Ausgabe 
23.3.1904 Erstes Blatt
 
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Verhaftung von Falschmünzern. Wie aus Silberbach ( Böhmen) berichtet wird, wurden eine Anzahl Personen aus Klingenthal wota u. s. w. wegen Falschmünzerei verhaftet und dem Bezirksgericht Grasliß übergeben.

A Ein Mordanschlag gegen einen deutschen Konsul wurde in Insbruck versucht. Ein zugereister 46jähriger italienischer Schuhmacher Richardo Carraro erwartete den deutschen Kon­sul Gerock in dessen Wohnhaus, um ihn zu erdolchen. Da der Attentäter den Konsul nicht kannte, so fragte er einen im selben Hause wohnenden pensionierten Oberst, ob er der deutsche Konsul sei. Der Oberst und andere Hotelbewohner nahmen den verdächtigen Menschen fest und entwaffneten ihn. Carraro gestand unumwunden die Attentatsabsicht ein, verweigerte jedoch jede Auskunft über die Ursache des An­schlags.

* Bergwerkskatastrophe. Im Vasaser Kohlenbergwerk ( ungarisches Komitat Baranya) erfolgte eine Explosion schlagender Wetter. Die Anzahl der Verunglückten ist noch nicht festgestellt. Bisher sind sechs Leichen geborgen.

Britische Pioniere im Himalayagebirge verschüttet. In der Nähe von Jatung verunglückte eine Solonne britischer Pioniere, die bei einem Straßenbau beschäftigt waren, in­folge eines Erdrutsches, der sie verschüttete. Drei Mann wurden getötet und vier schwer verletzt. Durch das ab. stürzende Erdreich wurde auch ein Teil der Straße fort­gerissen.

Hinrichtung. In Altona wurde im Hof des Gerichts­gefängnisses der Lustmörder Oswald Mailau durch den Scharfrichter Engelhardt aus Magdeburg hingerichtet. Kurz vorher legte der Delinquent, der bisher hartnäckig geleugnet hatte, das Geständnis ab, die Prostituierte Ahlert ermordet zu haben.

Bunte Chronik. Der staatliche Beitrag für den Bau eines Residenzschlosses in Posen wurde von der Budgetkom­mission des preußischen Abgeordnetenhauses auf höchstens 3 Millionen Mark festgesetzt.

Bei Landsberg überfiel ein 16jähriger Knecht einen 12jährigen Knaben, bei dem er Geld vermutete. Als er nichts fand, brachte er ihm schwere Verlegungen mit einem Messer bei. Der Täter wurde verhaftet.

Hus dem Gerichtsfaal.

§ Ein furchtbares Bild menschlicher Verworfenheit enthüllte ein Prozeß, der das Schwurgericht von Lucera in Italien beschäftigt. Des Vatermordes angeklagt sind drei junge Mädchen, die Schwestern Caterina, Ester und Berenice de Francesco. Caterina gestand, ihren Vater im Schlafe er­schossen zu haben, um sich vor seinen Nachstellungen zu retten. Er hatte sie einmal unter Schlägen und Todesdrohungen ver­gewaltigt und wollte sie nochmals zwingen, seinen Gelüsten nachzugeben. In der Verzweiflung griff sie zum Revolver.

Zu dem Danziger Millionenerbschaftsschwindel wird weiter berichtet, daß jetzt auch die Ehefrau des angeblichen Eisenbahningenieurs Wachsmuth verhaftet worden ist. Frau Wachsmuth, die sich als die Tochter eines Generals ausgab, hat noch ein altes Konto mit der Berliner Staatsanwaltschaft auszugleichen. Sie war dort wegen Betruges zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt worden.

Vermischtes.

A[ Das Kaiser Wilhelm- Denkmal in Thorn] ist gestern in Gegenwart des Kronprinzen feierlich enthüllt worden. Das Monument, das von Professor Herter- Berlin geschaffen ist und sich vor dem Hauptportal des alten, schönen Rathauses erhebt, besteht aus einer 3 Meter hohen Bronzeſtatue auf einem gleich großen Sockel aus hellem, fein gestocktem schle­sischem Granit. Die stattliche Figur zeigt den alten Kaiser in der schlichten, ihm eigenen Würde; der Monarch erscheint in Interimsuniform mit dem Orden pour le mérite und dem Eisernen Kreuz 1. und 2. Klasse; über die Uniform fällt der offene Hohenzollernmantel hernieder.

