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Roman von W. Ayell.
„ Ja, Buben Wer anders als ein Bube behandelt ein Weib, wie Sie mich behandeln." Ihre Anklage war völlig grundlos, allein wer verlangt Gründe von einer Frau, die Er nahm seine Müze ab und kratte sich man vor dem Verderben zu schützen wünscht. die Stirn.„ Warum?" fragte er. Hätte ein Mann zu ihm diese Worte gesagt
( Fortsetzung.
( Nachdruck verboten.)
,, Hörten Sie je von Blignaut, jenem Helden, der bei Bramfontein fiel? Ach, wenn er noch lebte- aber verzeihen Sie mirich will einem Soldaten nicht die Zeit mit den Klagen einer Frau rauben, er würde sonst keine Lust zum Kämpfen mehr finden. Ich bin die Witwe jenes Helden. Ich habe weder Vater noch Gatten, keine Heimat, keine Kinder und keinen Freund. Meines seligen Gatten Farm haben sie geplündert und in Brand gesteckt; und ich mußte alles mit ansehen! Nur durch ein Wunder entfam ich selber. Und nun reite und reite ich schon Tage und Tage, Nächte und Nächte! Meine letzte Hoffnung ist, die Haupt- Armee zu erreichen und dem General Botha meine Geschichte zu erzählen, damit er mich rächt. Bedenken Sie, Herr, eine verwitwete Frau, eine Mutter, die ihr alles verloren, selbst ihre Tränen! Gott hat mich durch tausend Gefahren so weit geführt. Bedenken Sie das! Und ein englischer Soldat, dem ich auf meinem Leidenswege begegne, will mit mir armen Weib kein Erbarmen haben?"
Bei aller Frauenkenntnis, die Dick besaß, war ihm eine solche Frau noch nicht vor die Augen gekommen. Ihre Schönheit, ihre Beredsamkeit und ihre romantische Geschichte nahm ihm den Atem. Er wußte nicht, was
er tun sollte, ein solches Abenteuer hätte er sich nimmer erträumt!
„ Meine Gnädige," antwortete er,„ was ein Arm zu rächen vermag, soll geschehen. Inzwischen kommen Sie aber lieber mit mir nach unserm Lager. Zu essen wird es dort freilich nicht viel geben, aber Sie werden in Sicherheit sein, und das ist die Hauptsache."
,, Was mich die Sicherheit schert! Ich denke nur an meine Nache. Bei allen Heiligen im Himmel schwöre ich es Ihnen, daß ich nicht mitgehen werde."
„ Sie müssen, Gnädigste," rief Dick aus. „ Sie müssen! Wissen Sie nicht, daß die feindliche Armee kaum ein paar Stunden von hier steht. Sie fallen in ihre Gewalt, wenn ich Sie nicht zu meiner Gefangenen mache, Frau Gräfin. Es muß also sein, um Ihrer selbst willen!"
,, Nun dann!" rief sie aus, warf ihr Pferd herum und stürmte, ehe Dick es sich versah,
davon.
Und ein kluger Mann hätte sie laufen laffen und hätte, wenn er zu seinem Regiment zurückkam, geſchwiegen. Dick Blackdorn aber war es ein entsetzlicher Gedanke, daß sie fran= zösischen Marodeuren in die Hände fallen konnte. Er hatte den Krieg schon von seiner Häßlichsten Seite fennen gelernt, und so gab er seinem Rosse die Sporen, kam an das Ufer und jagte hinter ihr her, wie auf einer Fuchsjagd daheim.
ja, das wäre etwas anders gewesen! Indes einer Frau mit solchen Glutaugen konnte kein Mann auf dem Erdenrund zürnen! Ihre Worte gingen ihm noch obendrein nahe. Er ließ eine Weile den Kopf wie schuldbewußt hängen, und als er ihn wiederhochhob, sah er in ein Paar so trauriger, flehender Augen, daß ihm das Herz schmolz.
,, Wissen Sie wenigstens den Weg nach den Buren- Linien?" fragte er.
Dabei ritt sie fort.
„ Grade oder ungrade?" brütete er vor sich hin.„ Ha, es war grade. Auf und ihr nach! Dame gewinnt!"
Und nachdem er einmal schlüssig gewor den, gab er sich seiner Aufgabe voll und ganz hin; nur die Schäbigkeit seiner Uniform schien ihm einigermaßen beschämend. Warum besai er auch keine Epauletten. Er schwur sich, sie zu verdienen mit irgend einer Heldentat. Er begleitete nicht umsonst eine schöne, romanti. sche Frau durch Vorpostenketten von Freund und Feind. Sie war liebenswürdig zu ihm, wozu sie auch alle Gründe besaß, sagte er sich. Wie die Sonne sank und ihre Schatten länger wurden, lagerten sich in Gestalt von Abend
„ Ich vermute, es geht immer am Wasser Träumen allerhand Sorten Moos auf den entlang. Kennen Sie ihn?" rollenden Stein. Wie wenn er wirklich eine rechte Heldentat ausführte! Wenn er auf einmal all ihr Ungemach rächte, wenn- doch wozu all die Steine eines Luftschlosses zählen!
,, Nicht einen Schritt weit. Und da wollen Sie so allein in die Welt hinausreiten?"
Hus Deutfch- Südweftafrika: Ein Herero. ( Photographische Aufnahme.)
