Einzelbild herunterladen

tr. 93.

Mennementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., Saus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertel­fährlich Mr. 1.50.

Battebetingen: Oberheffifche Familienzeitung( täglich) und die Gießener Gotfenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Donnerstag, den 21. April 1904.

Gießener

13. Jahrgang.

Insertionspreis: Die einfpaltige Betitzelle für ganz C heffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Reklamen die Petitzelle 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3269.

Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg Fernsprechanschluß Nr. 362.

Neuelle Nachrichten

-

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Beitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wezlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Alle Räder stehen ftill..."

Ein großer Eisenbahnerstreik in Ungarn. Eine schwere europäische Verkehrsstockung, die schlimme wirtschaftliche Folgen zu haben droht, hat ein Ausstand der ungarischen Eisenbahnangestellten herbei­geführt: Sämtliche ungarischen Eisenbahner feiern, der Zugverkehr in der transleithanischen Hälfte des Habsburgerreiches ist größtenteils ein geste II t, und noch ist keine Aussicht auf eine Beilegung des Streiks borhanden. Im Gegenteil, es scheint, als sollte er mit aller Schärfe und Erbitterung geführt werden. Die Maßnahmen der ungarischen Regierung zum Ersatz der Streikenden durch Mannschaften der Eisenbahnregimenter dürften sich als nur sehr wenig erfolgreich erweisen; jedenfalls können sie eine regelmäßige Abwickelung des Verkehrs nicht er= möglichen.

Die über den Streif bisher eingelaufenen Nachrichten besagen im Wesentlichen folgendes:

Der Beginn des Streiks.

Um Mitternacht in der Nacht zum Mittwoch begann in ganz Ungarn ein allgemeiner Streik der Eisenbahnangestellten. Rein Zug der Staatsbahnen verkehrt seitdem. Von Budapest gingen am Mittwoch nur Züge der Südbahn ab, die in privatem Betrieb steht. In der Nacht zum Mittwoch sind 6 fällige Züge nicht in den Budapester Westbahnhof einge­fahren und 8 fällige Züge nicht abgegangen. Der Streik begann damit, daß gestern abend auf dem Budapester West­bahnhof sämtliche Weichen lichter und Signal­lam pen ausgelöscht wurden; nur das Semaphorlicht wurde belaffen, der Semaphor aber auf Salt gestellt. Ein Güterzug wurde an der Einfahrt gehindert, indem inige Hundert Ausständige sich vor die Lokomotive drängten, worauf der Lokomotivführer, der Heizer und der Zugführer abstiegen. Der Wiener Schnellzug wurde auf der Station Rakos Palota angehalten; die Passagiere

legten darauf den halbstündigen Weg nach Budapest mit der Stadtbahn zurück. Der abends 11 Uhr in Budapest fällige Orienterpreßzug Ostende Konstantinopel wurde in Parka­nhnana aufgehalten.

Infolge dieses Aufhaltens der Züge, die in Budapest ver­geblich erwartet wurden, wurde denn auch seit 8 Uhr abends fein Rug von Budapest abgelassen, obgleich dort das Versonal dienstbereit stand. Man vermutete auch und mit Recht-, daß die Budapester Beamten die aus der Provinz in der Sauptstadt eintreffenden Ausständigen nur abwarten wür­den, um dann den Dienst auch ihrerseits einzustellen. Dieses plötzliche Anhalten von Zügen mitten auf der Strecke ist auf eine

A

Weifung des Streikkomitees zurückzuführen. Das Streifkomitee hatte den Beamten tele­graphisch die Weisung erteilt, um Mitternacht alle Züge auf den Stationen, wo sie um diese Zeit eintrafen, anzuhalten und an der Weiterfahrt zu verhindern. Zugleich hat es die Streifenden angewiesen, sich zu sammeln und dann in den an. gehaltenen Zügen ohne Mitnahme von Vassagieren- in möglichst großer Zahl nach Budapest zu kommen. Offenbar plant das Streiffomitee große Demonstratio nen in der Hauptstadt.

