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Kinder, Mädchen im Alter von 13 und 7 Jahren, getötet. Dem älteren Mädchen wurde von der Mutter durch Schläge mit einem schweren Gegenstande der Schädel zertrümmert, während das siebenjährige im Bette erstickt wurde. Die Frau hat sich nach der Tat aus dem Hause entfernt und beim Fortgehen die Hausgenossen gebeten, auf die Kinder acht zu geben. Die Tat ist aller Wahrscheinlichkeit nach in einem Anfall geistiger Umnachtung begangen worden, denn die Frau, die sich vermutlich auch mit Selbstmordgedanken ge­tragen hat, lief zunächst nach den Babngeleisen und wurde später am Horstsee umherirrend betroffen und in Haft ge­bracht. Sie ist noch nicht vernehmungsfähig. Zur Beob­achtung ihres Geisteszustandes wurde sie zunächst nach der Anstalt Hubertusburg gebracht. Für die Tat schlt sonst jeder ersichtliche Grund. Die Frau litt keine Not, und mit ihrem Ehemanne, der in der Anstalt Hubertusburg beschäftigt ist, lebte sie in Frieden. Das jüngste Kind war ihr erklärter Lieblina.

[ Damenreiten im Herrensattel.] Die in Amerika viel­fach geübte Sitte, daß Damen im Herrensattel reiten, ist jetzt auch nach London gedrungen und hat dort viel Anklang ge= funden. Dem auf einem großen Braunen sitzenden Lehrer der neuen Methode folgt eine ganze Schar goldlockiger Mäd­chen, die graziös und anmutig ihre Ponies im Herrensib lenken. Ihre geschmackvolle Kleidung besteht aus einfachen Matrosenkleidern mit reichen Faltenröcken, weißen Blusen und Panamahüten, deren breite, blaue Bänder beim Reiten Iuftig mit dem lockigen Haar im Winde flattern. Alle sehen reizend und graziös aus und haben einen beneidenswert festen Siz im Sattel. Ueberzeugt von dem vernünftigen Zweck der Neuerung, die sie vertreten, scheinen die jungen Reitfünstlerinnen die neugierigen Blicke, die sich auf sie richten, gar nicht zu bemerken.

§ Ein diebischer Stationsmeister. Der frühere Stations­meister Ott aus Freilassing wurde von der Strafkammer des Landgerichts Traunstein wegen Diebstahls zu insgesamt drei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. Der Angeklagte hatte während seines Dienstes zahlreiche Pakete geöffnet und sie zum Teil ihres Inhalts beraubt, worauf er die Pakete wieder sorgfältig verschloß. Seine Verhaftung erregte damals großes Aufsehen.

§ Das Urteil im Prozeß gegen die Hannoversche Landesbank lautete gegen den Direktor Schumann auf zwei Jahre Ge­fängnis und 2000 Mark Geldstrafe. Die Aufsichtsratsmit­glieder Weber und Delmann wurden zu je einem Monat Gefängnis und 500 Mark Geldstrafe, Giesecke zu sechs Wochen Gefängnis und 500 Mark Geldstrafe verurteilt.

§ Zum Kündigungsrecht. Ein interessantes Urteil wurde ain Gewerbegericht in München gefällt. Im vorigen Monat entließ eine Färberei ein Laufmädchen aus dem Grunde so= fort, weil es bei einer Kundschaft, bei der es etwas abgeliefert und fein Trinkgeld erhalten hatte, an die Tür schrieb: Wenn du mir nichts schenkst, sollst du gleich verrecken." Nun wurde die Firma vom Gewerbegericht verurteilt, dem Mädchen für die Zeit der Kündigungsfrist ihren Lohn zu bezahlen, weil das Mädchen nicht die Firma, sondern die Kundschaft be­leidigt habe.

§ Eine häßliche Kuppeleiaffäre führt den Berliner Uni­versitätsprofessor Martin Mendelsohn zusammen mit zwei Frauen, Jaroffe und Marie Hahn, auf die Anklagebank. Die Frauen sind der Kuppelei, Professor Mendelsohn der Anstiftung dazu beschuldigt. Die Jaroffe und Hahn haben ihm junge Mädchen zu unsittlichen Zwecken zugeführt. Die Verhandlung wurde wegen Fehlens einer Zeugin vertagt.

Lokales.

