Nr. 18.
Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen vierteljährlich Mt. 1.50.
Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.
Freitag, den 22. Januar 1904.
Gießener
13. Jahrgang.
Insertionspreis: Die einspaltige Petitzelle für ganz Ober heffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonft 15 Pfg. Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.
Bostzeitungsliste No. 3269.
Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 83 Fernsprechanschluß Nr. 362.
Neueste Nachrichten
( Gießener Tageblaff)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeitung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
Gießen, den 19. Januar 1904. Betr.: Die Wenf'sche Stiftung.
Die Gr. Kreisschulkommission Gießen
an die Schulvorstände des Kreises. Aus rubr. Stiftung sind uns einige Mittel zur Verfügung gestellt worden, um solchen Schülern, die sich in der Fortbildungsschule durch tadelloses Betragen und gute Leistungen ausgezeichnet haben und die auch in der Landwirtschaft Tüchtiges leisten, zu prämiteren.
Wir fordern Sie auf, uns bis zum 31. I. M. unter genauer Angabe des Namens zu berichten, ob in ihrer Gemeinde ein solcher Schüler iſt.
Fehlberichte sind nicht zu erstatten; später einlaufende Anträge fönnen feine Berücksichtigung mehr finden. Dr. Breidert.
Gießen, den 19. Januar 1904. Betr. Den gerichtsärztlichen Dienst; hier die Räume zur Vornahme von Leichenöffnungen.
Die Gr. Kreisschulkommission Gießen an die Schulvorstände und Gr. Bürgermeistereien des Kreises.
Nachstehende Verfügung teilen wir Ihnen zur dienstlichen Kenntnisnahme mit.
Dr Breidert.
Darmstadt, den 22. Dezember 1903.
Betr.: Wie oben.
Das Großh. Ministerium der Justiz an die Großh. Justizbehörden. Es ist mehrfach vorgekommen, daß in Ermangelung sonstiger zur Verfügung stehender Räumlichkeiten Leichenöffnungen in Schulsälen borgenommen wurden.
Da dies mit Recht in weiten Kreisen der Bevölkerung Anstok erregt hat und die Schulen als für den bezeichneten Zweck durchaus ungeeignet anzusehen sind, so sehen wir uns veranlaßt, für die Zukunft die Vornahme von Leichenöffnungen in Schulhäusern ausdrücklich zu untersagen. Es wird um so eher angehen, dieser Vorschrift in allen Fällen nachzukommen, als Großh. Ministerium des Innern die Großh. Kreisämter veranlaßt hat, für größere Orte auf die Herstellung von besonderen Räumen für Leichenöffnungen zu dringen und auch für kleinere Gemeinden von den Großherzoglichen Bürgermeistereien die Bezeichnung geeigneter Räume zu fordern und diese auf ihre Tauglichkeit zu prüfen. ( gez.) Dittmar. Bekanntmachung.
Betr. Rauschbrand zu Wagenborn.
Bei einem Schaf des Joh. Gg. Philipp V. in Wagenborn ist Rauschbrand festgestellt worden. Gießen, den 18. Januar 1904.
Großherzogliches Kreisamt Gießen
J. V.: Dr. Kranzbühler.
frauenwahlrecht und Kaufmannsgericht. CB. In der Reichstagssizung vom letzten Mittwoch wurd bon mehreren Seiten, unter anderem auch von Vertretern bürgerlicher Parteien, das Verlangen gestellt, daß auch der Handelsgehilfinnen das Wahlrecht für die Beisiterwahlen zu den Kaufmannsgerichten gewährt werde, und zwar ver langten die Sozialdemokraten das aktive und passive Wahl recht, während die bürgerlichen Parteien sich lediglich au das erstere beschränkten. Daß das passive Wahlrecht nich gewährt werden kann, ergibt sich aus der ganzen Organi sation des Staates. Unser Staat ist ein Männerstaat uni muß es auch sein, weil im Falle eines Krieges doch nur de Mann die letzten Konsequenzen des Staatsinteresses zieher kann, indem er sein Leben als Krieger in die Schanze schlägt Demgemäß können also die Frauen auch nicht teilnehmen ar den Aemtern, die der Staat zu vergeben hat. Die Forderung des passiven Wahlrechts zu den Kaufmannsgerichten, d. H die Wählbarkeit zu Beisißern, hat demnach keine praktisch Bedeutung.
