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Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., n's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertel­jährlich Mr. 1.50.

Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich).

Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Donnerstag, den 28. Januar 1904.

Gießener

13. Jahrgang.

Insertionspreis: Die einspaltige Petitzelle für ganz Ober hessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 kg. Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3269.

Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 88 Fernsprechanschluß Nr. 362.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeifung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wezlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Die Etatsberatung im Reichstag.

( Von unserem parlamentarischen Mitarbeiter.) Noch in jedem Jahr hat die Beratung des Etats des Reichsamts des Innern länger als eine Woche gedauert. Auch diesesmal wird es nicht anders werden; im Gegenteil, viel­leicht wird noch mehr Zeit verbraucht, weil die einzelnen Parteien eine große Fruchtbarkeit in der Schaffung von Resolutionen entwickelt haben und weil manche Initiativ­anträge und Interpellationen, die als solche nicht mehr zur Verhandlung hätten kommen können, als Resolutionen um­gearbeitet worden sind. Sie enthalten eine Reihe von ge­setzgeberischen Anregungen, die zu der Inventarausstattung der einzelnen Parteien gehören. Eigentlich neu ist keine von den Resolutionen. Immerhin aber haben die Erörterungen darüber doch eine beachtenswerte Uebersicht über den Geist und das Ziel unserer inneren Politik gegeben.

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das wesentliche ist doch, daß in Otjimbing we die vage nicht schlecht zu stehen scheint, und daß Okahandja mit der Kolonne Zülow und den dorthin geflüchteten Weißen gerettet ist. Ein am 26. in Karibib aufgegebenes Tele­gramm des nach Okahandja geflüchteten Prokuristen einer Braunschweiger Firma besagt: Mit einigen geretteten Klei­dungsstücken befinden wir uns munter auf der Feste Okahandja."

Im Vordergrunde stand vor allen Dingen die prinzipielle Auslassung über die soziale Mission der einzelnen Regie­rungssysteme. Die Sozialdemokratie hatte mit immer größer werdender Dringlichkeit die Ansicht verfochten, daß in der Republik das Proletariat ein größeres Maß von Freiheiten und Rechten genießen würde. Dieser Auffassung trat der Staatssekretär Graf Posadowsky mit großer Entschiedenheit entgegen, indem er betonte, daß es zwar eine demokratische Verfassung, aber nie eine demokratische Regierung geben könne. Eine jede Regierung sei eine Aristokratie, und wenn je irgendwo oder irgendwann eine Republik durch das Pro­letariat geschaffen werde, dann werde sich sofort eine Aristo­fratie des Geistes der Macht bemächtigen. Die Monarchie sei die zweckmäßigste Regierungsform, wei sie im eigenen Interesse die landesväterliche Fürsorge für alle Stände nicht aus den Augen lassen dürfe.

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In Swakopmund und Angra Pequena werden große Anstrengungen gemacht, um einen Transportdienst für die aus Deutschland kommenden Truppen zu organisieren. Die deutsche Regierung fauft in Kapstadt Proviant für die Expedition auf.

Nachdem die prinzipiellen Auseinandersetzungen über die beste Regierungsform erledigt waren, wurden die Wünsche der einzelnen Stände vorgetragen. Sehr warme Töne wur­den diesmal für einen Schutz des Mittelstandes und ins­besondere der Handwerker gefunden. Es kam aber nicht zu einer Einigung über positive Ziele, weil vorerst das Ergeb­nis der angestellten Erhebungen über die Wirkungen des Handwerkergesetzes abgewartet werden soll. Die Vorarbeiten dafür sind bereits abgeschlossen und dürften der Deffentlichkeit demnächst unterbreitet werden.

Der Lloyddampfer Darmstadt" mit dem Truppen­transport für Südwestafrika ist Mittwoch morgen wohl­behalten in Funchal( Madeira) angekommen. An Bord ist alles wohl. Der Dampfer ergänzte in Funchal seinen Kohlenvorrat und setzte im Laufe des Tages seine Reise fort.

Auf Aufforderung des Militär- Inspekteurs für frei­willige Krankenpflege werden demnächst vier Schwestern des Frauenvereins für Krankenpflege nach den Kolonien abreisen. Sie werden heute eingesegnet. In Südwestafrika befinden sich auf verschiedenen Stationen be­reits acht Schweſtern.

