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Boongkamp
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N.Uaden- Arecht.
Gegr.
1846.
Anerkannt bester Bitterlikör!
24 Preis- Medaillen! ausdrankiloh: Underberg- Boonekamp.
Man verlange
weisung erfahren, zweifellos die Schreckenstat verschuldet habe. Sonderbar! Gedichte an die„ Unvergleichliche" tauchten in glühenden Versen in allen Journalen auf. Man wurde allgemach aufmerksam. Wer war die so geheimnisvolle Schöne, die die Schuld an all den mannigfachen Trauerereignissen zu tragen schien?
Mr. Patterson hatte keine Ahnung, daß die Notiz über den verschwundenen Beamten seinem eigenen Buchhalter galt, nachdem dieser regelmäßig seine Geschäftsberichte aus Wien sandte und die Ursache der vorzeitigen Rückkehr mit dem Hinweis auf die erhöhte Tätigkeit begründete, zu der ihn der ehrenvolle Auftrag nötige.
Als vor dem Annatage, wie alljährlich in Wien die Aufforderung an die Damen zur Beteiligung an der Schönheitskonkurrenz erschien, schrieb ein viel gelesenes Blatt: Solche Unternehmungen lassen sich leicht wagen zu einer Zeit, wo die vornehmsten Schönheiten der Hauptstadt ferne sind und jedes Mauerblümchen Gelegenheit findet, zu unverdienter Geltung zu kommen. Wer die Gesellschaft unserer Stadt fennt, weiß ohnehin seit dem Winter, welcher Dame mit Stimmeneinheit der Schönheitspreis zukommt."
Diese Verherrlichung einer Unbekannten rief große Aufregung besonders unter den Leserinnen hervor, und die Redaktion des Blattes wurde überschwemmt mit Nachfragen um den betreffenden Namen, der jedoch als Redaktionsgeheimnis verschwiegen bleiben mußte. Gekränkte Eitelkeit und Neid ließ viele der so hart Betroffenen von nun an nicht mehr ruhen.
Ginige Tage später prangten an allen Straßenecken und Borstadtplanken farbige Plakate mit den in riesengroßen Lettern gedruckten zwei Worten: Nellys Geheimnis.
( Schluß folgt.)
Der Hausdoctor
Impfung und Tuberkuloje. Von der Schutzpocenimpfung feindlicher Seite werden immer neue Anklagen gegen diese erhoben. Seit Entdeckung des Tuberkelbazillus als Ursache der Tuberkulose ist die alte Behauptung, daß durch die Impfung Tuberkulose entstehe, unmöglich geworden. Nun taucht die neue auf, daß durch die Impfung die Disposition zur Erkrankung an Tuberkulose geschaffen werde. Die Annahme ist sehr verbreitet, daß durch das Entstehen oder den Ablauf gewisser Krankheiten im menschlichen Körper eine größere Empfänglichkeit für Erkrankung an Tuberkulose geschaffen werde. Dies wird z. B. angenommen von der Zuckerkrankheit, Masern, Keuchhusten und im llgemeinen von entkräftenden Krankheiten. Gehört dazu auch die hurzdauernde fieberhafte Erkrankung, die durch die Impfung hervorgerufen wird?
Da Tuberkulose die häufigste Krankheit der Menschen ist, werden natürlich auch eine Anzahl Geimpfter und Wiedergeimpfter in Tuberkulose früher oder später nach der Impfung erkranken. Wer solche Fälle sammelt, wird natürlich Material in Masse vorjinden; wer mehrere gesucht oder ungesucht zu Gesicht bekommt der zu Gehör, wird, wenn er sich nur den nächsten Eindrücken hingibt, geneigt sein, die Tatsache der früheren Impfung mit der der späteren Erkrankung in Zusammenhang zu bringen.
Zur Zeit ist jedoch keinerlei Kennzeichen bekannt, aus dem man erkennen und beweisen könnte, daß im Einzelfalle die nach der Impfung entstandene Tuberkulose oder Skrophulose Folge der Impfung sei, oder woraus man beweisen könnte, daß ein einzelner nach der Impfung zur Erkrankung an Skrophulose oder Tuberkulose geneigter sei, als nicht geimpfte Menschen. Eine derartige, auf den Einzelfall gerichtete Behauptung muß deshalb als willkürliche anerweisbare gelten.
