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Was, Mutter, kann mir die strahlende Sonne, der filberne Mond, die grün sich schmückende Erde sein? Glücklich kann ich mich nennen, ja glücklich mich preisen, wenn ich ihm gehören dürfte, selbst im Tod."
Die Mutter warnte angstvoll.
Wäre so hohes Glück mir beschieden, dem Hohen, Herrlichen dienen zu dürfen in ehrfürchtiger Liebe, dann sollte euch Heil widerfahren. Glätten sollte er aus Liebe zu mir die unheilbringenden Wogen, gebieten der tobenden Brandung. Gefahrlos würde der Fang.
Staunend und grauend hörte die Mutter des Mädchens begeisterte Rede. Schluchzend barg sie das Gesicht in den Händen; sie fühlte, der Same, den sie in die Seele des Mädchens gestreut, trug jetzt seine Früchte.
An einem wunderbar schönen Sonntag im Spätherbst, als selbst die Natur im Feierkleide zu ruhen schien, entfaltete sie vor den staunenden Küstenbewohnern ihre entzückendſten Reize.
Andachtsvoll standen die Alten in diesen seltenen Anblick versunken. Die muntere Jugend aber löste die Boote von Schoner und 3ijalk, um sich auf der See zu ergößen.
An einem Tage wie heute sieht man den Glaspalast des Meergottes, so ging die Sage.
Auch Heinke löste das Boot vom Schiffe des Vaters, legte, die Hände unter dem Kopf verschlungen, den trunkenen Blick auf zum Himmel, bald zur Tiefe des Meeres richtend, sich in das Fahrzeug.
Sie achtete nicht der Scherze der sie umschwärmenden Jugend. Lodernde Flammen wühlten in dem Busen. Heute vielleicht war der Tag, wo sie den Palast des einzig Geliebten, die Meermädchen, ihn selbst wohl erblickte.
Die Brise, die leichtbeschwingte, kam und umfächelte der Einsamen schmeichelnd die Schläfen, bis der Schlummer sie sanft umfing. Das Boot aber trug sie leise hinaus in die offene See.
Am Horizont, dort, wo der Himmel sich mit dem Meer zu vereinen scheint, tauchten Wölkchen auf, weiß, leicht, gleichend der vom Windhauch getragenen Feder. Dichtere, dunklere Wolken jagten gar bald wie in neckischem Spiel über die ersten hinweg. Dunklere, bald tiefschwarze Wolkengebirge bildeten wunderbare, drohende Gestalten, diese streckten und dehnten sich, senften sich tiefer und tiefer, fast bis zu dem Spiegel des Wassers, es unheimlich färbend, ſo dunkel wie sie.
Grelle Blize zerrissen die Wolken und schienen den Himmel zu teilen. Prasselnder Donner übertönte das Brüllen der See.
Heinke fuhr erschrocken empor aus wonnigem Traum. Ach, schon tanzte das leichte Boot auf Wasserbergen. Pfeilschnell schoß es hinab in den gurgelnden Schlund. Jetzt war es bereits bis zur Hälfte mit Wasser gefüllt, das das geängstete Mädchen, eine Ruderstange umflammernd, hoch aufgerichtet im Boot stand. Da nahte ein Wasserberg, turmhoch, mit donnerähnlichem Tosen und bedeckte Mädchen und Boot. In Heinfes Ohren ertönte ein Brausen, Singen und Klingen. Milder, süßer werden die Töne, Harfensang ist es, der ihr Ohr berauscht, die Harfe des Aegir. Der fremde Jüngling, den einstmal die Wellen als Toten ans Land getragen- blühend, mit wundersam leuchtenden Augen, die in inniger Liebe erstrahlen, umfängt sie mit starken Armen, um sie in sein Reich hinabzuführen.
Bezaubert von so viel Lieblichkeit und Schönheit drängten sich die Untertanen des Meergottes herzu, die holde Schläferin zu sehen und zu berühren. Kosend umspielten sie die schlaff herabhängende Hand. Tändelnd strichen die kleinen Vorwitzigen durch die nur loſe geschlossenen Finger. Andere lösten die Schuhe von den zierlichen Füßen, zu schwer dünfte sie deren Last. Das Wasser aber befreite spielend die goldenen Haare aus den sie fesselnden Flechten, daß sie gleich einem Mantel lang herabflossen.
