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Das Konzert im Walde.
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Es ist bekannt, daß es Friedrich der Große, ein Verehrer d Musik, auf der Flöte zu einer bedeutenden Fertigkeit gebracht. Gr mußte diese Kunst in seiner Jugend heimlich erlernen, denn sein Vater, Friedrich Wilhelm I., war ein abgesagter Feind derselben, und oft übte sich Friedrich in seinen Jugendjahren auf der Flöte in Gewölben, deren Zuglöcher mit Matraßen verstopft waren. über trotz der Wachsamkeit seines Vaters und seiner Aufpasser eurde Friedrich ein Meister auf der Flöte. Die Duette, welche er in früheren Jahren mit Quanz, seinem Lehrmeister, spielte, gesügten Friedrich nicht mehr, er sehnte sich nach einem größeren Wirkungskreis seines Talentes. Ein Konzert zu veranstalten war feine so leichte Sache, denn der König verstand in solchen Dingen feinen Scherz, und das Andenken an den unglücklichen Katte war noch zu frisch. Wenn indeß der Erbe eines Thrones Wünsche äußert, so fehlt es nicht an erfinderischen Köpfen, welche diesen Wünschen entgegen zu kommen wissen, unbekümmert, wieviel sie hierbei auch wagen. Ein Hoffavalier machte den Prinzen eines Tages darauf aufmerksam, daß sich in den Forsten von Oberwald eine geräumige unterirdische Höhle befinde, die weit genug von allen menschlichen Wohnungen entfernt sei, um einen günstigen Ort für ein Konzert abzugeben, wenn der Prinz diesen Schritt wagen wollte.
Gut", sagte Friedrich, wir wollen unter dem Vorwand einer Jagdpartie dorthin gehen. Meine Musiker stecke ich in Piqueurtracht, wir musizieren da nach Herzenslust und lassen indeß durch meine Bediente ein paar Hirsche erlegen. Wenn wir dann abends mit unserer Jagdbeute im Triumph nach Hause ziehen, kann der König nichts merken. Das einzige Uebel an der Sache ist, daß nun unser Geheimnis so viele Personen wissen werden."
" Königliche Hoheit", entgegnete der Kavalier,„ darüber dürfen wir außer Sorge sein; wer unser Mitschuldiger ist, den wird das Schicksal des Leutnants Katte wohl verwarnen, seine eigene Haut zu Markt zu tragen."
Alles ging, wie der Prinz und der Hofmann es verabredet hatten, und je einmal in der Woche fand ein Konzert im Walde statt, und man machte ein Hehl aus derselben, als wolle man gegen das Wohl des Staates oder gegen das Leben des Königs sich verschwören, und es gelang auch vollkommen, den eigentlichen Zweck jener Jagdpartien vor den Augen des Königs zu verbergen, der mit einer Mischung von fürstlichem Stolz und väterlicher Freude seinen Sohn am Abend mit Staub und Schweißz bedeckt aus dem Walde zurückkehren sah.
Auf der Rückkehr von der Reise durch seine Staaten kam Fried rich Wilhelm eines Tages durch den Forst von Oberwald; seine Wagen waren noch nicht weit in den Forst eingedrungen, als er in kleiner Entfernung von sich mehrere Flintenschüsse hörte und einen schwergetroffenen Hirsch aus dem Walde dringer und mitten auf der Landstraße verendend zusammenstürzen sah. sich kein Hundegebell noch Hörnerschall und fröhlicher Jagdruf ernehmen ließ, so mutmaßte der König, daß einige Wilddiebe die Wild gefällt, und befahl seiner Begleitung, die Wilddiebe zu volgen und zu ergreifen. Wenige Minuten später brachte man z. i Bediente in föniglicher Livree vor ihn, die man auf der Tat ppt hatte, und in welchen der König zwei Lakeien seines Sohnes erkannte. " Hans", sagte er zu dem einen,„ dir muß dein Le. n sehr unlieb geworden sein, wenn du dich erkühnst, mir mein Wild wegzuschießen, um es zu verkaufen." " Ich schieße es nicht für mich, Majestät," erwiderte er Diener, " sondern auf höheren Befehl!"
„ Wer hat es dir befohlen, Schurke?" donnerte der Monarch. " Ich habe schwören müssen, es niemand zu sagen." „ Nun denn, Hallunke, so schwöre ich dir, daß ich dich an die nächste beste Eiche hängen lasse, und da wollen wir dann sehen, fver seinen Schwur am besten hält."
