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fr. 144.

bunementopzets: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., aus gebracht 60 Bfg., durch die Bost bezogen viertel­fähr Heh. 1.50.

Betc.

dtobettagen: Oberheffthe Familienzeitung( täglich) und die Gießener Getfenblasen( wöchentlich).

Was Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittage.

Mittwoch, den 22. Juni 1904.

Gießener

13. Jahrgang.

Insertionspreis: Die einfpaltige Betitzeile für aany C heffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 fa init 15. Reklamen die Betutzeile 30 refp. 40 Big.

Boftzeitungsliste No. 3269.

Nebattion und Expedition: Gießen, Seltersweg 8. Fernsprechanschluß Nr. 362.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblaff)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Bekanntmachung.

Den Ausbruch der Schweinefeuche( Schweinepeft). Mit Rücksicht darauf, daß zur Zeit in einzelnen Drtem des Kreises Friedberg die Schweineseuche( Schweine­Deft) herrscht, bringen wir wiederholt zur Kenntnis der Interessenten, daß der Auftrieb von Schweinen aus dem reise Friedberg auf die Märkte im Kreise Gießen ber­Boten ist.

Gießen, den 20. Juni 1904. Großherzogliches Kreisamt Gießen. J. V: Hechler.

Bekanntmachung.

Betr.: Milzbrand zu Garbenteich.

Nachdem bei Johannes Jung 2 zu Garben­teich vorschriftsmäßige Desinfektion der Stallung, in dem eine an Milzbrand gefallene Kuh gestanden hat, erfolgt ist, wird die über sein Gehöft verhängte Sperre hiermit aufgehoben. Gießen, den 14. Juni 1904.

Großherzogliches Kreisamt Gießen. J. V. Hechler.

Der Krieg in Oftalien.

Das Hauptinteresse fonzentriert sich zur Zeit auf das Gebirgsdreieck Wafangou- Kaiping- Siujan, wo die zurück­gehenden Divisionen Stackelbergs mit den von Siujan herauf­gekommenen Truppen Nodzus und den ersten von Kuropat­fin zu Hilfe gesandten Korps in blutigem Kampfe über den Ausgang des russischen Gegenvorstoßes zum Entsatz Port Arthurs entscheiden werden.

Das Ringen um Kaiping, wohin Stackelberg zurückgehen mußte, hat nach japanischen Berichten bereits mit Vorpostenkämpfen eingesetzt. Aus Lofio wird gemeldet:

Eine von der japanischen Hauptmacht bei Takuschan am 18. d. Mts. abgesandte Infanterie- und Kavallerie­patrouille meldet, daß sie mit Streitkräften der Russen bei Chipanking, 36 Meilen westlich von Siujan und an andern Orten zusammengestoßen sei. Mehrere Scharmüẞel hät­ten stattgefunden, bei denen 50 Russen getötet und 3 ge­fangen genommen wurden. Eine große Menge von Waffen sei erbeutet worden. Die japanischen Verluste beliefen sich auf 6 Mann.

Der Vormarsch der Japaner

bewegt sich, wie aus russischer Quelle verlautet, von Siujan aus auf drei Wegen, die nach Haitscheng, der Station Ta­schitschao und nach Saiping führen. Auf dem erstgenannten Bege ist eine kleine Abteilung der Vorhut nach Wansiapudsa borgerückt. Auf dem zweiten Wege halten Truppen der Vor­hut den Baß zwischen Nandsiabei und Pantschialju besetzt, auf dem dritten südlichen Wege sind andere Truppen bis zu den Dörfern Chiuniat und Tamiarlogou vorgegangen. Die Vor­hut hat ferner den Tschapailinpaß eingenommen, während die Hauptstreitkräfte, gegen fünf Regimenter Infanterie mit Kavallerie und Gebirgsartillerie, zwischen dem Kianzgour­baß und Chansa staffelförmige Aufstellung genommen haben. In den letzten Tagen haben russische Vorpostenabteilungen auf diesen Wegen den Vormarsch des Gegners aufgehalten, bobei gegen 10 Mann getötet und verwundet und ein ver­mundeter Offizier mit drei verwundeten Kosaken gefangen genommen wurden. Am 17. Juni wurde festgestellt, daß sich lei Seludschan nur japanische Streifwachen befanden, die nach einem Kugelwechsel sich rasch nach Fönghwanghtscheng urückzogen. Auf russischer Seite wurden zwei Mann ver­bundet. Saimadsi ist seit dem 10. d. Mis. von den Ja­anern geräumt; ein Teil der Besatzung ging nach Föngh­banghtscheng. Weiter wird über

die strategischen Maßnahmen der Gegner noch aus London gemeldet:

Kuroki warf die zweite Division und die Garden über Siujan gegen Kaiping Nodzu, rückt auf Tatschfitsao vor. Die fünfte, achte und elfte Division rücken unter Oku von afangou herauf, die zwölfte Division stößt in Eilmärschen mach Mukden. Kuroki hat sein Hauptquartier nach Siujan berlegt und Icitet persönlich die Operationen. Kuropat­Ein fonzentriert seine Hauptmacht auf Saiping. Ohne Zweifel drängt die strategische Situation zu einem entscheidenden Schlag.

