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tand feft, daß er nur Vorteil davon hatte, das Leben seines Bater3 zu verlängern. Auch die Schuldlosigkeit der Mistreß Damas wurde klar erwiesen, dagegen häuften sich die Verdachtsgründe auf Allan Eastbrook zusammen. Mehrere Bächter erklärten, sie hätten ihn verschiedene Male Drohungen gegen den Verstorbenen ausstoßen hören; er hatte sogar gedroht, ihn zu vergiften, wenn er jemals mit ihm zusammen kommen sollte. Auch seine Frau mußte gestehen, daß er ähnliche Ausdrücke gebraucht, und das Haus am Tage des Mordes in sehr erregter Stimmung verlassen hatte. Dazu kam das wichtige Zeugnis des Apothekers Bolus, welcher erklärte, der junge Pächter habe an jenem Morgen ein größeres Quantum Arsenik bei ihm eingekauft. Dann berichtete der junge Westlake, daß er Allan auf dem Wege nach den Hause des Verstorbenen begegnet war und ihm gesagt hatte, daß ein neues Testament, das Eastbrook enterbte, noch an demselben Abend aufgesetzt werden sollte. Die Tatsache, daß der unmittelbare Tod des Alten für den jungen Bächter ein Vermögen bedeutete, war an sich schon ein mächtiges Argument, wenn man seine bedrängte pefuniäre Lage in Betracht zog. Ferner erzählte Mistreß Damas von der erregten Unterhaltung und der hastigen Art und Weise, in der Eastbrook das Zimmer verlassen hatte, als sie eintrat.
Auf alle diese Aussagen hin wurde Allan verhaftet und dem Schwurgerichtshof überwiesen. Es wurde ihm wohl ein Verteidiger gestellt, doch was konnte dieser gegen so schwerwiegende Gründe vorbringen? Auch nicht einer der Geschworenen zweifelte an der Schuld des Angeklagten, und dieser wurde schuldig befunden. Wohl beteuerte er unter Tränen seine Unschuld, doch welcher Verbrecher hätte das nicht getan? Der Richter bedeckte sein Haupt mit der schwarzen Müze und sprach in ernſtem, feierlichen Tone das Todesurteil aus. Der Tatbestand war so erdrückend und alle Zuhörer von der Richtigkeit des Urteils so überzeugt, daß auch nicht einer den geringsten Zweifel hegte.
Den tiefsten Eindruck hatte der Tod des alten Westlake auf den Arzt gemacht, der ihn in seiner letzten Krankheit behandelt hatte. Allerdings waren die beiden intime Freunde gewesen, und trotz der Erzentrizität seines Patienten hatte ihn Doktor Marchant sehr lieb gehabt. Doch nach dem Tode Westlakes schien der Toktor alle Fröhlichkeit verloren zu haben. Sein Gesicht nahm einen düsteren Ausdruck an und er hielt sich selbst von seinen bisherigen Bekannten fern. Er zeigte plötzlich ein unerklärliches Verlangen nach Einsam feit und interessierte sich für nichts mehr. Bei der Verhandlung gab er sein Beugnis mit augenscheinlicher zurückhaltung ab, und es fiel allgemein auf, daß seine Stimme vor Erregung zitterte. Er verließ den Gerichtssaal, bevor das Urteil ausgesprochen wurde, und als man ihm einen Tag später mitteilte, der Angeklagte wäre zum Tode verurteilt worden, fiel er ihn Chumacht.
Indessen rückte der zur Hinrichtung bestimmte Tag immer näher, in einer Woche sollte Allan Eastbrook vom Leben zum Tode befördert werden, als Doktor Marchant plötzlich erkrankte. Ein Schlaganfall hatte ihn getroffen, man ließ schnell einen Arzt holen, und im Laufe weniger Stunden kam der Patient wieder zum Bewußtsein. Er war indessen sehr schwach und verlangte sofort, man solle einen Richter holen lassen. Man hielt diesen Wunsch zuerst für eine Eingebung des Fiebers, doch der Doktor wiederholte seinen Wunsch, und als der Beamte eintraf, gab Doktor Marchant die erstaunliche Erklärung ab, Allan Eastbrook wäre am Tode seines Onkels vollständig unschuldig. Der Doktor, der persönlich die Medizin für seinen Onkel besorgt, hatte die Flasche irrtümlich anstatt mit Wasser, mit Arseniklösung gefüllt. Erst nach dem Tode des alten Westlake hatte er seinen Irrtum entdeckt, doch die Tatsache hatte ihn so mit Entsezen erfüllt, daß er es nicht wagte, den Folgen der unseligen Verwechslung ins Auge zu schauen, erst die Krankheit, die er für eine Strafe des Himmels ansah, hatte ihn veranlaßt, alles zu gestehen und den Unschuldigen einem schmachvollen Tode zu entreißen.
