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FUR UNSERE JUGEND

Merksprüche.

Fröhlicher Mut und ernstes Streben Soll deinem Leben die Richtung geben.

Gut verloren Mut verloren Ehr' verloren

-

*

unverdorben, halb verdorben,

gar verdorben.

Eine Heldenstadt.

Städte, in denen für alle Zeiten berühmt gewordene Menschen gewirkt haben, Gegenden, von denen Strömungen ausgegangen sind, welche in der Geschichte der Völker und Menschen bleibende Spuren hinterließen, erwecken unsere Teilnahme in hohem Grade. Nicht am wenigsten bedeu­tungsvoll war Sparta, auf der griechischen Halbinsel Pelo­ponnesus; und mancher von euch hat sicher den Wunsch, einmal die Stätte zu schauen, von wo Leonidas zum Helden­tod mit seinen dreihundert Spartiaten nach den Thermo­pylen auszog.

Das Bild, das uns die Ebene von Sparta heute zeigt, ist allerdings wesentlich von einst verschieden. Der Glanz früherer Zeiten ist vorbei, von den Gebäuden, Tempeln, welche vordem die Ebene inmitten zahlreich ausgedehnter Gartenanlagen füllten, sind nur wenige Ueberreste alter Bäder, eines Tempels und einer Brücke über den Eurotas erhalten. Der Palast des Menelaus, aus dem Paris mit der schönen Helena floh, in dem die griechischen Fürsten um Agamemnon sich versammelten und den Rachezug gegen Troja berieten, ist längst verschwunden, die Agora( Markt­platz) mit den Versammlungsgebäuden der Gerusia( Rat der Alten) und der Ephoren, ist verfallen, die belebten Cymnasien und weiten Ringpläße der Jünglinge, auf wel­chen fast ausschließlich die Erziehung zu abgehärteten, kriegs­frohen Männern vor sich ging, sind verödet; aber noch heute blickt unerschütterlich das steile, unwegsame Taygetos­gebirge hinab in die Ebene von Sparta, noch durchſtrömt der sagenberühmte Fluß Eurotas die weite Fläche.

Die jezige Stadt Sparta nimmt nur einen kleinen, den südlichen Teil des alten Sparta ein und ist von sehr ge­ringer Bedeutung; sie wurde erst 1836 wieder neu gegründet. Tie Ebene von Sparta wird aber unvergessen bleiben, so lange Menschen leben.

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Für fleißige Hände.

Buntfarbige Photographien herstellen zu können, bereitet immer viel Freude. Man kann diese Kunst auf vielerlei Art ausführen; die einfachste ist diejenige mit Wasserfarben, die ihr in einem Tuschnäpfchen, wie üblich, auflöst und dann etwas frisches Eiweiß hinzusetzt. Man bekommt Eiweißfarben auch gleich fertig zu kaufen. Die Farben dürfen nur dünn sein und müssen lasierend aufgetragen werden, d. h. man muß die Licht- und Schattenpartien, welche das photographische Bild bietet, noch hindurchsehen. Will man z. B. Kopfhaare goldblond malen, so nimmt man die helle Ockerfarbe und übermalt damit die Haare ganz gleichmäßig; eine Abschattierung ist nicht nötig. Ebenso malt man Wiesen grün, Wasser hellblau, Häuser grau mit rötlichen Ziegel- oder bläulichen Schieferdächern, Himmel malt man nur oben blau und verwischt dann diese Farbe in schnellen Querstrichen mit einem bloß wasser­feuchten Pinsel nach unten zu, so daß der Himmel im Hintergrund immer heller und dadurch sehr natürlich erscheint. Bei Porträts zichtet man sich natürlich ebenfalls nach der Natur, malt Gesicht, Halz und Arme fleischfarben, die Wangen etwas rot, die Lippen etwas mehr rot, Augen blau oder schwarz u. s. w.

BY

Tuftige Ecke.

Der kleine Feldherr. Vorsicht ist bekanntlich der beste Teil der Topferkeit. Das zeigte auch Hänschen, das vierjährige Söhnchen en unserer ersten Generale. Er spielte längere Zeit ganz fried­I'd mt seinem allerliebsten Hündchen. Endlich beißt oder kneift d.s pa dhen ihn in die Wade. Hans ergreift mit großem Ge­sorei ie lucht zur Mutter. Die Mutter beschwichtigt den

Kleinen: D, du Hasenfuß, er hat dir ja nichts getan, geh', ver­söhne dich wieder mit Bello! Das liebe Tier hat es ja nicht böse gemeint! Gieb ihm ein Küßchen!" Hans geht hin, dreht aber Bello um und küßt ihn über den Schwanz. Entrüstet ruft die Mutter: Aber Hans, was fällt dir ein! Warum küßt du denn den Hund auf den Rücken?"" Ja, Mama," sagt Hans, der scharfsinnige Erbe des bekannten Feldherrn, da kann er mich doch nicht beißen!"

Eines Königs erste Schulffunde.

