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Schon bei meinen früheren Personalangaben habe ich ewig davon sprechen. Aber das Weiße Nok" war und blieb ausgesagt, daß ich nicht verheiratet bin.' das vielbesuchte Wirtshaus. ,, Doch, denn dies ist Ihre Frau." Als die zehnjährige Bacht ablief, ging Jim nicht auf Die Tür war aufgestoßen worden, in der Tür stand eine die neuen Bedingungen ein, denn jetzt wurde für das junge Dame. Charles nickte ihr freundlich zu und wandte kostbare Grundstück eine enorme Miete verlangt. Er stedelte sich wieder an den Richter, der ihn hatte vergeblich zu Boden als wohlhabender Mann, begleitet von Tochter, Schwiegerschmettern wollen. sohn und Enkeln, nach Newyork über, wo ihm ein Schwager ein Boardinghouse für Seeleute, auch eine Goldgrube, in der Marquartstreet, abtrat. Dieses Haus wird er noch jetzt bewirtschaften. Von dort aus schrieb er sofort an das Londoner Gericht einen Brief, in dem er stolz die Urheberschaft jener Idee für sich beanspruchte, daß nämlich nicht der findige Reporter, sondern er selbst, der dumme Jim Carpenter, den schlauen Gedanken mit dem vorgeblichen Morde ausgeheckt habe.
Ich gestehe, daß ich mich mit dieser Dame verheiratet habe, aber unter dem falschen Namen Fred Jackson, also ist diese Ehe ungültig. Doch werde ich jetzt die gesetzliche Trauung nachholen. Ferner ist dies nicht Miß Marie Douglas, sondern Miß Nancy Carpenter, und da sie noch lebt, kann ich sie doch auch nicht gut ermordet haben."
Englische Beamte verlieren selbst in den schwierigsten Fällen nicht ihre Würde. Der Richter verzog daher keine Miene, schüttelte nur den Kopf und ließ dann Zeugen holen. Die Zeugen famen, und da half kein Staunen, Entseßen und abergläubisches Kopfschütteln, da war eben die angeblich ermordete Nancy, und Vater im umarmte unter Freudentränen die wiedergefundene Tochter.
Als auch der Richter davon überzeugt war, hatte er mit der Sache vorläufig weiter nichts zu schaffen; da die Anflage wegen Mordes hinfällig geworden war, mußten Charles und Nancy sofort auf freien Fuß gesetzt werden.
Und am anderen Tage stand die als Tote beweinte Nancy wieder hinter dem Schenktisch im Weißen Roß", und wieder entstand eine wahre Völkerwanderung dorthin, Aber vergebens suchte man von denen etwas von dem Geheimnis zu erfahren, welche darum wissen müßten; deren Mund blieb stumm, am stummsten der von Nancy.„ Sie hat die Sprache verloren, sie mußte Schreckliches ausgestanden haben," hieß es. Nein, stumm war sie nicht, sie konnte zum Beispiel fragen, was der Gast beliebe, aber sonst war sie nicht zu sprechen. War es denn überhaupt die Nancy? Viele bestritten das, am meisten die Spiritisten, welche sich schon mit ihrem Geiste unterhalten hatten.
Die erste Person, der ein klares Licht aufging, war die Wirtin vom Königskopf". Der ganze Mord war nur eine künstliche Mache gewesen, um das Geschäft in die Höhe zu bringen; Vater, Tochter und der saubere Reporter hatten unter einer Decke gespielt. Charles hatte sich in einem anderen Viertel des großen London ein Messer, vom Fleischer ein Gefäß mit Blut und von Nancy ein Umschlagtuch besorgt, das Blut vor der Türe ausgegossen, das Umschlagtuch hineingetaucht, es bis an den Teich geschleift, es hineingeworfen, das Messer zurückgelassen, und war dann mit Nancy entflohen. Mit dem nun schnell verdienten Gelde richtete Charles der Braut im Westend eine hübsche Wohnung ein, ließ sich einstweilen unter falschem Namen mit ihr trauen, und so ging es vier Jahre fort. Jetzt, da die Sache endlich herauskam, fand die gesetzliche Trauung nachträglich statt.