Die Farbe des Haares aber, die das Meervolk nie er blickt, versetzte sie in lichtes Entzücken. Es ließ sie das gestrenge Gebot ihres Königs vergessen, daß königlich Gut geheiligt sei.
Sie wünschten ja nur ein Fädlein zu brechen von so reicher Fülle; sie brechen nur eins, und noch eins, und dieses ein wenig länger, von dem goldenen Gespinst.
Als der Meergott an den Pforten seines Palastes die liebliche Braut betrachtete, erstarrte er vor Schmerz und Schrecken, so daß er sich zum gewaltigen, zürnenden Greise verwandelte. ( Schluß folgt.).
AUS DEM REICHE
DES
WISSENS
Die Verteilung der Sterne im Weltraum. Ueber die Verteilung der Sterne im Weltraum sind in den Annalen der Harvard- Sternwarte neue Untersuchungen veröffentlicht worden. Es handelte sich hauptsächlich darum, die Verhältniszahlen der Sterne in der Milchstraße und außerhalb ihrer Grenzen zu bestimmen. Für die Milchstraße wurden die Himmelskarten in dem Atlas von Heis und die Argentinische Uranometrie( für den südlichen Himmel) benutzt, für den übrigen Himmel die Durchmusterungen der Harvard- Sternwarte, die sich auf beide Halbs fugeln des Himmels erstrecken. Die Arbeiten sind sehr sorgfältig ausgeführt worden und werden durch 23 Tafeln in ihren wesentlichen Ergebnissen veranschaulicht. Danach ist die Zahl der Sterne innerhalb eines gegebenen Flächenraums der Milchstraße etwa doppelt so groß, wie auf einem gleichen Flächenraum eines anderen Himmelsgebiets, und dies Verhältnis wächst auch für die schwächeren Sterne bis zur 12. Größenklasse abwärts an. Der Anteil von Sternen der einzelnen Größenklassen an der Gesamtheit ist innerhalb der Milchstraße derselbe wie außerhalb. Jm ganzen kommt die Verteilung der Sterne darauf hinaus, daß sich in der Milchstraße, die etwa ein Drittel des Himmels bedeckt, etwa die Hälfte aller Sterne befindet. Es liegt kein augenscheinlicher Beweis für das Vorhandensein einer Grenze nach der Richtung des Schwächerwerdens der Sterne vor. Es gibt etwa 10 000 Sterne von der Größe 6,6 und darüber, 100 000 von der Größe 8,7, 1 000 000 von der Größe 11 und 2 000 000 von der Größe 11,9. Obgleich eine solche Angabe noch immer in hohem Maße willkürlich iſt, ſo schätzt man die Zahl der in einem Fernrohr von 15 Zoll Oeffnung sichtbaren Sterne auf 18 000 000, wobei sämtliche Gestirne bis etiva zur 15. Größenklasse eingeschlossen wären.
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Was die Technik bringt.
Ein Kabelpflug. Zum Legen eines unterirdischen transafrikanischen Kabels, das Frankreich in direkte Verbindung mit Madagas= far zu bringen bestimmt ist, hat man einen Pflug konstruiert, der die damit verbundenen Kosten im Vergleiche mit denen des bisher üblichen Verfahrens mindestens um die Hälfte ermäßigen soll. Der Balken des auf zwei Rädern laufenden Gerätes verschiebt sich in vertikalen Führungen und wird mittels Schneckenrades und Schraube betätigt, um die Schar auf die erforderliche Tiefe zu bringen. Diese Schar besteht aus zwei rautenförmigen Stahlplatten mit Schneidkante, vor der zwei Kolter angebracht sind, die den Boden auflockern. Hinter der Schar befindet sich eine Trommel, auf die das Kabel gewunden ist, das zwischen Leitrollen in die Schar hinein und am unteren Ende nahezu einen Meter unter der Oberfläche des Bodens herausgeführt wird. Der Pflug wird mit Hilfe einer Lokomotive nach Art eines Dampfpfluges betrieben. Er soll sich nicht nur für sandigen, sondern auch für harten Boden eignen.