Sollte jedoch aus den Sterblichkeitsverhältnissen im Großen in Beweis in dieser Richtung versucht werden, so müßte man agen: die häufigste Todesursache ist für die heutige Zeit Tubertulose. Hätte sich die Häufigkeit der Tuberkulose durch die allgemeine zwangsweise Impfung vermehrt, so würde die Sterblichkeit der Menschen im ganzen seit Einführung des Impfzwanges zugenommen haben. Dies ist jedoch nicht der Fall.
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Ferner: Troß fortbestehendem Impfzwang hat sich die Sterb lichkeit an Tuberkulose in der deutschen Armee vermindert. Ein Beweis dafür, daß die Jmpfung zur Tuberkulose- Grkrankung geneigt macht, liegt zur Zeit weder im einzelnen noch im großen vor. Man kann nur nach allgemeinen Erfahrungen vermuten, daß entkräftende Erkrankungen, die durch fehlerhafte Impfung hervorgerufen werden, wie Rotlauf, Blutvergiftung usw., den Körper so schwächen können, daß er dem Eindringen und Wuchern von Tuberkelbazillen weniger Widerstand entgegenzusezen vermag.
Auch kann man die Möglichkeit nicht ganz in Abrede stellen, daß bei geimpften Kindern, die irgendwo in ihrem Körper z. B. in sogenannten skrophulösen Drüsen schon Tuberkelbazillen be= herbergen, in einzelnen Ausnahmefällen unter starker fieberhafter Erkrankung eine raschere Vermehrung oder Verbreitung dieser Bazillen ermöglicht oder begünstigt werden könne.
Abgesehen von diesen ganz vereinzelten Fällen, muß die Annahme, daß durch die Impfung eine Disposition zur Entstehung von Skrophulose oder Tuberkulose begründet werde, als unerwiesen bezeichnet werden.
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Berztlicher Ratgeber.
Die Gesichtsrose wird vom Publikum oft sehr leicht genommen. Sie ist aber fein ungefährliches Leiden. Es entsteht durch Ansteckung und kann öfters wiederkehren. Aerzte sind besonders gefährdet. Erſt vor einigen Jahren starb ein sehr befähigter jüngerer Arzt an Gesichtsrose, die er sich in Ausübung seines Berufes zugezogen hatte, und vor kurzem erschoß sich ein junger Arzt, der an Gesichtsrose litt, im Fieberwahn. Man kann fiebernde Kranke gar nicht genug bewachen; infolge der Höhe des Fiebers wird der Geist zeitweise getrübt, und es kommt dann leicht zu Selbstmord= versuchen.
*
Dieser
Gefäßmäler der Säuglinge. Es gibt zwei Arten von Gefäßmälern: die eigentlichen Gefäßmäler und die Feuermäler. Die eigentlichen Gefäßmäler sind erhaben dunkel, violett oder blau, die Feuermäler hell, weinrot, nicht erhaben über die Haut. Die eigent lichen Gefäßmäler bedürfen zu ihrer Beseitigung meist der Zerstörung durch den Arzt mit dem schwach rotglühenden Spißbrenner. Aber auch der einfache, langdauernde Druck führt in vielen Fällen zum Ziele, insbesondere bei Gefäßmälern am Schädel. Druck wird am besten bewirkt durch einfaches Aufpinseln von Jchthyolkollodium( ein Teil Ichthyol auf zehn Teile Kollodium). Man bepinselt das Mal täglich 2-3mal mit dieser Flüssigkeit, bis sich nach mehreren Tagen eine dicke, braunschwarze Kruste gebildet hat, die allmählich von selbst sich abhebt. Ist diese Decke abgefallen, so beginnen die Einpinselungen von neuem. Jedesmal wird das Mal flacher und heller. Auch wenn das Mal anscheinend geschwunden ist, muß die Aufpinselung von Ichthyolkollodium noch lange fort= gesetzt werden, um eine Wiederkehr des Mals zu verhüten. Dieselbe Behandlung ist auch bei den Feuermälern von Erfolg, aber nur bei Neugeborenen, nicht bei älteren Kindern und Erwachsenen. Am größten ist der Erfolg dieser Pinselungen gleich nach der Geburt. Es ist deshalb falsch, mit der Beseitigung dieses Schönheitsfehlers lange zu warten.
