Minister nahm diese Untersuchung nicht, wie Abg. Pichler ge. glaubt hatte, unter der Hand und privatim, sondern auf dem Dienstwege vor. Es stellte sich heraus, daß Eras den Sachverhalt völlig entſtellt hatte; die Aerzte konnten bei ihm nichts von einem Gebrechen finden, und seine Anschuldigungen gegen Jena erwiesen sich als falsch. Infolgedessen wurde er wegen Borschützen eines Gebrechens und wegen verleumderischer Beleidigung vom Kriegsgericht verurteilt.
Gegen diese Verurteilung legte Eras Berufung beim Oberkriegsgericht ein. Und diese Verhandlung, die heute begann und wider Erwarten mit der Bestätigung des Urteils erster Instanz schloß, ist es, die mit so großer Spannung erwartet wurde.
Nun, sie hat diese Spannung nicht gerechtfertigt. Denn so etwas wie sensationelle Enthüllungen" brachte sie nicht. Immerhin aber brachte sie des Interessanten genug. Schon die Vernehmung des Angeklagten bot ein nicht unbeträchtliches psychologisches Interesse. Er bemühte sich, das Gericht glauben zu machen, seine Behauptungen über sein angebliches Gebrechen seien wahr. U. a. erklärte er, er habe bei der Aushebung von seinen Armbrüchen nichts erwähnt, weil er geglaubt habe, sie würden ihm nicht hinderlich sein!! Erst im Januar 1904 habe er erfahren, daß er vor vier Jahren schwergeistes frank gewesen sei. Er habe sich an Abg. Pichler gewandt, meil vor zwei Jahren ein Mediziner auch durch Vermittelung eines Abgeordneten, des Abg. Hauber, vom Militärdienst befreit worden sei. Er habe aber feineswegs gewollt, daß sein Brief an die vorgesetzte Dienstbehörde fomme.
Was es mit diesen Versicherungen Eras auf sich hat, lehrte die Aussage des Oberstabsarztes Eyerich, der Eras untersucht hat. Der erfahrene Arzt erklärte, den Arm, den Gras gebrochen haben will, habe er mehrmals mit Röntgenstrahlen untersucht und vollständig normal gefunden. Eras habe erst im Januar ein Zeugnis über seine angebliche Geistesfrankheit beigebracht. Hätte er das früher mitgeteilt, so wäre er überhaupt nicht eingestellt oder sofort wieder entlassen worden.
Von irgend einer ungesetzlichen Behandlung Gras, von einer Chikane oder dergl. kann danach nicht die Rede sein. Das interessierende Moment in der Verhandlung war die Vernehmung des Abgeordneten Pichler. Dieser erklärte: Er habe den Brief des Eras dem Kriegsminister nur ver. traulich übergeben, wie dies in der Kammer der Abge ordneten Gepflogenheit sei, damit dieser unter der Hand Erfundigungen einziehe und ihm das Ergebnis mitteile. Wenn ihm der Minister gesagt hätte, daß er mit dem Briefe den Dienstweg einschlagen werde, so hätte er ihm den Brief nicht übergeben. Es sei in der Kammer wiederholt festgestell morden, daß das Beschwerde recht des Soldaten wenig Wert habe. Die Abgeordneten müßten in Zu funft derartige Dinge öffentlich besprechen und ließen sich ihr Recht nicht nehmen, solche Dinge anzunehmen und zu be. sprechen. Dann aber erklärte Abg. Pichler, er werde sich über die Sache nicht weiter äußern, um dem Kriegsminister nicht neues Material für dessen Beleidigungsflage gegen ihn, Pichler, zu liefern.
Die ganze Verhandlung ließ sich für Eras höchst ungünstig an. Das Urteil lautete denn auch: Die Berufung Gras' wird verworfen. Er ist also nochmals der verleumderischen Beleidigung und des Vorschützens eines Gebrechens schuldig erkannt worden. Eras beabsichtigt, Revision beim Reichs militärgericht einzulegen. Man wird also den Prozeß nochmals zu genießen das Glück haben...
Aus dem Gerichtsfaal.
§ In der Pirnaer Duellaffäre haben die Leutnants Ger lach und Korn, die am 16. März d. J. wegen Zweikampfes von dem Kriegsgericht der 32. Division zu 2 Jahren bezw. 1 Jahr und 3 Monaten Festungshaft verurteilt worden waren, gegen dieses Urteil Berufung eingelegt.