Die Entscheidung nabt!

borzuschlagen fino, tunsity julgenue Olunjuge bevujet werden: Auf das Oberlehrer dienst alter ist an­zurechnen die Zeit, während der ein Kandidat nach erlangter Anstellungsfähigkeit an einer höheren Lehranstalt beschäftigt war, ferner die Zeit, während der er als anstellungsfähiger Kandidat zur unbedingten Verfügung des Provinzialschul­follegiums gestanden hat. Auch die Zeit einer Beurlau­bung des Kandidaten ist anzurechnen, sofern der Urlaub nicht lediglich im Interesse des Kandidaten, sondern zugleich im dienstlichen Interesse, zum Beispiel zu seiner besseren Ausbildung, erteilt worden ist. Schließlich soll auch die Zeit angerechnet werden, während deren der Kandidat nicht zur Verfügung des Provinzialschulkollegiums stand, soweit sie nur im öffentlichen Schuldienst Preußens verbracht ist. Der Militärdienst, der nach erlangter Anstellungsfähigkeit geleistet ist, wird ebenfalls an= gerechnet. Bei gleichem Oberlehrerdienstalter entscheidet das Datum der Anstellungsfähigkeit, bei gleichem Datum der Anstellungsfähigkeit das Datum des Lehramtszeugnisses, bei gleichem Datum des Lehramtszeugnisses das Datum der Geburt.

,, Biegen oder brechen" ist jetzt die Devise Japans geworden. Die Regierung in Tokio drängt auf eine um­gehende Beantwortung ihrer Forderungen durch Rußland. Offenbar will Japan nicht länger warten, und, falls die russische Antwort ihm nicht zusagt, losschlagen. Aus Tokio wird gemeldet:

Mit großer Einmütigkeit sprachen sich die Vertreter der berschiedensten Parteien für die Schaffung von Organisa­tionen zur Schlichtung von Streitigkeiten zwischen Unter­nehmern und Arbeitern aus. Nur die äußerste Rechte machte im Hinblick auf die Erlebnisse in Crimmitschau Bedenken geltend. Die praktischen Vorschläge zielten vor allem auf Schaffung von Arbeiterkammern und von Schiedsgerichten mit Erscheinungszwang ab. Nur über die lezte Forderung äußerte sich die Regierung eingehend und zwar in ablehnender Form, weil ein Zwang zur Fortsetzung eines lästig empfun­denen Dienstverhältnisses dem deutschen Geiste durchaus widerspreche. Wenn sich auch die Regierung über die Frage der Arbeiterkammern nicht geäußert hat, so weiß man doch, daß die logische Konsequenz zu ihrer Schaffung zwingen wird, nachdem dem Handwerk, dem Handel und der Landwirtschaft bereits derartige Organisationen gewährt worden sind. Einst­weilen aber ist die Regierung, wie sich ebenfalls aus dem Verlauf der Beratung ergab, noch zu stark mit Reorgani­sationsaufgaben bei unserer Versicherungsgesetzgebung be­lastet, die im Interesse einer technischen Vervollkommnung und einer ökonomischen Ersparnis unter eine Centralver­waltung gestellt werden sollen. Diese Reorganisation wird dann endlich auch eine seit langem schwebende Frage, die Ausdehnung der Zwangsversicherung auf die Heimarbeiter, lösen.

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Der Herero- Aufftand.

Die japanische Regierung hat dem russischen Ge­sandten Baron Rosen mitgeteilt, daß eine baldige Antwort auf die letzte japanische Note erwünscht sei, und gleichzeitig betont, daß ihrer Ansicht nach die Note am 16. Januar in den Besitz der russischen Regierung gelangt wäre und daß somit hinreichend Zeitver­st rich en sei, um eine Antwort in Erwägung ziehen zu fönnen.

