Ausgabe 
30.1.1904 Zweites Blatt
 
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jeines Berfalles gelegen haben mußten. Denn natürlich wurde, selbst wenn Stephans Pläne alle zum Besten gelangen, das Gut nicht von jeinen Lasten befreit. Die Hypotheken wur­den einfach an die Bank überschrieben, wo der Stephan beschäftigt war. Immerhin ist es ohne Zweifel angenehmer, seinem fernen unpersönlichen Gläubiger, als einem Nachbar rerpflichtet zu sein, unter dessen Augen man lebt, und vor dem man sich ade Tuge busen soll. Ueberdies war er im Innern von war­rell kein großer Freund, während er an Stephan nur das Eine, daß er nicht von Grundeigentum herstammte, auszusetzen hatte. Denn ein Landwirt von Blackdornschem Schlag hätte eine Verbindung mit einem Earl als Mißheirat angesehen, hätte der betreffende Bair nicht seinen Erbhof und sein Erbgut besessen.

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den 30

Januar

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1904

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Sieh, Stephan, da! Sind wohl wieder fremde Kühe auf unserem Gras!"

,, Aber nein, Kitty. Wie könnten sie herauf. Die Zäune sind nirgendwo entzwei. Du sagst, fremde Kühe. Wo sind sie?" Kannst du nicht sehen? Da! Was schaust du mich so an! Auf meiner Nase grasen sie nicht. Dort drüben stehen sie auf der Wiese!"

Harlow& Co. werden dann die Hypotheken vom Weidenhof ablösen und sie selbst über­nehmen unter der einen Bedingung, daß sie für eine Zeit, für ein Jahr mindestens, die Bewirtschaftung des Gutes auch übernehmen: das kann dem Vater nur lieb sein, denn der Hof ist heruntergekommen und wird sich in der Pacht wieder heben. Das habe ich mit ihm bereits besprochen und wir sind beide einig geworden. Er will zu uns nach Millport kommen, sich ein Jährchen Ruhe gönnen, und wenn er sich erst an das Leben dort gewöhnt hat, wird er auch ein zweites Jahr bei uns bleiben und noch eins und noch eins, so viele ihm noch beschieden. Er wird nach wie ,, Aber Stephan, spotte nicht, bitte du vor Blackdorn vom Weidenhof bleiben, das, weißt doch­

So, richtig, dort stehen Stühe warum soll es auf Wiesen feine Kühe geben?"

,, Auf unseren gibts feine."

Gehen wir näher heran. Richtig, jetzt seh ich genau. Es sind eure. Kennt die Hof­tochter nicht ihr eigenes Vieh?"

" Ja, gewißlich weiß ich. Gefallen die Tiere dir nicht?"

Ob sie mir gefallen. Wenn wir solche Kühe besäßen!"

,, Möchtest du sie besitzen" Sage flink nur ein ja. Und husch! Eins, zwei drei! Sichst

Aber Stephan hast du etwa gar die Kühe für uns gekauft?"

Nimm dich in acht, Mädchen. Zieh nicht

Und dieses Vorturteil war sequent sind die Menschen- in ihm durchaus| nicht um einen Deut weniger ausgeprägt, ob er selbst einst eine solche ,, Mesalliance" ge­schlossen; seine selige Frau war nämlich auch| du! Sie sind dein!" nicht vom Lande, sie war die Tochter eines Londoner Geschäftmannes gewesen, der ir­gendwo an der Themse seine Abladestätte be­jaß. Zudem war die Heirat unter Umständen geschlossen, die, wenn auch für keinen ehren­rührig, doch einen dauernden Bruch zwischen dem damals wohlhabenden Landmann und dem noch besser situierten Kaufmann hervor­brachten, der niemals ausheilte. Bis zu seinent ehlgeschlagenen Versuch, sich durch einen Tritten an den Alten zu wenden, war nicht ein Wort zwischen ihnen beiden gefallen; wei harte Schädel waren in ihnen anein­ander geraten. Selbst nicht der Tod Frau Blackdorns hatte sie, wenn auch nur äußerlich, einander näher gebracht. Es war das Blut des alten Gauners aus London, dachte Black­dorn oftmals bitter, das seinem Sohn Richard in den Adern lag, dessen Namen er verloren und der sein Vater und er selbst wußten, warum, aber sonst feiner wußte wohin auf und davon gegangen war.