Der Schauplatz des bevorstehenden Kampfes bird, wie oben bereits angedeutet, das Dreieck Wafangou­fanping- Siujan sein. Zum Verständnis der Operationen dieme das nachstehende Situationsbild, das uns unser Mit­arbeiter übermittelt: Das in Betracht kommende Gelände

wird aus einer Reihe parallel nach Süden laufenden, von acht größeren, sich in die Koreabucht ergießenden Flüssen durchschnittenen Bergketten gebildet, über die sich von Siu­jan bis zur Westküste unterhalb Kaipings hinüber quer die Siung- yo- Kette legt, erhebt sich bis zu 4000 bis 4500 Fuß und läßt nur wenige Straßen durch seine Kluften und Schluchten hindurch. Sie alle münden bei Siujan, ebenso wie die nach Tatschitschao und Haitscheng führenden Straßen. Auf ihnen rückten von dem Tage, wo General Stackelberg seine Ankunft in Wafangou meldete, die Kolonnen der zehn­ten Division vor, hesezten das wichtige Paijangkau und die Straße nach Siunoetschoen( 25 Klm. südlich von Kaiping an der Eisenbahn). Daß General Kuropatkin und seine Kosaken von diesen Bewegungen nichts mußten, erklärt sich zur Genüge aus den zwischen beiden Heeren liegenden Berg­fetten, deren Zugänge bereits eine Woche früher in den Händen der japanischen Avantgarde sich befanden. Siujan selbst wurde gleichzeitig von Kurokis äußerstem linken Flügel besetzt, so daß der bei Takuschan gelandete Teil der Truppen Nodzus für den Vorstoß gegen die Eisenbahnstrecke Siu­noetschoen- Kaiping- Tatschitschao völlig frei wurde. Hier, menige Kilometer südöstlich von Kaiping, erlitten Stackel­bergs Reserven am 11. Juni jene Niederlage, die Niu­tschwang in Aufregung versekte, und nach kaum erfolgter Räumung zur schleunigen Wiederbesetzung Tatschitschaos führte.

Während sich so im Norden der Liautunghalbinsel eine Entscheidungsschlacht vorbereitet, ist es im Süden zu mehr­fachen kleineren Affären gekommen.

Scharmützel bei Port Arthur.

Ein Telegramm des Generals Shilinski an den Kriegs­minister vom 19. d. Mts. meldet darüber:

Nachrichten aus Port Arthur zufolge begannen am 14. d. Mts, drei japanische Bataillone von Sfiandbindao über die Berge nach Quinatan vorzurücken. Zwei russische Freiwilligen- Abteilungen und eine Kompagnie der Grenz­wache hielten den Vormarsch des Gegners auf. Feindliche Torpedoboote beschossen die Semaphorstation. Als der Novik" und russische Torpedoboote herankamen und das Feuer eröffneten, zogen sich die feindlichen Schiffe eilig zurück. Nach der Kanonade begannen die Kolonnen des Gegners sich zu entfernen und es lieben nur schwache Vor­poſtenketten zurück. Am 13. Juni vertrieben die russi­schen Freiwilligen die Japaner aus ihren Stellungen öst­lich von den erwähnten Bergen. Auf russischer Seite wur­den ein Oberleutnant und ein Schüße getötet sowie ein Oberleutnant verwundet, der später starb; außerdem wur­Sen 4 Schüßen verwundet

Aenderungen im japanischen Oberkommando.

Die Marschälle Yamagata, Oyama und General Kodama wurden vom Mikado in Audienz empfangen. Marschall Oyama wurde zum Vizekönig und Höchstkommandierenden in der Mandschurei ernannt und General Kodama zum Ches feines Stabes. Marschall Yamagata bleibt als Chef des Sta­bes in Tokio und Generalmajor Nagadza wird an Kodamas Stelle zweiter Chef des Stabes.

Ein amerikanischer Kriegskorrespondent als Spion erschossen.

