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FÜR UNSERE JUGEND
Fleiß'ge Hand Geht durch alle Land'. Glaube nur, du hast viel getan, Wenn dir Geduld gewöhnest an.
Der alte Husar.
Ein deutsches Volksmärchen.
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( Fortsetzung aus vor. Jugend- Nr.)] Da ging der alte Husar wieder hinab zu den KaufLeuten und fing von neuem an zu spielen. Jetzt soll's Ernst werden," sagte er und besetzte jede Karte doppelt und dreifach, und die Kaufleute sahen mit langen Gesichtern, wie die Reihe des Verlierens jest an sie gekommen war. Nicht lange, so hatten sie nicht nur ihr gewonnenes Geld, sondern auch ihr Sonstiges Hab' und Gut verspielt.
Da sagte er:„ Ich habe ohnehin genug, behaltet nur, was euer war." Da bedankten sie sich herzlich und gingen eilig fort. Dem Husaren aber war das gar nicht recht, er wollte gern noch mehr spielen; und so rief er den Wirt herbei und sprach:„ Wir wollen drei Spiele miteinander machen, Herr Wirt! Wer zwei davon gewinnt, der soll des andern ganzes Vermögen haben!"
Der leichtsinnige Wirt dachte, er müsse natürlich gewinnen, und war's zufrieden. Das erste Spiel gewann er auch, aber in den beiden anderen war der alte Husar der Glückliche, und der arme Wirt raufte sich verzweiflungsvoll die Haare." Was soll nun aus meinen armen Töchtern werden?" rief er einmal über das anderemal aus und rang die Hände.„ Nun, beruhigt Euch doch ein wenig," sagte der Husar,„ es geht Euch ja noch nicht um den Kragen, und außerdem will ich Euch einen Vorschlag machen. Seht! Ich bin noch unverheiratet; gebt mir also eine Eurer Töchter zur Frau, dann mögt Ihr Euer Vermögen behalten." Da ließ der Wirt seine Töchter rufen und fragte sie, ob eine von ihnen den alten Husaren zum Manne nehmen wolle. Die ältere weigerte sich entschieden, einem so wenig vornehm aussehenden Manne ihre Hand zu reichen, die jüngste aber gab errötend ihr Jawort. Da zog der Husar einen goldenen Reif vom Finger und zerbrach ihn in zwei Teile. Die eine Hälfte reichte er seiner Braut und sprach: Verwahre das, ich reise jetzt noch durch die Welt; und bin ich nach Jahr und Tag nicht wieder hier, so bist du frei und kannſt heiraten, wen du willst; komm ich aber zurück, und du hast die Hälfte des Ringleins noch aufbewahrt, dann soll sofort die Hochzeit sein." Am andern Morgen zog er fort. Im nächsten Walde machte er halt, holte das rote Buch hervor und fing an zu lesen. Sogleich erschien wieder der Diener, neigte sich vor ihm und sprach:
Mein Herr, des Buches Geist, Hat mich gesandt hierher,
Zu tun, wie du mich heißt.
Sprich, was ist dein Begehr?" ,, Schaffe mir Jugend und Schönheit zurück, wie ich sie hatte vor fünfundzwanzig Jahren, denn ich will jetzt durch die Welt reisen und ein frohes Leben führen."