Aber die Zuhörer, denen die Wirtin dies erzählte, waren gar nicht damit einverstanden; das war wohl schlau, ihnen aber viel zu prosaisch, sie wollten lieber etwas Sensationelles glauben. Und die, denen ihre eigene Vernunft die richtige Lösung gab, konnten nur den geschäftlichen Kniff bewundern. Jedenfalls tat das Wiederauftauchen Nancys dem Weißen Noß" keinen Abbruch, ganz im Gegenteil.
Die englischen Advokaten, welche bekanntlich aus schwarz weiß machen und das Linke nach rechts und das Oberste zu Dienste an; wenn er sich zu verantworten habe, etwa wegen unterst zu drehen wissen, boten dugendweise Charles ihre falscher Angaben, überhaupt wegen dieser Täuschung der Charles nahm aber gar keinen, denn er war sicher, daß ihm Behörden, wollten sie ihm als Verteidiger zur Seite stehen. fein so schlimmer Prozeß gemacht werden könne. Und wie ihm rechtskundige Freunde im Vertrauen sagten, so geschah es auch; vergebens wartete er auf eine Vorladung, es fam feine. Es war auch in der Tat gar nicht so leicht, ihm etwas falschem Namen konnte man ihn belangen. Aber man zog am Zeuge zu flicken, höchstens wegen der Trauung unter es überhaupt vor, um die Blamage des Gerichts und der Polizei nicht gar zu öffentlich zu machen, die Sache niederzuschlagen.
Charles gab die Stelle bei der Zeitung auf und blieb beim Schwiegervater, der auch seine Kraft notwendig brauchte. Auch das neue Weiße Roß" wurde nach einigen Jahren abgebrochen, ein elegantes Haus entstand auf seinen Trümmern, und nach und nach begann auch die Erinnerung an die Geschichte zu verblassen, man konnte doch nicht
Wieder ließ die Brauerei die Wirtschaft abbrechen und das jetzige, palaſtähnliche Gebäude errichten; in fünf Meter hohen Buchstaben sieht man White Horse" schon kilometerheit über die anderen Häuser wegragen, und nur einige Schritte davon entfernt ist zwischen zwei eleganten Geschäften ein kleines, armseliges Häuschen eingefeilt,„ Kings Head", so wie es schon damals gewesen ist.
Es hat nicht an Nachahmungen dieses pfiffigen Tricks gefehlt. Einmal brach in London eine wahre Manie aus, durch solche Komödien Geschäfte in die Höhe zu bringen; man fand eingemauerte Gerippe, abgeschnittene Gliedmaßen, Personen verschwanden, noch jetzt kann man hin und wieder von solchen Reklamemitteln in den Zeitungen lesen- aber alles will nicht mehr recht ziehen. So sensationslüstern das englische Volk auch ist, zum zweitenmal durch dieselbe Sache nasführen läßt sich die Polizei und das Publikum nicht.
WITZ
UND
HUMOR
Hinein und hinaus.
So mancher lebt in die Welt hinein, Leichtsinnig in Saus und Braus.
Hinein? Das dürfte ein Irrtum sein, Er lebt aus der Welt sich hinaus!
Der Dumme hat's Glück. Vater( zu seinem Sohne, der glänzend durchs Gyamen gefallen ist):„ Kauf dir jetzt wenigstens ein Lotterielos."
Pech. Wie hat eigentlich die alte Jungfer ihren Bräutigam verloren?"" Beim Versteckenspiel- wie sie ihn suchen will, war und blieb er verschwunden!"
Ausrede. För st er:„ Aber Sie haben den Hasen ja wieder gefehlt, Herr Assessor." Absichtlich; möchte die Viecher, damit's Fell nicht beschädigt wird, durch den Schreck töten."
„ Nette
Weit zurück. Emanzipierte Studentin: Kommilitone, die Wanda! Die will Studentin sein und hat noch nie einen Moralischen" gehabt."
Rentabler. Moses:„ Tate, mich hat de Muse geküßt." Vater:„ Schau lieber, Moses, daß dich e reiche Bankierstochter füßt."
