nach dem Nebungsplatz und stieg dort an der Villa Wahren. dorf aus. In ihrer Begleitung befanden sich die Palastdame Gräfin Brockdorff und Oberhofmeister Freiherr von Mirbach. Nach der Besichtigung der Brigade ritt der Kaiser zu seiner Gemahlin und holte sie zu dem jetzt stattfindenden Feuergefecht ab. Die erste Abteilung bestand aus der 2. Gardeinfanteriebrigade, kommandiert vom Generalmajor von Strant, dem Lehr- Infanterie- Bataillon, einer reitenden Abteilung des 4. Feld- Artillerie- Regiments, dem Leibgardehusaren- Regiment und einer Abteilung des 4. Garde- FeldArtillerie- Regiments. Der Feind, befehligt vom Generalmajor von Salisch, setzte sich zusammen aus der 5. Gardeinfanteriebrigade, den Garde- Jägern, dem Regiment Garde du Corps, einer Abteilung des 2. Garde- Feld- Artillerie- und einer Abteilung des 1. Garde- Feld- Artillerie- Regiments. Verteilt auf beiden Seiten war eine Eskadron der Garde- Jäger zu Pferde. Das Gefecht dauerte über 2 Stunden. Nach der Kritik folgte ein Parademarsch am Denkmal am Hasenheidenberg. Der Kaiser begab sich darauf nach dem Offizier- Kasino im Baradenlager und nahm dort am Frühstück teil. Die Kaiserin begab sich zu Wagen vom Uebungsplatz direkt nach Potsdam zurück.
Vatikan und Quirinal.
Rom, 27. Mai. König Victor Emanuel hat heute eine Reise nach Mittelund Norditalien angetreten, um der Eröffnung mehrerer Ausstellungen beizuwohnen. Das wäre nun nichts Außergewöhnliches. Aber diesmal hat diese Ausstellungsrundreise eine große politische Bedeutung. Führt den König doch sein Weg nach Bologna und wird dort, in der altersgrauen zweiten Stadt des früheren Kirchenstaates eine Begegnung vor sich gehen, deren Ankündigung noch vor kurzem ein weises ungläubiges Kopfschütteln sämtlicher berufenen und unberufenen Diplomaten erregt hätte: Kardinal Svampa wird dem König einen offiziellen Besuch abstatten.
Was das besagen will, kann nur der ermessen, der die Zähigkeit kennt, mit der die Kardinal- Erzbischöfe von Bologna bisher den Protest gegen die Annerion des ihnen unterstellten Kirchenstaatsteiles den ,, savoyischen Usurpatoren" gegenüber zum Ausdruck brachten. Da ihnen keine päpstlichen Gendarmen mehr zur Verfügung standen, um die Eindringlinge über die Grenze zu befördern, mußten sie sich allerdings mit passivem Widerstand begnügen. Sie fanden ein geeignetes und wirksames Mittel darin, stets, wenn der König des geeinten Italiens bei festlichen Anlässen seine gute Stadt Bologna letrat, dieser und ihm ostentativ den Rücken zu fehren. Es fanden sich zur rechten Zeit immer unaufschiebbare Geschäfte, die die höchste Spitze der Bologneser Klerisei zwangen, auf die Ehre eines Zusammentreffens mit Sua maestà il re verzichten zu müssen. Auch Kardinal Svampya, der jetzige Inhaber der geistlichen Obergewalt zu Bologna, hatte das probate Mittelchen schon mit Erfolg erprobt. Beim jetzigen Besuch des jungen Königs aber lenkt er plötzlich ein. Ein Akt von nicht genug zu schäßender politischer Bedeutung und von ungemessener Tragweite für das fünftige Verhalten zwischen Quirinal und Vatikan. Ist doch im Gegensatz zu der früheren unversöhnlichen Haltung der päpstlichen Diplomatie den neuen Machthabern gegenüber die Entrevue von Bologna wenigstens als eine Verzichtleistung auf einen Teil der politischen Ansprüche des Vatikans aufzufassen.
Es ist denn auch ganz sicher, daß Kardinal Svampa erst nach langem Hin- und Herparlamentieren mit dem Vatikan von dort aus das Placet für seinen wichtigen Schritt erhalten hat. Der Kardinal schickte sich auch diesmal an, vor der Ankunft des Königs die Stadt zu verlassen, aber Protestversammlungen der Einwohnerschaft, in denen sogar gedroht wurde, man werde den Kirchenfürsten eventuell am Wiedereintritt in die Mauern Bolognas mit Gewalt verhindern, zeigten ihm die Gefahr, sich mit seiner undersöhnlichen Politik die Sympathien der Romagnolen zu verscherzen. Auch im Vatikan zog man es angesichts der Strömung im bologneser Volke vor, es diesmal nicht auf einen Bruch ankommen zu lassen, sondern sich lieber zu biegen, umsomehr, als man mit dem Aufgeben der doch unhaltsamen Position zugleich neue große Vorteile erringen konnte.