[ Der deutsche Tag auf der Weltausstellung in St. Louis] wird eine bedeutende Kundgebung für das Deutsch­tum werden. Das Fest soll am 6. Oktober abgehalten wer­den. Die Chefredakteure von 49 deutschen Zeitungen in Nordamerika haben ihre Unterstützung für die Propaganda zugesagt und sind dem großen Komitee beigetreten. Dazu kommen Delegierte von 22 242 deutschen Vereinen. Schon jetzt findet die Idee, diesen Deutschen Tag abzuhalten, unter den Deutschen der Vereinigten Staaten von Amerika be­geisterten Beifall.

[ Erbschaft für Präsident Krüger.] Wie aus Paris berichtet wird, hat ein in Agen verstorbener reicher Sonder­ling dem Präsidenten Krüger sein gesamtes Vermögen hinter­lassen. Unter dem Nachlaß fand man einen Brief des Präsi­denten Krüger, worin dieser ihm für die Uebersendung von 1000 Fr. für die Buren dankt.

[ Japanischer Aberglauben.] Eine abergläubische Furcht beherrscht seit dem Beginn des russisch- japanischen Krieges die japanischen Fischer und Bauern. Sie sind über­zeugt, daß sich im Meere zahlreiche Geister und Gespenster aufhalten und können bei Nacht kein Schiff vorüberfahren sehen, ohne zu zittern: auf den nächtlichen Schiffen sizen, wie sie behaupten, die in den letzten Kämpfen getöteten ja­panischen Seeleute, die, mit Taucheranzügen versehen, den Auftrag haben, alle Landsleute, die seit Jahrhunderten auf dem Meere den Tod gefunden haben, herauszufischen und zur letzten Ruhe zu geleiten.

[ Automobile in der Wüste.] Vor kurzem ist ein Dampfmotor erfunden worden, der mit einer Besetzung von vierzig Mann über den losen Sand des Sudans mit einer Schnelligkeit von drei bis vier Meilen in der Stunde zu fahren vermag. Der Gedanke, den Motor als Beförderungs­mittel in der Wüste zu gebrauchen, ist nicht neu; aber lange schien es unmöglich, einen Wagen zu bauen, der auf dem Sande fahren konnte: die Räder versanten und die Wagen standen unbeweglich. Jetzt ist es zwei Engländern, George Winter und Josse Ellis, gelungen, Räder zu erfinden, die nicht einsinken, und zwar kommen zwei Arten von Rädern zur Verwendung, eine für ziemlich harten und eine für sehr weichen Sand. Die Näder der ersten Art sind etwa wie das Triebrad einer Zugmaschine gestaltet; die Räder für sehr weichen Sand sind sehr sinnreich und dabei einfach: sie haben einen breiten flachen Radreifen mit einem Spurfranz in der Mitte. Dieser wirft den Sand auf jeder Seite auf und stellt für den flachen Teil des Rades eine Schicht her, auf der es läuft. Jeder Wagen hat beide Arten Räder. Die von den Genannten geleiteten Versuche sind unter Förderung der ägyptischen Regierung unternommen worden, die mit dem Ergebnis zufrieden ist und die Wagen angenommen hat.

Hessischer Landtag.

Darmstadt, 22. März 1903. Erster Präsident Haas eröffnet die Sißung. Die Beratung der Regierungsvorlage betr. den Gesetz­Entwurf über das Feld- und Forstrügverfahren wurde bei Artikel I, 2 fortgesetzt und wurden die noch rückständigen Artikel 2-8 nach der Regierungsvorlage, wonach die Ver urteilung nicht den Schöffengerichten, sondern den Einzel­richtern zugewiesen wird, angenommen.

Angenommen wurde ferner die Regierungsvorlage, be­treffend das Offenhalten der Schaufenster an Sonntagen.