Da reichte ihm der Mann ein Fläschchen, das solle er austrinken, und verschwand. Kaum hatte der Soldat den Inhalt bis auf den letzten Tropfen geleert, so befiel ihn eine große Müdigkeit, er legte sich nieder und war bald fest eingeschlafen. Als er erwachte, da fühlte er Jugendkraft in allen Gliedern; und doppelte Lust erfaßte ihn nun, fremde Länder und Menschen zu sehen. So wanderte er denn fort, und viel Gutes, doch auch manches Böse, begegnete ihm. Einmal hielt er sich in einem Lande auf, das war mit Krieg überzogen; und eben wurde eine Festung erstürmt, als er hinzukam. Da fühlte er das alte Soldatenblut wieder in seinen Adern erglühen. Er mengte sich beherzt unter die Schar der Kämpfenden und focht tapfer mit, rechts und links mit dem Säbel um sich hauend. Plötzlich aber packten ihn zwei derbe Fäuste, und mehrere Stimmen riefen: Ja, da haben wir den Spion!" Da half kein Sträuben, und all
seine Beteuerungen, daß er ein ehrlicher alter Soldat set, der nur, als er des Weges gekommen, seine Kampfeslust nicht habe bezwingen können, halfen ihm nichts. Niemand kannte ihn; und so wurde er ins Gefängnis geschleppt und sollte am folgenden Morgen kriegsrechtlich erschossen werden. Raum war er allein, so wollte er sein Buch zur Hand nehmen, damit die unterirdischen Mächte ihn aus seiner bedrängten Lage befreiten. Aber er griff in eine Tasche nach der andern, das Buch fand sich in keiner, es war und blieb verschwunden. Da kam ihm der Leuchter in die Hand. Er zündete die kleine Kerze auf dem Leuchter an und hielt nun, wie er glaubte, seine lezte Mahlzeit. Dann legte er sich nieder, um zu versuchen, ob er nicht noch ein wenig schlafen könne. Eben tönte die zwölfte Stunde vom Turme. Im selben Augenblick aber erdröhnte die Luft wie von hundert Kanonenschüssen, die Erde bebte, und die Mauern des Gefängnisses stürzten zusammen. Dem alten Husaren verging Hören und Sehen. Als er wieder zu sich kam und umherblickte, da befand er sich in dem unterirdischen Schlofse, aus dem er einst Buch und Leuchter geholt hatte, und eine Stimme rief:„ Du hast mich erlöst! In der Kerze steckte die Seele meines Beinigers, der ist jetzt mit ihr verbrannt. Nimm zum Dank dafür das Schloß und alles, was darinnen ist!"
Das gefiel dem alten Husaren sehr wohl, er dachte nun nicht mehr ans Wandern. Er besah sein schönes Schloß, die blühenden Gärten und die Ställe voll prächtiger Pferde. Dann zog er prinzliche Kleider an, befahl den Dienern, das Schloß festlich zu schmücken, und rollte endlich in dem schönsten Wagen, mit sechs Pferden bespannt, von dannen. Er fuhr aber schnurstracks nach dem Wirtshaus, wo seine Braut war. Der Wirt und dessen Töchter erkannten ihn nicht in seinem fürstlichen Aufzug. Als er sich mit Speis' und Trank gelabt hatte, sprach er:„ Herr Wirt, wollt Ihr mir wohl eine Eurer Töchter zur Frau geben?" Der sah ihn erstaunt an, ging aber sogleich, die zwei Mädchen zu rufen. Die ältere kam schön geputzt zuerst herbei, doch die gefiel dem vornehmen Herrn nicht, und er begehrte, ihre Schwester zu sehen. Da erschien mit gesenkten Blicken auch diese. Sie hatte ihr einfaches Alltagskleidchen anbehalten, und als der alte Husar sie fragte, ob sie sein liebes Weib werden wollte, da weigerte sie sich hartnäckig. Sie erklärte, sie sei schon verlobt. Alles Zureden ihres Vaters half nichts, und ste bestand einmal darauf, keinen andern zu mögen. Da freute sich der alte Husar, zog das halbe Ringlein hervor, reichte es ihr und fagte:„ Sieh zu, ob es nicht an deine Hälfte paßt, ich bin dein Verlobter." Das rechte Ringlein mag es wohl sein, aber Ihr seid doch nicht mein Bräutigam, denn der sah ganz anders aus." Da ließ er seine alten Husarenkleider aus dem Wagen holen und zog sie an. Als das Mädchen ihn so wiedersah, fiel sie ihm um den Hals und weinte Freudentränen.
Die ältere Tochter aber verging schier vor Neid über das Glück der Schwester, daß sie verzweifelte und nicht mehr leben mochte. Noch am selbigen Abend stürzte sie sich in einen tiefen Brunnen und ertrank.
Am andern Tage aber wurde die Hochzeit gefeiert, und der verjüngte alte Husar brachte seine glückliche junge Gemahlin auf sein Schloß.