Der Lakei kannte den König und wußte wohl, wie.nig dieser zu spaßen pflegte. Mit Angst und Zittern gestand er schlich, daß er im Auftrage des Kronprinzen die Hirsche schießen müvährend t einem dieser mit seinen Freunden in der Höhle musiziere Kernfluch gab ihm der König die Weisung, den W zu öhle zu zeigen, und felt hinter dem bebenden Diener der H. e hin. Das Ti summte eben, und der Krs prinz trug sei Adagio mit ause ter Präzision als der König wie ei. Me
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pufenhaupt in dem Eingang der Höhle erschien. Mit einem Tausendschockschwerenot" trat er in die Mitte der erschreckten Mu* er und musterte sie mit seinem strengen Blick.
,, Ei, ei," rief er, also auf diese Weise befolgt man meine res; ich habe dir schon einmal verziehen, Herr Sauſewind, yil diesmal sollst du sehen, wie ich die Ungerechtigkeit ahnden Euch aber, ihr vermaledeiten Bänkelsänger und Seilhauffez, vill ich lehren, meinen Sohn zum Ungehorsam gegen mich zu verführen!"
Noch am selben Abend faßen alle Teilnehmer am Konzerte_auf der Wache und ein unheimliches Gefühl überkam die Einwohner von Berlin. Jeder dachte an Katte, an Küstrin und sein schwarzbehangenes Schafott. Einige Tage schwebte diese Angst über den Betwohnern der Hauptstadt, dann hieß es: der König ist krank. Die Brustwassersucht, an welcher er schon längere Zeit gelitten, nahm mit solcher Schnelligkeit zu, daß er schon in wenigen Tagen, am 31. Mai 1740, seinen Geist aufgab und Scepter und Krone des Königreichs Preußen seinem Sohne Friedrich überließ.
Bunte Blätter.
Ein Tausch. Unter der Regierung Joseph II. von Oesterreich lehnte der bewährte Diplomat Baron H. den ihm zugedachten Posten des Finanzministers mit der Begründung ab, daß er im Begriff stehe, sich mit einer bejahrten, aber äußerst reichen Witwe zu ver= mälen und dem Wunsch seiner Zukünftigen gemäß, einige Jahre außerhalb Desterreichs zuzubringen gedenke. Bei der Hoftafel wurde natürlich sowohl die Ablehnung als auch die Wahl H.'s einer bitteren Kritik unterworfen, bis endlich der Kaiser seine Meinung über den Fall äußerte. Ich kann's halt dem H. nicht verdenken," meinte er, ist es denn so unvernünftig, wenn jemand ein leeres Portefeuille fahren läßt, um dafür nach einer wohlgefüllten alten Schachtel zu greifen?"
Gellerts letzte Worte. In seiner letzten Krankheit war bei Gellert einer seiner Brüder, ein Handwerksmann, zu besserer Wartung und Pflege. Ganz kurz vor seinem Ende fragte der Bruder: wie er es denn mit seinem Begräbnis gehalten wissen wolle? Gellert, schon halb in einer andern und für ihn gewiß besseren Welt, schlägt noch einmal mühsam die Augen auf, sagt mit leiſer Stimme: Um den Nußbaum ist es schade
Leget mich in eine Lade, Die aus Tannenholz gemacht- dreht sich hierauf wieder gegen die Wand und haucht seine Seele aus.
Das„ Ahnenfeuer" ist in Korea von größter Bedeutung. In jedem koreanischen Hause brennt ein„ Ewiges Feuer" zur Erinnerung an die verstorbenen Vorfahren der Familie. Dieses Feuer zuerst anzuzünden und darauf zu achten, daß es niemals in Gefahr kommt, zu verlöschen, ist die erſte, ja die allerwichtigste Pflicht jeder koreanischen Hausfrau.
Geistesgegenwart. Graf Morny, Napoleon III. Bruder, war einer seiner Haupthelfer bei dem Staatsstreich im Jahre 1852. Am Abend vor demselben befindet er sich im Theater. Eine Dame spricht zu ihm:„ Ich höre soeben, lieber Graf, daß man nächſtens mit einem großen Besen Verschiedenes hinauskehren wird." . Wenn dem so ist", antwortete Morny, so können Sie überzeugt sein, daß ich mich auf der Seite des Stieles befinden werde."