Die Newyork World" hat ein Telegramm ohne Unter­schrift mit der Mitteilung erhalten, daß Oberst Emerson, einer ihrer Kriegskorrespondenten in Ostasien, von sich zu­rückziehenden Russen erschossen worden sei, weil sie ihn fälsch­lich für einen Spion hielten.

Das russische Wladiwostokgeschwade.

ist den Verfolgungen der japanischen Flotte unter Kamimura tatsächlich glücklich entgangen. Wie Admiral Skrydlow dem Kaiser unter dem Datum des 20. Juni meldet, ist die Kreuzer abteilung, ohne Verlust an Mannschaften und ohne Beschädi­gungen erlitten zu haben, nach Wladiwostok zurückgekehrt.

Englischer Vormarsch auf Lhaffa.

Am 25. Juni wird, wie der Staatssekretär für Indien Brodrick auf eine Anfrage im britischen Unterhause erklärte, die englische Tibeterpedition nach Lhassa borrücken, wenn die Tibetaner nicht innerhalb dieser Frist einen bevollmächtigten Unterhändler mit dem chinesischen Amban nach Gyangtse senden. Das heißt mit anderen Wor­ten: Der Vormarsch auf Lhassa ist fest beschlossene Sache. Wenn der Dalai Lama auch einen Unterhändler noch recht­zeitig nach Gyantse schickt, die Engländer werden erklären, ,, er sei der Rechte nicht", und vorrücken.

Alle Vorbereitungen für den Vormarsch sind bereits ge­troffen. General Macdonald, der den Oberbefehl über die ganze Expedition führt, wird am 24. Juni in Gyangtse eintreffen. Die Truppen, die er zur Verstärkung der dort schon stehenden 700 bis 800 Römpfer herangeführt hat, sam­meln sich bei der Veste Phari. Phari liegt 120 Kilometer südlich von Gnanatie. Weitere ilometer füdlich von

Phart, in Gangtok, ist das stehende Hauptlazarett eingeret, und in Lebong ist man mit dem Bau eines neuen Lazaretts für 750 Betten beschäftigt. Der Verwundetentrans­port ist eine der Hauptschwierigkeiten des kleinen Feld­zuges. Bei Gangtok hört aller Wagen- und Karrentransport auf, und von dort aus ist man für den Nachschub von Lebens­mitteln und Material für die Expedition und die Rückbeför derung von Verwundeten lediglich auf Maultiere und Träger angewiesen.

Die Führer der Expedition, General Macdonald, der Kom­mandierende, und Oberst Younghusband, der diplomatische Vertreter der Regierung in Kalkutta, sind übrigens nicht nur mit kriegerischen Dingen beschäftigt, sondern nützen ihre Zeit auch aus, gute Beziehungen mit den Nachbarhäupt­I ingen anzufnüpfen. In Phari weilt in diesen Tagen wieder der Häuptling von Bhutan zum Besuche, und während der General zu dessen Erbauung allerlei artilleristische Vor­stellungen veranstaltete und ihm u. a. die Leistungsfähigkeit der Marimgeschütze anschaulich machte, hatte Oberst Younghusband vertrauliche politische Unterhaltungen mit ihm.

Uebrigens wird den Engländern die Niederwerfung der Tibetaner keineswegs leicht gemacht werden. Offenbar gibt es neuerdings Leute in Tibet, die mehr von europäischer Kriegführung wissen, als die Tibeter im Anfangsstadium der Kämpfe mit den Engländern bewiesen hatten. Anfänglich be­merkte die britische Expedition mit Erstaunen, daß die Ti­betaner, die ihr den Weg verlegten, mit Ausdauer Tierschreie nachahmten. Das war ein Beschwörungszauber der aber= gläubischen Tibetaner, die durch die Mittel die feindlichen Truppen zerstreuen und vernichten zu können glaubten. Sie haben indeß die Wirkungslosigkeit dieses Mittels bald einge­sehen, und russische Sendlinge dürften ihnen gezeigt haben, mie man einem europäischen Feinde begegnet. Während sie anfangs namentlich in Befestigungssachen eine fast findliche Einfalt an den Tag legten, entsprachen manche ihrer neueren Leistungen allen Regeln der Neuzeit. Die Lauf­gräben oder gedeckten Wege, die neuerdings in einigen Fällen eingerichtet wurden, werden von den Briten selbst als ganz achtbare Leistungen mit Schießscharten, Traversen und sonsti­gen ganz modernen Schußvorrichtungen bezeichnet, so daß man auf harte Kämpfe gefaßt ist, sobald es gilt, mit ver­stärkten Kräften Tibets Krieger aus ihren Stellungen hinaus­zuwerfen.

Die Politik.