* Die dem preußischen Landtage zugegangene Novelle zum Gesetze betreffend die ärztlichen Ehrengerichte u. s. w. bringt einige auf vielfach geäußerten Wünschen der Aerzte­schaft beruhende Verbesserungen dieses Gesetzes. Unter anderem soll die bisher geltende Bestimmung, daß auch der nichtpraktizierende Arzt zu den Beiträgen an die Aerztekammer herangezogen wurde, beseitigt werden. Fortan sollen approbierte Aerzte, welche weder eine ärztliche Praris noch eine andere auf der ärztlichen Wissenschaft beruhende, gewinnbringende Tätigkeit ausüben, von der Bei­tragspflicht befreit sein, sofern sie dem Vorstande der Aerzte­kammer eine entsprechende schriftliche Erklärung abgeben. Die Befreiung von der Wirkungspflicht tritt mit dem Ab­laufe des Monats ein, in welchem die Erklärung an die Aerztekammer gelangt war. Bei Beanstandung der Erklä­rung entscheidet der Oberpräsident. Das Wahl recht und die Wählbarkeit zur Aerztekammer erlischt für die Dauer der Befreiung von der Wirkungspflicht. In die Klasse der von der Beitragspflicht befreiten nicht= praktizierenden Aerzte fallen jedoch die Professoren und Dozenten von den medizinischen Fakultäten nicht, gleichviel, ob sie sich mit rein theoretischen oder rein prak­tischen Teilen der medizinischen Wissenschaft beschäftigen. Ebenso wenig sind von der Beitragspflicht befreit die Ver­trauensärzte der Behörden und der Berufsversicherungs­gesellschaften, sowie die nichtpraktizierenden Medizinal­beamten.

Das ist ein ziemlich brüsker Ton, doppelt brüsk im diplomatischen Verkehr, der bekanntlich von äußerster Höf­lichkeit beherrscht wird. Weitere Meldungen besagen, daß die Petersburger Verhandlungen wegen der Antwort auf die japanische Note keine Fortschritte machen. Rußland habe dem japanischen Gesandten seinen aufrichtigen Wunsch aus­gedrückt, einen Konflikt zu vermeiden. Rußland wolle Japan vollkommene Freiheit in Korea lassen, wünsche aber im Austausch dafür die Garantie, daß die Südküste Koreas nicht befestigt werden soll. Japan weigert sich dessen, es fürchtet, wenn es nicht bei Zeiten festen Halt über Korea erlange, fönnte es eines Tages von Rußland verdrängt werden. In diplomatischen Kreisen ist man der Ansicht, nur ein von außerhalb der Parteien kommender Einfluß könne die Unterhandlungen aus dem gegenwärtigen Stocken her­ausbringen.

Keine Bestätigung der gestrigen englischen Sensations­meldung, dafür bessere Nachrichten aus dem Hererogebiet! Das ist das erfreuliche Facit der heute vorliegenden Mel­bungen. Beim Kolonialamt ist folgende Depesche vom Kom­mandanten des Habicht, Korvettenkapitän Gu dewill, ringegangen:

Ein solcher Einfluß, oder mit anderen Worten eine Ver­mittelung, ist indessen so gut wie unmöglich. China, das in einen russisch- japanischen Krieg hineingezogen zu wer­den fürchtet, hat sich an die Gesandten Frankreichs, Englands und Amerikas in Pefing gewandt und sie um die Ueber­nahme der Vermittlerrolle gebeten. Die Gesandten haben indessen die Chinesen über die Unmöglichkeit aufgeklärt, zwei Mächten eine Vermittelung anzubieten, die keine von beiden offen gewünscht und die eine bereits als un annehm bar bezeichnet habe. Die Anregung, die übrigen Mächte zu einer Vermittelung aufzufordern, ist übrigens von dem russischen Gesandten ausgegangen. Wenn es zum Kriege kommt, dürfte den Japanern am Ende doch klar werden, daß ihre Kriegslust vom Uebel war.

Nach neueren Nachrichten aus Otjimbingwe sind die Bastarde treu, am Ort 35 Gewehre, Kronwitter er­schlagen. Es ist sichere Nachricht aus Okahandja, daß Leutnant v. Zülow sich auf Wochen halten kann. Ein Versuch, mit Karibib Verbindung zu erhalten, ist wegen der Zerstörung der Bahn bei Waldau vereitelt. Es ist nachgewiesen, daß 16 Menschen ermordet sind und 70 vermißt werden. Die Reparaturen der Bahn bei Khan werden mindestens noch 4 Tage dauern, ich hoffe dann die Bahnverbindung mit Karibib freihalten zu können. Die Arbeit an der Bahn hinter Karibib ist borläufig eingestellt. Ich treffe Vorbereitungen, um von dort aus zu Fuß vorzustoßen.

