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Genrebildchen aus dem australischen Buschleben ruhten die ersten Strahlen der neu aufgehenden Sonne!

Wie es da über die bärtigen Gesichter hinblitzte von Freude und aufrichtiger Beschämung!

" Hurra, Miß Mary! und Hurra für Fielding!" klang es wie aus einer Kehle.

Im nu wurde der lange Verkannte, viel Geschmähte und hart Verfolgte umdrängt. Aber die Messer steckten jetzt tief in ihren ledernen Scheiden, und die sich vorstreckenden, seh­nigen Arme und nervigen Hände wollten nur einen freund­schaftlichen Druck von Fieldings Hand und eine einzige zarte Berührung von den Grübchenpatſchen, die ſich furchtlos und liebevoll ihnen entgegenstreckten.

Ich sah alte, bärtige Kerle, welche einen Menschen mit dem gleichen Vergnügen aufhingen, wie sie ein Huhn ab­schlachteten, sich abwenden und eine heimliche Träne unter Verwünschungen zerdrücken. Es war ja ihre eigene un­schuldige Jugend, die ihnen da entgegen kam an diesem son­nigen Morgen als ein goldlockiges, freudig lachendes Kind! Auch sie gedachten ihrer Mutter, die einst von ihnen_ge­gangen, mit einem Segens- und Glückwunsch auf den ster= benden Lippen.

Nun, was soll ich noch sagen? Die ganze Geschichte endete mit einem großen Teekochen, wobei die nun vergnügt grin sende Lubra ihre erlernte Geschicklichkeit bewies. Einige hatten den Mut, zu bekennen, daß Tee doch besser munde als Kognak.

Von diesem Tage an war Fielding wieder die Seele der alten Kameradschaft. Ich blieb nicht lange in Billybong; aber man darf wohl annehmen, daß sein Einfluß allerwegen ein guter gewesen ist.

AUS FERNEN ZONEN

Der Schnupftabak in Dafrika. Interessante Beobachtungen hat ein Missionar über den Ver­brauch von Schnupftabak bei den Mantengo in Ostafrika gemacht. Er erzählt, wenn zwei Mantengo sich begegnen, so lautet meistens das zweite Wort: Nikutuli lihona"( ,, Gib mir Tabak!"). Ohne Schnupftabat kann der Matengo nun einmal nicht leben. Ist er als Träger auf dem Wege, so stellt er hier und da seine Last ab mit dem Bemerken: Nun muß ich eins schnupfen, damit ich neue Kräfte schöpfe." Ist er auf dem Felde, so legt er seine Hacke weg, um mit Schnupftabak neue Lebensgeister zu wecken. Den Tabak nennt er seine Nahrung. Darum schnupft denn auch alles, Männer und Weiber, klein und groß; selbst Kinder, die noch von der Mutter auf dem Rücken getragen wurden, sah ich mit der Schnupftabaksdose" um den Hals. An Schnupftabak ist nun allerdings kein Mangel, denn der Tabak wächst hier leicht auf den Feldern, und wohl jeder Matengo hat auch eine Parzelle mit Tabak bepflanzt. Allerdings muß der Europäer, der ihn rauchen will, ziemlich starke Nerven haben. Die Schnupftabat­bereitung ist sehr einfach: Ist der Tabak reif geworden, so werden die Blätter abgeschnitten, kommen dann in einen hölzernen Mörser und werden mit einer hölzernen Mörserkeule von etwa zwei Meter Länge gestoßen. Die gestoßenen Tabaksblätter werden dann in einem Topf aus Ton etwa fünf Tage lang liegen gelassen, damit sich der Saft absetzen kann. Dann werden die Blätter auf einer Matte zum Trocknen ausgebreitet. Ist das geschehen, so werden zwei Bastseile kreuzweise auf den Boden des Mörsers gelegt, und die getrockneten Blätter werden nun mit der Keule hineingestampft und hineingepreßt. Dadurch entsteht nun ein harter Klumpen in Kegelform von etwa 12 Zentimeter Höhe und 10 Zentimeter Durchmesser. Da auf den Boden zwei Bastseile gelegt wurden, so läßt sich der Klumpen nun leicht herausziehen und gelangt in dieser Form, nachdem er an der Luft noch weiter getrocknet ist, zum Verkauf oder eigenen Verbrauch. Zu diesem Zwecke wird ein Stückchen davon abgeschnitten, auf einem Stein zerrieben, und der Schnupftabak ist fertig. Um ihm aber ein besseres Aroma zu geben, mischen die Matengo oft noch Ingre­dienzien dazu: Kräuter aus dem Walde, besonders aber das abgefallene Ende der Bananenblüten. Letzteres nehmen sie, ver­brennen es auf einer Scherbe eines zerbrochenen Topfes zu Asche and mischen dieselbe dann mit dem Schnupftabat. Nun sind aber unsere Schwarzen in der Kultur noch nicht so weit vorge­

