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HURINGEN

NOWN

FÜR UNSERE JUGEND

Der misvergnügte Spak. Auf dem Dache ganz allein Saß Herr Spatz und grollte, Daß der warme Sonnenschein Heut nicht kommen wollte.

Federröckchen kaum genügt Für so starken Regen:

,, Ach" piept er ganz mißvergnügt Heißt das Frühlingssegen!?"

,, Träumte längst von Schoten grün, Heimlich sie zu haschen

Sah schon weiß den Kirschbaum blühn, Freute mich aufs Naschen.

"

Aber nun" ,, Still, lieber Mann," Mahnt Frau Spätzin leise, ,, Denkst du, ohne Regen kann Reifen süß die Speise?

Immer kann der Sonnenschein Uns doch nicht umgeben,

Mit dem Regen kommt Gedeihn Auch in unser Leben.

,, Sieh doch, wie die Bäume prangen In dem frischen Grün,

Bald kannst du dir Kirschen langen

Ohne viel Bemüh'n.

Der die Blumen blühen macht,

Ob der Sturmwind tost,

Gibt auch auf uns Spazzen acht,

Darum sei getroſt."

Büffeljagd in Südafrika.

Erlebnisse eines deutschen Jägers.

Vor Jahren war ich in Südafrika in der Republik Trans­baal und habe manche Jagd mitgemacht. Es ist ein schönes Land, zumal dort, wo Ströme und Flüsse ihren Weg nehmen und dem Lande Bewässerung geben; aber wo Wasser fehlt, glaubt man das Land in den verschiedenen Jahreszeiten nicht miedererkennen zu können. Im Herbst und Winter dünkt min sich dort in dem Gebiete des Todes; das Gros ist herunter­gebrannt, und ganze Flächen sind kohlschwarz. Steingeröll bedeckt den Boden überall, größere und kleinere Blöcke und Steine liegen so dicht nebeneinander, daß man kaum begreift, wie Gras zwischen ihnen Platz findet zum Wachsen. Ein einziger warmer Frühlingsregen, und doch schauen sofort die kleinen dünnen Grasspigen hervor und werfen einen grünen Lebenshauch über das Todesfeld. Leben kommt in die ganze Landschaft, und bald ist nichts zu sehen, wie die üppigsten, schön begrasten Hügel. Im Sommer hat man Not, durch das Gras sich hindurchzuarbeiten, welches stellenweise eine solche Höhe erreicht, daß ein Reiter mit seinem Pferde darin ver­schwindet.

Es war Frühling in Transvaal, und ich durchstreifte mit einem Neger das Land auf der Jagd. Nicht weit strömte der Fluß Limpopo, und häufig waren Sümpfe und Gewässer. Damals war das Wild noch zahlreich in jenen Gegenden, und reichlich lohnte die Jagd. Jetzt mag aber auch das schon anders sein. Vor den unaufhörlichen Nachstellungen ziehen sich die Tiere immer weiter zurück und kommen wenigstens in großen Scharen nicht mehr vor.

Wir näherten uns einem Sumpfe, und unsere Hunde waren kaum mehr zu halten. Bald hörten wir auch dumpfe Laute; ein Brüllen und Grunzen tönte aus dem Rohrdickicht und dickem Gebüsch hervor. Es war mir bald klar, daß eine Herde kapischer oder kafferischer Büffel vor uns war. Vor­ichtig schlichen wir heran, denn dieſe kafferiſchen Büffel sind iußerst gefährliche Tiere, im höchsten Grade böswillig und ückisch. Die Jagd auf sie bringt deshalb nicht geringere Gefahren, wie diejenige auf Tiger. Mit sinnloser Wut türzen sie sich auf ihre Gegner, greifen Menschen und Tiere

ohne Zögern und ohne Wahl an, schmettern sie zu Boder und zerfleischen sie mit Hörnern, welche wie ungeheure Wulste auf der Stirn aufliegen, und deren Spizen sich in der Mitte fast berühren, und zerstampfen mit den Füßen. Bald ge wahrten wir auch die sich im Schlamm wälzenden Büffel, wie sie am Tage gerne tun, während sie vom Abend bis Morgen gierig Blätter und Gras abweiden. Unsere Hunde eilten mit Tautem Gebell auf den Sumpf zu, aus dem sich die schweren Tiere auf ihren kurzen, dicken Beinen brüllend erhoben, um über die grüne Weide davon zu traben.