21. Mai 1904.

Bezirks- Sparkasse zu Gießen erschien im Geschäft des Be­treffenden und erklärte ihm, daß er in Folge seiner großen Sparsamkeit von der Sparkasse eine Prämie erhalte. Wie freudig er über dieses unverhoffte Geschenk war, brauch man man wohl nicht erst zu beschreiben. Allen jungen Leuten, die über überflüssiges Geld verfügen, sei dies zur Nach ahmung empfohlen.

** Centrallstelle für Obstverwertung in Frankfurt a. M Die Zeit der Reife verschiedener Obstsorten, wie Erd- Johannis- und Stachelbeeren, Heidel­und Himbeeren, Kirschen, Aprikosen, Pfi siche, Pflaumen ist da oder steht nahe bevor und wir wollen daher alle Produzenten und Konsumenten wieder auf vorbenannte Zentralstelle auf­merksam machen, die es den Verkäufern und Käufern so sehr leicht macht, die Obsternte an den Mann zu bringen bezw. den Bedars an Obst zu decken. Die Interessenten haben nur das zur Verfügung stehende Duantum oder die nötige Menge der 3 ntralstelle anzugeben, um sofort von dieser mit einer größeren Zahl von Produzenten und Konsumenten in Verbindung gefeßt zu werden. Einzige Bedingung ist, daß das abgefeßte oder erworbene Quantum immer sofort der Zentralstelle mitgeteilt wird. Es wird natürlich auch er­wartet, daß immer nur gutes Obst geliefert wird: die Käufer sind gebeten, von nicht befriedigenden Lieferungen dem Komitee Mitteilung zu machen. Gut ist es, wenn mit den Anmeld­ungen nicht zu lange gezögert, sondern schon vor der Reife von dem erwarteten Ertrage bezw. der benötigten Menge der Zentralstelle Mitteilung gemacht wird, damit die Vor­verhandlungen vor der Reisezeit erledigt werden können und seinerzeit auf Grund der geschehenen Abschlüsse sofort mit dem Versand begonnen werden kann, denn manche Obstsorte verträgt ja fein langes Lagern. Es werden auch für Spät obst, insbesondere Aepfel und Birnen, iezt schon Anmeldungen angenommen. Ueber die guten Erfolge der Zentralstelle im vorigen Jahre haben wir seinerzeit berichtet.

** Der Großherzog hat verordnet, daß die Gerichtsschreiber bei den Amtsgerichten, der Gehilfe des Generalstaatsanwalts und die ersten Staatsanwalts­gehilfen bei den Landgerichten den Amtstitel Aktuar" sowie die dekretmäßig angestellten Hilfsgerichtsschreiber bei den Amtsgerichten und die zweiten Staatsanwalts­gehilfen bei den Landgerichten den Amtstitel Aktuariats­-assistent" fortan zu führen haben.

*** Der Großherzog empfing u. A. den Ober­lehrer Zimmer von Alsfeld.

den wurde der Großh. Beigeordnete und Gasthof befikr Theod. C Marius gewählt.

= Friedberg, 18. Mai. Gestern Nacht wurde in die Stationsgebäude von Weckesheim und Reichels­heim i. d. W. eingebrochen. In Weckesheim fiel ihnen der Betrag von etwa 15 Mart in die Hände. Auf Station Reichelsheim nahmen sie die ganze Kasse mit Inhalt mit fort.

Nationaler Gesangswettstreit zu Gießen.