Die Barlowsche Krankheit ist eine Erkrankung der Knochen bei Säuglingen, die mit Schwellung und großer Schmerzhaftigkeit berbunden ist. Die Kinder sehen sehr blaß aus, oft ist auch das Zahnfleisch geschwollen. Die Ursache der Erkrankung ist eine fehlerhafte Ernährung, die vorzüglich in dem Mangel frischer Nahrungsmittel besteht. Bisweilen scheint es schon ein Fehler zu sein, daß ein Kind zu lange mit reiner Milch aufgezogen wird. Ganz besonders schädlich ist für manche Kinder die lange Zeit fortgesetzte Ernährung mit sterilisierter Milch. Bei anderen Kindern ist ein zu lange Zeit gebrauchtes künstliches Milchpräparat für die Entstehung der Barlowschen Krankheit verantwortlich zu machen. Auffallenderweise erkranken fast nur die Kinder gutfituierter Familien an Barlowscher Krankheit. Vielleicht läßt sich dies dadurch er= Klären, daß die Kinder ärmerer Eltern meist schon vor Abschluß des ersten Lebensjahres neben Milch auch frisches Gemüse und Kartoffeln erhalten. Die Barlowsche Krankheit heilt nach mehreren Wochen, seltener schon nach mehreren Tagen bei richtiger Ernährung. Neben frischer Milch ist Fleischsaft, Apfelsinensaft, Apfelmus, Spinat, Kalbsbrühe, Hühnersuppe usw. empfehlenswert. Neuerdings gibt man in schweren Fällen dreimal täglich einen Teelöffel frischer Bierhefe.
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Freitag, den 24 Junt.
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1904.
Familienzeitung.
Oberhessische
Tägliche Unterhaltungs- Beilage
Gießener Neueste Nachrichten.
Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1788); verantwortlich: Albin Klein.
( 8. Fortsetzung.)
Die Adjaren.
Originalroman von Arthur Gundaccar v. Suttner.
„ Das darf er nicht!" rief Djambek bestimmt. Wenn er so weit seine Pflicht vergißt, müßte man auch ihn in Anklagezustand versezen. Uebrigens werde ich deinen Auftrag gern ausführen; ich will sogleich Artschil in Kenntnis seßen."
Tue das, und sobald es hier neues gibt, sollst du be nachrichtigt werden."
Die Neuigkeit ließ nicht lange auf sich warten; am folgen den Morgen schon kam einer von Elisbas Leuten atemlos zu Djambet gelaufen:
,, Schnell, Herr, ein Unglück ist geschehen!" Der Mann war so erregt, daß er keine weitere zusammenhängende Phrase zu sprechen vermochte, und Djambek machte sich daher eilig auf, um zu sehen, was vorgefallen war.
Als er in das Gehege des Nachbarbesizes sprengte, traf er auf einen Trupp Bauern und Pächter, die dort heftig gestikulierten und zu beraten schienen, während weiter gegen das Haus zu die Eskorte des Kaimakam sichtbar war, die mit den Waffen in der Hand vor dem Eingang standen. Ohne die Zurufe der Leute zu beachten, ritt Djambek auf die Wache zu: ,, Was gibt es?" fragte er einen der Zunächststehenden. „ Was es gibt?" erwiderte der Mann finster. Daß man hier einen Mord begangen hat."
„ Einen Mord! An wem?"
„ An Ali- Beg."
,, Nicht möglich!" Djambek wollte in das Haus stürzen, aber die Leute verwehrten ihm den Eintritt. So laßt mich doch!" herrschte er sie an. Mit welchem Recht wollt ihr mich hindern, das Haus meines Freundes zu betreten?"
Jezt kam auch die Schar der Bauern näher, zu der immer neue Ankömmlinge stießen.
den Leuten Djambek zu. „ Sie wollen Elisba gefangen nehmen!" riefen einige von
Habt ihr einen Befehl hierzu?" wandte sich dieser wieder zur Wache. Wenn nicht, so schert euch eurer Wege und ihr werdet die Folgen zu bereuen haben!" wartet, bis ihr Auftrag bekommt. Laßt mich nun hinein, oder
„ Recht so!" riefen die Leute, die nun ganz nahe heranJekommen waren und drohend die Hände an ihre Dolche legfen, während die Untergebenen des Kaimakam ihre Flinten inzugreifen. in Bereitschaft setzten, mehr um sich zu verteidigen, als um
,, Wagt es nur, einen Kampf heraufzubeschwören, dann soll es euch schlecht ergehen!" rief Djambek drohend.