Etivas anderes aber ist es, ob man den Handelsgehilfinner nicht das aktive Wahlrecht geben könnte. Im ganzen dürfter im deutschen Reiche mehr als 100 000 faufmännische An gestellte weiblichen Geschlechts tätig sein. Es fommen als hier immerhin schon respektable Ziffern in Betracht. Alleir der Staatssekretär Graj Posadowsky hat erklärt, daß an ein Gewährung dieser Forderung überhaupt nicht zu denken sei und man wird wohl fanm fehl gehen, wenn man annimmt, daß dieses Verlangen um der wahrscheinlichen und notwen digen Konsequenzen willen als unerfüllbar gilt. Würde man den faufmännischen Angestellten das Wahlrecht zu
coen, dann hatten es auch die Arbeiterinnen für die Ge werbegerichtswahlen zu fordern, und die ganze Wahlrechts. rage wäre von erheblich größerer Bedeutung als seither. denn die Wahlen zum Gewerbegericht erfolgen nach dem Suitem des Reichstagswahlrechts und werden, wie ebenfalls in der Reichstagsjigung betont wurde, vielfach zu volitischen Aften gestempelt. Durch die Verleihung des Wahlrechts an die Arbeiterinnen würde also das Frauenelement zu einem politichen Jaftor werden, der schon deshalb nach der äußersten L'infen bin grabitieren würde, weil dort die radikalen Frauen. ' orderungen am willigsten vertreten werden.
Was nun die Wahlen zu den Kaufmannsgerichten anbe. angt jo dit die Verleihung des Wahlrechtes von geringer praktischer Bedentuna, weil er Entwurf nur an Korporationen bezin an Vertreter von Korporationen das Bablrecht verleihen mill. Entweder sollen die Krankenkassen oder fontmännische Berrine die Wahlen der Beisiver vollziehen.
Sinfluß der Frauen fönnte also nur in indirekter Weise zur Geltung" omment indem sie bei den Wahlen der Krankenlaffer me Vereinsvorstände mitwirften. Vorbedingung hier. zu wär weiterhin, daß auch das Vereinsrecht in Fluß kommt. Schließlich sind die Dienstverträge, die mit Handlungsgehil. finnen abgeschloffen werden. ihrem Wesen nach dieselven, wie diejenigen der männlicher Geschäftsangestellten, und haben lonach dieselbe Rechtsbehandlung zu fordern. Die Hauptsache bleibt unter allen Umitänden, daß auch die weiblichen Angestellten das Recht haben, die kaufmännischen Gerichte in Anspruch zu nehmen; von dem Wahlrecht würde doch jedenalls nur die Minderzahl Gebrauch machen.
Der Herero- Hufftand.
Endlich wieder eine neue Nachricht aus dem Auftandsgebiet! Das Kolonialamt veröffentlicht folgende Miteilung:
Nach den letzten über den Hereroaufstand eingelaufenen Telegrammen haben Ovamboleute einen Brief des Wagenbauers Zieber 3 nach Swakopmund gebracht, durch den die bereits früher gemeldete Belagerung von Omarurn bestätigt wird. Die heliographische Verbindung nach diesem Ort ist unterbrochen. Auch wird die Plünderung Etiros, etwa 25 Kilometer nördlich Karibib, gemeldet. S. M. S. „ Habicht", das am 18. abends in Swakopmund eingetroffen war, hat am folgenden Tage 2 Offiziere, 1 Arzt, 52 Mann, 1 Maschinengewehr und 2 Revolverkanonen nach Karibib entsandt, wo die Expedition glücklich eingetroffen iſt.—
Ein später eingelaufenes Telegramm meldet die Entsendung von noch 29 Mann S. M. S.„ Habicht" nach Karibib unter dem 1. Offizier mit einem Maschinengewehr und einer Revolverkanone. Es soll, wenn möglich, von Karibib aus ein Vorstoß versucht werden. Frauen und Kinder kommen von Karibib nach Swakopmund. Nachrichten aus Okahandia, von der Expedition Zükow und aus Windhuk liegen nicht vor.