Alles das hatte Stephan Harlow genii­gende Muße zu beobachten und zu überdenken. Mit der ersten Gelegenheit fuhr er nach Runchester hinein und mit der ersten Post er­hielt er seine Ersparnisse übersandt, die er einem zukünftigen Schwiegervater übergab. Dann kam ein Brief von Preston& Co., der thn aufforderte, über das Gut, das sie beleihen sollten, nähere Angabe zu machen. Und nun fand Stephan Harlow alle Hände voll zu tun, Karten und Pläne, Anschläge und Besitztitel zusammenzuschaffen. Die Stunden aber, die er frei behielt, wurden seiner Kitty gewidmet.

Dieser war zu Mute, als hätte sie dicht am Rand des Abgrundes gestanden, als hätte ein Wunder ihr statt Jammer und Elend Glück und Freude gebracht. Und das alles hatte sie ihm, Stephan, zu danken. Sie hatte ihn von jeher gern gehabt und lernte unschwer, ihn jetzt innig lieben. Wer hätte jemals geglaubt, daß aus dem Sohn des betrunkenen Dorf= schmiedes ein solcher Mann werden würde! Wäre Dick, ihr Bruder, nur halb so tüchtig, wie Stephan gewesen!

Eines Abends machte er ihr eine köstliche Ueberraschung. Stephan, der den ganzen Tag über auf dem Grundbuchamt in Runcheſter zu tun gehabt, bat sie vor dem Essen, mit ihm noch ein Weilchen sich im Freien zu ergehen. Sie schritten langsam durch das Hoftor und hinunter den stillen Weg, der nach dem Dorfe führt, als Kitty plötzlich stehen blieb und auf etwas zeigte.

Imminen Ruppen the page.

Gut bleibt das seine, ob er darauf wohnt oder nicht, nur ist er der Last mit ihm enthoben. Er soll weder das Gut verlieren noch dich. Der ganzen langen Rede kurzer Zweck aber ist der ich fahre morgen nach Hunchester hinein; ich kaufe die Ringlein. Wir lassen uns trauen und brechen dann nach Millport auf alle drei zusammen! Wir warten nur ab, bis Preſtons ihren Inspektor herschicken. Und dann, Liebling, wollen wir glücklich sein."

Und sie war, als sie ihn hörte, ganz seiner

Beimkehrender Walfifchfänger mit der Beute im Schlepptau.( Photographische Aufnahme.)

war, so beseligt und glücklich, daß sie sich nicht vorstellen fonnte, daß irgend etwas im Leben sie noch glücklicher zu machen vermöchte.

Stephan," antwortete sie und jah ihm dabei voll ins Gesicht. Wie du es wünsches: und willst, will ich es auch. Wenur guter Wille genügt, sollst du, ich gelobe dir, der glücklichste Mann auf Gottes Erdboden werden."

noch einmal deine kleine weiße Stirn so in| Ansicht. Nur war sie schon, seit sie verlob: Falten oder aber der Zauber vergeht und das Vieh fliegt auf und davon und über den Mond. Lassen wir übrigens jetzt auch die Kühe. Gib mir einen Kuß, und sie sind ge­nügend bezahlt, wenn ich sie kaufte. Doch nun zu wichtigeren Dingen, die ich mit dir zu be­sprechen und über die ich schon heute Morgen mit deinem Vater geredet habe. Ich kann meine Ferien und meinen Aufenthalt hier nicht mehr länger ausdehnen. Ich muß nach Millport zurück ins Joch, aus dem ich fürs erste nicht leicht wieder herauskommen werde. und du, Kitty- willst du mit mir gehen?" ,, Wer, Stephan- ich?"

Wer anders? Gewiß du! Und darüber wollen wir einmal reden. So höre, was ich für das Beste erachte. Ich habe ein paar Mal an Prestons geschrieben, aber sie wollen nichts davon hören, daß ich sie verlasse und mich in Hunchester etwa auf eigene Faust in meinem Fach etabliere, wie ich es beabsichtigt hatte. Lieber wollen sie mich gleich in ihre Firma aufnehmen. Du erkennst daran, wie sie mich schätzen. Sie wollen fein Kapital von mir, sie wollen nur mich," fügte er mit natür lichem, chrlichem Stolz hinzu. Preston,

Uhr hier eingetroffen und am Bahnhofe auf Kosten des Senats bewirtet worden. Von dort wurden die Truppen nach dem Peterskai gebracht, wo die Einschiffung an Bord des Dampfers erfolgte. Gegen 10% Uhr erschien der Komman­dierende General des 9. Armeekorps Generalleutnant b. Bock und Polach an Bord des Dampfers zum Abschied von den Truppen. Gegen 12 Uhr verließ der Dampfer Adolph Börmann" unter lebhaften Kundgebungen der ausreisenden Mannschaften und der am Kai versammelten Menge den Hafen.

