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Ein Bissen Brot und Herzensfreundlichkeit sind Wohltaten, die der Reiche vergebens in seiner Silberkiste sucht.
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Handwerker und Hausfrau.
,, Guten Morgen, Herr Tischlermeister, schön, daß Sie tommen. Haben Sie doch die Güte, und folgen Sie mir in den Salon. Der Herr Tischlermeister X. erwidert einige gemurmelte Worte und folgt der Frau Rätin in den Salon. Hier, angesichts eines Spiegelschrankes, hebt die Gnädige an, daß die Ungeschicklichkeit eines Dienstmädchens beim Fegen mehrere Verzierungen teils zerbrochen, teils verletzt habe.„ Meister X., können Sie mir dieselben in den nächsten Tagen erneuern?"" Ei gewiß, gnädige Frau Rätin, ich komme morgen schon wieder; Sie wissen, welche Ehre es für mich ist, für Sie arbeiten zu dürfen.*- ,, Also, morgen, Herr X., meinetwegen auch übermorgen, aber ganz gewiß vor Sonnabend, da ich am Montag Gesellschaft habe und dann der Spiegelschrank unter allen Umständen fertig sein muß.„ Na, Frau Rätin, darauf können Sie sich bei mir verlassen." Tischlermeister X. hatte aber seine Werkstatt so voll Arbeit stehen, welche er ebenfalls bis Sonnabend zu liefern versprochen, daß er, als er die Türe der Frau Rätin ins Schloß drückte, ganz genau wußte, unter keinen Umständen die Reparatur nach Versprechen ausführen zu können. Aber was tut es," sagte er sich, wenn die Frau Rätin auch etwas unwillig wird, so behalte ich doch immer die Arbeit, während, hätte ich es abgeschlagen, diese und vielleicht alle fünftigen Arbeiten an einen Konkurrenten übergegangen sein würden." Dies zu vermeiden belügt er also seine Auftraggeberin vorsätzlich und macht sich auch sehr wenig daraus, wenn am bestimmten Gesellschaftsabend die Ordnung liebende Hausfrau mit zerbrochenen Möbeln aufwarten muß.
Ein anderer, tagtäglich wiederkehrender Vorgang ist fol= gender: In einem Hausstande ist irgend etwas anzufertigen: Man holt, je nachdem den Schlosser, Maler oder Lackierer, und zeigt oder bespricht mit ihm die in Frage stehende Arbeit. Ist es nun irgend etwas belangreiches, so wird wohl jede vorsichtige Hausfrau fragen, welchen Preis er dafür fordern müsse. Man verlangt also, wie es z. B. Behörden und gewissenhafte Geschäftsleute bei allen wichtigen Anschaffungen halten, eine Offerte, einen Voranschlag, oder was sonst die Sache bezeichnet. Nun mag es ja sein, daß viele Meister auch ihrerseits verschiedene Erfahrungen gemacht haben; furz, die meisten dieser Handwerker werden ihre Anschlagsumme immer niedrig halten, damit sie von vornherein eine Anfrage hin die Arbeit gegeben und wird sie abgeliefert, so hat sich bei der Konkurrenz beseitigen. Hat man ihnen aber darauf fast regelmäßig der Meister geirrt" und will das nicht gesehen, jenes nicht gewußt und manches nur oberflächlich abgeschätzt haben. Man spricht hin und wieder, die genaue Hausfrau handelt wohl auch noch einige Groschen ab, aber im großen und ganzen bezahlt man doch den Handwerker nicht nach seinem Voranschlage, sondern nach seiner Forde billigen. Wohl mag manchmal bei Reparaturen ein genauer rung. Entschieden ist jedoch diese Art des Verkehrs zu mißso, daß zwischen den und den die Rechnung schwanken werde. Anschlag nicht zu geben möglich sein, aber dann fasse man es Nicht nur, daß dadurch der Handwerfer weit gerechtfertigter dasteht, sondern auch die Hausfrau vermag ihre Kasse darauf einzurichten oder kann, bei größeren Forderungen, noch weitere Anfragen halten. Mit der Arbeit in der Hand aber zu sagen: Bahlen, oder ich behalte so lange den Gegenstand." ist nicht nur eine Ungehörigkeit, sondern eine entschiedene Gefezwidrigkeit. sobald der Preis für die fragliche Herstel. lung im voraus bedungen war.
