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Auf der Belgrader Festung hausten seit Hadschis Tode die vier Führer der Janitscharen, die Tyrannen des Landes. " Dahi", die Herren, nannten sie sich selbst. Mit Mord und Brand suchten sie ihre Herrschaft im Lande aufrechtzuerhalten. Die Rajah" flüchtete vor ihren Verfolgungen größtenteils in die Wälder: ihre Mitgieder wurden Heiducken", landfahrende Räuber. Endlich, Januar 1804, war das Maß der Dahi" voll. Um ihre Herrschaft völlig sicher zu stellen, schritten sie eines schönen Tages zur Ermordung der zwölf Ober- ,, Knjäsen", der Vorsteher der zwölf Bezirke Serbiens, und einer Anzabl Sinjäsen"( Ortsvorsteher). Nur ein kleiner Teil der Senjä­sen" entfam dem Blutbad, unter ihnen auch der Knjäs von Topola, Kara Georg, der Stammvater der Karageorgie­witsch, der noch 1791 im österreichischen Heere als Feldwebel gegen die Türfen gefochten hatte. Er floh in die Wälder von Rudnik. Wenige Tage später gab es da einen, Rütli­schwur". Kara Georg, der berühmte Volksheld Janko Katic und Vasso Tscharapic beschlossen die Vertreibung der Dahi. Am 13. Februar kamen dann die Volkshäupter der Schu­madija im Walde von Droschatz zur Wahl des Anführers zusammen. Trotz seines Sträubens wurde Kara Georg dazu einstimmig gewählt. Am 14. Februar ging das erste Zwinguri der Dahi", die Burg von Droschatz, in Flammen auf; die Besatzung wurde bis auf den letzten Mann nieder­gemacht.

Und nun ging es Schlag auf Schlag. Einmütig erhob sich das Land. Am 11. März erfocht Jakob Nenadovitsch bei Silenva seinen ersten glorreichen Sieg über die bosnischen Begs, die den Dahis zu Hilfe eilen wollten, am selben Tage stürmte Matthäus Nenadovitsch die Türkenstadt Valjevo, wäh­rend Kara Georg die Stadt Rudnik nahm. Drei Siege an einem Tage! Nach wenigen Wochen war das Land frei bis auf einige feste Schlösser im Süden und bis auf Belgrad. Die in Belgrad eingeschlossenen Dahis suchten mit der Rajah zu unterhandeln. Vergeblich trachteten sie, Sara Georg mit fünfhundert Beuteln der serbischen Sache abwendig zu machen. Eine Zeit lang hielten sie sich noch; dann, auf der Flucht, er­eilte sie die Rache der Serber:: Alle drei wurden erschossen.

Das war der Beginn des Freiheitskampfes der Serben, den Kara Georg, bald der erklärte Führer seines Volkes, zu rühmlichem Ende führte. Heute, wo das Jubiläum seiner Heldentaten gefeiert wird, sitt sein Enkel auf Serbiens Thron. Aber bei der Jubelfeier der Karageorgiewitsch fehlen heute die Vertreter desselben Europa, das einst die Helden­taten des Ahns mit Bewunderung begrüßte. Enkel reißen leicht ein, was die Väter bauten..

Das Ausscheiden der Königsmörder aus dem Hof­dienst ist bereits beschlossen. Nur ist über die weitere Ver­wendung dieser Offiziere und deren Nachfolger noch nichts bestimmt. Sobald dieser Wechsel vollzogen ist, werden die Gesandten nach Belgrad zurückkehren.

Hus dem Gerichtsfaal.

§ Wegen Zweikampfes wurde der Hauptmann v. Schröder bom 177. Infanterieregiment, der am 23. Januar den Leut­nant Schubert im Walde bei Chemnitz erschoß, zu zwei Jahren Festungshaft verurteilt.