Allan Eastbrook wurde natürlich sofort freigelassen; Doktor Marchant aber starb ungefähr 14 Tage später. Der Schreiber dieser Zeilen gehörte der Jury an, die den jungen Pächter zum Tode verurteilte. Seit jener Zeit aber habe ich mir fest vorgeommmen, nie mehr nach dem Scheine zu urteilen und lieber 100 Schuldige freizusprechen, als einen Unschuldigen zu verurteilen.
Hausdoctor
Einige Winke für die Kinderstube. Seit altersher hat man mit dem Durchbruche der Zähne alle möglichen und unmöglichen Krankheiten des Kindesalters in Verbindung gebracht. Das Zustandekommen dieser angeblichen 3 a hn= krankheiten hat man sich auf die verschiedenste Weise zu erklären versucht. Die einen beschuldigten direkt den Zahndurchbruch als die Ursache der Krankheiten, die während dieser Zeit auftraten, die anderen sahen darin nur ein disponierendes Moment zur Acquirierung aller möglichen Krankheiten. Beides ist nach den exakten Untersuchungen hervorragender Kinderärzte nicht richtig. Der Zahndurchbruch hat mit der Entstehung der während der Zahnungsperiode auftretenden Kinderkrankheiten nicht das ge= ringste zu tun. In die Zeit des Zahndurchbruches, das ist vom siebenten Lebensmonate bis zur Vollendung des Milchgebisses, fallen nämlich die meisten Kinderkrankheiten, da Kinder in diesem Alter eben sehr wenig widerstandsfähig sind. Die Zahl der sogenannten Zahnkrankheiten ist eine ziemlich große. Im Volks= munde werden sie als Zahnfraisen, Zahnfieber, Bahnhusten, Zahndiarrhöe und Zahnausschläge bezeichnet. Da kleine Kinder bei jeder fieberhaften Krankheit, bei der so überaus häufigen englischen Krankheit 2c., von Krämpfen befallen zu werden pflegen, so hat man irrtümlich die Entstehung all dieser Krankheiten dem " Bahnen" in die Schuhe geschoben. Ebenso verhält es sich mit dem Zahnfieber, der Zahndiarrhöe, dem Zahnhusten und den Zahnausschlägen. Kleine Kinder haben eben sehr oft Fieber aus irgend einer Ursache, Diarrhöen bei der kleinsten Verdauungsstörung, Husten bei jeder geringen Verkühlung und bei jedem Schnupfen der Erwachsenen. Am absurdesten ist es wohl, wieso man dem Zahndurchbruche das Entstehen von Ausschlägen aufdisputiert. Der fast unausroitbare Glaube an die Zahnkrankheiten hat aber auch schon viel Unheil angestiftet. Erkrankt ein Kind während des " Zahnens", so hat eine weise Frau oder eine liebenswürdige Nachbarin gleich die Erklärung zur Hand, daß die Krankheit nur vom " Zahnen" herrühre und daher nicht behandelt zu werden brauche, da sie ja von selbst wieder gut würde. Auf diese Weise geht oft kostbare Zeit verloren, und der Arzt wird erst gerufen, wenn höchste Gefahr im Verzuge ist. Daher sei es allen Müttern nochmals gesagt: Es gibt keine Zahnkrankheiten irgend welcher Art. Alle während des Zahndurchbruches auftretenden Krankheiten haben andere Ursachen und müssen dementsprechend ärztlich behandelt werden. Da Krankheiten im frühesten Kindesalter immer gefährlich werden können, zögere man nicht lange und rufe den Arzt, anstatt mit Hausmitteln und Ratschlägen von Laien kostbare Zeit zu vertrödeln.