Da nun glücklicherweise nicht alle Handwerksmeister nach solchen kniffigen Prinzipien handeln, sondern mit Vorsicht, ja lieber etwas höhere Breise im voraus bestimmen, so wird man die„ bfiffigen" Meister dadurch am besten furieren fönnen, wenn jede Hausfrau, die solche Erfahrungen macht, nie wieder Aufträge an lolbe Cieferanten erteilt. Ich frage eben deshalb nach dem Preise im voraus, damit ich eben Anbolt bobe aft aber sie wi Beller und Vian
nig zu bestimmen möglich, so ist es doch ganz gewiß so weit
möglich, daß man sagt, zwischen welchen Preisgrenzen sich die Rechnung bewegen dürfte. Jedenfalls wird es im Interesse jeder einzelnen Hausfrau wie des allgemeinen sein, wenn gegen die tagtäglich wiederkehrenden, soeben geschilderten Zustände mit Entschiedenheit aufgetreten wird.
Küche und Keller.
Erbsenschotenextrakt. Die entfernten Schalen der Erbsen können zu einem wertvollen Erbsenschotenextrakt benutzt werden. Zu diesem Zwecke werden die von den Samenkernen entleerten Erbsenschalen in Wasser unter Zugabe von ein wenig doppelt= fohlensaurem Natron( Natron bicarbonicum) ordentlich ausge= kocht, die Flüssigkeit ausgedrückt und durchgeseiht und hierauf mit Zucker dick eingefotten. Dieser so hergestellte Extrakt kann wie andere Pflanzensäfte in gut verschlossenen Flaschen aufbewahrt werden. Er liefert so zu jeder Zeit eine ausgezeichnete Fruchtwürze, von welcher eine Kleinigkeit genügt, den verschiedenen Gemüsen, Suppen und Saucen den allbeliebten Geschmack frischer, grüner Erbsen zu geben und sie gleichzeitig damit wohlbekömmlicher und gesundheitsfördernder zu machen. Diesem Erbsenschalenextrakt können mit Leichtigkeit noch verschiedene andere Würzen zugegeben werden, indem man beim ersten Kochen nach Belieben andere Küchenfräuter oder Früchte zusetzt.
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Gespickter Hecht mit Madeirasauce. Mittelgroße Fische schuppt und reinigt man, wäscht sie sorgfältig, häutet sie, bestreut sie mit Salz und stellt sie mindestens eine Stunde beiseite, bevor man sie entweder nur mit feinen Speckfäden oder mit Speckfäden, Sardellenstreifen und Zitronenstückchen abwechselnd zierlich spickt. Dann wendet man die Fische in Mehl, welches man mit wenig geriebener Muskatblüte vermischt hat, und brät sie alsdann in reichlicher Butter im Ofen bei häufigem Begießen oder auf der Herdplatte bei gleichmäßigem Feuer lichtbraun und gar. Den Bratensatz verdickt man mit Kartoffelmehl, kocht aus ihm mit siedendem Wasser, einem halben Teelöffel Liebigs Fleischertrakt, einem Glas Madeira und etwas Zitronensaft die Sauce, die man zu den auf warmer Schüssel angerichteten, mit gewiegter Petersilie und geriebenem harten Eigelb umkränzten Fischen reicht.
Das Austrocknen der Wohnräume.