schritten, daß sie schon Schnupftabakdosen nach europäischer Art verfertigen könnten. Früher behalfen sie sich in anderer Weise. Sie rissen Käfern von der Größe eines Fingerhutes einfach den Kopf ab, weideten sie aus, trockneten sie an der Sonne und die Tabaksdose war fertig. Wegen ihrer Kleinheit mußten natürlich gleich mehrere genommen werden, alle zusammen wurden an einer Schnur um den Hals gebunden und das diente zugleich zur Zierde". Daß sie aber mit dieser Art Tabaksdosen nicht rech zufrieden waren, zeigte sich, als die Europäer" kamen. B diesen sahen sie manches, was ihnen zur besseren Lösung der Tabakdosenfrage dienen konnte. Da waren es besonders die Patronenhülsen, die von den Europäern weggeworfen, von den Matengo aber mit Gier aufgegriffen wurden. Eine solche weg­geworfene Patronenhülse kann unter den Matengo Ursache zum Streit werden. Jetzt tragen die glücklicheren" Matengo statt der Käferleichen vier bis fünf Patronenhülsen um den Hals, in denen ihre Vorräte von Schnupftabak aufgespeichert sind.

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Bunte Blätter.

Die Anfänge der japanischen Flotte. Vor 38 Jahren be­stand die ganze japanische Flotte, die heute so mächtig geworden iſt, aus einem Kanonenboot, das mit einem alten Zweiunddreißig­Pfänder mit glattem Lauf bewaffnet war, und aus drei eisernen Dampfern mit Masten und Spieren. Auf Bitten der japanischen Regierung gingen im Jahre 1866 aus England sechs Instrukteure und sechs Offiziere, unter Führung von Kommandeur( später Admiral) Richard Tracey nach Japan, um die Japaner im Schiffswesen zu unterrichten. Von diesen Instrukteuren lebt nur noch einer, der dem Vertreter eines Londoner Blattes über seine Erfahrungen folgendes erzählte: Ich wartete immer, die Japaner würden Wunder im Seewesen leisten; ich unterrichtete lieber 15 Japaner als 3 Engländer. Sie waren stets sehr eifrig, und sie haben außerdem eine wunderbare Gabe, Wissen zu erwerben. Die englischen Instrukteure in Japan waren erstaunt, bei ihren Schülern gar keine Kenntnisse des Seewesens vorzufinden. Ihr Ehrgeiz zeigte sich aber deutlich darin, daß mehrere sogenannte japanische Autoritäten sich den Titel Admiral" zugelegt hatten, obgleich sie nie zur See gewesen waren. In Jeddo wurde die Marine­schule für Offiziere und Kadetten begründet, und 30 bis 40 Kadetten sowie 30 ältere Offiziere im Alter von 25 bis 45 Jahren besuchten fie. Zuerst hatte man große Schwierigkeiten, da die Japaner keine Kommandoworte hatten, und man entschied sich grundsätzlich, die Kommandoworte der britischen Marine zu be nutzen. Ueberdies lernten die Offiziere und Kadetten englisch unt arbeiteten täglich fünf bis sechs Stunden. Einige Offiziere baten darum, auch noch außerhalb der Stunden Anleitungen über andere Dinge zu bekommen."

Eine gelungene Kriegslist schützte die Stangen und Drähte der ersten in Chile, zur Verbindung der einzelnen Grenzforts ein­geführten Telegraphenanlagen vor Beschädigungen seitens der Indianer. In dem Chilenischen Lager befanden sich zu jener Zeit etwa ein halbes hundert gefangener Eingeborener. Diese ließ General Pinto eines Tages antreten; er zeigte ihnen die Telegraphenleitungen und warnte sie, die Drähte zu berühren, da sie nicht wieder davon los könnten. Die Indianer lächelten dazu ungläubig. Das hatte aber der General nur erhofft, denn jetzt versprach er ihnen, sie von der Wahrheit seiner Worte zu überzeugen. Giner nach dem andern mußte zwei an die beiden Pole einer starken Batterie gelegte Drähte in die Hände nehmen, und jedesmal, wenn der General befahl, die Drähte wieder los­zulassen, lautete die traurige Antwort: Ich kann nicht, meine Hände sind erstarrt." Nachdem alle die Kraft der Elektrizität an sich erpropt hatten, wurde ihnen mit dem strengen Befehl, das ihnen anvertraute Geheimnis niemand zu verraten, die Frei­heit wieder gegeben. Der strenge Befehl hatte den erwünschten Erfolg: alle Stammesgenossen wurden unter dem Siegel tiefster Verschwiegenheit vor den verzauberten Drähten gewarnt Telegraphenanlagen erfreuen sich der größten Sicherheit.