§ Ein neuer Ministerbeleidigungsprozeß wird sich am 23. März cr. vor der Strafkammer in Oldenburg abspielen. Die Klage richtet sich gegen den Redakteur Kruse vom dor. tigen Residenzboten", der der Beleidigung des Juſtiz­ministers Ruhstrat und des oldenburgischen Richterstandes beschuldigt wird.

machte der jetzt Anfang der dreißiger Jahre stehende Ange­flagte vor mehreren Jahren eine Naturheilanstalt" auf, in der er selbst mit Vorliebe magnetische Kuren", namentlich an jungen Mädchen, ausführte. Als die Fälle sich in gerade­zu beängstigender Weise mehrten, in denen die Kuren" des Angeklagten direkt oder indirekt den Tod der bedauerns­werten Patienten herbeigeführt hatten, nahm die Staats­anwaltschaft die Ermittelungen gegen Schröter auf. Im Laufe der nahezu zweijährigen Voruntersuchung soll ein ge­radezu haarsträubendes Belastungsmaterial gegen den An­geklagten zutage gefördert worden sein.

§ Bahnpostraub. Die Chemnizer Straftammer verurteilte den 28jährigen noch unbestraften Posthilfsboten Schubert, der am Weihnachtsfeiertage den mittags zwischen Stolberg und Chemnitz verkehrenden Postzug beraubt hat, zu zwei Jahren neun Monaten Zuchthaus und fünf Jahren Ehr­verlust.

§ Der Laurahütter Wahlkrawall beschäftigt z. 3t. erneut die Beuthener Strafkammer, da das im September gefällte Urteil vom Reichsgericht zur nochmaligen Verhandlung an das Landgericht zurückverwiesen worden ist. Staatsanwalt Fipper vertritt die Anklage; angeklagt sind 22 Personen. Für die Verhandlungen sind vier Tage in Aussicht genommen.

§ Der betrügerische Rechtsanwalt. In Wien wurde der Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Zinner wegen Veruntreuung und Betruges zu 15 Monaten schweren Kerkers verurteilt. Zinner war in der Lebewelt der österreichischen Hauptstadt eine wohlbekannte Figur, der überall den feschen Kavalier spielte. Da seine Advokatur dazu lange nicht genug Geld einbrachte, so verschaffte er sich die Mittel, indem er ihm anvertraute Depositen unterschlug und Luruswaren, Ge­schmeide u. dergl. auf Kredit entnahm, um es schleunigst ins Pfandhaus schleppen zu lassen. Auch vor Wechselfälschungen scheute er im Notfall nicht zurück. Als die schmutzigen Wasser über ihm zusammenzuschlagen drohten, griff er nach dem letzten Halt, einer reichen Heirat. Doch riß auch dieser Not­infer im letzten Augenblick durch einen ungünstigen Zwischen­fall, Zinner verlor gänzlich den Kopf und flüchtete nach London, von wo er schließlich mittellos an Desterreich ausge= liefert wurde.

§ Zum Tode veurteilt wurde von dem Göttinger Schwur­gericht der Schäfer Borchardt aus Esplingerode. Borchardt hatte den Schafhändler Bust, der große Geldsummen bei sich führte, in den Stall gelockt, wo er ein frankes Schaf besich tigen sollte. Als Bust sich zu dem Zwecke bückte, hat Borchardt ein bereitstehendes Beil ergriffen und dem Ahnungslosen den Schädel zertrümmert. Hinterher erschlug er den Hund des Toten. Dann weckte er seine Frau und schickte sie fort, um ihrer Mutter beim Kartoffellegen behilflich zu sein, und bergrub den Hund und die Leiche des Erschlagenen, nachdem er dem Toten 4000 Mark abgenommen. In der Verhand­lung behauptete er, dem Bust im Streit und in der Notwehr getötet zu haben, doch schenkten ihm die Geschworenen keinen Glauben.

Der Lehmpaftor".

* Krefeld, 25. Februar.