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Die zunehmende Verfeindung mit Frankreich, der ältesten Tochter der Kirche" weist den Vatikan von selbst auf eine Politik des leidlichen Einvernehmens mit dem Quirinal hin. Der Zwischenfall des französischen Besuches brachte der vatikanischen Diplomatie deutlich zum Bewußtsein, daß die Fortdauer des feindlichen Verhältnisses zwischen dem Papsttum und dem italienischen Königshause unter Umständen zu einer eklatanten Schädigung des päpstlichen Ansehens führen kann. Solange die katholischen Staatsoberhäupter ein solches ist Präsident Loubet schließlich auch Machtgebot des Vatikans, der einen offiziellen Besuch am Quirinal untersagt, respektieren, ist dieses Interdikt eine wirksame politische Waffe. Im vorliegenden Falle aber hat sich gezeigt, daß eben dieses Verbot ernste Konflikte entwickeln könne, die in keinem richtigen Verhältnis zu der politischen Wirkung des Interdifts gegen den Quirinal stehen. Dem Papsttum fehlen alle Machtmittel, um diesem Verbot Geltung zu verschaffen, und der Versuch, die öffentliche Meinung eines Landes gegen die Regierung zu beeinflussen, bietet keinerlei Garantien. In Frankreich hat die Kammer jedenfalls mit großer Mehrheit der Regierung ihr Vertrauen ausgesprochen und damit dem päpstlichen Mißerfolge mit dem Besuchsverbot einen zweiten Mißerfolg in ihrem Einfluß auf die katholische Bevölkerung des Landes beigefellt.
Man ist allerdings hier der Ansicht, daß der erste Schritt der Annäherung an den Quirinal nicht mit dem weiteren Ziel einer radifalen Beseitigung des Konfliktsgrundes erfolgt ist, sondern der Vatikan wollte lediglich das katholische Volt Italiens gegen Frankreich ausspielen. Die Herstellung guter Beziehungen zu der italienischen Regierung in einem Augenblicke, da der Konflikt mit Frankreich seinen Höhepunkt erreicht hat, soll der französischen Bevölkerung vor Augen führen, wie sehr sie sich als älteste Tochter der Kirche mit ihrer Haltung gegen die Ordensgemeinschaften und den Vatikan gegen ihre traditionellen Pflichten vergangen hat. Welches aber auch das Ziel der Aenderung gewesen sein mag, das Eis ist gebrochen, dem ersten Schritt werden weitere folgen, und wenn sich unter dem neuen Papste ein friedliches Verhältnis zwischen dem Vatikan und dem Quirinal herausbildet, so ist Das jedenfalls ein Verdienst, das man nicht nur hier in Rom 31 schizen weiß, sondern das auch in der ganzen politischen Welt Beifall finden wird.
Hus dem Gerichtsfaal.
§ Geblüfft. Einen eigenartigen Ausweg schlug der Vorsitzende eines Berliner Gerichtshofs ein, um sich darüber zu informieren, ob ein russisches Kartenspiel Ddo" zu den Hasardspielen zu rechnen sei: Er ließ sich das Spiel von den Zeugen, die zur Ueberführung eines der Duldung von Hasardspielen angeklagten Gastwirts dienen sollten, im Gerichtssaal vorführen, um zu entscheiden, ob das Spiel, wie der Verteidiger behauptete, feineswegs auf bloßes Glück, sondern auch auf Kombination gegründet sei. Der Gerichts. hof überzeugte sich davon, daß das wirklich der Fall sei, und kam zu einem freisprechenden Erkenntnis. Wie uns aber von sachverständiger Seite mitgeteilt wird, ist„ Ocko" in der Tat ein Hasardspiel, ähnlich dem amerikanischen Pocker, bei dem das einzige in die Hand des Spielers gegebene Mittel, dem Glück ein Paroli zu biegen, darin besteht, seine Mitspieler auf falsche Fährte zu locken, sie zu ,, bluffen". Nach Aussage unseres Gewährsmannes scheint es so, als sei in diesem Fall der Gerichtshof geblufft" worden.