Zu solcher dürfte insbesondere auch die Tatsache Anlaß geben, daß Graf Tisza bereits die

Verhaftung von 450 Streifenden

in Budapest hat vornehmen lassen. Ueberhaupt will Tisza mit der ihm eigenen Energie gegen die Streifenden vorgehen. Vor dem Beginn der Mittwoch- Sitzung des ungarischen Ab= geordnetenhauses versammelten sich Abgeordnete sämtlicher Parteien im Bureau des Präsidenten, um die durch den Eisenbahnstreik geschaffene Lage zu besprechen. An der Ver­jammlung nahmen teil der Ministerpräsident Graf Tisza, der Finanz- und der Handelsminister. Der Ministerpräsident erklärte, die Regierung könne mit den streifenden Elementen nicht verhandeln; sie habe Maßregeln getroffen, um durch Heranziehung von Militär die Ordnung wiederherzu­stellen und durch Verroendung des Eisenbahn- und Tele­graphen- Regiments die Wiederaufnahme Verkehrs zu ermöglichen. Es müsse

ein Erempel statuiert

des

werden; gegenüber den verleiteten Elementen wolle die Regierung indes Nachsicht walten lassen und nur die Nädels­führer zur Verantwortung ziehen.

Die Ursache des Streiks

ift ein vor einigen Tagen dem ungarischen Abgeordneten­hause vorgelegter Gesetzentwurf über die Gehaltsregu­lierung der Eisenbahnbeamten. Die Ausständigen sind mit diesem Entwurf nicht zufrieden, sondern verlangten höhere Gehälter und stellten kurzerhand ihre Tätigkeit ein. Die Wirkung des Streiks auf die Nachbargebiete

macht sich bereits erheblich fühlbar. In Wien hat der

gesamte Verkehr nach und von Ungarn über Bruck und March= egg eingestellt werden müssen. Die Orient- Expreßzüge wer­den von Wien aus nicht mehr abgelassen. Damit greift der Streik in das Verkehrswesen ganz Mittel- und Westeuropas ein, und er wird es desto mehr tun, je länger er ondauert.

Der Krieg in Oftalien.

Von neuen Vorgängen auf dem Kriegsschauplatz verlautet nichts Sicheres. Dagegen ist eine bemerkenswerte Verände­rung in den höchsten russischen Kommandostellen vor sich ge­gangen: Admiral Alexejew hat sein Demissionsgesuch ein­gereicht.

Wie bestimmt versichert wird, ist dieser Entschluß darauf zurückzuführen, daß Admiral Skydlow in Petersburg dem Baren äußerst abfällig über die Tätigkeit Alexejews berichtet habe.

Einem neuerlichen englischen Gerüchte, daß Port Ar- thur gefallen sei, ist wohl kein Glauben beizumessen. Die letzten Ereignisse dort stehen immer noch im Vordergrund des Interesses.

Der Untergang der Petropawlowsk" wird jetzt in einem halbamtlichen russischen Bericht, der sich auf Beobachtungen von Augenzeugen stüßt, folgendermaßen geschildert: Als sich die Petropawlowsk" an die Spitze der in Schlachtkolonne aufgestellten Schiffe stellte, zeigte sich auf ihr ein Rauchwölfchen. Eine schwache Detonation erfolgte, worauf zwischen den Schornsteinen eine Rauchsäule und eine riesige Flamme aufstieg. Es erfolgte eine zweite stärkere Explosion. Das Hinterteil des Panzerschiffes hob sich über dem Wasserspiegel empor, die Schrauben arbeiteten, sodann versank das Hinterteil rasch im Wasser. Fast in demselben Augenblick sank das Schiff in die Tiefe. Nach einer Mit­teilung des geretteten Midshipman Jaf vlew war die Non­mandobrücke, auf der er stand, unter Wasser, ehe man noch einen Gedanken an Rettung fassen konnte. Alle auf der anderen Seite der Brücke Stehenden, darunter auch Vize= admiral Makarow, famen, offenbar durch die Explosion ver= wundet, um. Die Katastrophe dauerte nicht länger als zwei Minuten, doch gelang einem Amateur eine photographische Aufnahme. Die in der Nähe befindlichen Torpedoboote und das Kanonenboot Gaidamak" eilten zur Rettung der Mannschaft herbei. Das Ereignis erschütterte alle furcht­bar. Die Trauerkunde durchflog die Stadt, alle eilten an den Hafen, niemand wollte an den Untergang Makarows glauben, alle hofften, daß er gerettet wäre. Viele behaup­ten, daß am 15. April bei Port Arthur ein japanischer Kreu­zer untergegangen sei und daß die Kasuga" und die Nisshin" durch das indirekte Feuer am 15. April über der Waſſerlinie beschädigt sei.