Ueber die Lage der Weißen
in den gefährdeten Bezirken ist einstweilen mitzuteilen: Die Lage der in Okahandja eingeschlossenen Weißen ist kritisch. Okahandja liegt über 300 Kilometer von der Küste entfernt und 100 Kilometer von der letzten Station der Eisenbahn. Außer den gutgesinnten Farbigen dürften dor etwa 70 Europäer sein, die in Okahandja der Rettung harren Zeider verfügen die Eingeschlossenen über kein einziges Ge schüß; sie sind in dem Kampfe lediglich auf ihre Gewehre angewiesen. Da das Landungskorps des„ Habicht" die Eisenbahn nur auf einer Strecke von etwa 200 Kilometer benußen kann, so dürfte seine Ankunft vor Freitag in Oka handja kaum zu erwarten sein. Nach einer in Berlin ein gegangenen Privatnachricht aus dem Schutzgebiet ist die Hoffnung nicht unbegründet, daß es den meisten Far: mern im Bezirk Windhuk gelungen sein wird, die Station rechtzeitig zu erreichen.
Die Abfahrt der„ Darmstadt".
mit dem Expeditionskorps von Wilhelmshaven ging gestern Nachmittag pünktlich um 3 Uhr von statten. Das Expeditionsforps hat auf besonderem Befehl des Kaisers die Fahne des 2. Seebataillons mitgenommen. Die mittags aus Kiel nach Wilhelmshaven abgereisten Kieler Expeditionsteilnehmer waren auf dem Kieler Bahnhof vom Prinzen Heinrich mit einer fernigen Ansprache verabschiedet worden. Kurz bor der Abfahrt erlebte man noch eine Ueberraschung: Major b. Glasenapp, der die Expedition ursprünglich führen sollte, ist von diesem Auftrage wieder entbunden und, wie schon kurz gemeldet, Oberst Dürr, der Inspekteur der Marineinfanterie, an seiner Stelle zum Führer der Expedition ernannt worden. Dieser Wechsel in der Führung des Expeditionskorps wird jedoch erst in Südwestafrika selbst erfolgen. Oberst Dürr wird mit seinem Stab, der am 1. Februar in Berlin zusammentritt, am 6. Februar die Ausreise antreten. Bis zu seinem Eintreffen in Südwestafrika behält der bisberiae Transportführer Major
b. Glasenapp das Kommando über das Expeditionskorps. Die Gründe für diese plötzliche Aenderung sind nicht bekannt. Daß Major v. Glasenapp, wie von einer Seite gemeldet wurde, tropendienstunfähig sei, trifft nicht zu.
Das preußische Kriegsministerium hat einen Roßarzt vom Husaren- Regiment Nr. 6 nach Argentinien geschickt, um dort
Pferde für das Expeditionskorps
zu kaufen. Wie verlautet, haben eine große Anzahl Buren, die wegen ihrer Kenntnis von Land und Leuten Dienste leisten könnten, sich als Freiwillige angeboten. Wie verlautet, wird die Regierung das Anerbieten annehmen.
Deutfcher Reichstag.
( 16. Sizung.) CB. Berlin, 21. Januar. Die Besetzung des hohen Hauses fängt schon an, dünner zu werden. Beratungsgegenstände, wie die Kaufmanns gerichte und der Servistarif, sind nicht geeignet, die Geister derart aufeinander plazen zu lassen, daß es für die Zuhöre dauernd unterhaltsam wäre. Die Herren, welche sich Reden zurecht gelegt haben, scheinen aber anders darüber zu denken und so fließt augenblicklich der Redestrom in der General debatte über die Vorlage, betreffend
die Kaufmannsgerichte
schier endlos dahin. Die meisten Redner äußerten sich, wi schon gestern, auch heute im allgemeinen zustimmend. Nu in Einzelheiten gehen die Meinungen auseinander, aud innerhalb der Fraktionen selbst.
Abg. Do we( Frs. Vgg.) plädierte für die Angliederung der Kaufmannsgerichte an die Amtsgerichte, dann aber aud für Ausdehnung der Zuständigkeit der Kaufmannsgerichte auf Streitigkeiten aus der Konkurrenzklausel, da gerade fü diese ein beschleunigtes Verfahren nötig sei. Bezüglich des Wahlrechtes hielt er das 25. Lebensjahr für zu hoch ge griffen, auch will er, daß den Frauen das Wahlrecht gegeber werde. Für letzteres sei selbst das Zentrum und die Re gierung sollte hier doch nicht katholischer sein als das Zentrum. Obgleich Redner der Vorlage im wesentlichen zustimmte, schloß er doch mit einer Warnung vor weitere Zersplitterung der Rechtspflege.