Die Regierungsvorlage, betreffend die Gehälter der Volksschullehrer, wurde dahingehend angenommen, daß das Mindestgehalt 1100 Mart, das Höchstgehalt 2800 Mart beträgt.

Zur Anfrage des Abg. Köhler, betreffend das Gesetz über den Urkundenstempel, erflärt Staatsminister Rothe, daß die Regierung anerkenne, daß der Konzessionsstempel bei Schüßenfesten und Holzversteigerungen zu hoch sei. Dieselbe habe die Lokalbehörden angewiesen, den Steinpel in geetg­neten Fällen von drei Mark auf eine Mark zu ermäßigen. Morgen halb 10 Uhr Fortsetzung der Beratung.

Lokales.

23. März 1904. Privattelegramm. Bei der heutigen Ziehung der Hessisch- Thüringischen Landeslotterie wurden folgende Gewinne gezogen: 20 000 Mt. auf Nr. 7759, 10 000 M. auf Nr. 76 159, 87 886, 5000 m. auf 99 371, 3000 M. auf 4571, 15 314, 19 631, 20 977, 42631.

* Der Großherzog tritt heute( Mittwoch) abend eine Reise nach Italien an. Die Fahrt geht zunächst nach Florenz.

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Der Großherzog hat am 19. März d. I. den von dem Fürsten zu Solms- Hohensolms- Lich auf die evangelische Pfarrstelle zu Ettingshausen, Dekanat Grünberg, präsentierten Pfarrverwalter Friedrich Nies daselbst für diese Stelle be­stätigt.

** Der 3 weiten Kammer der Landstände ist von seiten der Regierung ein Geseßentwurf, die Forstverwaltung des Großherzogtums Hessen betreffend nebst Begründung

zugegangen.

** Die philosophische Fakultät der Landesuniversität hat zum heutigen 50jährigen Doktorjubiläum des Professors Otto 3ödler in Greifswald dessen Diplom erneuert und ein Glückwunschschreiben überreichen lassen.

** Der Landtagsabgeordnete Jou- Buzbach fann sich mit der im Landtag von Mitgliedern aller Partei­Richtungen erhaltenen Abfuhr in Sachen der Bahn Butzbach­Lich noch nicht beruhigen. In einem von ihm in der " Butzbacher 8tg." veröffentlichten Artikel greift er den Abg. Dr. Gutfleisch- Gießen an und spricht von einer national­liberalen Anklage gegen ihn, sowie von einer falschen Be­urteilung des Abg Gutfleisch betr. der Ansicht der Be­völkerung über seine( Jouß) Tätigkeit in der Bahn­angelegenheit. Schlagfertig beantwortete Abg. Dr. Gutfleisch in der gestrigen Rummer der Bußb. 3tg." die unbegründeten Angriffe des Abg. Jout und führt zum Schluß aus: Wenn schließlich Herr Jouß meine Ansicht über das Urteil des Landes in seiner( Jouß) Angelegenheit für falsch und übertrieben ansieht, so sollte er sich die gute Gelegenheit nicht entgehen lassen, durch Niederlegung seines Landtags: mandates eine Entscheidung der Wähler darüber herbeizu­führen, ob seine oder meine Ansicht die richtige sei." Ob Herr Jouz dieser Aufforderung wohl nachkommt???

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Bahnprojekt Gießen- Brandoberndorf. Gestern fand in Gießen im Café Ebel eine Besprechung über das Bahnprojekt Gießen- Brandoberndorf statt. Die Ver­sammlung, die von zahlreichen Interessenten aus dem Kreise Wezlar und Gießen besucht war, erklärte sich einstimmig für den Bau einer Eisenbahn von Gießen durch das Kleebachtal nach Brandoberndorf, da diese Linie nicht aus dem südlichen Teile des Kreises Wetzlar die so dringend nötige wirtschaftliche Erschließung bringen, son­dern auch eine zweckmäßige Ergänzung der von Wetzlar aus geplanten Linie durch das Solmsbachtal nach Brand­oberndorf Usingen bilden würde. Es wurde eine Kommission gewählt, welche die erforderlichen Vorarbeiten vornehmen und dann bei der Eisenbahnverwaltung die Aus­führung der geplanten Linie in Vorschlag bringen soll.- Was sagt nun der Weßl. Anz." dazu? Dasselbe Blatt bezeichnete am 12. Januar If. Is. unsere öffentliche Agitation für diese Bahn als oberfaul.