Nab und Fern.
Schwere Gewitter sind über verschiedene deutsche Landstriche niedergegangen und haben schweren Schaden ange richtet. In Württemberg verursachten Wolkenbrüche zwischen Tübingen und Balingen große Ueberschwemmungen, die noch größer waren als die im Jahre 1895, bei denen 47 Personen ums Leben kamen. Diesmal waren wunderbarer. weise keine Menschenleben zu beklagen. In Heilbronn stand das Wasser meter hoch in den Straßen. Blitzschläge äscherten mehrfach Geschäfte und Häuser ein. In Unterkirchberg wurde der Schultheiß Volk am Schreibtisch vom Bliz erschlagen. Auch in Thüringen wüteten schwere Unwetter und Wolfenbrüche: Der Blitz zündete mehrfach und forderte auch hier Menschenleben zum Opfer. In Groß- Bartloff( Kreis Heiligenstadt) wurde der Postagent Hahn auf einem Dienstgange vom Postamt zum Bahnhof vom Blitz erschlagen. Im Bezirk der Oberförsterei Elend bei Benneckenstein in Harz schlug der Blitz in eine Köhlerhütte ein, tötete zwei Köhler und betäubte zwei andere.
Die Prämie der preußischen Klaffenlotterie im Betrage bon 300 000 Mark fiel auf Nr. 110 718. Bekanntlich wird am letzten Ziehungstage nach dem neuen Verlosungsplan der letzte größere Gewinn von 1000 Mark an mit dieser Extraprämie bedacht.
Gin jugendlicher Unhold. In Wörrstadt( Rheinhessen) wurde ein 13 Jahre alter Junge verhaftet, weil er auf offener Landstraße ein 20jähriges Mädchen überfallen und den Versuch gemacht hat, es zu vergewaltigen. Früh verdorben!
Das Kapitel Breisringfämpfe, das in letzter Zeit öfter recht unliebfam die öffentliche Meinung beschäftigte, wird durch eine soeben in Berlin angestrengte Klage vielleicht eine wünschenswerte Klärung erhalten. Ein Wettlustiger, der gelegentlich der Ringkampf- Konkurrenz im Zirkus Busch bei einem Buchmacher 6000 M. auf Eberle gesezt und das Geld zu seinem Erstaunen verloren hatte, hat jetzt gegen den Buchmacher die Klage auf Herausgabe der Summe angestrengt. Er behauptet, daß der abgeschlossene Wettvertrag auf der Voraussetzung begründet war, daß es sich um einen ernstgemeinten Ringfampf handelte, während sich herausgestellt habe, daß nur ein Scheinkampf vorlag. Zum Beweise dieser Behauptung beruft sich der Kläger auf das Zeugnis des Zirkusdirektors Busch sowie dessen Angestellte, ferner der in Aktion getretenen Ringfämpfer und insbesondere des Eberle und Koch selbst, sodann auf das Zeugnis des Herausgebers des Roland von Berlin, der seinerzeit einen längeren Artikel über den angeblichen Scheinkampf veröffentlicht hat, und endlich auf den Gewährsmann für jenen Artikel. Eberle tritt übrigens 3. 3t. im Leipziger Krystallpalast auf, ebenso die aus den Berliner Kämpfen bekannten Franz Sauerei und Peyrouse, der Löwe von Valencia".
Am Vorabend der Hochzeit in den Tod gegangen ist, wie aus Wien gemeldet wird, der Professor Rudolf Meißner aus Göttingen. Er wurde in der Donau aufgefunden. Der unglückliche Gelehrte, in dessen Familie mehrere Jälle von plötzlicher Geistesstörung vorgekommen sind, hat zweifellos in einem Augenblicke geistiger Verwirrung gehandelt. Professor Meißner, der im 46. Lebensjahre stand, war Ertra ordinarius für Germanistik in Göttingen. Er hatte sich vor einiger Zeit mit einer damals in Göttingen weilenden jungen Wienerin, der Tochter eines angesehenen Arztes, verlobt.
Explosionskatastrophe. In einem Bergwerke bei dem ungarischen Orte Ozena ereignete sich ein furchtbarer Unglücksfall. In einer Scheune, in welcher die Bergarbeiter ihre Requisiten aufzubewahren pflegen, hatte der Bergarbeiter Lazar Vlasovau einige Dynamitpatronen aufgehoben. Kinder, die den Arbeitern Lebensmittel brachten, fanden die Patronen und spielten mit denselben. Im nächsten Augenblicke erfolgte eine fürchterliche Detonation, und die Scheune flog in die Luft. Am Plate blieben fünf vollständig verkohlte Kinderleichen. Drei Bergarbeiter, welche sich in der Nähe befanden, wurden gleichfalls getötet.