Wer kennt Repelen? Die meisten unserer Leser werden den Kopf verneinend schütteln. Und doch hat dieses kleine Dörfchen sich einen ähnlichen Weltruf erworben, wie weiland Pfarrer Kneipps Wörishofen. Repelens Kneipp ist der evan­gelische Pastor Emanuel Felde, der sogenannte Lehm­pastor", der aus dem unansehnlichen Bauerndorf mit seinen paar Hundert Einwohnern einen stattlichen Kurort geschaffen hat. Auf einem 52 Morgen Land umfassenden Terrain mit Wald und Parkanlagen, in dessen Mitte ein großer, von der Mörse, einem kleinen Nebenflüßchen des Rheins, durch­flossener Teich liegt, hat Pastor Felche sein Sanatorium " Jungborn" errichtet. Im Sommer sollen ständig bis gegen 300 Kranke hier in Behandlung sein, aus allen Welt­gegenden: aus Deutschland, Holland, Belgien, England, Nordamerika, Rußland. Augenblicklich soll eine Dame aus Brasilien dort zur Kur sein. Die Kranken werden durch Lichtluftbäder, kalte Sitzbäder und mit homöopathischen Heil­mitteln behandelt. Die besondere Spezialität der Felckeschen Heilmethode liegt aber in den von ihm angewandten Lehm­packungen. Mit Lehm heilt er alles: Rheumatismus, Gicht, offene und schmerzhafte Wunden, Beulen, Verhärtungen, Vergiftungen u. s. w.

schule und zugleich für den vehrer ein zietetych. Immer zu Ostern zog die Schule von dem einen der beiden Vollhöfe nach dem anderen. Der eine Hofbesitzer hatte sich eigens für die Schulzwecke ein kleines Haus mit einer Stube bauen lassen, und der andere, der im folgenden Jahre die Schule übernehmen mußte, brachte sie in seinem Mietshause unter. Alles wurde zu Ostern vom anderen Hofe herübergeholt, vom Lehrerpult herab bis zu Schwamm und Kreide und der Schlingelbank. Der Lehrer, der im Haupthause Woh­nung und Koſt erhielt, mußte ebenfalls alle Jahr umziehen. Vor zwanzig Jahren ging in Lutterloh sogar noch das Schul­heizer um. Daß die Schulkinder zweimal in der Woche die Schulstube auszufegcn hatten, ist nichts besonderes; das geschieht heute auch noch an vielen anderen Dorfschulen.

[ Briefkasten mit elektrischer Klingel] wird demnächst Paris bekommen. Es ist dies eine Folge der überhandneh­menden Diebstähle von Briefen aus den Sammelfasten. Die Klingel soll jedesmal ertönen, so oft an der den Schlik ber­deckenden beweglichen Platte gerührt wird. In diesem Falle jedoch nur einen Augenblick so lange eben die Platte in die Höhe ist während in dem Falle, als jemand sich andauernd mit dem Kasten zu tun macht, die Klingel auch andauernd ertönen und die Passanten auf die verdächtigen Manipula­tionen aufmerksam machen würde.

Die Staatsanwaltschaft, die ihn wegen gewerbsmäßiger Ausübung der Heilkunst unter Anklage gestellt hatte, gab dem Lehmpastor" vorgestern Gelegenheit, sich vor dem Schöffen­gericht in Mörs über seine Kuren zu äußern. Der Ange­klagte, ein freundlich blickender Mann, Mitte der Vierziger, mit langem, dunklen Vollbart und goldener Brille, erschien bor Gericht ohne Paletot, in dünnem, schwarzen Rock, Sport­hemde ohne Kragen und mit einer luftigen, gelben Lein­wandmüße. Der feuchte Lehm, so erklärte er, ziehe aus, fühle, desinfiziere und heile selbst die schwersten Blutver­giftungen. Wenn die Kranken überall abgedoktert haben, kommen sie zu mir, und merkwürdigerweise ist bei mir schnell genug Heilung da." Eine Statistik seiner Heilresultate mache er nicht, denn ihm sei alle Reklame zuwider; er werde schon ohnehin so sehr überlaufen, daß er sich vor Arbeit nicht zu helfen wisse. Neben den Kranken in dauernder Behand­lung fämen täglich ganze Scharen zur persönlichen Konsul tation zu ihm hin. Früher sollen 50-60 Leute täglich abgefertigt worden sein. Jetzt werden aber nur noch 20 bis 30 angenommen und auch nur nach vorhergehender brief­licher Anmeldung. Honorare werden für die Konsultationen selbst nicht angenommen; es wird nur ein Eintrittsgeld von 50 Pfg. bis zu 1 Mark erhoben, und dann müssen die Kranken die verordneten Heilmittel aus der zum Jungborn" gehören­den homöopathischen Niederlage" entnehmen, die von dem Küster Kiesendahl und dessen Tochter verwaltet wird.