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Rätsel und Aufgaben.
1. Naturgeschichtl. Ausziehrätsel. Mohn, Dotterblume, Rose, Aster, Reseda, Osterblume, Hortensia, Aurikel.
Ein Blumenfreund fand zu seiner Freude eines Morgens eine
frischaufgeblühte Blume. Der Name dieser Blume wird dadurch gefunden, daß aus jedem der vorstehenden Blumennamen ein Buchstabe herausgenommen wird und die so entnommenen Lettern alsdann, der Reihe ihrer Entnahme nach, zu einem Worte vereinigt werden. alonso
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2. Zahlenrätsel.
1 2 3 4 5 1 6 7 8 9 ein Erdteil,
1 2 3 4 8 5 ein Schalentier,
1 4 6 1 3 ein Gebirge in Nordafrika,
2 5 16 ein Gebirge in Rußland,
116 ein Fisch,
4 2 5 7 9 eine Stadt in Italien,
4 29 7 3 eine Stadt in Nordafrika.
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Nr. 143
Montag, den 27. Junt.
1904.
Oberbessische Familienzeitung.
Tägliche Unterhaltungs- Beilage
der
Gießener Neueste Nachrichten.
Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein.
( 10) Fortung))
Die
Die Adjaren.
Driginalroman von Arthur Gundaecarb. Suttner
,, Die Sonne war zu dreiviertel ins Meer getaucht, als er fich an der bezeichneten Stelle einfand. Er wartete noch ein paar Minuten und legte die Hand an die Tür sie mich in ihren Angeln zurück. Djambek trat in den dicht verwachsenen Baumgang, wo schon ein starkes Halbdunkel herrschte, und schritt langsam den Weg entlang. Als er um die Ecke bog, stieß er unwillkürlich einen Ruf der Ueberraschung aus, der eine fast gleichzeitige Erwiderung fand: er stand Thamar gegenüber.
,, Du!" kam es von beider Lippen.
,, Schnell dorthin!" Sie eilte gegen einen schmalen Seitenweg voran, von Djambek gefolgt, der seine Freude kaum zu bemeistern vermochte. Nach wenigen Schritten gelangten sie zu einer kleinen Grotte, die dicht mit Schlingpflanzen überwachsen war und jetzt sank ihm Thamar an die Brust.
,,, Geliebte, wie selig bin ich, dich wiederzusehen!" Er bedeckte ihren Kopf mit Küssen und schloß sie stürmisch in ſeine Arme.
Wäre dieser Augenblick nur nicht so furz!" seufzte sie. Ich kann dir nur wenige Minuten schenken, Geliebter die Gefahr ist zu groß." „ Für dich?"
" Für uns beide."
Dann muß ich mich fügen; gälte es nur meine Sicherheit, ich wäre bereit, jede Sekunde mit meinem Herzblut zu bezahlen."
Sprich nicht so; wir müssen hoffen, daß uns das Schicksal noch viele, viele Stunden, Tage, Jahre des Glücks vergönnen wird."
Nun, sag' mir, wie behandelt man dich? Verhehle mir nichts, Thamar, und vergiß nicht, daß ich jederzeit bereit bin, dich aus den Händen deiner Gefangenwärter zu befreien. Wie prächtig wäre heute die Gelegenheit!"
Nein, ich habe nur in einer Hinsicht zu klagen, nämlich, daß ich dich nicht mehr sehen kann wie früher. Ohne jenen elenden Verräter könnten wir beide ein paar glückliche Menschen sein so glücklich wenigstens, als es unter den herrschenden Verhältnissen möglich wäre. Wir müssen uns in Geduld fassen, Djambek, und auf die Zukunft unsere Hoffnung setzen. Und du, Geliebter, wie geht es dir? Mit Schrecken habe ich eine Nachricht vernommen, die einen deiner Freunde betrifft denselben, bei welchem wir Gastfreundschaft genossen, als er seine Hochzeit feierte. Die arme, unglückliche Frau! Wie schrecklich muß ihr zu Mute sein!" ,, Sie ist in Sicherheit bei ihrem Gatten." ,, Das ist wenigstens ein Trost."