Hinter einem Baume stehend, sandte ich ihnen aus meiner Büchse Kugeln nach, von denen die eine ein Tier nieder­streckte; ein zweiter Schuß traf eine Büffelkuh, an deren Seite ein junges Tier lief. Verwundet machte der Büffel halt, wandte sich kurz um und kam, vor Wut schäumend und zor­niges Brillen ausstoßend, auf den Baum los, hinter dem ich mit dem Kaffer stand. Es konnte eine schlimme Sache werden, denn wir waren verloren, wenn wir nicht sichere Hand behtelten. Die Wut hatte den Büffel unfähig gemacht, zu sehen, sinnlos stürzte er vorwärts, gerade auf den Baum los, hinter dem ich mich barg. Dicht vor mir prallte die mächtige Stirn gegen den Stamm; betäubt stand das Tier einen Augenblick. Aber ich sprang sofort seitwärts und rich­tete die Mündung der Büchse aus nächster Nähe auf die Bruft des Angreifers. Ein Schuß, und auf den Boden sank er. Der junge Büffel war seiner Mutter gefolgt und wurde von uns gefangen und behalten. Ein wenig gewöhnte er sich an die Gefangenschaft und legte die Wildheit bis zu einem gewissen Grade ab. Da aber doch, als er heranwuchs, die böse Gesinnung gelegentlich hervorbrach, mußte auch er später sein Leben lassen.

Rätsel und Aufgaben.

1. Mit L bekleidet's Fuß und Hand, Mit Flernt führen sie gewandt.

2. Als einſt das Erst' im Zweiten ſich verſteckt, Um da der frischen Wande klug zu pflegen, Hat scharfes Aug' das Ganze dort entdeckt, Und reger Geist nußt es zu aller Segen.

3. Ihr müßt sie täglich alle essen

Als Grütz, als Kuchen, Mehl und Brot; Der Herrgott hat sie zugemessen, Damit ihr leidet keine Not.

Auch ist's ein Mann von großen Gaben, Der diesen schönen Namen trägt. Wenn ihr an diesem euch wollt laben, So leset seine Lieder recht.

L

Spiele im Freien.

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Der Bärenschlag. Nach einem Abzählreime wird bestimmt, wer zuerst Urbär" sein soll. Diesem wird an einer Seite des geräumigen Spielplatzes ein besonderes Mal angewiesen. Die übrigen stellen die Herde dar und wandern abwechselnd, wie beim schwarzen Mann", von einem Ende des Platzes zum andern. Alle sind mit Plumpsäcken bewaffnet. Ein Schlag damit darf aber nur auf den Rücken erteilt werden. Der Urbär" bedarf keines Plumpsacks; es genügt, daß er einen der Mitspielenden mit der flachen Hand berührt, um diesen auch zu einem Bären zu machen. So lange er noch keinen zum Bären" geschlagen hat, darf er von niemand behelligt werden. Jeder sucht ihm zu ent fliehen; hat er aber einen Spieler zum Mitbären" gemacht, so müssen beide so rasch wie möglich nach ihrer Bärenhöhle" flüchten, denn alle übrigen verfolgen sie mit Plumpsackschlägen. Von ihrer Höhle" aus unternehmen beide" Bären" einen ges meinschaftlichen Raubzug, müssen sich aber dabei mit je einer Hand anfassen. Jeder von ihnen kann einen neuen Bär" schlagen. So wird bei jedem neuen Auslaufen die Bärenkette" länger. Die Flügelmänner schlagen andere zu Bären"; sobald ein Bärenschlag" aber erfolgt ist, lassen alle Bären" sich los und laufen rasch zur Höhle" zurück, da sie jedesmal geprügelt werden. Ist ein Bär" zu müde und will etwas ausruhen, so bittet er um ,, Gunst" und bleibt während seines Auslaufens in der Bärenhöhle" zurück.