§ Wunderliche und gefährliche Kuren. Verschiedene deutsche Gerichte hatten und haben sich in diesen Tagen mit Auf­sehen erregenden medizinischen Prczessen zu beschäftigen. Am harmlosesten war der vor dem Schöffengericht in Mörs gegen den bekannten Pastor Felcke aus Repelen wegen seiner munderlichen Lehmiuren verhandelte. Das Gericht sprach den Pastor von der Anklage, gewerbsmäßig das Heilgewerbe ausgeübt zu haben, frei. Der Küster Kiesendahl erhielt 100 Mark Geldstrafe, weil er entgegen der kaiserlichen Ver­ordnung von 1901 homöopathische Arzneien verkauft hat.- Ein kaum glaublicher Fall ärztlicher Fahrlässigkeit wurde von der Ulmer Straffammer mit drei Monaten Gefängnis geahndet. Dr. med. Hartmann, Besizer einer Naturheil­anstalt, hatte einer Frau aus Weiler ein Heißluftbad ver­ordnet. Als sich die Frau eine Viertelstunde im Schwikkasten bei 45 Grad C. befunden hatte, ließ der Arzt die Frau allein. Beim Weggehen will er ihr gesagt haben, sie möge nach einigen Minuten den Kasten verlassen, sich kalt ab­douchen und dann nach Hause begeben. Als Dr. Hart­mann nach einer Stunde wieder in den Baderaum kam, fand er die Frau noch im Schwißkasten vor. Sie war schon eine halbe Stunde tot. Bei der Sektion wurden schwere Brand­wunden am Gesäß und an den Schenkeln festgestellt. Nach Ansicht der als Sachverständige vernommenen Aerzte muß die Temperatur im Kasten bis auf 70 Grad C. gestiegen sein, da Hartmann die Flammen zur Erzeugung der Heißluft hatte weiter brennen lassen. Nach Ansicht der Sachverständigen sind die Verbrennungen teilweise noch bei lebendigem Leibe er­folgt. Dr. Hartmann hat Berufung eingelegt. Ein dritter Prozeß wird in Tilsit gegen den Magnetopathen" May Schröter geführt, dessen Vorgeschichte wohl noch erinnerlich ist. Ohne iraend welche medizinische Vorkenntnisse zu haben.

[ Japanische Kriegspoesie.] In ganz Japan erklingen jekt begeisterte Striegsgesänge. Die meisten Lieder beziehen sich auf die japanische Flagge, und auch das Enblem des Volkes, die aufgehende Sonne, wird von den Dichtern auf hunderterlei Weisen gebraucht, um darzustellen, wie Japan die Welt erobert. Von dem Tode wird gewöhnlich als etwas Wünschenswertem gesprochen, wenn er in der Erfüllung der Pflicht kommt. ,, Achte nicht darauf, ob es Tod oder Leben ist, gehorche dem Kaiser und gehe vorwärts!" sagt ein Lied. ,, Eher den Tod auf dem Schlachtfeld, als sich ergeben," lautet der Refrain eines anderen. Und das ist nicht leeres Gerede. Ein Dichter ermutigt: Heraus! heraus, ihr unsere Helden! Unsere Fahne der aufgehenden Sonne, die die ganze Welt erleuchtet, wird von den Mauern der Peter Paulsfestung in Petersburg flattern! Die Fahne der auf­gehenden Sonne verkörpert unsere Hoffnungen. Frieden ist im Schwert verborgen, Frieden ist in dem Rauch der Ge­wehre!" Folgendes alte, einfache Lied, das jetzt viel von Kindern gesungen wird, erfreut sich großer Beliebtheit. Man muß sich dabei eine Gesellschaft vergnügter Knaben und Mädchen, in die hellen Farben gekleidet, vorstellen, die in Japan fast ganz auf die Kinder beschränkt sind. Töte! Töte! Töte! Töte! Töte, bis das Schwert bricht! Töte! Töte! Töte! Töte!"