Kunit und Wiffenfchaft.
PF Auf der internationalen Tuberkulosekonferenz in Kopenhagen, an der 112 Gelehrte, unter ihnen 24 aus Deutschland, teilnahmen, wurde über interessante Versuche berichtet, die in Wien an einer Reihe von Patienten mit Einatmung des zerstäubten Kochschen Tuberkulins gemacht nurden. Die Patienten atmeten durch den Mund, so daß von der zerstäubten Flüssigkeit nichts in die Nase gelangen konnte. Die Kranken atmeten ruhig und tief, die Inhalation war nach fünf bis zehn Minuten beendet. Die Beobachtungen er streckten sia) auf 28 Patienten verschiedenen Alters und Geschlechtes und es zeigte sich, daß die Inhalation von Tubertulin die gleichen Erscheinungen hervorrufe, wie die Injektion des Präparates. Was das Einsezen der Fieberbewegung anlangt, so erfolgte der Anstieg der Temperatur im Mittel etwa nach fieben Stunden. Bezüglich der Heilerfolge dürfte demnächst eine Publikation erscheinen. Die Hauptverhandlungsgegenstände waren: Berbot des Spuckens auf der Straße; Anmeldepflicht von Tuberkulosefällen; Disposition zur Tuberkulose und Tuberkulose und Erziehung.
KU Das Problem des lenkbaren Luftschiffs gelöst? Bouquet Delagrye, der Präsident der aeronautischen Sektion in der Pariser Akademie der Wissenschaften, erklärt in einem eben fertiggestellten, von anderen Fachmännern geprüften Memorandum das Problem des lenkbaren Luftschiffes für gelöst. Es handelt sich um das von dem Pariser Malecot er
sonnene System der Vogelflugnachahmung. Bis man die Malecotsche Erfindung im Betrieb gesehen hat, wird es gu sein, sich ihr gegenüber sehr skeptisch zu verhalten.
†[ Ein Autodafe von alten Klavieren] wurde in Atlan tic City von den dortigen Pianinohändlern veranstaltet. Die Vereinigung der Händler hatte beschlossen, keine alter Klaviere mehr als Anzahlung beim Kauf von neuen an zunehmen. Die in ihren Lagern befindlichen alten Klaviere, etwa 200 an Zahl, wurden am Stiftungsfest der Verein gung feierlich auf einem Hügel verbrannt. Um das Riefen. feuer führten die Kaufleute einen Indianertanz auf.
Lokales.
29. Mai 1904.
*** Die Baugenossenschaft des Evang. Ar. beitervereins zu Gießen hielt am legten Samstag beim Gastwirt Sauer ihre Generalversammlung ab. D Vorsitzende des Aufsichtsrates, Herr Kommerzier rat und Reichstagsabgeordnete Heyligenstaedt leitete dieselb und Herr Rendant Döring erstattete in ausführlicher Weise den Jahresbericht. Diese beiden Herren wurden bei Punkt: Wahlen per Afflamation auch wieder und an Stelle bes nach Darmstadt versezten Landgerichtsdirektor Dornseiff wurde Herr Landgerichtsdirettor Schmeckenbecher neu gewählt. Aus dem Verlauf der Versammlung sind ferner erwöhnenswert die beiden Beschlüsse, wonach die Kanalisations: Kosten zu den Anschlüssen der Häuser aus dem Reservefond gedeckt werden sollen und daß die neuerbaute Kleinkinderschule in der Crednerstraße kommenden Herbst ihrer Bestimmung übergeben werden soll.
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** Ganz plößlich hat der Tod den etwa 30 Jahre alten Sohn des Pflastermeister Nickel zu Gießen abgerufen. Der Verstorbene, ein fleißiger junger Mann, leitete in der Hauptsache den Betrieb des in Ober- Widdersheim gelegenen Steinbruch seines Vaters.
