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E. Degener,
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FÜR UNSERE JUGEND
Retterliedchen.
Schacke, schacke Rößlein, Im Wald weiß ich ein Schlößlein, Das ist gebaut aus rotem Gold, Drin wohnt Prinzessin Wunderhold.
Schacke, schacke Reiter, Die Welt wird immer weiter, Wir reiten über Stock und Stein Und in den Zauberwald hinein.
Schacke, schacke Bübchen, Verzaubert sitzt im Stübchen
Das schöne Kind und spinnt und sinnt. Heil dem, der sich die Braut gewinnt.
Schacke, schacke Rößlein,
Wir reiten nach dem Schlößlein, Wir reiten durch das Tor von Gold Und holen uns schön Wunderhold.
Des Kapitäns Ferien.
Das war ein freudiger Tag, als Ernst Heumann, der stattliche Kapitän des Vollschiffes Moltke", in dem kleinen Fischerhäuschen neben der Mühle an dem Ufer des märkischen Sees zum Besuche eintraf. Das bejahrte Mütterchen hing an dem Halse des großen, starken Sohnes, und der gebückte Vater drückte ihm voll Glück die Hände. Ja, der Ernst war die Freude und der Stolz der Fischersleute und des ganzen Seegebiets. Er war von Jugend an der kühnste, der waghalsigste gewesen von allen Fischerjungen, aber auch der gewandteste, gescheiteste. Lehrer und erfahrene Männer hatten prophezeit, daß aus dem Jungen mal was Tüchtiges werden würde; das wäre Kernholz echtester Art, der hätte Mark in den Knochen und Grüße im Kopfe. Der Ernst aber hatte noch mehr geleistet, als den Eltern vorhergesagt war. Daß er nicht im Fischerdörschen bleiben würde, stand bei allen fest, und kaum war Ernst vierzehn Jahre alt, da ging er nach Hamburg auf ein großes Schiff als Schiffsjunge. Bei seinen Fähigkeiten und Anlagen, bei seinem fügsamen Wesen, bei seinem unermüdlichen Fleiße war es kein Wunder, daß er die Aufmerksamkeit des Steuermanns und des Kapitäns erregte und schneller vorwärts kam als andere. Er wurde Leichtmatrose, Vollmatrose. Nun kam die wichtige Frage an ihn heran, wie sich die Zukunft gestalten würde, ob er das Steuermannsexamen bestehen könnte. Ernst lernte fleißig, wann er nur konnte, und als er die Steuermannsschule besuchen wollte, da holte Vater Heumann seine ganzen Ersparnisse zusammen und gab sie hin, und Mutter Heumann fand in einem alten Strumpf auch noch einen ziemlichen Sparpfennig. Alles glückte, und das Dorf staunte den schmucken Steuermann an. Noch lebhafter war die Ueberraschung der schlichten Leute, als eines Tages ein Brief kam mit der Nachricht, daß Ernst wirklicher Kapitän eines Vollschisses geworden sei. Ein großes Vollschiff mit drei Masten und der mächtigen Segellaſt war unseren guten Fischern das höchſte, was ein Mensch nur wünschen und denken konnte, das Ziel der kühnsten Träume; und nun war Ernst Kapitän eines solchen Wunders geworden.
Ernst machte Fahrten mit seinem Schiffe drei Jahre lang nach allen Erdteilen; treu berichtete er seinen Eltern seine Erlebnisse. Nun war er auf vier Wochen in die Heimat gekommen, lebte in der kleinen Hütte neben der Mühle bei den Eltern, die sich abquälten, was sie ihrem lieben Sohn nur für Gutes antun könnten. Der aber hing mit der ganzen Liebe eines echten Deutschen an jedem Fleckchen seines heimischen Sees und war glücklich, wenn er den alten Beschäftigungen seiner Jugend nachgehen konnte. Wie oft war der junge Kapitän nicht der Leiter eines Fischdrebels, mit dem auf Fischfang ausgezogen wurde! Reusen wurden dann in den Binsen des Sees aufgestellt, um die Fischlein darin zu fangen, lange Schleppnete ausgeworfen. Dann, nach ge
schehener Arbeit, ging's heimwärts, mit Fischen beladen, den Fischkahn im Schlepptau; we griffen die Ruder aus, geführt von kräftigen Armen, meist on Frauen, welchen zu kommandieren der ſeebefahrene Kapitän sich gar nicht schämte. Die Frauen brüsteten sich sogar mit ihrem Kapitän".
Abends am Ofen lauschten Eltern und Dorfbewohner voll Spannung den Erzählungen des Ernst von den Wundern ferner Länder. Was es doch nicht alles auf der Erde_gab! Nur zu schnell für alle verrannen die Wochen der Erholung.