Küster Kiesendahl erhielt eine kleine Geldstrafe, der Lehmpastor" wurde unter den lauten Bravorufen des Publikums freigesprochen. Die ganze Gegend weiß ja, daß der Lehmpastor" seine Tätigkeit aus reinem Idealismus ausübt. Käme es ihm darauf an, Geld zu erwerben, so hätte er längst den Pastorenrock an den Nagel gehängt und wäre heute ein reicher Mann, statt daß er sich und seine Familie mit dem armseligen Gehalt eines Landpastors durchschlägt.

Nab und Fern.

Brandkatastrophe. Durch ein überraschend ausgebroche nes Schadenfeuer wurden zu Emden fünf blühende Meschen leben vernichtet. Im Hause des Kaufmanns Jünemann kam Feuer aus, bei dem 4 Kinder und das Dienstmädchen Jünemanns verbrannten. Ein dreizehnjähriges Mädchen rettete sich durch einen Sprung aus dem Fenster. Doch erlitt sie schwere Verlegungen.

Auch in London forderte ein Brand zahlreiche Opfer. Bei einem Feuer in einer Nebenstraße von Paternoster Row kamen sieben Personen ums Leben.

Ein heftiges Erdbeben richtete in der italienischen Stadt Magliano de Marsi großen Schaden an. Die Karabinieri mußten die Kaserne, die gleichfalls stark beschädigt wurde, räumen.

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[ Ein bedeutungsvoller Tag in der japanischen Ge­schichte] ist der 11. Februar. An jenem Tage geschah es vor 2564 Jahren, daß der Kaiser Jimnu, der erste Herrscher Japans, den kaiserlichen Thron bestieg und damit eine Herrscherlinie gründete, die in ununterbrochener Aufein­anderfolge über dieses Land regieren sollte. Es ist der Tag, an welchem die gesamte japanische Chronologie und Geschichte anfängt, und an dem eines der größten Nationalfeste jähr lich im ganzen Kaiserreich gefeiert wird. Vor 14 Jahren genehmigte der gegenwärtige Kaiser an demselben Tage die neue Verfassung, und vor zwei Jahren war es der Tag, an welchem der Welt die Mitteilung von dem englisch- japanischen Bündnis gemacht wurde. Jetzt ist er vom Mikado zur for­mellen Kriegserklärung gegen Rußland ausersehen worden.

* Ranbmord im Eisenbahnkupee. Um Mitternacht fand man auf der Station Sampierdarena bei Genua in dem aus Mailand kommenden Eisenbahnzuge einen Mann, welchem von einem unbekannten Individuum acht Wunden beige­bracht waren. Der Mann wurde später als der Apotheker Cesasco aus Susa identifiziert. Er wollte sich nach Buenos Aires einschiffen. Man stellte fest, daß ihm 35 000 Lire gestohlen waren. Cesasco ist später seinen Wunden erlegen.