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Der elektrische Eisenbahnbetrieb. Die schwedische Regierung denkt allen Ernstes daran, mit ihrem gesamten Eisenbahnbetriebe zur Elektrizität überzugehen, und hat seit mehreren Jahren dieses großartige, der elektrischen Induſtrie gute Aussichten eröffnende Projekt bis in die Einzelheiten hinein erwogen. Mit der Entsendung eines Sachverständigen zum Studium der elektrischen Anlagen des Auslandes und der Abgabe des Gutachtens des genannten können die theoretischen Vorarbeiten als abgeschlossen gelten, und es sollen nun die praktischen Versuche beginnen. Zu diesem Zwecke hat die Staatsbahnverwaltung kürzlich die erforderlichen Mittel verlangt, um von Stockholm aus zwei kürzere Bahnstrecken für elektriſchen Betrieb einzurichten. Von besonderem Intereſſe iſt bei diesem Projekt der Umstand, daß man beabsichtigt, als Kraftquellen die zahlreichen, in Schweden befindlichen Wasserfälle, und wo solche, wie im südlichen Schweden, nicht vorhanden sind, die großen Torfmoore nußbar zu machen. Auf diese Weise will man sich von der Kohleneinfuhr, die bisher den weitaus größten Teil aller eingeführten Waren ausmachte, unabhängig machen, und gleichzeitig durch Verwendung der früher fast ganz ungenutzten beiden natürlichen Hilfsmittel zur Hebung des Nationalwohlstandes beitragen.
Nr. 67.
Donnerstag, den 24. März.
Oberhessische Familien
Tägliche Unterhaltungs- Beilage
der
Gießener Neueste Nachrichten.
1904.
and nut Bring ber States: Rerlagsbruderet, norm. Muh. Mellerste Bugbrudersi( gags. 1788); said: This Isiz
( 30. Fortsetzung.)
Der Goldmarder.
Original Roman von M. Bezold.
Im Anfang hatte er nur einige der wertvollsten Münzen genommen, dann war er fühner geworden, und erst als er sich ganz sicher glaubte, hatte er auch noch den Rest geholt. Um diesen mehrfachen Raub verüben zu können, mußten ihm die Schlüssel zur Verfügung gewesen sein, und es war nicht glaubhaft, daß Joachim Spangenberg sie unbemerkt aus dem Schrank des Kustos geholt haben konnte.
Martin wollte sich nun auch darüber Gewißheit verschaffen, er eilte in's Hintergebäude, in heftiger Erregung trat er in das Wohnzimmer der Familie Schönbach.
Freudige Erwartung spiegelte sich in dem Blick, mit dem Gabriele ihm entgegenkam.
Sie bringen uns eine gute Nachricht?" fragte sie mit vibrierender Stimme.„ Der Vater ist frei?"
" Nein," antwortete er so unfreundlich, daß sie bestürzt zurücktrat ,,, wie mögen Sie daran nur denken?"
Sie wollen uns die Wohnung wieder nehmen?" sagte die franke Frau voll banger Besorgnis. ,, Wenn die Kinder umartig gewesen sind, dann sollen sie bestraft werden, ich verspreche es Ihnen, wir wissen ja, welch' großen Dank wir Ihnen schulden
Reden Sie nicht davon," unterbrach er sie, ich habe feinen Grund, mich über Ihre Kinder zu beklagen und denke auch nicht daran, die Wohnung Ihnen zu kündigen. Haben Sie kürzlich Nachrichten von Ihrem Manne erhalten?"
,, Gestern," erwiderte Gabriele, während sie ihm einen Stuhl anbot, er schrieb uns, daß ihm Versprechungen für die Zukunft gemacht worden seien, wenn er die Schuld seines Sohnes eingestehen wolle."
Das kann er nicht," sagte die alte Frau, mein Sohn ist schuldlos, es wäre abscheulich, ihn anzuklagen, da er sich nicht verteidigen kann."
Ist Ihr Sohn, während er hier war, mehrmals ver
reiſt?"
,, Nein, wohin hätte er reisen sollen?" ,, Vielleicht nach Berlin?"