Auch ein Standpunkt.„ Aber, Ella, wie kann man denn so stark kokettieren?"" Aber, Mama, man kann doch seine Augen nicht so nutzlos herumschleppen."
Kasernenhofblüten.
„ Na, Huber, Sie sind ooch so'n modernes Subjekt, denn Sie sind ja wahrhaftig überdämlich."
" Folmer, Sie marschieren wie eine Gans, die den Größenwahn hat!"
( Zum Husaren, der beim Appell einige Pferdehaare am Säbel hängen hat):„ Nun ſagen Sie mir doch, wie Sie wieder zum ollen Damaskus sein Schwert kommen,"
" Ihr seid ja so dumm, daß euch schon das Herz im Leibe lacht, wenn ihr bei einem Fuder Heu vorbeigeht."
,, Müller, nich' so zaghaft, drücken Sie man det Jewehr fester an sich; wat Platonisches jibt's bei's Militär nich'!"
Nr. 64.
Montag, den 21. März.
1904.
Oberbessische Familienzeitung.
Tägliche Unterhaltungs- Beilage
der
Gießener Neueste Nachrichten.
Band zub Berlag ber Glepowes Berlag@ bundeset, verm. Bus. Rellerie Budbruderet( gegs. 1788); uten
( 27. Fortsetzung)
Der Goldmarder.
Original Roman von M. Bezold.
Die Baronin träufelte eine stark duftende Essenz auf ihr Taschentuch und beneyte damit ihre Stirne, ein harter böser Bug lag um ihre festgeschlossenen Lippen.
„ Willst du mich nun anflagen?" fragte sie ironisch. Leider ist diese Klage begründet!" fuhr Sabine fort, den zürnenden Blick fest auf ihre Tante heftend.„ Mit deinem alten Freunde, dem Hofmarschall, hast du gegen mich intriguiert, du glaubſt mich zwingen zu können, meinen eigenen Hoffnungen und Wünschen zu entsagen und mich unter deinen Willen zu beugen. Das aber wird dir niemals gelingen, du erreichſt damit mir eine Entfremdung zwischen uns, für die du ſelbſt die Verantwortung übernehmen mußt." ihren Augen blitte der Zorn. Die Wangen der Baronin hatten sich gerötet, auch aus
„ Das alles wird dir der Hofrat gesagt haben," erwiderte sie, es liegt ja in seinem eigenen Interesse, dich in deinem Entschluß zu bestärken. Was ich in dieser Angelegenheit getan habe, bezweckte nur dein Wohl; ich verdiene eher deinen Dank, als Vorwürfe. Wer ist dieser Mann, den du zu heiraten gedenkst? Ein mittelmäßiger, aufgeblasener Maler, wird dich an den Bettelstab bringen, dann erst wirst du er der mit deinem Vermögen seine Schulden tilgen will. Er kennen, wie berechtigt meine Warnung war."
Das glaubst du selbst nicht," sagte Sabine achselzuckend. „ Mag Ottokar auch als Künstler nicht sehr hoch stehen, ein aufgeblasener Narr ist er darum doch nicht, und deine Achtung kanst du ihm nicht versagen. Daß er Schulden hat, ist in meinen Augen kein Fehler, ich teile meinen Reichtum freudig mit ihm, denn ich weiß, daß er mich ebenso innig lieben würde, wenn ich arm wäre."
Ein hysterisches Lachen war die Antwort der Baronin, ein Lachen, das ihrer Nichte das Blut heiß in die Stirn trieb.
„ Wenn du arm wärest?" wiederholte sie. So groß ist die Macht deiner Reize nicht
Laß es genug sein, Tante," unterbrach Sabine sie mit scharfer Betonung ,,, meine Worte berechtigen dich nicht, mich zu beleidigen. Wenn du die Allgewalt der Liebe niemals fennen gelernt, so darfst du auch nicht über sie urteilen, alle deine Intriguen werden an ihr zerschellen. Fürstengunſt gilt mir nichts, ihr werde ich niemals ein Opfer bringen, ich meine, das hätte ich dir oft genug gesagt. Gefällt dir mein Entschluß nicht, so ist es besser, daß wir uns trennen, die Feindseligkeiten zwischen dir und meinem Verlobten würden auch mein Glück trüben, ich bin entschlossen, allen Bestrebungen, die meinen Frieden stören können, energisch entgegenzutreten."