Abg. Brejski( Pole) will im Widerspruch zu der Vor lage die Verwaltungsbeamten von dem Vorsitz in den Kauf mannsgerichten ausgeschlossen wissen, und sprach sich bezüg lich des Wahlrechts in gleichem Sinne wie Abg. Dowe aus Abg. Storz( südd. Volksp.) verhehlte nicht, daß aus einer solchen Häufung von Sondergerichten sich unter Um ständen eine gewisse Rechtsunsicherheit ergeben könne, er tlärte aber troß dieser Bedenken die Kaufmannsgerichte an nehmen zu wollen, erachtete es sogar für zweckmäßig, dies Gerichte schon bei 20000 Seelen obligatorisch zu machen, und pflichtete hinsichtlich des Wahlrechts den beiden Vor rednern bei.§ 17 der Vorlage, der ein Verfahren vor dem Gemeindevorsteher zuläßt, bekämpfte er als eine direkt orien talische Justiz.
Abg. Semler( n.-L.) sprach am schärfsten gegen die Vor lage, für die kein Bedürfnis vorliege, da die Zahl der Prozesse zwischen Handlungsgehilfen und ihren Prinzipalen ver hältnismäßig sehr gering sei. Auch der Staatssekretär habe die Vorlage eigentlich nur motiviert mit dem„ Geist der Zeit". Man gebe mit solchem Gesetz nur der Agitation der extremen Elemente nach, ohne das friedliche Verhältnis zwischen Unternehmern und Angestellten in Wirklichkeit zu fördern. Redner hofft, daß es in der Kommission gelingen werde, den Charakter des Sondergerichts in den Hintergrund zu drängen und einen anderen Weg zu finden, das Verfahren zu beschleunigen und zu verbilligen.
Abg. Lipinski( Soz.) verteidigte dagegen die Kaufmannsgerichte, die von den Handlungsgehilfen dringend gewünscht würden, und diese müßten schließlich doch wissen, was ihnen fromme.
Abg. Lucas( natl.) führte aus, nicht nur für Handlungsgehilfen allein, sondern auch für alle Kreise des Volkes bestehe ein Bedürfnis nach Verbilligung und Vereinfachung der Prozesse. Um dieses zu erreichen, solle man den Zivilprozeß reformieren und nicht solche Sondergerichte schaffen. Seine Freunde könnten nur mit schwerem Herzen für das Gesetz stimmen.
Die Abgg. Huch und Stollinger( Els.) traten für die Vorlage und Abg. v. Gerlach für die Erteilung des Stimmrechts an die Frauen ein. Zwischen dem letzteren und den Abgg. v. Reventlow und Liebermann von Sonnenberg entspann sich eine lebhafte Auseinandersetung über die politischen Wandlungen v. Gerlachs, denen schließlich der Präsident Graf Ballestrem mit der Bitte ein Ende machte, sich als Kollegen einer etwas gewählteren Sprache zu befleißigen. Abg. Lattmann wünscht, daß die Vorlage nebst dem von der wirtschaftlichen Vereinigung eingebrachten Gefeßentwurf einer Kommission von 21 Mitgliedern zur Beschlußfassung übergeben werde. Schluß der Sigung 5% Uhr. Morgen 1 Uhr: Wahlprüfungen.
in feines Baters Wefen etwas auffallendes,
sonderbares
ruhiges, Unbestimmtes... abgemeffene, bornehme Art verstieß,
gelegen hatte, etwas, das ganz gegen feine sonst so ruhig
nita
Bruit in ftarten etwas Haftiges, Un
Bedern boten.
wären, und er überlegte ernstlich, unauffälliger Weise tun könne. fie für eine so schöne Einwohnerin doch lange nicht gut genug immer sehr gut gefallen hatten, dachte er jetzt für sich, daß Hellmut, dem diese Zimmer auch bis dahin was er zu ihrer Aus
nervös.
er, der
sann auf Abhilfe.
Eines
vorgehende Veränderung wirt hinab und klagte ihm ihre Not. Tages fam fte zu ein Gunchluß, lie ging zu dem Haute früher nicht gewußt hatte, was Nerven find, wurde Frau Grete sah bekümmert die mit ihrem Manne
Serr Jachte:
Der joviale
das ist nun einmal
Salte ich, wie ich will."
zut.
nichts besseres verlangen könne. nächst im Nachbarhause zu refognoszieren. Falschinünzern mußte er weiter verfolgen, und beschloß, zuda er sich sagte, daß er von diesem ungebildeten Menschen Fritz war empört, beruhigte sich aber schnell wieder, Aber die Sache mit den
Und damit flog die Tür krachend