D

Str. 95

Ficktag, den 29 April

1904.

Oberhessische Familienzeitung.

Cägliche Unterhaltungs- Beilage

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Gießener Neueste Nachrichten.

Dnd und Berlag ber Chefener Berlagsbræderst, vorm. Bih Rollerichs Gudbradssei( gegs. 1788); ververs

( 4. Fortsetzung.)

Iwan der Schreckliche.

Original- Roman von Hans Hoffmann.

,,, Du kommst mir auf kein Damenkränzchen mehr, Helene! Dein Gelächter zeigt mir, daß du heute schon Schaden ge­Ittten hast. Ich habe ja doch nicht gesagt, daß alles wahr ist; ich bin zum Beiſpiel vollkommen überzeugt, das Liebesver­hältnis, von dem die Rede gewesen, ist ein ganz unschuldiges geweſen, aber die vielen Duelle sind und bleiben denn doch berdächtig, wenn man auch annimint, daß er jedesmal provo­ziert worden ist-"

Siehst du, liebste Mutter," sagte Helene mit ungestörter Heiterkeit, so gefällst du mir, so mußt du immer sprechen, wenn die Leute dich ausfragen wollen. Begreife doch, daß gerade der Ruf eines wilden Pistolenschützen ihm nur nüz lich sein kann, weil sich die Leute und auch seine Schüler dann noch mehr vor ihm fürchten, als sie jetzt schon tun- und weiter braucht er ja nichts! Wir müssen, so viel wir können, dazu beitragen, ihn in Respekt zu setzen, Mutter. Siehst du, und dazu kommt das schauerliche Gefasel ganz wie gerufen.'

Die Frau Rechnungsrätin blickte ihrer Tochter unendlich verblüfft ins Geſicht und begnügte sich dann damit, leiſe vor sich hin zu seufzen.

Als sie zu Hause angekommen waren, begab sich Helene unverzüglich in den Hof, woselbst sich ein hölzerner Ausguß­fasten mit beweglichem Deckel befand. Diesen Deckel hob ſie auf und schmetterte ihn mit aller ihr verliehenen Kraft, welche nicht gering war, wieder hinab, dadurch einen Knall erzeugend, der sich von einem mäßigen Kanonenschlag nicht wesentlich an Kraft unterschied. Dieses merkwürdige Spiel setzte sie in Pausen eine beträchtliche Weile fort. Voll Ent­sezen erschien die Frau Rechnungsrätin im Küchenfenster und sah staunend die rätselhafte Leibesübung ihrer verſtän­digen Tochter.

Kind, unglückliches Kind," rief sie hinab, was treibst du für Tollheiten? Die ganze Nachbarschaft wird in Aufruhr geraten!"

Das soll sie auch," entgegnete Helene ruhig und ließ ihr Geschütz wieder knallen, und wenn sie kommt, sagen wir: Der Herr Doktor übt sich im Pistolenschießen!"

( Nachdrud verboten.))

Drittes Kapitel.

Das Mädchenerziehungsinstitut von Fräulein Leinemann genoß auf Meilenweite des glänzendsten Rufes. Es gali für eine Muſteranſtalt in Hinsicht auf Sitte und Lehrer. Feſtere Disziplin, edleren Unterricht für junge Töchter be mittelter Stände gab es nirgends. Es war gleichsam eine chemische Waschanstalt für Mädchencharaktere; die zerknittert­ſten und verstaubtesten Exemplare kamen aus ihr zurück, wie gebadet in Wohlanständigkeit und weiblicher Tugend."

Die Mittel, durch welche Fräulein Leinemann solche Wunder vollbrachte, waren die denkbar einfachsten; sie bestanden einzig und allein in sanften Blicken; Strafen kannte sie nicht. Diese Blicke aber übten über ihre Schülerinnen eine fast unwider­stehliche Gewalt, selbst fühllose Gemüter schmolzen vor dieser kondensierten Sanftmut in Reue dahin, und zartere Seelen fürchteten sie wie der Teufel das Weihwasser.