Um zu wissen, ob eine Wohnung trocken genug ist, um sie bewohnen zu können, fraze man etwas Kalk von den Wänden und begieße denselben mit Essig. Braust der Essig auf, so ist das Zimmer trocken, braust der Essig nicht auf, so wird, nicht etwa durch das Anlegen der Tapete, wohl aber durch etwaiges Bewohnen, sich Nässe an den Wänden zeigen, die vorher nicht vermutet wird, da die Wand ganz trocken erscheint. Und das geht so zu: Der Kalf, der zur Mörtelbereitung benutzt wird, enthält chemische Bestandteile, welche an und für sich wasserhaltig sind. Diese Nässe kann mir durch längere Eimvirfung von Wärme und Luft vertrieben werden. Man betrachte ein Stückchen Soda; dasselbe ist außen vollständig trocken, enthält innen jedoch chemische Wasserbestandteile, welche bei Einwirkung von Säuren selbsttätig hervortreten. Genau so verhält es sich mit dem noch nicht ganz trocken gewordenen Kalf, wenn die Kohlensäure, welche der Mensch ausatmet, in Verbindung mit dem nicht genügend trockenen Kalt tritt, die Nässe kommt dann hervor. Dieser Umwandlungsprozeß dauert so lange, bis sich auf den Wänden eine hinreichend starke Schicht fohlenjauren Kalkes, der im gewöhnlichen Leben als.cide bekannt ist, gebildet hat. Die Wände sind so lange feucht, und erst, wenn jene Schicht sich gebilder hat, ist ein Bimmer wirklich trocken. Es folgt daraus die Nuganwendung, neu gebaute Zimmer feines. falls gleich zu tapezieren, weil die Tapete nie durchlässig genug ist, sondern die Wände zuerst mit einer Wasser. oder Leimfarbe zu streichen. Am besten ist es natürltd), wenn man die Zimmer so lange unbenutt läßt, bis die chemische Aus. trocknung vollzogen ist. Beschleunigt wird diese durch das Aufstellen von Körben und Beden, die mit glühenden Rofs oder Kohlen gefüllt find, in den geschlossenen 8inunern. Selbstverständlich dürfen sich dann feine Menschen in den Räumen aufhalten Durch Cetzen der Defen wird die che mild Austrocknung übrigens nicht beschleunigt, das moller wir ausdrüdlich ber borbeben
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Donnerstag, den 30 Junt.
1901
Oberbessische Familienzeitung.
Tägliche Unterhaltungs- Beilage
der
Gießener Neueste Nachrichten.
Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein.
(( 18. Fortsetzung.)
Die Mojaren.
Originalroman von Arthur Gundaccarb. Suttnet.
Der beseligende Gedanke an die Geliebte allein war es, der Djambe aufrecht erhielt und der ihn bestimmte, allen Zorn und alle Bitterfeit in Schranken zu halten. Wäre das nicht gerrassa, er hätte dem Land mit Ekel den Rücken gekehrt, er wäre nach dem Nachbarstaate ausgewandert, wo seine Stamnesverivandten unter friedlicheren und geordneteren Berhaltnissen lesien. Das beruhigende Gefühl al er, si in Thamars Nähe zu wissen, das Bewußtsein, daß ihre Gedanken oftmals liefdevoll bei ihm weilten, ließ ihm alles andere weniger herb, weniger unerträglich erscheinen, und hätte heute Cherif Pascha seine Ungerechtigkeit gut zu machen geſucht, Djanibek wäre der erste gewesen, der sich aufgemacht haben würde, um Elisba zu beschwören, daß er eine Versöhnung eingehe.
Die Frist war jetzt abgelaufen, und der Nachbarbesik wurde behördlich eingezogen. Da das Gebäude eines der stattlichsten in der Umgebung war, so hielt es Ali- Beg für angemessen, dortselbst seine Residenz aufzuschlagen. Seitdem er zu wiederholtenmalen Bericht über die drohenden Reden der Bewohner erhalten, zog er es vor, sich außer Hause nur in Begleitung mehrerer bewaffneter Leute zu zeigen, und da ner in schroffer, herausfordernder Weise aufzutreten; auf fühlte er dann Mut genug, un gegen die einzelnen Umwoh diese Art meinte er, ihnen mehr Respekt und Furcht einzu jagen auch benützte er jede Gelegenheit, um an solchen über mit Verbindlichkeiten im Rückstand waren. feinen Born auszulassen, die irgendwie der Behörde gegen
In früheren Jahren hatte man oft, wenn die Ernte eine schlechte war, ein Auge zugedrückt und den Steuerpflichtigen geſtattet, ihr Schuld auf ein beſſeres Jahr zu übertragen jetzt hingegen gab es kein Erbarmen, wer nicht zahlen konnte, wurde gepfändet und wer nichts Pfändenswertes besaß, mußte Haus und Hof verlassen; es war, wie wenn man die Einwohner hätte zwingen wollen, sich gegen die Gewalt aufzulehnen. Am schärfsten suchte er natürlich gegen die vorzugehen, die ihm von seinen Spähern als Unzufriedene, als Murrföpfe bezeichnet wurden; aber sonderbarerweise war diesen nicht so leicht beizukommen: sobald seine Abgesandten erschienen, um die Pfändung vorzunehmen, lag die schuldige Summe bereit. Er suchte wohl der Sache auf die Spur zu kommen und herauszubringen, wer ihnen im rechten Moment zu Hilfe fam auch richtete sich sein Verdacht mit Grund auf Diambet, in dessen Gehöft sich oft Leute meldeten, die bei ihm nicht bedienstet waren, aber der Beweis fehlte, und gegen einen der Tonangeber wollte er überhaupt nicht unmittelbar nach jener Geschichte mit Elisba vorgehen. Er hoffte, daß auch für diesen Gegner der Zahltag kommen werde, es hieß sich eben noch in Geduld fassen.