Wie die Japaner die Minen legen konnten. Die Japaner sind über die Erfolge bei Port Arthur ganz begeistert und stolz auf die Leistungen des Admirals Togo, besonders darauf, daß es diesem gelang, den feindlichen Hafen durch Minen zu sperren, den Feind sodann über dieses Minengebiet zu locken und einen Flankenangriff auf ihn zu machen. Die Japaner kamen auf die Idee, diese Minen zu legen, nachdem sie genau beobachtet hatten, daß die russischen Schiffe, wahrscheinlich zur Vermeidung eigener Minen, immer dieselbe Fahrstraße bei der Aus- und Einfahrt benutten. Die Japaner merkten sich genau die von den Russen gewählte Straße und belegten sie mit Minen. Diese Arbeit des japa­nischen Minendepots war ein außerordentlich gewagtes unter­nehmen, denn jeder Treffer von Seiten der Batterien des Feindes würde das Schiff vernichtet haben. Das Wrak dor Petropawlowsk" liegt nach japanischen Meldungen südöst­lich vom Goldenen Berg, eine Meile außerhalb vom Hafen­eingang.

Japanische Trauer um Makarow.

Es dürfte wohl bisher unerhört sein, daß die Bevölke­rung eines im Kriege stehenden Landes auch Trauergottes­dienste wegen der Verluste des Feindes abhält. Dies ist aber, wie der Daily Mail" aus Kobe gemeldet wird, tat­sächlich in Japan der Fall gewesen. In Nagoja fand am 15. April abends eine große Fackelprozession zu Ehren der gefallenen Russen statt. Die Volfsmenge trug tausend weiße Laternen mit sich für die Seelen der toten Russen und vor diesen Sühnelaternen wurden Banner getragen mit der In­schrift: Wir trauern um den tapferen russischen Admiral Makarow". Offiziere und Zivilbeamte hielten Trauerreden und Musikchöre spielten Trauermärsche.

Wie aus Port Arthur gemeldet wird, ist die Lei e des Admirals unter einer ganzen Anzahl von toten..., ischen Offizieren dort ans Land gespült worden.

Die Verzögerung im japanischen Aufmarsch

in Korea, die alle Sachverständigen überrascht, da nur rasche Offensive den Japanern die Ueberlegenheit sichern kann, findet iegt eine eigenartige Erklärung. Der Hauptgrund ist die Entdeckung des Verkaufs der japanischen Pläne an Rußland durch Oberstleutnant Hanzofu. Der Verkauf der Pläne er­folate durch Vermittelung des russischen Militärattachees in Tokio, der mit Oberstleutnant Hanzoku von der gemein­samen Studierzeit beider in Deutschland her befreundet ist.

Oberstleutnant Hanzoku wurde, nachdem man ihn seiner Schuld überführt hatte, friegsgerichtlich abgeurteilt, cr= schossen und im Gelände des kaiserlichen Palastes in Tokio begraben. Sein Schicksal wurde der Oeffentlichkeit verheim­licht, und seiner Familie wurde mitgeteilt, er sei in lang= wieriger Mission nach Korea entsandt worden. Die java­nischen Feldzugspläne waren nur den sogenannten Alten Staatsmännern" und dem Generalstab bekannt. Die syste­matische Durchkreuzung der Pläne durch die Russen ließ je­doch klar erkennen, daß sie diesen bekannt sein mußten. Das Kriegsministerium ließ darauf die Alten Staatsmänner" und die Offiziere des Generalstabs scharf überwachen und erfuhr dabei, daß Oberstleutnant Hanzoky jetzt ein luxuriöses Leben führte, während er früher ein bankerotter Spieler ge­wesen war. Der ganze Feldzugsplan mußte natürlich ge= ändert werden.

Drahtlose Telegraphie und Spionage.

Die amerikanische Regierung erwägt gegenwärtig sorg­fältig die Frage der Regierungskontrolle über die draht­lose Telegraphie in Kriegszeiten infolge der am 15. April ergangenen Mitteilung der russischen Regierung, daß sie Be­richterstatter, welche sich der drahtlosen Telegraphie bedienen, als Spione behandeln wolle. Man spricht die Meinung aus, daß eine Regierungskontrolle über die drahtlose Tele­graphie mindestens im Sinne eine Oberaufsicht namentlich längs der Küsten wünschenswert, wenn nicht unumgänglich nötig sei, auch um sicherzustellen, daß die drahtlose Tele­graphie nicht in Kriegszeiten zum Schaden der Regierung verwendet würde, um mit dem Feinde in Verbindung zu treten.

Die Politik.

Der Bundesrat wird demnächst eine neue, vielfac verschärfte Prüfungsordnung für Apotheker beschließen, die noch in diesem Jahre in Kraft treten dürfte.