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Eröffnung des nationalen Gesangswettstreites in der Am Samstag, den 21. Mai, abends 8 Uhr, fand die mit reichem Flaggenschmucke und Tannengrün ausgestatteten Festhalle, die ohne dies schon durch die im herrlichsten Früh­lingskleide prangenden Kastanienbäume, über welche sich die Halle wölbt, einen prächtigen Anblick gewährt, statt. Herr Wilhelm Homberger, als Vorsitzender des Geschäftsführenden Aus­schusses begrüßte die trotz des ungünstigen Wetters zahlreich Er führte dann aus, es Erschienenen mit warmen Borten. sei das erste Mal, daß in Gießen ein Gesangswettstreit statt­finde, seitdem von hoher Seite( Kaiser Wilhelm II.) in das Wesen des Männergesanges eingegriffen worden sei, und dankte dann den einzelnen Ausschüßen, den mitwirkenden Gießener Vereinen und besonders aber dem Maschienenbauer­Gesangverein für die Veranstaltung anläßlich seines 20jährigen Stiftungsfestes, und schloß mit dem Hinweis auf die Sym­pathien, welche sich gerade die Gesangsfunst seitens unseres Landesherrn erfreut. Ein Hoch auf Kaiser und Großherzog ( letterer hat bekanntlich einen prachtvollen Ehrenpreis gestiftet) wurde begeistert aufgenommen und die Nationalhymne stehend gesungen. Sodann brachte der Maschinenbauergesangverein einen von ihrem Dirigenten, Herrn Gernhardt fomponierten " Festgruß", ein im schlichten, herzigen Volkston gehaltenes Werfchen, schön zu Gehör. Im Laufe des Abends schlossen sich dann noch eine Reihe Lieder an, die alle von dem Fleiß und Können des Vereins und seines Dirigenten ein treffendes Beugnis ablegten. Es schlummert ja in jeder deutschen Brust etwas von jener uralten Poesie, die vom Reitersmann und seinem traurigen Liebchen" oder von gesprungenen Reifen" erzähit und wenn das Herz in der Tretmühle des Alltags noch so verstaubt geworden ist ein Körnchen der sentimentalen Poesie schlummert doch unter der Schicht und ein inniges Volkslied kann es nur zur Blüte bringen. Uebrigens trug auch Herr Musikdirektor Krauße mit seiner Schaar zur Unterhaltung nicht wenig bei und seine Weisen fanden des Maschinenbauergesangvereins war zum Stiftungsfefte bei den Erschienenen frohen Widerhall. Von den Damen sie dem Vorsitzenden mit einem das deutsche Lied verherr­eine Fahnenschleife gestiftet worden. Frl. Frank überreichte lichenden Prologe. Uebrigens haben Ehrengeschenke zum sangverein Bierstadt, der Vereinsmirt Herr Carlé, Stiftungsfest des Maschinenbauergesangvereins noch der Ge­der Verein Concordia- Gießen( von Herrn Horn über­reicht), der Gesangverein Thalia- Frankfurt a. M. und " Heiterkeit"- Fechenheim gestiftet. Die ältesten Mit­welchior wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt und ihnen glieder des Vereins, Herren Döll, Künhold und fünstlerisch ausgestattete Diplome übergeben. das Wetter nicht besonders günstig, es regnete recht anständig, aber die Festhalle hat ihre Feuer- resp. Wasserprobe glänzend beftanden, man fühlte sich, da man im Trockenen saß, recht behaglich und der erste Abend verlief zur allgemeinen Zu­

friedenheit.