Als denkende Pädagogin wußte sie natürlich die Intensität ihrer Zuchtblicke genau nach der Schwere der Vergehung ab­zumeſſen. Für eine gewöhnliche Vergeßlichkeit, einen schlecht geflochtenen Zopf, einen angetauten Federhalter und der­gleichen Mittelsünden gab es einen kurz hinhuschenden, mit Sanftmut nur leicht imprägnierten Blick, dem Jagdhieb derberer Erzieher zu vergleichen; erheblich verstärkt ward die Gabe schon bei Faulheit oder hartnäckiger Unordnung, hier kam schon der Blick der sterbenden Gazelle in Anwendung; wehe aber der Unseligen, welche der gerechte Vorwurf des direkten Ungehorsams" oder der Unweiblichkeit erster Klasse" traf! Der Blick, welcher sie züchtigte, war der In­begriff und Auszug aller Sanftmut spiritus clementiae rectificatissimus", sagte der Chemiker der Anstalt- er war engelhaft entsagend, hilfeflehend, in wollüſtigem Schmerz gebrochen, dämonisch verzweifelnd: die Sünderin vergaß ihn nicht mehr bis zu ihrem Todbette.

Um diese Zeit geschah es, daß der reichste Bürger der Stadt, der Kommerzienrat Gruber, von schwerer Strafe für einen unpatriotischen Hochmut ereilt wurde: er hatte nämlich sein einziges Töchterchen Alma mit ungerechter Umgehung des Fräulein Leinemann einem Berliner Institut anver­traut, und die sechzehnjährige Alma kam nun zurück als der. selbe hübsche, kleine Satan, der sie zuvor gewesen war, völlig ungebeſſert und ungezähmt, ein Ausbund aller Untugenden, das wahre Modell einer höheren Tochter, wie sie nicht sein soll. Da ging der Kommerzienrat in sich und bat reuevoll Fräulein Leinemann, die Sünden der weltſtädtischen Päda­gogik wieder gut zu machen und die milde Hand an seine ent­

Von diesem Tag an war der Ruhm Iwans des Schreck lichen in Stolpenburg fest bgründet; vor allem bei den Schülern und den jungen Damen. Wenn die letzteren durch das tragisch Erschütternde und prickelnd Schauderhafte in seinen Schicksalen und Taten mit einem geheimnisvollen Schauer erfüllt wurden, so wirkte die Erkenntnis, daß dieser Mann des Zornes auch anderer Leidenschaften fähig sei, völlig überwältigend auf ihre Herzen. Vor der Phantasie der Schüler aber ſtand ein Duell als die äußerste Höhe des Lebensartete Tochter zu legen. Das war ein Triumph, wie die ein­nach der dämonischen Seite hin; und zitternd fügten sie sich dem Gewaltigen, denn jeder hatte die geheime Angst, Iwan der Schreckliche würde ihm bei dem geringsten Ungehorsam eine Pistolenforderung schicken oder auch noch einfacher einen Revolver aus der Rocktasche ziehen, wie andere Leute ihr Taschentuch, und den Unbotmäßigen mit einer graziösen Sandbewegung, auf seinem Plaz niederknallen. So hüteten sie sich wohl, seine Wut in Versuchung zu führen.

heimische Erziehungskunst noch keinen erlebt hatte, ein öffent­lich erteiltes Vertrauensvotum, das Fräulein Leinemann nicht hoch genug schätzen konnte; es war ein Geschenk, das sie sich wie bares Geld rechnen durfte, denn eine wirksamere Reklame ließ sich nicht gut ausdenken. Freilich verbarg sie sich auch nicht die Schwierigkeiten und Fährnisse, welche ihr etn solcher Zögling ins Haus brachte, allein der Stolz und der Ehrgeiz siegten, und sie gewährte dem reichen Mann mit ruhigem Lächeln seine Bitte.