den Helden herab und mit eiserner Folgerichtigkeit erfüllt sich das Geschick des Grafen v. Charolais. Groß und gewaltig wächst er an, so gewaltig, daß er dem Dichter die Form zersprengt. Das Stück besteht aus zwei Teilen, die nur lose, wenn auch nicht unmotiviert, miteinander verbunden sind. Dringen wir tiefer ein in das Wert, so ftoßen wir bald auf die charakterischen Merkmale des Doppeldramas, ganz besonders scharf prägt sich aber die doppelte Exposition aus, wo die inhaltliche weit über die diese der erste Atte zuende führt und auch noch die erste Steigerung aufnimmt, geht die andere bis in den zweiten Aft. Hätte Beer- Hofmann die Katastrophe gleich auf das Doppelbrama gespannt, so wäre sein großangelegter Graf von Charolais noch größer und gewaltiger gewesen. Im ersten Teil hätte sich dann das Gegensp.el die Absichten Philipps schärfer herausarbeiten lassen. Kraft genug hätte der Dichter besessen; verschiedene Bartier, über die jetzt ftrupellos der Blaustist gehen darf, wären in ganz anderen Fluß geraten, beispielsweise hätte Beer- Hoffmann Desirées Rekapitulation in der Verführungsszene sparen fönnen, da

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der gewohnten Sorgfalt gearbeitet, während Bruno Reimer als Wirt zuweilen etwas Unruhe verriet, im übrigen aber auch gut war. Georg Mendel hatte seinem roten Jhig den Juden Shylot in Ton und Maste zugrunde gelegt und schuf eine sehr lebensvolle Gestalt, während Georg Wittmann den Präsidenten mit einfacheren Mitteln gab. Das Haus spendete dem Werke und der Aufführung den wohlverdienten Beifall, von dem auch ein Teil auf den Theater- Verein fällt, der uns mit dieser hervor­erfreulichen dramatischen Arbeit bekannt ragenden und gemacht hat.

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G. H.