§ Ein neuer Ruhstrat- Prozeß kommt heute( Mittwoch) vor der Straffammer am Landgericht in Oldenburg zur Verbandlung. Er betrifft die Beleidigung der Frau des Redakteurs Biermann durch den Justizminister Substrat, der bekanntlich zu der Klägerin geäußert hatte: Ihr Mann ist ein Zump!" Das Schöffengericht verurteilte seiner Zeit wegen dieser Aeußerung den Minister zu zwanzig Mark Geldstrafe, wogegen Frau Biermann wegen zu niedrigen Strafmaßes die Berufung einlegte.
§ Von schwerer Anklage befreit wurde der Lehrer Bartnicki aus Skarydzew. Er wurde im Aufnahmeverfahren von der Straffammer zu Ostrowo freigesprochen, nachdem er vorher tregen Sittlichkeitsvergehens zu neun Monaten Gefängnis verurteilt worden war. Die Hauptbelastungszeugin, zwölfjähriges Mädchen, hat ihre ursprüngliche Aussage jetzt als unwahr widerrufen.
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§ Edler Stolz. Ueber eine lustige Gerichtsverhandlung wird aus Düsseldorf berichtet: Frauenkleider, Röcke, Gardinen, Taschentücher, Kinderkleider usw. läßt der GerichtsSiener aus einem Schließkorb auf den Tisch des Hauses" der Straffammer aufmarschieren, die das Dienstmädchen Philippine W. aus dem Haushalt des Rittmeisters v. G. gestohlen haben soll. Es handelt, sich um Sachen, die bereits abgenügt sind, und von denen nach der Aussage der Angeklagten gesagt worden war, daß sie verschenkt werden könnten. Unter den mitgenommenen Sachen befinden sich aber mehrere Stücke, die für den Staatsanwalt den Schluß zulassen, daß sich das Mädchen der Rechtswidrigkeit seiner Handlungsweise zweifellos bewußt war. Er beantragt deshalb eine Gefängnisstrafe von einem Monat. Das Gericht erkennt auf Freisprechung, außerdem schenkt ihr Rittmeister v. G. den ganzen Krempel zur Belustigung des Richterkollegiums und der im Zuschauerraum anwesenden Personen. Den Höhepunkt der Heiterfeit erregt aber die Erklärung der Angeklagten, daß sie auf die Sachen verzichte!
Nab und Fern.
Ein Streik der Rechtsanwälte ist beim Amtsgericht ben Lörrach ausgebrochen. Er richtet sich gegen einen Amtsrichter, der, wie die Anwälte glauben, ihre Tätigkeit und ihr Ansehen bei dem rechtsuchenden Publikum durch sein Verhalten gegen sie beeinträchtige. Deshalb haben alle fünf beim Amtsgericht zugelassenen Anwälte die Verhandlungstätigkeit por diesem Richter eingestellt und sich in einer Eingabe an das Landgericht um Beseitigung der Mißstände gewandt. Das Landgericht hat bereits die Untersuchung aufgenommen. Die Streifenden lassen sich durch Rechtsagenten bei den Zivilprozessen vertreten oder vereinbaren als Gerichtsstand das Landgericht in Freiburg.
Das Opfer der Anarchisten. Das Brüsseler Bombenattentat hat mun doch ein Menschenleben vernichtet. Der bei dem Anschlage am 18. d. M. schwer verlette Artilleriekommandant Papyn ist gestern im Spital verstorben.
A Ermordung eines dentschen Konsuls. Wie aus Buenos Aires gemeldet wird, wurde der deutsche Vizekonsul v. Dufay in Salta von einem italienischen Bettler aus persönlicher Rachsucht ermordet. Der Mörder ist verhaftet und sieht seiner Bestrafung entgegen.
Eine Luftballonfahrt über die Ostsee unternahmen drei Offiziere des Berliner Luftschifferbataillons. Der Ballon, in dessen Gondel sich als vierter Insasse ein Zivilist befand, landete nach etwa sechsstümdiger glücklicher Fahrt auf einem Terrain des adeligen Gutes Kletkamp bei Lütjenburg in Holstein. Nachdem die Luftschiffer bei dem Gutsbesitzer Grafen Brockdorff einer Einladung zum Diner gefolgt waren, traten sie die Rückreise nach Berlin an.