Verständlich. Jean Paul fuhr einst auf einer Reise in das Tor einer kleinen Stadt. Der Korporal der Torwache tritt heraus, eine Schreibtafel in der Hand:" Ihren Namen, mein Herr?-„ Ich heiße Richter."" Ihr Stand?"-" Ich bin Autor." ,, Autor?" fragte der Korporal verblüfft,„ was heißt das? was verstehen Sie darunter?" ,, Nun, das heißt, ich mache Bücher."„ Ja so," schmunzelte der Korporal, das ist mir verständlich; heutzutage gibt man sich allerlei fremde, unbekannte Titel. Hier zu Lande nennt man einen Mann, der Bücher macht, einen-- Buchbinder."
Ein schlauer Edelmann. In einer Chronik von Kaiserslautern liest man folgendes:" Anno 1540 zwang Georg v. Haffner, ein Edelmann im Elsaß, seine Bauern, daß sie seinen Wein in der Frohn unentgeltlich mußten austrinken, damit er den guten Wein, der desselben Jahres wuchs, in seine Fässer möchte fassen können. Sie mußten alle Woche dreimal zum Wein gehen und bezahlten nicht mehr dem Edelmann denn Käse und Brot. Das gefiel den Bauern weidlich und sie kamen haufenweiſe. Aber sie merkten die Schlauheit des Edelmanns nicht. Oft kam es vor, daß ihrer etliche dem Wein zu viel zusprachen; da gab es Streit manchmal oder meist Schlägerei. Dafür mußten sie dann Frevel", d. H. Geldbuße zahlen, und so bekam er mehr Geld für den Wein, als wenn er ihn verkauft hätte."
Nr. 65.
Dienstag, den 22. März.
1904.
Oberbessische Familienzeitung.
Tägliche Unterhaltungs- Beilage
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Gießener Neueste Nachrichten.
md and Berlag ber Chefener Berlagsbraderet, vorm. Wilh. Keller's he Buchbradoret( gegr. 1789); verantwer: Nibin leis
( 28. Fortsetzung.)
Der Goldmarder.
Original Roman von M. Behold.
" Ich bringe dir einige Nachrichten, die dich interessieren werden," sagte Spangenberg, ohne die ärgerliche Miene seines Schwiegersohnes zu beachten.„ Zuvörderst zwei Verlobungen: der Maler v. Weisweiler und Fräulein v. Deren dorf, sodann Fräulein Ida Kassel und Herr Alfred v. Bodenlauben!"
„ Meinetwegen!" brummte Appel.
„ Das vorab!" fuhr Spangenberg fort.„ Heute Morgen gewährte Durchlaucht mir eine Audienz. Er beklagte sich darüber, daß in den Münzendiebstahl noch immer keine Klarheit gebracht sei, dann aber versicherte er mich huldvoll der Fortdauer seiner Gnade. Er erklärte, er habe die Sachlage geprüft, auf mich falle keine Schuld, die Brüder Schönbach sollten streng bestraft werden, er wünsche nur, daß sie sich endlich zu einem offenen Geſtändnis bequemen wollten." „ Sie leugnen noch immer mit hartnäckigem Troy." „ Hm, dieſer Troß wird schwerlich gebeugt werden," fuhr Spangenberg fort, und sein Blick ruhte dabei stechend auf dem finsteren Gesicht seines Schwiegersohnes,„ sie leugnen so lange, bis sie verurteilt sind."
„ Peter Schönbach ist überführt." ,, Aber der Kustos nicht."
" Nein, der Hauptverdacht ruht auf seinem Sohne." Mit dem Verdacht allein ist dem Fürsten nicht gedient, er verlangt ein Schuldbekenntnis oder überzeugende Beweise."
" Wir können ihm beides nicht verschaffen.“ Möglich wäre das doch."
Der Polizeirat, der das Haupt bisher gesenkt hatte, blickte „ Durch welche Mittel?" fragte er. auf.
