Ausgabe 
20.3.1904 Zweites Blatt
 
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Junt d. J. die eine in Gießen caelitische Familie auf dem Armen

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Seifenblasen

1904.

Wöchentliche Beilage für die Abonnenten der Gießener Neuesten Nachrichten".

Der falsche Freund.

Ein falscher Freund ist Deinem Schatten gleich: Wenns sonnig ist, so wird Dirs nicht gelingen, Aus Deiner Nähe ihn hinwegzubringen; Wirds aber trüb, verschwindet er sogleich.

Gut aufbewahrt.

,, Es ist unverantwortlich, wie kannst Du nur Deine Bücher aufs Leihhaus bringen?"

,, Aber bedenk doch, Papa, die teuren Werke, wenn einmal Feuer bei mir ausbräche, wo ich keinen Nagel versichert habe. Dort sind sie wenigstens sicher!"

in

Boshaftes Mißverständnis. Sonntagsjäger:

Wie

ich heute bei der Frühpirsche an eine Blöße fomme, seh' ich plötzlich den Brombeeren auf 150 Schritt einen Kapital- Sechserbock. Jch hinter einen Baum springen, auffahren, schießen und daliegen war ein's!"

Förster: Haben S' Ihna weh' tan, Herr Doktor?!"

Ueberraschung.

,, Kerl ich habe Dir doch ge= sagt Du solltest meine alten Liebesbriefe sämtlich verbrennen, und jetzt hast Du sie eingebunden in Deinem Kasten liegen?"

,, Ach, entschuldigen Herr Leut­nant, meine Köchin wünschte sich schon immer einen Liebesbrief= steller und da wollt' ich Ihre Briefe gleich dazu benützen!"

*

zu viel verlangt.

( Nachdruck verboten.)

Strandbosheit.

JEBARZ

K

,, Wie gefällt Dir eigentlich die Komtesse besser, im Bade- oder im Promenadenkostüm?"

Im Badekostüm untergetaucht ist!"

wenn sie

In einem Bureau ist unter zwei Kollegen ein Wortwechsel aus­gebrochen, in welchem der eine der= selben entschieden im Nachteile ist, da er stottert und deshalb nur schwer replizieren kann. Da= durch nur noch mehr aufgebracht, läßt er sich zu Beleidigungen hin­reißen und stößt endlich mit der größten Anstrengung hervor: Sie Sie Sic- Schschschschafskopf!" ,, Das werden Sie zurücknehmen!" braust der Beleidigte auf. Bbbbewahre ich bin fffffroh, daß ichs ddddraußen hab!" war die Antwort des schlagfertigen Stotterers.

gab. Da bereits im Jahre 1863 das damalige danische Haus Em Mannesstamme ausgestorben ist, so hat rechtlich nach dem en auf dem Jegitimitätsprinzip das Augustenburger Haus einen An­En bon 9-12 Spruch auf die Rückgabe der beiden Grafschaften. In dem mittags eingen mit der Aufgift: Provinzial- Siehen gstermin

Borm. 10 Uhr

denburgischen Staatsgrundgesetz vom Jahre 1848 aber ist Stimmt, daß das gesamte Staatsgebiet unteilbar sei. Der Rechtsbeistand des Hauses Augustenburg jedoch nimmt an, daß diese Bestimmung nur für die jetzige regierende Familie alte, daß aber die Rechtswirkung des Cessionsvertrags vom

Sahre 1676 im Falle ihres Erlöschens dadurch nicht auf­gehoben werde. Wir würden also vor der Frage stehen, ob nicht das Großherzogtum Oldenburg wieder in seine einzelnen enanstalt Oberhale zerfallen solle. Indem der Herzog Ernst Günther Dampfrige

Giessen

dließlich auf eine Entschädigung hinweist, befundet er aller­Dings, daß es ihm nicht um dieses Ziel zu tun ist, aber immer­pin ergeben sich aus dem Legitimitätsprinzip die sonderbarsten entwickelungen, deren Reihe in der vorangegangenen Auf­ählung noch nicht abgeschlossen ist. Denn wenn wirklich das Saus Glücksburg den oldenburgischen Thron besteigen sollte, ann würde es als nächsten Agnaten wieder das dänische

Sahnanschlüsse Ainigshaus mitbringen. Die Sachlage ist also folgende:

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Dadurch, daß die russischen Erben aus der Nachfolge aus­cheiden, wird die Thronanwartschaft eines dänischen Prinzen mit Hilfe eines deutschen Fürstenhauses dem oldenburgischen Ehrone näher gebracht.