Die Chancen der militärischen Operationen lassen sich an nachstehendem Situationsbilde ermessen: Wind­huf ist gegen Norden abgeschnitten, Okahandja von allen Seiten und ebenso Otjimbingme. Bis Karibib sind die Deutschen Herren der Bahn, aber Regengüsse und die da­durch hervorgerufenen Ueberschwemmungen haben im Tal des Khanflusses die Stred zerstört. Der Kommandant des Habicht" hofft bis Anfang Februar die Linie wiederher­stellen zu können, eventuell will er aber auch zu Fuß vor­rücken. Vielleicht wäre es angebracht, da nach des Ober­leutnants v. Bülow letten Meldungen Okahandja noch einige Zeit gehalten werden kann, zu warten, bis der am 3. Jebruar in Swakopmund eintreffende Verstärkungs­transport angelangt ist. Windhuk ist nach sachverständigem Urteil für die Aufständischen als uneinnehmbar zu betrach

ten und mit 230 Gewehren genügend verteidigt, trotzdem das Fehlen der Geschütze vor dem groot roer" haben die Eingeborenen beillose Anast natürlich schmerzlich em=

Tafata, fleine Schlange danke für deine Vorsätze. Jezt gib mir aber rasch nur einmal dein Fingerchen her, daß ich es messe."

An dem dieſem glücklichen Abend folgen. den Vormittag hatte Marrell, obgleich es erst acht Uhr war, bereits alle seine Felder besucht, seine Knechte und Mägde bei der Arbeit kon trolliert und eine ganze Menge anderer wich)- tiger Dinge erledigt. Er war ein mit Fleiß und Verstand wirtschaftender Landmann, wie es zu der damaligen guten alten Zeit nich: viele gab. Und darum fam er auch hoch), während alle seine Nachbarn rings um ihn herunterkamen. Als er vom Felde heims fehrte und sein Haus betrat, das groß und fahl in einem verwilderten Garten ohne eine einzige Zierblume stand, kochte er sich am Küchenherd selbst einen Topf Grüße und ver­

In

Millionen hat es nicht schon der Kriegsmöglichkeit geopfert! Seit Monaten sind die Urlauber zu den Fahnen eingezogen, die Arsenale sind in fieberhafter Tätigkeit. Zwei neue Kreuzer wurden gegen Barzahlung im Auslande gekauft; von dort bezog man auch große Getreide und Kohlenvor­räte. Der Handel stockt. Der Wohlstand und das Gedeihen des Landes leiden unter dem lähmenden Kriegsdruck. So sieht sich Japan ganz abgesehen von seinen starken foreanischen Interessen in die Lage eines Kaufmannes versetzt, der sich in einer Unternehmung derart festgelegt hat, daß ihr Aufgeben seinen finanziellen Ruin bedeutet. Er muß sie durchbiegen, wenn sein Tun auch einem Va- banque­Spiel gleicht. In bezug auf Japan kann obendrein von einem solchen Spiele gar nicht die Rede sein. Das Land hat gute Erfolgschancen für sich: ein gerüstetes, in seinem militärischen Werte nicht zu unterschäßendes Land­heer und eine schlagfertige, einheitlich zusammengesette, mo­derne Flotte. Gerade jetzt hasardiert Japan am wenigsten, wenn es in den früher oder später anscheinend unvermeid­lichen Krieg mit Rußland tritt. Seine Machtmittel werden nach menschlicher Voraussicht im Laufe der kommenden Jahre nicht in dem Maße wachsen wie die Rußlands im fernen Osten. So ist es dem vielfach überschäßten- aber in letzter Zeit auch viel verlästerten- Inselvolke nicht zu verdenken, wenn es losschlägt.

Die Politik.

A Den Dank des Kaisers an sein Volk für die Kund­gebungen au Kaisersaeburtstag bringt folgender Erlak an

13. Jahrgang.

einspaltige Petitzeile für ganz Obert ind Marburg 10 Pfg. fonft 15 Bfg. Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. ingsliste No. 3269.

on: Gießen, Seltersweg 88, chanschluß Nr. 362.