,, Aber trotzdem sind sie zu bedauern, denn die Schergen suchen ihre Spur, und wehe ihnen, wenn man ihrer habhaft wird. Das stille, friedliche Heim steht heute einsam und ver= lassen, und sie werden wohl nie wieder in dasselbe zurückkehren dürfen. Das ist ein trauriges Schicksal für zwei Leute, die mit ganzem Herzen an ihrer heimatlichen Scholle hängen!" ,, Gewiß, dieses Bewußtsein muß ihnen jede Lebensfreude verbittern. D. könnte ich nur Hilfe schaffen!"
( Nachbrud verboten.) Ich will es versuchen, Thamar; ich muß deinen Oheim sprechen; wenn er die volle Wahrheit hört, wird er sich viel. leicht zur Nachsicht bewegen lassen."
Sie schüttelte wehmütig den Kopf:
Ich habe wenig Hoffnung. Nach seinen Reden zu schließen, ist er ihnen nichts weniger als freundlich gesinnt, und seine Umgebung trägt nach Möglichkeit dazu bei, seine zornige Erregung zu erhöhen."
Und doch will ich trachten, ihn umzustimmen; ich bin es dem Freunde schuldig.- Treffe ich deinen Oheim um diese Stunde im Garten?"
Ja, du findest ihn unter den Magnolien; du weißt doch, wo das ist?" fügte sie lächelnd hinzu.
Ob ich es weiß!" erwiderte er, sie wieder an sich drückend. ,, Dieser Ort muß mir doch unvergeßlich sein."
Auch mir, Djambek. Nun aber lebe wohl, ich muß dich verlassen!"
Und sollte ich nicht hoffen dürfen, da mich das Glück heute so begünstigt hat, dich hier wieder zu sehen?"
Sie schwankte. Nein," sagte sie endlich, es ist zu viel Gefahr dabei; bedenke nur, wie schlimm die Folgen sein könnten: für die kurzen Minuten dieses Glücks müßten wir vielleicht bis an unser Lebensende büßen. Wir sind hier von Spionen umgeben; Daria ist die einzige, der ich Vertrauen schenken kann alle anderen wären bereit, mich zu verraten, sobald sie darin ihren Vorteil fähen. Wer hat dich heute hereingelassen?"
,, Deines Dheims Diener." ,, Wie, er wußte, daß
,, Er wußte nichts," unterbrach Djambek. Ich bin ein Feind der Lüge, Thamar; ich finde, die erste Tugend, aus der alle anderen hervorgehen, ist die Wahrheit. Darum will ich dir auch ehrlich gestehen, daß mein Zweck der war, mit deinem Dheim zu sprechen; ich wagte nicht zu hoffen, daß ich dich hier finden würde.- Zürnst du mir, Geliebte, daß ich so aufrichtig spreche?"
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Zürnen, Djambet? Da kennst du mich schlecht. Hältst du die Eitelkeit in mir für so groß, daß ich ihr zuliebe eine Lüge vorgezogen hätte? Im Gegenteil, ich danke dir! Das Bewußtsein, von einem Mann geliebt zu werden, der die Wahrheit über alles hält, macht mich nur noch glücklicher." Diambek drückte einen heißen Auß auf ihre Lippen, und nun riß sie sich hastig los, um nach einem innigen Abschiedsblicke davonzuhuschen. Eine Blume, die sie am Busen getragen, flatterte zu Boden; schnell haschte Djambek darnach und schob die Blüte in seinen Gürtel. Er wartet noch ein paar Minuten und schlug dann den Pfad ein, der zu den Magnolien führte.
Cherif- Pascha saß allein unter den Bäumen. Er hatte das Kinn in die Hand gestützt und starrte gedankenvoll zu Boden. Erst als Djambek vor ihm stand, erwachte er aus seinen Grübeleien, um erschrocken emporzufahren; sein Blick irrte hilfesuchend zum Hause, während er mit unsicherer Stimme rief:
,, Was willst du hier?"
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