Rätsel und Aufgaben.
1. Wer kann mir einen Ackersmann, Ihr Kinder, schnell erraten: Er pflügt und hat doch kein Gespann, Er gräbt und hat doch keinen Spaten.
Man sieht das Männlein jederzeit, An Sonn- und Werkeltagen, Zur Winters, wie zur Sommerszeit Ein schwarzes Sammetwämslein tragen.
Doch läßt es durch solch Festgewand Sich nicht im Schaffen stören, Durchfurchet Tag für Tag das Land, Die Aecker, die nicht ihm gehören.
Janayn
2. Wir sind's gewiß in vielen Dingen, Im Tode sind wir's nimmermehr. Die sind's, die wir zu Grabe bringen, Und grade diese sind's nicht mehr. Wir sind's von Geist und Angesicht, Und weil wir leben, Drum sind wir's eben Zur Zeit noch nicht.
3. Man heißt mich einen Gassenbuben; Man schilt mich unverschämt und frech; Man duldet mich nicht in den Stuben Und jagt mich allerorten weg; Doch was die Menschen von mir schwatzen, Das fümmert keinen echten-?
4. Quadraträtsel.
a a b d
e e e e
e
k k
1
1 m r r
va
Die in vorstehendem Quadrate enthaltenen Buchstaben sind so zu ordnen, daß die senkrechten wie die wagerechten Reihen gleiche Wörter ergeben.
5. Worträtsel.
*
Nichts ist so fein gesponnen, es kommt doch an die Sormen. Der Hehler ist so gut wie der Stehler.
Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.
Ein Wort ist kein Pfeil.
Uebung macht den Meister.
83
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamme.
Gott läßt keinen Baum in den Himmel wachsen.
Von einem Streiche ist noch keine Eiche gefallen.
Aus vorstehenden Sätzen ist von jedem ein Wort herauszunehmen. Dieselben dann richtig geordnet, ergeben ein bekanntes Sprichwort.
Nr. 42.
Dienstag, den 23 Februar
1904.
Oberbessische Familienzeitung.
Tägliche Unterhaltungs- Beilage
ber
Gießener Neueste Nachrichten.
and sub Berlag be in Sicles/ bradoret, vorm. Bith. Roller'fe Bubruders( gs. 1789); man:[ 1 lets
Der Goldmarder.
Original Roman von M. Bezold.
( 8. Fortsetzung.)
,, Weshalb sich darüber ärgern, gnädige Frau?" sagte er beruhigend.„ Sie werden ja nicht gezwungen, mit dem Herrn du verkehren; wenn der Maler kommt, machen Sie eine Spazierfahrt, das Porträt wird ja bald fertig sein, dann-
" Ja, wenn es dann zu Ende wäre!" unterbrach sie ihn bleiben, Sabine beabsichtigt, den Maler noch recht lange zu ſeufzend.„ Aber nein, das Atelier soll in unserem Hause beschäftigen – o, ich werde mich genötigt sehen, ihm hier das Feld zu räumen, und ich fürchte, das Verderben zieht Adolph mußte unwillkürlich lächeln; er rollte den kleinen hier ein, wenn ich das Haus verlasse!" Sessel, in dem er saß, an den Tisch und schrieb ein Rezept. „ Eine Mesalliance wäre es nicht, gnädige Frau," sagte er, ,, die Weisweiler gehören zum alten Adel-"
Und sind so arm wie die Kirchenmäuse," fiel sie ihm aber mals in die Rede, und jetzt klang ihre Stimme scharf und schneidend. Für den Maler wäre es freilich ein gutes Geschäft, aber lange würde die Herrlichkeit nicht dauern. Und was dann? Große Honorare wird der Herr niemals verdienen, denn unter uns gesagt, ich halte nicht viel von seinem Talent, und in bescheidene Verhältnisse kann Sabine ſich nicht hineinfinden."
,, Mein Gott, zerbrechen Sie sich schon darüber den Kopf?" scherzte Adolph. Sie sehen wohl zu schwarz in die Zukunft, Sie quälen sich selbst mit Besorgnissen, die vielleicht jeder Begründung entbehren. Ich habe Ihnen hier eine Arznei verordnet, die auf das Nervensystem beruhigend wirkt, ich rate Ihnen außerdem, sich zerstreuung zu verschaffen, machen Sie eine Spazierfahrt, wir haben heute noch einen milden, sonnigen Herbsttag, wer weiß, wie bald eine Regenperiode eintreten kann, die Sie ans Haus fesselt."