Man müßte dem Kustos Gelegenheit zur Flucht geben und ihn entwiſchen lassen, das wäre ein Schuldgeständnis, an dem niemand mehr zweifeln könnte," erwiderte Spangenberg mit gedämpfter Stimme. Das ist leicht zu machen, Hermann, du hast jedenfalls unter deinen Beamten einen, auf dessen Intelligenz und Verschwiegenheit du rechnen darfst, gib ihm einen Wink und vertraue ihm den Gefangenen an, wenn er zum Verhör gebracht wird. Natürlich muß vorher gesorgt werden, daß der Gefangene eine kleine Geldsumme erhält, die ihm rasche Flucht möglich macht; ist er entwischt, so verfolgt man ihn in den ersten Tagen nicht; er wird sich voraussichtlich nach Australien einschiffen, um dort seinen Sohn aufzusuchen. Damit ist dann die unangenehme Geschichte aus der Welt geschafft. Alle Kosten decke ich, auch bin ich bereit, den Beamten zu entschädigen, wenn er bestraft werden sollte."
Der Polizeirat schüttelte ablehnend den Kopf. Das ist mir doch zu gefährlich," sagte er ironisch. Ich selbst soll einen meiner Untergebenen zur Pflichtverletzung verleiten?" ,, Bah, wenn du damit den Wunsch des Fürsten erfüllen kannſt, ſo iſt die Sache weiter nicht gefährlich. Selbst der Untersuchungsrichter wird froh sein, wenn er den Mann los ist."
,, Ueberlegen will ich es mir," erwiderte Appel mit einem lauernden Blick auf Svanaenhero der sich mit seinem Rigar
( Nachdruck verboten.))
renetui beschäftigte. Spräche der Fürst diesen Wunsch aus, so wäre es etwas anderes, ich würde natürlich gehorchen; so aber mache ich mich einer höchst strafbaren Pflichtverletzung schuldig, die mir mein Amt kosten kann."
" Daß dieser Fall nicht eintreten wird, dafür bürge ich dir!"
" Nimm mir die Bemerkung nicht übel, aber deine Bürgschaft hat einen sehr relativen Wert, eine Laune des Fürsten kann dich plötzlich wieder in Ungnade stürzen."
Das steht nicht zu befürchten," sagte Spangenberg in zuversichtlichem Tone. Seitdem der Hofrat Weisweiler gestürzt ist, bin ich mit dem Hofmarschall eng liiert, sein Einfluß bei dem Fürsten wird dir bekannt sein. Meine Erhebung in den Adelstand wird wohl in dieser Woche noch vollzogen werden, auch glaube ich zuversichtlich, daß der Fürst mir die hohe Ehre erzeigt, auf dem Fest zu erscheinen, das ich in einigen Tagen geben werde."
Wieder einmal?" fragte der Rat sarkastisch.„ Welche Veranlassung hast du dazu?"
Die Verlobung Irma's," erwiderte Spangenberg, das Haupt erhebend. Ueberdies will ich meinen Feinden und Neidern beweisen, daß sie zu früh triumphiert haben; es sind einige unter ihnen, die ihre voreilige Schadenfreude bitter bereuen werden."
„ Und dir wird die Geschichte eine enorme Summe kosten, die besser verwendet werden könnte!" entgegnete der Rat achselzuckend, ich erinnere dich nur an die noch nicht eingelösten Versprechungen, die du mir gemacht hast."
,, Sie werden alle eingelöst, sobald ich wieder zu Atem gekommen bin. Gedulde dich nur bis nach der Hochzeit Irma's, dann magst du mich wieder daran erinnern. Hast du schon einen Befehl bezüglich der Duellgeschichte erhalten? Wird der Maler verhaftet werden?"
Ich weiß nur, daß die Sache untersucht werden soll. Hängt diese fürstliche Laune auch mit der Verlobung des Malers zusammen?"
Jedenfalls," sagte Spangenberg, indem er sich erhob. Die beiden Verlobungen werden im Schloß keine bessere Stimmung schaffen, uns aber kann die Verbindung mit der Familie v. Bodenlauben nur ehrenvoll sein. Na, überlege dir meinen Vorschlag, die Sache ist leichter, wie du glaubst."
Fünfzehntes Kapitel.
Wieder waren einige Tage verstrichen, und die Vorbereitungen zu dem Feste, das Joachim Spangenberg geben wollte, bereits in vollem Gange.
Die sonst so langweilige Residenzstadt war in diesen Tagen der Schauplatz großer Aufregung gewesen. Die beiden Verlobungen hatten gewaltiges Aufsehen gemacht; man brachte damit die plötzliche Verabschiedung des Adjutanten v. Bodenlauben und die Angängigmachung einer Untersuchung gegen ihn und Ottokar wegen ihres Zweikampfes in Verbindung,
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