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mehr zu erzählen, und ich hatte genug damit zu tun, ihre aufgeregten Nerven zu beschwichtigen. Als wir nebenein­ander im Bette lagen, träumte mir, daß meine Schwester sich über mich beugte und mich füßte. Als ich aber am Morgen auf dem folgendes stand: ermachte, war sie fort. Auf dem Tische lag ein Blatt Papier,

Liebe Schwester! Ich kann dir nicht mehr länger zur Last fallen und ich habe selbst zu viel durchgemacht, um noch­mals von Neuem den Kampf gegen ein widriges Geschick auf­nehmen zu können. Suche mich nicht! Wenn du dieses liest, bin ich im Bereiche derer entrückt, die mir wehe tun könnten. Suche zu vergessen und verzeihe deiner dich ewig liebenden Schwester Myra."

" Ja, Herr Professor, das ist das Bild von Myra, meiner in ihren Adern fließen haben, sind nicht immer zum Ver­Adoptivschwester, und Frauen, die wie ich, südländisches Blut gessen oder Verzeihen aufgelegt."

Ihre Augen zeigten einen festen entschlossenen Blick und furchtbar. der ganze Ausdruck ihres Gesichtes war ebenso erhaben wie

Und was war das Ende?" fragte ich.

Können Sie das nicht erraten? Das Wasser! Und boren Sie weiter: Nicht einmal um die Tote hat er sich be­Sonsen, meine Schwester, und nur soviel, als ich für unbe­fammert! Aber ich tat es und refognoszierte sie als Myra dgt notwendig hielt, teilte ich der Polizei mit. Ich folgte ib et Sarge und jetzt suche ich den Mann, der sie in den Tod gt hat. Und weigern Sie sich jetzt noch, Herr Profeſſor, nc.chdem ich Ihnen Alles erzählt habe, mir seinen Namen zu annen?" schloß sie. Denn darüber, daß Ihr Besteller und de: Mann meiner unglücklichen Schwester dieselbe Person ist, fam doch nicht der geringste Zweifel bestehen, da, wie Sie et hat." selber erwähnt haben, er sie als seine Gattin bezeich=

Es tat mir leid, daß ich bereits so viel gesagt hatte, und id war fest entschlossen, jede weitere Auskunft zu verweigern. Tarüber schien sie im höchsten Grade enttäuscht und ent­utigt, bis ihr plötzlich ein neuer Gedanke zu kommen ſchien. Sie sagte mir eiligst Adieu und verließ das Zimmer.

Myra's traurige Geschichte hatte mich sehr erregt, und it, bedauerie es lebhaft, in dieselbe verwickelt zu sein. Nach Tanyerem Ueberlegen hielt ich es jedoch für ratsam, Herrn Beyersberg von Fräulein Hansens Erzählung keine Mittei­Lung zu machen. Im Laufe des Nachmittags sprach auch der gerannte Herr bei mir vor und nahm das Bild in Empfang, mit den er dann in einem Wagen davonfuhr.

Ich stand an meinem Fenster und konnte sehen, wie ein jungos Mädchen, in dem ich Fräulein Hansen erkannte, beftig in cine Droschke stieg und in dieser Herrn Beyersberg's Wagen nachfuhr. Ich erinnerte mich jetzt, daß ich ihr ja gesagt hatte, daß dieser Herr Nachmittags das Bild abholen würde. Was sollte ich tun? Ich sah die Straße hinunter, Tonnte aber keine andere Droschke entdecken. Ihn einzuholen und zu warnen, war ganz unmöglich, denn ich wußte auch nichi enimal, in welche Straße sein Wagen eingebogen war. En größter Gile lief ich nach meinem Atelier und fand hier audi Herrn Beyersberg's Karte. Leider stand aber seine wetter him. Adrese nicht darauf. Ich konnte beim besten Willen nichts

Am Abend herrschte große Aufregung in den Straßen, und Ertrablätter, die ausgerufen wurden, wurden den Zeitungs­bändlern fast aus der Band gerissen. Auch ich ließ mir eins herauf holen, und mit Entseyen las ich folgende Neuigkeit: Schrecklicher Word in der Neustadt!"