Er war keinen Tag fort," erwiderte die Kranke mit einem mißtrauischen Blick. Wahrscheinlich behauptet man das, um bewisen zu können, daß er die Münzen in Berlin verfauft habe. Es kommt ja alles nur auf die Person an," fuhr ſie erbittert fort, ohne auf die warnenden Winke ihrer Tochter zu achten, ein mächtiger Mann kann einem Armen alles beweisen, sind's auch nur Scheinbeweise, dem Gericht genügen sie."
Martin war in Brüten versunken, auf diesem Weg, das sah er ein, erreichte er sein Ziel nicht.
„ Wenn Ihr Mann und auch Ihr Sohn schuldlos sind, wer soll dann den Raub begangen haben?" fragte er. ,, Das weiß Gott allein!" antwortete sie.
" Ihr Mann müßte es auch wissen, die Schlüssel zum Münzenkabinett haben ja zwei Jahre lang in seinem Schrank gelegen."
,, So sagt man."
... st es nicht die Wahrheit?"
( Nachdruck verboten.))
" Ich will nicht daran rütteln, Herr Kassel, aber ich erinnere mich, daß der Herr Direktor Spangenberg einmal meinem Mann die Schüssel abgefordert hat."
,, Wann geschah das?" forschte Martin gespannt, dem das Blut wieder heiß in die Stirne stieg.
Vor zwei Jahren vielleicht; ich weiß es nicht mehr so genau. Nach enigen Tagen brachte er sie wieder, er meinte, es sei doch zu umständlich, sie zuvor in seiner Wohnung holen zu müssen, wenn einmal die Sammlung plötzlich besichtigt werden solle."
Martin blickte starr vor sich hin; nun war auch diese letzte Hoffnung verschwunden!
Joachim Spangenberg hatte die Schüssel gefordert, um ein zweites Exemplar derselben anfertigen zu lassen, das er benutzen konnte, wann und wie er wollte.
" Ich mache dem Herrn Direktor keinen Vorwurf," nahm die Kranke nach einer langen Bause wieder das Wort, aber ist es nicht möglich, daß ihm die Schlüssel für einige Stunden oder einen Tag gestohlen worden sind? Er sollte doch nicht alle Schuld auf uns werfen! Erst war es mein Mann, dann mein Sohn und zuletzt mein Schwager; an die Möglichkeit, daß ein Anderer der Dieb sein kann, wird gar nicht gedacht. Ich glaube auch noch nicht an die Armbandgeschichte, in der man so gerne meinen Mann zum Mitschuldigen machen möchte-"
Martin war von seinem Sit aufgesprungen, wie Keulenschläge hatten ihn diese letzten Worte getroffen.
Die Untersuchung ist ja noch nicht geschlossen," sagte er heiser, sie muß die Wahrheit an den Tag bringen."
,, Glauben Sie das?" fragte sie herb. Ich nicht! Ein armer Mann darf nicht auf Gerechtigkeit hoffen, was liegt daran, wenn wir alle ehrlos und unglücklich werden?"
Martin stand bereits an der Türe; ohne eine Antwort zu geben, eilte er hinaus.
Gabriele folgte ihm, die Worte der Mutter mußten ihn tief empört haben, sie glaubte den Zorn in seinen Zügen zu lesen.
Vergessen Sie, was meine Mutter Ihnen gesagt hat, Herr Kassel," bat sie mit Tränen in den Augen, das Unglüc hat sie bitter gemacht. Glauben Sie auch nicht, daß sie den Herrn Direktor anklagen wolle
,, Nein, nein, liebes Fräulein," unterbrach er sie hastig, indem er ihre Hand erfaßte, fürchten Sie nichts, ich begreife die Erbitterung Ihrer Mutter."
,, Wir sind so tief unglücklich
" Ich weiß es, haben Sie Geduld, jeder Nacht folgt ein Morgen, ich glaube, auch für Sie wird alles noch sich zum Besten wenden."
Für mich?" seufzte Gabriele, der die Tränen über die bleichen Wangen rannen.„ Niemals! Ich denke auch nicht an mich, sondern an meine armen Eltern, würden Kummer und Sorgen von ihnen genommen, so wollte ich gerne zu. frieden sein."
Martin nickte schweigend und ging mit schwankenden Schritten in feine Mohnung zurück
Bohn- und Sale
der ohne Penfior