= Grünberg.( Eingesandt.) Für die Bahn frage für Grünberg tommt in erster Linie nicht der Geldpunkt, sondern die Anlage der Bahn in Betracht. Sind wir recht berichtet worden, dann verfehlt die geplante Anlage, speziell für Grünberg, das Ziel. Wäre es nicht besser gewesen, auf das strategische Projekt von 1872, oder auf das spätere Laubach- Grünberg zu­rückzugreifen? Tatsächlich wundert es uns, daß in Grün­berg feiner der älteren Herren dieses Projekt in Vorschlag gebracht hat. Wir wollen in einigen Worten das uns mit­geteilte neue und alte Projekt gegenüberstellen. Das neue Projekt soll nicht die Surbach entlang, sondern von der Holz­schneiderei in Queckborn nach der Reumühle gehen. Dann einen Bogen( Kurfe) machend in das Neustädterfeld bis zur Pfefferwiese und Altenturm gehen; von hier aus geht es das Queckborner Gäßchen hinauf( Pflock 10) und durchschneidet die hier sogenannten Heeglappen, hier liegt auch der Platz für den Südbahnhof". Von da geht es( nach den Absteckungen) über den Feldgrabenweg nach den Hamelsgarten". Dieser bleibt rechts liegen und die Bahn biegt in die Wiese des Herrn G. Stammler ein, durchschneidet sämtliche Wiesen und Länder bis zur Gießener Kreisstraße und mündet dann, nachdem sie noch eine große Rurfe gemacht, auf der Käzwiese oder deren Nähe. Auf die Frage einer Ein­mündung in die preußisch- hessische Bahn erhielten wir von kompetenter Seite eine ganz entschiedene Berneinung. Nun zum alten Projekt. Da hieß es Laubach- Wetterfeld­Neumühle oder Laubach- Lauter resp. Betterfeld- Lauter. Hier foigte dann Umgebung des Tannenkopfes, Einmündung zwischen Lehnheim und Grünberg.( Beschluß der 2. Hess. Kammer.) Auch Hohestraße Neumühle- Lauterer Hohl Dickelstal- Untere Biegelhütte- Siegberg. Dieses lettere scheint uns wohl der Prüfung wert. Dadurch würden in nicht zu ferner Zukunft die großartigen Lungsteinlager auf geschlossen. Die Herren Professoren Dr. Lepsius und Chelius haben diese Lager als bedeutend und die besten Lungsteine bezeichnet. Dann würde vielleicht die Untere Industrieplaz werden, beides ist absolut nicht aus Biegelhütte nach kurzer Zeit ein Ausflugsort oder gar geschlossen. Und noch eins ist zu erwähnen. Soll das neugeschaffene Sägewerk der Herren Ha as nicht berück­sichtigt werden? wird das Sägewert in Quedborn in Einbruch. In der Nacht auf den zweiten Feier- Grünberg das Haas'sche Sägewerk in Frage kommen. Betracht gezogen, dann muß auch selbstverständlich für unser tag wurde von Unbekannten in das Bootshaus der Gießener Rudergesellschaft eingebrochen und folgende Gegenstände Also das Schlußresultat wäre: Steinmühle, Stadt gestohlen: 24 Baar lange blauwollene Strümpfe, 1 Baar wald, Steinbruch, Untere Ziegelhütte und gelbe Spangenschuhe, 1 Baar Turnschuhe, 1 Trompete, 1 Haas'sche Holzschneiderei. Nach unserer Ansicht würden Matrosen- Arbeitstittel der 2. Matrosen- Artillerie- Abteilung für Lauter, Steinmühle, Neumühle an der Lauterer Hohl mit dem Stempel 22, 1 weiße Watrosenhose, 1 Fl. Kognak Halte- und Verladestellen einzurichten, für Grünberg 2 Fläschchen Weißwein, 15 Flaschen Bier und einige der Bahnhof entweder südlich der jezigen Bahn oder doch Fläschchen Roßbacher Wasser. Am Tatort ließen die Diebe nahe dabei zu erbauen sein. Der feßige neue Plan ist be eine Bierflasche mit der Firma ttienbrauerei Gießen" zu­stimmt zu verwerfen, da nach der südlich gelegenen Heeg rück, die noch halb mit Schiffenberger Schnaps gefüllt infolge des gesunden Bodens und Luft nur Wohnungen Vielleicht wird die Flasche zum Verräter Einige gehören, während Bahn und Industrie nach Nord- und geleerte Bierflaschen hatten die Diebe in die Lahn geworfen. Südost gehören. Die natürlichsten Baupläße weisen für die A Noch ist der Nationale Gesangswettstreit zu­Zukunft also nach der Heeg, dieses muß jeder Ein­Gießen nicht zu Ende und wieder werden im Kreis ſichtige bestätigen. Dagegen ist Nord- und Südosten als Gießen zu einem zweiten, ebenfalls größeren Sänger- Grünbergs Zukunft zu bezeichnen, zur Errichtung städtischer feste die Aufrufe erlassen, die bereits begonnenen Vor­c. am besten geeignet. arbeiten mit noch verschärftem Eifer der breiten Be­völkerung zur Kenntnis gegeben. Im Inseratenteil der heutigen Nummer erläßt der Wohnungsausschuß für das in Grünberg stattfindende 25. Lahntal- Sängerbundes­fest eine Aufforderung, die die Bürger Grünbergs im Interesse des Gesanges wie der Stadt selbst recht be­herzigen möchten. Wenn Grünberg auch dem Aeußeren nach nicht das bieten fann, was Gießen zu bieten in der Lage ist, aber Gastfreundschaft und größere Bequemlichkeit werden von den kleineren Provinzstädtchen in wohlgefälliger Art erwartet. Wird dem entsprochen, dann ist's dem Sänger wohl und die Feststadt hat damit eine ihrer besten Aufgaben schon mit erfüllt.