Als Sachsens König Albert noch Stand in der Kindheit frohen Tagen, Da wollte ihm der Schule Joch Im Anfang gar nicht recht behagen. Als man ihn in das Zimmer rief, Den jungen Lehrer zu begrüßen, 3og schmollend er das Mündchen schief Und stampfte troßig mit den Füßen. Man mahnte, drohte, bat und schalt, Versucht es, kurz, auf allen Wegen, Doch immer setzt der junge Prinz Sein fest: Ich will es nicht!" entgegen. Der Lehrer, welcher zugehört

Dem Streit mit ruhigem Gesichte, Rief jetzt: Mein Prinz, von einem Pferd Weiß ich die herrlichste Geschichte!" Prinz Albert horchte auf, gestillt War plötzlich all' sein Leid und Grämen. ,, War denn das Pferd auch richtig wild?" Ließ er sich rasch darauf vernehmen. Zutraulich trat er näher schnell. Bald saßen friedlich sie beisammen, Und aus des Prinzen Auge hell Erstrahlten der Begeist'rung Flammen. Und als die Mär zu Ende, spricht Der junge Mann mit heitrem Munde: Mein Prinz, dies war vom Unterricht Soeben unsre erste Stunde."

Da schlug dem kleinen Prinzen froh Das Herzchen, als er dies vernommen: " Ja," rief er, wenn die Schule so. Dann kannst du alle Tage kommen!"

Rätsel und Aufgaben. 1. Krenzrätsel.

2

3

4

Im Walde steht die 1+ 2 Stets grün, ob warm, ob kalt es ſei; So manche gute 1+ 4

Seid, meine Löserinnen, ihr; Die 3+ 4 fann scharf auch sein, Ist als Gewebe schön und fein; Verschieden ist, wie an Gehalt, Die 3+ 2 auch von Geſtalt.

2. Zahlenrätsel.

-

-

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 ein europäisches Kaiserreich.

2 3 1 5 ein Fisch,

4 5 8 9 10 ein Knabenname,

34 8 9 10 ein stehendes Gewässer,

6 8 9 10 3 4 5 ein Mann des Rechts,

5 48 27 ein Wunsch vieler im Sommer,

4 8 9 10 7 ein Baum,

8 9 10 ein persönliches Fürwort,

9 10 6 8 2 3 der Bekenner einer bestimmten Religion,

10 8 5 3 ein Hüter.

Die Anfangsbuchstaben der gefundenen Worte, von oben nach unten gelesen, ergeben wieder das erste Wort. 7'''! D

xəzəng

Nr. 17.

Donnerstag, den 21. Januar

Oberhessische Familienzei

Tägliche Unterhaltungs- Beilage

der

Gießener Neueste Nachrichten.

1904.

Bad and Berlag ber Stefaner Serlegsbraderet, verm. Wilh. Reller'sche Subruderet( gogs. 1789); recentment: ibis& lats

( 14. Fortsetzung.)

Der Beuge.

Roman von Marie Bernhard.

Sie hatte sich dicht neben ihren Bruder gestellt, wie wenn sie bei ihm Schutz suchen wollte, hatte ihre beiden Hände auf seinem Arm verschränkt und blickte mit den wundervollen dunkelblauen Augen dem einzigen, was bei den zwei Ge­schwistern von überraschender Aehnlichkeit war bittend zu Hellmuth auf. Wie reizend sie war! So reizend, daß der junge Norden sich innerlich versucht fühlte, ihr ein ganzes Orchester zuzugestehen, falls sie einen solchen Wunsch geäußert freundlich: hätte. Er unterdrückte aber jedes Kompliment und ſagte nur

Es bedarf keiner Bitte, auch keiner Entschuldigung, gnädigstes Fräulein! Wer, wie ich, die Musik lieb hat und selbst kein ganz schlechter Dilettant auf dem Pianoforte iſt, der kann eine Bereicherung der Kunstpflege auf Yokohama nur mit wahrer Freude begrüßen. Meine Diener stehen

zu Ihrer Disposition, um das Corpus delicti, das Sie mir so gewissenhaft gebeichtet haben, an Land zu schaffen!"

James und Charley wurden mit den notwendigen An­weisungen versehen, und Hellmuth winkte einen der japa­nischen flachen Kähne herbei, um vorerst einmal sich selbst, ſeine Hausgenoſſen und deren Handgebäck ans Ufer bringen zu lassen. Noch einmal drängten sich viele Kinder um Hilda Ermshagen, ein paar weinende Frauen umarmten sie zum Abschied, und mit respektvoll gezogenen Hüten standen ver­schiedene Herren um sie her, unter ihnen der englische Lord, der es offenbar für angezeigt hielt, diese deutsche Dame ganz wie eine englische Lady zu behandeln. Der schwedische Landwirt riß dem jungen Mädchen in heftiger Bewegung fast die Hand aus dem Gelenk und bedankte sich in einem sehr drolligen Gemisch von fehlerhaftem Deutsch und noch schlech­terem Englisch für die vielen Dienste und Gefälligkeiten, die sie während er Fahrt seiner leitenden Gattin und seinem Töchterchen geleistet, es kam die verblühte Italienerin mit ihrem muntern Zögling herbei und die blasse, elegante Amerikanerin mit dem Baby und dessen schwarzer Wärterin.