Muß ich es nicht?" seufzte sie.„ Muß ich es nicht?"
Der arme Dick hatte sich schon in mancher Klemme befunden, in einer solchen wie heute aber noch nie. Disziplin mußte beobachtet werden! Und konnte er als Mann seinen Posten verlassen zu einer Zeit, wo die Luft schon nach dem Pulver der demnächſtigen | Schlacht roch? Konnte er andererseits aber ein schwaches Weib den gefährlichen Ritt, den sie vor hatte, allein machen lassen? Was sollte er tun? Was sollte er tun? fragte Dick Blackdorn sich voll Verzweiflung.
Er besaß eine einzige Silbermünze, einen Sirpence mit einem Loch, den ihm Kate, die Binnen sechs Minuten lag seine Hand auf Nelly, Suse oder Mary, wer, wußte er nicht ihrem Zaumzeug.
,, Sie sind meine Gefangene, meine Dame," sagte er mit dem ganzen Ernst, zu dem er fähig war.
Und ihre Freundin nicht mehr," rief sie mit sprühenden Augen.„ Ein Engländer wollen Sie sein und einer hilflosen Frau ihre lette Hoffnung benehmen. Sie sind ein Teufel, oder wenigstens nicht Engländer nicht feige Buben
,, Buben," echote Dick.
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mehr genau, zur Erinnerung gegeben, und den er so lange getreulich aufbewahrt hatte. Ihn warf er in die Luft.„ Grade oder ungrade," sagte er sich. Ist die Jahreszahl auf dem Silberstück grade, so gehe ich mit, ist sie ungrade, bleibe ich hier! War sie grade oder ungrade? Hol mich der Geier, wenn ich's noch weiß!"
„ Auf derlei Beschwörungsformeln ver stehe ich mich nicht," meinte sie.„ Aber, mein Herr, Sie meinen es gut."
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Leider ist es von jeher die Leidenschaft dieser Schlösser, weder Küche noch Schlafstube zu enthalten, und Dick Blackdorn fing all. mählich an, sich zu fragen, wo er diese Räume vor dem nächsten Morgen finden würde. Ueberdies halten auch Pferde nicht ewig aus, und das seine zumal war dem Umfallen nahe. was sich allerdings von der Dame und ihrem Renner, obgleich sie angeblich viel weiter her. fam, als er, nicht sagen ließ. Ueberhaupt schien sie gefeit gegen Müdigkeit, Hunger und Durst. Das waren in der Tat für eine echte Romanheldin auch viel zu prosaische Begriffe. Ja, selbst ihren Kummer verschloß sie mannhaft in sich. Sie klagte nicht mehr- im Gegenteil, sie ließ Dick von sich reden, was er, wäre er nicht gar so hungrig gewesen, gewiß noch lieber getan haben würde; schließlich aber erfuhr sie auch so von ihm seine ganze Lebensgeschichte.
,, Sie sind ein gescheidter junger Mensch," sagte sie.„ Es ist jammerschade, daß so viel Lebensgeschick verloren gehen muß. In jedem andern Land als England hätten Sie mi: Ihren Anlagen eine große Carriere gemacht."
Aber sind Sie nicht müde?" fragte er endlich. ,, Sind Sie nicht hungrig?"
,, Nicht im geringsten. Aber ruhen wir aus wenn Sie wollen-
Er schämte sich, sich von einer Frau schlagen zu lassen, und so ritten sie weiter, bis Dunkelheit sie umfing und sie in der Stille der Nacht das Rauschen des Wassers hören konnten.
Plöglich sahen sie einige hundert Ellen vor sich einen hellen roten Schein.
,, Sehen Sie da!" meinte er todmüde aut
seinem noch müderen Gaul.
„ Still!" flüsterte sie.„ Nicht so laut! Gin Lagerfeuer!
„ Englisch!" erklärte Dick Blackdorn, der in der Ferne heimatliche Laute vernahm. ,, Gott sei gedankt. Also vorwärts!"
,, Leise, leise, mein Freund. Ich kann nicht mit. Ich kann mich nicht zwischen diese rauhen Männer wagen. Ich muß heute Nacht noch General Botha finden, und ich habe keinen Paß, entsinnen Sie sich. Aber Sie kön nen ruhig dorthin gehen. Sie haben sich von dem Korps verirrt und lassen sich von ihnen Ihren Weg ausweisen. Und dann kommen Sie zu mir zurück und wir reiten weiter. Wenn Sie etwas zu essen erhalten, nehmen Sie es; ich glaube, Sie müssen wirklich Hunger haben, mein Freund. Sie zehren nicht, wie ich, an ihrem eigenen Herzen. Ach) wie gut, daß ich einen Engländer an meiner
Einige neuere Heilberichte.
Seit 1 Jahr litt ich an Magen- und Leberleiden. Herr Plath aus Gießen hat mich durch 7malige Behandlung wieder vollständig hergestellt, sodaß sich die Leute hier im Orte, die meinen früheren Zustand kannten, alle hierüber
wundern.
Dieses alles bescheinige ich hierdurch mit meiner Unterschrift G. D. Nieder- Weisel, 15. April 1903.
Herr Plath in Gießen hat meine Frau in wenigen Tagen von einem langi. nervösen Kopfleiden, verbunden mit Ohrensausen befreit, worüber demselben der herzlichste Dink ausgesprochen wird.
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