Schon bei den sächsischen Fürstentümern und auch bei ber Erledigung des welfischen Herzogtums Braunschweig hat i gezeigt, daß das Legitimitätsprinzip, d. h. die Vergebung Der Fürstenkronen nach dem Prinzip eines unveräußerlichen Familieneigentums, die peinlichsten Widersprüche zu dem Reichseinheitsgedanken ergeben kann. Es wäre deshalb am münschenswertesten, wenn die deutschen Fürsten einer reichs­geglichen Regelung der Thronfolge in der Weise zustimmen wollten, daß nur reichsdeutsche Familien einen erledigten

prochene Feinde Deutschlands nach deutschen Fürstenkroner greifen.

Ein Unglückstag

in Deutsch- Südwestafrika. Gine Trauerfunde kommt aus dem Aufstandsgebiet in Südwestafrika: Ein allzu kühner Ritt des Majors v. Gla= sen app hat für uns den Verlust von sieben Offizieren und mounzehn Mann zur Folge gehabt. Außerdem sind drei

Leutnant Schäfer, Oberleutnant zur See Herrmann ( S. M. S. Habicht"), Gefreiter der Landwehr Wilhelm Schmidt, geb. 14. S. 1868 zu Gollendorf( Osterburg), Gefreiter der Landwehr Johann Senne, geb. 22. 1. 1870 zu Friedrichsfeld( Hofgeismar).

Leider scheint Major v. Glasenapp an diesem schweren Schlage nicht ohne Schuld. Angesichts der Tatsache, daß das ganze Land von Hererotrupps durchzogen wird, daß sie jogar die größeren deutschen Militärabteilungen dauernd umschwärmen, scheint es allzu unvorsichtig, daß Major v. Glasenapp sich mit seinem Stabe unter so geringer Be­deckung vor dem Gros seiner Kolonne so weit vorauswagte. Indessen fann man selbstverständlich von hier aus ein sicheres Urteil hierüber sich nicht bilden. Vielleicht war das Voraus­reiten Glajenapps aus taktischen Gründen geboten. Der Major selbst wird ja wohl bald nähere Aufschlüsse über den Hergang geben.

Je größer die Opfer sind, die uns die Rebellion des schwarzen Gesindels fostet, um so energischer wird hoffent­lich auch die Züchtigung sein, die unsere Regierung den Herero 311 teil werden läßt. Für diese Völker ist nur eins am Plate. völlige Entrechtung. Auf Gnade und Ungnade müssen sie dem Willen des Gouverneurs unterworfen sein. Nur dann wird es gelingen, die Kolonie für Deutschland nugbar zu machen.

Wie verlautet, werden in der nächsten Zeit folgende Truppentransporte auf Dampfern der Woermann­Linie von Hamburg nach Deutsch- Südwestafrika abgehen: Am 25. März 400 Mann auf dem Feldmarschall", am 30. März der Markgraf" mit 500 Pferden und der ,, Entre­rios" mit 100 Mann und 400 Pferden; am 7. April endlich die Lucie Woermann" mit 400 Mann.

Der Krieg in Oftafien.

Das Schicksal des Wladiwostoker Geschwaders beschäftigt die englischen Korrespondenten lebhaft weiter. Es soll sich auf hoher See befinden, mit der Absicht, nach Rußland zurückzukehren.

Falls diese von mehreren Seiten zu gleicher Zeit auf­tauchende Meldung auf Wahrheit beruht, so ist es höchst wahr­scheinlich, daß das Wladiwostok- Geschwader

die nordöstliche Durchfahre durch das nördliche Eismeer versuchen mird. Wenigstens

13. Jahrgang.

ionspreis: Die einspaltige Petitzelle für ganz Om die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. fonft 15% Reklamen die Petitzelle 30 refp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3269.

on und Expedition: Gießen, Seltersweg 8 Fernsprechanschluß Nr. 362.

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eßener Zeitung)

Gießen und Umgebung. Behörden von Oberhessen.

folgende Petersburger Telegramm mit Sicher­hin:

Wladiwostok- Geschwader hat sich am Dienstag wendung von Dynamit eine Fahrrinne durch das Hafens geschaffen. Man nimmt an, daß das Ge­nach der Insel Sachalin gegangen ist. Bei der ing Wladiwostoks durch die Japaner befand sich hwader im inneren Hafen.