In unserer Zeit wird ausführlich genug von den Isolierungsmaßregeln bei verschiedenen Infektionskrankheiten des Kindesalters, speziell bei Diphtheritis, gesprochen und herborgehoben, wie wichtig gerade bei dieser Krankheit eine strenge Isolierung ist. Trotzdem wurden bis jetzt gar nicht selten die isolierten Kinder auch krank, weil sie sich noch vor der Isolierung oder trotz der Isolierung angesteckt hatten. Die Serumtherapie hat uns nun ein neues Mittel in die Hand gegeben, die Geschwister von an Diphtheritis erkrankten Kindern fast mit absoluter Sicherheit vor der Ansteckung zu bewahren. Erkrankt nun ein Kind an Diphthes ritis, so läßt man die anderen ebenfalls mit Serum immunisieren. Gratte Untersuchungen haben dargetan, daß diese Schußimpfungen erstens völlig gefahrlos, zweitens aber von immensem Werte sind. Selbst wenn die Krankheit ein immunisiertes Kind dennoch be fallen sollte, so verläuft die Krankheit bei dieſem überaus milde und führt fast sicher zur Genesung. Zu einer Zeit, wo die wissenschaftliche Medizin so heftig angegriffen und von allen Seiten Miß trauen gegen dieselbe gesäet wird, zu einer Zeit, wo an der altehrwürdigen, sich tausendfach bewährten Institution der Schutz impfung gegen die Blattern von unwissenden Fanatikern gerüttelt wird, ist es die Pflicht der Presse, diese Irrlehren zu widerlegen und dem Publikum das Vertrauen zur Medizin wiederzugeben. Lasset dahe:, liebe Leserinnen, eure Kinder, falls sie an Diphthe ritis. diesem Würgengel der Kleinen, erkranken, sofort mit Serum behandeln und die gesunden Kinder immunisieren, damit die Krank heit im Keime erstickt wird! Das ist ein Rat, den euch der alte Hausdoktor nicht warm genug ans Herz legen kann.
on Nr. 84.
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Giessen
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Mittwoch, den 23. März.
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Gießen.
1904
Oberbessische Familienzeitung.
Tägliche Unterhaltungs- Beilage
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Gießener Neueste Nachrichten.
Dmd und Berlag bor Stepener Berlegsbenderet, vorm. With. Reller'sche Buchbrucezet( gegz. 1788); anti: Ibis@lete
( 29. Fortseßung.)
Der Goldmarder.
Original Roman von M. Behold.
,, Ein adeliger Herr wollte die ganze Sammlung kaufen," fuhr Martin fort, sie war Privateigentum unseres Fürsten und wurde hinter Schloß und Riegel im Museum aufbewahrt; seit Jahren hatte niemand sich um sie gekümmert. Und als nun der Baron ihre Besichtigung verlangte, waren die Goldmünzen sämmtlich verschwunden."
,, Parbleu, ich glaube fast, daß ich Ihnen über den Dieb Aufschluß geben kann," sagte der Juwelier, indem er sein Portefeuille aus der Tasche holte. Sie berühren da am Ende einen Punkt, über den ich mir schon lange den Kopf zerbrochen habe. War es eine große Sammlung?"
., Sehr groß und sehr wertvoll."
„ Und diese Münzen hier sollen aus der verschwundenen Sammlung herstammen?"
,, Der Baron behauptet das nicht positiv, aber er vermutet es, denn im Katalog der Sammlung sind dieselben Münzen verzeichnet."
Und nun noch eine Frage! Wann ist die Sammlung gestohlen worden?"
Das weiß niemand," erwiderte Martin achselzuckend. ,, Seit zwei Jahren hat man das Kabinett nicht geöffnet. Der Kustos des Museums ist verhaftet, er leugnet und will das Rätsel nicht erklären können; man glaubt allgemin, daß sein Sohn die Tat begangen hat. Dieser Sohn war vor stark einem Jahre aus Australien herüber gekommen, um seine Eltern zu besuchen, er blieb einige Monate hier und reiste dann wieder fort."
,, Wie heißt er?"
,, Karl Schönbach."