König Eduard von einem dänischen Erleutnant beschwindelt. Die Kopenhagener Polizei verhaftete auf Veranlaffung König Eduards von England einen früheren Leutnant namens Kjärgaard, der den König um rund 15 000 Kronen beschwindelt hat. Kjärgaard hatte früher mit einem Pferdezuchtverein in Dänemark zu tun und war aus dieser seiner Stellung mit der Verwaltung königlich englischer Gestüte bekannt geworden. Der Herr Leutnant erwies sich aber als ein sehr unbrauchbarer Mann und ein durchaus unsolider Charakter und sank aus diesem Grunde bald in dem Ansehen seiner Landsleute. Verarmt und verschuldet, fiel er auf den Gedanken, seine vornehmen Bekanntschaften in England auszunutzen. Er reiste nach London, besuchte die Verwaltung eines fönigl. Gestütes und kaufte" hier, angeblich im Auftrage eines dänischen Pferdezuchtvereins, vier Vollblutstuten zu einem Preise von 15 000 kronen. Daß der Leutnant die Tiere nicht bezahlte, erweckte in England durchaus keinen Argwohn. Der König wurde persönlich von diesem Handel unterrichtet und soll dem Leutnant dazu gratuliert haben. Nachdem der feine Kunde sich in England das Geld zur Heimreise geborgt hatte, verschwand er und beeilte sich, in der Heimat angekommen, die Tiere zu verkaufen. Als schließlich troß vieler Vorfragen kein Geld einlief, schöpfte die Gestütsverwaltung Verdacht und trug dem Könige die Sache vor, der sich sehr erbost gezeigt haben soll. Auf diplomatischem Wege setzte man dann von England aus die Kopenhagener Polizei in Bewegung.
Religiöser Aufruhr in Bombay. Aus Anlaß des Muharremfestes kam es in dem von der Pest verheerten Bombay zwischen den Anhängern der beiden feindlichen mohamedanischen Seften der Sunniten und Schiiten zu einem ernstlichen Zusammenstoß. Zwei Schiiten wurden tötlich berletzt. Militär wurde aufgeboten und stellte die Rubé wieder her.
A Die deutsche Madeirakommission wurde gestern von der portugiesischen Königin Amalie in Audienz empfangen. König Karl, welcher von Lissabon abwesend ist, übermittelte der Kommission telegraphisch seine besten Wünsche für das Gedeihen der Sanatorienunternehmung auf Madeira. Die Kommission trifft am 2. April mit dem Dampfer ,, Lucie Wörmann" wieder in Hamburg ein.
Eine Liebestragödie spielte sich in Mainz ab. Der verheiratete Musikmeister Heinrich Heun brachte aus dem Gonzenheimer Walde die Tochter eines Mainzer Tapezierermeisters mit einem tiefen Messereinschnitt im Halse ins Rochushospital. Heun sowohl als auch die lebensgefährlich Verlegte verweigerten jede Auskunft über die Entstehung der Wunde. Der Musiker wurde von der Polizei in Haft genommen. Bei seiner Visitation fanden sich zwei geladene Revolver, Dolche und zwei Fläschchen Gift vor.
Eine zweite Liebestragödie wird aus Freiburg( Breisgau) gemeldet. Im Walde wurde ein junges Paar erschossen aufJefunden. Wie es heißt, ist Krankheit die Ursache zu der unseligen Tat gewesen.
* Streikausschreitungen in Frankreich. In Roubair kam es zu einem Zusammenstoße zwischen ausständigen Webern und einer berittenen Truppenabteilung. Erstere versuchten den Weg mittels umgestürzter Wagen zu versperren. Die Truppen gingen vor und verwundeten mehrere Personen. Die Zahl der Ausständigen beläuft sich auf 4000.
Raffenlämpfe in Amerika. Die Negerverfolgungen werden in einzelnen amerikanischen Staaten zu einem chronischen Uebel. In Arkansas kam es wieder zu schweren Rassenfämpfen, bei denen 11 Neger ihr Leben lassen mußten. Der anfängliche Grund zu diesem Gemetzel war ein ganz unbedeutender Zwist zwischen einem Weißen und einem Neger.