Er hatte sich erhoben und ſtand im Begriff, Abschied zu nehmen, als Sabine v. Derendorf hinter einer Portiere her= vortrat.
Sie war eine hohe schlanke und gleichwohl etwas üppige Gestalt, keine zarte Knospe mehr, sondern eine voll aufgeblühte Blume, schön und begehrenswert.
Lichtblondes Haar umfloß das anmutige, feingeschnittene Antlik, aus dem frohe Lebensluſt ſprach, ihre Toilette war einfach und geschmackvoll, und ein neckisches Lächeln umspielte ihre rosigen Lippen, als sie dem Arzte die Hand bot und ihn fragte, ob das Leiden ihrer Tante zu ernſten Bedenken Anlaẞ biete.
Nicht im geringsten, gnädiges Fräulein," antwortete er. Die Nerven sind etwas erregt, als beste Arznei habe ich eine Spazierfahrt vorgeschlagen."
„ Auch ich machte diesen Vorschlag schon," nickte Sabine einem Flacon ihr Taschentuch benetzte, um es dann wieder mit einem ironischen Seitenblick auf ihre Tante, die aus auf die Stirne zu drücken. Meine Tante müßte sich mehr Bewegung machen, sie kann sich nur schwer entschließen, das Haus zu verlassen."
Liebes Kind, die Zugluft!" sagte die Baronin.„ Du weißt ja, wie sehr ich sie fürchten muß."
( Nachdruck verboten.))
Der stete Aufenthalt im Zimmer macht Sie nur empfindlicher dagegen," erwiderte Adolph. ,, Darf ich mich jetzt nach Ihrem Befinden erkundigen, gnädiges Fräulein?" " Ich danke Ihnen, Herr Doktor," erwiderte Sabine heiter, gesund wie ein Fisch im Wasser."
Um so besser," scherzte er. Bewahren Sie sich Ihre heitere Lebensanschauung, das ist ein Mittel, wie kein Arzt es Ihnen besser verordnen kann."
Damit nahm er Abschied, und als er die Treppe hinunterstieg, sah er unten im Hausflur seinen Freund Ottofar v. Weisweiler mit der kleinen, hübschen Zofe Sabinens scherzen. Die beiden fuhren rasch auseinander, als sie den Doktor bemerkten, der ihnen scherzhaft mit dem Zeigefinger drohte.
Also merken Sie sich das, Rosa," sagte der Maler, offenbar in der Absicht, daß sein Freund es hören sollte,„ ich habe nicht gerne Beſuch im Atelier, die Herrschaften können ihre Neugier früh genug befriedigen, wenn das Bild fertig ist." " Ich kann nicht jeden fortschicken," antwortete Rosa schnippisch.
Das weiß ich wohl, und ich mute Ihnen auch nichts Unmögliches zu, aber Gründe lassen sich immer finden, um einen Besuch abzuweisen, und die Verantwortung will ich gerne übernehmen, wenn Ihnen Unannehmlichkeiten daraus So, das war's, was ich zu sagen hatte," fuhr erwachsen. er fort, indem er ihr noch einmal zunickte und dann mit dem Freunde die Villa verließ,„ hol' der Henker die neugierigen Gaffer, die sich als Kenner und Kritiker aufspielen!"
„ Schlaukopf!" scherzte Adolph.„ Mich hintergehst du nicht. Wem gelten eigentlich deine Gefühle? Der Zofe oder ihrer Herrin?"
Ach was!" brummte der Maler, dem forschenden Blicke des" Freundes ausweichend.
„ Sag's nur offen, ich bin bereits unterrichtet! Die Baronin v. Gagern hat mir ein klagelied vorgesungen, in dem dein Name den Refrain bildete."
,, Wirklich? Na, das freut mich." ,, Sie ist deine Freundin nicht!"
„ Das weiß ich sehr wohl, und eben darum freut es mich. hielte sie mich für ungefährlich, so würde sie mit schweigender Verachtung mich strafen oder vielleicht auch meine Freun din werden, um mich bei ihrer Nichte völlig unschädlich zu machen. Aber zu solcher Intrigue hat sie nicht Geiſt genug, und mit ihren ungerechten Klagen über mich gießt sie nur Del ins Feuer!"
So hegst du wirklich die Absicht, um die Hand Sabinens zu werben?" fragte Adolph.
Bah, wie kann man nur so fragen?" antwortete der Maler mit einer Bitterkeit, die den Freund befremden mußte. ,, Willst du mich verhöhnen?"
,, Ottokar!"
,, Stelle dich nicht beleidigt, du mußt doch wissen, was dein Onkel beabsichtigt!"
" Nun?" fragte Adolph mit wachsendem Befremden.