" Ja, wagt es nur!" sekundierten die anderen.„ Wir jaben es satt, uns länger als Tiere behandeln zu lassen. Der Raimakam hat das erhalten, was er längst verdient." ,, Und nun möge mir einer das Ganze erklären. War jemand von euch dabei?" wandte sich Djambek an die Bauern. Mehrere von ihnen traten vor, und einer ergriff das Wort:
Wie Ihr wißt, Herr, bin ich derselbe Pächter, der seit Jahren jene Grundstücke, die Elisba gehören, bearbeitet. Vor mir war schon mein Vater und vor diesem mein Großvater hier feſtſässig; dieser letztere lebt noch und kann bezeugen,
( Nachdrud verboten.) daß Elisba der rechtmäßige Eigentümer ist; der Alte und noch einige Leute waren gegenwärtig, wie der Kaufpreis ausgezahlt wurde. Oft genug hat er erzählt, daß der damalige Kaimakam zu Elisbas Großvater sagte: Ich übergebe dir hier vor Zeugen den Besitz, den du rechtmäßig erworben hast; dein Eigentum erstreckt sich nun bis hierher" und gleichzeitig wurde in Gegenwart der Zeugen der Kohlenkorb versenkt.*) Gestern nun wollten wir den Vertrag auf zehn weitere Jahre abschließen, als der Mudir erschien und uns im Namen des Gesetzes verbot, das Uebereinkommen zu treffen, da der Kaimakam das Grundstück als Staatseigentum beanspruche. Wir kehrten uns nicht weiter um derlei Unsinn, sondern taten, wozu uns das gute Recht ermächtigte. Heute nun kam Ali- Beg selbst herüber und wies mich an, augenblicklich den Pachtgrund zu verlassen; wenn ich nicht freiwillig gehe, drohte er, mich gewaltsam hinwegschleppen zu lassen, um mich noch obendrein einzuferfern. Ich lief zu Elisba, um ihm das ganze zu berichten, und dieser kam sogleich mit mir zurück. Der Kaimakam wollte ihn nicht einmal zu Wort kommen lassen, sondern empfing ihn mit groben Schimpfreden, und da Elisba endlich auch die Geduld verlor, so kam es zu einem heftigen Streit, bis Ali- Beg gegen ihn einen Hieb mit der Peitsche ausführte. Da riß der andere den Dolch aus dem Gürtel und Ali- Beg stürzte zusammen."
,, Das geschah drüben in deinem Gehöfte?" Der Mann nickte bejahend. ,, Und was wollen die Leute nun hier vor Elisbas Haus?" „ Er hat die Flucht ergriffen, und sie glauben, daß er sich hier verschanzt hat."
Ich will euch etwas sagen," wandte sich Djambek an die Diener der Gerechtigkeit, eure Pflicht ist es, von dem Vorfall Anzeige zu machen, damit Elisba zur Verantwortung gezogen werde. Niemand hat euch aber das Recht gegeben, sein Haus zu belagern, und ich fordere euch daher nochmals in gutem auf, den Eingang freizugeben. Wir sind nicht gesonnen, eine Ungesetzmäßigkeit zuzugeben, und werden uns dagegen zu wahren wissen."
,, Bist du bereit, für den Mörder Bürgschaft zu leisten?" versetzte jetzt der Führer der bewaffneten Schar.„ Willst du mit deiner Person haften, daß Elisba, wenn wir uns zurückziehen, nicht das Weite sucht?"
,, Nein, das will ich durchaus nicht, denn wenn er die Abſicht hat, zu fliehen, so werde ich der letzte sein, der ihn davon abhält. Wer sagt euch übrigens, daß er überhaupt hier ist? Ihr steht da, und vielleicht hat er sich längst in Sicherheit gebracht."
Wir haben ihn gesehen, als er durch das Buschwerk in diese Richtung rannte."
,, Gut, so laßt mich nachschauen, ob er im Hause ist; dabei gibt es doch keine Gefahr für euch. Treffe ich ihn und hat
*) Statt Grenzsteinen wurden kohlengefüllte Körbe in die Erde vergraben.