** Oftereter werden zum Fest nach uralter Sttte in ungezählten Mengen verzehrt. Nicht von den süßen Kunstwerken des Zuckerbäckers ist hier die Rede, sondern von den ſchmackhaften Produkten der gackernden Henne, die, aller verfeinerfen Kultur zum Troß, doch noch immer Hauptlieferant in diesem Artikel bleibt. Das gefochte Ei fehlt wohl zu Ostern auf keinem Frühstückstisch. Wie sind nun die Eier für uns zuträglich, hart oder weich gekocht? Das ist die alte Streitfrage, die jetzt wieder aktuell wird. Das harte Ei schafft erfahrungsgemäß schneller das Gefühl der Sättigung als das weiche; es ist darum nach der Volksmeinung auch schwerer verdaulich. Dem muß entschieden widersprochen werden. Im allgemeinen kommt es weniger auf die Zubereitung an, sondern darauf, wie wir die Eier genießen und wie viel wir verzehren. Wenn harte Gier gut gefaut und mit der nötigen Speichelmenge durchmischt werden, sind sie den Verdauungssäften weit besser zugänglich und bekommen dem Magen und Darm weit besser als weiche, die in großen Bissen eilig hinuntergeschleckt werden. Es herrscht hier dasselbe Vorurteil wie gegenüber dem frischen Brot und Kuchen. Selbstverständlich besteht bei diesen die größere Neigung zum Zusammenkleben und zur Bildung größerer Speiſeballen als bei altbackener Ware. Wird aber der frische, noch ofenwarme Kuchen in vorsichtiger Weise gefant und nur in kleinen Bissen hinuntergeschluckt, so ist er schließlich ebenso leicht verdaulich wie der alte. Also nur ordentlich die Zähne gebraucht, dann werden auch die harten Eier nicht hart im Magen liegen.
Verschna pvt. Sonntagsreiter( mit seinem kleinen Neffen im zoologischen Garten):„ Siehst du, Hänschen, dort sind Löwen, Tiger, Bären, alles wilde Bestien; aber das furchtbarste Tier bleibt das Reitpferd!"
Ein Glücksmensch. Unser Freund Otto hat immer grandioses Glück!"-„ Na, ich denke, er ist erst neulich mit seinem Automobil verunglückt?" Ja, das ist's ja eben! Alles kommt mit heiler Haut davon, nur die Schwiegermutter -die verliert vor Schreck die Sprache."( Megg. Bl.)
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Lokales.
30. März 1904.
Privattelegramm. Bei der heutigen Ziehung der Hessisch- Thüringischen Landeslotterie wur folgende Gewinne gezogen: 10 000 Mt. auf Nr.15351 3000 nach Mainz und Gotha.
6 Brämien à 50000 Mt. auf 18 518, 20515 21 095, 48 616, 53 713, 74 663.
10 Prämien à 10 000 M. auf 1419, 9112 33 783, 35 080, 44 063, 51 987, 83 951, 91 903, 939 99917.
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5000 f. auf 23 623, 87 041.
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* Am allgemein bel Heinrich R befanden sich
Oberstleutnant Major Morne und Unteroffizi
liche Bezittefelb
Der Garg wurd
= Bor fur mußte, weil bi Seilung fuchen, Familie des Be in deren Dienf ridftändigen S auch für sonstig noch eine unf gibt immer no ** Im det im Apri nicht am erften April statt. Lich.
Der Großherzog hat mit Wirkung vom Mai 1904 ab den Steuerfommissär des Steuerfommissari Offenbach Christian Braun den Charakter als„ Regierung rat" verliehen, den Steuerkommissär des Steuerkommissari Hungen Karl Adam Frenz zum ständigen Hilfearbeit bei der Abteilung für Steuerwesen des Ministeriums Finanzen unter Verleihung des Charakters als„ Regierung rat" ernannt, dem ständigen Hilfsarbeiter bei der Abteilu für Steuerwesen des Ministeriums der Finanzen, Db finanzassessor Dr. Georg Hellwig zu Darmstadt den Chara als Regierungsrat" verliehen und den technischen Setret bei der Abteilung für Bauwesen des Ministeriums Finanzen, Bauinspektor Heinrich Wagner zum ständigen t nischen Hilfsarbeiter bei dieser Abteilung unter Verleihun des Charakters als Baurat" ernannt. Ferner wurde du Hochbauaufseher bei dem Hochbauamt Friedberg, Feigt zu Friedberg zum Baggermeister, die Bauaufs aspiranten Johannes Astheimer aus Bischofsheim, G Grünig aus Pfungstadt, Philipp Messinger Bornheim, Kreis Alzey, Joseph Zimmer aus Nieder Mörlen und Friedrich Weber aus Ober- Ramstadt z Hochbauaufsehern eranannt.
** Das Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr. 6, au gegeben am 28. März u. A. enthält die Uebersicht der für das Rechnungsjahr 1904/05 von Großh. Ministerium de Innern genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Kommuna bedürfnisse der israelitischen Religionsgemeinden des Kreise Schotten.