Allerhand Gerüchte über das Schicksal der Kolonne Gla­senapp sind in der Presse verbreitet. Eine Meldung wußte sogar zu berichten, die zu der Kolonne gehörige Kompagnie Fischel habe 60 Mann verloren. Diese Meldung ist, wie unser Berliner CB- Mitarbeiter an amtlicher Stelle hört, völlig unzutreffend. Seit dem 2. April, dem Tage von Okabarni, liegt keine Nachricht, weder eine gute noch eine schlimme, über die Kolonne vor. Auch der Gouverneur hat bisher über das Schicksal der Kolonne nichts gehört. Nach neueren Meldungen hat zu Beginn des Aufstandes auch bei Water­berg ein Gefecht stattgefunden, bei dem die dort stationierte Schuttruppenabteilung, etwa 50 Reservisten, von den Herero niedergemacht worden sein soll. Was an der Meldung Wahres ist, läßt sich z. 3t. nicht ermitteln.

Von einer bedeutsamen Vereinbarung in der preußisch­bayerischen Verkehrsvolitik wird neuerdings berichtet. Da­nach soll nach der bestimmt zu erwartenden Verstaatlichung der pfälzischen Bahnen deren Verpachtung an eine bayerisch­preußische Betriebsgemeinschaft ins Auge gefaßt sein. Die jüngsten Besprechungen des Direktors Lavale mit Minister Budde ständen damit im Zusammenhang. Als Gegenleistung mürde eventuell Preuen den Main von Hanau bis Aschaffenburg tanalisieren. Die amtlichen Stellen, bei denen unser CB- Mitarbeiter megen dieser Meldung Nachfrage hielt, beſtätigen ſie ebensowenig, wie sie sie dementieren. Da­nach scheint etwas an der Sache zu sein.

Afrika.

Die jüngste Aeußerung des englischen Parlamentariers Bowles, es bestehe ein geheimer Vertrag, der die Aufteilung Marokkos zwischen Deutschland, Frankreich und Spanien nach dem Vorbilde Polens vorſehe, wird in den diplomatischen Kreisen Londons als übertrieben und als for­mell falsch bezeichnet. Richtig sei nur, daß die Interessen Deutschland und Spaniens gesichert und gemähr­leistet wurden. Diesmal dürften die Diplomaten auf der richtigen Fährte ſein.

Amerika.

A In Pennsylvanien, in der Kohlenstadt Gar. rett, ist es zu großen Ausschreitungen streikender bewaff­neter Grubenarbeiter gekommen. Ein großes Polizeiauf­gebot ist nach Garrett abgegangen, man befürchtet, daß es zu einem Kampfe zwischen den Ausständigen und den Nicht­Gewerkschaftlern fommen werde. Bereits sind zahlreiche Schüsse gewechselt worden. Ein Arbeiterwohnhaus wurde niedergebrannt, dabei kam die Frau eines Grubenarbeiter mit ihren fünf Kindern ums Leben.

Hof und Gefellschaft.

Der Kaiser ist in Catania von der Bevölkerung enthusiastisch empfangen worden. Die Hohenzollern" ging im inneren Hafen vor Anfer; Friedrich Cart" blieb auf der Reede. Die Stadt ist reich geschmückt, überall wehen deutsche ind italienische Jahnen. Von der Landungsstelle aus zieht sich eine fortlaufende Dekoration durch die Hauptstraßen,

Aehnelt ihm sein Bruder?" fragte ich.

trengten Leben auch diese Erfrischung.

ter überhaupt nicht, und so fehlt ihm bei seinem ange­

Flettern mußte, um Kranke zu besuchen. Geistige Getränke

mächtig wurde, wenn er mit leerem Magen über die Berge

abschiedete ich mich mit Mylrea zu. Hinter der letzten Pater Johannes, sprang in Wir erhoben uns und traten

zur Tür hinaus.

Dort

ver

Händedruck von

einem fräfund fuhr auf

meinen

auf der Sanditraße die rantte des Dorfes gewahrte id)

ihn stecken lassen, sind Dummköpfe. zen den Schlüssel ab und ſteckt ihn in die Tasche; die welche Sobald

man in Gefenschaft ist, so nimmt man vom Her.

öden Gegenden bekannt ist. Deren wir ein Trommeln, das geheimnisvolle Trommeln einem unerklärlichen Phänomen, das den Reisenden jener Bon irgend einer Seite, von unbestimmter Richtung her alb ichwächer, hielt es von