Fahrt durch das Eismeer bedeutet nicht nur einen rsuch für das Wladiwostok- Geschwader, sondern als ein Erperiment aufzufassen, das größere Ziele at. Der Geschwaderchef soll erkunden, ob die

große russische Hilfsflotte

Bege durch das Eismeer den Kriegsschauplatz er­n. Darauf weist folgendes Telegramm aus

n:

behauptet sich das Gerücht, daß die Kreuzer des ostok- Geschwaders sich schon seit längerem auf der rt nach Rußland befänden. Das Problem der egänzung unterwegs soll gelöst worden sein. Das Jeschwader werde dann die große russische Flotte, m Sommer nach Ostasien abgehen soll, wieder

1.

es doch schon seit langem, daß die große russische nach dem Kriegsschauplatz von der Heimat aus t werden soll, auf dem Wege durch das nördliche r Ziel erreichen will. Ob dies allerdings möglich muß abgewartet werden. In amerikanischen vird das Projekt eifrig diskutiert. Der Polar­eary bejaht, General Greely, auch ein bekannter jer, verneint die Durchführbarfeit.

die Landoperationen liegen sehr widerspruchsvolle 1 vor: Während ein Londoner Privattelegramm u von einer

Schlacht am Jaluflusse

i weiß, in der die Russen 1800 Japaner zu Gefan­acht haben, wollen andere Berichterstatter wissen, samten russischen Streitkräfte, mit Ausnahme von n, über den Jalu zurückgezogen worden sind. Die trouillieren zwischen dem Jalu und Phjongjang. issen sind bei Kiuliencheng zusammengezogen Zwischen dem letzteren Orte und Antung befindet nie von Posten von je fünf Kosaken in einer Ent­n 500 Yards von einander. Der russische General fo meldet, daß sich in Phjongjang japanische In­it einigen Geschützen befindet. Bei Andschu tam es zu einem unblutigen Vorpostengefecht.

Die Politik.

A Einige Blätter regen sich darüber auf, daß als Bet­treter des Generalstabes der bayerischen Armee" der bayeri­sche Major v. Stetten den Operationen des japanischen Heeres in dessen Hauptquartier beiwohnen wird. Man geht dabei von der Voraussetzung aus, daß Major v. Stetten nicht als Vertreter der deutschen, sondern der bayerischen Armee nach Ostasien gehe. Das sei bedauerlich, denn dem Auslande gegenüber sollte das deutsche Heer immer als ein einheitlicher Haufe erscheinen. Diese ganze Aufregung ist gegenstandslos. Die japanische Heeresverwaltung hatte 1. 3t. der deutschen Heeresleitung die Teilnahme von vier Offizieren in ihrem Hauptquartier zugestanden. Zwei preußische Offiziere, Oberstleutnant Förster und Hauptmann Hoffmann, befinden sich bereits auf der Reise nach Japan. Als weiterer militärischer Beobachter wurde der Militär­attachee bei der deutschen Gesandtschaft in Tokio, Major von Ezzel, bestimmt, der sich bereits beim Hauptquartier der ja­panischen Operationsarmee befindet. Als vierter deutscher Offizier wurde Herr v. Stetten ausgewählt. Preußen hat selbst bei der bayerischen Heeresverwaltung die Entsendung eines bayerischen als des vierten deutschen Offiziers an­geregt, um so dem zweitgrößten deutschen Heeresfontingent ebenfalls einen Einblick in die Operationen in Ostasien zu ermöglichen. Was also als partikularistische Maßregel aus= gelegt wurde, ist im Gegenteil ein Beweis des ausgezeich­neten Verhältnisses zwischen Bayern und dem Reiche.

Auch die Reichstagsersazwahl in Zschopan- Marienberg, wo bei der Hauptwahl der Sozialdemokrat Rosenow gewählt wurde, hat kein endgültiges Ergebnis gehabt: Es kommt zur Stichwahl zwischen Pinkau( Sozd., 10 156 Stimmen) und Zimmermann( Reformpartei, 5986 Stimmen). Schanz( kons.) erhielt 4316 Stimmen. Der Wahlkreis ist be­kanntlich derselbe, in dem ursprünglich Göhre als sozialdemo­kratischer Kandidat aufgestellt war.

* Der bekannte Begründer und Leiter des Deutschen Vereins abstinenter Eisenbahner", Eisenbahndirektor de Terra, dessen Versegung nach Stolp s. 3t. Aufsehen erregte, scheidet zum 1. April aus dem Dienst, um sich ganz seinen gemeinnütigen Bestrebungen zu widmen.