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Ehret die Frauen! Der Eingeborene von Neu- Holland glaubt, daß das Weib eine von der seinigen wesentlich ver­schiedene, gemeinere Natur besitze, und daß er der geborene Herr desselben sei. Er bezeichnet daher die Frau schon in der Stunde ihrer Geburt als seine Sklavin, indem er ihr die Gelenke der vorderen Fingerhälfte bricht. Diese Bezeichnung seiner Ober­hoheit erneuert er bei der Jungfrau, der er die Vorderzähne einschlägt. Und wenn er sich endlich herabläßt, die Leibeigene zum Gegenstand seiner zärtlichen Neigung zu machen, gibt er ihr seine Liebe dadurch zu erkennen, daß er ihr einigemale ins Gesicht spuckt und sie dann mit Gewalt in seine Höhle entführt.

Nr. 93.

Mittwoch, den 27 April.

1904.

Oberbessische Familienzeitung

Tägliche Unterhaltungs- Beilage

ber

Gießener Neueste Nachrichten.

zu Berlag bars Cebam Berlagsbenderet, vorm. Duh. Reller's he Babradorat( gegr. 1789); vezess: Ibix lets

(( 2. Fortsetzung.)

Iwan der Schreckliche.

Original- Roman von Hans Hoffmann.

,, Nun ja, nun ja, da hat sie eben andere Anfechtungen ge­habt doch lassen wir das; kurzum, von Wohlerzogenheit hat man nie viel spüren können. Ich meinte vielmehr- und so ist's ja nun auch gewesen vor Ihnen, Herr Doktor, mußten sie doch Respekt haben."

Doktor Belling lächelte düster. ,, Ste meinen, wegen meines Gesichts?" fragte er. Die Frau Rechnungsrätin räusperte sich verlegen. ,, Hm, hm- nun ja, nun ja, das heißt, ich meinte,

ich glaube, Sie können ein sehr strenges Gesicht machen, wenn Sie wollen.

"

Sie warf einen halb scheuen Seitenblick auf den Gast und bemerkte mit Erstaunen, daß in dessen Zügen eine bedeut­fame Wandlung vor sich gegangen war; dieselben zeigten einen gelösten, gutmütigen, fast weichen Ausdruck, besonders hatten die Augen völlig das Starre und Stechende verloren und blickten eher wehmütig träumerisch; nur die sträubenden Haare und der Despotenbart hielten ihren Charakter fest.

,, Sie drücken sich sehr schonend aus, Frau Rechnungs­rätin," sagte er ,,, ich verstehe ungefähr, was Sie sagen wollen und was die Meinung aller ist und mit Recht das heißt

Er wollte noch mehr sagen, biß sich aber plötzlich auf die Lippen und schwieg. Die gute Frau war ganz rot ge worden, als sie ihre Gedanken durchschaut sah, und ward durch sein Schweigen sehr beängstigt, so daß sie ihre ganze Tasse Kaffee, heiß, wie sie war, in unzähligen kleinen Schlücken hinuntergoß und dabei sogar vergaß, den kleinen Finger edler Sitte gemäß zierlich von dem Henkel ab­zuspreizen.

Dagegen fah der Doktor, daß Helenens Augen jetzt hell und heiter auf ihm ruhten mit einem Ausdruck frohen Ver­ständnisses, der deutlich genug sagte: Ich weiß schon, Sie ſind nicht so schlimm, wie Sie aussehen!"

Das schien ihn überaus wohltätig zu berühren, seine Mienen flärten sich noch ein wenig mehr auf, und er ver­mochte sein Schweigen nicht zu bewahren.

Das heißt," sagte er, nun ganz zu Helenen gewendet, gewiſſermaßen doch mit Recht Sie müssen nämlich wissen es ist mir bewußt, daß ich ein sehr böses Gesicht habe-" ,, bitte, bitte!" stotterte die Frau Rechnungsrätin. Helene aber nickte unbefangen beſtätigend.

Es ist aber nicht so arg_gemeint, fuhr er fort. Das wissen wir, lieber Herr Doktor, o, das wissen wir!" rief die alte Dame gerührt.