* **

Ernannt wurde der Amtsrichter bei dem Amtsgericht Homberg Friedrich Schnitipahn zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gießen, der Gerichts­assessor Theodor Io st aus Schotten zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Homberg, der Gerichtsassessor Dr. Emil Hof aus Babenhausen zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Lauterbach.

war.

Von einem Leser unseres Blattes wird uns folgendes geschrieben: Eine freudige Ueberraschung erhielt gestern ein junger Mann von Gießen. Der Diener der

Bauten 2c.

G. R.

Grünberg, 24. Mai. Das gestern vom hiesigen Musikverein auf der Neumühle veranstaltete Konzert war zahlreich besucht. Die Vorträge des strebsamen Musikvereins wurden von den Zuhöreren mit großem Beifall aufgenommen. Dem darauffolgenden Ball huldigte man bis in die frühen Morgenstunden.

A Stangenrod, 24. Mai. Die Vorbereitungen zu dem am 5. und 6. Juni b. Is. hier stattfindenden Fahnen weihfest des Kriegervereins find flott im Gange. Als besonders schön gelegen fann der Festplaß bezeichnet werden.

Ermenrod. Am 11.- 13. Juni wird unser Krieger­verein sein Kriegerfest abhalten, bei welcher Gelegenheit auch gleich die neue Fahne mit geweiht wird.

+ Schotten, 17. Mai. Hier hat sich ein Kreis­ziegenzuchtverein gebildet, welcher die Sagungen des Lauterbacher Vereines zur Grundlage hat. Zum Vorsißen­

"

Der zweite Tag

Leider war

führte eine große Menschenmenge nach dem Oswaldsgarten, welche die Festhalle nicht fassen konnte; ein Teil amüsierte sich deshalb außerhalb in den Bier- Zelten, während viel Publikum noch in den Gängen stehend den Darbietungen folgte. Meister Krauße eröffnete den Abend mit der Duverture zu Rosamunde", von Schubert und der feft­gebende Verein sang dann einen von Herrn Gernhardt einstudiert war und viel Beifall erntete. Das deutsche Lied", komponierten Begrüßungschor, der offenbar mit viel Fleiß so betitelt sich das an idyllischer Schönheit, wie auch an ausdrucksvoller Kraft reiche Tongemälde, ist bei Ernst Challier hier erschienen und allen Vereiner auf das Gießener Gesangvereinen schwang Herr Franz Bauer Bei den Vorträgen der vereinigten Beste zu empfehlen. mit Energie und Geschick den Tattstock und seine schwierige Aufgabe hat er wirklich anerkennenswert gelöst. Nament­lich gefiel das in seiner echt volkstümlichen Tragit erschütternbe Es geht bei gedämpfter Trommelflang" von Silcher; dieser sowohl wie auch Friedrich Rotbart" ein Werk von monu­mentaler Pracht und gewaltiger Wirkung wurde stürmisch da capo verlangt und gewährt. Der Verlauf des ganzen Abends zeigte mit unverwischlicher Lebendigkeit, daß das deutsche Lied, der Männergesang bei richtiger Vertretung und Förderung ein Bindeglied ist zwischen den einzelnen Bevölkerungsschichten. Ganz gleich ob Beamter, Arbeiter oder Gelehrter, im Liede vereinigt sich alles und Klassen­unterschiede treten in den Hintergrund. Beim Anhören des Gesamtchores tam uns immer wieder der Gedanke, wie schön wäre es, wenn die Gießener Gesangvereine von Zeit zu Zeit gleiches veranstalteten und im engeren Zusammenschluß der Bürgerschaft die Macht des deutschen Liedes erneut erkennen ließen.

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Der dritte Tag wurde morgens um 6 Uhr durch eine Reveille eingeleitet, die Stadt wurde sehr bald lebendig und von 8 Uhr ab war unter Leitung des Herrn Homberger der Empfangs­ausschuß am Bahnhof in voller Tätigkeit, um die eintreffenden auswärtigen Sänger nach ihren Lokalen zu bringen.

Pünktlich um 10 Uhr vereinigten sich die auswärtigen Gesangvereine zum

Preissingen.

Dasselbe war in 6 Klassen eingeteilt und fand in den vier größten Sälen statt. Die konkurrierenden Vereine hatten außer dem vorgeschriebenen Chor als zweite Nummer ein Volkslied nach freier Wahl zu singen. Nachverzeichnete

3. Preis 4. Preis

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