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-1. Die Generalversammlung des Obstbauvereins für die Provinz Oberhessen fand gestern in Friedberg statt und war gut besucht. Der erste Vorsitzende, Graf Oriola- Büdesheim, begrüßte besonders den Vertreter der Regierung, Dekonomier at Müller aus Darmstadt. Der Versammlung wohnte vom Kreisamt Gießen Kreisamtmann Hechler bei. Nach der Rechnungsablage für 1903/04 be trugen die Mitgliederbeiträge 4800 Mt. und der Staatszuschuß 2850 f.; die Vorträge fofteten 2550 Mt., die Gehälter der Technifer betrugen 2500 Mt., die drei Versuchsgärten bei Büdingen, Aisfeld und Schotten erforderten 1650 Mt. Dem verdienstvollen verstorbenen Obstbautechniker Metz wurde vom Verein ein Denkmal gesetzt. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt und der Voranschlag für 1904/05 einstimmig genehmigt. Nach dem Jahresbericht der Techniker wurden im Kreise Gießen von den Herren Wiesner und Koch 62 Vorträge gehalten und besonders der gute Zustand der Kreisstraßenpflanzungen im Kreise Gießen lobend erwähnt, durch richtige Plaz- und Sortenwahl hat die Behörde außerordentliches erzielt. Ueberhaupt macht der Obstbau im Kreise Gießen erfreuliche Fortschritte. In den Gemeindepflanzungen ist der Bestand der Bäume sehr verschieden. Lich steht in der besten Obstbaumzucht und Pflege obenan und führt über die Bäume ein besonderes Register, das nachahmenswert ist. Die Gemeinden werden ersucht, mehr junge Leute zu Baumwarten ausbilden zu lassen. Auf größere Anpflanzung von Nußbäumen soll hingewirkt werden. In Zukunft sollen bei den Versammlungen auch Nistkästen für Meisen verlost werden, da diese Singvögel als Insektenvertilger einen unschätzbaren Wert haben.
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Prof. Reichel- Friedberg erstattet Bericht über die Obstausstellung gelegentlich der landwirtschaftlichen Provinzialausstellung in Gießen, die er trotz des frühen Zeitpunktes als eine wohlgelungene bezeichnet. In diesem Jahre finden 2 Obstausstellungen statt, in Büdingen und Friedberg. Auch die Teilnahme an der großen Ausstellung in Düsseldorf 16.- 18. Ottober wird beschlossen; es ist ein Kostenanschlag von 1000 Mt. vorgesehen. An 3 Vereinsbaumwarte werden Diplome verabreicht: Merle Liederbach, Löschhorn- Bad- Nau heim und Grasmüller- Eckartshausen. Zu Ausschußmitgliedern werden gewählt die Herren: Professor Wamser, Forstrat Müller, Kammerrat Dern, Bürgermeister Feldmann- Lauter, Posthalter Zelarius- Schotten und Reiz- Echzell. Der erste Präsident Graf Oriola, der zweite Präsident Kreisrat FeyFriedberg und der Rechner Direktor Peter- Friedberg werden einstimmig wiedergewählt. Nach dem Rechenschaftsbericht für 1902/03 hat sich der oberhessische Obstbau erfreulich weiter entwickelt, die Zahl der Mitglieder ist auf rund 4850 angewachsen und beträgt im Kreise Gießen 945, Alsfeld 544 Mitglieder. In einem Schlußwort führt Graf Oriola aus, daß der deutsche Obstbau durch den Zolltarif gegen allzugroße Konkurrenz des Auslandes geschüßt sei. Die Obstaussichten für diesen Herbst seien die denkbar besten. Im Interesse der Obstzüchter liege es, sich an den Ausstellungen reichlich zu beteiligen. Ein Vortrag des Prof. Reichelt über„ Obstbaumzucht" mußte der vorgerückten Beit wegen von der Tagesordnung geset werden.
*** Aus Marburg wird geschrieben: Gutem Vernehmen nach wird zur Feier des 400 jährigen Geburtstages Philipp des Großmütigen vom Kasseler Theater ein Festspiel vorbereitet, das aus der Feder des Marburger Professors der klassischen Philologie Birt stammt und die Geschichte der Mutter des Landgrafen, Anna von Mecklenburg, zum Gegen stande hat. Professor Birt ist schon längst als feinsinniger Port unter den Pseudonym Beatus Rhenanus über die Grenze Marburgs hinaus bekannt. Als Grundlage zu seiner Dichtung hat die treffliche Monographie des ebenfalls Marburger Privatdozenten Dr. Hans Glagan über die Landgräfin Anna gedient.
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** In Dresden wurde am 30. März, ds. J3. der Bund Heimatschuß" gegründet, welcher sich über das gesamte Deutsche Vaterland erstrecken soll. Zweck des Vera eins ist, Schuß gegen das fortschreitende Verschwinden des heimatlichen Wesens nach seinen verschiedenen Richtungen und Erhaltung der der Heimat eigentümlichen Ursprünglich
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