A zu einer Krise im bayerischen Ministerium hat die von der Reichsratskammer beschlossene Ablehnung des Grund­mertabgaben geseges geführt. Der Finanzminister v. Riedel hat sein Abschiedsgesuch eingereicht. Daß es vom Prinzregenten im gegenwärtigen Moment genehmigt werden sollte, ist nicht anzunehmen. Der Finanzminister sah in der Ablehnung des Gesezes ein Mißtrauensvotum gegen seine ge­famte Steuerpolitik, und in der Tat hatte der Beschluß der Reichsratskammer diese Tendenz. Uebrigens hat der ver­einigte erste und dritte Ausschuß der bayerischen Kammer der Reichsräte einstimmig auch das Wahlgesez und den An­trag des Grafen Moy betreffend das Mahlrecht der Geistlichen abgelehnt.

* Nach der bereits im April im preußischen Eisenbahn­ministerium mit süddeutschen Vertretern beratenen Aende­rung der Betriebsordnung soll vom 1. Januar nächsten Jahres die höchste Schnelligkeitsgrenze für Schnellzüge, die jezt 100 Kilometer pro Stunde beträgt, in Fortfall kom­men. Auf den Nebenbahnen soll sie statt 40 50 Kilometer betragen. Die Zustimmung des Bundesrats zu dieser Aende­rung ist gesichert.

Gegen das Eingreifen der Aufsichtsbehörden in den Leipziger Aerzteftreik hat sich eine in Dresden abgehaltene Versammlung der Vertreter von 143 sächsischen Ortskranken­fassen ausgesprochen. Man beschloß, geeignete Schußmaß­nahmen zur vollen Aufrechterhaltung der Selbstverwaltung der Kassen anzustreben. Der Beschluß ist unverständlich. Die Selbstverwaltung der Kassen ist durch Gesetz gesichert, und die Fälle, wo die Aufsichtsbehörde sich einzumischen hat, sind genau umschrieben. Die Einmischung der Behörde er­folgt auch nur, wenn die Selbstverwaltung der Kasse sich nach­weislich ihrer Aufgabe nicht gewachsen zeigt. Gegen das Gesetz wird die Dresdener Versammlung trotz aller Beschlüsse nichts ausrichten.

frankreich.

A Wenn man den Gegnern des Herrn Combes glauben will, ist der Sturz des Kabinetts unmittelbar bevorstehend. Ob sie Recht behalten, ob nicht, niemand kann es wissen. In Frankreich ist auf politischem Gebiet noch viel mehr der Zu­fall maßgebend als anderswo. Die Ursache des Sturzes Combes' sehen seine Widersacher in dem Ergebnis der Unter­suchungen der Kommission zur Prüfung der Karthäuser­Millionen Affäre. Zwar hat die Kommission nicht das Mindeste ermittelt, was auf Combes ein schlechtes Licht wirft. Wohl aber hat der Mann, der den Bestechungsver­such bei Edgar Combes, dem Sohn des Premiers, gemacht hat,

lich einzurichten als möglich. fo trefflicher Weise, dak der Künſtler, der das zustande ge­ohne sein weiteres Butun besorgt worden war, und zwar in raschung hatte er gefunden, daß die schlimmste Arbeit schon gelaffen hatte, war feine erste Sorge die, sein Haus so behag­Sobald fich Cherif- Pascha in seiner neuen Residenz nieder­Bu feiner angenehmen Ueber­deffen Berwaltung die Dinge besser werden würden.

Oberneur en hann fei, mit den fich reden lasse und unter

Russudan geben müssen; aber hier an diesem außer der Welt dem Finger nach der Richtung, in der das ferne Konſtan­Hand ab und meinte, man müsse ein Auge zudrücken. hob er lächelnd den müden Blick zu ihr empor und wies_mit Ort wehrte er ihre Vorstellungen beschwichtigend mit der ihm den 3orn des Propheten in Aussicht stellte, Wäre blend fin

geschehen, fo hätte ihr Cherif- Pascha wohl oder i legeht

europäischer stelbung vorstellen.

Als

Die Zeit ist allezeit bereit, Nimmst du sie nur, so hast du sie. Mimmst du sie nicht, du hast sie nie,

Dit fagft, bu abest Teine Beit;

Huf Urlaub.

war.

Jahren. einem Jahr!" beide hatten sich recht darüber gefreut, Müller Stern war ihr Nachbar, und ihr Freund seit vielen faum Und denkt euch bloß: Gefreiter ist er geworden, nach

Urlaub fame, zum erstenmal. daß der Sohn des reichen Müllers Kern zu Pfingsten aut

Seit jenem Abend, wo der Vater bei Tisch erzählte

denn der