Herr Ferdinand Beyersberg, ein alleinstehender, under­beirateter Gutebeiiger, der als sehr vermögend galt, wurde heut gegen Abend in seiner Wohnung in der S.- Straße tot fgefunden. Er lag auf dem Teppich seines Zimmers in einer großen Blutlache und ein Stilett steckte in seiner Bruſt. Borte standen: Myra ist gerächt!" So weit wir erfahren Bei der Leide fand man ein Blatt Papier, auf dem nur die Jaben, ift bis jetzt noch keine Spur vom Mörder entdeckt."

bielt es für meine Pflicht, der Polizei von Fräulein Halens Besuch in meinem Atelier und ihrer Erzählung icht leidt, daß alle Bemühungen der Polizei, des is geben; ich muß aber offen gestehen, daß es mir then Mädchens habhaft zu werden, fruchtlos ge­

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Krankhafter Widerwillen gegen Effen..

Eine richtige und vor allem auch genügende Ernährung gehört ganz selbstverständlich zu den Grundbedingungen der Gesunderhal tung oder Gesundung des Menschen. Daher ist es wichtig, die Verhältnisse kennen zu lernen, bei denen sich ein Widerwillen gegen das Essen einstellt, und zu erforschen, wie diesem Miß­stande am besten beizukommen ist. Die Abneigung gegen Speise­aufnahme, die Sitophobie, entsteht gewöhnlich aus einer Angst vor Schmerzen oder anderen unangenehmen Empfindungen, die nach den Mahlzeiten in den die Verdauung bewirkenden Organen auf­treten. Die Kranken ziehen es mit Rücksicht darauf vor, über­haupt nicht zu essen, oder doch möglichst wenig Nahrung zu sich zu nehmen. Schließlich enden sie gewöhnlich damit, nur noch Milch oder Fleischbrühe zu genießen.

Die eigentlichen Ursachen der Sitophobie sind zahlreich und nicht leicht zu erkennen. Zu ihnen gehört ein überempfindlicher Zustand der Magenschleimhaut, der zwar zu keinen heftigen Schmerzen, aber doch zu recht unbehaglichen Empfindungen wäh­rend der Nahrungsaufnahme führt. Nicht selten word die Abnei­gung gegen das Essen auch durch eingebildete oder unrichtige Vor­stellungen herbeigeführt, indem Kranke, die mit ihrer Verdauung nicht in Ordnung sind, sich vor dem Essen scheuen, weil sie ihr Leiden zu verschlimmern fürchten. Auch bei besonderen Krank­heiten, wie Gicht, Fettleibigkeit, wird die Sitophobie häufig ge= funden. Es liegt daher nicht so fern, diese Krankheit für eine geistige zu halten, oder wenigstens ihren eigentlichen Ursprung in das Gehirn zu verlegen, wie es früher von mehreren Forschern auch geschehen ist. Demgegenüber ist aber festgestellt, daß sich zweifellos die Abneigung gegen das Essen bei Leuten findet, die keinenfalls irgend eine Störung ihres Geisteslebens aufweisen, ſondern nur als Folge einer ganz begreiflichen Furcht.

Dennoch muß der Arzt der Sitophobie stets entgegentreten, denn sie führt notwendig zu einer Entkräftung in höherem oder geringerem Grade. Die Entkräftung ist auch ein ganz bestimmter Begriff für den Arzt, und man unterscheidet eine vollständige oder unvollständige Entkräftung, oder, wie der fachmännische Ausdruck lautet, Jnanition. Eine vollständige Entkräftung von kurzer Dauer ( zwölf bis vierundzwanzig Stunden) kommt häufig vor, z. B. bei Reisenden, die auf langen Wanderungen Hunger leiden müssen, oder auch im Gefolge freiwilligen Fastens. Die Erscheinungen dieses Zustandes sind außer den Anzeichen der Körperschwäche ner­böse Schmerzen, z. B. in Kopf und Nacken, auch Schwindelgefühl. Aus den Beobachtungen an den sogenannten Hungerkünstlern weiß man, daß der menschliche Körper bei vollständiger Entkräftung noch ebenso viel Sauerstoff aus der Luft aufnimmt wie im ge­sunden Ruhestand; da er aber keine Ernährung von außen her erhält, so lebt er buchstäblich von seinem eigenen Fleisch und Fett, ohne dabei besonders zu sparen. Uebrigens scheint der Hungertod doch milder zu sein als der Dursttod, weil das Hunger­gefühl nach etwa zwanzig Stunden am heftigsten wird, dann aber verschwindet, während die Pein des Durstes bis zum Tode an= hält. Das Ableben tritt als Folge des Hungers gewöhnlich aus einem Zustande tiefer Betäubung, zutveilen allerdings auch unter Delirien und Krämpfen ein. Erwachsene können 12 bis 20 Tage leben, ohne irgend etwas zu sich zu nehmen, dagegen kann die Lebensdauer auf 40 bis 70 Tage gesteigert werden, wenn der Be­treffende Wasser zu seiner Verfügung hat. Bis zum Eintritt des Hungertodes verliert der Mensch etwa ein Fünftel seines Körper­gewichts.