,, Vielmehr, wenn die Leute immer geneigt sind, aus meiner Physiognomie auf einen sehr starken Charakter zu schließen und mir ohne Schwanken eine trotzige Willenskraft eine furchtlose Energie oder gar eine ungezähmte Leiden­schaft zuschreiben, so irren sie leider ganz und gar. Es ist alles nur ein zufälliges Spiel der Muskeln, ohne innere Be­deutung. Was haben auch dicke Haare und ein starker Bart mit dem Charakter und der unsterblichen Seele zu tun? Und das andere ich habe einen Mann gekannt, der sich viel Haß und Feindschaft zuzog, dadurch, daß sein Gesicht immer fort einen lachenden Ausdruck zeiate. mochte es ihm noch so

( Nachdruck verboten.)) bitter ernst zu Mute sein; es war nichts als eine abnorme Stellung der Wangenmuskeln, und doch meinte jeder, er werde von ihm verspottet, und der arme Mensch hatte viel darunter zu leiden. Sehen Sie, und so ähnlich ergeht es mir auch. Ich hatte schon als Kind die Eigentümlichkeit, daß ich immer böser und schrecklicher aussah, je mehr ich mich innerlich änstigte; man sah natürlich Troß und Tücke darin, und es ist leicht zu denken, wie viel Schläge mir das eintrug. Bei meinen Mitschülern und Spielkameraden freilich setzte es mich auch wieder in Respekt; gerade wenn ich selbst mich recht kläglich vor einem Angriff derselben fürchtete, wichen sie unvermutet erschrocken zurück und machten sich sachte aus dem Staub, so greulich sah ich dann aus. Das merkte ich denn mit der Zeit und lernte meine eigene Furchtsamkeit als Verteidigungswaffe gebrauchen. Ich machte es wie der Igel, der in jeder Angst sich alsbald mit grimmigen Stacheln umgibt und seine Feinde schreckt. Und so mache ich es im Grunde noch heute, wenn auch unwillkürlich, so doch mit Bewußtsein: meine finstere Maske schreckt die Leute am meisten, vor denen ich mich selbst am meisten fürchte."

Ei, da müssen Sie sich aber vorhin vor uns ganz ent­ſeßlich gefürchtet haben," sagte Helene lächelnd. Er errötete und sah plößlich wieder ganz böse aus. Verzeihen Sie," stotterte er, gewissermaßen tat ich das auch das heißt ich bin schüchtern und ungelenk-

und vor Damen besonders-

Fürchten Sie sich? O, das ist aber prächtig! Da brauchen wir uns ja gar nicht mehr vor Ihnen zu fürchten!" Nein, liebes Fräulein, das sollen Sie nicht," rief er mit weicher Stimme, nein, nein, Sie nicht, Sie am wenigsten!" Helene schlug ein wenig die Augen nieder. ,, Wie merkwürdig!" sagte die Mutter.

" Ja, merkwürdig ist es," entgegnete er, daß ich sogar die besten Phsiognomiker der Welt damit täuschen konnte ich meine die Kinder, die Schüler, die sonst die Eigenart ihrer Lehrer mit erstaunlich sicherem Instinkt herauszuwittern ver­mögen. Allein auch sie habe ich heute überlistet. Wenn sie geahnt hätten, wie ich mich vor ihnen fürchtete!"

,, Sie vor den dummmen Jungen?" fragte die Rech­nungsrätin verwundert.

" In der Tat. Leider! Ich habe schon schlimme Er­fahrungen gemacht."

Sie haben schon früher unterrichtet?" fragte Helene. Ja, vor Jahren schon, als ganz junger Mensch, ehe ich noch meinen großen Bart hatte. Aber es war kein erfolg­reicher Anfang. Ein tüchtiger Pädagoge muß etwas vom Despoten in sich tragen, er muß vor allem ein überzeugtes Selbstbewußtsein besißen, ja, er muß ein Stück Zelot ſein, den es gewaltsam drängt, sein eigenes Wollen und Wissen auf die Welt um ihn her überzupflanzen, es ihr auch wider ihren Willen aufzuzwingen. Eroberer, Befehrer und Er­zieher werden im Grunde aus demselben Holz geschnitzt: in ihnen allen herrscht der treibende Wille, die Außenwelt nach sich selbst zu gestalten und damit sich unterzuordnen. Seid wie ich!" rufen sie den Menschen zu, denn ich bin stärker und flüger als ihr!" Und wenn die Menschen und Schüler sich