Hilda hatte für sie alle ein letztes Wort, hier einen tröstenden Zuspruch, ein Lächeln, einen herzhaften Händedruck, einen Auß, ein anmutiges Neigen des schönen Hauptes, und wie sie jetzt ihres Bruders Arm nahm, um zur Schiffstreppe zu gelangen, wandte sie sich noch einmal, warf noch einen langen Scheideblick den letten! auf das bunte und bewegte Bild, das sich ihr bot, und zog dann hastig den grauen Schleier über ihr Gesicht, weil sie fühlte, daß die Augen ihr feucht wurden. So viel hatte sie mit diesen Leuten während der langen Reise verkehrt, manchen war sie nahe getreten, sie hatte red­lich ihr Leid, ihre Freuden mit ihnen geteilt, sich für ihr Schicksal interessiert, manches Gespräch voll Ernst und Tiefe mit ihnen geführt, und nun? Sie verließ das Schiff und ging an ihres Bruders Seite einer unbekannten Zu­kunft in einem fremden Lande unter fremden Leuten ent­gegen und jene, die zurückblieben, die weiter fuhren, sie würde sie voraussichtlich in ihrem ganzen Leben nie mehr wiedersehen,.... und welches würde ihr Los sein?

( Nachdrud verboten.)

Aber Hilda Ermshagen war kein kleinmütiges und zag­haftes Geschöpf! Das Leben hatte sie mehrfach schon in neue Situationen geworfen, sie war nicht verwöhnt, es war nicht das erste fremde Land, dessen Boden ihr Fuß betrat, und hatte sie nicht ihren Bruder, an dessen Schicksal nun einmal das ihrige gefettet war... bis nun, darüber wollte sie sich vorläufig keine Gedanken machen!

Sie schlug den Schleier zurück und besah sich mit teilneh­mendem Auge das Getümmel im Hafen, dem die raschen " uderſchläge sie immer näher brachten, und sie lächelte über die kleinen gelben Japaner, die da am Ufer so gravitätisch im schwarzen Ueberrock und Cylinder, als Europäer", ein­herstolzierten und gar keine Ahnung hatten, welch komische Figur sie in dieser Tracht bildeten.

Natürlich war weder von Hot- sumi noch von den Gepäck­farren eine Spur zu finden, als man landete, und Hellmut fand zum tausendstenmal die Erfahrung bestätigt, daß ein Duzend japanischer Eide und Beteuerungen nicht so viel gelten, wie ein einziges deutsches Ja!" Er mietete also einen Menschen samt Karren, den er nicht aus den Augen ließ, und trat dann mit seinen beiden Gefährten den Weg nach dem Hause seines Vaters an.

Norden senior hatte heute früher als sonst das Kontor verlassen, um zum Empfang der neuen Hausgenossen bereit zu sein. Er war in nachdenklicher Stimmung, und das Herz war ihm schwer. So war es nun also gekommen, wie er selbst es gewollt: ein Fremder sollte im Geschäft an seines Sohnes Stelle treten und schließlich aus seinen, des obersten Chefs, Händen die Leitung der Firma Norden& Sohn" selbständig übernehmen, wenn auch er sich zur Ruhe setzen würde. Und Hellmut sollte zum kommenden Herbst, wenn in Deutschland die Blätter zu fallen begannen und für Japan die schönste Jahreszeit herannahte, zurückgehen nach Europa, sollte Yokohama für immer verlassen!

Dort tamen drei Gestalten durch die mit spärlichem Blattwerk bestandenen Laubgänge auf das Haus zu; ein japanischer fremder Lastträger, der einen Karren mit hoch­getürmtem Handgepäck vor sich herschob, folgte ihnen. Norden senior erkannte seinen Sohn schon von weitem an seiner hellen, bequemen Kleidung, dem breitgerandeten Hut und der stolzen Haltung des Kopfes. Prüfend drückte der Mann am Fenster unter der dunkelblauen Brille seine Augen zusammen, um die neuen Ankömmlinge besser zu sehen. Frizz Norden besaß ungewöhnlich scharfe Augen, er hatte sich nur an diese blaue Brille gewöhnt, weil das grelle Licht der tropischen Sonne ihm unangenehm war.

Jezt lüftete Hellmut, der seinen Vater am Fenster er­blickt hatte, den Hut, Walter Ermshagen folgte seinem Bei­spiel, die junge Dame neigte anmutig ihr Haupt, und Nor­den senior trat aus der Tür, seine Hausgenossen zu em­pfangen.

Was nun folgte, war eine allem Anschein nach ganz gewöhnliche Begrüßungsszene, die die herkömmlichen, höf­lichen Fragen nach der langen Reise, die üblichen Will­kommensworte, Reden und Gegenreden enthielt, und doch entsann sich Hellmut später, viel später, ganz deutlich, daß

Ben.