[ Die Reiheschule".] Ein eigenartiges Schulidyll aus der Lüneburger Heide wird jetzt verschwinden. Eins der ältesten Dörfer der Heide, Lutterloh im Kreise Celle, erhält jetzt endlich auch ein eigenes Schulhaus, nachdem schon seit Jahrzehnten ein Lehrer dort angestellt gewesen ist. Die Schule erhält Raum für 62 Kinder und eine Lehrerwohnung. Visher bestand in Lutterloh noch eine sogenannte Reihe­

[ Japanische Spartanerinnen.] Ein genauer Kenner japanischer Verhältnisse schreibt einen großen Anteil an den mit fühner unerschrockenheit erkämpften japanischen Er­folgen dem Einfluß der Frauen zu. Die japanische Mutter ist die liebevollste Mutter der Welt, vor allem aber ist sie Patriotin. Sie opfert, wie die Spartanerin, ihren Sohn für das Wohl des Landes. Dasselbe gilt bei ihr auch in Bezug auf den Gatten. Nach dem letzten Kriege wurden in den Zeitungen einige Männer namhaft gemacht, die sich als Soldaten schlecht geführt hatten. Mehrere Frauen konnten diese Schmach nicht ertragen und begingen Selbst­mord. So wie die Japanerinnen ihre Männer zur Tapfer­feit anfeuern, so begleiten sie sie auch in den Krieg und tun ihr Möglichstes, ihnen zu dienen und die Verwundeten zu bflegen.

[ Der Ohrenhügel in Kioto] bewahrt in seinem Namen das Gedächtnis an eine furchtbare Episode aus den früheren Eroberungszügen der Japaner in Korea und China. Der ,, japanische Napoleon", Hideyoshi, überzog im Jahre 1587 de beiden Länder mit Krieg. Er soll damals 130 000(?) Mann mit Feuerwaffen aufgebracht und seine Feldherren sollen dank dieser Bewaffnung zu Lande überall gesiegt haben, während sie zur See geschlagen wurden. Damals sollen die Japaner 185 735 Koreanern und 29 000 Chinesen Nasen und Ohren abgeschnitten und diese eingesalzen nach Kioto ge­schickt haben, wo sie an dem Platz, der heute noch Mimizuka ( Ohrenhügel) heißt, verscharrt worden sein sollen.

[ Der größte Binnensee der Erde,] der kanadische Lake Superior, ist, was seit Menschengedenken nicht vorgekommen ist, in seiner ganzen Ausdehnung zugefroren. Der Lake Superior umfaßt 31 420 englische Quadratmeilen und liegt 602,75 Fuß über dem Meeresspiegel. Sein Wasser ist auch in der heißesten Jahreszeit so falt, daß nur wenige Menschen darin zu baden pflegen; die Indianer haben eine abergläu­bische Scheu vor dem See, der nach ihrer Meinung niemals einen in ihm Ertrunkenen wieder herausgibt.

Das Neueste aus den Witzblättern. Kathederblüten. Wenn Sie im Krieg' ne Kuge! pfeifen hören, brauchen Sie keine Angst mehr zu haben, die Kugel ist schon längst vorbei. Wenn Sie aber die Kugel nicht pfeifen hören, dann sehen Sie sich vor, daß Sie nicht getroffen werden.

Dienstboten frechheit. Hausfrau: Lina, ich sehe es nicht gern, daß Sie jeden Abend Ihren Bräutigam in der Küche haben!"- Mädchen: Dann bleiben Sie doch in Ihrem Zimmer."

Kühnes Bild. Wirt: Aber, mein Herr, da machen Sie nun ein Geschrei, als wenn Sie nicht eine Fliege, sondern einen Elefanten in der Suppe gefunden hätten!"

Die Lücke. Hat der Müller tüchtige Fortschritte im Nadeln gemacht?", ja, nur das Renommieren hat er noch nicht recht heraus."

Ersa ß. Donrerwetter, hier ist's aber kalt im Zimmer, da hättet ihr doch ein bischen einheizen können!"- Schwie Jermutter: Das ist vorläufig überflüssig, ich hab' mal ein Wort mit dir zu reden."

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Gerichten Kapitel 9

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