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* Prof. Dr. Max 2. Strack in Bonn hat einem Ruf als außerordentlicher Professor für Geschichte an unfere Landesuniversität erhalten.
* Der nunmehr eröffneten But bach- Licher- Bahn scheint man in Lich selbst wenig Sympathie entgegenzubringen. Dort wurde, wollen wir sagen der Festzug nur vom Bürger meister Heller und einem Vertreter der dortigen Kaufmann schaft erwartet. Die Stadt war ohne jeden Flaggenschmud Die Bußbacher 8tg." läßt sich in ihrem Festartikel über di Eröffnungsfeier noch zu folgender öffentlichen Kritik hinreißen:
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„ Ist diese Strecke schon die einzige Bahnlinie in Ober hessen, die nicht vom Staate allein gebaut wird, sondern wozu hauptsächlich die Gemeinden die Baukosten leisteten, so war es für die betreffenden Gemeinden um so schmerz licher und ein ihren echten Patriotismus bedrückendes Gefühl, wenn von Seiten hoher Staatsregierung, im Gegensatz zu allen anderwärts stattgefundenen derartigen Ereignissen, von der gestrigen Eröffnungsfeier gar keine Notiz genommen wurde. Es muß dies hier erwähnt werden, da die beiden Städte der Endstationen sowohl wie alle von der Bahn berührten Orte in politischer Be ziehung wie faum ein Teil unseres Großherzogtums treue monarchisch gesinnte Untertanen sind und als äußerst steuerfräftiges, strebsames, fortschrittliches und musterwirt schaftliches Völklein gelten. Die Bevölkerung gab ihre Enttäuschung und sichtlichen Zurückseßung hie und da auch unverhohlen Ausdruck und es hat es sich nicht nehmen lassen, den Tag in ihren Gemeinden festlich zu begehen." An dem Festessen am Nachmittag in Bußbach war Lich ebenfalls offiziell nicht vertreten. Man verwundert sich auf der einen Seite darüber, auf der andern aber kann man es verstehen!
Bei dem Festessen wurde der Landtagsabgeordnet Jouz, der„ Gründer" der Bahn, in besonders oftentative Weise gefeiert. Man wisse wahres Verdienst auf dem Lande zu schäßen," hieß es von allen Seiten. Jouß erklärt, daß er den Wahlkreis nach wie vor auf's beste und nah drücklichste vertreten und für die Erstrebung weiteret Bahnlinien nach Wetzlar bezw. Usingen- Idstein unentwg eintreten werde.—
* Hesische Landes hypothekenbank, Darr stadt. Für Mk. 15 Mil. 32 proz. Hypothekenpfan briefe Serte III- V obigen Instituts wurde seitens br Mitteldeutschen Kreditbank. Deutschen Effekten- und Wechsel bant, Distontogesellschaft, Darmstädter Bant, Frankfure Filiale der Deutschen Bant, Pfälzischen Bank und da Bankhause L.& E. Wertheimer die Zulassung zur Frank furter Börse beantragt.
A. An den Vorarbeiten der schon lange geplanten Bahr Usingen Weil münster, das Mittelglied an der Dur gangsstrecke Frankfurt- Weilburg, wird jeßt eifrig gearbeitet. Der Kreistag hat das Wiesbachtal zum Bau ausge wählt. Die interessierten Ortschaften haben sich auch bereit erklärt, zu den Baufoften 100 000 Mart beizutragen und den Grund und. Boden fostenlos zur Verfügung zu stellen. Gegenwärtig wird die Strecke abgesteckt. Sie berührt die Orte: Usingen, Wilhelmsdorf, Hundstadt, Grävenwiesbach Mönstadt, Audenschmiede und Weilmünster. Die Bahn ist bekanntlich bereits vom preußischen Landtag genehmigt. Bie verlautet, soll die Strecke schon 1906 dem Verkehr über geben werden.
D.-F.-V. Bu der Stiftung einer„ Hessenglocke" für das deutsche Kriegsschiff Hessen" wurde von der Ort& gruppe Klein Linden eine Sammlung veranstaltet, welche 8,30 Mt. ergab. Der Bahnbeamte A. Hoff er hielt das Ehrendiplom mit gleichzeitiger Ernennung zum Ehrenwart des deutschen Flottenvereins. Hoff hat sic seiner Zeit um die Gründung der hiesigen und benachbarten Ortsgruppe sehr verdient gemacht.
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