** Oberammergauer Passionsspiele werden nur morgen im Neuen Saalbau in Gießen zur Dar­stellung gelangen. Man schreibt uns dazu: Die Aufführung steht unter Leitung und Mitwirkung des bekannten Christus­Darstellers Leopold Peterka. Die Petertasche Passionsgesell­schaft ist bereits in zahlreichen größeren Städten Deutschlands und auch sonst in europäischen Großstädten aufgetreten; viele anerkennende Besprechungen der Presse liegen vor. Bei diesen Passionsspielen handelt es sich bekanntlich um die Darstellung des Erlösungswerkes durch das Leiden und Sterben Jesu Christi. Zahlreiche Anerkennungsschreiben von höchster Seite bestätigen den Religiösen- und Kunstwert der Aufführung.

** Am Montag Abend 8,10 Uhr wurde in allen Städten und Orten des Großherzogtums ein Meteor beobachtet der sich in der Richtung von Osten nach Westen bewegte.

* Der Ring des Polytrates. In dem Magen eines in Gaulsheim verkauften Fisches wurde ein goldner Ring im Werte von 40 Mt. gefunden.

* Feldberg fest. In der Turnhalle der Turnge meinde Bornheim wurde am Sonntag der 65. Feldbergfeft Turntag abgehalten. Als Bettübungen für das diesjährige Feldbergfest am 12. Juni wurden bestimmt: Stabspringen, Hochspringen, Weitspringen, und Kugelstoßen. Als niedrigt Punktzahl werden wie seither 24 Bunfte angenommen. Die Bestimmungen über die Wettübungen werden demnächst be fannt gegeben. Diesmal soll ganz besonders das Turnspiel in seinen vielen Arten gezeigt werden: einzelne Vereine haben bereits drei Wettspiele zugesagt. Man will aus den vorhandenen Mitteln auf dem Feldbergfest nach der Reifen berger Seite eine eigene Hütte zur Aufnahme der Gerite und Möbel erbauen. Der Kostenvoranschlag beläuft sis auf rund 2500 Mt. Der seitherige Ausschuß wurde wied gewählt.

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* Für Offerten tann Zahlung verlangi werden. Kann der Handwerker eine von ihm gefordert Offerte auf etwa zu liefernde Arbeiten bezahlt verlangen Diese für unser gesamtes Geschäftsleben so oft eintretende und hochwichtige Frage hat das Reichsgericht vor furzem in bejahendem Sinne entschieden. In dem Urteil wurde ausgeführt, daß diese Offerten oftmals lediglich nur zur Er zielung niedriger Preise eingeholt würden. Es ist bezeichnend für den Geist, mit welchem man den edlen Wettbewerb nach allen Seiten ohne Strupel auszunüßen sucht, schreibt der " Bad. Baugewerks- 8tg." zu dieser Frage ein alter Fachkollege Jede Arbeit ist ihres Lohnes wert und es ist nur eine tacke auf die Willfährigkeit der Bewerber, wenn man au solche Leistungen in der Absicht reflektiert, sie nicht entspre chend vergüten zu wollen. Und wie machens die Staats und Gemeindebehörden? Diese lassen sich auch die Unter­lagen zu den Bewerbungen um ausgeschriebene Arbeiten von den Reflektanten im voraus bezahlen. Hier ließe sich gewiß auch fragen, ob die Gründe dazu stichhaltig und gerecht sind. Ettingshausen, 22. März. Als Gemeinderechner wurde an Stelle seines verstorbenen Vaters Heinrich Hahn als Rechner verpflichtet. In der Nähe der Kirche wurden bei Ausgrabungen mehrere gut erhaltene Schädel gefunden. Die Schädel sollen nach Gießen tommen. Pfarrberwalter Nies wurde vom Großherzog auf die hiesige Pfarrstelle be stätigt. fünfte finden Ostern hier statt; eine solche ist geplant seitens Friedberg, 22. März. Mehrere Lehrerzusammen hiesige Lehrerseminar verließen. der Lehrer, die 1864, 1869, 1879, 1884 und 1894 dal

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Osterfeiertage wird der Betrieb in den staatlichen Bade. + Bad Nauheim. Wegen des Karfreitags und der häusern 6 und 7 erst Mittwoch, 6. April, aufgenommen und daselbst zur Abgabe. tommen von genanntem Tage ab alle hiesigen Bäderformen

XHerbstein, 22. März. Der Vogelsberger Sänger bund hat beschlossen, sein Bundesfest im Juli in Herbstein abzuhalten; zum Präsidenten wurde Lehrer Heldmann in Bannerod gewählt.