,, Nein, das ist der Name nicht," sagte der Juwelier, während er sein Portefeuille öffnete, er wohnte auch nicht hier, sondern in Berlin, oder vielmehr auch dort nicht; die Sendungen, die ich ihm machte, mußte ich stets an ein Hotel in Berlin adressieren Ich will Ihnen die Geschichte von Anbeginn an erzählen. Ein Antiquitätensammler in Brüssel, ein sehr reicher Herr, gab mir vor etwa zwei Jahren den Auftrag, alte Münzen, namentlich Goldmünzen, die bekanntlich sehr selten sind, für ihn zu suchen. Ich erließ in allen großen Zeitungen mehrmals eine Annonce, und es gelang mir auch, eine kleine Sammlung zusammenzubringen, die mir einen hübschen Gewin einbrachte. Darüber war einige Zeit verstrichen, al eines Tages ein älterer, vornehm gekleideter Herr in meinen Laden trat, und auf meine Annonce Bezug nehmend, mir jene Münzen anbot. Er kannte ihren Wert sehr genau, indessen war seine Forderung nicht zu hoch, ich konnte immer noch etwas verdienen. Natürlich fragte ich nach seinem Namen, obgleich sein Auftreten und seine ganze äußere Erscheinung zu feinem Argwohn Anlaß boten. Er sagte mir, er heiße Joseph Bernauer und beschäftige sich mit dem Gold- und Juwelenhandel. Er habe viele Konnerionen und gelange dadurch in die reichsten Familien. Namentlich fahnde er auf antike Schmuckgegenstände, die viele Damen sehr gerne gegen modernen Schmuck umtauschten. Diese alten Sachen würden verhältnismäßig billig verkauft, hätten sie keinen besonderen Kunstwert, so breche er die Steine heraus
( Nachdruck verboten.);
und schmelze die Fassung ein, er könne mir versichern, daß es ein sehr lukratives Geschäft sei. Ist dieser Herr nicht auch bei Ihnen gewesen?"
Nein," antwortete Martin, der mit gespannter Aufmerksamkeit zuhörte.
,, Würden Sie diesen Erklärungen nicht auch vollen Glauben geschenkt haben?"
" Ich finde sie durchaus glaubwürdig."
,, Es kam noch hinzu, daß der Herr mir gefiel, er trat sehr distinguiert auf und wußte sehr interessant zu erzählen. Die Münzen wollte er von einem jungen Grafen gekauft haben, der sie im Nachlaß seines Vaters gefunden hatte, er glaubte, sie rühren aus einer Sammlung her, die der Graf nicht auf einmal, sondern nach und nach verkaufen wollte. Er versprach mir, den Grafen zum Verkauf zu bewegen und die ganze Sammlung mir zu schicken, er wollte überhaupt mit mir in Geschäftsverbindung bleiben und namentlich das eingeschmolzene Metall mir verkaufen, ich fand keinen Grund, dieses Anerbieten abzulehnen. Einige Wochen später empfing ich die ganze Sammlung im Werte von etwa zwanzigtausend Talern. Bernauer schickte sie mir von Berlin aus und bat mich, ihm das Geld binnen acht Tagen an seine Adresse: „ Hotel de Rome", zu senden, er werde dort so lange bleiben und dann nach Rußland reisen, wo er ein großes Geschäft zu machen gedenke. Ich schickte ihm das Geld, der Brüsseler Herr hatte die Sammlung übernommen. Nur mit diesen sechs ersten Münzen hatte ich Pech, der Preis, den ich forderte, war dem betreffenden Herrn zu hoch, kaufen wollte er die Münzen dennoch, er mußte sie ja haben, und Sie wissen, wie es in solchen Fällen zuzugehen pflegt, feiner will nachgeben; schließlich wurde der Herr krank, und als ich mich endlich entschloß, meine Forderung zu ermäßigen, war er in der Nacht vorher am Schlage gestorben."
,, Und Sie fanden auch keinen anderen Liebhaber für die Münzen?"
,, Nein, die reichen Herren, die für ihre Liebhabereien so große Summen zahlen können und wollen, sind selten, deshalb war es mir sehr lieb, als Sie mir schrieben, daß Sie alte Goldmünzen suchten."
Und von Joseph Bernauer haben Sie nichts mehr gehört?"
,, Doch, er schickte mir noch zweimal von Berlin aus geschmolzenes Gold, ich sandte das Geld dafür wieder an das Hotel de Rome", seitdem hat er mir nicht mehr geschrieben. Es war fein reines Gold; wie es mir schien, hatte er goldene Schmucksachen mit silbernen Fassungen zusammen in den Schmelztiegel geworfen, die Metalle wieder zu scheiden, überließ er mir."
Sie erinnern sich des Herrn noch sehr genau?" fragte Martin. ,, Als ob er vor mir stände!" ,, Bitte, beschreiben Sie ihn.'
,, Ein großer, stattlicher Mann mit grauem Haar und Schnurrbart, eine scharf gebogene Nase, hellblaue, durch