Eines Tages unternahm der Kaimakam einen Ritt nach einem entfernten Gehöft, dessen Insasse in einem abhängigen Verhältnisse zu Elisbas Gut stand. Der Mann, der gegen das Gebirge hinein ganz abgeschlossen von aller Welt lebte, war den Ereignissen fern geblieben und hatte erst vor kurzem erfahren, was mit seinem Grundherrn vorgefallen war. Als er die Zahlungsaufforderung mit dem Bescheide erhielt, daß man gegen ihn gerichtlich vorgehen werde, wenn er nicht auf
( Nachdruck verboten. der Stelle seiner Verpflichtung nachkam, stürzte er laut jam. mernd zum Hause hinaus und irrte wie ein Verzweifelter im Gebirge unher. Plötzlich stand, wie aus dem Boden gewachsen, Elista vor ihm.
" Was fehlt dir, Jesse?" fragte ihn sein einstiger Gutsherr. semn Reid. Der Mann bhach in Tränen aus und klagte dem andern
"
treiben?"
Wann, sagst du, wollen sie kommen, um dich zu verIn drei Tagen."
,, Weißt du nicht, wer von den Beamten erscheinen wird?" " Der Kaimatam selbst."
" Der Kaimakam!" rief Elisba fast freudig.„ Bist du
sicher?"
„ Es ist so, Herr; er hat es selbst gesagt!"
„ Geh ruhig heim, Jesse. Vielleicht gelingt es mir, Dir wei itens eine längere Frist zu verschaffen. Aber wohl. gemerk sprich kein Wort davon, daß du mich gesehen; vergiß nicht, daß sie mir nach dem Leben trachten."
Jesse ging mit etwas leichteren Herzen nach Hause, obwohl ihm später wieder Bedenken kamen, wie ein Geächteter ihm den Aufschub erwirken wollte.
Vor Anbruch des gefürchteten Tages, der für Jesse gleich bedeutend mit dem Untergang der Welt war, wurde er durch Hufgeklapper jäh aus dem Schlaf geweckt, und wenige Mimuten später polterte man laut an seiner Tür. Seine Gattin kam jammernd hereingestürzt:
,, Da sind sie! Nun ist alles verloren!"
Er verließ erschrocken sein Lager und schlich zur Türe: „ Wer ist draußen?" fragte er mit zitternder Stimme. " Ich bin's, Jesse- Elisba!"
Freudig überrascht riß der Mann nun den Riegel zurück: " It's möglich? Ihr seid es wirklich, Herr?"
Hab' ich dir nicht mein Wort gegeben?"
Jesse stotterte noch einige Phrasen und rannte dann ins Haus zurück:
„ Schnell, Maiko, Elisba ist hier; er bringt uns Hilfe! Sieh nach, was du ihm zum Frühmahl zu bieten hast." Sezt lte auch die Frau hinaus, prallte aber erschrocken zurüd. sie hinter dem Gutsherrn noch einige dunkle Geſtalten deckte. Ihr seid nicht allein?"
" S fürchte, allein könnte ich von wenig Nuzen sein. Zu der, was ich vorhabe, brauche ich den Beistand meiner Getreuen. Was ist mit Jesse geschehen? Wir haben einiges mit ihm zu besprechen und dürfen nicht viel Zeit verlieren."
Der Gerufene kam sogleich wieder zurück.
" Ich wollte mich nur um einen Imbiß bekümmern ihr müßt
Den mag deine Frau besorgen; einstweilen kannst du uns notwendige Auskunft geben."
Elisba zog den Mann mit sich ins Freie hinaus und erkundigte sich nun eingehend, um welche Stunde er den Kaimakam erwarte und ob derselbe etwa von einem andern Ort oder von der Station käme.