× Darmstadt, 22. März. Ein Gardist vom Leib: garderegiment hat sich am Sonntag Morgen erhängt. Der Grund ist noch unbekannt.

Darmstadt, 21. März. Gegen 12 Uhr gestern Nacht hat der Fabrikarbeiter Lauch in der Altstadt die zwanzig­jährige E. Mint, mit der er ein Verhältnis hatte, das diese auflösen wollte, sowie deren Vater mit einem Taschenmesser zusammengestochen, sodaß beide heute noch nicht vernehmungs­fähig sind. Lauch wurde verhaftet.

Stadttheater Gießen.

Der Pfarrer von Kirchfeld. Volksstück in 4 Aften von L. Anzengruber.

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Was wir an Anzengruber bewundern ist die Fülle lebenswahrer Figuren, die Gestaltungskraft, welche uns in seinen Volksstücken Menschen von Fleisch und Blut vorführt, feine Theaterpuppen, die um der Handlung willen bald wahre Teufel, oder was bei den dadurch in Mißkredit ge­ratenen Boltsstücken noch öfter der Fall ist, rührende" Helden sind, die in ihrem Tränenelend edeldenkende Menschen zu tatkräftigem Mitleid unter Zuhilfenahme des Schnupf­tüchleins auffordern! Wie vollendet ist z. B. dieser Pfarrer von Kirchfeld gezeichnet. Das ist ein Mann der auch im geist­lichen Gewand Mensch geblieben ist, ein schwacher Mensch Entsagen. Ein echter Seelenhirte seiner Gemeinde, ein und doch stark und groß in seinem Glauben und seinem Feind der streitenden Kirche, die ihn nach vergeblichem Mahnen darum auch seines Amtes enthebt zu spät, denn eben hat er das Mädchen, dem er trotz des Priestergewandes in großer, reiner Liebe zugetan iſt, mit gebracht und schwarze Gedanken nehmen seinen Sinn ge­einem Anderen auf ewig verbunden. Das Opfer ist umsonst fangen; aber da ist es Anna Dirkmeier, eben das Mädchen das er hoffnungslos liebt, die ihn wieder zu sich selbst zurückführt und ihn zu seinem dornenvollen Wege stark und groß macht. Unsere Künstler haben gestern Abend recht Schönes geleistet. Besonders Herrn Sandorfs Pfarrer Hell fann man die Achtung nicht versagen, wenn er auch im großen Ganzen noch etwas ausdrucksvoller hätte sein dürfen. Herr Sandorf verbarg zu viel von der Seelen­qual und den Kämpfen, die sein Innerstes erschütterten, sein Mienenspiel zeigte zu wenig von dem Ringen in seiner Brust und deshalb erzielte Herr S. auch nicht ganz die Wirkung wie mit seinem Pfarrer Holm in Ueber den Wassern" oder Judas Ischariot" in Maria von Magdala. Als Anna Birkmeier schten sich Frl. Großmüller selbst zu spielen. Von bezwingender Natürlichkeit und Naivetät vom ersten Auftreten an, zeigte sie die auffeimende Liebe zu Pfarrer Hell, reizend unschuldig und schön, dazu schien alles was sie sprach aus einem tief empfindenden Herzen zu kommen. Was Frl. G. heute noch an Routine fehlt, wird sie sich sicher bald aneignen. Ein Kabinettstückchen war der Wurzelsepp des Herrn Haag, den wir ja als brillanten Bauern- Darsteller

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11 39 53[ 100 458[ 400] 85 63 107 251 87 643 10000 59

91 93 909 47 5

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