Frau v. Gagern hatte aus ihrem Sessel sich erhoben, ihre Migräne war plötzlich verschwunden, hoch aufgerichtet, mit blizenden Augen stand sie vor Sabine, die ihr furchtlos in die funkelnden Augen schaute.
" Nicht ich, du willst dieſen Bruch!" ſagte sie mit schneidender Stimme.„ Du zeigst mir die Tür- ,, Nein, Tante
Weshalb versuchst du noch, es zu leugnen? Ich verstehe deine Worte wohl, ich bin dir unbequem geworden, weil ich
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( Nachdruck berboten.);
die Torheit, die du begehen willst, nicht gutheiße. Sei es denn, ich werde gehen, Sabine; zaudere ich damit, so wirst du mir noch jede Unterstützung vorwerfen, die ich von dir empfangen habe-"
" Tante!" rief Sabine empört.
Im Geiste hast du es schon getan," fuhr die Baronin mit wachsender Erregung fort,„ Du forderst nun von mir, daß ich selbst gegen meine Ueberzeugung mich deinem Willen schweigend unterwerfe. Nimmermehr! Als die Schwester deiner Mutter fühle ich mich verpflichtet, dir zu raten und dich zu warnen, du willst nicht auf meine Worte hören, so muß ich dich denn deinen eigenen Weg gehen lassen, die Neue wird nicht ausbleiben. Das aber sage ich dir, in der Stunde, in der du mit jenem Maler dich verlobst, verlasse ich dein Haus, dessen Schwelle ich nie wieder betreten werde."
Sie rauschte mit hocherhobenem Haupte hinaus, ohne eine Antwort abzuwarten.
Mag sie gehen," sagte Sabine leise, ich halte sie nicht zurück, sie würde ja nur den Frieden und das Glück meiner Che stören. So, wie es war, konnte es nicht länger zwischen uns bleiben, ich habe lange genug Geduld gehabt, aber endkommen." lich mußten diese Meinungsverschiedenheiten zum Austrag
Ihr Blick heftete sich auf die Tür, sie vernahm draußen eine Stimme, deren wohlbekannter Klang ihr das Blut rascher durch die Adern trieb.
Im nächsten Moment wurde die Tür geöffnet, Ottokar stand auf der Schwelle, seine zitternde Stimme rief ihren Namen, er lag vor ihr auf den Knieen, und eine unsagbare Fülle heißer Liebe leuchtete aus seinen Augen, die zu ihr emporschauten. Wenn die Stimme meines Herzens mich täuscht, Geliebte, so verzeihe mein Ungestüm," sagte er leise, ,, heiße dann mich wieder gehen, und mit brechendem Herzen werde ich dich verlassen- nein, nein, es ist keine Täuschung, du liebst mich, ich lese es in deinen schönen Augen, die mir den Himmel auf Erden verheißen."
" Ja, ich liebe dich," flüsterte sie, von seinen Armen um schlungen, sich ganz dem berauschenden Gefühle hingebend, das ihre Seele durchströmte, meine Angst um dein teures Leben mußte es dir ja beweisen. Du Böser, wie konntest du mir das antun!"
,, Kein Anderer sollte dich besitzen, so lange ich lebte!" er: widerte er jubelnd, und mit einem langen heißen Kuß schloß er ihr die Lippen.
Der Eintritt der Baronin schreckte die Glücklichen plötz lich auf.
Frau v. Gagern erkannte sofort, daß das, was sie ge fürchtet hatte, bereits eingetreten war, sie ließ ihrer Nichte keine Zeit zu einer Mitteilung, mit einem falten, fast verächt lichen Blick auf den Maler zog sie sogleich sich wieder zurück „ Herr Hofrat v. Weisweiler," meldete Rosa in diesem Augenblick.
Sabine und Ottokar erhoben sich und gingen dem Ein tretenden entgegen, der erstaunt seinen lächelnden Sohn an blickte, dann aber mit herzlichen Glückwünschen dem Braut paare beide Hönde reichte.
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