Viel bedeutsamer, weil häufiger, sind die Fälle unvollständiger Entkräftung oder Unterernährung. Diese findet sich durchaus nicht nur bei solchen Leuten, die aus Mangel an Mitteln zu wenig essen, sondern auch als Folge falscher Vorstellungen über die nötige Nahrungsaufnahme. Der Mensch muß täglich etwa vier Kilogramm oder etwa den fünfzehnten Teil seines Körpergewichts durch Nahrungsaufnahme ersehen, bei anstrengender Arbeit ent­sprechend mehr. Unvollständige Ernährung und die daraus fol­gende Entkräftung führt erfahrungsgemäß ebenso schnell zum Tode, wie vollständige Enthaltung von Nährstoffen.

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( 17. Fortsetzung.)

Der Beuge.

Roman von Marie Bernhard.

Der Tempelpark von Uyeno, ein weit ausgedehntes Ge­biet in der Nähe von Yeddo oder Tokio,( Stadt des Ostens) wie die Japaner die Stadt mit Vorliebe nennen, liegt für gewöhnlich ernſt, einſam und düster da, mit seinen gewal­tigen Baumriesen, die, wenn belaubt, Luft und Licht an vielen Stellen derartig abschließen, daß kaum ein verein­ling! Noch ist kein entwickeltes Blatt zelter Sonnenstrahl den Erdboden streift. Anders im Früh

Kirsch- und Pflaumenbäumen, deren Stämme unseren deut­an den mächtigen schen Eichen an Stärke nichts nachgeben, zu entdecken, dafür aber hat der japanische Lenz sie mit weißrosigen Blüten ge­radezu überschüttet, und weil nun fast der ganze weite Tempelpark von Uyeno aus diesen wilden Pflaumen- und chenhaften Anblick. Kirschbäumen beſteht, so bietet er um diese Zeit einen mär­

Auf der Straße, die von Tokio nach dem Park hinführt, rollen zwei leichte, hochgebaute Wagen, die der spanische Vize­fonsul, ein guter Bekannter der Firma Norden& Sohn, ſeinen Geschäftsfreunden zur Verfügung gestellt hat. Im erſten Gefährt, welches vierſißig iſt, befindet sich die Ge­mahlin des Konsuls, eine etwas verblüht und ermattet aus­sehende Dame, die er sich von einem längeren Aufenthalt in Pernambuco mitgebracht hat. Sie ist Brasilianerin, enorm reich, blasiert und wortkarg und augenblicklich von einem gewissen müden Erstaunen erfüllt über Hilda Erms­hagen, die neben ihr im Fond sitt und deren zarte, frische Schönheit sehr zum Vorteil gegen das gelbliche, abgelebte, dick mit Puder bestreute Gesicht ihrer Nachbarin hervortritt. mit ihren Blicken und überlegt es sich, wie lange diese Senora O'Vegas streift fast unausgesetzt das feine Profil Deutsche wohl so schön bleiben, und wie lange ihr herrliches Kolorit dem japanischen Klima Trotz bieten wird. Der Ge­mahl der Brasilianerin, ein von der Sonne braungedörrter, so reizendes Gegenüber zu haben, und befleißigt sich einer magerer Herr mit spärlichem Haarwuchs, iſt ſehr erfreut, ein gelvandten Unterhaltung in sehr korrektem Französisch. Neben ihm auf dem Rücksitz befindet sich Norden senior, und es ist Hilda peinlich, ihn so nahe zu haben, sie hat das Gefühl, als beobachte er sie fortwährend durch die blaue Brille hindurch; sie möchte es gern feststellen, ob dies wirk­lich der Fall oder nur eine Vorspiegelung ihrer in Bezug auf diesen Mann so eigensinnigen Empfindung ist, aber sie vermag nicht, der Sache auf den Grund zu kommen, denn die Brillengläser sind so tiefdunkel gefärbt, daß man absolut nicht wahrnehmen kann, was die Augen dahinter vorhaben. Im übrigen dürfte sich Hilda nicht mit un­nüßen Gedanken quälen, schon jetzt, auf dem Wege zum Park, gibt es viel zu sehen: endlose Prozessionen von Män­nern und Weibern, die nach Tokio wollen, kommen ihnen entgegen. Sie führen auf zweiräderigen, hohen Karren riesengroße, grell bemalte Gökenbilder mit sich und voll­führen mit ihren Handtrommeln einen betäubenden Lärm. Wie seltsam das alles ausschaut, wie grotesk die Götzen beim Fahren schwanken und mit den großen Köpfen nicken! Die Europäer fahren allewer von ihnen möchte bei