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fung)

I und Umgebung on Oberhessen.

teichsanzeiger veröffentlicht wird.

alle Stände, Alt und Jung, ge­Freude über seine glückliche Ge­ei durch diese Aeußerungen treuer Anhänglichkeit hoch beglückt ratulanten seinen wärmsten Dank Herr mir Leben und Gesundheit werde ich nicht aufhören, meine terlandes zu stellen und auf das Volkes in allen seinen Schichten edacht zu sein."

Aussöhnung des Hauses Cum­Kaiserhause weiß ein Münchener öhnungsbestrebungen seien soweit hende Hochzeit des Großherzogs mit der Prinzessin Alexandra für Wilhelms mit dem Herzog Ernst geben werde. Der erfolgreiche den so lange sich entfremdet ge­iusern war kein anderer als der ' n Dänemark. Der alte König , daß er einer der aufrichtigsten soll überfroh sein, daß es ihm Jen Frage mit Erfolg zu ver=

haben die Getverbe- Inspektions­serbereferendare", die Gewerbe­

Titel Gewerbeassessoren" er­onwechsels in Anhalt steht eine 1 Vernehmen nach einen Straf­drei Jahren enthält.

er deutschen Aerzteschaft und den rauszusehen war, durch die Be­fenfassentages nur noch heftiger egt sieht man die Wirkung der Resolution in dem zielbewußten en bisher getrennt marschieren­igruppen, wie er allerorten zu= in, wo der Boden für die Ab­bisher noch am günstigsten war, ihre Kollegialität hin sämtliche f 5 Jahre eingegangenen Ver­enüber rückgängig gemacht. Eine Lösung der Frage ist im Inter­d herbeizusehnen, um so mehr, des Grafen Posadowsky die weiter ausgedehnt zu werden etär erkannte die Berechtigung ndlichen Arbeiter, an den Wohl­nehmen, im Prinzip vollkommen jetzt bei den städtischen Kassen stellen, wie soll es erst auf dem verten Verkehrsverhältnissen, die bweislich nötig machen?! tand in Deutschland ab oder zu? ie Forderung nach sozialen Ge­nde Berechnungen berufener ß der Wohlstand des deutschen en sei. Folgende Zahlen mögen illustrieren: 1902 waren in den , weil das Einkommen den Be­erschreitet, 50,80%, 1903 nur tve 1902 67,04%, 1903 nur mt 1902 59,66%, 1903 nur Gegenwartig haben also bereits über zwei Fünftel der Bevölkerung ein Einkommen von 900 Mt. Da­bei ist zu berücksichtigen, daß zu dem Reste von 58,92%, dessen Einkommen über 900 Mt. nicht hinausgeht, ohne Zweifel noch eine große Anzahl von Personen gehört, die durchaus nicht den unbemittelten Schichten zuzurechnen sind, so z. B. Söhne und Töchter wohlhabender Bauern, die in fremder Haus- und Landwirtschaft ein eigenes, aber 900 Mt. nicht überschreitendes Arbeitseinkommen erwerben, oder Kinder reicher Leute, die ein eigenes, der Verfügung des Familienoberhauptes nicht unterliegendes Zinseinkommen bon nicht mehr als 900 mf. besißen. Es sei noch hervorge­hoben, daß der Teil der Bevölkerung mit über 3000 Mt. Ein­fommen ebenfalls im Wachsen ist; so waren in der Gesamt­bevölkerung 1903 4,36% gegen 4,34%, in den Städten 7,37% gegen 7,39%, auf dem Lande 2,01% gegen 1,99% im Vorjahre.

Italien.

Der Führer der jüdisch- zionistischen Bewegung, Dr. Theodor Herzl aus Wien, weilt gegenwärtig in Rom, wo er nicht bloß vom König, sondern auch vom Papst em­pfangen wurde. Papst Pius zeigte lebhaftes Interesse für die Bestrebungen des Zionistenführers.

Russland.

Die Russifizierung Finlands wird mit allen erdenk­lichen Gewaltmaßregeln konsequent durchgeführt. Der rus­sische Gouverneur General Bobrikoff läßt sich keine Gelegen­heit entgehen, den Finländern nachdrücklich und in beleidi­gendster Form zu zeigen, daß es mit jedem Restchen der alten Selbstverwaltung ein für allemal vorbei ift. Seti