So schmerzlich die Nachricht von dem Tode der sechzehn Deutschen und dem Verschollensein von siebzig anderen ist,

Die Politik.

Ueber die tägliche Dauer des planmäßigen Dienstes des Eisenbahnpersonals auf den preußischen Staats­bahnen ergibt sich aus einer dem preußischen Abgeord­netenhause übermittelten Uebersicht für 350 371 Beamte und Arbeiter folgendes: Bis a cht Stunden täglich waren 30 598 Beamte beschäftigt, acht bis neun Stunden 35 544, neun bis zehn Stunden 106 868, zehn bis e If Stunden 85 745, elf bis zwölf Stunden 67 109, zwölf bis dreizehn Stunden 13 227, dreizehn bis vierzehn Stunden 7144, bierzehn bis fünfzehn Stunden 3371 und fünfzehn bis sechzehn Stunden 1767. Weiter werden noch Angaben beröffentlicht über die planmäßigen Ruhetage für 228 445 Beamte. Von diesen erhalten monatlich mehr als zwei Ruhetage 138 409, zwei Ruhetage monatlich 72 753, anderthalb Ruhetage 10 412, einen Ruhetag im Monat 6871 Beamte. Diese Statistik weist gebieterisch auf die Notwendig­keit der Entlastung einer großen Anzahl von Beamten hin. Ist diese im Interesse des Dienstes nicht durch Verkürzung der Arbeitszeit möglich, so muß die Zahl der Ruhetage der Ein Be­belasteten Beamten erheblich vermehrt werden. amter, der täglich 16 Stunden Dienst tut, hat Anspruch auf einen vollen Ruhetag in der Woche, außer dem Sonn­tag, oder er leidet Schaden an seiner Gesundheit.

* In parlamentarischen Kreisen gehen Gerüchte um, die Stellung des preußischen Ministers des Innern, Freiherrn v. Hammerstein, sei erschüttert. Als Grund wird ange­führt, der Kaiser habe an einer gelegentlichen Aeußerung des Ministers persönlich Anstoß genommen. Als Nach­folger des Freiherrn v. Hammerstein wird der Vizepräsident des Herrenhauses, Freiherr v. Manteuffel, genannt.

Der neue Erzbischof von Köln, Kardinal Fischer, ist am gestrigen Kaisergeburtstage aus besonderem Vertrauen als lebenslängliches Mitglied ins preußische Herrenhaus berufen worden. Außer ihm widerfuhr die gleiche Ehrung den Herren Generaloberst v. Wittich, Admi­ral Hollmann, Professor Hintpeter, Generalsuperintendent D. Faber, Banfier Megler- Frankfurt a. M.

+ Ueber die Verleihung des Professortitels an die Ober­lehrer ist in Preußen ein neuer Ministerialerlaß ergangen. Danach sollen für die Reihenfolge, in der die Oberlehrer der höheren Lehranstalten zur Verleihung des Professortitels

Oesterreich- Ungarn.

Aus Olmük wird berichtet, Erzbischof Dr. Kohn sei zum Rücktritt entschlossen. Wie verlautet, will der Erz­bischof sich in ein Kloster begeben. Seine Ernennung zum Kardinal kommt nicht in Frage.

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Das

Kürzlich wurde von blutigen Grenzkonflikten zwischen Turkmenen und der persischen Besagung von Astrabad in Persien berichtet. Der Gouverneur von Astrabad erlitt bei Zusammenstößen mit den turkmenischen Grenz- Khans mehrere schwere Niederlagen. Nach neueren Nachrichten nehmen die Feindseligkeiten immer ernſtere Dimensionen an. Persien machte 2250 Mann reguläre Truppen und 2000 Mann vom Landsturm mobil. Haupthindernis für ein energisches Eingreifen Persiens liegt in der Korruption der persischen Offiziere, die die für die Truppen bewilligten Gelder unterschlagen. Die Turkmenen drohen, falls ihre Wünsche wegen Zollermäßigungen uner­füllt bleiben, sich unter russische Oberhoheit zu stellen. Man kann heute schon mit Gewißheit voraussagen, daß das Ende vom Liede das russische Protektorat über die Turkmenen sein wird.

Amerika.

Mit fieberhafter Anstrengung arbeiten die Yankees an der Verstärkuna ihrer Flotte. Nach einer Meldung aus