dieser Hize

-

( Nachdruck verboten.);

zu Fuß gehen? trotzdem es bereits später Nachmittag ist!

Hellmut Norden folgt mit Walter Ermshagen in einem fleinen zweisigigen Wagen, der so leicht und niedlich ge­baut ist, daß er wie ein Spielzeug aussieht. Der junge Norden fährt selbst und hat sehr genau darauf acht, daß ſein Gefährt dicht hinter dem des spanischen Vizekonsuls bleibt, es ist ihm so schon ärgerlich genug, nicht mit Hilda zusammen in einen Wagen gekommen zu sein, doch mußte er es selbst einsehen, die Verteilung war nicht anders zu machen gewesen!

Gerade wandte sich das junge Mädchen im Wagen zurück und nickte lächelnd den beiden Herren zu, da eben einige seltsam aufgeputzte japanische Priester in langen bunten Ge­wändern vorüberzogen und mit eigentümlichem Zwinfern der schmalgeschlitten Augen zu den vorüberfahrenden Fremden aufschauten. Hilda war wunderschön in einem lichtblauen, durchsichtigen Sommerkleide und einem hellen Hütchen, unter dem ihr dickes nußbraunes Haar hervorsah, reizend hob sich ihr Kopf gegen die weiße Seide des großen Sonnenschirmes, den sie über sich aufgespannt hielt, ab.

Hellmut seufzte unwillkürlich ganz laut, er wußte selbst nicht recht warum. Sein Gefährte, Walter Ermshagen, sah ihr verwundert an und fragte: Was fehlt Ihnen?" Mir? O!" Wenn dies eine Antwort sein sollte, so war zum mindesten ihr Sinn dunkel. Dann, nach einer flei­nen Pause: Wie schön ist Ihre Schwester, Ermshagen!" " Ja wohl!" meinte Walter ruhig. Ich muß das zugeben, sie ist schön, leider, möchte ich sagen!" ,, Warum aber?"

" Ich glaube," sagte der Bruder bedächtig, es wäre für Hilda ſelbſt und auch für mich besser, wenn sie bloß ein leidlich hübsches Mädchen wäre, dann hätte sie längst geheiratet, denn sie ist zweiundzwanzig Jahre alt"

Schon? Ich hielt sie für achtzehn oder neunzehn!"

Ja, so geht es vielen! Sie ist sehr seelenruhig, oder, um mich korrekter auszudrücken, es passiert nicht vieles, was ihre Seelenruhe zu ſtören im ſtande ist, denn ich muß manchmal denken, Hilda ist lange nicht so fühl, wie sie sich gibt. Wenn sie einmal Feuer fängt, dann fann es, glaube ich, bedenklich werden, aber bis jetzt geschah es noch nicht, und wer weiß, ob es jemals geschehen wird!"

Ja, wer weiß!" gab Hellmut als Echo zurück.

,, Sie dürfen nicht denken, Norden, daß ich mich gern meiner Schwester entledigen möchte. Das ist nicht der Fall! Wir kommen sehr gut mit einander zurecht, und Hilda hat mir nie das Leben erschwert mit Sentimentalitäten, unge­rechtfertigten Ansprüchen, Unverstandensein und sonstigen Mädchentorheiten. Ich meine nur, ihre Schönheit ist ihr ein Hindernis gewesen, zu heiraten und wird es vielleicht bleiben. Sie hat viele Freier gehabt, oft solche, die sie nur wenig fannten und sich in ihre Schönheit verliebten,... das hat ihr von den Männern einen geringschäßigen Begriff ge­acben und ließ sie Vartien, um die manches Mädchen sie